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DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg

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31 Juli, 2026

„Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ 

Bundesweiten Aktionstag am 26. September unterstützen

Die DFG-VK Baden-Württemberg unterstützt den bundesweiten Aktionstag am 26. September und ruft zur Beteiligung an den Demonstrationen in Stuttgart und Freiburg auf. Unter dem Motto „Hart verdient: Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ richtet sich der Protest gegen die massiven Kürzungen im sozialen Bereich.

Gemeinsam mit anderen Friedenskräften setzen wir uns dafür ein, dass im Aufruf auch die Aufrüstung und die Aufhebung der Schuldenbremse für Militärausgaben als zentrale Ursachen dieser Politik benannt werden. Denn während für Rüstung immer neue Milliarden bereitgestellt werden, soll bei Gesundheit, Rente und Sozialem gespart werden. Wir hoffen, dass diese Perspektive noch Eingang in den Aufruf findet – und rufen unabhängig davon zur breiten Beteiligung am Aktionstag auf.

Zum DGB-Aufruf

31 Juli, 2026

Wie erklären sich die unterschiedlichen KDV-Zahlen

Immer wieder werden von der Presse KDV-Zahlen veröffentlicht, die untereinander abweichen. Wie kommt das zustande? Wir geben die Erklärung.

In den Jahren 2022 – 2025 mussten die KDV-Anträge bei die landesweiten Karrierecentern der Bundeswehr eingereicht werden. Von dort wurden sie an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln zur Entscheidung weitergeleitet und wurden dort gezählt.

Seit dem 1. Januar 2026 müssen alle KDV-Anträge an das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBW) in Köln eingereicht werden. Dort wird die tatsächliche Zahl der KDV-Anträge erfasst. Das BAPersBW hat als einzige Aufgabe zu prüfen, ob die Antragsunterlagen vollständig sind. Fehlende Unterlagen werden vom BAPersBW nachgefordert. Ist der KDV-Antrag vollständig wird er an das BAFzA zur Entscheidung weitergeleitet.

Das BAFzA gibt der Presse Auskunft über die zur Entscheidung weitergeleiteten Anträge.

Beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr wurden im 1. Halbjahr 2026 insgesamt 9.477 KDV-Anträge gestellt. Davon wurden 5.862 KDV-Anträge zur Entscheidung an das BAFzA weitergeleitet. Bleibt eine Differenz von 3.615 Anträgen.

Bei der Weiterleitung der KDV-Unterlagen vom BAPersBW an das BAFzA kommt es zu zeitlichen Verzögerungen von bis zu 2 Monaten. Daher entsteht eine Lücke, aktuell sind das 3.615 KDV-Anträge, die noch weitergeleitet werden müssen. So lassen sich die unterschiedlichen Zahlen erklären.

JahrUngedienteSoldat:innenReservist;innenGesamt
2022        (1)4502354381.123
2023        (1)8351785961.609
2024        (1)  1.8111581.0292.998
2025        (1)5.9231921.5767.691
1.1.2026 – 30.06.2026  (2)8.764976169.477

Quelle: (1) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

(2) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

Aus der Tabelle ist zu entnehmen, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 bereits mehr KDV-Anträge gestellt wurden, als im gesamten Jahr 2025 – Tendenz weiter steigend.

Klaus Pfisterer (17.7.2026)

31 Juli, 2026

KDV-Berater:innen-Schulung: Reservisten/Soldaten 7.November 2026 in Stuttgart

Das Reservestärkungsgesetz wird aller Voraussicht nach zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Ein Teil davon, wie der Meldedatenabgleich ist bereits seit dem 1. Juli 2026 gültig.

Reservistinnen und Reservisten sollen wieder regelmäßig zu Reserveübungen herangezogen werden. Reserve wird also keine Ruhe haben und wir erwarten eine deutliche Zunahme an Reservistenverweigerungen. Darauf wollen wir uns vorbereiten und laden zu unserer Schulung am Samstag 07. November 2026 von 12 bis 16 Uhr in Stuttgart, Arndtstraße 31 recht herzlich ein.

Es geht um die Verweigerung von Reservistinnen und Reservisten sowie Soldatinnen und Soldaten. Wir geben die rechtlichen Informationen und besprechen anhand von Fallbeispielen wie die Begründung aufgebaut werden kann.

Die Teilnehmer:innenzahl ist auf 10 Personen begrenzt. Du kannst dich bis 15. Oktober verbindlich für die Schulung in Stuttgart anmelden: ba-wue@dfg-vk.de. Kosten für DFG-VK-Mitglieder 10 €, für Nichtmitglieder 20€.

Nach der Anmeldung erhaltet ihr die Wegbeschreibung zum Büro und weitere Angaben zum Schulungsablauf.

Die Schulung führen Klaus Pfisterer und Susanne Bödecker durch.

27 Juli, 2026

Landesmitgliederversammlung 2026: Gemeinsam für Frieden in bewegten Zeiten

Mit rund 50 Teilnehmenden war die Landesmitgliederversammlung der DFG-VK Baden-Württemberg am 18. Juli im Clara-Zetkin-Haus in Stuttgart so gut besucht wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Dass sich so viele Mitglieder an einem sonnigen Sommer-Samstag Zeit nahmen, zeigt: Krieg, Aufrüstung und die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft beschäftigen unsere Mitglieder sehr. Als pazifistischer und antimilitaristischer Verband wollen wir diesen Entwicklungen nicht tatenlos zusehen. Wir setzen uns gegen die drohende Rückkehr der Wehrpflicht ein, beraten Menschen, die aus Gewissensgründen keinen Kriegsdienst leisten wollen, und entwickeln gemeinsam Ideen, wie Frieden, Diplomatie und zivile Konfliktbearbeitung wieder stärker in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten rücken können.

Als Landesverband Baden-Württemberg der DFG-VK möchten wir diese Themen nicht nur landespolitisch begleiten, sondern insbesondere die Friedensarbeit vor Ort stärken. Neben den vereinsinternen Beratungen standen deshalb vor allem die politischen Entwicklungen in Baden-Württemberg und die Frage im Mittelpunkt, wie wir als Teil der Friedensbewegung auf die zunehmende Militarisierung reagieren und ihr konkrete friedliche Alternativen entgegensetzen können.

Baden-Württemberg auf dem Weg zum „olivgrünen Musterländle“

Den inhaltlichen Auftakt gestaltete unser Mitglied Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) mit seinem Vortrag „Olivgrünes Musterländle“.

Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er auf, wie Baden-Württemberg Schritt für Schritt zu einem militärischen Vorzeigeland umgebaut wird. Seine Analyse spannte den Bogen von den ungehemmten Milliardenprogrammen für Aufrüstung über den Ausbau der Bundeswehr und ihrer Reserve, den Operationsplan Deutschland und die stärkere militärische Nutzung öffentlicher Infrastruktur bis hin zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die zunehmend auf Sicherheits- und Verteidigungsforschung ausgerichtet werden sollen.

Besonders eindrücklich analysierte er die Regierungserklärung des damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Darin warb dieser ausdrücklich dafür, dass sich auch die baden-württembergische Maschinenbauindustrie stärker im militärischen Bereich engagiert. Unternehmen, die bislang ausschließlich zivil produzierten, wurde die Unterstützung der Landesregierung zugesichert, wenn sie künftig Rüstungsgüter herstellen oder ihre Produktion entsprechend umstellen wollen. Nach Einschätzung Jürgen Wagners wird auch Ministerpräsident Cem Özdemir diesen Kurs fortsetzen.

Deutlich wurde dabei: Militarisierung betrifft längst nicht mehr nur Kasernen und Streitkräfte. Sie verändert Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und öffentliche Infrastruktur gleichermaßen.

Die Präsentation von Jürgen Wagner hier zum Download bereit. 

Die anschließende Diskussion zeigte, wie viele Fragen diese Entwicklungen aufwerfen. Diskutiert wurden unter anderem die Auswirkungen der Aufrüstung auf den Sozialstaat, die zunehmende Einbindung ziviler Einrichtungen und der Rotlichtorganisationen und des Gesundheitswesens in militärische Planungen, der Abbau von Zivilklauseln an Hochschulen, die wachsende Präsenz der Bundeswehr an Schulen sowie die Rolle der Friedensbewegung in einer zunehmend militarisierten Gesellschaft. Immer wieder wurde auch die Finanzierungsfrage gestellt: Wer soll die ungehemmten Milliardenprogramme für militärische Aufrüstung langfristig bezahlen? Bereits heute steigen die Zinsausgaben des Bundes deutlich an. Wenn ab Mitte der 2030er Jahre zusätzlich die Tilgung dieser Schulden beginnt, drohen erhebliche Belastungen künftiger Haushalte – mit möglichen Folgen für Bildung, Soziales, Kultur und viele andere öffentliche Aufgaben.

Gemeinsam sichtbar werden

Nach dem Mittagessen trafen sich die Teilnehmenden im wunderschönen Garten des Clara-Zetkin-Hauses zu einem gemeinsamen Fototermin. Dabei entstand das neue Gruppenfoto des Landesverbandes, das die große Beteiligung und den starken Zusammenhalt unserer Friedensbewegung sichtbar macht.

Fairer Prozess für die ULM 5

Außerdem nahm der Landesvorstand mit Klaus Pfisterer, Thomas Schild-Dona und Stefan Philipp ein Solidaritätsvideo für die Ulm Five auf. Darin fordert die DFG-VK Baden-Württemberg einen fairen rechtsstaatlichen Prozess für die fünf Angeklagten und wendet sich gegen die Kriminalisierung antimilitaristischen Protests.

Friedensarbeit lebt vom Mitmachen

Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in drei Arbeitsgruppen weiter.

In der Arbeitsgruppe Kriegsdienstverweigerung wurden die nächsten Schritte beim Ausbau unseres Beratungsnetzwerkes geplant. Neben der Beratung Ungedienter rückt künftig verstärkt auch die Beratung von Reservistinnen und Reservisten in den Mittelpunkt. Sollte das angekündigte Reservestärkungsgesetz beschlossen werden, wird der Beratungsbedarf in diesem Bereich deutlich zunehmen. Wie bereits bei der Beratung Ungedienter möchte die DFG-VK auch hier frühzeitig gut aufgestellt sein und Betroffenen kompetente Unterstützung anbieten.

Die Arbeitsgruppe Schule knüpfte an ihre Arbeit seit dem Neujahrsempfang des Landesverbandes in Karlsruhe an. In den vergangenen Monaten wurden Materialien entwickelt, Erfahrungen gesammelt und Konzepte für Schulveranstaltungen weiterentwickelt. Die Landesmitgliederversammlung bot nun die Gelegenheit, neue Interessierte einzubinden und gemeinsam die nächsten Schritte zu planen.

Besonders positiv wurde über einen Projekttag am Andreae-Gymnasium in Herrenberg berichtet. Dort hatte die Schule das Thema Wehrpflicht und Sicherheitspolitik bewusst aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Neben einem Jugendoffizier der Bundeswehr – dessen Beteiligung aus unserer Sicht für eine ausgewogene Veranstaltung nicht zwingend erforderlich gewesen wäre – kamen auch Vertreter des Bundes für Soziale Verteidigung, der DFG-VK sowie Radio Wüste Welle zu Wort. Gerade diese Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven wurde als vorbildlich bewertet und soll auch zukünftige Schulveranstaltungen inspirieren.

Unter dem Titel „Landesverband – wie weiter?“ beschäftigte sich die dritte Arbeitsgruppe mit einer zentralen Zukunftsfrage: Wie können wir unsere Friedensarbeit so weiterentwickeln, dass der Landesverband auch in vielen Jahren lebendig, handlungsfähig und wirksam bleibt? Viele Mitglieder engagieren sich seit Jahrzehnten mit großem Einsatz für Frieden und Abrüstung. Gemeinsam wurde darüber beraten, wie wir neue Menschen für diese Arbeit gewinnen, Erfahrungen weitergeben und neue Ideen entwickeln können. Dazu gehört auch, moderne Formen der Öffentlichkeitsarbeit auszuprobieren, ohne dabei unsere bewährten Kommunikationswege oder langjährige Mitglieder aus dem Blick zu verlieren. Zukunftsfähigkeit bedeutet für uns nicht, Bewährtes aufzugeben, sondern Bestehendes sinnvoll weiterzuentwickeln.

Viele Projekte für die kommenden Monate

Am Nachmittag wurden außerdem die Delegierten des Landesverbandes für den Bundeskongress der DFG-VK gewählt, der vom 23. bis 25. Oktober 2026 in Stuttgart stattfinden wird. Dass der Bundeskongress in diesem Jahr in Baden-Württemberg ausgerichtet wird, ist vor allem dem großen Engagement vieler Aktiver aus unserem Landesverband zu verdanken – insbesondere der Regionalgruppe Stuttgart sowie den Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe. Für diesen großartigen Einsatz bedanken wir uns herzlich.

Das Programm kann sich sehen lassen: Am Freitag beginnt der Bundeskongress mit einem gemeinsamen Treffen am Deserteursdenkmal in Stuttgart. Am Abend folgt die Verleihung des Ludwig-Baumann-Preises des Carl-von-Ossietzky-Solidaritätsfonds der DFG-VK. Am Samstag stehen die Antragsberatungen sowie der Vortrag von Margot Käßmann im Mittelpunkt, bevor der Sonntag Raum für Arbeitsgruppen, Vernetzung und gemeinsame Perspektiven bietet. Weitere Informationen finden sich unter https://buko2026.dfg-vk.de.

Erfreulich war außerdem, dass sich bereits während der Landesmitgliederversammlung weitere Mitglieder bereit erklärten, organisatorische Aufgaben rund um den Bundeskongress zu übernehmen. Auch dafür bedanken wir uns herzlich.

Außerdem informierte der Landesvorstand über den Protest gegen das Bundeswehr-Ferienlager in Kellmünz. Nein zur Frühmilitarisierung – insbesondere von Sechs- bis Zwölfjährigen. Kinder brauchen Räume zum Spielen, Lernen und Entdecken – nicht die Gewöhnung an militärische Strukturen. Deshalb ruft die DFG-VK Baden-Württemberg dazu auf, den friedlichen Protest am 11. August zu unterstützen.

Abgerundet wurde der Tag durch die Ankündigung eines Workshops zu WordPress, Instagram und Canva, den Geschäftsführer Jonas Fehrenbach im Herbst in Karlsruhe anbieten wird. Ziel ist es, noch mehr Mitglieder dabei zu unterstützen, selbst Öffentlichkeitsarbeit zu machen und unsere Themen sichtbar in die gesellschaftliche Debatte einzubringen.

Mit Rückenwind in die zweite Jahreshälfte

Die Landesmitgliederversammlung hat deutlich gemacht: Friedensarbeit ist notwendiger denn je. Seit der ausgerufenen Zeitenwende erleben wir eine politische Entwicklung, in der militärische Aufrüstung und Abschreckung vielfach als alternativlos dargestellt werden. Gleichzeitig fließen ungehemmte Milliardenbeträge in militärische Projekte, während an anderer Stelle gespart wird.

Doch inzwischen wächst der Widerspruch. Immer mehr Menschen fragen, welche gesellschaftlichen Folgen diese Politik hat und warum für Rüstung scheinbar unbegrenzt Geld zur Verfügung steht, während im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich Kürzungen diskutiert werden. Diese Fragen werden längst nicht mehr nur innerhalb der Friedensbewegung gestellt.

Dass sich an einem sonnigen Sommer-Samstag rund 50 Menschen Zeit genommen haben, gemeinsam über Frieden, Abrüstung und zivile Alternativen nachzudenken, macht Mut. Die Herausforderungen werden größer – aber auch die Bereitschaft, ihnen gemeinsam etwas entgegenzusetzen. Darauf wollen wir aufbauen. Mit vielen neuen Ideen, einer starken Gemeinschaft und dem Engagement unserer Mitglieder gehen wir motiviert in die zweite Jahreshälfte – für eine Gesellschaft, die Konflikte nicht durch Gewalt, Aufrüstung und Abschreckung, sondern durch Dialog, Diplomatie und internationale Zusammenarbeit löst.

21 Juli, 2026

Pressemitteilung

DFG-VK kritisiert Statistik zu Kriegsdienstverweigerungen: „Wir haben ein Messstellenproblem“ – Bundeswehr meldet 7.897 Anträge bis Ende Mai 2026

Offizielle BAFzA-Zahlen unterschätzen die tatsächliche Zahl der Anträge deutlich

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) begrüßt die große Aufmerksamkeit für die steigende Zahl der Kriegsdienstverweigerungen. Die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), über die unter anderem die Tagesschau berichtet, zeigen zwar einen deutlichen Anstieg. Sie bilden die tatsächliche Entwicklung jedoch nur unvollständig ab.

Der Grund liegt im Erhebungsverfahren: Anträge auf Kriegsdienstverweigerung werden zunächst beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) gestellt. Erst wenn diese an das BAFzA weitergeleitet werden, tauchen sie in dessen Statistik auf. Zwischen Antragseingang bei der Bundeswehr und der Erfassung beim BAFzA können Wochen oder sogar Monate liegen. Gerade in Zeiten stark steigender Antragszahlen führt dies dazu, dass die veröffentlichten BAFzA-Zahlen deutlich hinter den tatsächlichen Antragseingängen zurückbleiben.

„Wir haben inzwischen ein Messstellenproblem“, sagt Marius Pletsch, Bundessprecher der DFG-VK. „In der öffentlichen Debatte werden meist ausschließlich die Zahlen des BAFzA genannt. Tatsächlich spiegeln diese aber nicht wider, wie viele Menschen sich aktuell für eine Kriegsdienstverweigerung entscheiden. Sie zeigen lediglich, wie viele Anträge bereits den Weg durch die Bundeswehr bis zum BAFzA genommen haben.“

Dass dies zu erheblichen Verzerrungen führt, zeigt der Vergleich der Behördenzahlen. Die Bundeswehr verzeichnet regelmäßig deutlich mehr eingegangene Anträge als später beim BAFzA in der Statistik erscheinen, weil dort auch diejenigen Verfahren mitgezählt werden, die noch nicht weitergeleitet wurden. Dadurch entsteht in der Öffentlichkeit ein unvollständiges Bild über das tatsächliche Ausmaß der Kriegsdienstverweigerung. In der aktuellen Berichterstattung werden die Zahlen des BAFzA aufgegriffen. Demnach sind im ersten Halbjahr 2026 5.862 Anträge eingegangen. Auf eine aktuelle Anfrage der DFG-VK beim BAPersBw antwortete ein Sprecher der Bundeswehr in Köln, dass bis zum 31. Mai 2026 bereits 7.897 Anträge eingegangen seien.

Bereits bei den Jahreszahlen 2025 war dieses Problem sichtbar. Die vom BAFzA veröffentlichten Werte umfassten nur die bis zum Jahresende an das Amt weitergeleiteten Anträge. Zahlreiche Ende 2025 bei der Bundeswehr eingegangene Anträge wurden jedoch erst im Laufe des Jahres 2026 an das BAFzA übermittelt und erscheinen deshalb nicht mehr in der Statistik des eigentlichen Antragsjahres. Die DFG-VK hatte bereits damals auf diese Verzerrung hingewiesen.

„Für eine sachliche Debatte braucht es belastbare Zahlen“, so Pletsch weiter. „Wenn Politik und Medien ausschließlich auf die BAFzA-Statistik schauen, wird die tatsächliche Entwicklung systematisch unterschätzt. Das wird weder den Betroffenen noch der politischen Bedeutung der steigenden Kriegsdienstverweigerungen gerecht.“

Die DFG-VK fordert die Bundesregierung deshalb auf, künftig transparent zwischen den verschiedenen Erfassungsstufen zu unterscheiden. Veröffentlicht werden sollten sowohl die Zahl der bei der Bundeswehr eingegangenen Anträge als auch die Zahl der an das BAFzA weitergeleiteten und dort bearbeiteten Verfahren. Nur so lässt sich nachvollziehen, wie viele Menschen tatsächlich von ihrem Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch machen.

Unabhängig von der statistischen Verzerrung zeigt sich ein eindeutiger Trend: Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen den Dienst an der Waffe. Angesichts der politischen Debatten über Wehrpflicht, Musterungen und Aufrüstung ist dies ein deutliches Signal, dass viele Menschen militärische Zwangsdienste ablehnen und ihr Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung wahrnehmen.

Die DFG-VK unterstützt Betroffene bei der Kriegsdienstverweigerung mit hunderten ehrenamtlichen Berater*innen. 
Mehr Informationen unter: www.verweigern.info 

Pressekontakt:
Marius Pletsch (DFG-VK): pletsch@dfg-vk.de; +49176/57933842

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart, 21. Juli 2026

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17 Juli, 2026

§ Recht kurz §: schriftliche (statt digitale) Abgabe der Bereitschaftserklärung

Von Stefan Philipp (Bearbeitungsstand: 16.07.2026)

Download PDF

Am 1. Januar 2026 ist das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) in Kraft getreten, mit dem neben anderen wehrrechtlichen Regelungen auch das Wehrpflichtgesetz (WPflG) geändert wurde. Mit der Änderung von § 2 Abs. 3 WPflG wurde die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht teilweise wieder eingesetzt. Nach § 3 Abs. 1 WPflG umfasst sie für Männer die Pflicht (für andere freiwillig), „sich zu melden, vorzustellen, nach Maßgabe dieses Gesetzes Auskünfte zu erteilen und Unterlagen vorzulegen, sich auf die geistige und körperliche Tauglichkeit […] untersuchen zu lassen […].“ Erfassung und Musterung als Teil der Wehrpflicht gelten damit nun nicht mehr nur im Krieg (Art. 80a und 115a Grundgesetz [GG]), sondern für alle ab 2008 geborenen jungen Männer (flächendeckende Musterungen wegen der erst aufzubauenden Kapazitäten ab dem 01.07.2027).

Teil der Erfassung (§ 15 WPflG) ist – nach Aufforderung durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) – die Pflicht, „eine Erklärung zur Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Wehrdienstleistung abzugeben“ (§ 15a WPflG). Weiter heißt es dazu im Gesetz: „Die Bereitschaftserklärung ist mittels eines zur Verfügung gestellten Online-Fragebogens oder schriftlich abzugeben.“ (§ 15a Abs. 2 WPflG) Die Online-Abgabe funktioniert so, dass das Aufforderungsschreiben einen QR-Code enthält, dessen Benutzung zu einem personalisierten Online-Fragebogen führt. Die Nicht-Abgabe der Bereitschaftserklärung ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 1.000 Euro geahndet werden kann (§ 45 Abs. 1 Nr. 1 WPflG).

Nach der Vorstellung von Bundesregierung und Bundeswehr ist die Online-Beantwortung des Fragebogens der Normalfall. In der Begründung zu ihrem Gesetzentwurf des WDModG hatte die Bundesregierung ausgeführt: „Der Fragebogen ist grundsätzlich digital auszufüllen und in elektronischer Form abzugeben. Dadurch wird sowohl dem verstärkten Einsatz digitaler Instrumente in der Verwaltung als auch der auf digitale Kommunikation ausgerichteten Lebenswirklichkeit junger Menschen Rechnung getragen. In Ausnahmefällen kann die Erklärung auch schriftlich abgegeben werden; dies umfasst auch die Möglichkeit der Niederschrift, wenn es der Wehrersatzbehörde zuzumuten ist.“ (Bundestagsdrucksache 21/1853, Seite 69) Die Bundeswehr weist auf ihrer Website ausschließlich auf den Online-Fragebogen hin und erwähnt die Möglichkeit der schriftlichen Abgabe nicht (bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/neuer-wehrdienst/fragebogen).

Nach dem Gesetzeswortlaut stehen die beiden Alternativen „online“ und „schriftlich“ gleichberechtigt ne- beneinander. Wenn der Gesetzgeber ein Regel-Ausnahme-Verhältnis gewollt hätte, dann hätte er das entsprechend im Gesetz formulieren können, aber auch müssen.

Wer – zu Recht – glaubt, dass es richtig ist, Sand ins Getriebe der Kriegstüchtigkeitsmaschine zu streuen, der kann völlig legal auf diese Weise ein Sandkörnchen beisteuern: Die erste Aufforderung zur Abgabe einer Bereitschaftserklärung kommt als normale Briefpost, das BAPersBw könnte den Zugang also im Zweifelsfall nicht nachweisen. Wer nicht innerhalb der Monatsfrist reagiert, erhält eine erneute Aufforderung förmlich zugestellt (Zustellungsurkunde oder Einschreiben und damit rechtssicher) mit Fristsetzung. Falls dabei wieder nur auf einen QR-Code verwiesen wird und nicht der Fragebogen beiliegt, sollte man innerhalb der genannten Frist (wichtig: Zugang dort) dem BAPersBw z.B. so schreiben (per Einschreiben mit Rückschein): „Ich will die geforderte Bereitschaftserklärung schriftlich abgeben und erwarte die Zusendung des Fragebogens.“

Falls man bereit ist, den Fragebogen zu beantworten, dann ist wichtig: Zur Vermeidung eines eventuellen Bußgeldes müssen die Antworten korrekt, jedenfalls plausibel sein. „Null Interesse“: Unter der Überschrift „Bewertung Interesse am Dienst als Soldatin oder Soldat“ wird weiter hinten im Bogen gefragt „Haben Sie grundsätzlich Interesse, auf freiwilliger Basis Soldatin oder Soldat zu werden?“ Auf einer Skala von 0 bis 10 muss man sein Interesse eintragen, „0“ bedeutet „kein Interesse“; der Fragebogen ist damit fertig, wird nicht weiter ausgefüllt, sondern so abgeschickt. Wichtig: „0“ ist nicht gleichbedeutend mit der Stellung eines Antrags auf Kriegsdienstverweigerung (KDV) nach Art. 4 Abs. 3 GG. Ein solcher muss entsprechend § 2 KDV-Gesetz separat gestellt werden. Der Fragebogen mit amtlichen Erläuterungen ist zur Orientierung verfügbar als PDF unter: bundeswehr.de/resource/blob/6054406/3b369d8f38026ea2404454a768c95ffd/fragebogen-data.pdf

Wer will, kann versuchen, die Kosten für den Schriftverkehr mit dem BAPersBw als „notwendige Auslagen“ gemäß § 15a Abs. 6 WPflG erstattet zu erhalten.

Dass ein einziges kleines Sandkorn nicht „die Welt bewegt“, dürfte klar sein – und auch, dass der Staat für seine Kriegsmaschine immer ausreichend „Schmiermittel“ (Finanzen/„Sondervermögen“, Personal, Rechtsvorschriften, Propaganda) zur Verfügung stellt. Aber viele kleine Sandkörner ergeben zusammen einen Sandberg. Die Kriegsmaschinerie enthält zahlreiche Getriebeteile, die Wehrpflicht ist nur ein Zahnrad. Deshalb: Viele Sandkörner an vielen Stellen machen die Maschine störanfälliger und verlangsamen sie – bis zum Stillstand.

16 Juli, 2026

Friedensbewegte Presseschau – Juli 2026

Jeden Tag erreichen uns von aufmerksamen und kritischen Friedensaktivist*innen Hinweise auf Berichte und Beiträge aus der Presse, die – teilweise und erfreulicherweise – eine wohltuende Gegenstimme zur allgegenwärtigen Kriegsrhetorik darstellen. Während viele Beiträge in den bekannten Medien mit einem Fokus auf Aufrüstung, Eskalation und Feindbilder daherkommen, zeigen diese Artikel: Es gibt sie noch – die Stimmen für Abrüstung, Dialog und Verständigung. Unsere heutige Presseschau gibt einen Überblick über solche Perspektiven, die Frieden nicht nur fordern, sondern auch konkret denken.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle euch, den Leserinnen dieses Newsletters – denn viele von euch sind nicht nur aufmerksame Beobachterinnen, sondern auch selbst aktive Organisatorinnen von Protesten, Mahnwachen und Friedensaktionen. Einige der hier vorgestellten Artikel verdanken ihre Aufmerksamkeit nicht zuletzt eurem Engagement – dafür ein großes und herzliches Dankeschön!

Damit auch in Zukunft vielfältige und friedensorientierte Stimmen Gehör finden, freuen wir uns weiterhin über eure Hinweise auf lesenswerte Artikel, Interviews oder Medienbeiträge. Hinweise bitte an bar-vue@dfg-vk.de – wir nehmen sie gerne in die nächste Ausgabe unserer Presseschau auf.

Sind ukrainische Kriegsdienstverweigerer noch schutzwürdig? (nd)

Der Beitrag untersucht, ob ukrainische Männer, die sich dem Kriegsdienst entziehen, in Deutschland weiterhin internationalen Schutz erhalten können. Dabei zeigt sich ein wachsender politischer und juristischer Druck, Verweigerung nicht mehr als Gewissensentscheidung, sondern vor allem als Flucht vor einer staatsbürgerlichen Pflicht zu behandeln. Aus friedenspolitischer Sicht muss jedoch gelten: Das Recht, nicht töten und nicht getötet werden zu wollen, darf weder von der Nationalität noch von der jeweiligen Kriegspartei abhängig gemacht werden.

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1200036.ukraine-krieg-sind-ukrainische-wehrdienstverweigerer-noch-schutzwuerdig.html

Erstmals sollen vollständig autonome Drohnen Menschen getötet haben (New Scientist)

Nach einem Bericht von New Scientist sollen ukrainische Streitkräfte bereits 2024 Drohnen eingesetzt haben, die ohne aktive Funkverbindung und ohne menschliche Entscheidung im unmittelbaren Angriff selbstständig Ziele erkannten und russische Soldaten töteten. Die Angaben stammen aus der ukrainischen Drohnenindustrie und sind nicht unabhängig vollständig überprüft; dennoch markieren sie möglicherweise einen historischen und erschreckenden Wendepunkt der Kriegsführung. Maschinen die Entscheidung über menschliches Leben zu überlassen, verwischt Verantwortung und senkt die Schwelle zur Gewalt – deshalb braucht es dringend ein verbindliches internationales Verbot autonomer Tötungssysteme.

Fully autonomous drones have killed human soldiers for the first time

Rolf Mützenich: „Kriegstüchtigkeit sehe ich im Widerspruch zum Grundgesetz“ (Jacobin)

Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich kritisiert die einseitige Fixierung der deutschen Politik auf militärische Stärke und warnt vor dem Leitbild der sogenannten Kriegstüchtigkeit. Er fordert, Diplomatie, Rüstungskontrolle und internationale Zusammenarbeit wieder als eigenständige politische Instrumente ernst zu nehmen, statt Gespräche als Schwäche abzuwerten. Dass solche Positionen selbst innerhalb der Sozialdemokratie zunehmend an den Rand gedrängt werden, zeigt, wie weit sich der politische Diskurs bereits in Richtung Aufrüstung verschoben hat.

https://jacobin.de/artikel/rolf-muetzenich-diplomatie-spd-aufruestung

Die Linke darf der Kriegslogik nicht nachgeben (Jacobin)

Cem Ince und Lea Reisner wenden sich im Programmprozess der Linkspartei gegen eine Anpassung an den militärpolitischen Konsens der anderen Bundestagsparteien. Sie argumentieren, dass immer neue Waffenlieferungen und Rüstungsausgaben keinen verlässlichen Weg zum Frieden eröffnen und die Linke deshalb an Abrüstung, Diplomatie und ziviler Konfliktlösung festhalten müsse. Eine glaubwürdige Friedenspartei wird gerade dann gebraucht, wenn Aufrüstung als scheinbar alternativlose Staatsräson dargestellt wird.

https://jacobin.de/artikel/linkspartei-programmprozess-krieg-frieden-cem-ince-lea-reisner

Kriegsdienstverweigerung bleibt ein Grundrecht (Bundeszentrale für politische Bildung)

Die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert die historischen, rechtlichen und praktischen Grundlagen der Kriegsdienstverweigerung in Deutschland. Auch nach der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht blieb sie ein durch Artikel 4 des Grundgesetzes geschütztes Recht; mit der aktuellen Wehrdienstdebatte steigt zugleich die Zahl der Anträge wieder an. Der Beitrag erinnert daran, dass eine Gewissensentscheidung gegen das Töten kein gesellschaftliches Versagen, sondern ein grundlegender Bestandteil einer demokratischen Friedenskultur ist.

https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/578995/kriegsdienstverweigerung

EU verweigert ukrainischen Kriegsdienstverweigerern künftig Schutz (Connection e. V.)

Connection e. V. warnt vor einer europäischen Rechtsprechung, nach der ukrainische Kriegsdienstverweigerer künftig kaum noch mit Flüchtlingsschutz rechnen können. Damit droht Menschen die Abschiebung, obwohl ihnen in der Ukraine Einberufung, Strafverfolgung und ein Einsatz in einem verlustreichen Krieg bevorstehen können. Wer das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung ernst nimmt, muss Schutz unabhängig davon gewähren, ob die Betroffenen aus Russland, Belarus oder der Ukraine kommen.

https://de.connection-ev.org/article-4755

Gericht: Fahrer muss Tram mit Bundeswehrwerbung steuern (LTO)

Das Arbeitsgericht München entschied, dass ein Kriegsdienstverweigerer eine Straßenbahn mit großflächiger Bundeswehrwerbung fahren muss, obwohl er dies aus Gewissensgründen ablehnte. Nach Auffassung des Gerichts überwiegt das Weisungsrecht des Arbeitgebers, weil eine andere Einteilung organisatorischen Aufwand verursachen würde. Das Urteil wirft die grundsätzliche Frage auf, wie ernst die Gewissensfreiheit genommen wird, wenn Beschäftigte gegen ihren Willen an der öffentlichen Normalisierung und Bewerbung des Militärs mitwirken sollen.

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/arbg-muenchen-4ca1539525-direktionsrecht-gewissensfreiheit-trambahn-werbung-bundeswehr

Sozialstaat oder Rüstungsstaat? Die Prioritätenfrage (Dissens Podcast)

Im Gespräch mit dem Dissens Podcast analysiert der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Ingar Solty die aktuellen Aufrüstungspläne der Bundesregierung und deren Folgen für den Sozialstaat. Er argumentiert, dass die enormen Ausgaben für Militär und Verteidigung nicht losgelöst von politischen Prioritätensetzungen betrachtet werden können, sondern langfristig Verteilungskonflikte verschärfen und Druck auf soziale Sicherungssysteme erzeugen. Der Podcast bietet eine fundierte und ausführliche Einordnung der aktuellen Debatten und regt dazu an, die Frage zu stellen, welche Investitionen tatsächlich zu Sicherheit beitragen – mehr Waffen oder eine starke soziale Infrastruktur.

https://podcast.dissenspodcast.de/339-krieg

16 Juli, 2026

Friedensfahrradtour 2026: Gegen den Wind für den Frieden

Die Zeiten sind rau für die Friedensbewegung. Überall wird über Aufrüstung, Abschreckung und Kriegstüchtigkeit gesprochen. Milliarden fließen in Waffen, während friedliche Lösungen immer häufiger an den Rand gedrängt werden. Gerade deshalb wollen wir auch 2026 wieder ein sichtbares Zeichen setzen – auf zwei Rädern, gemeinsam und mit langem Atem.

Vom 31. Juli bis 8. August führt die Friedensfahrradtour 2026 durch Baden-Württemberg und Bayern. Eine Woche lang treten wir gemeinsam für Frieden, Abrüstung und Gewaltfreiheit in die Pedale. Gegen friedenspolitischen Gegenwind. Gegen die Vorstellung, Sicherheit ließe sich mit immer mehr Waffen schaffen. Und für die Überzeugung, dass Frieden nur dort wächst, wo Menschen miteinander statt gegeneinander handeln.

Startpunkt ist der Campingplatz Amalienhof in Bartholomä auf der Ostalb. Von dort führt die Route über Aalen, Schwäbisch Gmünd, Mutlangen, Stuttgart, Geislingen und Ulm. Unterwegs besuchen wir Erinnerungsorte der Friedensbewegung, treffen Initiativen und engagierte Menschen und bringen unsere Botschaft auf die Straßen und Plätze der Region.

Ein besonderer Halt wird Mutlangen sein. Kaum ein Ort steht so sehr für den gewaltfreien Widerstand gegen die atomare Aufrüstung der 1980er Jahre. Dort erinnern wir uns daran, dass gesellschaftliche Veränderungen oft dort beginnen, wo Menschen beharrlich und friedlich für ihre Überzeugungen eintreten.

Die Tour ist dabei weit mehr als eine politische Aktion. Sie ist Gemeinschaft, Austausch und gelebte Hoffnung. Tagsüber wird geradelt, diskutiert und demonstriert. Abends sitzen wir zusammen, lernen uns kennen, planen Aktionen und teilen Erfahrungen. Wer einmal dabei war, weiß: Friedensarbeit kann anstrengend sein – aber sie kann auch Freude machen.

Die Tagesetappen liegen meist zwischen 30 und 70 Kilometern und sind mit normaler Grundkondition gut zu bewältigen. Niemand muss Höchstleistungen vollbringen. Wichtig ist nicht das Tempo, sondern dass wir gemeinsam unterwegs sind.

Aktuell haben sich 13 Personen verbindlich angemeldet. Wir hoffen auf mindestens 20 Teilnehmende und freuen uns über jede weitere Person, die mitfahren möchte. Auch Unterstützung im Begleitteam wird noch gesucht. Für die vorhandenen Begleitfahrzeuge wird insbesondere noch eine weitere Person benötigt.

Frieden entsteht nicht von allein. Er braucht Menschen, die sichtbar werden, Haltung zeigen und bereit sind, sich einzumischen. Die Friedensfahrradtour 2026 bietet dafür eine wunderbare Gelegenheit.

Wer mitfahren möchte, sollte sich möglichst bald anmelden.

Anmeldungen und Rückfragen an:

Willi Rester
rester@dfg-vk.de

Steigen wir also auf die Räder und setzen wir gemeinsam ein Zeichen: für Abrüstung, für Gewaltfreiheit und für eine Welt, in der Konflikte nicht mit Waffen, sondern mit Vernunft, Mut und Menschlichkeit gelöst werden.

Fr, 31. 7.Bartholomä, Camping Amalienhof0 kmAnkunft , erste Besprechung
Sa, 1.8.Bartholomä – Aalen – Oberkochen – evt. Königsbronn – Bartholomä42 km600m Steigung vor Lauterburg, 7%; 300 m Steigung  nach Königsbronn 9%; 1,5 km Steigung 9 – 3 % vor Grenzstock-Hütte 
So, 2.8.Batholomä – Möglingen – Schwäbisch Gmünd – Mutlangen28,5 km600m Steigung vor Lauterburg, Stadtrundfahrt SG, 1,9 km Steigung nach Mutlangen 10%,  Besichtigung ex-Raketendepot Mutlangen, 
Mo, 3. 7.Mutlangen – Schorndorf – Stuttgart-Degerloch62 kmAn der Rems entlang, Mittag in Schorndorf, nach 26,5 km, Treffen mit FI? 2 Km Steigung nach Degerloch 4-10%, hier eine Zahnradbahn, Verpflegung durch NF,
Di, 4.8Aktionstag in Stuttgart25 km 
Mi, 5. 8.Stuttgart – Geislingen66 km1km Steigung in Stuttgart, 4-7 %, Treffen in Esslingenmit FI/MfP?,  Treffen in Plochingen mit Lebenshaus Schwäbische Alb, 
Do, 6.8.Geislingen – Ulm-Wiblingen44 kmTreffen zu KZ-Außenlager Geislingen, Steigung Geislingen Ortsausgang 400 m mit ca 8%; Steigung nach Geislingen (Steige) 900 m mit 8%, Mittag in Amstetten (nach 9 km) oder Lonsee (15 km) ,2 x Steigung 400 m mit 4-6%,  Halt in Dornstadt (Rüstungsbetrieb, Kaserne) nach 27 km, Ulmer Marktplatz. Übernachtung TV Wiblingen
Fr. 7. 8.Aktionstag in Ulm35 km 
Sa. 8. 8.Abschluß, Abfahrt  

Hier nachfolgend Streckenskizzen für die einzelnen Tage (komoot.de)

https://www.komoot.com/de-de/tour/3066198538?share_token=amTOYGcFlONZT58AaCnD4eHNh358dhO9B4mH8oNZUfcBnEQdfp&ref=wtd&t_s=referral&t_cid=route_share&t_ref_username=4911421059258

https://www.komoot.com/de-de/tour/3066214985?share_token=aiAml7LC8DiSI7QpJZhQPkHh81st23MLyJIXAH3L256P9Jtuwi&ref=wtd&t_s=referral&t_cid=route_share&t_ref_username=4911421059258

https://www.komoot.com/de-de/tour/3066226336?share_token=aWIabMh1TUovqOwPjyinPpHxhIuZ9f16EWQcfwwv153Qy2yl1n&ref=wtd&t_s=referral&t_cid=route_share&t_ref_username=4911421059258

https://www.komoot.com/de-de/tour/3066230912?share_token=aoYeD7c1QSXqI5uukqBZ31ws2gJwsdq4L5JlitFxwqc329Baj9&ref=wtd&t_s=referral&t_cid=route_share&t_ref_username=4911421059258

https://www.komoot.com/de-de/tour/3066242772?share_token=aMB2vOpZgPcoOAVmc4AvRsXstz56vM2PFRxwgTVgz9Ouepf3RG&ref=wtd&t_s=referral&t_cid=route_share&t_ref_username=4911421059258

https://www.komoot.com/de-de/tour/3066394464?share_token=a9vQAY4IzLx05jV59hCvRrtKmkj50GT527HHRBmegpXSrcYJY3&ref=wtd&t_s=referral&t_cid=route_share&t_ref_username=4911421059258

https://www.komoot.com/de-de/tour/3066398534?share_token=a1k7jUr55lGB8td4d4HQeM3yvunLI8ajQKxRTBWnT0ksM3Ve2g&ref=wtd&t_s=referral&t_cid=route_share&t_ref_username=4911421059258

16 Juli, 2026

Ulli-Thiel-Friedenspreis 2026: Wenn Kinder uns zeigen, wie Frieden geht

Es gibt Termine im Jahr, auf die wir uns als DFG-VK Baden-Württemberg ganz besonders freuen. Die Verleihung des Ulli-Thiel-Friedenspreises gehört ohne Zweifel dazu. Denn kaum eine Veranstaltung macht so viel Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft wie dieser Wettbewerb, bei dem Kinder und Jugendliche ihre Gedanken, Ideen und Visionen für Frieden und gewaltfreies Zusammenleben einbringen.

Unter dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ wurden am 26. Juni 2026 im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart bereits zum siebten Mal Schülerinnen und Schüler für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Das Motto geht auf den Friedensaktivisten und Namensgeber des Preises Ulli Thiel zurück und hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.

Schon Stunden vor Beginn herrschte geschäftiges Treiben. Das Team der den Preis ausrichtenden Organisationen war früh vor Ort, um gemeinsam die letzten Vorbereitungen zu treffen. Technik wurde aufgebaut, die Ausstellung der eingereichten Arbeiten im Lichthof gestaltet und die Preisverleihung vorbereitet.

Selbst ein kurzfristiger Stromausfall in der Stuttgarter Innenstadt konnte die gute Stimmung nicht trüben. Besonders beeindruckt hat uns dabei die Ruhe und Professionalität des Teams vom Haus der Katholischen Kirche. Trotz großer Hitze blieb alles entspannt und lösungsorientiert. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Für das ausgezeichnete Catering, das die Gäste während des Nachmittags versorgte, gilt unser Dank ebenso den beteiligten Caterer*innen.

Nach und nach trafen die ersten Schulklassen ein. Einige probten noch ihre musikalischen Beiträge, andere bauten Präsentationen auf oder bereiteten die Vorstellung ihrer Arbeiten vor. Im Lichthof entstanden viele Gespräche zwischen Schülerinnen, Lehrkräften, Eltern, Gästen und den Vertreterinnen der veranstaltenden Organisationen. Diese Begegnungen sind ein wichtiger Teil des Ulli-Thiel-Friedenspreises. Bewusst möchten wir dabei nicht nur auszeichnen, sondern mit den jungen Menschen ins Gespräch kommen, ihre Gedanken kennenlernen und erfahren, wie sie auf die Welt blicken. Bei Getränken und kleinen Snacks konnten die ausgezeichneten Werke betrachtet werden, bevor die eigentliche Preisverleihung begann.

Und dann kam der Moment, auf den alle gewartet hatten.

Wer dabei war, wird die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen nicht so schnell vergessen. Wenn Grundschülerinnen und Grundschüler ihre Friedensideen vorstellen und darüber sprechen, was sie selbst für ein gutes und friedliches Leben brauchen, wenn selbstgeschriebene Lieder gesungen oder Kunstwerke erklärt werden, dann wird deutlich, wie viel Kreativität, Mitgefühl und Nachdenklichkeit in der jungen Generation steckt. Oft sind es gerade die einfachen Gedanken und Botschaften, die besonders berühren und auf die wir Erwachsenen selbst nicht gekommen wären. Vielleicht sollten wir tatsächlich häufiger den Kindern zuhören, wenn wir über Frieden sprechen.

Genauso bewegend waren die Beiträge älterer Schülerinnen und Schüler. In Poetry-Slams, Liedern, Wortbeiträgen und Kunstprojekten formulierten sie ihre Kritik an Ausgrenzung, Ungerechtigkeit, Krieg und den politischen Verhältnissen unserer Zeit. Dabei verbanden sie Fragen von Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Klimaschutz miteinander. Es ist beeindruckend und oft auch augenöffnend zu erleben, mit welcher Klarheit junge Menschen gesellschaftliche Missstände benennen und zugleich den Mut haben, Hoffnung und Veränderung einzufordern.

Insgesamt wurden in diesem Jahr mehr als 60 Arbeiten von 28 Schulen eingereicht. Die Jury zeichnete 14 Beiträge aus und vergab zusätzlich zehn Anerkennungspreise. Den mit 500 Euro dotierten ersten Preis erhielt Kyra Brand vom Nellenburg-Gymnasium Stockach für ihre berührende Geschichtensammlung „Geschichten eines Kindes“. Darin schildert sie die Schrecken des Krieges aus der Perspektive von Kindern und macht eindrucksvoll deutlich, dass junge Menschen oft die größten Leidtragenden bewaffneter Konflikte sind.

Die weiteren ausgezeichneten Arbeiten zeigten, wie vielfältig Kinder und Jugendliche sich dem Thema Frieden nähern. Friedensspiele, Kunstwerke, Lieder, Gedichte, Geschichten und Gemeinschaftsprojekte machten deutlich, dass Frieden weit mehr ist als die Abwesenheit von Krieg. Frieden entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, zuhören, respektvoll miteinander umgehen und sich für andere einsetzen.

Für alle teilnehmenden Schulen, Klassen und Gruppen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, die Themen Krieg, Frieden und Gewaltfreiheit weiter zu vertiefen. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen bieten wir an, Schulen zu besuchen und mit Schülerinnen und Schülern über Friedenspolitik, Kriegsdienstverweigerung, Konfliktlösung und gewaltfreie Alternativen zu Krieg zu sprechen. Interessierte Schulen können sich hierfür gerne an den Landesverband der DFG-VK Baden-Württemberg wenden.

Im Rahmen der Preisverleihung hielt auch Bischof Dr. Klaus Krämer eine Laudatio und würdigte das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Besonders in Erinnerung bleiben werden uns die Worte von Sonnhild Thiel, der Ehefrau des verstorbenen Namensgebers des Preises. Sie gab den jungen Menschen einen Satz mit auf den Weg, der gerade in den heutigen Zeiten aktueller kaum sein könnte:

„Folgt nie einem Befehl, informiert euch, denkt selbst nach und entscheidet freiwillig nach eurem Gewissen und nach den Prinzipien der Menschenrechte.“

Der Preis trägt den Namen von Ulli Thiel (1943–2014). Er war Sonderpädagoge, Friedensaktivist, langjähriger Geschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg, in der GEW engagiert und den Kirchen eng verbunden. Als Mitinitiator der Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm im Jahr 1983 prägte er die Friedensbewegung in Baden-Württemberg nachhaltig. Von ihm stammt der Satz „Frieden schaffen ohne Waffen“, der zum Motto des Wettbewerbs wurde. Dass heute kirchliche Organisationen, Friedensgruppen und Bildungsverbände gemeinsam diesen Preis vergeben, spiegelt auch das wider, wofür Ulli Thiel selbst stand: die Zusammenarbeit unterschiedlicher Menschen und Organisationen für eine friedliche und gerechte Gesellschaft.

Für uns als DFG-VK Baden-Württemberg war dieser Nachmittag vor allem eines: eine Erinnerung daran, warum sich Friedensarbeit lohnt. Während vielerorts über Aufrüstung, Abschreckung und Kriegstüchtigkeit diskutiert wird, zeigen Kinder und Jugendliche, dass es auch andere Perspektiven gibt – Perspektiven, die von Mitgefühl, Kreativität, Menschlichkeit und dem Wunsch nach einer friedlicheren Welt geprägt sind.

Deshalb möchten wir allen danken, die den Ulli-Thiel-Friedenspreis möglich machen: den beteiligten Organisationen, den vielen Ehrenamtlichen, den Jurymitgliedern, den Lehrkräften, die das Thema Frieden in ihre Schulen tragen, und natürlich den Eltern, die ihre Kinder dabei unterstützen.

Vor allem aber danken wir den Schülerinnen und Schülern selbst. Sie sind das Herz dieses Wettbewerbs. Ihre Arbeiten zeigen, dass Friedensbildung wirkt und dass die Idee „Frieden schaffen ohne Waffen“ auch mehr als vierzig Jahre nach ihrer Formulierung nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Für uns ist dieses Motto weit mehr als ein Slogan. Denn nur ohne Waffen und nur durch Gewaltfreiheit kann der eskalative Spiralcharakter von Gewalt und Krieg durchbrochen werden.

Wer die ausgezeichneten Arbeiten selbst entdecken möchte, findet sie auf der Homepage des Ulli-Thiel-Friedenspreises. Ein Besuch lohnt sich. Die Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie junge Menschen heute über Frieden, Gerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung nachdenken.

Dokumentation der Friedenspreise

Wir hoffen, dass sich im kommenden Wettbewerbsjahr noch mehr junge Menschen beteiligen und ihre Ideen für eine friedliche Zukunft einreichen. Denn eine demokratische und friedliche Gesellschaft entsteht nicht von selbst – sie wächst dort, wo Menschen lernen, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Und genau das konnten wir an diesem wunderbaren Nachmittag in Stuttgart erleben.

Besonders bedanken möchten wir uns zum Schluss bei Ruth Scheel, die den Ulli-Thiel-Friedenspreis für die DFG-VK Baden-Württemberg betreut. Wir glauben, sagen zu dürfen, dass sie weit darüber hinaus auch diejenige ist, die mit großem Engagement, viel Herz und einem bemerkenswerten Organisationstalent dafür sorgt, dass dieser Preis Jahr für Jahr so liebevoll gestaltet wird, weiterwächst und immer mehr junge Menschen erreicht.

Alle Fotos von Peter Axmann ©

15 Juli, 2026

KDV-INFOTOUR BADEN-WÜRTTEMBERG 2026

Mit dem KDV-Mobil durch Baden-Württemberg

Vom 8. bis 19. Juni unterwegs für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nach GG Art 4.3

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Dennoch wissen viele Menschen nur wenig über ihre Möglichkeiten, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Gleichzeitig erlebt Deutschland eine neue Welle der Militarisierung. Die Bundeswehr wirbt verstärkt um Nachwuchs, Schulen werden zunehmend Ziel militärischer Einflussnahme und mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden junge Menschen wieder systematisch für einen möglichen Wehrdienst erfasst.

Deshalb machten wir uns auf den Weg.

Vom 8. bis 19. Juni 2026 tourte die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg gemeinsam mit der Stiftung Care for Future durch Baden-Württemberg. Mit unserem KDV-Mobil, einem großen aufblasbaren zerbrochenen Gewehr, Informationsständen, Beratungsangeboten, Vorträgen und kreativen Aktionen informierten wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und unterstützten Menschen dabei, ihre Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Von Aalen bis Lörrach führten wir Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Großeltern, Reservistinnen und Reservisten, Soldatinnen und Soldaten, Lehrkräften, Friedensbewegten und vielen interessierten Passantinnen und Passanten.

Dieses Tourtagebuch dokumentiert unsere Reise.

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Die Tour auf einen Blick

Was?

Eine landesweite Informations- und Beratungstour zum Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Wer?

Veranstaltet von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg (DFG-VK Baden-Württemberg) gemeinsam mit der Stiftung Care for Future.

Unterstützt von zahlreichen regionalen Friedensgruppen, Initiativen, Kriegsdienstverweigerungsberater*innen und ehrenamtlichen Helfer*innen.

Wann?

08. bis 19. Juni 2026

Wo?

  • Aalen
  • Schwäbisch Hall
  • Heilbronn
  • Ludwigsburg
  • Tübingen (Ract!-Festival)
  • Mannheim
  • Offenburg
  • Freiburg
  • Lörrach

Warum?

Weil die Zeiten es verlangen.

Während weltweit Kriege eskalieren und Regierungen unbegrenzt Milliarden für Aufrüstung bereitstellen, geraten zivile Konfliktlösungen und Friedenspolitik zunehmend unter Druck. Gleichzeitig werden junge Menschen wieder auf einen möglichen Wehrdienst vorbereitet.

Viele wissen nicht, dass sie das Recht (GG Art. 4.3) haben, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Die Kriegsdienstverweigerungstor-Tour sollte informieren, beraten und Mut machen. Niemand soll aus Unwissenheit in den Dienst an der Waffe geraten.

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Die Veranstalter

DFG-VK Baden-Württemberg

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen ist die älteste Friedensorganisation Deutschlands. Seit über 130 Jahren setzt sie sich gegen Krieg, Militarismus und Gewalt ein. Der Landesverband Baden-Württemberg hat viel Expertise in der Kriegsdienstverweigerungsberatung und war maßgeblich für die Orga der KDV-Tour verantwortlich.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist seit jeher die Unterstützung von Menschen, die den Kriegsdienst verweigern möchten. Die DFG-VK berät Wehrpflichtige, Reservist*innen sowie aktive Soldatinnen und Soldaten und setzt sich politisch für die Abschaffung jeder Form von Kriegsdienstzwang ein.

Stiftung Care for Future

Die Stiftung Care for Future engagiert sich für Friedensbildung, gesellschaftliche Verantwortung und eine Kultur der Gewaltfreiheit. Sie unterstützte die KDV-Tour und half dabei, das Thema Kriegsdienstverweigerung landesweit sichtbar zu machen.

KDV Tour BaWü  – Tagebuch: 08.06.-19.06.2026

8. Juni – Aalen

Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026

Mit Aalen begann am 8. Juni die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von der Ostalb, unweit der bayerischen Grenze, machte sich die Tour auf den Weg quer durch Baden-Württemberg. In den kommenden zwei Wochen sollten Stationen in Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen, Mannheim, Offenburg, Freiburg und schließlich Lörrach folgen. Ziel der Tour war es, insbesondere junge Menschen über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren, Menschen zu beraten und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.

Der Auftakt in Aalen fand in Kooperation mit der DFG-VK Ostalb (keine eingetragene Regionalgruppe, aber was nicht ist, kann ja noch werden ☺) und der Genossenschaft act for transformation statt. Ein besonderer Dank gilt dabei Jürgen Menzel und den Genossen von act for transformation, die die Tour vor Ort unterstützten und für die geplante abendliche Informationsveranstaltung ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. Ebenso bedanken wir uns bei unserem Mitglied aus Aalen, Roland Hamm, der den Tourauftakt mit vorbereitet und begleitet hat. Gemeinsam halfen sie auch unserem Tourfahrer Franz Grundschöttel beim Aufbau des ersten Infostandes der KDV-Tour Baden-Württemberg.

Franz war während der gesamten Tour weit mehr als nur Fahrer. Mit seiner langjährigen Erfahrung bei Infoständen, Aktionen und Veranstaltungen sorgte er dafür, dass Pavillon, Materialien, KDV-Mobil, Gewehr und Sarg stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Wer schon einmal eine zweiwöchige Tour mit täglich wechselnden Stationen organisiert hat, weiß, wie viel Arbeit hinter einer funktionierenden Infrastruktur steckt. Franz meisterte diese Aufgabe mit großer Routine, viel Gelassenheit und meist auch mit einem passenden Spruch zur Situation, egal wie heiß es war.

Dank der guten Pressearbeit von Roland Hamm wurde unsere Station bereits im Vorfeld in der Aalener Zeitung angekündigt. Aus den Presseartikeln ging klar hervor, worum es an diesem Tag gehen sollte: Information über das neue Wehrdienstmodell, Beratung zur Kriegsdienstverweigerung und Aufklärung über die gesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Militarisierung. Dabei richtete sich das Angebot ausdrücklich nicht nur an Jugendliche, sondern ebenso an Soldatinnen, Reservistinnen und alle Menschen, die sich mit den aktuellen politischen Entwicklungen auseinandersetzen wollten.

Der erste Infostand des Tages wurde im Stadtgarten aufgebaut, unmittelbar in der Nähe des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der Uhlandrealschule. Dort nutzten wir die große Pause und die Mittagszeit, um mit Schüler*innen ins Gespräch zu kommen. Schon am ersten Tourtag zeigte sich, dass das Thema viele junge Menschen beschäftigt. Viele hatten bereits von den Debatten über Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit gehört, wussten jedoch wenig über die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die konkreten Rechte, die ihnen zustehen.

Für Aufmerksamkeit sorgte dabei nicht nur unser Informationsmaterial. Wie bei allen Stationen der Tour waren auch das KDV-Mobil, unser Tourbus, das große aufblasbare zerbrochene Gewehr und der symbolische Bundeswehr-Sarg mit dabei. Gemeinsam bildeten sie einen auffälligen Blickfang und sorgten dafür, dass zahlreiche Menschen auf die Aktion aufmerksam wurden und das Gespräch suchten. Auf den Fotos des Tages ist Franz vor dem Stand zu sehen – ein Bild, das rückblickend beinahe symbolisch für die gesamte Tour steht. Denn ohne seinen täglichen Einsatz wäre vieles deutlich komplizierter geworden.

Besonders interessant war bereits am ersten Tag die Vielfalt der Gesprächspartner*innen. Natürlich informierten sich in der Nähe der Schulen viele Jugendliche über die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und Bundeswehr. Gleichzeitig kamen aber auch Eltern vorbei, die sich Sorgen machten, welche Auswirkungen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht auf ihre Kinder haben könnte. Auffällig war zudem das große Interesse älterer Menschen. Viele Großeltern erinnerten sich noch an eigene Erfahrungen mit Wehrpflicht, Militärdienst oder Krieg und begegneten den aktuellen Aufrüstungsdebatten mit einer deutlich kritischeren Haltung als manche jüngere Generation.

Nach dem Vormittag im Stadtgarten wurde die Aktion auf dem Aalener Marktplatz fortgesetzt. Dort ergaben sich weitere Gespräche mit Passant*innen unterschiedlichsten Alters. Während vor den Schulen vor allem Jugendliche angesprochen wurden, stand auf dem Marktplatz die breite Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Auch hier zeigte sich, dass die Diskussion über Wehrpflicht, Aufrüstung und Krieg längst nicht nur politische Fachkreise beschäftigt, sondern viele Menschen ganz unmittelbar bewegt.

Leider war das Interesse an der geplanten Informationsveranstaltung am Abend in den Räumen von act for transformation so gering, dass wir sie ausfallen ließen. Wir führen dies auf das hervorragende Sommerwetter und die bereits sehr informativen Aktionen im Laufe des Tages zurück. Offenbar hatten viele Aalener*innen die Gelegenheit genutzt, sich bereits an unseren Infoständen zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen.

Schon die erste Station der Tour machte deutlich, dass der Bedarf an Information und Beratung groß ist. Die Debatten um Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und Aufrüstung sind längst keine abstrakten politischen Diskussionen mehr. Viele Menschen beschäftigen sich ganz konkret mit der Frage, was diese Entwicklungen für sie selbst, ihre Kinder oder ihre Enkelkinder bedeuten könnten.

Aalen war damit ein gelungener Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von hier aus führte der Weg weiter durch das ganze Land – mit dem Ziel, insbesondere junge Menschen über ihre Rechte zu informieren, für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu werben und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Und Franz? Der verstaute am Ende des Tages wieder Pavillon, Flyer, Gewehr und Sarg im KDV-Mobil, bevor es am nächsten Morgen weiter zur nächsten Station ging.

9. Juni – Schwäbisch Hall

Glücksrad, Gewehr und viele gute Gespräche

Nach dem gelungenen Auftakt in Aalen führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am nächsten Tag weiter nach Schwäbisch Hall.

Pünktlich, bestens vorbereitet wie immer und mit einem Schmunzeln auf den Lippen traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil am vereinbarten Ort ein. Gemeinsam mit Marianne Haufe und Gunther Reber von der DFG-VK wurde der Stand aufgebaut und für einen weiteren Tag voller Gespräche über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung, Frieden und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft vorbereitet.

Ein wichtiger Bestandteil der Tour war dabei auch der Hinweis auf das Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Die Tour sollte nicht nur informieren, sondern auch deutlich machen, dass Menschen mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein sind. In ganz Baden-Württemberg stehen erfahrene Beraterinnen zur Verfügung, die bei Fragen zur Wehrpflicht, zu Verweigerungsverfahren oder zu den Rechten von Reservistinnen und Soldatinnen unterstützen können. Mit Marianne Haufe und Gunther Reber waren an diesem Tag gleich zwei dieser Berater*innen vor Ort.

Auch in Schwäbisch Hall war der Tourtermin von einer engagierten lokalen Vorbereitung begleitet worden. Die Pressearbeit im Vorfeld sorgte nicht nur dafür, dass zahlreiche Menschen von der Aktion erfuhren, sondern führte auch zu einem Live-Interview beim lokalen Radiosender StHörfunk. Den entstandenen Radiobeitrag dokumentieren wir auf dieser Seite ebenfalls, da er einen guten Eindruck von den Zielen und Inhalten der Tour vermittelt.

Mit Marianne Haufe und Gunther Reber engagierten sich zwei Aktive der Friedensbewegung an dieser Station der Tour. Beide setzen sich seit vielen Jahren für Demokratie und Frieden ein und begleiteten die Aktion vor Ort.

Ihren Bericht über den Tag in Schwäbisch Hall möchten wir bewusst in ihren eigenen Worten dokumentieren:

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Friedenstour der Deutschen Friedensgesellschaft macht Halt in Schwäbisch Hall

Frieden beginnt mit Begegnung – Rückblick auf den Friedenstag am 09.06.2026 in Schwäbisch Hall

Manche Veranstaltungen lassen sich in Zahlen beschreiben. Andere in Begegnungen.

Unser Friedenstag am 09. Juni 2026 auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz in Schwäbisch Hall gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.

Als wir am Vormittag unseren Infostand aufbauten, war zunächst noch wenig Betrieb. Der Platz wirkte ruhig und wir wussten nicht, welche Menschen uns an diesem Tag begegnen würden. Doch schon bald wurde deutlich, dass das Thema Frieden viele Menschen bewegt – oft mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein besonderer Höhepunkt war das Live-Interview im Radio StHörfunk. Während des Gesprächs wurde uns selbst noch einmal bewusst, mit welcher Begeisterung und Überzeugung wir diesen Weg gehen. Frieden ist für uns kein abstraktes politisches Konzept, sondern eine Haltung, die im Alltag beginnt und durch Begegnungen lebendig wird.

Im Laufe des Tages füllte sich der Platz zunehmend. Besonders am Nachmittag kamen viele Menschen gezielt auf uns zu. Darunter waren mehrere Mütter, die sich für ihre bereits erwachsenen Kinder interessierten oder Fragen im Hinblick auf ihre heranwachsenden Kinder hatten. Ein Satz blieb dabei besonders in Erinnerung:

„Gegen den Krieg kann man sich nie früh genug entscheiden.“

Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch viele Gespräche.

Auch ehemalige Reservisten suchten den Austausch. Einige erklärten, dass sie im Ernstfall wieder dienen würden. Andere berichteten, dass sie heute verweigern würden. Die Gespräche verliefen respektvoll, offen und ehrlich. Gerade diese unterschiedlichen Sichtweisen machten deutlich, wie wichtig Räume für Dialog und persönliche Reflexion sind.

Eine Begegnung hat uns dabei besonders berührt.

Ein Mann aus Eritrea blieb längere Zeit an unserem Stand. Er erzählte, dass er 13 Jahre seines Lebens im Krieg verbringen musste, bevor er nach Deutschland flüchtete. Seit rund 40 Jahren lebt er nun hier. Während er von seinen Erlebnissen sprach, kamen ihm die Tränen. Auch uns bewegten seine Worte tief. Als unser Gespräch zu Ende war, fielen wir uns in die Arme. In diesem Moment wurde spürbar, dass Frieden weit mehr ist als ein politisches Ziel. Frieden ist Menschlichkeit. Frieden ist Begegnung. Frieden ist Mitgefühl.

Eine große Unterstützung war für uns ein 19-jähriger Kriegsdienstverweigerer, der sich spontan einbrachte und uns beim Ansprechen junger Menschen unterstützte. Sein Engagement zeigte, dass sich auch junge Menschen sehr bewusst mit Fragen von Verantwortung, Gewissen und Frieden auseinandersetzen.

Bemerkenswert war, dass wir selbst während des gesamten Tages immer wieder in die Reflexion gingen. Nahezu jedes Gespräch stellte neue Fragen, eröffnete neue Perspektiven und zeigte uns, wie unterschiedlich Menschen auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen blicken. Wir waren nicht nur Gesprächspartner – wir waren auch Lernende.

Besonders stolz sind wir auf den Zusammenhalt unseres Teams. Viele von uns kannten sich vor dieser Aktion kaum. Dennoch entstand innerhalb kürzester Zeit ein Miteinander, das von Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und einem gemeinsamen Ziel geprägt war. Gemeinsam haben wir diesen Tag getragen und gestaltet.

Ein unerwarteter Publikumsmagnet wurde unser Glücksrad. Was zunächst als interaktive Ergänzung gedacht war, entwickelte sich schnell zum zentralen Anziehungspunkt. Die verschiedenen Fragen und Szenarien rund um Wehrpflicht, Einberufung und persönliche Entscheidungen führten zu zahlreichen Gesprächen und lockten viele Menschen an unseren Stand.

Auch kreative Ideen entstanden im Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern. So entwickelte sich die Überlegung, künftig Friedensbotschaften mit aufsteigenden Luftballons sichtbar in die Welt zu tragen. Die Ballons sollen dabei symbolisch für die Verbreitung von Frieden, Hoffnung und Menschlichkeit stehen und die Sichtbarkeit des Friedensgedankens weit über den eigentlichen Veranstaltungsort hinaus erhöhen.

Gleichzeitig zeigte der Tag auch eine andere Realität.

Viele Menschen sehen den Ernst der aktuellen Entwicklungen noch nicht oder möchten sich mit den Themen Krieg, Wehrpflicht und persönlicher Verantwortung gar nicht beschäftigen. Andere folgen dem Gedanken, man müsse im Zweifel „etwas für sein Land tun“, ohne die dahinterliegenden Fragen näher zu hinterfragen.

Gerade deshalb halten wir solche Veranstaltungen für wichtig.

Denn Frieden beginnt nicht erst in politischen Verhandlungen. Frieden beginnt dort, wo Menschen bereit sind zuzuhören, Fragen zu stellen und ihre eigenen Überzeugungen zu reflektieren.

Der Friedenstag in Schwäbisch Hall hat uns gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich genau das wünschen: Begegnung, Dialog und Menschlichkeit.

Wir gehen deshalb mit großer Dankbarkeit, neuen Impulsen und viel Hoffnung aus diesem Tag heraus.

Denn jede Begegnung, jedes Gespräch und jede ehrliche Frage sind ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer friedlicheren Gesellschaft.

Und vielleicht beginnt Frieden tatsächlich genau dort: von Mensch zu Mensch.

Fazit

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Themen Frieden, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung Menschen unterschiedlicher Generationen bewegen. Besonders wertvoll waren die zahlreichen persönlichen Gespräche und die Offenheit vieler Besucherinnen und Besucher.

Das interaktive Format mit Glücksrad, offener Gesprächskultur und Radiointerview erwies sich als geeigneter Ansatz, um Menschen niedrigschwellig anzusprechen und zum Nachdenken anzuregen.

Für zukünftige Aktionen sehen wir großes Potenzial in dialogorientierten Formaten, die Begegnung ermöglichen und Menschen dazu ermutigen, sich mit Fragen von Frieden, Verantwortung und Gewissensentscheidungen auseinanderzusetzen.

Der Friedenstag hat gezeigt: Wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, entstehen Verständnis, neue Perspektiven und Hoffnung. Genau darin sehen wir einen wichtigen Beitrag der Friedensarbeit in unserer Zeit.

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Der Bericht von Marianne und Gunther zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Begegnungen während der KDV-Tour waren. Die Gespräche reichten von jungen Menschen, die sich erstmals mit dem Thema Wehrpflicht beschäftigten, über Eltern und Großeltern bis hin zu Menschen mit eigenen Flucht- und Kriegserfahrungen.

Besonders die Begegnung mit dem aus Eritrea geflüchteten Mann, die Unterstützung durch den jungen Kriegsdienstverweigerer und die vielen Gespräche mit Eltern und Müttern machten deutlich, wie eng die Themen Frieden, Krieg und persönliche Verantwortung mit den Lebensgeschichten konkreter Menschen verbunden sind.

Für Franz bedeutete das am Ende des Tages erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einem schönen und erfolgreichen Tag in Schwäbisch Hall ging die Reise weiter.

Die nächste Station wartete bereits: Heilbronn.

10. Juni – Heilbronn

Mitten in der Innenstadt für Frieden und Kriegsdienstverweigerung

Foto: Andreas Stiegele

Nach den Stationen in Aalen und Schwäbisch Hall führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 10. Juni nach Heilbronn.

Wie immer pünktlich und bestens vorbereitet steuerte Franz Grundschöttel das KDV-Mobil auf den Kilianskirchhof im Herzen der Heilbronner Innenstadt. Dort warteten bereits die örtlichen Unterstützer*innen des Heilbronner Friedensrat sowie unser Kriegsdienstverweigerungsberater Andreas Gnekow auf die Tour.

Foto: Andreas Stiegele

Gemeinsam wurde der Stand aufgebaut. Wie schon an den vorherigen Stationen gehörten das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg sowie umfangreiche Informationsmaterialien zur Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zum Erscheinungsbild der Aktion.

Der Heilbronner Friedensrat setzt sich mit vielen Veranstaltungen, Infoständen und anderen Formaten kontinuierlich für Abrüstung, zivile Konfliktbearbeitung und Frieden ein. Vielen Dank für eure Mitarbeit und Unterstützung. Ohne euch hätten wir keine Station der KDV-Tour in Heilbronn durchführen können.

Der Kilianskirchhof erwies sich dabei als idealer Ort für die Aktion. Direkt vor der Kilianskirche entstand für einige Stunden ein kleiner Ort des Friedens mitten im geschäftigen Alltag der Innenstadt. Das KDV-Mobil, die Friedensfahnen, die Pavillons, das aufblasbare zerbrochene Gewehr und die Informationsstände waren schon von weitem sichtbar und luden Passant*innen dazu ein, stehenzubleiben und ins Gespräch zu kommen.

Wer über den Platz ging, konnte kaum übersehen, dass hier etwas anderes stattfand als die übliche Werbung um Aufmerksamkeit. Statt Rekrutierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit standen Fragen nach Frieden, Gewissen und persönlicher Verantwortung im Mittelpunkt. Natürlich informierten wir auch über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, über das landesweite Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK sowie über die verschiedenen Möglichkeiten, sich Krieg, Militarisierung und Wehrpflicht entgegenzustellen. Das große zerbrochene Gewehr wurde dabei zum sichtbaren Symbol einer Haltung, die sich gegen Krieg und Militarisierung richtet und der Kriegsmaschinerie Sand ins Getriebe streuen will.

Foto: Andreas Stiegele

Besonders erfreulich war, dass sich auch zahlreiche junge Menschen am Stand informierten. Viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zur Wehrpflicht und zur Kriegsdienstverweigerung zu stellen oder sich über ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten zu informieren. Die bereitliegenden Materialien zur Kriegsdienstverweigerung stießen auf reges Interesse.

Die Atmosphäre auf dem Kilianskirchhof war dabei offen und einladend. Zwischen Kirche, Fußgängerzone und Einkaufsbetrieb entstand für einige Stunden ein Raum für Nachfragen, Diskussionen und neue Perspektiven. Fast wirkte der Platz zeitweise wie ein kleines pazifistisches Dorf mitten in einer Gesellschaft, die zunehmend von Aufrüstung, Militärwerbung und Forderungen nach Kriegstüchtigkeit geprägt wird.

Nach mehreren Stunden auf dem Kilianskirchhof endete auch die Heilbronner Station der KDV-Tour. Für Franz bedeutete das erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten.

Die nächste Station wartete bereits: Ludwigsburg.

11. Juni – Ludwigsburg

Werbung für die Verweigerung

Nach der Station in Heilbronn führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 11. Juni nach Ludwigsburg. Ziel war das Goethe-Gymnasium, wo die Tour insbesondere junge Menschen über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und ihre Rechte informieren wollte.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich und mit einer Menge Tatendrang am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK-Regionalgruppe Ludwigsburg wurde der Stand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg und die Friedensfahnen nicht mehr zu übersehen.

An unserem Stand gab es Gummibärchen mit DFG-VK-Link, Aufkleber – darunter Klassiker wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ –, Handzettel mit Bezug zur Gamer-Szene und sogar Friedenstauben aus dem 3D-Drucker als Schmuckaccessoire, die ein Gruppenaktiver spontan vorbeigebracht hatte. Die Mischung aus Informationsangeboten und kreativen Mitmach-Elementen erwies sich als idealer Gesprächseinstieg.

Mehrere Stunden lang verteilten wir aktuelle Faltblätter mit Informationen zu Bundeswehrfragebogen, Musterung und Kriegsdienstverweigerung. Besonders gezielt sprachen wir ältere männliche Schüler an, da sie von einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht unmittelbar betroffen wären. Natürlich gaben wir die Materialien auch an viele andere Interessierte weiter. Schließlich werden die Diskussionen über Wehrpflicht, Militär und Kriegsdienstverweigerung nicht nur in Klassenzimmern geführt, sondern auch in Familien, Freundeskreisen und Vereinen. Die Informationen sollten möglichst viele Menschen erreichen und das Bewusstsein dafür stärken, dass eine weitere Militarisierung unserer Gesellschaft keine zwangsläufige Entwicklung ist.

Gleichzeitig informierten wir über das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Auch unsere Regionalgruppe Ludwigsburg verfügt über ein Netzwerk an Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und steht Menschen zur Seite, die Fragen zu Wehrpflicht, Musterung oder Verweigerungsverfahren haben. Die Tour sollte auch deutlich machen: Niemand muss sich mit diesen Fragen allein auseinandersetzen.

Vor allem während der Schulpausen war am Stand richtig etwas los. Scharen von Schülerinnen und Schülern kamen vorbei, informierten sich, stellten Fragen und nahmen Material mit. Die DFG-VK-Gummibärchen fanden reißenden Absatz. Besonders beliebt waren die Aufkleber mit der Labubu-Figur und dem Slogan „Nein zum Kriegsdienst“.

Die Fotos des Tages zeigen eindrucksvoll, worum es bei der KDV-Tour ging: Nicht irgendwo im Verborgenen über Kriegsdienstverweigerung zu sprechen, sondern direkt dort präsent zu sein, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Zwischen Unterricht, Pausengesprächen und dem Weg nach Hause entstand ein Ort, an dem über Krieg, Frieden, Gewissen und persönliche Verantwortung diskutiert werden konnte.

Besonders erfreulich war die große Offenheit vieler Schüler*innen. In den Gesprächen und Diskussionen erlebten wir viel Zustimmung und immer wieder die Bereitschaft, sich auf unsere konsequent pazifistische Position einzulassen. Auch dort, wo nicht alle unserer Meinung waren, wurden die Gespräche respektvoll und interessiert geführt.

Dass die Aktion Aufmerksamkeit erregte, zeigte sich auch in der lokalen Berichterstattung. Unter der Überschrift „Bundeswehr: Werbung für Verweigerung“ berichtete die Ludwigsburger Kreiszeitung über die Aktion vor dem Goethe-Gymnasium. Der Titel brachte den Charakter der Tour treffend auf den Punkt: Während vielerorts für den Dienst an der Waffe geworben wird, informierten wir über das Recht, diesen Dienst zu verweigern.

Die Station in Ludwigsburg machte deutlich, wie groß der Informationsbedarf bei jungen Menschen ist. Viele von ihnen hören derzeit immer häufiger von Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und militärischer Aufrüstung. Umso wichtiger ist es, dass sie auch erfahren, welche Rechte sie haben und dass Kriegsdienstverweigerung weiterhin ein Grundrecht ist.

Nach einem erfolgreichen Tag vor dem Goethe-Gymnasium hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer einsammeln, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und alles im KDV-Mobil verstauen. Danach ging es ins Hotel, um noch etwas Kraft zu tanken. Denn die nächste Station versprach etwas ganz Besonderes zu werden: Das Ract!-Festival in Tübingen – einer der Höhepunkte der gesamten KDV-Tour Baden-Württemberg 2026.

12.–13. Juni – Tübingen

Das Herzstück der KDV-Tour: Das Ract!-Festival

Ein Höhepunkt und gleichzeitig das Herzstück unserer Kriegsdienstverweigerungstour durch Baden-Württemberg war das Ract!-Festival 2026 in Tübingen. Das Festival bezeichnet sich selbst als das größte politische Umsonst-und-Draußen-Festival Deutschlands und findet jedes Jahr in der wunderschönen Kastanienallee statt. Schon das diesjährige Motto „Nach oben treten“ machte deutlich, dass hier gesellschaftliche Verhältnisse kritisch hinterfragt werden sollen – ein Anspruch, den wir als Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen ausdrücklich teilen.

Wir freuten uns sehr über die Einladung der Festivalleitung, unsere Arbeit gegen Wehrpflicht und Militarisierung auf dem Festival vorzustellen und mit jungen Menschen über Kriegsdienstverweigerung ins Gespräch zu kommen. Gerade junge Menschen stehen aktuell wieder verstärkt im Fokus militärischer Planungen. Mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden sie systematisch erfasst, gleichzeitig nimmt die Präsenz der Bundeswehr in Schulen, auf Ausbildungsmessen und im öffentlichen Raum zu. Umso wichtiger war es für uns, dort präsent zu sein, wo junge Menschen zusammenkommen, diskutieren und politische Erfahrungen sammeln.

Bereits am Freitag begann unser Festivalwochenende. Gegen 14 Uhr trafen sich Franz und Jonas am Tübinger Bahnhof. Gemeinsam ging es zum Festivalgelände, wo der Stand aufgebaut wurde. Kurz darauf stieß auch Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) dazu und unterstützte uns beim Aufbau und bei den Vorbereitungen.

Der erste Programmpunkt ließ nicht lange auf sich warten. Bereits um 15.30 Uhr, nur eine halbe Stunde nach Festivalbeginn, startete unser Workshop zur Kriegsdienstverweigerung und zum Antimilitarismus. Trotz des zuvor ausgesprochen schlechten Wetters – zeitweise hatte es in Strömen geregnet – fanden rund zwölf Teilnehmende den Weg zur Veranstaltung. Besonders gefreut hat uns, dass darunter zwei Oberstufenkurse des Fachs Gemeinschaftskunde von unterschiedlichen Schulen waren. Die Fragen und Diskussionen zeigten deutlich, dass die Themen Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsdienstverweigerung viele junge Menschen beschäftigen.

Nach dem Workshop blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Für Jonas ging es direkt weiter zu einem Radiointerview bei der Wüsten Welle, dem freien Radio aus Tübingen. Dort stellte er die Ziele der KDV-Tour, die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung vor. Währenddessen lief am Stand die Beratung weiter.

Workshops auf dem RACT!: Wir gleich als erstes

In den folgenden Stunden entwickelte sich unser Stand zu einem lebendigen Ort der Begegnung. Immer wieder kamen junge Menschen vorbei, die wissen wollten, welche Rechte sie haben, falls die Wehrpflicht zurückkehrt. Andere fragten nach den Möglichkeiten einer Verweigerung als Reservistin oder Soldatin. Viele Gespräche drehten sich um die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft, die Aufrüstungspolitik der Bundesregierung und die Frage, welche Alternativen es zu militärischem Denken gibt.

Besonders auffällig war dabei, dass sich das Interesse nicht auf die unmittelbar Betroffenen beschränkte. Junge Eltern informierten sich für ihre Kinder, Großeltern nahmen Flyer und Broschüren mit, um sie an ihre Enkelkinder weiterzugeben. Immer wieder begegneten wir Menschen, die sich große Sorgen über die aktuelle politische Entwicklung machten und nach Orientierung suchten.

Kurz vor dem Andrang, von dem wir keine Fotos haben 🙂

Das Thema Krieg und Militarisierung war auf dem Festival allgegenwärtig. In zahlreichen Gesprächen wurde deutlich, dass viele Menschen die derzeitige politische Entwicklung mit Sorge betrachten. Die Milliardenprogramme für Aufrüstung, die Debatten über Kriegstüchtigkeit und Wehrpflicht sowie die zunehmende militärische Präsenz im Alltag beschäftigen viele Besucher*innen.

Natürlich waren die Reaktionen auf uns nicht ausschließlich positiv. Bei einem Festival mit mehreren tausend Menschen trifft man auf die unterschiedlichsten politischen Auffassungen. Die Spannbreite reichte von großer Dankbarkeit für unser Beratungsangebot über ein kritisches Hinterfragen unserer Vorstellungen ziviler Verteidigung und gewaltfreier Konfliktbearbeitung bis hin zu offenen Anfeindungen für unsere pazifistische Haltung.

Besonders in Erinnerung geblieben sind Gespräche mit jungen queeren Menschen, die ratlos und besorgt waren angesichts einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht und wissen wollten, welche Handlungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Gleichzeitig gab es auch Besucher*innen, die unsere Positionen entschieden ablehnten. Ein Anhänger der AfD warf uns vor, die „Retter Deutschlands“ zu diffamieren, und verteidigte die aktuelle Aufrüstungspolitik. Solche Begegnungen zeigen, wie kontrovers die gesellschaftliche Debatte inzwischen geführt wird.

Für uns bleibt dabei entscheidend, auf die historischen Erfahrungen hinzuweisen. Europa hat bereits erlebt, wohin Nationalismus, Militarisierung und Aufrüstung führen können. Gerade in einer Zeit, in der autoritäre und rechtsextreme Kräfte wieder an Einfluss gewinnen, halten wir es für gefährlich, militärische Stärke erneut zum zentralen politischen Leitbild zu erklären. Friedenspolitik bedeutet für uns internationale Zusammenarbeit, Diplomatie und zivile Konfliktbearbeitung – nicht immer größere Armeen und immer neue Rüstungsprogramme.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte unser Aktionsmaterial. Das große aufblasbare zerbrochene Gewehr entwickelte sich zu einem regelrechten Publikumsmagneten. Gemeinsam mit dem symbolischen Bundeswehr-Sarg, auf dem die Botschaft stand, dass dort eine Bundeswehrkarriere enden kann, zog unser Stand zahlreiche Menschen an. Viele machten Fotos, diskutierten über die Symbole oder kamen gerade deshalb erstmals mit uns ins Gespräch.

Die beiden Objekte erfüllten genau den Zweck, für den sie gedacht sind: Aufmerksamkeit erzeugen und Gespräche ermöglichen. Immer wieder standen Menschen vor dem Gewehr oder dem Sarg, machten Bilder und diskutierten miteinander. Für die Zukunft überlegen wir sogar, das Gewehr noch stärker als Fotopunkt für soziale Medien zu nutzen, um die Reichweite unserer Friedensarbeit weiter zu erhöhen.

Auch unsere Sticker erfreuten sich großer Beliebtheit. Zahlreiche Besucher*innen deckten sich damit ein und räumten unsere Bestände beinahe leer. Vielleicht taucht der eine oder andere davon künftig wieder an Laternen, Stromkästen oder anderen Orten im Tübinger Stadtbild auf.

Der Samstag begann für uns etwas entspannter. Während auf dem Festivalgelände bereits das Programm lief und prominente Gäste wie Volker Wissing und Saskia Esken (abgesagt) über Demokratie diskutierten (sollten), entschieden wir uns nach dem langen Vortag lieber für einen ruhigeren und ehrlicheren Start. Wir nutzten die Gelegenheit, auszuschlafen und die schöne Universitätsstadt Tübingen zu erkunden.

Am Nachmittag kehrten wir auf das Festivalgelände zurück. Bei guter Musik, sommerlichem Wetter und entspannter Atmosphäre bauten wir unseren Stand erneut auf. Schnell entstanden wieder zahlreiche Gespräche. Dabei merkten wir auch, dass das Publikum am Samstagnachmittag etwas weniger jung, etwas weniger links und insgesamt weniger antimilitaristisch geprägt war als am Vortag. Die Gespräche wurden dadurch diskursiver und kontroverser. Gerade daraus entstanden jedoch viele interessante Diskussionen über Wehrpflicht, Aufrüstung und Friedenspolitik. Manche Besucher*innen waren bereits am Freitag bei uns gewesen und kamen nun erneut vorbei. Andere entdeckten unseren Stand erstmals und nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren oder Material mitzunehmen.

Bis etwa 22 Uhr waren wir auf dem Festival präsent. Danach begann der Abbau. Während rund um uns herum noch gefeiert wurde, verschwanden Gewehr, Sarg, Pavillon und Infomaterial nach und nach wieder im KDV-Mobil. Am nächsten Morgen sollte die Tour bereits weitergehen – zur nächsten Station nach Mannheim.

Ein besonderer Dank gilt der Informationsstelle Militarisierung (IMI), die uns während des gesamten Festivals unterstützt hat. Zwischen der IMI und der DFG-VK Baden-Württemberg bestehen seit vielen Jahren enge Verbindungen. Viele Aktive engagieren sich in beiden Organisationen und arbeiten gemeinsam daran, Militarisierung kritisch zu analysieren und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Besonders bedanken möchten wir uns bei Reza und Pablo. Mit ihrem Fachwissen, ihrer Schlagfertigkeit, ihrer Geduld und ihrer großen Empathie haben sie unseren Stand bereichert und unzählige Gespräche mit Besucher*innen geführt. Ihre Unterstützung war für uns fachlich wie menschlich von großem Wert.

Es war uns eine große Freude, mit euch gemeinsam für Frieden, Aufklärung und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung einzutreten.

Das Ract!-Festival war für uns weit mehr als nur eine weitere Station der Tour. Nirgendwo sonst erreichten wir innerhalb von zwei Tagen so viele junge Menschen. Die zahlreichen Gespräche, die große Nachfrage nach Informationen und die vielen positiven Rückmeldungen machten deutlich, wie wichtig es ist, die Themen Kriegsdienstverweigerung und Antimilitarismus gerade dort sichtbar zu machen, wo junge Menschen zusammenkommen.

Wenn wir auf die Tour zurückblicken, dann war Tübingen nicht nur eine Station. Es war das Herzstück der Reise. Hier wurde besonders deutlich, dass viele Menschen keine Lust auf Töten und Sterben für Deutschland haben, sich Gedanken über eine friedliche Zukunft machen und nach Antworten auf die Krisen unserer Zeit suchen.

Genau für diese Menschen sind wir unterwegs. Genau für diese Menschen ist es wichtig, Kriegsdienstverweigerungsberatung anzubieten. Und genau deshalb braucht es auch in Zukunft eine starke antifaschistische Friedensbewegung.

14. Juni – Mannheim

Kriegsdienstverweigerung trifft Veteranentag

Nach zwei intensiven Tagen auf dem Ract!-Festival in Tübingen führte die KDV-Tour am 14. Juni nach Mannheim. Dort traf sie auf eine Situation, die aktueller kaum hätte sein können. In Mannheim wurde der Veteranentag begangen – ein bundesweiter Aktionstag, mit dem Soldat*innen stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt und militärischer Dienst gesellschaftlich aufgewertet werden soll.

Für die DFG-VK Baden-Württemberg war schnell klar, dass wir an diesem Tag nicht einfach nur informieren, sondern auch Position beziehen würden.

Die Proteste wurden von einem breiten Bündnis getragen. Gemeinsam mit der Regionalgruppe Mannheim der DFG-VK, der Interventionistischen Linken, der Partei Die Linke, der Initiative Soziale Kämpfe Mannheim (ISK), dem Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung Mannheim (OTKM), den Schulstreiks gegen Wehrpflicht sowie weiteren Aktiven beteiligten wir uns an den Aktionen gegen den Veteranentag.

Denn aus unserer Sicht ist dieser Veteranentag weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldat*innen. Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken soll. Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit wachsender Aufrüstung, der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, einer zunehmenden Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum und neuer Debatten über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Genau gegen diese Entwicklung richtete sich unser Protest.

Die Bilder des Tages waren eindrucksvoll. Transparente mit Aufschriften wie „Verweigern“, „Desertieren“ und „Sabotieren“ machten deutlich, dass viele Menschen die aktuelle Entwicklung kritisch sehen. Die Proteste waren entschlossen, kreativ und sichtbar. Sie machten deutlich, dass die Militarisierung der Gesellschaft keineswegs widerspruchslos hingenommen wird.

In zahlreichen Redebeiträgen wurde kritisiert, dass militärischer Dienst zunehmend öffentlich gewürdigt und aufgewertet wird, während gleichzeitig soziale Bereiche unter Finanzierungsdruck geraten. Teilnehmer*innen stellten die Frage, warum Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden, während in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und anderen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Mitten in diesem Umfeld war auch die KDV-Tour präsent. Das KDV-Mobil und unsere Informationsmaterialien boten die Möglichkeit, aus grundsätzlicher Kritik konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Die Beratung zur Kriegsdienstverweigerung stand an diesem Tag nicht im Mittelpunkt der Aktion, war aber ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots. Denn wer die zunehmende Militarisierung kritisch betrachtet, stellt sich häufig auch die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, sich militärischen Zwängen persönlich zu entziehen.

Deshalb informierten wir am Rande der Proteste über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Rechte von Reservistinnen und Soldatinnen. Wir machten deutlich, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht mit dem Eintritt in die Bundeswehr endet und dass niemand gegen sein Gewissen zum Militärdienst gezwungen werden sollte.

Auf der Kundgebung sprach auch Jonas Fehrenbach, Geschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg. In seiner Rede kritisierte er die aktuelle Aufrüstungspolitik, die gesellschaftliche Aufwertung des Militärs und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben.

Rede von Jonas Fehrenbach auf der Kundgebung gegen den Veteranentag

Die folgende Rede wurde am 14. Juni 2026 auf der Kundgebung gegen den Veteranentag in Mannheim gehalten:

Hallo,

mein Name ist Jonas Fehrenbach. Ich bin der Geschäftsführer des Landesverbandes Baden-Württemberg der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen in Baden-Württemberg.

Heute möchte ich aber auch als Vater von zwei kleinen Kindern zu euch sprechen.

Denn diese Aufrüstung, dieser Wahn von der größten Armee Europas und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben sind aus meiner Sicht brandgefährlich.

Brandbeschleuniger für unsere Gesellschaft. Brandgefährlich für unsere Demokratie und brandgefährlich für die Zukunft unserer Kinder.

Und genau deshalb stehe ich heute hier und protestiere gegen den Veteranentag.

Denn dieser Veteranentag ist weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldatinnen und Soldaten.

Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte unserer Gesellschaft rücken soll.

Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit von ungebremster Aufrüstung, von der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, von immer mehr Bundeswehr an Schulen, von Feriencamps der Bundeswehr für Kinder und Jugendliche, von der Militarisierung des Gesundheitswesens und von Debatten über die Wiedereinführung eines verpflichtenden Wehrdienstes.

All diese Entwicklungen verfolgen dasselbe Ziel: militärisches Denken und Handeln wieder als etwas Normales, Selbstverständliches und Positives in unserer Gesellschaft zu verankern.

Aber wir brauchen kein neues deutsches Heldentum.

Wir brauchen keinen Veteranentag.

Uns Pazifistinnen und Pazifisten wird oft vorgeworfen, wir seien naiv oder blind für die wirklichen Gefahren unserer Zeit.

Doch wenn bei uns angesichts dieser militaristischen Entwicklungen die Alarmglocken läuten, dann, wie ich finde, nur aus guten Gründen.

Denn wir sind nicht irgendein Land hier.

Deutschland hat vor nicht einmal 100 Jahren den Zweiten Weltkrieg entfesselt und mit dem Holocaust das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte zu verantworten.

Diese Verbrechen fielen nicht vom Himmel. Ihnen gingen Aufrüstung, Militarisierung, Feindbilder und die Verherrlichung von Gehorsam voraus.

Ohne einen in der Gesellschaft breit verankerten Militarismus wäre der Weg in den Krieg und der Holocaust nicht möglich gewesen.

Und genau deshalb halten wir die aktuelle Militarisierungs- und Aufrüstungsstrategie für geschichtsvergessen und gefährlich.

Die Lehre aus der deutschen Geschichte sollte deshalb nicht sein, wieder mehr Militär zu wollen.

Die Lehre muss sein, alles dafür zu tun, Konflikte friedlich zu lösen.

Und wir werden immer mehr.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen die ungebremste, von der Schuldenbremse ausgenommene Militarisierung unserer Gesellschaft nicht mittragen wollen.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen erkennen, dass Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit und militärische Stärke keine Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit sind.

Denn Panzer schaffen keine Kitaplätze, Raketen bekämpfen keine Armut und die Androhung von Gewalt schafft weder soziale Gerechtigkeit noch dauerhaften Frieden.

Wir stellen uns gegen die Wehrpflicht. Oder, wie wir sie lieber nennen: gegen den Kriegsdienstzwang.

Der Kriegsdienstzwang muss aus dem Grundgesetz gestrichen werden.

Denn niemand sollte gezwungen werden können, für Deutschland zu töten oder zu sterben.

Und solange er nicht aus dem Grundgesetz gestrichen ist, helfen wir Menschen dabei, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Dafür hat die DFG-VK bundesweit und auch hier in Baden-Württemberg ein Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und -beratern aufgebaut.

Informieren könnt ihr euch auf verweigern.info.

Wir helfen allen, die nicht für Deutschland töten und sterben wollen.

Und wir helfen auch Reservistinnen und Reservisten, die nicht für militärische Übungen und Kriegsvorbereitungen einberufen werden wollen.

Gerade sind wir mit unserer Kriegsdienstverweigerungstour zwei Wochen lang durch Baden-Württemberg unterwegs.

Von Aalen bis Lörrach informieren wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und darüber, wie man es wahrnehmen kann.

Und das ist erst der Anfang.

Wir werden uns weiter gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft wehren.

Wir wehren uns gegen den Veteranentag.

Wir wehren uns gegen neues deutsches Heldentum.

Auch für meine Kinder.

Für alle Kinder.

Denn sie haben es verdient, in einer friedlichen Gesellschaft aufzuwachsen.

Vielen Dank.

Die Redebeiträge der Kundgebung machten deutlich, was viele Menschen an diesem Tag bewegte. Spürbar war die Sorge vor einer Gesellschaft, in der militärisches Denken und militärische Lösungen wieder zunehmend als selbstverständlich gelten. Kritisiert wurde auch die politische Prioritätensetzung, die immer größere Summen für Aufrüstung und militärische Strukturen bereitstellt, während gleichzeitig in sozialen Bereichen, im Bildungswesen, im Gesundheitssektor und bei der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Es wurde davor gewarnt, dass diese Entwicklung nicht nur die Militarisierung der Gesellschaft vorantreibt, sondern auch soziale Ungleichheiten verschärft. Wenn Milliarden für Panzer, Raketen und militärische Infrastruktur verfügbar sind, während Kommunen Schwimmbäder schließen, Schulen sanieren müssen oder soziale Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, dann droht dies die gesellschaftliche Spaltung weiter zu vertiefen.

Mehrfach wurde dabei auch eine grundsätzliche Kritik an den wirtschaftlichen Interessen hinter Aufrüstung und Krieg formuliert. In den Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass von militärischen Konflikten und steigenden Rüstungsausgaben vor allem große Rüstungskonzerne und ihre Eigentümerinnen profitieren, während die Kosten von der Allgemeinheit getragen werden. Während wenige an Aufrüstung, Waffenexporten und militärischer Produktion verdienen, sind es im Ernstfall Soldatinnen und die Zivilbevölkerung, die Verwundung, Vertreibung, Leid und Tod erleiden.

Aus Sicht der Teilnehmer*innen besteht genau darin eine zusätzliche Gefahr der aktuellen Aufrüstungspolitik: Sie bindet nicht nur enorme finanzielle Ressourcen, sondern verschiebt auch politische Prioritäten. Statt soziale Probleme zu lösen, werden militärische Antworten immer stärker in den Mittelpunkt gestellt. Die Proteste gegen den Veteranentag richteten sich deshalb nicht allein gegen die Aufwertung des Militärischen, sondern auch gegen die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Folgen dieser Entwicklung.

Gerade deshalb war Mannheim eine wichtige Station der KDV-Tour. Nirgendwo sonst traf die politische Auseinandersetzung um Militarisierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit so unmittelbar auf das konkrete Angebot der Kriegsdienstverweigerungsberatung.

Gemeinsam mit unseren Bündnispartner*innen konnten wir zeigen, dass es auch in Zeiten wachsender Militarisierung Widerspruch gibt. Dass viele Menschen weiterhin für Diplomatie, zivile Konfliktbearbeitung und Abrüstung eintreten. Und dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Bestandteil einer demokratischen und friedensorientierten Gesellschaft bleibt.

Die Mannheimer Station machte deutlich: Die Debatte über Militarisierung wird nicht nur in Parlamenten geführt. Sie wird auch auf Straßen und Plätzen geführt – von Menschen, die sich eine friedlichere Zukunft wünschen und bereit sind, dafür öffentlich einzutreten.

Unterbrechung der KDV-Tour: Hessentag in Fulda

Nach den intensiven Stationen in Aalen, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen und Mannheim legte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 15. und 16. Juni 2026 eine kurze Pause ein. Zumindest auf den ersten Blick.

Tatsächlich bedeuteten die beiden Tage keineswegs Stillstand. Franz Grundschöttel machte sich stattdessen mit dem DFG-VK-Bus auf den Weg nach Fulda zum Hessentag. Die DFG-VK Hessen sowie die örtlichen Aktiven aus Fulda hatten schon länger um Unterstützung gebeten. Grund dafür war der umfangreiche Auftritt der Bundeswehr auf dem Hessentag. Wo das Militär mit großem Aufwand um Akzeptanz, Nachwuchs und gesellschaftliche Anerkennung wirbt, dürfen friedenspolitische und antimilitaristische Positionen nicht fehlen.

Deshalb wurde die KDV-Tour durch Baden-Württemberg für zwei Tage unterbrochen. Auch wenn die Aktionen in Fulda nicht Teil der baden-württembergischen Tour waren, gehörten sie doch zum gleichen Anliegen: Menschen über Militarisierung, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zu informieren und der allgegenwärtigen Bundeswehrwerbung eine kritische Perspektive entgegenzusetzen.

Für Franz bedeutete das einmal mehr: keine Pause, sondern zusätzliche Kilometer und weitere Tage friedenspolitischer Öffentlichkeitsarbeit. Nach dem Einsatz auf dem Hessentag unterstützte er einen Tag später noch einen Infostand in Aalen, bevor das KDV-Mobil wieder Kurs auf die nächste Station der Tour durch Ba-Wü nahm.

Wie bereits angekündigt, ging es am 17. Juni mit der KDV-Tour Baden-Württemberg weiter. Die nächste Station wartete bereits: Offenburg.

17. Juni – Offenburg

Infostand und Sommerfest gegen Wehrpflicht

Nach zwei Tagen Unterbrechung kehrte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 17. Juni wieder nach Baden-Württemberg zurück. Die nächste Station war Offenburg, wo die Tour gleich zwei sehr unterschiedliche Orte miteinander verband: die Offenburger Innenstadt und den Bürgerpark.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK Mittelbaden wurde zunächst in der Langestraße vor dem Gymnasium „Unserer Lieben Frau“ der Infostand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, die Friedensfahnen und das große Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ nicht mehr zu übersehen.

Wie an den anderen Stationen der Tour informierten wir über Wehrpflicht, Musterung, Kriegsdienstverweigerung und die Möglichkeiten, sich Krieg und Militarisierung entgegenzustellen. Auch in Offenburg stellten wir das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK vor und machten deutlich: Niemand muss sich mit Fragen zu Wehrpflicht oder Kriegsdienstverweigerung allein auseinandersetzen.

Der Standort vor dem Gymnasium sorgte dafür, dass viele Jugendliche direkt mit dem Infostand in Kontakt kamen. Einige nahmen Informationsmaterial mit, andere blieben für Gespräche stehen. Besonders das neue Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ zog Aufmerksamkeit auf sich und brachte die Botschaft der Aktion auf den Punkt. Das große zerbrochene Gewehr setzte dazu einen weithin sichtbaren Kontrapunkt zu den zunehmenden Forderungen nach Aufrüstung, Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit.

Schon in der Vorbereitung war es beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die jungen Menschen von „Nein zur Wehrpflicht“ und der SDAJ Offenburg das Sommerfest gegen Wehrpflicht auf die Beine stellten. Dabei fiel die Organisation ausgerechnet in eine Woche, in der vielerorts Aktionen gegen den Veteranentag stattfanden und die Schulstreiks gegen Wehrpflicht zu weiteren Protesten mobilisierten. Umso bemerkenswerter war es, dass dennoch ein so vielfältiges Programm auf die Beine gestellt wurde.

Am Nachmittag verlagerte sich die Aktion in den Bürgerpark. Dort fand ab 17 Uhr das Sommerfest gegen Wehrpflicht statt, das gemeinsam von der DFG-VK Mittelbaden, der SDAJ Offenburg und der Initiative „Nein zur Wehrpflicht“ organisiert wurde. Die Veranstaltung verband politische Information mit Kultur, Begegnung und gemeinsamer Organisierung.

Melind (Eine Hälfte des Freiburger Duos „Rotgeld“)

Gerade darin lag die besondere Stärke der Offenburger Station. Friedensarbeit besteht nicht nur aus Informationsständen, Flugblättern und politischen Forderungen. Sie lebt auch von Begegnung, Kreativität, Kultur und dem gemeinsamen Nachdenken darüber, wie eine friedlichere Gesellschaft aussehen kann. Das Sommerfest gegen Wehrpflicht machte dies möglich und sichtbar.

Inan Euro (Rap gegen Krieg)

Die gemeinsame Botschaft des Tages war klar: Die Militarisierung Deutschlands nimmt zu – auch in den Köpfen. Dem wollten die beteiligten Gruppen etwas entgegensetzen. Mit Information, Diskussion, Kultur und solidarischem Miteinander wurde deutlich gemacht, dass Wehrpflicht und Militarisierung nicht alternativlos sind.

Unser besonderer Dank gilt den jungen Aktiven von „Nein zur Wehrpflicht“, der SDAJ Offenburg sowie der DFG-VK Mittelbaden für die Organisation und Durchführung des Sommerfestes. Wir hoffen, als DFG-VK Baden-Württemberg unseren Teil dazu beigetragen zu haben, dass dieser Tag stattfinden konnte und zu einem sichtbaren Zeichen gegen Wehrpflicht und Militarisierung wurde.

Als sich der Abend langsam dem Ende zuneigte, hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern und alles im KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einer kurzen Nacht wartete bereits die nächste Station der Tour.

Die nächste Station führte weiter Richtung Süden: Freiburg.

18. Juni – Freiburg

Drei Stationen bei 40 Grad

Nach der Station in Offenburg führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 18. Juni nach Freiburg. Gemeinsam mit dem Freiburger Friedensforum und der DFG-VK Regionalgruppe Freiburg waren gleich drei Aktionsorte geplant. Ziel war es, sowohl Berufsschüler*innen als auch Studierende über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Beratungsangebote der DFG-VK zu informieren.

Die Freiburger Station sollte sich dabei als eine der anstrengendsten Etappen, aber auch als eine der sichtbarsten und öffentlich wirksamsten der gesamten Tour erweisen. Bei Temperaturen um die 40 Grad war nicht nur politische Überzeugung gefragt, sondern auch Ausdauer.

Den Bericht unserer Freiburger Freund*innen dokumentieren wir im Folgenden weitgehend in ihren eigenen Worten:

3 Stationen KDV-Info

Los ging es um 8.30 Uhr im Eschholzpark, wo sich ein großes Berufsschulzentrum befindet. Zuvor hatten wir Rendezvous mit Franz und seinem DFG-VK-Friedens-Transporter, um ihn in den Park zu lotsen, wo ihn bereits mehrere Aktivist*innen aus den lokalen Friedensgruppen erwarteten.

Routiniert wies Franz alle ein, um bei sengender Hitze einen Pavillon aufzubauen und alsbald das aufblasbare, symbolisch zerbrochene riesige Gewehr aufzustellen. Es setzte uns und einige Schülerinnen und Zuschauerinnen in Erstaunen, wie binnen kürzester Zeit das eingebaute elektrische Gebläse, gespeist von einem mobilen 40-kg-Akku, das Gewehr auf etwa drei Meter Höhe und fünf Meter Breite unübersehbar entfaltete.

Als weiterer Blickfang wurde aus dem Transporter ein grauer Sarg mit Flagge, Gewehr und Helm sowie der Aufschrift „Hier kann Deine Karriere bei der Bundeswehr enden“ am Weg zur Schule platziert.

Etliche Schüler*innen passierten den Weg sichtlich überrascht und waren oftmals hin- und hergerissen zwischen Neugier und vorsichtiger Distanz zu diesem Friedens-„Überfall“.

Einige von uns verteilten Flyer zur Kriegsdienstverweigerung, während andere das Gespräch mit den Schüler*innen suchten.

Kaum hatten sich unsere Abläufe und Tätigkeiten eingespielt, bauten wir auch schon ruckzuck alles wieder ab, um in der Pause vor einer anderen Berufsschule mit unserem aufgeblasenen Gewehr unübersehbar präsent zu sein.

Wir führten etliche Gespräche, bis wir dann zum schwierigsten und anstrengendsten Teil unserer Infotour aufbrachen.

Unter Polizeibegleitung zogen wir das Gewehr auf seiner angebrachten Transportplattform nebst 40 kg schwerem mobilem Akku etwa 1.000 Meter durch die Innenstadt zur dritten und letzten Station zwischen Mensa und Universitätsbibliothek und erregten damit viel Aufmerksamkeit.

An dieser stark frequentierten Stelle nahmen nicht nur Menschen in vorbeifahrenden Straßenbahnen die Werbung für Kriegsdienstverweigerung wahr, sondern auch unzählige Studierende auf dem Weg zur Mensa und zur Universitätsbibliothek.

Auch die Lokalzeitung war mit Fotograf und Reporterin vor Ort.

Doch leider erschien anschließend kein Bericht. Vielleicht, weil die Aktion – wie so oft bei unseren Aktivitäten – nicht in die politische Linie der Zeitung passte.

Nach insgesamt rund sechs Stunden Engagement und Einsatz bei knapp 40 Grad beendeten wir unsere Aktion und dankten dem Fahrer Franz, der anschließend nach Lörrach aufbrach, um dort am nächsten Tag weiterzumachen.

Der Freiburger Bericht zeigt eindrucksvoll, welcher organisatorische und körperliche Aufwand hinter einem solchen Tourstopp steckt. Drei Stationen müssen erst einmal angemeldet, aufgebaut und bespielt werden. Hinzu kommen unzählige Gespräche, der mehrfache Auf- und Abbau, der Transport des Materials quer durch die Stadt und die Herausforderung, bei Temperaturen um die 40 Grad einen kühlen Kopf zu bewahren.

Hier zeigte sich einmal mehr, welch große Unterstützung Franz mit seiner Erfahrung, Gelassenheit und Professionalität für die jeweiligen örtlichen Gruppen war. Auch in Freiburg war er weit mehr als nur Fahrer des KDV-Mobils. Er sorgte dafür, dass Material, Logistik und Ablauf funktionierten und die Aktiven sich auf ihre Gespräche und die politische Arbeit konzentrieren konnten.

Am Ende dieses langen und heißen Tages hieß es für Franz erneut: alles verstauen, das KDV-Mobil vorbereiten und weiterfahren. Die Tour führte nun zur letzten Station der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026: nach Lörrach.

19. Juni – Lörrach

Ein heißer Tourabschluss an der Schweizer Grenze

Mit der Station in Lörrach erreichte die KDV-Infotour am 19. Juni ihren Abschluss. Nach fast zwei Wochen unterwegs durch Baden-Württemberg endete die Reise dort, wo das Bundesland an die Schweiz grenzt. Begonnen hatte die Tour in Aalen nahe der bayerischen Grenze, nun führte sie bis an den südwestlichen Rand Baden-Württembergs. Kaum eine andere Station machte so deutlich, wie flächendeckend die Tour angelegt war.

Gemeinsam mit dem Kriegsdienstverweigerungsberater Franz Habig informierte die DFG-VK auf dem Bahnhofsvorplatz über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und Friedenspolitik. Wie an vielen anderen Orten war auch in Lörrach das große aufblasbare zerbrochene Gewehr aufgebaut. Gemeinsam mit dem symbolischen Sarg zog es die Aufmerksamkeit vieler Passantinnen und Passanten auf sich und bot einen niedrigschwelligen Einstieg in Gespräche über Krieg, Frieden und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Ergänzt wurde das Angebot durch einen Gewissensparcours, der Besucherinnen und Besucher dazu einlud, sich mit Fragen von Gewissen, Verantwortung und persönlicher Entscheidung auseinanderzusetzen. Außerdem bestand die Möglichkeit, an einem Preisausschreiben teilzunehmen, das zusätzliche Menschen an den Stand lockte und zahlreiche Gespräche ermöglichte.

Der Aktionstag fiel allerdings in eine außergewöhnliche Hitzewelle. Die Temperaturen näherten sich der 40-Grad-Marke und machten die politische Arbeit auf öffentlichen Plätzen zu einer besonderen Herausforderung. Viele Menschen suchten möglichst schnell Schatten oder klimatisierte Räume auf. Entsprechend war es schwieriger als an anderen Stationen, Passantinnen und Passanten für längere Gespräche zu gewinnen.

Dennoch ergaben sich wichtige Begegnungen. Besonders Jugendliche fühlten sich von den auffälligen Aktionsmaterialien angesprochen und kamen mit den Aktiven ins Gespräch. Dabei ging es um die drohende Rückkehr der Wehrpflicht, die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die Frage, wie sich junge Menschen für Frieden engagieren können. Auch andere Passantinnen und Passanten blieben stehen, informierten sich und diskutierten über aktuelle politische Entwicklungen.

Ursprünglich war geplant, den Infostand am Nachmittag vom Bahnhof in den Hebelpark zu verlegen. Dort sollte der Aktionstag mit weiteren Gesprächen und einem Auftritt des Musikers Ben Meech fortgesetzt werden. Aufgrund der extremen Hitze wurde jedoch entschieden, das Programm zu verkürzen. Der Infostand wurde bereits gegen 14 Uhr abgebaut und auf die Verlegung in den Hebelpark verzichtet. Nach den vielen Stationen der vergangenen Wochen konnte Tourfahrer Franz Grundschöttel damit die Heimreise zu seiner Familie antreten. Franz Habig und Frieder setzten ihre Friedensarbeit vor Ort dennoch fort und führten weitere Gespräche in Lörrach.

Ein besonderer Erfolg des Tages zeigte sich an anderer Stelle. Die Gespräche in Lörrach machten deutlich, dass es vor Ort Interesse an einer stärkeren friedenspolitischen Vernetzung gibt. Mehrere Menschen signalisierten Interesse daran, sich künftig in einer örtlichen Friedensgruppe zu engagieren. Franz Habig wird diese Kontakte weiterführen. Damit besteht die realistische Hoffnung, dass in Lörrach wieder eine aktive Regionalgruppe der DFG-VK entsteht.

Auch über die Tour hinaus sind bereits weitere Aktivitäten geplant. So soll am 6. August eine Friedensmahnwache zum Hiroshima-Gedenktag stattfinden. Außerdem ist eine Veranstaltung mit dem Religionspädagogen und DFG-VK-Mitglied Theo Ziegler in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung vorgesehen. Neben musikalischen Beiträgen wird dabei auch die aktuelle Friedenspolitik Thema sein.

Mit Lörrach endete eine intensive und erfolgreiche Reise durch Baden-Württemberg. Die Tour führte von der Ostalb bis an die Schweizer Grenze, von Schulhöfen über Marktplätze bis zu Festivals und Demonstrationen. Überall zeigte sich: Das Interesse an Informationen über Kriegsdienstverweigerung ist groß. Viele Menschen wollen wissen, welche Rechte sie haben und wie sie sich einer zunehmenden Militarisierung entgegenstellen können.

Die KDV-Infotour 2026 ist vorbei. Die Beratungsarbeit geht weiter. Die vielen Gespräche, die positive Resonanz, die neuen Kontakte und die große mediale Aufmerksamkeit haben gezeigt, dass eine solche Tour dringend gebraucht wird.

Die Rückmeldungen entlang der Strecke machen Mut. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis dieser Reise deshalb nicht nur, wie viele Menschen wir erreicht haben, sondern auch, wie viele Menschen sich eine Fortsetzung wünschen.

Die Resonanz auf die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026 ruft geradezu nach einer KDV-Tour Baden-Württemberg 2027. Was noch zu sagen wäre: Danke! Danke an alle, die diese wichtige Tour durch Baden-Württemberg möglich gemacht und ermöglicht haben. 

Unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter gegen den Kriegsdienstzwang

Eine solche Tour entsteht nicht im Landesbüro. Sie lebt von den Menschen vor Ort.

  • In Aalen unterstützten uns Roland Hamm von der DFG-VK Ostalb (noch zu gründen :-)) und Jürgen Menzel von act4transformation.
  • In Schwäbisch Hall trugen insbesondere Marianne Haufe und Gunther Reber die Aktion mit großem Engagement.
  • In Heilbronn unterstützten uns Andreas Stiegele, Brigitte Klein vom Friedensrat Heilbronn.
  • In Ludwigsburg organisierte die Regionalgruppe Ludwigsburg einen hervorragend vorbereiteten Aktionstag.
  • Auf dem Ract!-Festival in Tübingen halfen uns Reza und Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI).
  • In Mannheim unterstützte uns die Regionalgruppe Mannheim mit Otto Reger an der Spitze.
  • In Offenburg arbeiteten wir mit der Regionalgruppe Mittelbaden sowie der SDAJ Offenburg zusammen.
  • In Freiburg beteiligten sich die Regionalgruppe Freiburg und weitere Aktive des Friedensforums Freiburg.
  • In Lörrach organisierte Franz Habig als Kriegsdienstverweigerungsberater die örtliche Aktion.

Allen gemeinsam war das Ziel, Menschen über ihr Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren und ihnen praktische Unterstützung anzubieten. Dieses Eintreten für eine friedlichere Welt kann (in Zeiten wie diesen) gar nicht genug gewürdigt werden. 

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