Am 15. Juni 2026 findet in Deutschland zum zweiten Mal der sogenannte Veteranentag statt. Eingeführt wurde dieser Gedenk- und Aktionstag mit dem erklärten Ziel, die Bundeswehr und ehemalige Soldat*innen stärker in der Gesellschaft zu verankern und ihnen mehr öffentliche Sichtbarkeit und Anerkennung zu verschaffen. Städte, Kommunen, Reservistenverbände und andere Organisationen sind dazu aufgerufen, Veranstaltungen, Empfänge und „Begegnungsformate“ für Veteran*innen zu organisieren.

Was auf den ersten Blick wie reine Wertschätzung ehemaliger Soldat*innen erscheinen mag, passiert allerdings nicht im luftleeren Raum. Der Veteran*innentag findet in einer Zeit statt, in der Deutschland massiv aufrüstet, von „Kriegstüchtigkeit“ gesprochen wird und Bundeskanzler Friedrich Merz offen die „konventionell stärkste Armee Europas“ fordert. Gleichzeitig wird die Wehrpflicht vorbereitet, die Bundeswehr drängt verstärkt an Schulen und Hochschulen und militärisches Denken soll wieder selbstverständlicher Teil des gesellschaftlichen Alltags werden.
Genau in diesem politischen Klima wird nun versucht, Veteran*innenkultur auch in Deutschland stärker zu etablieren. Dabei geht es aus unserer Sicht eben nicht nur um die individuelle Anerkennung ehemaliger Soldat*innen, sondern auch darum, Militär und Militarisierung gesellschaftlich aufzuwerten, das öffentliche Bild der Bundeswehr zu verbessern und langfristig gesellschaftlichen Rückhalt für Aufrüstung und Kriegspolitik zu schaffen.
Deutlich wird das auch in Baden-Württemberg. Hier organisieren nicht nur Reservistenverbände Veranstaltungen, sondern zunehmend auch Kommunen, Museen oder öffentliche Einrichtungen. Der Veteranentag wird mit Konzerten, Frühschoppen, Familienprogrammen, Fahrzeugausstellungen oder Kinderangeboten bewusst niedrigschwellig und volksfestartig inszeniert. In Unlingen werden beispielsweise Panzerfahrzeuge, Fallschirmabsprünge, Bundeswehr-Feldküche und Lasergewehrschießen für Kinder angeboten.

Wir als DFG-VK Baden-Württemberg sehen diese Entwicklung äußerst kritisch. Gerade mit der deutschen Geschichte halten wir es für gefährlich, Militär wieder stärker in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und neue Formen von Heldenkult zu etablieren. Wir brauchen keine gesellschaftliche Gewöhnung an Militär, keine Verherrlichung soldatischer Rollenbilder und keine weitere Militarisierung des öffentlichen Lebens.
Dabei richtet sich unsere Kritik ausdrücklich nicht gegen einzelne Menschen, die traumatisiert, verletzt oder mit schweren Erfahrungen aus Bundeswehreinsätzen zurückkehren. Selbstverständlich müssen diese Menschen Unterstützung und medizinische Versorgung erhalten. Allerdings sehen wir das in allererster Linie als Verantwortung des Staates und der Bundeswehr selbst — nicht als Aufgabe öffentlicher Militärfeste oder gesellschaftlicher Heldeninszenierungen.
Trotzdem muss natürlich auch die Frage erlaubt sein, warum Menschen überhaupt Soldat*in werden wollen — also bereit sind, im Ernstfall andere Menschen zu töten oder selbst für nationale Interessen zu sterben. Gerade deshalb halten wir eine kritische gesellschaftliche Kontrolle des Militärs für notwendig. Die vielen Skandale in der Bundeswehr rund um Rechtsextremismus, Sexismus, rassistische Vorfälle und Gewaltfantasien zeigen immer wieder, dass bewaffnete Institutionen nicht automatisch demokratische Orte sind. Viel zu oft entsteht der Eindruck, dass manche Menschen dort vor allem von Gewalt, Waffen und patriarchaler und militärischer Machtstrukturen angezogen werden.

Unser Ziel ist nicht eine bessere Versorgung zukünftiger Kriegseinsätze, sondern eine Politik, die solche Einsätze gar nicht erst hervorbringt. Denn jeder verhinderte Krieg verhindert auch neue Tote, neues Leid, neue Traumata und neue Verstümmelungen.
Während vielerorts soziale Einrichtungen kaputtgespart werden, Kommunen unter Finanzdruck stehen und gesellschaftliche Konflikte zunehmen, werden gleichzeitig unbeschränkt Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt und Militärpräsenz öffentlich immer mehr normalisiert. Wir brauchen deshalb keinen neuen Heldenkult, sondern mehr soziale Gerechtigkeit, Investitionen in Bildung und eine Politik ziviler Konfliktlösung.
Veranstaltungen zum Veteran*innentag in Baden-Württemberg 2026

13. Juni
· Kehl – Veteranentag Ortenau, Marktplatz Kehl, 11–18 Uhr
· Kehl – Wednesday Big Band Benefizkonzert, Badstraße 29, 19–21 Uhr
· Vogtsburg – Veteranentag, Sportplatz Niederrottweil hinter der Mühle, 8:30–16:30 Uhr
· Ludwigsburg – Infoveranstaltung Veteranentag, Garnisonsmuseum, Asperger Straße 52
· Walddorfhäslach (Reutlingen) – Veteranen-Frühschoppen, 10–15 Uhr
14. Juni
· Mannheim – Veteranentag / Empfang der Stadt Mannheim, Toulonplatz / Zeughaus, Florian-Waldeck-Saal
· Filderstadt/ Stuttgart – Zweiter Nationaler Veteranentag, Philharmonie Filderstadt, Tübinger Straße, 16–18 Uhr
· Unlingen – Veteran*innentag 2026 & 60 Jahre RK-Unlingen, Gemeindehalle Unlingen, Daugendorfer Straße 39, ab 8:30 Uhr
· Gernsbach – Grillfest der Mitglieder mit Gästen, Veranstalter Bad Herrenalb, 12–20 Uhr
15. Juni
· Laupheim – Veteranentag-Infostand, Walpertshofer Straße 13, 8–18 Uhr
· Kirchheim unter Teck – Veteranentag, Teckkeller, Jesinger Straße 82, 12–17 Uhr
20. Juni
· Niedereschach – Veteranentag, Eschachhalle, 10–18 Uhr
· Linkenheim-Hochstetten – RAG-Sommerfest mit Drohnenvorführungen, 14–23 Uhr
21. Juni
· Bad Krozingen – Veteranentag Markgräferland, Lammplatz, 11–17 Uhr
Unterstützt den Protest gegen die Militarisierung Deutschlands
Wir brauchen keine neuen Heldenkulte. Wir brauchen keinen Veteran*innentag. Was wir brauchen, sind Investitionen in soziale Gerechtigkeit, Bildung, Gesundheitsversorgung und zivile Konfliktlösung — nicht immer neue Versuche, Militär wieder als normalen Bestandteil gesellschaftlichen Lebens zu etablieren.

In Mannheim ist bereits Protest angekündigt. Dort wird unter anderem das DFG-VK-Mobil mit dem zerbrochenen Gewehr präsent sein, anschließend ist eine Demonstration geplant. Vor Ort hat sich dafür bereits ein Bündnis zusammengeschlossen. Und auch an anderen Orten wird es hoffentlich Protest geben — wenn wir ihn gemeinsam organisieren.
Für die dezentralen Proteste gibt es inzwischen auch ein Banner mit dem Motto „Nein zum neuen Heldenkult – Nein zum Veteranentag“. Entstanden ist dieses Banner aus Überlegungen der Organisator*innen der Proteste gegen den Veteran*innentag im vergangenen Jahr in Karlsruhe. Aus dort übrig gebliebenen Geldern — unter anderem aus dem Verkauf von Orden und Solidaritätsmaterialien — kann nun über den DFG-VK-Shop ein Banner für künftige Proteste bestellt werden.

Menschen und Gruppen aus Baden-Württemberg können das Banner für die reinen Portokosten von 4,90 Euro beziehen. Die Bestellung soll dafür direkt per Mail an material@dfg-vk.de erfolgen und nicht über den Shop.
Unser Protest richtet sich nicht gegen einzelne Menschen. Aber wir wenden uns entschieden gegen den Versuch, Militär, Krieg und soldatische Rollenbilder wieder stärker gesellschaftlich zu normalisieren. Gerade mit der deutschen Geschichte halten wir das für einen brandgefährlichen Weg. Und wenn wir gleichzeitig auf die hohen Umfragewerte rechtsextremer Parteien schauen, wird diese Entwicklung noch deutlich bedrohlicher.