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U18nie

28 Mai, 2026

Petition: Frieden in den Lehrplan!

Wir haben inzwischen unterschrieben. Du/ihr auch?

An die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz

Anna Stolz

Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus

Die aktuellen Kriege betreffen junge Menschen in besonderer Weise: Sie sollen Wehrdienst leisten. Die riesigen Schulden für Aufrüstung gehen zulasten von Investitionen in ihre Zukunft – etwa in Bildung oder Klimaschutz. Gleichzeitig spiegeln sich internationale Konflikte wie der Krieg in der Ukraine oder die Situation im Nahen Osten längst im Schulalltag wider.

Junge Menschen haben ein Recht auf Mitsprache. Um dieses Recht informiert ausüben und eine friedliche Zukunft aktiv mitgestalten zu können, brauchen sie die Möglichkeit, sich differenziert mit den Themen Krieg und Frieden auseinanderzusetzen.

Darum fordern wir: Frieden in den Lehrplan!

  • Friedensbildung von der Grundschule bis zur Oberstufe verbindlich in die Curricula aufnehmen
  • Friedensbildung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften stärken
  • Mehr Fachleute für Friedensbildung an Schulen – statt ausschließlich Jugendoffiziere der Bundeswehr

Warum das wichtig ist

1. Friedensbildung von der Grundschule bis zur Oberstufe in die Curricula aufnehmen

Friedensbildung bedeutet weit mehr als die Vermittlung von Wissen über Krieg und Frieden. Sie stärkt Kompetenzen für einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten – zwischen Menschen ebenso wie in der Gesellschaft insgesamt. Darüber hinaus fördert sie friedensorientierte Haltungen und verantwortungsbewusstes Handeln im eigenen Umfeld.

Gerade angesichts eskalierender Konflikte weltweit und zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung brauchen wir diese Kompetenzen dringender denn je.

Friedensbildung sollte deshalb bereits in der Grundschule beginnen und in allen Schulformen kontinuierlich bis zur Oberstufe verankert werden.

2. Friedensbildung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften stärken

Gesellschaftliche und internationale Konflikte machen auch vor Schulen nicht halt. Lehrkräfte erleben diese Spannungen täglich im Unterricht und im sozialen Miteinander der Schülerinnen und Schüler.

Deshalb sollte Friedensbildung bereits im Lehramtsstudium, im Referendariat und in der Fortbildung von Lehrkräften deutlich stärker berücksichtigt werden.

Dafür braucht es:

  • Lehrstühle für Friedensbildung an Hochschulen und Universitäten
  • Fachstellen für Friedensbildung in allen Bundesländern
  • Fortbildungsangebote und Materialien für Schulen und Lehrkräfte
  • Eine stärkere Vernetzung schulischer und außerschulischer Akteure

3. Mehr Fachleute für Friedensbildung an Schulen – statt nur Jugendoffiziere der Bundeswehr

Derzeit dominiert die Bundeswehr über ihre Jugendoffiziere als außerschulischer Akteur bei Fragen zu Krieg und Frieden. Dabei haben einzelne Bundesländer bereits beschlossen, unterschiedliche Perspektiven ausgewogen zu repräsentieren.

Die Bildungspolitik muss daher Strukturen wie Servicestellen für Friedensbildung stärken und entsprechende Förderprogramme ausbauen. Ziel muss sein, dass mehr unabhängige Fachleute für Friedensbildung an Schulen tätig werden können.

Warum sich die Petition an die Bildungsministerkonferenz richtet

Bildungspolitik ist in Deutschland Ländersache. Gemeinsame Beschlüsse der Bildungsministerinnen und Bildungsminister haben jedoch eine hohe Verbindlichkeit und prägen Lehrpläne sowie die Ausbildung von Lehrkräften in allen Bundesländern.

Deshalb richtet sich diese Petition an die Bildungsministerkonferenz. Sie soll einen Beschluss zur Friedensbildung fassen und einen entsprechenden Orientierungsrahmen entwickeln.

Für Themen wie Demokratiebildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung existieren bereits vergleichbare Empfehlungen. Für Friedensbildung fehlen solche bundesweiten Leitlinien bislang.

Angesichts der wachsenden Bedeutung friedens- und sicherheitspolitischer Fragen für die Lebensrealität junger Menschen ist es notwendig, Friedensbildung in allen Bundesländern deutlich zu stärken.

Was ist Friedensbildung?

Friedensbildung vermittelt Kompetenzen für einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten – sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher und internationaler Ebene.

Frieden wird dabei nicht nur als Abwesenheit von Krieg verstanden, sondern als fortlaufender Prozess, in dem Gewalt reduziert und Gerechtigkeit gestärkt wird. Friedensbildung vermittelt somit die Haltung, dass Frieden eine gemeinsame und dauerhafte Aufgabe ist.

Internationale Verpflichtung Deutschlands

Deutschland ist international verpflichtet, Friedensbildung auszubauen.

Die UNESCO verabschiedete im Jahr 2023 eine „Empfehlung für Friedensbildung“. Darin heißt es:

„Im Zentrum der neuen UNESCO-Empfehlung steht das moderne, umfassende Friedensverständnis. Frieden ist demnach nicht nur die Abwesenheit von Krieg und unmittelbarer Gewalt, sondern ein Prozess, in dem Menschen zusammenwirken, um eine gerechte, nachhaltige und inklusive Zukunft aktiv mitzugestalten. Aufgabe der Bildung ist nach dem neuen Völkerrecht, allen Menschen das Handwerkszeug zu vermitteln, Frieden zu leben.“

Deutschland ist aufgefordert, diese Empfehlungen umzusetzen und Friedensbildung entsprechend zu stärken.

Aufrufende Organisationen

(Stand: 16.04.2026)

  • Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V.
  • Bildungswerk der DFG-VK Hessen
  • Bund für Soziale Verteidigung
  • Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner NRW
  • Friedensdorf Bildungswerk
  • KURVE Wustrow – Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V.
  • Peace for Future
  • Pro Peace – Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
  • Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Mitmachen

Die Petition soll Ende Mai auf OpenPetition starten. Bis dahin können Organisationen das Bündnis unterstützen und mit ihrem Logo auf der Petitionsseite erscheinen. Außerdem werden Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner gesucht – insbesondere Personen aus Wissenschaft und Schule.

Für Organisationen

Unterstützung der Petition erklären

Für Einzelpersonen

Jetzt Erstunterzeichner*in werden

Kontakt

Pro Peace

Christoph Bongard
Leiter Kommunikation & Politik
E-Mail: christoph.bongard@propeace.de

Christine Lieser
Referentin für Friedensbildung
E-Mail: christine.lieser@propeace.de

Hannah Sanders
Referentin für Medien und politische Kommunikation
E-Mail: hannah.sanders@propeace.de

2 März, 2026

PRESSEMITTEILUNG: Anstieg um 42 Prozent: Bundeswehr ist eine der Armeen mit den meisten minderjährigen Soldatinnen und Soldaten weltweit

Zahlreiche Organisationen fordern Minister Pistorius in einem offenen Brief auf, die Rekrutierung von minderjährigen Jungen und Mädchen als Soldatinnen und Soldaten und Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu stoppen

Berlin, 27.2.2026. In einem offenen Brief fordern 18 Organisationen und 6 Dachverbände mit über 230 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Frieden, Umwelt, Kirche und Gewerkschaft mit zusammen über einer halben Million Mitgliedern Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf, das Rekrutierungsalter für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf 18 Jahre anzuheben und Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu beenden. Der Minister könnte dies sofort durch eine Dienstanweisung umsetzen.

„Im Jahr 2025 hat die Bundeswehr 3.131 Jungen und Mädchen im Alter von 17 Jahren als Soldatinnen und Soldaten rekrutiert – das ist ein trauriger neuer Höchstwert und ein Anstieg um 42% gegenüber dem Vorjahr, jeder achte neueingestellte Soldat war minderjährig. Damit ist die Bundeswehr eine der Armeen mit den meisten minderjährigen Soldatinnen und Soldaten weltweit“, sagt Ralf Willinger von der Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes, Sprecher vom Bündnis Unter 18 Nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr. Nur wenige Armeen weltweit rekrutieren überhaupt noch Minderjährige, über 150 Länder halten den sogenannten Straight18-Standard ein und rekrutieren nur Volljährige als Soldatinnen und Soldaten.

„Die von der Bundeswehr rekrutierten Jungen und Mädchen kommen direkt von der Schule, wo strenge Kindesschutzregeln gelten, sie dürfen als Minderjährige nicht selbst Auto fahren und keine Computer-Schießspiele spielen“, so Willinger. „Als Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten durchlaufen sie dann aber zusammen mit Erwachsenen ein hartes militärisches Kampftraining an der Waffe, sie fahren Panzer und müssen in Übungen und Kampfsimulatoren virtuell Menschen töten. Dabei werden weder das Jugendschutzgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Kinderrechtskonvention, die ILO-Konvention 182 noch andere wichtige Schutzregeln eingehalten. Jedes Jahr werden viele von ihnen Opfer sexueller Gewalt, erleiden Unfälle und erkranken psychisch, wie Regierungszahlen belegen. Auch unter den Opfern sexueller Gewalt in einer Bundeswehrkaserne in Zweibrücken, wo aktuell gegen 55 Soldaten ermittelt wird, war mindestens eine minderjährige Soldatin.“

„Wer wie die Bundesregierung Respekt für Soldatinnen und Soldaten einfordert, muss vor allem die Kinderrechte und Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen respektieren“, sagt Martina Schmerr von der GEW, Sprecherin von Unter 18 Nie. „Wir als Bildungsgewerkschaft kritisieren scharf, dass immer mehr Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten, sogenannte Jugendoffiziere und Karriereberater, an Schulen geschickt werden und dort Schülerinnen und Schüler beeinflussen. Schulen müssen ein geschützter Raum zum Lernen sein, kein Rekrutierungsfeld für Soldaten. Die Werbeoffensive der Bundeswehr an Schulen besorgt und verärgert auch viele Eltern, Lehrkräfte und Schüler und Schülerinnen.“

Hintergrund: Kinderrechtsverletzungen, internationale Kritik und negatives Vorbild

Daten des Verteidigungsministeriums belegen, dass minderjährige Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr regelmäßig Opfer von sexueller Gewalt (in 2023: 15), Unfällen (in 2023: 35) und psychischer Erkrankungen werden. Deutschland wird für die Rekrutierung Minderjähriger als Soldatinnen und Soldaten vom Kinderrechteausschuss der Vereinten Nationen und vielen Staaten wie dem NATO-Land Schweden im UN-Menschenrechtsrat kritisiert. Die große Mehrheit, über 150 Länder weltweit (darunter 24 NATO-Länder), halten den 18-Jahre-Standard der Vereinten Nationen ein. Die Rekrutierung unter 18-Jähriger als Soldat:innen ist international geächtet und wird nur noch von wenigen Ländern praktiziert. Kindersoldat:innen sind nach der Definition der Vereinten Nationen in den Pariser Prinzipien, die auch Deutschland unterschrieben hat, alle minderjährigen Mitglieder von Armeen oder bewaffneten Gruppen, egal in welcher Funktion oder Rolle. Armeen und bewaffnete Gruppen in anderen Ländern, die noch Kindersoldat:innen rekrutieren, rechtfertigen dies mit Verweis darauf, dass Deutschland dies auch tut – statt die internationale Ächtung der Rekrutierung von Jugendlichen unter 18 Jahren als Soldat:innen zu stärken, untergräbt sie Deutschland und wirkt als negatives Vorbild.

Weitere Informationen

  • Offener Brief an Minister Pistorius
  • Interviews mit minderjährigen Bundeswehrsoldaten
  • Studie „Why 18 matters – eine Analyse der Rekrutierung von Kindern“ (2019)

Kontakte: Sprecher des Bündnisses Unter 18 Nie

Ralf Willinger, Terre des Hommes Deutschland, r.willinger@tdh.de, Tel. 0541-7101-108

Martina Schmerr, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – Hauptvorstand, martina.schmerr@gew.de , Tel. 069-789 73-322

Michael Schulze von Glasser, Deutsche Friedensgesellschaft DFG-VK, svg@dfg-vk.de

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