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Wehrpflicht

15 Juli, 2026

KDV-INFOTOUR BADEN-WÜRTTEMBERG 2026

Mit dem KDV-Mobil durch Baden-Württemberg

Vom 8. bis 19. Juni unterwegs für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nach GG Art 4.3

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Dennoch wissen viele Menschen nur wenig über ihre Möglichkeiten, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Gleichzeitig erlebt Deutschland eine neue Welle der Militarisierung. Die Bundeswehr wirbt verstärkt um Nachwuchs, Schulen werden zunehmend Ziel militärischer Einflussnahme und mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden junge Menschen wieder systematisch für einen möglichen Wehrdienst erfasst.

Deshalb machten wir uns auf den Weg.

Vom 8. bis 19. Juni 2026 tourte die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg gemeinsam mit der Stiftung Care for Future durch Baden-Württemberg. Mit unserem KDV-Mobil, einem großen aufblasbaren zerbrochenen Gewehr, Informationsständen, Beratungsangeboten, Vorträgen und kreativen Aktionen informierten wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und unterstützten Menschen dabei, ihre Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Von Aalen bis Lörrach führten wir Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Großeltern, Reservistinnen und Reservisten, Soldatinnen und Soldaten, Lehrkräften, Friedensbewegten und vielen interessierten Passantinnen und Passanten.

Dieses Tourtagebuch dokumentiert unsere Reise.

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Die Tour auf einen Blick

Was?

Eine landesweite Informations- und Beratungstour zum Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Wer?

Veranstaltet von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg (DFG-VK Baden-Württemberg) gemeinsam mit der Stiftung Care for Future.

Unterstützt von zahlreichen regionalen Friedensgruppen, Initiativen, Kriegsdienstverweigerungsberater*innen und ehrenamtlichen Helfer*innen.

Wann?

08. bis 19. Juni 2026

Wo?

  • Aalen
  • Schwäbisch Hall
  • Heilbronn
  • Ludwigsburg
  • Tübingen (Ract!-Festival)
  • Mannheim
  • Offenburg
  • Freiburg
  • Lörrach

Warum?

Weil die Zeiten es verlangen.

Während weltweit Kriege eskalieren und Regierungen unbegrenzt Milliarden für Aufrüstung bereitstellen, geraten zivile Konfliktlösungen und Friedenspolitik zunehmend unter Druck. Gleichzeitig werden junge Menschen wieder auf einen möglichen Wehrdienst vorbereitet.

Viele wissen nicht, dass sie das Recht (GG Art. 4.3) haben, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Die Kriegsdienstverweigerungstor-Tour sollte informieren, beraten und Mut machen. Niemand soll aus Unwissenheit in den Dienst an der Waffe geraten.

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Die Veranstalter

DFG-VK Baden-Württemberg

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen ist die älteste Friedensorganisation Deutschlands. Seit über 130 Jahren setzt sie sich gegen Krieg, Militarismus und Gewalt ein. Der Landesverband Baden-Württemberg hat viel Expertise in der Kriegsdienstverweigerungsberatung und war maßgeblich für die Orga der KDV-Tour verantwortlich.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist seit jeher die Unterstützung von Menschen, die den Kriegsdienst verweigern möchten. Die DFG-VK berät Wehrpflichtige, Reservist*innen sowie aktive Soldatinnen und Soldaten und setzt sich politisch für die Abschaffung jeder Form von Kriegsdienstzwang ein.

Stiftung Care for Future

Die Stiftung Care for Future engagiert sich für Friedensbildung, gesellschaftliche Verantwortung und eine Kultur der Gewaltfreiheit. Sie unterstützte die KDV-Tour und half dabei, das Thema Kriegsdienstverweigerung landesweit sichtbar zu machen.

KDV Tour BaWü  – Tagebuch: 08.06.-19.06.2026

8. Juni – Aalen

Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026

Mit Aalen begann am 8. Juni die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von der Ostalb, unweit der bayerischen Grenze, machte sich die Tour auf den Weg quer durch Baden-Württemberg. In den kommenden zwei Wochen sollten Stationen in Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen, Mannheim, Offenburg, Freiburg und schließlich Lörrach folgen. Ziel der Tour war es, insbesondere junge Menschen über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren, Menschen zu beraten und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.

Der Auftakt in Aalen fand in Kooperation mit der DFG-VK Ostalb (keine eingetragene Regionalgruppe, aber was nicht ist, kann ja noch werden ☺) und der Genossenschaft act for transformation statt. Ein besonderer Dank gilt dabei Jürgen Menzel und den Genossen von act for transformation, die die Tour vor Ort unterstützten und für die geplante abendliche Informationsveranstaltung ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. Ebenso bedanken wir uns bei unserem Mitglied aus Aalen, Roland Hamm, der den Tourauftakt mit vorbereitet und begleitet hat. Gemeinsam halfen sie auch unserem Tourfahrer Franz Grundschöttel beim Aufbau des ersten Infostandes der KDV-Tour Baden-Württemberg.

Franz war während der gesamten Tour weit mehr als nur Fahrer. Mit seiner langjährigen Erfahrung bei Infoständen, Aktionen und Veranstaltungen sorgte er dafür, dass Pavillon, Materialien, KDV-Mobil, Gewehr und Sarg stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Wer schon einmal eine zweiwöchige Tour mit täglich wechselnden Stationen organisiert hat, weiß, wie viel Arbeit hinter einer funktionierenden Infrastruktur steckt. Franz meisterte diese Aufgabe mit großer Routine, viel Gelassenheit und meist auch mit einem passenden Spruch zur Situation, egal wie heiß es war.

Dank der guten Pressearbeit von Roland Hamm wurde unsere Station bereits im Vorfeld in der Aalener Zeitung angekündigt. Aus den Presseartikeln ging klar hervor, worum es an diesem Tag gehen sollte: Information über das neue Wehrdienstmodell, Beratung zur Kriegsdienstverweigerung und Aufklärung über die gesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Militarisierung. Dabei richtete sich das Angebot ausdrücklich nicht nur an Jugendliche, sondern ebenso an Soldatinnen, Reservistinnen und alle Menschen, die sich mit den aktuellen politischen Entwicklungen auseinandersetzen wollten.

Der erste Infostand des Tages wurde im Stadtgarten aufgebaut, unmittelbar in der Nähe des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der Uhlandrealschule. Dort nutzten wir die große Pause und die Mittagszeit, um mit Schüler*innen ins Gespräch zu kommen. Schon am ersten Tourtag zeigte sich, dass das Thema viele junge Menschen beschäftigt. Viele hatten bereits von den Debatten über Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit gehört, wussten jedoch wenig über die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die konkreten Rechte, die ihnen zustehen.

Für Aufmerksamkeit sorgte dabei nicht nur unser Informationsmaterial. Wie bei allen Stationen der Tour waren auch das KDV-Mobil, unser Tourbus, das große aufblasbare zerbrochene Gewehr und der symbolische Bundeswehr-Sarg mit dabei. Gemeinsam bildeten sie einen auffälligen Blickfang und sorgten dafür, dass zahlreiche Menschen auf die Aktion aufmerksam wurden und das Gespräch suchten. Auf den Fotos des Tages ist Franz vor dem Stand zu sehen – ein Bild, das rückblickend beinahe symbolisch für die gesamte Tour steht. Denn ohne seinen täglichen Einsatz wäre vieles deutlich komplizierter geworden.

Besonders interessant war bereits am ersten Tag die Vielfalt der Gesprächspartner*innen. Natürlich informierten sich in der Nähe der Schulen viele Jugendliche über die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und Bundeswehr. Gleichzeitig kamen aber auch Eltern vorbei, die sich Sorgen machten, welche Auswirkungen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht auf ihre Kinder haben könnte. Auffällig war zudem das große Interesse älterer Menschen. Viele Großeltern erinnerten sich noch an eigene Erfahrungen mit Wehrpflicht, Militärdienst oder Krieg und begegneten den aktuellen Aufrüstungsdebatten mit einer deutlich kritischeren Haltung als manche jüngere Generation.

Nach dem Vormittag im Stadtgarten wurde die Aktion auf dem Aalener Marktplatz fortgesetzt. Dort ergaben sich weitere Gespräche mit Passant*innen unterschiedlichsten Alters. Während vor den Schulen vor allem Jugendliche angesprochen wurden, stand auf dem Marktplatz die breite Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Auch hier zeigte sich, dass die Diskussion über Wehrpflicht, Aufrüstung und Krieg längst nicht nur politische Fachkreise beschäftigt, sondern viele Menschen ganz unmittelbar bewegt.

Leider war das Interesse an der geplanten Informationsveranstaltung am Abend in den Räumen von act for transformation so gering, dass wir sie ausfallen ließen. Wir führen dies auf das hervorragende Sommerwetter und die bereits sehr informativen Aktionen im Laufe des Tages zurück. Offenbar hatten viele Aalener*innen die Gelegenheit genutzt, sich bereits an unseren Infoständen zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen.

Schon die erste Station der Tour machte deutlich, dass der Bedarf an Information und Beratung groß ist. Die Debatten um Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und Aufrüstung sind längst keine abstrakten politischen Diskussionen mehr. Viele Menschen beschäftigen sich ganz konkret mit der Frage, was diese Entwicklungen für sie selbst, ihre Kinder oder ihre Enkelkinder bedeuten könnten.

Aalen war damit ein gelungener Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von hier aus führte der Weg weiter durch das ganze Land – mit dem Ziel, insbesondere junge Menschen über ihre Rechte zu informieren, für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu werben und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Und Franz? Der verstaute am Ende des Tages wieder Pavillon, Flyer, Gewehr und Sarg im KDV-Mobil, bevor es am nächsten Morgen weiter zur nächsten Station ging.

9. Juni – Schwäbisch Hall

Glücksrad, Gewehr und viele gute Gespräche

Nach dem gelungenen Auftakt in Aalen führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am nächsten Tag weiter nach Schwäbisch Hall.

Pünktlich, bestens vorbereitet wie immer und mit einem Schmunzeln auf den Lippen traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil am vereinbarten Ort ein. Gemeinsam mit Marianne Haufe und Gunther Reber von der DFG-VK wurde der Stand aufgebaut und für einen weiteren Tag voller Gespräche über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung, Frieden und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft vorbereitet.

Ein wichtiger Bestandteil der Tour war dabei auch der Hinweis auf das Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Die Tour sollte nicht nur informieren, sondern auch deutlich machen, dass Menschen mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein sind. In ganz Baden-Württemberg stehen erfahrene Beraterinnen zur Verfügung, die bei Fragen zur Wehrpflicht, zu Verweigerungsverfahren oder zu den Rechten von Reservistinnen und Soldatinnen unterstützen können. Mit Marianne Haufe und Gunther Reber waren an diesem Tag gleich zwei dieser Berater*innen vor Ort.

Auch in Schwäbisch Hall war der Tourtermin von einer engagierten lokalen Vorbereitung begleitet worden. Die Pressearbeit im Vorfeld sorgte nicht nur dafür, dass zahlreiche Menschen von der Aktion erfuhren, sondern führte auch zu einem Live-Interview beim lokalen Radiosender StHörfunk. Den entstandenen Radiobeitrag dokumentieren wir auf dieser Seite ebenfalls, da er einen guten Eindruck von den Zielen und Inhalten der Tour vermittelt.

Mit Marianne Haufe und Gunther Reber engagierten sich zwei Aktive der Friedensbewegung an dieser Station der Tour. Beide setzen sich seit vielen Jahren für Demokratie und Frieden ein und begleiteten die Aktion vor Ort.

Ihren Bericht über den Tag in Schwäbisch Hall möchten wir bewusst in ihren eigenen Worten dokumentieren:

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Friedenstour der Deutschen Friedensgesellschaft macht Halt in Schwäbisch Hall

Frieden beginnt mit Begegnung – Rückblick auf den Friedenstag am 09.06.2026 in Schwäbisch Hall

Manche Veranstaltungen lassen sich in Zahlen beschreiben. Andere in Begegnungen.

Unser Friedenstag am 09. Juni 2026 auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz in Schwäbisch Hall gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.

Als wir am Vormittag unseren Infostand aufbauten, war zunächst noch wenig Betrieb. Der Platz wirkte ruhig und wir wussten nicht, welche Menschen uns an diesem Tag begegnen würden. Doch schon bald wurde deutlich, dass das Thema Frieden viele Menschen bewegt – oft mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein besonderer Höhepunkt war das Live-Interview im Radio StHörfunk. Während des Gesprächs wurde uns selbst noch einmal bewusst, mit welcher Begeisterung und Überzeugung wir diesen Weg gehen. Frieden ist für uns kein abstraktes politisches Konzept, sondern eine Haltung, die im Alltag beginnt und durch Begegnungen lebendig wird.

Im Laufe des Tages füllte sich der Platz zunehmend. Besonders am Nachmittag kamen viele Menschen gezielt auf uns zu. Darunter waren mehrere Mütter, die sich für ihre bereits erwachsenen Kinder interessierten oder Fragen im Hinblick auf ihre heranwachsenden Kinder hatten. Ein Satz blieb dabei besonders in Erinnerung:

„Gegen den Krieg kann man sich nie früh genug entscheiden.“

Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch viele Gespräche.

Auch ehemalige Reservisten suchten den Austausch. Einige erklärten, dass sie im Ernstfall wieder dienen würden. Andere berichteten, dass sie heute verweigern würden. Die Gespräche verliefen respektvoll, offen und ehrlich. Gerade diese unterschiedlichen Sichtweisen machten deutlich, wie wichtig Räume für Dialog und persönliche Reflexion sind.

Eine Begegnung hat uns dabei besonders berührt.

Ein Mann aus Eritrea blieb längere Zeit an unserem Stand. Er erzählte, dass er 13 Jahre seines Lebens im Krieg verbringen musste, bevor er nach Deutschland flüchtete. Seit rund 40 Jahren lebt er nun hier. Während er von seinen Erlebnissen sprach, kamen ihm die Tränen. Auch uns bewegten seine Worte tief. Als unser Gespräch zu Ende war, fielen wir uns in die Arme. In diesem Moment wurde spürbar, dass Frieden weit mehr ist als ein politisches Ziel. Frieden ist Menschlichkeit. Frieden ist Begegnung. Frieden ist Mitgefühl.

Eine große Unterstützung war für uns ein 19-jähriger Kriegsdienstverweigerer, der sich spontan einbrachte und uns beim Ansprechen junger Menschen unterstützte. Sein Engagement zeigte, dass sich auch junge Menschen sehr bewusst mit Fragen von Verantwortung, Gewissen und Frieden auseinandersetzen.

Bemerkenswert war, dass wir selbst während des gesamten Tages immer wieder in die Reflexion gingen. Nahezu jedes Gespräch stellte neue Fragen, eröffnete neue Perspektiven und zeigte uns, wie unterschiedlich Menschen auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen blicken. Wir waren nicht nur Gesprächspartner – wir waren auch Lernende.

Besonders stolz sind wir auf den Zusammenhalt unseres Teams. Viele von uns kannten sich vor dieser Aktion kaum. Dennoch entstand innerhalb kürzester Zeit ein Miteinander, das von Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und einem gemeinsamen Ziel geprägt war. Gemeinsam haben wir diesen Tag getragen und gestaltet.

Ein unerwarteter Publikumsmagnet wurde unser Glücksrad. Was zunächst als interaktive Ergänzung gedacht war, entwickelte sich schnell zum zentralen Anziehungspunkt. Die verschiedenen Fragen und Szenarien rund um Wehrpflicht, Einberufung und persönliche Entscheidungen führten zu zahlreichen Gesprächen und lockten viele Menschen an unseren Stand.

Auch kreative Ideen entstanden im Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern. So entwickelte sich die Überlegung, künftig Friedensbotschaften mit aufsteigenden Luftballons sichtbar in die Welt zu tragen. Die Ballons sollen dabei symbolisch für die Verbreitung von Frieden, Hoffnung und Menschlichkeit stehen und die Sichtbarkeit des Friedensgedankens weit über den eigentlichen Veranstaltungsort hinaus erhöhen.

Gleichzeitig zeigte der Tag auch eine andere Realität.

Viele Menschen sehen den Ernst der aktuellen Entwicklungen noch nicht oder möchten sich mit den Themen Krieg, Wehrpflicht und persönlicher Verantwortung gar nicht beschäftigen. Andere folgen dem Gedanken, man müsse im Zweifel „etwas für sein Land tun“, ohne die dahinterliegenden Fragen näher zu hinterfragen.

Gerade deshalb halten wir solche Veranstaltungen für wichtig.

Denn Frieden beginnt nicht erst in politischen Verhandlungen. Frieden beginnt dort, wo Menschen bereit sind zuzuhören, Fragen zu stellen und ihre eigenen Überzeugungen zu reflektieren.

Der Friedenstag in Schwäbisch Hall hat uns gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich genau das wünschen: Begegnung, Dialog und Menschlichkeit.

Wir gehen deshalb mit großer Dankbarkeit, neuen Impulsen und viel Hoffnung aus diesem Tag heraus.

Denn jede Begegnung, jedes Gespräch und jede ehrliche Frage sind ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer friedlicheren Gesellschaft.

Und vielleicht beginnt Frieden tatsächlich genau dort: von Mensch zu Mensch.

Fazit

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Themen Frieden, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung Menschen unterschiedlicher Generationen bewegen. Besonders wertvoll waren die zahlreichen persönlichen Gespräche und die Offenheit vieler Besucherinnen und Besucher.

Das interaktive Format mit Glücksrad, offener Gesprächskultur und Radiointerview erwies sich als geeigneter Ansatz, um Menschen niedrigschwellig anzusprechen und zum Nachdenken anzuregen.

Für zukünftige Aktionen sehen wir großes Potenzial in dialogorientierten Formaten, die Begegnung ermöglichen und Menschen dazu ermutigen, sich mit Fragen von Frieden, Verantwortung und Gewissensentscheidungen auseinanderzusetzen.

Der Friedenstag hat gezeigt: Wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, entstehen Verständnis, neue Perspektiven und Hoffnung. Genau darin sehen wir einen wichtigen Beitrag der Friedensarbeit in unserer Zeit.

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Der Bericht von Marianne und Gunther zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Begegnungen während der KDV-Tour waren. Die Gespräche reichten von jungen Menschen, die sich erstmals mit dem Thema Wehrpflicht beschäftigten, über Eltern und Großeltern bis hin zu Menschen mit eigenen Flucht- und Kriegserfahrungen.

Besonders die Begegnung mit dem aus Eritrea geflüchteten Mann, die Unterstützung durch den jungen Kriegsdienstverweigerer und die vielen Gespräche mit Eltern und Müttern machten deutlich, wie eng die Themen Frieden, Krieg und persönliche Verantwortung mit den Lebensgeschichten konkreter Menschen verbunden sind.

Für Franz bedeutete das am Ende des Tages erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einem schönen und erfolgreichen Tag in Schwäbisch Hall ging die Reise weiter.

Die nächste Station wartete bereits: Heilbronn.

10. Juni – Heilbronn

Mitten in der Innenstadt für Frieden und Kriegsdienstverweigerung

Foto: Andreas Stiegele

Nach den Stationen in Aalen und Schwäbisch Hall führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 10. Juni nach Heilbronn.

Wie immer pünktlich und bestens vorbereitet steuerte Franz Grundschöttel das KDV-Mobil auf den Kilianskirchhof im Herzen der Heilbronner Innenstadt. Dort warteten bereits die örtlichen Unterstützer*innen des Heilbronner Friedensrat sowie unser Kriegsdienstverweigerungsberater Andreas Gnekow auf die Tour.

Foto: Andreas Stiegele

Gemeinsam wurde der Stand aufgebaut. Wie schon an den vorherigen Stationen gehörten das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg sowie umfangreiche Informationsmaterialien zur Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zum Erscheinungsbild der Aktion.

Der Heilbronner Friedensrat setzt sich mit vielen Veranstaltungen, Infoständen und anderen Formaten kontinuierlich für Abrüstung, zivile Konfliktbearbeitung und Frieden ein. Vielen Dank für eure Mitarbeit und Unterstützung. Ohne euch hätten wir keine Station der KDV-Tour in Heilbronn durchführen können.

Der Kilianskirchhof erwies sich dabei als idealer Ort für die Aktion. Direkt vor der Kilianskirche entstand für einige Stunden ein kleiner Ort des Friedens mitten im geschäftigen Alltag der Innenstadt. Das KDV-Mobil, die Friedensfahnen, die Pavillons, das aufblasbare zerbrochene Gewehr und die Informationsstände waren schon von weitem sichtbar und luden Passant*innen dazu ein, stehenzubleiben und ins Gespräch zu kommen.

Wer über den Platz ging, konnte kaum übersehen, dass hier etwas anderes stattfand als die übliche Werbung um Aufmerksamkeit. Statt Rekrutierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit standen Fragen nach Frieden, Gewissen und persönlicher Verantwortung im Mittelpunkt. Natürlich informierten wir auch über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, über das landesweite Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK sowie über die verschiedenen Möglichkeiten, sich Krieg, Militarisierung und Wehrpflicht entgegenzustellen. Das große zerbrochene Gewehr wurde dabei zum sichtbaren Symbol einer Haltung, die sich gegen Krieg und Militarisierung richtet und der Kriegsmaschinerie Sand ins Getriebe streuen will.

Foto: Andreas Stiegele

Besonders erfreulich war, dass sich auch zahlreiche junge Menschen am Stand informierten. Viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zur Wehrpflicht und zur Kriegsdienstverweigerung zu stellen oder sich über ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten zu informieren. Die bereitliegenden Materialien zur Kriegsdienstverweigerung stießen auf reges Interesse.

Die Atmosphäre auf dem Kilianskirchhof war dabei offen und einladend. Zwischen Kirche, Fußgängerzone und Einkaufsbetrieb entstand für einige Stunden ein Raum für Nachfragen, Diskussionen und neue Perspektiven. Fast wirkte der Platz zeitweise wie ein kleines pazifistisches Dorf mitten in einer Gesellschaft, die zunehmend von Aufrüstung, Militärwerbung und Forderungen nach Kriegstüchtigkeit geprägt wird.

Nach mehreren Stunden auf dem Kilianskirchhof endete auch die Heilbronner Station der KDV-Tour. Für Franz bedeutete das erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten.

Die nächste Station wartete bereits: Ludwigsburg.

11. Juni – Ludwigsburg

Werbung für die Verweigerung

Nach der Station in Heilbronn führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 11. Juni nach Ludwigsburg. Ziel war das Goethe-Gymnasium, wo die Tour insbesondere junge Menschen über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und ihre Rechte informieren wollte.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich und mit einer Menge Tatendrang am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK-Regionalgruppe Ludwigsburg wurde der Stand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg und die Friedensfahnen nicht mehr zu übersehen.

An unserem Stand gab es Gummibärchen mit DFG-VK-Link, Aufkleber – darunter Klassiker wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ –, Handzettel mit Bezug zur Gamer-Szene und sogar Friedenstauben aus dem 3D-Drucker als Schmuckaccessoire, die ein Gruppenaktiver spontan vorbeigebracht hatte. Die Mischung aus Informationsangeboten und kreativen Mitmach-Elementen erwies sich als idealer Gesprächseinstieg.

Mehrere Stunden lang verteilten wir aktuelle Faltblätter mit Informationen zu Bundeswehrfragebogen, Musterung und Kriegsdienstverweigerung. Besonders gezielt sprachen wir ältere männliche Schüler an, da sie von einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht unmittelbar betroffen wären. Natürlich gaben wir die Materialien auch an viele andere Interessierte weiter. Schließlich werden die Diskussionen über Wehrpflicht, Militär und Kriegsdienstverweigerung nicht nur in Klassenzimmern geführt, sondern auch in Familien, Freundeskreisen und Vereinen. Die Informationen sollten möglichst viele Menschen erreichen und das Bewusstsein dafür stärken, dass eine weitere Militarisierung unserer Gesellschaft keine zwangsläufige Entwicklung ist.

Gleichzeitig informierten wir über das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Auch unsere Regionalgruppe Ludwigsburg verfügt über ein Netzwerk an Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und steht Menschen zur Seite, die Fragen zu Wehrpflicht, Musterung oder Verweigerungsverfahren haben. Die Tour sollte auch deutlich machen: Niemand muss sich mit diesen Fragen allein auseinandersetzen.

Vor allem während der Schulpausen war am Stand richtig etwas los. Scharen von Schülerinnen und Schülern kamen vorbei, informierten sich, stellten Fragen und nahmen Material mit. Die DFG-VK-Gummibärchen fanden reißenden Absatz. Besonders beliebt waren die Aufkleber mit der Labubu-Figur und dem Slogan „Nein zum Kriegsdienst“.

Die Fotos des Tages zeigen eindrucksvoll, worum es bei der KDV-Tour ging: Nicht irgendwo im Verborgenen über Kriegsdienstverweigerung zu sprechen, sondern direkt dort präsent zu sein, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Zwischen Unterricht, Pausengesprächen und dem Weg nach Hause entstand ein Ort, an dem über Krieg, Frieden, Gewissen und persönliche Verantwortung diskutiert werden konnte.

Besonders erfreulich war die große Offenheit vieler Schüler*innen. In den Gesprächen und Diskussionen erlebten wir viel Zustimmung und immer wieder die Bereitschaft, sich auf unsere konsequent pazifistische Position einzulassen. Auch dort, wo nicht alle unserer Meinung waren, wurden die Gespräche respektvoll und interessiert geführt.

Dass die Aktion Aufmerksamkeit erregte, zeigte sich auch in der lokalen Berichterstattung. Unter der Überschrift „Bundeswehr: Werbung für Verweigerung“ berichtete die Ludwigsburger Kreiszeitung über die Aktion vor dem Goethe-Gymnasium. Der Titel brachte den Charakter der Tour treffend auf den Punkt: Während vielerorts für den Dienst an der Waffe geworben wird, informierten wir über das Recht, diesen Dienst zu verweigern.

Die Station in Ludwigsburg machte deutlich, wie groß der Informationsbedarf bei jungen Menschen ist. Viele von ihnen hören derzeit immer häufiger von Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und militärischer Aufrüstung. Umso wichtiger ist es, dass sie auch erfahren, welche Rechte sie haben und dass Kriegsdienstverweigerung weiterhin ein Grundrecht ist.

Nach einem erfolgreichen Tag vor dem Goethe-Gymnasium hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer einsammeln, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und alles im KDV-Mobil verstauen. Danach ging es ins Hotel, um noch etwas Kraft zu tanken. Denn die nächste Station versprach etwas ganz Besonderes zu werden: Das Ract!-Festival in Tübingen – einer der Höhepunkte der gesamten KDV-Tour Baden-Württemberg 2026.

12.–13. Juni – Tübingen

Das Herzstück der KDV-Tour: Das Ract!-Festival

Ein Höhepunkt und gleichzeitig das Herzstück unserer Kriegsdienstverweigerungstour durch Baden-Württemberg war das Ract!-Festival 2026 in Tübingen. Das Festival bezeichnet sich selbst als das größte politische Umsonst-und-Draußen-Festival Deutschlands und findet jedes Jahr in der wunderschönen Kastanienallee statt. Schon das diesjährige Motto „Nach oben treten“ machte deutlich, dass hier gesellschaftliche Verhältnisse kritisch hinterfragt werden sollen – ein Anspruch, den wir als Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen ausdrücklich teilen.

Wir freuten uns sehr über die Einladung der Festivalleitung, unsere Arbeit gegen Wehrpflicht und Militarisierung auf dem Festival vorzustellen und mit jungen Menschen über Kriegsdienstverweigerung ins Gespräch zu kommen. Gerade junge Menschen stehen aktuell wieder verstärkt im Fokus militärischer Planungen. Mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden sie systematisch erfasst, gleichzeitig nimmt die Präsenz der Bundeswehr in Schulen, auf Ausbildungsmessen und im öffentlichen Raum zu. Umso wichtiger war es für uns, dort präsent zu sein, wo junge Menschen zusammenkommen, diskutieren und politische Erfahrungen sammeln.

Bereits am Freitag begann unser Festivalwochenende. Gegen 14 Uhr trafen sich Franz und Jonas am Tübinger Bahnhof. Gemeinsam ging es zum Festivalgelände, wo der Stand aufgebaut wurde. Kurz darauf stieß auch Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) dazu und unterstützte uns beim Aufbau und bei den Vorbereitungen.

Der erste Programmpunkt ließ nicht lange auf sich warten. Bereits um 15.30 Uhr, nur eine halbe Stunde nach Festivalbeginn, startete unser Workshop zur Kriegsdienstverweigerung und zum Antimilitarismus. Trotz des zuvor ausgesprochen schlechten Wetters – zeitweise hatte es in Strömen geregnet – fanden rund zwölf Teilnehmende den Weg zur Veranstaltung. Besonders gefreut hat uns, dass darunter zwei Oberstufenkurse des Fachs Gemeinschaftskunde von unterschiedlichen Schulen waren. Die Fragen und Diskussionen zeigten deutlich, dass die Themen Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsdienstverweigerung viele junge Menschen beschäftigen.

Nach dem Workshop blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Für Jonas ging es direkt weiter zu einem Radiointerview bei der Wüsten Welle, dem freien Radio aus Tübingen. Dort stellte er die Ziele der KDV-Tour, die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung vor. Währenddessen lief am Stand die Beratung weiter.

Workshops auf dem RACT!: Wir gleich als erstes

In den folgenden Stunden entwickelte sich unser Stand zu einem lebendigen Ort der Begegnung. Immer wieder kamen junge Menschen vorbei, die wissen wollten, welche Rechte sie haben, falls die Wehrpflicht zurückkehrt. Andere fragten nach den Möglichkeiten einer Verweigerung als Reservistin oder Soldatin. Viele Gespräche drehten sich um die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft, die Aufrüstungspolitik der Bundesregierung und die Frage, welche Alternativen es zu militärischem Denken gibt.

Besonders auffällig war dabei, dass sich das Interesse nicht auf die unmittelbar Betroffenen beschränkte. Junge Eltern informierten sich für ihre Kinder, Großeltern nahmen Flyer und Broschüren mit, um sie an ihre Enkelkinder weiterzugeben. Immer wieder begegneten wir Menschen, die sich große Sorgen über die aktuelle politische Entwicklung machten und nach Orientierung suchten.

Kurz vor dem Andrang, von dem wir keine Fotos haben 🙂

Das Thema Krieg und Militarisierung war auf dem Festival allgegenwärtig. In zahlreichen Gesprächen wurde deutlich, dass viele Menschen die derzeitige politische Entwicklung mit Sorge betrachten. Die Milliardenprogramme für Aufrüstung, die Debatten über Kriegstüchtigkeit und Wehrpflicht sowie die zunehmende militärische Präsenz im Alltag beschäftigen viele Besucher*innen.

Natürlich waren die Reaktionen auf uns nicht ausschließlich positiv. Bei einem Festival mit mehreren tausend Menschen trifft man auf die unterschiedlichsten politischen Auffassungen. Die Spannbreite reichte von großer Dankbarkeit für unser Beratungsangebot über ein kritisches Hinterfragen unserer Vorstellungen ziviler Verteidigung und gewaltfreier Konfliktbearbeitung bis hin zu offenen Anfeindungen für unsere pazifistische Haltung.

Besonders in Erinnerung geblieben sind Gespräche mit jungen queeren Menschen, die ratlos und besorgt waren angesichts einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht und wissen wollten, welche Handlungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Gleichzeitig gab es auch Besucher*innen, die unsere Positionen entschieden ablehnten. Ein Anhänger der AfD warf uns vor, die „Retter Deutschlands“ zu diffamieren, und verteidigte die aktuelle Aufrüstungspolitik. Solche Begegnungen zeigen, wie kontrovers die gesellschaftliche Debatte inzwischen geführt wird.

Für uns bleibt dabei entscheidend, auf die historischen Erfahrungen hinzuweisen. Europa hat bereits erlebt, wohin Nationalismus, Militarisierung und Aufrüstung führen können. Gerade in einer Zeit, in der autoritäre und rechtsextreme Kräfte wieder an Einfluss gewinnen, halten wir es für gefährlich, militärische Stärke erneut zum zentralen politischen Leitbild zu erklären. Friedenspolitik bedeutet für uns internationale Zusammenarbeit, Diplomatie und zivile Konfliktbearbeitung – nicht immer größere Armeen und immer neue Rüstungsprogramme.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte unser Aktionsmaterial. Das große aufblasbare zerbrochene Gewehr entwickelte sich zu einem regelrechten Publikumsmagneten. Gemeinsam mit dem symbolischen Bundeswehr-Sarg, auf dem die Botschaft stand, dass dort eine Bundeswehrkarriere enden kann, zog unser Stand zahlreiche Menschen an. Viele machten Fotos, diskutierten über die Symbole oder kamen gerade deshalb erstmals mit uns ins Gespräch.

Die beiden Objekte erfüllten genau den Zweck, für den sie gedacht sind: Aufmerksamkeit erzeugen und Gespräche ermöglichen. Immer wieder standen Menschen vor dem Gewehr oder dem Sarg, machten Bilder und diskutierten miteinander. Für die Zukunft überlegen wir sogar, das Gewehr noch stärker als Fotopunkt für soziale Medien zu nutzen, um die Reichweite unserer Friedensarbeit weiter zu erhöhen.

Auch unsere Sticker erfreuten sich großer Beliebtheit. Zahlreiche Besucher*innen deckten sich damit ein und räumten unsere Bestände beinahe leer. Vielleicht taucht der eine oder andere davon künftig wieder an Laternen, Stromkästen oder anderen Orten im Tübinger Stadtbild auf.

Der Samstag begann für uns etwas entspannter. Während auf dem Festivalgelände bereits das Programm lief und prominente Gäste wie Volker Wissing und Saskia Esken (abgesagt) über Demokratie diskutierten (sollten), entschieden wir uns nach dem langen Vortag lieber für einen ruhigeren und ehrlicheren Start. Wir nutzten die Gelegenheit, auszuschlafen und die schöne Universitätsstadt Tübingen zu erkunden.

Am Nachmittag kehrten wir auf das Festivalgelände zurück. Bei guter Musik, sommerlichem Wetter und entspannter Atmosphäre bauten wir unseren Stand erneut auf. Schnell entstanden wieder zahlreiche Gespräche. Dabei merkten wir auch, dass das Publikum am Samstagnachmittag etwas weniger jung, etwas weniger links und insgesamt weniger antimilitaristisch geprägt war als am Vortag. Die Gespräche wurden dadurch diskursiver und kontroverser. Gerade daraus entstanden jedoch viele interessante Diskussionen über Wehrpflicht, Aufrüstung und Friedenspolitik. Manche Besucher*innen waren bereits am Freitag bei uns gewesen und kamen nun erneut vorbei. Andere entdeckten unseren Stand erstmals und nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren oder Material mitzunehmen.

Bis etwa 22 Uhr waren wir auf dem Festival präsent. Danach begann der Abbau. Während rund um uns herum noch gefeiert wurde, verschwanden Gewehr, Sarg, Pavillon und Infomaterial nach und nach wieder im KDV-Mobil. Am nächsten Morgen sollte die Tour bereits weitergehen – zur nächsten Station nach Mannheim.

Ein besonderer Dank gilt der Informationsstelle Militarisierung (IMI), die uns während des gesamten Festivals unterstützt hat. Zwischen der IMI und der DFG-VK Baden-Württemberg bestehen seit vielen Jahren enge Verbindungen. Viele Aktive engagieren sich in beiden Organisationen und arbeiten gemeinsam daran, Militarisierung kritisch zu analysieren und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Besonders bedanken möchten wir uns bei Reza und Pablo. Mit ihrem Fachwissen, ihrer Schlagfertigkeit, ihrer Geduld und ihrer großen Empathie haben sie unseren Stand bereichert und unzählige Gespräche mit Besucher*innen geführt. Ihre Unterstützung war für uns fachlich wie menschlich von großem Wert.

Es war uns eine große Freude, mit euch gemeinsam für Frieden, Aufklärung und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung einzutreten.

Das Ract!-Festival war für uns weit mehr als nur eine weitere Station der Tour. Nirgendwo sonst erreichten wir innerhalb von zwei Tagen so viele junge Menschen. Die zahlreichen Gespräche, die große Nachfrage nach Informationen und die vielen positiven Rückmeldungen machten deutlich, wie wichtig es ist, die Themen Kriegsdienstverweigerung und Antimilitarismus gerade dort sichtbar zu machen, wo junge Menschen zusammenkommen.

Wenn wir auf die Tour zurückblicken, dann war Tübingen nicht nur eine Station. Es war das Herzstück der Reise. Hier wurde besonders deutlich, dass viele Menschen keine Lust auf Töten und Sterben für Deutschland haben, sich Gedanken über eine friedliche Zukunft machen und nach Antworten auf die Krisen unserer Zeit suchen.

Genau für diese Menschen sind wir unterwegs. Genau für diese Menschen ist es wichtig, Kriegsdienstverweigerungsberatung anzubieten. Und genau deshalb braucht es auch in Zukunft eine starke antifaschistische Friedensbewegung.

14. Juni – Mannheim

Kriegsdienstverweigerung trifft Veteranentag

Nach zwei intensiven Tagen auf dem Ract!-Festival in Tübingen führte die KDV-Tour am 14. Juni nach Mannheim. Dort traf sie auf eine Situation, die aktueller kaum hätte sein können. In Mannheim wurde der Veteranentag begangen – ein bundesweiter Aktionstag, mit dem Soldat*innen stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt und militärischer Dienst gesellschaftlich aufgewertet werden soll.

Für die DFG-VK Baden-Württemberg war schnell klar, dass wir an diesem Tag nicht einfach nur informieren, sondern auch Position beziehen würden.

Die Proteste wurden von einem breiten Bündnis getragen. Gemeinsam mit der Regionalgruppe Mannheim der DFG-VK, der Interventionistischen Linken, der Partei Die Linke, der Initiative Soziale Kämpfe Mannheim (ISK), dem Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung Mannheim (OTKM), den Schulstreiks gegen Wehrpflicht sowie weiteren Aktiven beteiligten wir uns an den Aktionen gegen den Veteranentag.

Denn aus unserer Sicht ist dieser Veteranentag weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldat*innen. Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken soll. Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit wachsender Aufrüstung, der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, einer zunehmenden Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum und neuer Debatten über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Genau gegen diese Entwicklung richtete sich unser Protest.

Die Bilder des Tages waren eindrucksvoll. Transparente mit Aufschriften wie „Verweigern“, „Desertieren“ und „Sabotieren“ machten deutlich, dass viele Menschen die aktuelle Entwicklung kritisch sehen. Die Proteste waren entschlossen, kreativ und sichtbar. Sie machten deutlich, dass die Militarisierung der Gesellschaft keineswegs widerspruchslos hingenommen wird.

In zahlreichen Redebeiträgen wurde kritisiert, dass militärischer Dienst zunehmend öffentlich gewürdigt und aufgewertet wird, während gleichzeitig soziale Bereiche unter Finanzierungsdruck geraten. Teilnehmer*innen stellten die Frage, warum Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden, während in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und anderen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Mitten in diesem Umfeld war auch die KDV-Tour präsent. Das KDV-Mobil und unsere Informationsmaterialien boten die Möglichkeit, aus grundsätzlicher Kritik konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Die Beratung zur Kriegsdienstverweigerung stand an diesem Tag nicht im Mittelpunkt der Aktion, war aber ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots. Denn wer die zunehmende Militarisierung kritisch betrachtet, stellt sich häufig auch die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, sich militärischen Zwängen persönlich zu entziehen.

Deshalb informierten wir am Rande der Proteste über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Rechte von Reservistinnen und Soldatinnen. Wir machten deutlich, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht mit dem Eintritt in die Bundeswehr endet und dass niemand gegen sein Gewissen zum Militärdienst gezwungen werden sollte.

Auf der Kundgebung sprach auch Jonas Fehrenbach, Geschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg. In seiner Rede kritisierte er die aktuelle Aufrüstungspolitik, die gesellschaftliche Aufwertung des Militärs und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben.

Rede von Jonas Fehrenbach auf der Kundgebung gegen den Veteranentag

Die folgende Rede wurde am 14. Juni 2026 auf der Kundgebung gegen den Veteranentag in Mannheim gehalten:

Hallo,

mein Name ist Jonas Fehrenbach. Ich bin der Geschäftsführer des Landesverbandes Baden-Württemberg der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen in Baden-Württemberg.

Heute möchte ich aber auch als Vater von zwei kleinen Kindern zu euch sprechen.

Denn diese Aufrüstung, dieser Wahn von der größten Armee Europas und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben sind aus meiner Sicht brandgefährlich.

Brandbeschleuniger für unsere Gesellschaft. Brandgefährlich für unsere Demokratie und brandgefährlich für die Zukunft unserer Kinder.

Und genau deshalb stehe ich heute hier und protestiere gegen den Veteranentag.

Denn dieser Veteranentag ist weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldatinnen und Soldaten.

Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte unserer Gesellschaft rücken soll.

Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit von ungebremster Aufrüstung, von der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, von immer mehr Bundeswehr an Schulen, von Feriencamps der Bundeswehr für Kinder und Jugendliche, von der Militarisierung des Gesundheitswesens und von Debatten über die Wiedereinführung eines verpflichtenden Wehrdienstes.

All diese Entwicklungen verfolgen dasselbe Ziel: militärisches Denken und Handeln wieder als etwas Normales, Selbstverständliches und Positives in unserer Gesellschaft zu verankern.

Aber wir brauchen kein neues deutsches Heldentum.

Wir brauchen keinen Veteranentag.

Uns Pazifistinnen und Pazifisten wird oft vorgeworfen, wir seien naiv oder blind für die wirklichen Gefahren unserer Zeit.

Doch wenn bei uns angesichts dieser militaristischen Entwicklungen die Alarmglocken läuten, dann, wie ich finde, nur aus guten Gründen.

Denn wir sind nicht irgendein Land hier.

Deutschland hat vor nicht einmal 100 Jahren den Zweiten Weltkrieg entfesselt und mit dem Holocaust das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte zu verantworten.

Diese Verbrechen fielen nicht vom Himmel. Ihnen gingen Aufrüstung, Militarisierung, Feindbilder und die Verherrlichung von Gehorsam voraus.

Ohne einen in der Gesellschaft breit verankerten Militarismus wäre der Weg in den Krieg und der Holocaust nicht möglich gewesen.

Und genau deshalb halten wir die aktuelle Militarisierungs- und Aufrüstungsstrategie für geschichtsvergessen und gefährlich.

Die Lehre aus der deutschen Geschichte sollte deshalb nicht sein, wieder mehr Militär zu wollen.

Die Lehre muss sein, alles dafür zu tun, Konflikte friedlich zu lösen.

Und wir werden immer mehr.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen die ungebremste, von der Schuldenbremse ausgenommene Militarisierung unserer Gesellschaft nicht mittragen wollen.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen erkennen, dass Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit und militärische Stärke keine Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit sind.

Denn Panzer schaffen keine Kitaplätze, Raketen bekämpfen keine Armut und die Androhung von Gewalt schafft weder soziale Gerechtigkeit noch dauerhaften Frieden.

Wir stellen uns gegen die Wehrpflicht. Oder, wie wir sie lieber nennen: gegen den Kriegsdienstzwang.

Der Kriegsdienstzwang muss aus dem Grundgesetz gestrichen werden.

Denn niemand sollte gezwungen werden können, für Deutschland zu töten oder zu sterben.

Und solange er nicht aus dem Grundgesetz gestrichen ist, helfen wir Menschen dabei, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Dafür hat die DFG-VK bundesweit und auch hier in Baden-Württemberg ein Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und -beratern aufgebaut.

Informieren könnt ihr euch auf verweigern.info.

Wir helfen allen, die nicht für Deutschland töten und sterben wollen.

Und wir helfen auch Reservistinnen und Reservisten, die nicht für militärische Übungen und Kriegsvorbereitungen einberufen werden wollen.

Gerade sind wir mit unserer Kriegsdienstverweigerungstour zwei Wochen lang durch Baden-Württemberg unterwegs.

Von Aalen bis Lörrach informieren wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und darüber, wie man es wahrnehmen kann.

Und das ist erst der Anfang.

Wir werden uns weiter gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft wehren.

Wir wehren uns gegen den Veteranentag.

Wir wehren uns gegen neues deutsches Heldentum.

Auch für meine Kinder.

Für alle Kinder.

Denn sie haben es verdient, in einer friedlichen Gesellschaft aufzuwachsen.

Vielen Dank.

Die Redebeiträge der Kundgebung machten deutlich, was viele Menschen an diesem Tag bewegte. Spürbar war die Sorge vor einer Gesellschaft, in der militärisches Denken und militärische Lösungen wieder zunehmend als selbstverständlich gelten. Kritisiert wurde auch die politische Prioritätensetzung, die immer größere Summen für Aufrüstung und militärische Strukturen bereitstellt, während gleichzeitig in sozialen Bereichen, im Bildungswesen, im Gesundheitssektor und bei der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Es wurde davor gewarnt, dass diese Entwicklung nicht nur die Militarisierung der Gesellschaft vorantreibt, sondern auch soziale Ungleichheiten verschärft. Wenn Milliarden für Panzer, Raketen und militärische Infrastruktur verfügbar sind, während Kommunen Schwimmbäder schließen, Schulen sanieren müssen oder soziale Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, dann droht dies die gesellschaftliche Spaltung weiter zu vertiefen.

Mehrfach wurde dabei auch eine grundsätzliche Kritik an den wirtschaftlichen Interessen hinter Aufrüstung und Krieg formuliert. In den Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass von militärischen Konflikten und steigenden Rüstungsausgaben vor allem große Rüstungskonzerne und ihre Eigentümerinnen profitieren, während die Kosten von der Allgemeinheit getragen werden. Während wenige an Aufrüstung, Waffenexporten und militärischer Produktion verdienen, sind es im Ernstfall Soldatinnen und die Zivilbevölkerung, die Verwundung, Vertreibung, Leid und Tod erleiden.

Aus Sicht der Teilnehmer*innen besteht genau darin eine zusätzliche Gefahr der aktuellen Aufrüstungspolitik: Sie bindet nicht nur enorme finanzielle Ressourcen, sondern verschiebt auch politische Prioritäten. Statt soziale Probleme zu lösen, werden militärische Antworten immer stärker in den Mittelpunkt gestellt. Die Proteste gegen den Veteranentag richteten sich deshalb nicht allein gegen die Aufwertung des Militärischen, sondern auch gegen die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Folgen dieser Entwicklung.

Gerade deshalb war Mannheim eine wichtige Station der KDV-Tour. Nirgendwo sonst traf die politische Auseinandersetzung um Militarisierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit so unmittelbar auf das konkrete Angebot der Kriegsdienstverweigerungsberatung.

Gemeinsam mit unseren Bündnispartner*innen konnten wir zeigen, dass es auch in Zeiten wachsender Militarisierung Widerspruch gibt. Dass viele Menschen weiterhin für Diplomatie, zivile Konfliktbearbeitung und Abrüstung eintreten. Und dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Bestandteil einer demokratischen und friedensorientierten Gesellschaft bleibt.

Die Mannheimer Station machte deutlich: Die Debatte über Militarisierung wird nicht nur in Parlamenten geführt. Sie wird auch auf Straßen und Plätzen geführt – von Menschen, die sich eine friedlichere Zukunft wünschen und bereit sind, dafür öffentlich einzutreten.

Unterbrechung der KDV-Tour: Hessentag in Fulda

Nach den intensiven Stationen in Aalen, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen und Mannheim legte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 15. und 16. Juni 2026 eine kurze Pause ein. Zumindest auf den ersten Blick.

Tatsächlich bedeuteten die beiden Tage keineswegs Stillstand. Franz Grundschöttel machte sich stattdessen mit dem DFG-VK-Bus auf den Weg nach Fulda zum Hessentag. Die DFG-VK Hessen sowie die örtlichen Aktiven aus Fulda hatten schon länger um Unterstützung gebeten. Grund dafür war der umfangreiche Auftritt der Bundeswehr auf dem Hessentag. Wo das Militär mit großem Aufwand um Akzeptanz, Nachwuchs und gesellschaftliche Anerkennung wirbt, dürfen friedenspolitische und antimilitaristische Positionen nicht fehlen.

Deshalb wurde die KDV-Tour durch Baden-Württemberg für zwei Tage unterbrochen. Auch wenn die Aktionen in Fulda nicht Teil der baden-württembergischen Tour waren, gehörten sie doch zum gleichen Anliegen: Menschen über Militarisierung, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zu informieren und der allgegenwärtigen Bundeswehrwerbung eine kritische Perspektive entgegenzusetzen.

Für Franz bedeutete das einmal mehr: keine Pause, sondern zusätzliche Kilometer und weitere Tage friedenspolitischer Öffentlichkeitsarbeit. Nach dem Einsatz auf dem Hessentag unterstützte er einen Tag später noch einen Infostand in Aalen, bevor das KDV-Mobil wieder Kurs auf die nächste Station der Tour durch Ba-Wü nahm.

Wie bereits angekündigt, ging es am 17. Juni mit der KDV-Tour Baden-Württemberg weiter. Die nächste Station wartete bereits: Offenburg.

17. Juni – Offenburg

Infostand und Sommerfest gegen Wehrpflicht

Nach zwei Tagen Unterbrechung kehrte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 17. Juni wieder nach Baden-Württemberg zurück. Die nächste Station war Offenburg, wo die Tour gleich zwei sehr unterschiedliche Orte miteinander verband: die Offenburger Innenstadt und den Bürgerpark.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK Mittelbaden wurde zunächst in der Langestraße vor dem Gymnasium „Unserer Lieben Frau“ der Infostand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, die Friedensfahnen und das große Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ nicht mehr zu übersehen.

Wie an den anderen Stationen der Tour informierten wir über Wehrpflicht, Musterung, Kriegsdienstverweigerung und die Möglichkeiten, sich Krieg und Militarisierung entgegenzustellen. Auch in Offenburg stellten wir das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK vor und machten deutlich: Niemand muss sich mit Fragen zu Wehrpflicht oder Kriegsdienstverweigerung allein auseinandersetzen.

Der Standort vor dem Gymnasium sorgte dafür, dass viele Jugendliche direkt mit dem Infostand in Kontakt kamen. Einige nahmen Informationsmaterial mit, andere blieben für Gespräche stehen. Besonders das neue Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ zog Aufmerksamkeit auf sich und brachte die Botschaft der Aktion auf den Punkt. Das große zerbrochene Gewehr setzte dazu einen weithin sichtbaren Kontrapunkt zu den zunehmenden Forderungen nach Aufrüstung, Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit.

Schon in der Vorbereitung war es beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die jungen Menschen von „Nein zur Wehrpflicht“ und der SDAJ Offenburg das Sommerfest gegen Wehrpflicht auf die Beine stellten. Dabei fiel die Organisation ausgerechnet in eine Woche, in der vielerorts Aktionen gegen den Veteranentag stattfanden und die Schulstreiks gegen Wehrpflicht zu weiteren Protesten mobilisierten. Umso bemerkenswerter war es, dass dennoch ein so vielfältiges Programm auf die Beine gestellt wurde.

Am Nachmittag verlagerte sich die Aktion in den Bürgerpark. Dort fand ab 17 Uhr das Sommerfest gegen Wehrpflicht statt, das gemeinsam von der DFG-VK Mittelbaden, der SDAJ Offenburg und der Initiative „Nein zur Wehrpflicht“ organisiert wurde. Die Veranstaltung verband politische Information mit Kultur, Begegnung und gemeinsamer Organisierung.

Melind (Eine Hälfte des Freiburger Duos „Rotgeld“)

Gerade darin lag die besondere Stärke der Offenburger Station. Friedensarbeit besteht nicht nur aus Informationsständen, Flugblättern und politischen Forderungen. Sie lebt auch von Begegnung, Kreativität, Kultur und dem gemeinsamen Nachdenken darüber, wie eine friedlichere Gesellschaft aussehen kann. Das Sommerfest gegen Wehrpflicht machte dies möglich und sichtbar.

Inan Euro (Rap gegen Krieg)

Die gemeinsame Botschaft des Tages war klar: Die Militarisierung Deutschlands nimmt zu – auch in den Köpfen. Dem wollten die beteiligten Gruppen etwas entgegensetzen. Mit Information, Diskussion, Kultur und solidarischem Miteinander wurde deutlich gemacht, dass Wehrpflicht und Militarisierung nicht alternativlos sind.

Unser besonderer Dank gilt den jungen Aktiven von „Nein zur Wehrpflicht“, der SDAJ Offenburg sowie der DFG-VK Mittelbaden für die Organisation und Durchführung des Sommerfestes. Wir hoffen, als DFG-VK Baden-Württemberg unseren Teil dazu beigetragen zu haben, dass dieser Tag stattfinden konnte und zu einem sichtbaren Zeichen gegen Wehrpflicht und Militarisierung wurde.

Als sich der Abend langsam dem Ende zuneigte, hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern und alles im KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einer kurzen Nacht wartete bereits die nächste Station der Tour.

Die nächste Station führte weiter Richtung Süden: Freiburg.

18. Juni – Freiburg

Drei Stationen bei 40 Grad

Nach der Station in Offenburg führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 18. Juni nach Freiburg. Gemeinsam mit dem Freiburger Friedensforum und der DFG-VK Regionalgruppe Freiburg waren gleich drei Aktionsorte geplant. Ziel war es, sowohl Berufsschüler*innen als auch Studierende über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Beratungsangebote der DFG-VK zu informieren.

Die Freiburger Station sollte sich dabei als eine der anstrengendsten Etappen, aber auch als eine der sichtbarsten und öffentlich wirksamsten der gesamten Tour erweisen. Bei Temperaturen um die 40 Grad war nicht nur politische Überzeugung gefragt, sondern auch Ausdauer.

Den Bericht unserer Freiburger Freund*innen dokumentieren wir im Folgenden weitgehend in ihren eigenen Worten:

3 Stationen KDV-Info

Los ging es um 8.30 Uhr im Eschholzpark, wo sich ein großes Berufsschulzentrum befindet. Zuvor hatten wir Rendezvous mit Franz und seinem DFG-VK-Friedens-Transporter, um ihn in den Park zu lotsen, wo ihn bereits mehrere Aktivist*innen aus den lokalen Friedensgruppen erwarteten.

Routiniert wies Franz alle ein, um bei sengender Hitze einen Pavillon aufzubauen und alsbald das aufblasbare, symbolisch zerbrochene riesige Gewehr aufzustellen. Es setzte uns und einige Schülerinnen und Zuschauerinnen in Erstaunen, wie binnen kürzester Zeit das eingebaute elektrische Gebläse, gespeist von einem mobilen 40-kg-Akku, das Gewehr auf etwa drei Meter Höhe und fünf Meter Breite unübersehbar entfaltete.

Als weiterer Blickfang wurde aus dem Transporter ein grauer Sarg mit Flagge, Gewehr und Helm sowie der Aufschrift „Hier kann Deine Karriere bei der Bundeswehr enden“ am Weg zur Schule platziert.

Etliche Schüler*innen passierten den Weg sichtlich überrascht und waren oftmals hin- und hergerissen zwischen Neugier und vorsichtiger Distanz zu diesem Friedens-„Überfall“.

Einige von uns verteilten Flyer zur Kriegsdienstverweigerung, während andere das Gespräch mit den Schüler*innen suchten.

Kaum hatten sich unsere Abläufe und Tätigkeiten eingespielt, bauten wir auch schon ruckzuck alles wieder ab, um in der Pause vor einer anderen Berufsschule mit unserem aufgeblasenen Gewehr unübersehbar präsent zu sein.

Wir führten etliche Gespräche, bis wir dann zum schwierigsten und anstrengendsten Teil unserer Infotour aufbrachen.

Unter Polizeibegleitung zogen wir das Gewehr auf seiner angebrachten Transportplattform nebst 40 kg schwerem mobilem Akku etwa 1.000 Meter durch die Innenstadt zur dritten und letzten Station zwischen Mensa und Universitätsbibliothek und erregten damit viel Aufmerksamkeit.

An dieser stark frequentierten Stelle nahmen nicht nur Menschen in vorbeifahrenden Straßenbahnen die Werbung für Kriegsdienstverweigerung wahr, sondern auch unzählige Studierende auf dem Weg zur Mensa und zur Universitätsbibliothek.

Auch die Lokalzeitung war mit Fotograf und Reporterin vor Ort.

Doch leider erschien anschließend kein Bericht. Vielleicht, weil die Aktion – wie so oft bei unseren Aktivitäten – nicht in die politische Linie der Zeitung passte.

Nach insgesamt rund sechs Stunden Engagement und Einsatz bei knapp 40 Grad beendeten wir unsere Aktion und dankten dem Fahrer Franz, der anschließend nach Lörrach aufbrach, um dort am nächsten Tag weiterzumachen.

Der Freiburger Bericht zeigt eindrucksvoll, welcher organisatorische und körperliche Aufwand hinter einem solchen Tourstopp steckt. Drei Stationen müssen erst einmal angemeldet, aufgebaut und bespielt werden. Hinzu kommen unzählige Gespräche, der mehrfache Auf- und Abbau, der Transport des Materials quer durch die Stadt und die Herausforderung, bei Temperaturen um die 40 Grad einen kühlen Kopf zu bewahren.

Hier zeigte sich einmal mehr, welch große Unterstützung Franz mit seiner Erfahrung, Gelassenheit und Professionalität für die jeweiligen örtlichen Gruppen war. Auch in Freiburg war er weit mehr als nur Fahrer des KDV-Mobils. Er sorgte dafür, dass Material, Logistik und Ablauf funktionierten und die Aktiven sich auf ihre Gespräche und die politische Arbeit konzentrieren konnten.

Am Ende dieses langen und heißen Tages hieß es für Franz erneut: alles verstauen, das KDV-Mobil vorbereiten und weiterfahren. Die Tour führte nun zur letzten Station der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026: nach Lörrach.

19. Juni – Lörrach

Ein heißer Tourabschluss an der Schweizer Grenze

Mit der Station in Lörrach erreichte die KDV-Infotour am 19. Juni ihren Abschluss. Nach fast zwei Wochen unterwegs durch Baden-Württemberg endete die Reise dort, wo das Bundesland an die Schweiz grenzt. Begonnen hatte die Tour in Aalen nahe der bayerischen Grenze, nun führte sie bis an den südwestlichen Rand Baden-Württembergs. Kaum eine andere Station machte so deutlich, wie flächendeckend die Tour angelegt war.

Gemeinsam mit dem Kriegsdienstverweigerungsberater Franz Habig informierte die DFG-VK auf dem Bahnhofsvorplatz über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und Friedenspolitik. Wie an vielen anderen Orten war auch in Lörrach das große aufblasbare zerbrochene Gewehr aufgebaut. Gemeinsam mit dem symbolischen Sarg zog es die Aufmerksamkeit vieler Passantinnen und Passanten auf sich und bot einen niedrigschwelligen Einstieg in Gespräche über Krieg, Frieden und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Ergänzt wurde das Angebot durch einen Gewissensparcours, der Besucherinnen und Besucher dazu einlud, sich mit Fragen von Gewissen, Verantwortung und persönlicher Entscheidung auseinanderzusetzen. Außerdem bestand die Möglichkeit, an einem Preisausschreiben teilzunehmen, das zusätzliche Menschen an den Stand lockte und zahlreiche Gespräche ermöglichte.

Der Aktionstag fiel allerdings in eine außergewöhnliche Hitzewelle. Die Temperaturen näherten sich der 40-Grad-Marke und machten die politische Arbeit auf öffentlichen Plätzen zu einer besonderen Herausforderung. Viele Menschen suchten möglichst schnell Schatten oder klimatisierte Räume auf. Entsprechend war es schwieriger als an anderen Stationen, Passantinnen und Passanten für längere Gespräche zu gewinnen.

Dennoch ergaben sich wichtige Begegnungen. Besonders Jugendliche fühlten sich von den auffälligen Aktionsmaterialien angesprochen und kamen mit den Aktiven ins Gespräch. Dabei ging es um die drohende Rückkehr der Wehrpflicht, die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die Frage, wie sich junge Menschen für Frieden engagieren können. Auch andere Passantinnen und Passanten blieben stehen, informierten sich und diskutierten über aktuelle politische Entwicklungen.

Ursprünglich war geplant, den Infostand am Nachmittag vom Bahnhof in den Hebelpark zu verlegen. Dort sollte der Aktionstag mit weiteren Gesprächen und einem Auftritt des Musikers Ben Meech fortgesetzt werden. Aufgrund der extremen Hitze wurde jedoch entschieden, das Programm zu verkürzen. Der Infostand wurde bereits gegen 14 Uhr abgebaut und auf die Verlegung in den Hebelpark verzichtet. Nach den vielen Stationen der vergangenen Wochen konnte Tourfahrer Franz Grundschöttel damit die Heimreise zu seiner Familie antreten. Franz Habig und Frieder setzten ihre Friedensarbeit vor Ort dennoch fort und führten weitere Gespräche in Lörrach.

Ein besonderer Erfolg des Tages zeigte sich an anderer Stelle. Die Gespräche in Lörrach machten deutlich, dass es vor Ort Interesse an einer stärkeren friedenspolitischen Vernetzung gibt. Mehrere Menschen signalisierten Interesse daran, sich künftig in einer örtlichen Friedensgruppe zu engagieren. Franz Habig wird diese Kontakte weiterführen. Damit besteht die realistische Hoffnung, dass in Lörrach wieder eine aktive Regionalgruppe der DFG-VK entsteht.

Auch über die Tour hinaus sind bereits weitere Aktivitäten geplant. So soll am 6. August eine Friedensmahnwache zum Hiroshima-Gedenktag stattfinden. Außerdem ist eine Veranstaltung mit dem Religionspädagogen und DFG-VK-Mitglied Theo Ziegler in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung vorgesehen. Neben musikalischen Beiträgen wird dabei auch die aktuelle Friedenspolitik Thema sein.

Mit Lörrach endete eine intensive und erfolgreiche Reise durch Baden-Württemberg. Die Tour führte von der Ostalb bis an die Schweizer Grenze, von Schulhöfen über Marktplätze bis zu Festivals und Demonstrationen. Überall zeigte sich: Das Interesse an Informationen über Kriegsdienstverweigerung ist groß. Viele Menschen wollen wissen, welche Rechte sie haben und wie sie sich einer zunehmenden Militarisierung entgegenstellen können.

Die KDV-Infotour 2026 ist vorbei. Die Beratungsarbeit geht weiter. Die vielen Gespräche, die positive Resonanz, die neuen Kontakte und die große mediale Aufmerksamkeit haben gezeigt, dass eine solche Tour dringend gebraucht wird.

Die Rückmeldungen entlang der Strecke machen Mut. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis dieser Reise deshalb nicht nur, wie viele Menschen wir erreicht haben, sondern auch, wie viele Menschen sich eine Fortsetzung wünschen.

Die Resonanz auf die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026 ruft geradezu nach einer KDV-Tour Baden-Württemberg 2027. Was noch zu sagen wäre: Danke! Danke an alle, die diese wichtige Tour durch Baden-Württemberg möglich gemacht und ermöglicht haben. 

Unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter gegen den Kriegsdienstzwang

Eine solche Tour entsteht nicht im Landesbüro. Sie lebt von den Menschen vor Ort.

  • In Aalen unterstützten uns Roland Hamm von der DFG-VK Ostalb (noch zu gründen :-)) und Jürgen Menzel von act4transformation.
  • In Schwäbisch Hall trugen insbesondere Marianne Haufe und Gunther Reber die Aktion mit großem Engagement.
  • In Heilbronn unterstützten uns Andreas Stiegele, Brigitte Klein vom Friedensrat Heilbronn.
  • In Ludwigsburg organisierte die Regionalgruppe Ludwigsburg einen hervorragend vorbereiteten Aktionstag.
  • Auf dem Ract!-Festival in Tübingen halfen uns Reza und Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI).
  • In Mannheim unterstützte uns die Regionalgruppe Mannheim mit Otto Reger an der Spitze.
  • In Offenburg arbeiteten wir mit der Regionalgruppe Mittelbaden sowie der SDAJ Offenburg zusammen.
  • In Freiburg beteiligten sich die Regionalgruppe Freiburg und weitere Aktive des Friedensforums Freiburg.
  • In Lörrach organisierte Franz Habig als Kriegsdienstverweigerungsberater die örtliche Aktion.

Allen gemeinsam war das Ziel, Menschen über ihr Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren und ihnen praktische Unterstützung anzubieten. Dieses Eintreten für eine friedlichere Welt kann (in Zeiten wie diesen) gar nicht genug gewürdigt werden. 

7 Juli, 2026

§ Recht kurz §: Bußgeldverfahren

Von Stefan Philipp (Bearbeitungsstand: 03.07.2026)

PDF zum Download

Ablauf des Bußgeldverfahrens bei Erfassungsverweigerung

Wer der Aufforderung durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) zur Abgabe einer „Erklärung zur Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Wehrdienstleistung“ („Fragebogen“) nach § 15a des Wehrpflichtgesetzes (WPflG) nicht nachzukommen will, sollte Rechtsfolgen und Verfahren kennen.

Nach § 45 Abs. 1 Nr. WPflG ist die „nicht richtig[e] oder nicht vollständig[e]“ Abgabe einer Bereitschaftserklärung eine Ordnungswidrigkeit; diese „kann mit einer Geldbuße geahndet werden“ (45 Abs. 2 WPflG). Aktuell liegend noch keine Bußgeldbescheide vor, geplant ist nach Informationen aus dem Bundesministerium der Verteidigung ein Betrag von 250 Euro.

Im Gegensatz zu Straftaten (z.B. Körperverletzung, Raub, Totschlag), die von der Staatsanwaltschaft ermittelt und mit einem Strafbefehl geahndet oder angeklagt, vor Gericht verhandelt und u.U. mit Gefängnis bestraft werden und im Führungszeugnis auftauchen, sind Ordnungswidrigkeiten (z.B. Falschparken, Ruhestörung, Handy am Steuer) leichtere Rechtsverstöße, die von Verwaltungsbehörden mit Verwarnungs- oder Bußgeld sanktioniert und nicht ins Führungszeugnis aufgenommen werden.

Geregelt ist das im Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG). Bußgeldbehörde ist für die Fälle der Erfassungsverweigerung gemäß § 45 Abs. 3 WPflG das BAPersBw mit Sitz in Köln. Ein Bußgeldbescheid muss zugestellt werden (per Zustellungsurkunde = „gelber Brief“ oder per Übergabeeinschreiben bzw. Einschreiben mit Rückschein – siehe Verwaltungszustellungsgesetz). Der Bescheid muss eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten (§ 50 Abs. 2 i.V.m. § 66 Abs. 2 OWiG), also eine Erklärung darüber, wie man sich rechtlich gegen den Bescheid wehren kann. Das Rechtsmittel gegen einen Bußgeldbescheid ist der Einspruch, der innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe schriftlich (und nicht per E-Mail!) einzulegen ist (§ 67 Abs. 1 OWiG), am besten per Einschreiben mit Rückschein. Über den Einspruch entscheidet ein Einzelrichter beim Amtsgericht (AG) Köln (§ 68 Abs. 1 OWiG) bzw. ein Jugendrichter beim AG Köln (§ 68 Abs. 2 OWiG) in öffentlicher Verhandlung, wenn der Betroffene unter 21 Jahre alt und damit rechtlich sog. Heranwachsender (§ 1 Abs. 2 Jugendgerichtsgesetz) ist. Da die Aufforderung zur Abgabe der Bereitschaftserklärung planmäßig an alle 18 Jahre alt gewordenen Männer geht, dürften absehbar alle Verhandlungen über Einsprüche gegen Bußgeldbescheide vor dem Jugendgericht (JG) in Köln verhandelt und entschieden werden. Das AG Köln mit seiner JG-Abteilung ist eines der größten deutschen Amtsgerichte; dort werden von ca. 170 Richter*innen jährlich über 50.000 Straf-, Ordnungswidrigkeiten- und Zivilverfahren erledigt. Anders als im Strafverfahren, bei dem ein Verschlechterungsverbot gilt (für den Fall, dass nach einer erstinstanzlichen Verurteilung ausschließlich der Verurteilte Berufung einlegt), ist im Einspruchsverfahren das Gericht nicht an die Höhe des Bußgeldbescheids gebunden – das Gericht könnte also auch ein höheres Bußgeld verhängen. Nach § 17 Abs. 1 OWiG beträgt eine Geldbuße zwischen fünf und 1.000 Euro. Gegen ein Urteil des AG/JG gibt es das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde. Eine solche ist nach § 79 Abs. 1 Nr. 1 OWiG allerdings nur zulässig, wenn das Gericht zu einem höheren Bußgeld als 250 Euro verurteilt hat.

Nach Rechtskraft der Entscheidung ist diese vollstreckbar (§ 89 OWiG), das Bußgeld muss also bezahlt werden und fließt in die Bundeskasse (§ 90 Abs. 2 OWiG), Vollstreckungsbehörde ist das BAPersBw (§ 92 OWiG). Wer nicht bezahlt, kann einmalig bis zu sechs Wochen in Erzwingungshaft genommen werden (§ 96 OWiG).

Bei der Erfassungsverweigerung ist mit diesen Kosten zu rechnen: Zum Bußgeld hinzu kommen eine Verwaltungsgebühr (28,50 Euro) und ggf. die Gerichtsgebühren (50 Euro), außerdem evtl. eigene Reise- und Übernachtungskosten, das persönliche Erscheinen in der Verhandlung ist normalerweise angeordnet (§ 73 OWiG). Falls man sich anwaltlich vertreten lässt, können leicht weitere Kosten von 1.000 bis 2.000 Euro hinzukommen.

Die Aussichten, sich gegen ein Bußgeld erfolgreich juristisch zu wehren, sind gering. Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG), mit dem das WPflG um den § 15a ergänzt wurde, ist formal korrekt zustande gekommen und (wohl) nicht verfassungswidrig. Um die Rechtswidrigkeit (als Grundlage der Bußgeldahndung) der Nichtabgabe einer Bereitschaftserklärung auszuschließen, kämen allenfalls Notwehr (§ 15 OWiG) oder rechtfertigender Notstand (§ 16 OWiG) in Betracht, das dadurch geschützte Rechtsgut wäre die vom Grundgesetz (GG) als unverletzlich garantierte und geschützte Gewissensfreiheit (Art. 4 Abs. 1 GG). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) wird die Reichweite der Gewissensfreiheit im Bereich der Wehrpflicht allerdings durch Art. 4 Abs. 3 GG abschließend geregelt (Beschluss d. BVerfG v. 20.12.1960, Az. 1 BvL 21/60 = BVerfGE 12,45). Die Erfassung erfolgt aber im Rahmen der Wehrpflicht (besser: Kriegsdienstzwang), die sich also solche legal nicht verweigern lässt, sondern lediglich auf Antrag der Dienst als Soldat bei der Bundeswehr.

1 Juni, 2026

DFG-VK kritisiert Entwurf des „Reservestärkungsgesetz“ und bietet Reservist*innen Unterstützung bei der Kriegsdienstverweigerung an

Stuttgart, 30. Mai 2026 – Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegenerInnen (DFG-VK) kritisiert die geplante verpflichtende Heranziehung von Reservist*innen zu regelmäßigen Wehrübungen scharf. Marius Pletsch, Bundessprecher der DFG-VK sagt: „Die Pläne entlarven, dass es der Bundesregierung nicht um Freiwilligkeit bei der Erreichung ihrer Personalziele für die Bundeswehr geht, sondern um staatlichen Zwang, der schrittweise ausgeweitet wird. Das soll jetzt die Reserve zu spüren bekommen.“

Wie Medienberichte (u. a. vom Spiegel und dem RedaktionsNetzwerk Deutschland) über den aktuellen Referentenentwurf für das „Reservestärkungsgesetz“ zeigen, plant das Bundesverteidigungsministerium eine weitreichende Dienstpflicht für Reservist*innen schon in Friedenszeiten. Das bisherige Prinzip der Freiwilligkeit bei Wehrübungen soll fallen: Künftig sollen verpflichtende Übungen von maximal zwölf Wochen pro Jahr angeordnet werden können. Die Dauer und Altersgrenzen dieser Heranziehungen sind dabei nach der bisherigen Dienstzeit gestaffelt: Wer den freiwilligen Wehrdienst geleistet hat, kann bis zum Monat des 45. Geburtstags für Reservedienstleistungen verpflichtet werden. Für ehemalige Berufssoldat*innen oder Soldat*innen auf Zeit reicht die Pflicht – je nach vorheriger Verpflichtungsdauer – sogar bis zum Monat des 65. Geburtstags. Das Gesetz soll am 1. Juli vom Bundeskabinett beschlossen und noch in diesem Jahr im Bundestag verabschiedet werden, um den Pool an beorderten Reservist*innen bis 2033 von rund 60.000 auf mindestens 200.000 Personen auszubauen.

„Für uns steht fest: Niemand darf gegen seinen Willen in ein System der Kriegsvorbereitung gezwungen werden. Wenn Reservist*innen dafür nicht länger zur Verfügung stehen wollen, können sie ihr Grund- und Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung in Anspruch nehmen“, so Marius Pletsch. Die ehrenamtlichen Berater*innen der Friedensorganisation stünden bereit, um allen Betroffenen verlässlich bei der Kriegsdienstverweigerung zur Seite zu stehen.

Die DFG-VK rechnet durch die Pläne mit einer größeren Nachfrage von Reservist*innen an ihrem Angebot zur Kriegsdienstverweigerungsberatung. Erste Infomationen können Interessierte hier finden: verweigern.info

Pressekontakt:
Marius Pletsch (Bundessprecher der DFG-VK): pletsch@dfg-vk.de

23 April, 2026

Friedensbewegte Presseschau – April 2026

Einleitung

Jeden Tag erreichen uns von aufmerksamen und kritischen Friedensaktivist*innen Hinweise auf Berichte und Beiträge aus der Presse, die – teilweise und erfreulicherweise – eine wohltuende Gegenstimme zur allgegenwärtigen Kriegsrhetorik darstellen. Während viele Beiträge in den bekannten Medien mit einem Fokus auf Aufrüstung, Eskalation und Feindbilder daherkommen, zeigen diese Artikel: Es gibt sie noch – die Stimmen für Abrüstung, Dialog und Verständigung. Unsere heutige Presseschau gibt einen Überblick über solche Perspektiven, die Frieden nicht nur fordern, sondern auch konkret denken.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle euch, den Leserinnen dieses Newsletters – denn viele von euch sind nicht nur aufmerksame Beobachterinnen, sondern auch selbst aktive Organisatorinnen von Protesten, Mahnwachen und Friedensaktionen. Einige der hier vorgestellten Artikel verdanken ihre Aufmerksamkeit nicht zuletzt eurem Engagement – dafür ein großes und herzliches Dankeschön!

Damit auch in Zukunft vielfältige und friedensorientierte Stimmen Gehör finden, freuen wir uns weiterhin über eure Hinweise auf lesenswerte Artikel, Interviews oder Medienbeiträge. Hinweise bitte an bar-vue@dfg-vk.de – wir nehmen sie gerne in die nächste Ausgabe unserer Presseschau auf.

🌍 Nahost, Iran, Israel/Palästina & Völkerrecht

Selektive Empörung (IPG Journal)

Der Beitrag kritisiert die Doppelstandards westlicher Politik im Umgang mit dem Iran. Während Völkerrechtsverstöße selektiv verurteilt werden, geraten die Folgen von Krieg, Sanktionen und Instabilität für den Globalen Süden schnell aus dem Blick.

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Bundestags-Expert*innen sehen Iran-Krieg als Völkerrechtsverstoß

Der Bericht hebt hervor, dass ein Angriffskrieg gegen den Iran auch aus Sicht des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags völkerrechtlich hoch problematisch ist. Das ist ein wichtiger Kontrapunkt zu all jenen Stimmen, die militärische Eskalation als scheinbar legitimes Mittel der Politik behandeln.

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Flexible Allianzen (IPG Journal)

Der Text beschreibt, wie brüchig und interessengeleitet viele Bündnisse im Nahen Osten inzwischen geworden sind. Gerade diese kurzfristige Bündnispolitik erschwert aber jede verlässliche Friedensordnung und fördert neue Unsicherheiten.

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Unter Beschuss (IPG Journal)

Der Beitrag schildert die Zuspitzung der Lage im Nahen Osten aus einer Perspektive, die vor allem die Folgen für Zivilgesellschaft und regionale Stabilität in den Blick nimmt. Deutlich wird: Militärische Logik drängt politische Lösungen immer weiter an den Rand.

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Drohnen-Diplomatie (IPG Journal)

Hier geht es um den Zusammenhang von technologischer Aufrüstung und außenpolitischer Machtprojektion. Der Text zeigt, wie bewaffnete Drohnen nicht nur Kriege verändern, sondern auch Diplomatie selbst unter militärische Vorzeichen stellen.

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Unersetzbar (IPG Journal)

Der Beitrag arbeitet heraus, welche Akteure und Vermittlungsinstanzen in der Region für Deeskalation besonders wichtig sind. Er macht deutlich, dass Friedensprozesse gerade dann scheitern, wenn alles auf militärische Stärke und zu wenig auf politische Vermittlung gesetzt wird.

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Nur eine Pause (IPG Journal)

Die Analyse warnt davor, Waffenruhen vorschnell mit Frieden zu verwechseln. Solange die politischen Ursachen des Konflikts unangetastet bleiben, ist eine Feuerpause oft nur die Unterbrechung vor der nächsten Eskalation.

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Vorherrschaft durch Chaos (IPG Journal)

Der Artikel beschreibt eine Strategie regionaler Dominanz, die auf Instabilität und kontrolliertem Chaos beruht. Friedenspolitisch ist das eine Warnung: Wer Ordnung durch Zerstörung schaffen will, produziert nur neues Leid und neue Gewaltspiralen.

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Liveticker Iran-Krieg (RND)

Der Ticker bündelt die täglichen Wendungen rund um Waffenruhe, Drohungen und politische Reaktionen. Gerade in seiner Unübersichtlichkeit zeigt er, wie schnell Eskalation heute geschieht und wie schwach dagegen oft die diplomatischen Gegenkräfte sind.

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Iran-Konflikt – aktuelle Entwicklungen (NPR)

Der Beitrag bietet einen laufenden Überblick über die regionalen und internationalen Reaktionen auf die Eskalation. Sichtbar wird vor allem, wie eng militärische Entwicklungen, Energiesicherheit und Großmachtpolitik inzwischen verknüpft sind.

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USA übergeben Militärbasen in Syrien (New York Times)

Der Bericht über die Übergabe von US-Stützpunkten in Syrien verweist auf eine mögliche Neuordnung regionaler Machtverhältnisse. Solche Schritte können Entspannung bringen, aber ebenso neue Unsicherheiten und Stellvertreterkonflikte auslösen.

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Irischer Appell an Kaja Kallas

Irland drängt auf eine klarere europäische Linie zur Lage im Nahen Osten. Der Fokus auf Völkerrecht und politische Verantwortung ist ein wichtiges Signal gegen die Normalisierung militärischer Ausnahmezustände.

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Bundesregierung genehmigt Rüstungsexporte nach Israel (n-tv)

Der Bericht zeigt, dass Deutschland weiterhin Waffenexporte nach Israel genehmigt. Angesichts der humanitären Katastrophe in Gaza verschärft das die Frage nach politischer Mitverantwortung und nach der Glaubwürdigkeit deutscher Menschenrechtsrhetorik.

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DW: USA, Vatikan, Italien und der Iran-Krieg

Der Text macht sichtbar, wie unterschiedlich die Reaktionen internationaler Akteure ausfallen – von machtpolitischer Positionierung bis zu moralischen Friedensappellen. Gerade dieser Kontrast zeigt, wie weit geopolitisches Kalkül und friedensethische Perspektive oft auseinanderliegen.

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Trump, Papst Leo XIV. und der Streit um Krieg und Frieden (Tagesschau)

Der Bericht beleuchtet den Konflikt zwischen politischer Machtlogik und kirchlicher Friedensbotschaft. Er erinnert daran, dass religiöse Stimmen gerade in Zeiten der Eskalation ein notwendiges Gegengewicht zur Sprache der Abschreckung sein können.

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Gaza-Flottille startet aus Spanien (Euronews)

Die Hilfsflottille ist humanitäres Zeichen und politischer Protest zugleich. Sie macht sichtbar, dass Solidarität mit der Zivilbevölkerung nicht warten darf, bis Regierungen sich endlich zu einer Politik der Menschlichkeit durchringen.

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Deutschlands Rolle im Iran-Konflikt (Tagesspiegel)

Der Kommentar fragt nach deutscher Mitverantwortung und nach den Möglichkeiten einer friedensorientierten Außenpolitik. Er legt den Finger auf den wunden Punkt: Wer militärische Eskalation kritisiert, muss auch den Mut zu diplomatischen Alternativen haben.

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Warum eine Seeblockade gegen den Iran so riskant wäre (FR)

Die Analyse zeigt, wie schnell eine Seeblockade selbst zum Brandbeschleuniger werden könnte. Militärische Drohgebärden erzeugen keine Sicherheit, sondern erhöhen das Risiko einer unkontrollierbaren regionalen Eskalation.

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Waffenruhe zwischen Israel, Iran und Libanon – aber wie tragfähig? (SZ)

Der Artikel beschreibt die Fragilität eines möglichen Waffenstillstands. Er verdeutlicht, dass echte Entspannung nicht aus militärischer Erschöpfung allein entsteht, sondern nur aus politischer Verständigung und rechtsstaatlicher Bindung.

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Iran: Internetblockade und wirtschaftliche Schäden (SZ)

Der Beitrag zeigt, wie eng Krieg, Repression und soziale Not zusammenhängen. Wenn Kommunikation gekappt und wirtschaftliche Lebensgrundlagen zerstört werden, trifft die Eskalation vor allem die Bevölkerung.

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US-Geheimdienste, Iran und China (CNN)

Die Meldung verknüpft den Iran-Konflikt mit globaler Blockbildung und neuer Rüstungsdynamik. Gerade solche Konstellationen zeigen, wie schnell regionale Kriege in größere geopolitische Machtkonflikte eingebettet werden.

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Eskalation durch Bombardierung? (SZ-Kommentar)

Der Kommentar kritisiert die Logik, militärische Gewalt als Weg zur Befriedung zu verkaufen. Er erinnert daran, dass Bomben keine politischen Lösungen schaffen, sondern die Voraussetzungen für neue Kriege legen.

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Netanjahus neue Kriegsdoktrin (der Freitag)

Der Freitag analysiert eine ideologisch aufgeladene Politik, in der sich religiöser Nationalismus und militärische Härte verbinden. Das ist nicht nur für die Region brandgefährlich, sondern auch für jede Perspektive auf gleiche Rechte und Koexistenz.

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Chronik des iranischen Atomprogramms (bpb)

Die Chronik ordnet den Konflikt historisch ein und zeigt, wie lange Atomfrage, Sanktionen und Drohpolitik die Region bereits prägen. Gerade dieser lange Blick macht deutlich, dass militärische Zuspitzung noch nie zu einer tragfähigen Lösung geführt hat.

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Papst kontert Trump: „Selig sind die Friedfertigen“ (BR)

Der Bericht stellt einer Logik der Stärke bewusst eine Logik des Friedens entgegen. Solche Stimmen mögen machtpolitisch oft schwach erscheinen, sind aber unverzichtbar, wenn Menschlichkeit und Deeskalation überhaupt noch Gehör finden sollen.

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Italien setzt Verteidigungsabkommen mit Israel aus (Berliner Zeitung)

Die Entscheidung zeigt, dass politische Konsequenzen gegenüber Israel inzwischen auch innerhalb Europas diskutiert werden. Wer Völkerrecht ernst meint, darf es nicht nur gegenüber Gegnern, sondern muss es auch gegenüber Partnern anwenden.

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Trumps Iran-Kurs und die Rolle von JD Vance (Merkur)

Der Beitrag macht die Widersprüche innerhalb der US-Politik sichtbar. Zwischen Deal-Rhetorik, Druckpolitik und innenpolitischem Kalkül bleibt offen, ob Diplomatie hier ernst gemeint ist oder nur taktisch eingesetzt wird.

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USA, Iran und Pakistan im Gespräch (ZEIT)

Der Bericht verweist auf diplomatische Kontakte, die trotz Eskalation weiterlaufen. Gerade solche Kanäle sind entscheidend, weil Verhandlungen oft erst dann möglich werden, wenn militärische Optionen bereits an ihre Grenzen stoßen.

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Frieden als Produkt kühlen Pragmatismus? (Spiegel Geschichte)

Der Text erinnert daran, dass Friedensschlüsse selten aus moralischer Einsicht allein entstehen. Das ist ernüchternd, aber wichtig: Auch unvollkommene Kompromisse sind oft humaner als die Fortsetzung von Krieg.

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USA massiv unter Druck – Deal mit dem Iran? (n-tv)

Der Beitrag deutet an, dass die Vereinigten Staaten unter wachsendem Druck eher zu Verhandlungen bereit sein könnten. Er zeigt damit auch, dass selbst harte Machtpolitik am Ende oft doch wieder auf Diplomatie zurückverwiesen wird.

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Trumps 15-Punkte-Plan für das Ende des Iran-Kriegs (Morgenpost)

Der Plan wird als Versuch präsentiert, Kontrolle über eine eskalierende Lage zurückzugewinnen. Auffällig ist jedoch, wie stark auch hier militärische Drohkulissen und politische Selbstinszenierung ineinandergreifen.

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Warum Trumps Iran-„Friedensplan“ nach Verzweiflung riecht (Morgenpost)

Der Kommentar liest die Initiative weniger als Friedensstrategie denn als Krisenmanagement unter Druck. Das verweist auf ein Grundproblem vieler Großmächte: Verhandelt wird oft erst, wenn die Eskalation außer Kontrolle zu geraten droht.

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Trump säuselt von Frieden und schickt Fallschirmjäger (Spiegel)

Der Titel bringt die Widersprüchlichkeit der US-Politik auf den Punkt. Zwischen Friedensrhetorik und militärischer Machtdemonstration bleibt unklar, ob überhaupt noch Raum für glaubwürdige Deeskalation vorhanden ist.

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15-Punkte-Plan für Waffenruhe im Nahen Osten (Tages-Anzeiger)

Auch dieser Beitrag befasst sich mit der Frage, ob ein politischer Plan den Krieg stoppen könnte. Seine wichtigste Lehre: Papier allein schafft keinen Frieden, wenn Vertrauen, Rechtssicherheit und politische Teilhabe fehlen.

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Einfluss der Israel-Lobby auf die US-Iran-Politik (Foreign Policy)

Der Artikel arbeitet heraus, wie stark innenpolitische Machtgruppen außenpolitische Entscheidungen prägen. Das ist gerade für Friedenspolitik zentral, weil Kriegsentscheidungen eben nicht nur an Fronten, sondern auch in politischen Apparaten vorbereitet werden.

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Deutsche Nahostpolitik und Völkerrecht (ZEIT)

Der Text problematisiert die Haltung deutscher Spitzenpolitiker gegenüber den Angriffen auf den Iran. Er macht deutlich, dass Völkerrecht nicht zur Verfügungsmasse geopolitischer Loyalitäten werden darf.

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Stellungnahme zur deutschen Außenpolitik nach den Angriffen auf den Iran (Verfassungsblog)

Die juristische Einordnung kritisiert die deutsche Reaktion als zu wenig rechtsgebunden und zu sehr bündnispolitisch geprägt. Gerade aus friedenspolitischer Sicht ist das bedeutsam: Wer Recht relativiert, stärkt am Ende die Gewalt.

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Deutschland verzichtet auf Intervention im Genozid-Verfahren gegen Israel (n-tv)

Die Entscheidung der Bundesregierung, sich nicht einzuschalten, wirft Fragen nach politischer Haltung und rechtlicher Verantwortung auf. Sie zeigt erneut, wie vorsichtig Deutschland agiert, wenn Völkerrecht und Bündnispolitik aufeinanderprallen.

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Tagesschau: USA und Iran-Konflikt

Der Bericht zeichnet die Verstrickung der USA in die Eskalation nach. Er zeigt zugleich, wie gefährlich es ist, wenn militärische Signale politische Kommunikation ersetzen.

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ORF: Entwicklungen im Iran-Konflikt

Die ORF-Berichte fassen die jüngsten Wendungen zusammen und machen die Unübersichtlichkeit der Lage sichtbar. Gerade das spricht für Besonnenheit statt für weitere militärische „Antworten“.

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Tagesschau-Liveblog Iran

Der Liveblog dokumentiert, wie dicht politische Signale, militärische Aktionen und mediale Dramatisierung inzwischen aufeinanderfolgen. Die Geschwindigkeit der Eskalation macht deutlich, wie nötig belastbare diplomatische Kanäle wären.

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Anzeige gegen Unterstützung des Iran-Krieges (junge Welt)

Der Artikel thematisiert juristische Schritte gegen politische und militärische Unterstützung eines Angriffskrieges. Er erinnert daran, dass Friedenspolitik nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich verteidigt werden muss.

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Historische US-Dokumente zum Iran (National Security Archive)

Die Dokumentensammlung zeigt, wie lang die Geschichte von Intervention, Einflussnahme und Eskalationspolitik bereits ist. Gerade historische Tiefenschärfe hilft, aktuelle Kriege nicht als isolierte Ereignisse misszuverstehen.

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Iran, Israel und die Kriegsgefahr in der Region (Versöhnungsbund)

Das Hintergrundpapier argumentiert grundlegend gegen militärische Logiken im Nahen Osten. Es plädiert für politische Verständigung, Abrüstung und einen Blick auf die Sicherheitsinteressen aller Seiten.

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Israel-Libanon-Spannungen am Litani (Tagesschau)

Der Bericht erinnert daran, dass der Krieg nicht nur zwischen Staaten und Armeen stattfindet, sondern ganze Grenzräume in dauerhafte Unsicherheit stürzt. Regionale Ausweitung bleibt eine reale Gefahr.

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Trump, Netanjahu und Geheimdienstoperationen (New York Times)

Der Beitrag beleuchtet die enge Verzahnung von Geheimdienstpolitik, Kriegsstrategie und politischer Macht. Gerade solche verdeckten Ebenen zeigen, wie wenig demokratische Kontrolle militärischer Eskalation oft noch vorhanden ist.

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Guardian: US-Debatten über Israel und Nahostpolitik

Der Text macht deutlich, wie umkämpft die amerikanische Linie gegenüber Israel inzwischen ist. Selbst in den USA bröckelt die Selbstverständlichkeit, mit der militärische Loyalität lange über Kritik an Menschenrechtsverletzungen gestellt wurde.

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Steffen Seibert und der Streit mit Netanjahus Regierung (Spiegel)

Der Bericht zeigt, wie sensibel bereits moderate Kritik an Israels Regierung geworden ist. Dass selbst ein als israelfreundlich geltender Diplomat unter Druck gerät, sagt viel über die Verengung des politischen Diskurses aus.

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Empörung über einen X-Beitrag des Botschafters (Welt)

Auch dieser Bericht zeigt, wie aufgeladen das politische Klima inzwischen ist. Schon kleine diplomatische Signale werden zum Konfliktfeld – ein Zeichen dafür, wie schwer nüchterne Vermittlung geworden ist.

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🇺🇦 Ukrainekrieg, Europa & Sicherheitsordnung

Pazifist in der Ukraine unter Druck (junge Welt)

Der Artikel berichtet über einen ukrainischen Pazifisten, der mit staatlichem Druck konfrontiert ist. Gerade in Kriegszeiten zeigt sich hier, wie wichtig die Verteidigung von Gewissensfreiheit und antimilitaristischen Stimmen bleibt.

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Selenskyj verärgert über US-Vermittler (Berliner Morgenpost)

Der Bericht macht Spannungen innerhalb des westlichen Lagers sichtbar. Wenn selbst Verbündete öffentlich aneinandergeraten, zeigt das vor allem, wie brüchig die politische Fassade des militärischen Durchhaltens geworden ist.

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Deutschland finanziert Hunderte Patriot-Raketen für die Ukraine (n-tv)

Die Meldung unterstreicht die weitere militärische Verstrickung Deutschlands in den Krieg. Auch wenn Luftabwehr oft als defensiv gilt, bleibt sie Teil einer Eskalationsdynamik, die politische Lösungen nicht ersetzt.

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Zukunftsszenarien für den Ukrainekrieg (Wissenschaft & Frieden)

Der Text entwirft verschiedene Entwicklungspfade des Krieges und fragt nach ihren politischen Konsequenzen. Besonders wertvoll ist, dass er nicht nur militärische, sondern auch diplomatische und gesellschaftliche Perspektiven mitdenkt.

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NATO-Ausbildung und mühsame Umschulung ukrainischer Soldaten (n-tv)

Der Bericht zeigt praktische Probleme der militärischen Kooperation auf. Er macht damit auch deutlich, dass Waffen und Ausbildung allein noch keine kohärente Friedens- oder Sicherheitsstrategie ergeben.

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Sicherheitsgarantien gegen Gebietsverzicht? (Reuters)

Die Meldung verweist auf mögliche westliche Szenarien, in denen Sicherheitszusagen an territoriale Zugeständnisse gekoppelt werden. Sie zeigt, wie eng Diplomatie, Machtpolitik und die Frage nach einem politisch tragfähigen Frieden verknüpft sind.

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Russische Frühjahrsoffensive offenbar gestartet (Tagesspiegel)

Der Beitrag beschreibt die neue militärische Zuspitzung an der Front. Je deutlicher aber der Krieg in eine nächste Runde der Abnutzung geht, desto dringlicher wird die Frage nach ernsthaften Verhandlungen.

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Hunderttausende in Belgorod ohne Strom (Tagesspiegel-Liveblog)

Der Liveblog macht die zivilen Folgen militärischer Angriffe sichtbar. Gerade solche Meldungen erinnern daran, dass Infrastrukturkrieg nie nur militärische Ziele trifft, sondern immer auch die Lebenswelt von Menschen zerstört.

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Ukraine-Analysen 329

Die Ausgabe liefert vertiefte Hintergrundinformationen zur politischen und militärischen Lage. Solche Analysen sind wichtig, weil sie helfen, die oft schrille Tagesberichterstattung in einen nüchternen Zusammenhang zu stellen.

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FCAS – letzter Vermittlungsversuch beim Kampfjetprojekt scheitert (Handelsblatt)

Das Scheitern des Vermittlungsversuchs zeigt, wie konfliktreich und interessengeleitet europäische Aufrüstungsvorhaben sind. Gerade daran wird sichtbar, dass Rüstungsprojekte nicht Sicherheit garantieren, sondern oft selbst politische Spannungen erzeugen.

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Pistorius zur Absicherung einer Waffenruhe im Iran-Konflikt (ZDFheute)

Der Beitrag zeigt, wie militärische Präsenz immer wieder als Voraussetzung von Stabilität präsentiert wird. Friedenspolitisch bleibt dagegen die Frage zentral, warum politische Absicherung so oft erst nach der militärischen Eskalation überhaupt ernsthaft erwogen wird.

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Pistorius in Singapur – U-Boote, TKMS, Rüstung (ZDFheute)

Der Bericht verweist auf die zunehmende globale Vernetzung deutscher Rüstungs- und Sicherheitsinteressen. Gerade diese internationale Ausdehnung zeigt, wie stark Militarisierung längst als normales außenwirtschaftliches Instrument behandelt wird.

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Habermas, Ramstein und die politische Debatte (SZ)

Der Text verweist auf die innenpolitische Auseinandersetzung um Krieg, Bündnispolitik und Verantwortung. Wichtig daran ist, dass kritische Gegenstimmen aus Wissenschaft und Öffentlichkeit weiter sichtbar bleiben.

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✊ Friedensbewegung, Ziviler Widerstand & Gesellschaft

Rundbrief 128 des Lebenshauses Alb

Der Rundbrief versammelt friedenspolitische Analysen, Bewegungsdebatten und praktische Hinweise aus der Zivilgesellschaft. Er steht für eine Form politischer Arbeit, die konsequent auf Gewaltfreiheit, Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung setzt.

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Der Frieden in Kolumbien – zehn Jahre nach dem Friedensabkommen (Radio Dreyeckland)

Der Beitrag zieht eine nüchterne Bilanz: Der Friedensprozess ist widersprüchlich, aber nicht gescheitert. Gerade Kolumbien zeigt, dass Friedensabkommen selten geradlinig verlaufen – und dennoch unendlich viel sinnvoller sind als die Fortsetzung bewaffneter Gewalt.

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Ostermärsche werden jünger (nd-aktuell)

Der Bericht zeigt, dass die Friedensbewegung neue Generationen erreicht. Das ist ermutigend, weil es nahelegt, dass Widerstand gegen Krieg und Aufrüstung keineswegs ein aussterbendes politisches Milieu ist.

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Lebenshaus Alb – Aktion

Die Aktionsseite verweist auf konkrete zivilgesellschaftliche Möglichkeiten, sich gegen Krieg und Militarisierung zu engagieren. Gerade solche niedrigschwelligen Formen des Mitmachens sind wichtig, damit Friedenspolitik nicht abstrakt bleibt.

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Europäische Bürgerinitiative

Die Plattform zeigt, dass friedenspolitisches Engagement auch auf europäischer Ebene demokratisch eingebracht werden kann. Solche Instrumente ersetzen keine Bewegung auf der Straße, können sie aber politisch ergänzen.

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Gewaltfreie Aktion – Sicherheitspolitische Entwicklungen

Der erste Hinweis aus dem Newsletter der Gewaltfreien Aktion ordnet aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen kritisch ein. Er erinnert daran, dass Aufrüstung nicht alternativlos ist und gerade in Krisenzeiten zivile und gewaltfreie Perspektiven sichtbar gemacht werden müssen.

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Gewaltfreie Aktion – Internationale Akteure in aktuellen Konflikten

Dieser Newsletter-Beitrag richtet den Blick auf die Rolle internationaler Akteure in Kriegen und Krisen. Er problematisiert, wie machtpolitische Interessen häufig über zivile Konfliktbearbeitung gestellt werden.

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Gewaltfreie Aktion – Die schleichende Normalisierung militärischer Denkweisen

Der dritte Hinweis aus der Gewaltfreien Aktion thematisiert, wie tief militärische Logiken inzwischen in Alltag, Sprache und Politik eingesickert sind. Gerade diese Normalisierung ist gefährlich, weil sie Krieg als selbstverständliche Option erscheinen lässt.

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Videohinweis (YouTube)

Der eingereichte Video-Link ergänzt die Presseschau um eine audiovisuelle Perspektive auf Krieg, Friedenspolitik und öffentliche Debatte. Solche Formate sind wichtig, weil sie oft auch Menschen erreichen, die klassische Artikel oder Dossiers nicht lesen.

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Das Friedenszeitalter ist ganz nah (Charles Eisenstein, deutsch)

Der Text formuliert eine hoffnungsvolle Gegenperspektive zu einer von Krieg und Angst geprägten Gegenwart. Auch wenn manche Thesen eher essayistisch als politisch-praktisch sind, ist die Grundidee wichtig: Frieden braucht nicht nur Analyse, sondern auch Vorstellungskraft.

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💶 Kriegswirtschaft, Energie & Profite

Krisenprofite von Energieunternehmen (ZEIT)

Der Beitrag zeigt, wie Unternehmen in Zeiten von Krieg und Energiekrise enorme Gewinne erzielen können. Er macht damit deutlich, dass militärische und geopolitische Eskalationen nicht nur Opfer und Zerstörung produzieren, sondern auch Gewinner.

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Hinweis

Den Verweis „Rundbrief 1/2026 – Bund für Soziale Verteidigung e.V.“ habe ich inhaltlich mitgedacht, aber in deinen Nachrichten war dazu keine eigene URL enthalten. Deshalb ist er hier nicht separat verlinkt.

9 April, 2026

Wehrpflicht? Nein, Kriegsdienstzwang! 


Für eine klare Sprache statt Beschönigung und Verharmlosung

Ein Artikel unseres stellvertretendem Vorstands Stefan Philipp, veröffentlicht in der Graswurzelrevolution vom april 2026/508.

Hier zum Download im Original

Im Jahr 2011 war die Wehrpflicht ausgesetzt worden, alle konkreten Verpflichtungen sollten nur im sogenannten Spannungs- oder Verteidigungsfall gelten, also im Krieg. Das hat sich mit dem seit dem 1. Januar 2026 geltenden Wehrdienstmodernisierungsgesetz geändert: Alle jungen Männer werden nun erfasst, müssen einen Fragebogen ausfüllen, sich darin auch zu ihrer Bereitschaft zum Militärdienst äußern und werden ab Mitte 2027 gemustert.

Falls sich nicht genug Personen als Soldat*in zur Bundeswehr, deren Umfang in den nächsten Jahren um mehr als 40 Prozent vergrößert werden soll, melden, kann der Bundestag eine „Bedarfswehrpflicht“ einführen, bei der Männer für die Dienstleistung ausgelost werden. Wie umstritten das alles im Rahmen der Erreichung von „Kriegstüchtigkeit“ (Pistorius), des Strebens nach der „zentralen Führungsmacht“ in Europa (Merz), der Aufrüstung der Bundeswehr zur „konventionell stärksten Armee“ auf dem Kontinent (Klingbeil) ist, zeigten beispielhaft die großen „Schulstreik[s] gegen Wehrpflicht“ im Dezember 2025 und jetzt Anfang März.
„Bedarfswehrpflicht“, „Wehrpflichtlotterie“ … warum immer der Begriff „Wehrpflicht“? Denn eigentlich ist es ganz einfach. Als grundlegendes Freiheitsrecht gegenüber dem Staat garantiert das Grundgesetz (GG) in Artikel 4 Absatz 3: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“ Damit ist dem deutschen Staat von seiner Verfassung im Kern verboten: ein Zwang zum Kriegsdienst, ein Zwangskriegsdienst, ein Kriegsdienstzwang! (Die einzige Voraussetzung ist dabei, dass das Gewissen der von dem Zwang betroffenen Person dem Kriegsdienst entgegensteht.)
Obwohl dieser Begriff des Kriegsdienstzwangs also die korrekte und direkt aus Art. 4 Abs. 3 GG abgeleitete und den Sachverhalt treffende Bezeichnung ist, wird sie nur selten verwendet. Im Bereich der offiziellen Politik und des Militärs sowie in der Sprache der Gesetze und nachfolgend der Administration und der Gerichte wird von der Wehrpflicht gesprochen. Wehrpflicht ist der Begriff (in) der herrschenden Sprache – und eben auch die Sprache der Herrschenden. Dabei taucht dieser Begriff als solcher im Grundgesetz an keiner Stelle auf.
Eingeführt wurde der Kriegsdienstzwang im Zuge der Remilitarisierung Westdeutschlands mit der Verabschiedung des Wehrpflichtgesetzes durch den Bundestag am 7. Juli 1956. Eine ausdrückliche verfassungsrechtliche Grundlage gab es dafür zunächst nicht, allerdings war zuvor, am 6. März 1956, das Grundgesetz durch den Artikel 87a so ergänzt worden, dass „Streitkräfte zur Verteidigung“ aufgestellt werden (müssen). Auf Verfassungsebene wurde die sogenannte Wehrpflicht dann im Rahmen der Notstandsgesetzgebung 1968 durch den Art.12a GG so normiert, dass über 18-jährige Männer „zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband“ verpflichtet werden können. Das Bundesverfassungsgericht hat 1978 entschieden, dass die vom Grundgesetz geforderte militärische Verteidigung vom Gesetzgeber entweder durch Zwang oder aber durch Freiwilligkeit organisiert werden kann.

Zum Unterschied zwischen Zwang und Pflicht

Was den wesentlichen Unterschied zwischen Pflicht und Zwang ausmacht, zeigt der Blick ins Wörterbuch. Danach ist Zwang eine äußere Einwirkung, etwas zu tun oder zu unterlassen, unter Anwendung oder Androhung von Gewalt gegen den eigenen Willen und auch damit eine Freiheitsbeschränkung. Eine Pflicht hingegen ist wesentlich dadurch gekennzeichnet, dass sie aus eigener Einsicht als notwendig erkannt und übernommen wird. Die Pflichterfüllung erfolgt also weitgehend freiwillig, Sanktionsandrohungen zur Brechung des eigenen und entgegenstehenden Willens sind nicht notwendig.
Bei einer Google-Anfrage nach dem Unterschied zwischen Pflicht und Zwang lautet die von sogenannter künstlicher Intelligenz generierte Antwort in der Zusammenfassung: „Pflicht ist eine einzusehende Notwendigkeit, Zwang ist eine ausgeübte Gewalt.“
Obwohl, ganz im Sinn staatlicher Herrschaftslogik, beim Kriegsdienstzwang offiziell von Pflicht gesprochen und das Wort Zwang vermieden wird, drohen bei Verweigerung der Diensterfüllung massivste Sanktionen; es kommt dann zum Einsatz des Strafrechts, bekanntlich „das schärfste Schwert des Staates im Umgang mit seinen Bürgerinnen“. Das zeitgleich mit der „Wehrpflicht“ eingeführte Wehrstrafgesetz (WStG) sieht für „Straftaten gegen die Pflicht zur militärischen Dienstleistung“ Freiheitsstrafen, also Gefängnis, bis zu fünf Jahren vor („Fahnenflucht“, §  16 WStG); wer als Soldatin Befehle verweigert, muss mit bis zu drei Jahren Gefängnis rechnen („Gehorsamsverweigerung“, § 20 WStG). Weil der Zivildienst, der nach Art. 4 Abs. 3 GG staatlich anerkannten Kriegsdienstverweigerer ebenfalls „Erfüllung der Wehrpflicht“ (§ 3 Abs. 1 WPflG) und ein bloßer Ersatz ist, gelten für Zivildienstleistende analoge Strafandrohungen nach dem Zivildienstgesetz („Dienstflucht“, § 53 ZDG; „Nichtbefolgen von Anordnungen“, § 54 ZDG).

Dienst im, für und am Krieg und das „Wehren“

Sich-wehren gegen Unrecht und Angriff ist richtig und erlaubt, wenn und solange es verhältnismäßig ist. Kriegsdienst ist jeder Dienst im, für und am Krieg. Dieser ist nie verhältnismäßig, ist selbst Unrecht und trifft immer Unschuldige und die Zivilbevölkerung. Und die Behauptung vom Sich-wehren ist häufig umstritten oder glatte Lüge – man denke z.B. an die falsche Behauptung „Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen“ von Adolf Hitler am 1. September 1939 im Reichstag, mit der Deutschland den Zweiten Weltkrieg begann.
Militär ist insgesamt eine Zwangsveranstaltung mit rigider Hierarchie, organisiert nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam und als Instrument konstruktiver Konfliktlösung und fairen Interessensausgleichs ungeeignet.
Das wichtigste Mittel gegen den Kriegsdienstzwang ist die Kriegsdienstverweigerung (KDV) – als persönliche und als gemeinsame Handlung; gegen alle Kriegsdienste und nicht nur gegen den direkten im Militär; national und international.
Staaten- und länderübergreifend gibt es seit 1921 die War Resisters´ International (WRI), deren Mitglieder jeden Krieg als Verbrechen ablehnen und Kriegsdienste ablehnen und verweigern. Auf Deutsch wird die WRI gewöhnlich als Internationale der Kriegsdienstgegnerinnen bezeichnet. Auch wenn diese Übersetzung im Blick auf das englische „resist“ verkürzt erscheint, macht sie im hier thematisierten Zusammenhang deutlich, dass es um den Widerstand gegen Kriegsdienste geht. In der BRD gibt es sieben Mitgliedsorganisationen der WRI, darunter die Graswurzelrevolution, von denen vor allem diese beiden sich schwerpunktmäßig mit der KDV beschäftigen: die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen (DFG-VK) und die Internationale der Kriegsdienstgegner*innen (IDK). (Daneben bieten auch die evangelische und die katholische Kirche Beratung zu Fragen der KDV an.)

Das Elend der Kriegsdienstverweigerung nach Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz

Wer sich in Deutschland mit KDV beschäftigt, der steht vor diesem Dilemma: Die verfassungsrechtliche Schutzvorschrift des Art. 4 Abs. 3 GG, die gesetzliche Umsetzung in v.a. dem Wehrpflichtgesetz (WPflG), dem „Gesetz über die Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe aus Gewissensgründen“ (KDVG) und dem Zivildienstgesetz (ZDG), das Handeln der Verwaltungsbehörden und die Rechtsprechung der Gerichte zeigen: Zwar ist das KDV-Grundrecht ein nicht zu unterschätzender zivilisatorischer Fortschritt, der nicht zuletzt der massenhaften Verfolgung von Kriegsdienstverweigerern, Deserteuren und „Wehrkraftzersetzern“ in Nazi-Deutschland geschuldet ist, von einem Menschenrecht auf KDV ist es aber weit entfernt; dann müsste es nämlich uneingeschränkt gelten.
So ist aber ausschließlich die Entscheidung gegen den Kriegsdienst mit der Waffe geschützt, nicht aber die gegen andere erzwungene unterstützende Tätigkeiten im, für und am Krieg. Erschwerend kommt dazu, dass Kriegsdienstverweigerer dann, wenn Männer zum Soldatsein gezwungen werden, einen Ersatz in Form des Zivildienstes leisten müssen. Exakt damit erfüllen auch sie den abgelehnten Kriegsdienstzwang („Die Wehrpflicht wird durch den Wehrdienst oder im Falle des § 1 des Kriegsdienstverweigerungsgesetzes [staatliche Anerkennung als KDVer] durch den Zivildienst erfüllt.“ – § 3 Abs. 1 WPflG).
Die zweite Einschränkung besteht in dem Erfordernis „gegen sein Gewissen“. Genau wie die Freiheit des Glaubens und die des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses ist die Gewissensfreiheit gemäß Art. 4 Abs. 1 GG „unverletzlich“. Sie darf staatlicherseits nicht beschränkt und angetastet, sondern muss geschützt werden. Das Bundesverfassungsgericht hat sich allerdings in seiner Rechtsprechung dazu verstiegen, dass die Reichweite der Gewissensfreiheit im Bereich der Wehrpflicht durch Art. 4 Abs. 3 GG „abschließend geregelt“ sei. Dabei ist es hochproblematisch, dass überhaupt ein Antrag zur Inanspruchnahme des Grundrechts gestellt werden muss. Durch die Ausgestaltung des KDV-Anerkennungsverfahrens kann der Staat die Zahl der Kriegsdienstverweigerer dazu noch steuern.
Für die Gruppen, die zur KDV arbeiten und beraten, stellt sich damit die Frage nach ihrem Ziel und der Strategie.
Die Kirchen betonen zwar immer den Wert der KDV (nach Art. 4 Abs. 3 GG), verstehen ihre Beratungsarbeit aber vor allem als „Gewissensschärfung“. Das mag in vielen Einzelfällen hilfreich sein, eine klare politische Positionierung gegen Militär, Kriegsvorbereitung, Krieg und Kriegsdienstzwang ist es nicht. In ihrer aktuellen „Friedensdenkschrift“ vom November 2025 erklärt die Evangelische Kirche in Deutschland Pazifismus zur Privatsache und rechtfertigt den Kriegsdienstzwang.
Die DFG-VK, die zunächst 1968 aus dem Zusammenschluss der 1892 gegründeten Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) mit Teilen der Internationale der Kriegsdienstgegner (IDK) zur DFG-IDK und dann 1974 aus der Fusion mit dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) hervorgegangen ist, hat eine jahrzehntelange Erfahrung in der Beratung von KDVern zur Erlangung der staatlichen Anerkennung. Programmatisch tritt sie zwar für „die Verweigerung aller militärischen und nichtmilitärischen Kriegsdienste als einen Beitrag gegen Krieg und Kriegsvorbereitung“ ein. In der Breite dieser Friedensorganisation wird der Kriegsdienstzwang als solcher aber wenig problematisiert und politisch angegriffen. Mehrheitlich wird die Strategie verfolgt, die Zahl der KDV-Anträge als Zeichen des Protests gegen „Kriegstüchtigkeit“ zu steigern. Deshalb wird sogar denjenigen, die aufgrund der geltenden Rechtslage und der Verwaltungspraxis gar nicht mit einer Einberufung zur Bundeswehr rechnen müssen, zur KDV-Antragstellung geraten, was zwangsläufig zu einer Musterung führt und die dann staatlich anerkannten KDVer zu potenziellen Zivildienstleistenden macht. Das scheint mir insgesamt doch eher zu einer Integration in das „Wehrpflicht-System“ zu führen, als dem politischen und widerständigen Anspruch von „Vereinigten Kriegsdienstgegner*innen“ zu entsprechen.
Die IDK hat ein umfassendes Verständnis von Kriegsdienstverweigerung. Es umfasst auch alle kriegsunterstützenden Tätigkeiten in Betrieb, Schule, Universität etc. und die Zwangsdienste, die nach Artikel 12a GG neben Militär- und Ersatzdienst im Kriegsfall vorgesehen sind. Im Bereich der sog. Wehrpflicht neben der „normalen 4/3-KDV-Beratung“ informiert und agitiert sie auch über die Verweigerung der Erfassung und der Musterung bis hin zur Totalverweigerung, also der konsequenten Nicht-Zusammenarbeit mit dem Zwangsdienstsystem.

Fazit

Dieses Dilemma bleibt: Die Herrschenden sprechen von Wehrpflicht und verschleiern damit den Zwangscharakter dieser Rekrutierungsmethode – und zu viele lassen sich davon einlullen und halten es für normal, dass der Staat seine Bürger*innen zu Kriegsdiensten zwingt.
Protest und Widerstand dagegen sind nötig – und möglich durch die Wahrnehmung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung. In Deutschland ist dieses Recht durch die Einschränkung auf den „Kriegsdienst mit der Waffe“ und die Beschränkung auf Gewissensgründe nur unzureichend gegeben. Die nach diesem reduzierten Recht staatlich anerkannten Kriegsdienstverweigerer sind in das System des Kriegsdienstzwangs integriert, die anderen landen vor Gericht und im Gefängnis.
Das Gerede von der Wehrpflicht als staatsbürgerlicher Aufgabe ist genauso wie die Forderung nach Kriegstüchtigkeit Teil der Kriegspropaganda. Aus pazifistischer, antimilitaristischer und aus menschenrechtlicher Sicht gibt es nur diese Wehrpflicht: Die Pflicht, sich zu wehren gegen jeden Kriegsdienstzwang!

Stefan Philipp

Stefan Philipp ist stellvertretender Vorsitzender des DFG-VK-Landesverbands Baden-Württemberg. Er war 25 Jahre lang bis 2024 Chefredakteur der DFG-VK-Zeitschrift „ZivilCourage“. In den 1980er Jahren verweigerte er die Musterung, lehnte die Stellung eines KDV-Antrags ab, folgte der Einberufung zur Bundeswehr nicht, wurde von „Feldjägern“ festgenommen, dann zwei Monate in der Kaserne inhaftiert und danach wegen „Fahnenflucht“ und „Gehorsamsverweigerung“ zu einer 15-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

11 März, 2026

online: Zurück in die Zukunft – Macht der Wehrdienst uns sicherer?

März 19 @ 18:30 – 20:00

Mitte Januar flatterte allen Jugendlichen des Jahrgangs 2008 eine Einladung zur Musterung in den Briefkasten – für Jungen ist sie verpflichtend, für Mädchen freiwillig. Die nachfolgenden Jahrgänge könnten sogar wieder zu einem verpflichtenden Wehrdienst eingezogen werden. Schon jetzt steigen die Zahlen derjenigen, die den Kriegsdienst verweigern, rasant, entsprechende Beratungsstellen können die Flut der Anfragen kaum bewältigen.

Die junge Generation ist jetzt gezwungen sich wieder ernsthaft und persönlich mit Krieg und Frieden auseinanderzusetzen. Doch dieses Thema sollte alle Menschen beschäftigen. Wehrhaftigkeit und Verteidigungsfähigkeit dringen längst in alle Bereiche von Gesellschaft ein: wehrhafte Demokratie, resiliente Infrastrukturen. Höchste Zeit also der Frage nachzugehen: Was macht unsere Gesellschaft wehrhaft, und wie können wir unsere Friedensfähigkeit erhalten?

Darüber diskutieren wir mit:

  • Sandra Klaft, Projektleiterin Peace for Future
  • Winni Nachtwei, ehemaliger Abgeordneter im Deutschen Bundestag, Leutnant der Reserve und Mitglied im Beirat Zivile Krisenprävention und Friedensförderung der Bundesregierung
  • N.N., Landesschülervertretung Nordrhein-Westfalen (angefragt)

Moderation: Christoph Bongard, Leiter Kommunikation & Politik von Pro Peace

Zeit: Donnerstag, 19.03.2026, 18:30 – 20:00 Uhr
Ort: Online (Link wird bei Anmeldung mitgeteilt)

Sprache: Deutsch
Gebühr: kostenlos

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9 Februar, 2026

Speyer: Einführung der Wehrpflicht – ohne uns!

Februar 26 @ 19:00 – 21:00

„Der Krieg kann nur auf eine einzige Weise verhindert werden:

durch die Weigerung der Menschen, in den Krieg zu gehen.“

— Albert Einstein

Wenn Politik wieder über Wehrpflicht, Musterung und „Kriegstüchtigkeit“ spricht, sind das die entscheidenden Fragen:

👉 Muss ich mich mustern lassen?

👉 Muss ich zum Militär?

👉 Welche Rechte habe ich?

👉 Was kann ich tun, wenn ich nicht töten will – oder auch nicht getötet werden?

Genau darum geht es bei dieser Veranstaltung:

📍 Info & Diskussion zur Wehrpflicht

🗓 26. Februar, 19:00 Uhr

📌 Naturfreundehaus Speyer, Geibstraße 1

Mit Jonas Fehrenbach, Geschäftsführer des Landesverbands Baden-Württemberg der DFG-VK,

und Gabi Weiland von der DFG-VK Mannheim-Ludwigshafen.

Es geht um Information statt Angstmache.

Um Rechte statt Befehle.

Und um das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung.

Denn:

Nein zu sagen ist kein Verbrechen.

Es ist ein Menschenrecht.

Und gerade jetzt wichtiger denn je.

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6 Februar, 2026

Kriegsdienstverweigerung als Zivilist: So geht´s!

Diese Grafik kann auch als Poster kann in unserem Pazifix Shop bestellt werden. Wir finden, so kann man einen guten Überblick über den Prozess der Verweigerung des Kriegszwangsdienstes bekommen. Natürlich beraten wir alle die verweigern wollen auch persönlich und kümmern uns zusammen darum, dass jede Verweigerung auch anerkannt wird. Mehr Informationen auch zu euren individuellen Berater*innen aus eurer Region, findet ihr auf verweigern.info.

Ihr wollt uns unterstützen. Wir freuen uns auf Mitstreiter*innen für eine friedlichere Zukunft. Menschen, die Konflikte nicht mit Gewalt austragen wollen: von der frühkindlichen Erziehung bis hin zur internationalen Staatengemeinschaft und alles dazwischen: Gewaltfreiheit ist Zukunft!

Hier könnt ihr Mitglied bei der DFG-VK werden. Pazifismus seit 1892. Mach mit!

5 Februar, 2026

Herrenberg: Update Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung

März 20 @ 19:00 – 21:00

Infoveranstaltung zum Grundrecht nach Art.4(3) GG

Für Betroffene, Eltern, Ehren- und Hauptamtliche in Jugendgruppen und Vereinen, Lehrkräfte und Interessierte

DFG-VK Herrenberg-Böblingen

kdv-beratung-herrenberg@vodafonemail.de

Jugendhaus Herrenberg

Schießmauerstraße 20
Herrenberg,
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4 Dezember, 2025

Verweigert! Der 2. Kongress gegen den neuen Wehrdienst – und für die Verweigerung aller Kriegsdienste. Am 11. und 12. April 2026 im Stadtteilzentrum Vorderer Westen in Kassel.

Die von der Bundesregierung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 ausgerufene militärische „Zeitenwende“ hat zu einer massiven Aufrüstung der Bundeswehr geführt. Neben neuer Ausrüstung soll es auch neues Personal geben, um die neuen Waffen zu bedienen: Von aktuell rund 180.000 soll die deutsche Armee in den nächsten Jahren auf über 260.000 Soldat*innen wachsen. Damit soll Deutschland „kriegstüchtig“ gemacht werden.

Um genug junge Menschen für den Armeedienst zu bekommen, will die Bundesregierung noch 2025 die Reaktivierung der – lediglich ausgesetzten – Wehrpflicht beschließen: Ab Anfang 2026 sollen alle jungen Menschen Werbebriefe der Armee erhalten (und junge Männer gezwungen werden einen Fragebogen auszufüllen). Auch soll wieder eine Wehrerfassung und Wehrüberwachung stattfinden. Ab 2027 sind dann auch wieder Zwangsmusterungen geplant. Informationen darüber, wie man den Dienst in der Armee – auch vorab schon – verweigern kann, gibt es auf www.verweigern.info

Junge Menschen lehnen den Dienst an der Waffe mehrheitlich ab. Die Zahl der KDV-Anträge steigt ebenso wie die Anfragen an Beratungsstellen rasant: Kriegsdienstverweigerung ist (leider) wieder Thema!

Weitere Infos hier.

April 11 – April 12

DFG-VK

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