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Pazifismus

29 Mai, 2026

Mannheim: Anthroposophie im Gespräch – Frieden

Juni 23 @ 19:30 – 22:00

Anthroposophie im Gespräch – Frieden!

Ein Pazifist in Zeiten des Krieges, Friedensforscher Prof. Friedrich Glasl im Gespräch mit Wolfram Wessels (Journalist und Hörspielautor)

Di., 23.06.26, 19:30 Uhr, Mannheim, Zielstr. 28, 68169 MA, Akademie für Waldorfpädagogik

Zufällig haben wir von dieser Veranstaltung erfahren. Es ist ein Beispiel dafür, dass auch in ande­ren Kreisen nachgedacht wird, wie Frieden ohne Waffen zu schaffen gelingen kann.

Ein Pazifist in Zeiten des Krieges

   Gespräch mit Prof. Dr.Dr.h.c. Friedrich Glasl (Gast) und Dr. Wolfram Wessels (Gesprächsleitung)
Details:

Die Zeit der Friedenshoffnungen geht zu Ende, Krieg mit Worten und Taten etabliert sich wieder als Mittel der Politik, das Völkerrecht weicht dem Faustrecht. Selbst wo noch Frie-den zu bestehen scheint, haben hybride Kriege längst begonnen. Hacker- und Drohnenangriffe auf Infrastrukturen lassen die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verschwimmen. Die Folgen des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen bieten immer wieder Anlässe für Kriege. Unsere Zivilisation ist verwundbar geworden. Wie können wir damit konstruktiv umgehen? Die alten Ordnungen und Regelungen funktionieren kaum noch, ein immenses Wettrüsten hat eingesetzt. Ist Abschreckung durch Aufrüstung wirklich der Weg zu Sicherheit und Frieden? Kann Pazifismus noch zeitgemäß sein?

Prof. Dr.Dr.h.c. Friedrich Glasl
1941 geboren in Wien, Studium Politikwissenschaften und Psychologie; 1967 Promotion an der Universität Wien über die neutrale Schweiz im Völkerbund. 1966 bis 1985 Mitarbeit am NPI-Institut für Organisationsentwicklung in den Niederlanden. 1983 Habilitation an der Universität Wuppertal mit seinem Modell des Konfliktmanagements, 1984 Gründung der Trigon Entwicklungsberatung, Graz. Gastprofessor innerhalb und außerhalb Europas, Be-rater bei Friedensprozessen in den Konflikten Armenien-Aserbaidschan, Israel-Palästina, Nord-Irland, Ost-Slawonien, Sri Lanka, Südafrika. 2013 Ehrendoktor der Universität Tiflis, zahlreiche Preise für seine Arbeit als Mediator.

Ort: Akademie für Waldorfpädagogik, Zielstr. 28, 68169 Mannheim, Karte

Veranstalter: Anthroposophische Gesellschaft Mannheim – Rudolf-Steiner-Zweig, Tel. 0621-402757, Website

Anthroposophische Gesellschaft Mannheim

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Akademie für Waldorfpädagogik

Zielstraße 28
Mannheim,
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28 Mai, 2026

Friedensbewegte Presseschau – Mai 2026


Jeden Tag erreichen uns von aufmerksamen und kritischen Friedensaktivist*innen Hinweise auf Berichte und Beiträge aus der Presse, die – teilweise und erfreulicherweise – eine wohltuende Gegenstimme zur allgegenwärtigen Kriegsrhetorik darstellen. Während viele Beiträge in den bekannten Medien mit einem Fokus auf Aufrüstung, Eskalation und Feindbilder daherkommen, zeigen diese Artikel: Es gibt sie noch – die Stimmen für Abrüstung, Dialog und Verständigung.

Unsere heutige Presseschau gibt einen Überblick über solche Perspektiven, die Frieden nicht nur fordern, sondern auch konkret denken.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle euch, den Leserinnen dieses Newsletters – denn viele von euch sind nicht nur aufmerksame Beobachterinnen, sondern auch selbst aktive Organisatorinnen von Protesten, Mahnwachen und Friedensaktionen.

Damit auch in Zukunft vielfältige und friedensorientierte Stimmen Gehör finden, freuen wir uns weiterhin über eure Hinweise auf lesenswerte Artikel, Interviews oder Medienbeiträge.

☢️ Militarisierung, Aufrüstung & Zeitenwende

·       Das kämpfende Geschlecht
Militarisierte Männlichkeitsbilder prägen weiterhin Politik und Gesellschaft.
https://www.das-parlament.de/kultur/politisches/das-kaempfende-geschlecht

·       Krieg – Normalfall oder Störfall der Menschheitsgeschichte?
Der Beitrag widerspricht der Vorstellung, Krieg sei naturgegeben.
https://www.graswurzel.net/gwr/2025/10/krieg-normalfall-oder-stoerfall-der-menschheitsgeschichte/

·       Greenpeace-Studie zur Aufrüstung
Die Studie kritisiert soziale Folgen steigender Militärhaushalte.
https://taz.de/Greenpeace-Studie/!6181841/

·       Gesamtkonzeption militärische Verteidigung
Das Papier beschreibt eine umfassende Militarisierung staatlicher Strukturen.
https://www.bmvg.de/de/grundlagendokumente-strategische-ausrichtung/gesamtkonzeption-fuer-militaerische-verteidigung-aus-einem-guss-6092138

·       Innere Zeitenwende
Die Analyse warnt vor einer gesellschaftlichen Normalisierung militärischer Logik.
https://neu.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Buchtipps/vsa-Solty-Leseprobe-Innere-Zeitenwende.pdf

·       Protest gegen die Rüstungsindustrie
Aktivist*innen protestieren gegen Waffenproduktion und Kriegsprofite.
https://taz.de/Protest-gegen-die-Ruestungsindustrie/!6165623/

·       Waffenproduktion in Berlin
Die taz beleuchtet die Rolle Berlins als Standort der Rüstungsindustrie.
https://taz.de/Waffenproduktion-in-Berlin/!6084311/

·       Rheinmetall und Fregattenprojekt
Der Vorgang zeigt die enge Verflechtung von Politik und Rüstungsindustrie.
Hinweis: Artikel teilweise hinter Bezahlschranke.
https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/rheinmetall-will-fregatten-debakel-der-bundeswehr-fuer-12-milliarden-euro-uebernehmen-a-cdf313b9-00a3-409b-b548-c941a6f82233

🇺🇦 Ukrainekrieg, NATO & Diplomatie

·       Russland legt Vorschläge für Feuerpause vor
Der Beitrag zeigt die Bedeutung diplomatischer Gesprächskanäle.
Hinweis: Artikel teilweise hinter Bezahlschranke.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-05/russland-ukraine-vorschlaege-feuerpause

·       Trump und Putin schlagen Waffenruhe vor
Erneut rücken diplomatische Lösungen stärker in den Fokus.
https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-krieg-donald-trump-und-wladimir-putin-schlagen-sich-gegenseitig-waffenruhe-vor-a-620101c2-3f64-49bb-9474-7d52eceb2390

·       EU-Drohnenallianz für Ukraine
Die EU setzt verstärkt auf technologische Aufrüstung.
https://www.n-tv.de/politik/Ukraine-Krieg-Bruessel-ruft-zu-neuer-EU-Ukraine-Drohnenallianz-auf-article23143824.html

·       Endlich am Tisch sitzen
Das IPG-Journal fordert neue diplomatische Initiativen.
https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/endlich-am-tisch-sitzen-9058/

·       Russland-Analysen 481
Die Analyse beschreibt autoritäre Dynamiken und Kriegswirtschaft.
https://laender-analysen.de/russland-analysen/481/russlandanalysen481.pdf

·       Ukraine-Analysen 332
Thematisiert werden Kriegsmüdigkeit und gesellschaftliche Folgen.
https://laender-analysen.de/ukraine-analysen/332/ukraineanalysen332.pdf

·       Nord-Stream-Debatte
Die politische Aufarbeitung bleibt geopolitisch aufgeladen.
Hinweis: Artikel teilweise hinter Bezahlschranke.
https://www.nzz.ch/meinung/nord-stream-sprengung-warum-merz-vor-der-ukraine-kuscht-ld.10004761

·       Schulstreik gegen Wehrpflicht
Jugendliche protestieren gegen Wehrpflicht und Militarisierung.
https://schulstreikgegenwehrpflicht.com/

·       KDV-Beratungen steigen
Die Zahl der Beratungen zur Kriegsdienstverweigerung nimmt zu.
https://www.evangelische-friedensarbeit.de/meldungen-friedensarbeit/eak-zahl-der-kdv-beratungen-steigt-weiter-deutlich

🔥 Nahost, Gaza & internationale Kritik

·       Amnesty-Bericht zu Gaza
Amnesty dokumentiert massive Menschenrechtsverletzungen.
https://www.amnesty.de/israel-gaza-genozid-voelkermord-amnesty-bericht-informationen-hintergruende

·       EU-Sanktionen gegen Siedlerorganisationen
Die EU reagiert auf Gewalt im Westjordanland.
Hinweis: Artikel teilweise hinter Bezahlschranke.
https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-sanktionen-siedler-westjordanland-israel-li.3482004

·       Peace Now zu EU-Sanktionen
Die israelische Friedensorganisation begrüßt die Sanktionen.
https://peacenow.org.il/en/the-eu-council-decides-to-impose-sanction-on-four-settler-organizations

·       Deutschland und Italien blockieren EU-Kurs
Die EU ringt um einen härteren Umgang mit Israel.
https://www.berliner-zeitung.de/article/israel-eu-abkommen-blockade-deutschland-italien-10031977

·       Parents Circle / Families Forum
Israelische und palästinensische Familien setzen auf Dialog.
https://wings-of-hope.de/veranstaltung/begegnung-und-dialog-mit-dem-parents-circle-families-forum-pcff/

·       Palestinians and Jews for Peace
Die Initiative erhält den Aachener Friedenspreis.
https://www.propeace.de/de/palestinians-jews-peace-aachener-friedenspreis

·       Über 400 Diplomaten fordern härteren Kurs
Ehemalige Diplomaten drängen die EU zu Konsequenzen.
Hinweis: Artikel teilweise hinter Bezahlschranke.
https://www.welt.de/politik/ausland/article6980c80ef0e62064809e25f6/nahost-ueber-400-fruehere-diplomaten-draengen-eu-zu-haerterem-kurs-gegen-israel-darunter-19-aus-deutschland.html

☢️ Iran, Großmachtpolitik & Eskalation

·       Iran-Krieg und seine Folgen
Die SWP warnt vor globalen Folgen einer Eskalation.
https://www.swp-berlin.org/publikation/der-iran-krieg-und-seine-folgen-fuer-den-mittleren-osten-die-grossmaechte-und-die-weltwirtschaft

·       Hormus-Militäreinsatz
Die Militarisierung zentraler Handelsrouten verschärft Spannungen.
https://www.spiegel.de/ausland/iran-krieg-donald-trump-setzt-militaer-einsatz-fuer-sichere-hormus-durchfahrt-aus-a-09110b24-5de9-4643-9a3d-c701250ab14f

·       Iran: Repression im Schatten des Krieges
Der Krieg verstärkt autoritäre Dynamiken im Iran.
https://www.dw.com/de/iran-repression-im-schatten-des-krieges/a-77064911

·       Operation gewaltiger Irrtum
Das IPG-Journal warnt vor weiterer Eskalation.
https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/operation-gewaltiger-irrtum-9043/

🏙️ Friedensarbeit, Dialog & Zivilgesellschaft

·       Friedensstadt Freiburg
Die Initiative bündelt lokale Friedensarbeit und Dialog.
https://friedensstadt-freiburg.de/

·       Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden
Die Friedensschrift betont die Bedeutung von Diplomatie.
https://www.ack-in-freiburg.de/detail/termin/id/1038077-oekumenische-friedensschrift-wer-frieden-will-muss-mit-dem-feind-reden/?vt=1&cb-id=233983

·       Rotstift bei Frieden und Entwicklung
Kritisiert werden Kürzungen bei ziviler Friedensarbeit.
https://www.propeace.de/de/rotstift-bei-frieden-und-entwicklung

·       Die 100-Milliarden-Euro-Frage
Diskutiert wird die gesellschaftliche Logik wachsender Aufrüstung.
https://www.propeace.de/de/die-100-milliarden-euro-frage

7 Mai, 2026

Offenburg: FREITAGSRUNDE – „Von nie wieder Krieg zu Kriegstüchtig“

Mai 8 @ 19:00 – 21:00

Wie war der Stand 1945 und wie konnte es sich zu der Forderung der Kriegstüchtigkeit 2026 entwickelt. In einem kurzen Input werden hierzu Informationen gegeben, um eine Diskussion, aber auch Ausblicke, was zu tun sein könnte, zu ermöglichen.

Im Bunten Haus / Moltkestraße 10

DFG-VK Mittelbaden

mittelbaden@dfg-vk.de

Akademie für Waldorfpädagogik

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4 Mai, 2026

Frieden vorbereiten – aber wie?

– Wider das Mantra der „Kriegsertüchtigung“ –

Mai 5 @ 19:00 – 21:00

Dr. Heinz Klippert sieht das aktuelle Insistieren auf Aufrüstung, Wirtschaftssanktionen und Kriegsertüchtigung als hoch riskantes Spiel mit dem Feuer und plädiert stattdessen für ein entschiedenes Hinterfragen dieses bellizistischen Zeitgeistes in Politik, Medien, Militärkreisen und Schulen.

In seinem Vortrag problematisiert Klippert das ausgeprägte „Gut-Böse-Denken“, wirft einen zornigen Blick auf die verheerenden Kriegsfolgen, hinterfragt die aktuelle Kriegslogik und Rüstungsoffensive und tritt für einen reflektierten Pazifismus ein, der auf Kriegsprävention, Friedensphantasie und gewaltfreie Konfliktlösungen zielt und eine entsprechende Bildungsarbeit vorsieht.

Klippert liefert fundierte Problemanzeigen, Analysen und Denkanstöße, die verdeutlichen, dass Friedensbildung mehr sein muss als einseitige Bundeswehrwerbung und mentale und emotionale Kriegsertüchtigung. Kriege sind nie alternativlos! Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, ist Ziel und Anspruch des Vortrags.  

Zur Person: Dr. Heinz Klippert ist promovierter Ökonom, studierter Soziologe, ausgebildeter Gymnasiallehrer, Lernforscher, Lehrerfortbildner und Verfasser zahlreicher Bücher zu aktuellen Bildungsfragen, neuen Lernmethoden und sozialethischen Themen –  darunter das neue Werk „Frieden sichern?! Anleitung zur Belebung pazifistischen Denkens“.

Friedensrat Heilbronn

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7 April, 2026

Pazifismus — wenn nicht jetzt, wann dann?

Thesen von Ullrich Hahn (veröffentlicht im Rundbrief #128 von Frieden wagen e.V. / 33. Jahrgang / im April 2026)

Ullrich Hahn ist Pazifist und Präsident des Internationalen Versöhnungsbund

Vorbemerkung

Das landläufige Bild von einem Pazifisten ist geprägt vom Eindruck der Schwäche, Nachgiebigkeit, Unterwürfigkeit. Stark wirkt der bewaffnete Soldat, besonders wenn er – inzwischen auch sie – in größerer Formation im Gleichschritt auftritt. Die Wirklichkeit ist umgekehrt: Die Stärke des Bewaffneten ist seine Waffe, nicht die Person. Hinzu kommt, dass er als Person einem fremden Willen unterworfen ist. Er/sie handelt auf Befehl. Den Gehorsam hat er/sie beim Dienstantritt gelobt oder gar geschworen. Auch unabhängig davon ist sein/ihr Denken nicht frei: Es ist von der Waffe dominiert. Der Pazifist dagegen behauptet sich selbst. Er/sie gehorcht nicht. In der Regel mussten die Pazifisten auch lernen, der Mehrheitsmeinung zu trotzen. Sie beziehen ihre Stärke nicht aus einer Waffe, sondern aus ihrer ganz eigenen Person (Kant: Aus dem moralischen Gesetz in der Person).

Vierzehn Thesen:

  1. Kennzeichen des Pazifismus ist nicht in erster Linie ein bestimmtes Handeln, sondern ein Unterlassen, das Lassen der Gewalt (Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt, Wilhelm Busch).
  2. Dabei bedarf das Lassen illegaler, strafbarer Gewalt keiner besonderen Begründung. Es geht der pazifistischen Haltung gerade um den Verzicht auf die legale, in der nationalen und internationalen Rechtsordnung gerechtfertigten Gewalt (Artikel 26, 87a GG, Artikel 51 UN-Charta), d.h. um den Verzicht auf militärische Verteidigung.
  3. Grundlage dieses Pazifismus sind weder spezifisch christliche oder „westliche Werte“, sondern das in der „Goldenen Regel“ kulturübergreifende und in der Neuzeit als völkerrechtlich anerkannte Menschenrecht: Jede Person hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
  4. Pazifismus ist durch diese Rückbindung auf allgemein gültige Werte nicht nur Ausdruck einer persönlichen Gesinnung, sondern der Verantwortung für das Leben des und der anderen und damit der ganzen Menschheit.
  5. Dies unterscheidet den Pazifismus von einer Politik des Nationalstaates, der das Wohl und Wehe der eigenen Nation über das Leben fremder Menschen und das Leben der Menschheit stellt (siehe Art. 56 GG). Auch der Mensch jenseits der Grenze ist einer von uns.
  6. Dieser Blick auf die Menschheit ist nicht „blauäugig“. Unrecht und ungerechtes Verhalten dürfen nicht hingenommen werden – aber niemand hat deshalb den Tod verdient („Die Todesstrafe ist abgeschafft“, Art. 102 GG).
  7. Die Haltung des Pazifismus über die Verwerflichkeit der militärischen Verteidigung und jeden Militärs erhebt zwar Anspruch auf Allgemeingültigkeit, aber nicht im Sinne einer „Vorschrift“. Vorschriften in Bezug auf Leben und Tod sind übliche Zwangsmittel derjenigen Staaten, die eine Wehrpflicht kennen. Der Pazifismus hat keine solche Macht und will sie auch nicht haben. Er will nicht zwingen, sondern überzeugen. Eine unmittelbare Verpflichtung zum entsprechenden Handeln ergibt sich nur für diejenigen, die die entsprechende Überzeugung als Recht erkennen.
  8. Daraus folgt: Der Krieg hört auf, wenn schon eine der beiden Seiten die Waffen niederlegt. Darüber muss nicht verhandelt werden. Wer das Töten von Menschen als Unrecht erkennt, lässt davon ab, unabhängig von der anderen Seite. Verhandlungen haben ihren Platz, wenn es dann um die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft geht.
  9. Für das zum Krieg führende Unrecht ist unmittelbar die angreifende Seite verantwortlich. Der Krieg beginnt aber erst mit der militärischen Verteidigung. Damit übernimmt die verteidigende Seite eine eigene Mitverantwortung für den daraus folgenden Krieg mit allen seinen Folgen, auch für die mit jedem Krieg verbundenen Kriegsverbrechen. Bei zwei Staaten, die sich im Krieg befinden, hat keiner das Recht auf seiner Seite. Schon Kant formuliert bezgl. der bloßen Verteidigungsabsicht: „stehende Heere … sollen mit der Zeit ganz aufhören, denn sie bedrohen andere Staaten unaufhörlich mit Krieg durch die Bereitschaft, immer dazu gerüstet zu erscheinen.“
  10. Wer sich auf das Mittel der Gewalt zur Durchsetzung der eigenen, wenn auch berechtigten Interessen einlässt, unterliegt dann auch der Logik dieser Gewalt: Es gewinnt der Stärkere. Das bedingt eine nicht endende Aufrüstung. Das Maß hierfür ist die vermeintliche Stärke der anderen Seite und ihrer vermeintlich bösen Absichten. Für die Durchsetzung des Rechts ist die Gewalt deshalb ein untaugliches Mittel.
  11. Gegenüber anderen ist die Gewalt dominant, selbst wenn sie nur nachrangig eingesetzt werden soll. Sie ist sofort greifbar und verspricht schnellen Erfolg. Für diesen Zweck wird das Militär gerüstet. Waffen beeinflussen so das Denken der Waffenträger und der über das Militär verfügenden Politik schon lange vor einem Einsatz. Bewusst oder unbewusst werden sie durch ihre bloße Existenz zum vorrangigen Mittel im Konflikt.
  12. Die eingesetzten Mittel und Methoden der Gewalt prägen dann auch das Ergebnis: Tod, Zerstörung, Verstümmelung, Traumata. Die zuvor angestrebten Ziele, Freiheit und Demokratie, bleiben auf der Strecke. Die Erfordernisse des Militärs haben Vorrang vor allen menschlichen Bedürfnissen, auch vor dem Schutz des Klimas als Grundlage allen Lebens. Selbst für die gewinnende Seite gilt: „Was durch Gewalt erworben wurde, kann in der Regel auch nur wieder durch Gewalt verteidigt werden“, Gandhi.
  13. Was bleibt den Pazifist*innen zu tun? Die ihnen zur Verfügung stehenden gewaltfreien Mittel unterliegen einem anderen Zeit- und Handlungsrahmen als dem des Militärs. Sie können und wollen nicht durch Schnelligkeit und Zerstörungskraft beeindrucken. In der Zeit vor dem Krieg ist es ihre Aufgabe, auf die Gefahren der Rüstung hinzuweisen, der Aufrüstung zu widersprechen und für eine auch einseitige Abrüstung einzustehen. In Zeiten des Krieges verweigern sie sich, mitzumachen. Nach dem Krieg übernehmen sie als Erste die Mühen der Versöhnung, soweit sie/wir alle dann noch leben.
  14. Das Gegenteil von Gewalt ist nicht einfach Gewaltlosigkeit, sondern Gerechtigkeit. Neben der Kritik an der unmittelbaren Gewalt des Militärs bleibt die Aufgabe, die vielfältigen Formen struktureller Gewalt, die nicht weniger lebensfeindlich sind, zu überwinden. Pazifismus ist keine Passivität, sondern tätiges Handeln für einen Frieden in Gerechtigkeit.


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