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Schulstreik gegen wehrpflicht

19 Juni, 2026

Streiken statt schießen

Anna und Jakob von Schulstreik gegen Wehrpflicht in Frankfurt erklären, wie es nach drei bundesweiten Aktionstagen weitergeht

Interview: Hêlîn Dirik

Der nächste Streiktag gegen Wehrpflicht ist in Planung – aber dabei allein bleibt es nicht. Foto: Schulstreik gegen Wehrpflicht FFM

Im Dezember wurde ein neues Wehrdienstgesetz beschlossen, das seit dem 1. Januar 18-jährige Männer verpflichtet, Fragebögen der Bundeswehr auszufüllen. Verpflichtende Musterungen sollen ab Juli 2027 beginnen. Die Schulstreik-gegen-Wehrpflicht-Bewegung organisiert sich dagegen und hat diesen Monat ein drittes Mal bundesweit gestreikt. Anna und Jakob, die den Schulstreik in Frankfurt am Main mitorganisieren, sprechen im Interview darüber, was als Nächstes ansteht und wie es mit den Schulstreiks weitergeht.

Ihr habt am 8. Mai euren dritten Streik seit Dezember durchgeführt. Wie lief es diesmal, und was war anders im Vergleich zu den Streiks davor?

Jakob: Wir haben mit dem Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus einen geschichtsträchtigen Tag zum Streiken gewählt und wollten damit bewusst ein Zeichen setzen gegen Krieg, Militarisierung und Faschismus. Hier in Frankfurt am Main waren diesmal um die 600 Schüler*innen auf den Straßen, also schon etwas weniger als beim letzten Mal, aber die Energie war trotzdem stark. Wenn man sich Umfragen von Schüler*innen für Schüler*innen ansieht, merkt man, dass das Thema immer noch viele beschäftigt und es eine riesige Ablehnung der Wehrpflicht gibt. Viele haben weiterhin Angst, eingezogen zu werden und für Deutschland kämpfen und sterben zu müssen.

Anna: Die letzte Demo im März hier war sehr davon geprägt, dass alle möglichen organisierten Gruppen da waren und Präsenz gezeigt haben. Diesmal war es schon mehr eine Schüler*innen-Demo, und es waren deutlich mehr jüngere Schüler*innen dabei. Das liegt auch daran, dass wir in den letzten Wochen Schulgruppen aufgebaut haben, von ihnen waren einige da und sehr sichtbar.

Was sind diese Schulgruppen?

Jakob: Wir haben an verschiedenen Schulen welche gegründet, mit dem Ziel, dass wir Schüler*innen anfangen, uns mehr selbst zu organisieren und für uns selbst zu arbeiten. Die Schüler*innen einer Schule tun sich dann zusammen, bemalen zusammen Plakate, machen Umfragen zur Wehrpflicht, flyern und treten in Kontakt mit anderen Schüler*innen, um zu mobilisieren und zu diskutieren. Sie reisen dann meist auch gemeinsam zu den Demos an – das gibt ein schönes Bild, wenn dann Plakate zu sehen sind mit »Schule xy gegen die Wehrpflicht«.

Anna und Jakob

Jakob, 16, ist seit Beginn bei den Schulstreiks aktiv und hat eine Schulgruppe gegen Wehrpflicht aufgebaut. Anna, 25, ist in einer Jugendorganisation aktiv und unterstützt den Aufbau der Schulstreikbewegung.

Woran lag es eurer Meinung nach, dass es diesmal weniger Beteiligung gab?

Anna: Zum einen an Abitur-Prüfungen, aber es gab auch viele Versuche der medialen Einschüchterung und staatlicher Repression. Das sorgt für Frustration und hält Schüler*innen von vielen Aktionen ab. Es gibt einige Schulleitungen, die unseren Streiks gegenüber positiver eingestellt sind und sogar sagen, dass sie keine Fehlstunden eintragen. Aber eben auch Schulen, bei denen die Schultore verschlossen wurden, um die Schüler*innen vom Streiken abzuhalten. Ein Schüler, der den Streik an seiner Schule groß gemacht hat, hat sogar eine Klassenkonferenz bekommen, weil er geflyert hat. Lehrer*innen haben ihm auch vorgeworfen, dass er Schüler*innen zum Schwänzen animieren würde. Viele von ihnen scheinen zu vergessen, dass im Hessischen Schulgesetz auch steht, dass Lehrer*innen und Schulen einen Auftrag für Friedensbildung haben.

Wir hoffen, dass eine starke internationale Bewegung gegen Krieg entsteht.

Jakob: Es gab einen Artikel der Hessenschau, der behauptete, unsere Schulstreiks seien von der SDAJ gesteuert. Ich weiß, dass auch das einige davon abgehalten hat zu kommen. Medial wird versucht, uns als Schulstreikende schlecht dastehen zu lassen und Angst zu schüren. Auch der Verfassungsschutz hat noch am Tag vor den Streiks vor uns gewarnt. In Teilen stimmt es ja auch, dass auch Schüler*innen, die bei der SDAJ organisiert sind, Teil des Streikbündnisses sind. Aber das ist nur ein kleiner Teil und liegt eben daran, dass es schon immer ein linkes und auch kommunistisches Interesse war, Krieg zu verhindern. Es steuert uns aber niemand, wir sind eine basisdemokratische Bewegung. Am Ende stehen wir als Schüler*innen gemeinsam gegen Wehrpflicht und Krieg und werden uns weder vom Verfassungsschutz noch von medialer Diffamierung spalten lassen.

Ihr habt drei Streiktage und zwei bundesweite Streikkonferenzen hinter euch. Wie sieht euer Fahrplan für die nächste Zeit aus? Bleibt ihr dabei, alle paar Monate zu streiken, oder habt ihr noch anderes vor?

Jakob: Die Streiks werden wir auf alle Fälle fortsetzen, das ist für uns das effektivste Mittel. Sie sind ein starkes Zeichen und zeigen, wie ernst wir es meinen. Wir gehen nicht zur Schule, lernen nicht, lassen die Klassenräume leer und stellen uns so gegen die Pläne der Regierung. Bis zum nächsten Streik im Herbst wollen wir unsere Organisierung stärken und ausbauen.

Anna: Wir werden uns jetzt auch vermehrt dagegen organisieren, dass Bundeswehroffiziere an Schulen kommen. Aber auch Aktionen zum Veteranentag nächsten Monat, weitere Streikkonferenzen und die Teilnahme an den Friedensdemos am 3. Oktober sind geplant. Wir wollen außerdem Bündnisse stärken und die Bewegung so breit aufziehen, dass alle, die gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht sind, mitmachen können. Aber auch inhaltliche Auseinandersetzungen vertiefen, deshalb findet der nächste Streik auch erst im Herbst statt. So haben wir mehr Zeit für Austausch.

Um welche Themen geht es dabei?

Anna: In Offenbach zum Beispiel haben wir kürzlich eine Veranstaltung über Militarisierung in Deutschland gemacht, in deren Anschluss wir auch das Streikkomitee dort gegründet haben. Wir haben uns da auch Werbevideos der Bundeswehr zusammen angesehen und analysiert, wie gerade Jugendliche dadurch angesprochen werden und was das alles mit uns macht. Bei den Streikkonferenzen haben wir außerdem auch mehr über die Rolle von Frauen in der Bewegung gesprochen, wie Militarisierung Frauen trifft und was es bedeutet, dass eine ganze Generation von Männern in ein Regime von Gehorsam reinerzogen wird. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht würde nicht nur junge Männer ab Jahrgang 2008 betreffen, sondern die Gesellschaft insgesamt, also auch Frauen. Diese Perspektive wollen wir auf den kommenden Demonstrationen und in den lokalen Strukturen weiter vertiefen und diskutieren.

Gibt es ein übergeordnetes Ziel der Bewegung? Und was ist eure persönliche Hoffnung, wie sie sich entwickelt?

Jakob: Meine Hoffnung ist, dass eine starke deutschlandweite, aber auch internationale Bewegung gegen Krieg und Militarisierung entsteht. Der Kampf gegen die Wehrpflicht ist da ein guter Anfang, und die Bündnisse, die wir dabei aufgebaut haben, müssen wir beibehalten und weiterführen. Und ich hoffe, dass die Jugend aktiv wird und bleibt, dass wir als Jugendliche mehr Einfluss auf die Zukunft dieser Welt haben.

Anna: Krieg zu verhindern, würde ich sagen, ist das große Ziel. Und dass vielleicht in ganz Europa eine Schulstreikbewegung entsteht und wir als Jugendliche zeigen, dass wir nicht gegeneinander kämpfen werden. Wir sind auch im Kontakt mit Genoss*innen in anderen Ländern, einige von ihnen haben auch an unserer Streikkonferenz teilgenommen, das gibt uns Hoffnung. Die Bundeswehr versucht mit Versprechen nach Kameradschaft zu locken, in einer Situation, in der viele Jugendliche nach Sinn suchen, die Hoffnung verlieren und vereinsamen. An der Front zu kämpfen, um angeblich die Demokratie oder die Freiheit zu verteidigen, ist aber nicht in unserem Sinn. Als Jugendliche können wir uns gegen die Ohnmacht wehren und selbst einen Sinn schaffen, indem wir gemeinsam nicht nur Krieg verhindern, sondern auch Werte wie Frieden verteidigen und eine Alternative zu Militarisierung und Krieg schaffen.

Hêlîn Dirik

ist Redakteurin bei ak.

Aus AK Zeitung für linke Debatte und Kritik, Nr. 726, 19.05.2026

29 Mai, 2026

Mannheim: KDV-Tour Ba-Wü

Juni 14 Ganztägig

Infostand zur Kriegsdienstverweigerung und Aktion gegen den Veteranentag der Regionalgruppe Mannheim. Informationen zu KDV, Beratungsmöglichkeiten in Mannheim/Ludwigshafen/Weinheim und den Folgen gesellschaftlicher Militarisierung.

DFG-VK LV Baden-Württemberg

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Toulonplatz

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Mannheim, Germany
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13 März, 2026

Schulstreiks gegen Wehrpflicht in Baden-Württemberg

Junge Menschen widersprechen der Militarisierung ihrer Zukunft

Am 5. März 2026 sind bundesweit Schülerinnen und Schüler auf die Straße gegangen. Sie protestieren gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht – aber nicht nur dagegen. Viele der jungen Menschen wenden sich grundsätzlich gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft und gegen eine Politik, die ihre Zukunft immer stärker militärisch denkt.

Die Wehrpflicht ist für viele von ihnen nur der sichtbarste Ausdruck dieser Entwicklung. Dahinter steht eine viel grundlegendere Frage: In welcher Gesellschaft wollen junge Menschen eigentlich leben? In Redebeiträgen und auf Transparenten wurde deutlich, dass viele keine Lust darauf haben, irgendwann Drohnenfutter in den Kriegen anderer zu werden oder für die Interessen der Mächtigen zu sterben. Stattdessen fordern sie Investitionen in Bildung, soziale Sicherheit und eine Politik der Deeskalation.

Organisiert werden die Schulstreiks von Schüler*innen, die sich in lokalen Streikkomitees zusammenschließen und unter dem Namen „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ in der Öffentlichkeit auftreten.

DFG-VK Baden-Württemberg unterstützt die Schulstreiks

Auch in Baden-Württemberg fanden an diesem Tag in vielen Städten Protestaktionen statt. Als DFG-VK Baden-Württemberg unterstützen wir diese Schulstreiks ausdrücklich. In mehreren Städten waren Mitglieder unseres Verbands vor Ort, haben bei der Organisation geholfen, Redebeiträge gehalten (z. B. dieser Beitrag unseres Kriegsdienstverweigerungsberaters Gerd Kolb aus Viernheim) oder mit Infoständen über das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung und wie man es nutzt, informiert.

Dieses Thema beschäftigt viele Jugendliche natürlich besonders. Schließlich sind sie diejenigen, die von Militarisierung und einer möglichen Wehrpflicht unmittelbar betroffen wären.

Die Schulstreiks waren dabei keineswegs auf einzelne Großstädte beschränkt. In vielen Orten Baden-Württembergs versammelten sich Schülerinnen und Schüler, um gegen Wehrpflicht und Militarisierung zu protestieren – teils auf zentralen Plätzen, teils bei Aktionen in Innenstädten oder in der Nähe ihrer Schulen.

Schulstreik Stuttgart

Protest in vielen Städten

Am 5. März versammelten sich Schülerinnen und Schüler unter anderem in folgenden Städten zu Protestaktionen:

Stuttgart 
Auf dem Schlossplatz versammelten sich mehrere hundert Schülerinnen und Schüler, nach Schätzung der Polizei etwa 500 Teilnehmende. Auf Transparenten standen Parolen wie „Schulen statt Bomben“ oder „Bildung statt Aufrüstung“. Ein Schüler erklärte gegenüber Medien: „Zwang ist kein Mittel für eine moderne Demokratie.“

Mannheim 
In Mannheim kamen rund 300 Jugendliche zu einer Protestversammlung zusammen, bevor sich viele von ihnen gemeinsam durch die Innenstadt bewegten und eine Abschlusskundgebung stattfand.

Freiburg 
In Freiburg versammelten sich Schülerinnen und Schüler am Platz der Alten Synagoge zu einer Kundgebung und anschließenden Aktionen in der Innenstadt.

Karlsruhe 
Auf dem Marktplatz in Karlsruhe versammelten sich Jugendliche, um gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht zu protestieren.

Heidelberg 
In Heidelberg fand eine Protestversammlung an der Stadtbücherei (Poststraße) statt.

Heilbronn 
In Heilbronn versammelten sich Schülerinnen und Schüler zunächst am Friedensplatz, bevor sie gemeinsam in Richtung Innenstadt weiterzogen.

Ulm 
In Ulm trafen sich Jugendliche an der Valckenburgschule und zogen anschließend gemeinsam in Richtung Innenstadt.

Tübingen 
In Tübingen versammelten sich Schülerinnen und Schüler am Uhland-Denkmal. Ein häufig verwendetes Motto der Bewegung lautet: „Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft.“

Weitere Städte 
Auch in zahlreichen weiteren Städten gab es Versammlungen und Protestaktionen, darunter:
Konstanz, Ravensburg, Schwäbisch Gmünd, Offenburg, Weinheim, Ludwigsburg, Schopfheim und Reutlingen.

Damit wurde sichtbar: Der Protest gegen Militarisierung und Wehrpflicht ist kein rein großstädtisches Phänomen, sondern erreicht zunehmend auch kleinere Städte.

Screenshot
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Screenshot
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Mehr Städte – aber noch keine Massenbewegung

Interessant ist eine Entwicklung, die sich bei den Streiks beobachten lässt. Die Aktionen haben sich auf deutlich mehr Städte verteilt als noch bei früheren Schulstreiks. Gleichzeitig blieb die Zahl der Teilnehmenden vielerorts überschaubar.

Einerseits ist das eine positive Entwicklung: Der Protest wird in der Fläche sichtbarer und bietet vielen Schülerinnen und Schülern vor Ort überhaupt erst eine Möglichkeit, sich zu beteiligen.

Andererseits zeigt sich auch, dass die Bewegung bislang vor allem von engagierten und politisierten Jugendlichen getragen wird und noch nicht die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler erreicht.

Gerade deshalb halten wir es für wichtig, diese jungen Menschen zu unterstützen. Wer sich heute öffentlich gegen Militarisierung positioniert, braucht Rückhalt.

Repressionen gegen die Schulstreiks

Die Schulstreiks blieben nicht ohne Reaktionen. Schulleitungen machten vielerorts deutlich, dass die Teilnahme an Protestaktionen während der Unterrichtszeit als unentschuldigtes Fehlen gewertet wird.

Bereits nach dem Schulstreik im Dezember 2025 hatten einzelne Schülerinnen und Schüler in Stuttgart Bußgelder erhalten. Auch diesmal wurde teilweise mit Konsequenzen gedroht. In einzelnen Fällen kam es zudem zu Anzeigen wegen Protestbanner oder Parolen.

Das zeigt vor allem eines: Offenbar reagieren manche Verantwortliche erstaunlich empfindlich auf den Protest junger Menschen. Wenn schon vergleichsweise harmlose Plakate oder Sprüche polizeiliche Reaktionen auslösen, wirkt das schnell wie ein Versuch, Protest einzuschüchtern oder klein zu halten.

Es wäre jedenfalls nicht überraschend, wenn solche Drohungen auch dazu beigetragen haben, dass die Teilnehmerzahlen in manchen Städten niedriger geblieben sind.

Doch manche Schülerinnen und Schüler lassen sich davon nicht beeindrucken. Für die Ostermärsche haben sie der Friedensbewegung sogar gleich noch einen passenden Slogan mitgegeben: „#MerzleckEier“. Auf jeden Fall besser als Aufrüsten.

Unterstützung bei Repression

Als DFG-VK Baden-Württemberg lehnen wir solche Repressionen entschieden ab.

Wer wegen seiner Teilnahme an Schulstreiks gegen Wehrpflicht Probleme bekommt, kann sich an den Carl-Ossietzky-Fonds der DFG-VK wenden.

Wenn ihr betroffen seid, schreibt uns und schildert eure Situation – wir schauen gemeinsam, wie wir euch unterstützen können.

Junge Stimmen gegen Kriegspolitik

Die Schulstreiks zeigen: Die Debatte über Wehrpflicht und Militarisierung betrifft junge Menschen unmittelbar. Schließlich wären sie diejenigen, die die Folgen solcher Entscheidungen tragen müssten.

Als DFG-VK Baden-Württemberg werden wir deshalb weiterhin solidarisch mit diesen Schülerinnen und Schülern sein – durch Unterstützung ihrer Aktionen, durch Beratung zur Kriegsdienstverweigerung, gegen die Repressionen, die sie bedrohen, und durch gemeinsame Arbeit für eine friedlichere Zukunft.

12 Februar, 2026

Schulstreik gegen Wehrplicht am 5. März – Schon jetzt solidarisch sein!

Am 5. März rufen bundesweit Schüler*innen erneut zum Schulstreik gegen Wehrpflicht auf. Sie gehen auf die Straße gegen Militarisierung, gegen Zwangsdienste und gegen eine Politik, die ihre Zukunft verplant, ohne sie wirklich zu beteiligen.

Wir als DFG-VK Baden-Württemberg waren bereits am 5. Dezember unterstützend dabei – und wir waren beeindruckt von der Klarheit, Entschlossenheit und politischen Reife der jungen Menschen. Trotz Gegenwind, trotz Schulpflicht und trotz öffentlicher Kritik haben tausende Schüler*innen bundesweit protestiert.

Für den 5. März ist davon auszugehen, dass die Bewegung noch größer wird.

Gerade in Baden-Württemberg ist dieser Termin politisch bedeutsam. Kurz vor den Landtagswahlen ist der Schulstreik eine sichtbare Gelegenheit, der parteiübergreifend propagierten Militarisierung etwas entgegenzusetzen. Doch wichtiger als jede parteipolitische Einordnung ist etwas anderes:

Junge Menschen organisieren sich selbst – und das verdient unsere aktive Unterstützung.

Wichtige Termine vor dem 5. März

14.–15. Februar: Bundesweite Streikkonferenz

17. Februar, 17–19 Uhr: Mega-Zoom – Schulstreik-Vollversammlung

Alle Infos, Materialien und beteiligten Städte:

https://schulstreikgegenwehrpflicht.com

Wie können wir als DFG-VK unterstützen?

1. Vor Ort Präsenz zeigen

Geht zu den Streiks in euren Städten. Zeigt, dass die Schüler*innen nicht allein stehen.

2. Öffentlich Stellung beziehen

Schreibt Leser*innenbriefe in euren lokalen Zeitungen – in möglichst vielen Städten.

Macht deutlich, dass ihr es stark findet, wenn junge Menschen für ihre Rechte eintreten: für das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung und gegen Militarisierung.

3. Gegen Repression Haltung zeigen

In Baden-Württemberg gab es bereits problematische Reaktionen: Versuche, Streiks zu verhindern, Bußgelder wegen Fehlzeiten oder bewusst auf Streiktage gelegte Klassenarbeiten.

Hier können wir unsere Kontakte nutzen – in Schulen, Rathäusern und Gemeinderäten – und klar machen: Politischer Protest ist ein demokratisches Recht.

4. Fachliche Unterstützung anbieten

Wir verfügen über jahrzehntelange Expertise zur Kriegsdienstverweigerung.

Bietet Gespräche, Vorträge oder Hintergrundinformationen an.

Wir unterstützen diesen Schulstreik inhaltlich und politisch.

Aber vor allem unterstützen wir die jungen Menschen, die den Mut haben, selbst aktiv zu werden.

Lasst uns am 5. März sichtbar solidarisch sein.

-> Hier noch ein Interview mit den beiden Politik Influencers Simon David Dressler und Ole Nymoen, die kritisch unterstützend über die Schulstreiks sprechen:

-> Und noch ein Artikel der UZ über die am Wochenende anstehende bundesweite Schulstreik-Konferenz in Göttingen:

Einordnen, austauschen,vernetzen

Zwischen den Schulstreiks gegen Wehrpflicht am 5. Dezember 2025 (hier in Hamburg) und 5. März 2026 treffen sich Aktive am 14. Februar 2026 zur bundesweiten Schulstreik-Konferenz in Göttingen. Göttingen wird am 14. und 15. Februar zum Treffpunkt einer Bewegung: In den Veranstaltungsräumen der MUSA findet die erste bundesweite Schulstreik-Konferenz statt. Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Unterstützerinnen und Unterstützer der Streikkomitees kommen zusammen, um sich zuvernetzen, Erfahrungen auszutauschen und über die nächstenSchritte zu beraten. Im Zentrum steht dabei vor allem ein Ziel: den nächsten bundesweiten Schulstreik am 5. März zu einem weiteren Erfolg zu machen.

In zahlreichen Workshops werden sowohl theoretische als auch praktische Fragen der Streikorganisation behandelt. Geplant sind unter anderem Workshops zu Friedenspädagogik, Social-Media-Arbeit und Kriegsdienstverweigerung. Ein Einleitungsreferat der Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!“ soll darüber hinaus über den aktuellen Stand der Kriegsvorbereitungen in Deutschland informieren und den politischen Rahmen der Proteste einordnen.

Zum Abschluss der Konferenz ist die Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung vorgesehen, in der zentrale Ziele und Perspektiven für kommende Streiks festgehalten werden. Zudem werden Schülerinnen und Schüler des Streikkomitees Göttingen am Sonntag auf einer Pressekonferenz ein erstes Fazit des Wochenendes ziehen.

Die Konferenz findet zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt.

Mehr als 55.000 Schülerinnen und Schüler beteiligten sich zuletztan den bundesweiten Streiks am 5. Dezember: Ein deutliches Zeichen dafür, dass viele junge Menschen nicht länger bereit sind, politische Entscheidungen hinzunehmen, die ihre Zukunft zu zerstören drohen. Die Interessen der Jugend geraten zunehmend unter Druck. Während Milliarden in Aufrüstung fließen und militärische Strukturen gestärkt werden, bleiben Investitionen in Bildung, soziale Sicherheit, gute Ausbildungsplätze und echte Zukunftsaussichten auf der Strecke. Während Schulen zerfallen und sich immer mehr Jugendliche ein normales Leben kaum noch leisten können, Freizeitaktivitäten zunehmend unbezahlbar werden, sollen junge Menschen auf eine Zukunft vorbereitet werden, in der Krieg wieder als politisches Mittel gilt, um wirtschaftliche Interessen durchzudrücken.

Dass von der Bundesregierung kein Abweichen von diesem Kurs zu erwarten ist, machte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kürzlich in seiner Regierungserklärung deutlich: „Unsere Vorstellungen können wir in der Welt nur dann durchsetzen, wenn wir selbst die Sprache der Machtpolitik sprechen lernen, wenn wir selbst eine europäische Macht werden.“ Für die Streikbewegung sind damit die Fronten geklärt. Während die Herrschenden nach einem neuen Platz an der Sonne für die deutschen Großkonzerne streben, müssen die, die der zunehmenden Militarisierung etwas entgegensetzen wollen, die das Recht der Jugend auf Bildung statt Bomben sowie auf eine Zukunft im Frieden statt im Schützengraben verteidigen wollen, die Bewegung weiter stärken. Entsprechend wollen die Teilnehmenden ihre Arbeit stärker in den Schulen verankern, die Zusammenarbeit mit Schülervertretungen und Gewerkschaftsjugenden ausbauen und die Bewegung breiter antimilitaristisch aufstellen. Auch die solidarische Unterstützung durch Lehrkräfte, Eltern und gewerkschaftliche Strukturen soll vertieft werden. Ein weiteres Ziel ist die Weiterentwicklung bestehender Schulstreikkomitees, mehr Schülerinnen und Schüler aktiv einzubeziehen und neue Komitees direkt an den Schulen zu gründen.

Nicht zuletzt dient die Konferenz der konkreten Vorbereitung kommender Aktionen, insbesondere mit Blick auf die Mobilisierung für den 5. März. Persönlicher Austausch, regionale Vernetzung und eine engere bundesweite Koordination sollen dazu beitragen, die Bewegung strategisch zu bündeln und ihre Schlagkraft zu erhöhen.

Mit der ersten bundesweiten Schulstreik-Konferenz betritt die Bewegung Neuland. Nach dem starken Echo der vergangenen Proteste könnte sie ein wichtiger Schritt sein, um Kräfte zu bündeln und den Widerstand gegen eine Politik zu organisieren, die ihre Interessen gefährdet. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, ebenso wie die Entschlossenheit, den kommenden Streik erfolgreich auf die Straße zu tragen.

Infos zu den Schulstreiks gegen Wehrpflicht gibt es auf der Website der Schulstreik-Initiative. Das Programm der Schulstreik-Konferenz hat die Initiative auf Instagramveröffentlicht.

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