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Offenburg

29 Mai, 2026

Offenburg: KDV-Tour BaWü

Juni 17 @ 12:00 – 21:00


Ca 12.00 Uhr Infostand in der verkehrsberuhigten Zone Innenstadt Offenburg vor einem Gymnasium (Langestraße). Ggf. anschließend nochmals vor einem anderen Gymnasium mit Nähe zur Gewerbeschule. Ist aber abhängig, wie der Zeitplan eingehalten werden kann. 16.00 Uhr Infoveranstaltung mit Festcharakter und Kulturbeiträgen, Reden, etc. im Bürgerpark Offenburg kleine Bühne. .

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KDV Tour BaWü
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22 Mai, 2026

KDV-Tour durch Ba-Wü

🕊️ ✌️ 🌈

KDV-Infotour durch Baden-Württemberg
vom 8. bis 19. Juni 2026

Mit dem KDV-Mobil unterwegs durch „the Länd“ für Beratung und Information, Gewaltfreiheit und Frieden.

Gemeinsam mit der Stiftung Care for Future organisiert die DFG-VK Baden-Württemberg eine landesweite Infotour zur Kriegsdienstverweigerung durch Baden-Württemberg. Ziel der Tour ist es, insbesondere jungen Menschen die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung näherzubringen, über Verfahren und Beratungsangebote zu informieren und Raum für einen kritischen Blick auf Militarisierung und deren Auswirkungen auf eine demokratische Gesellschaft zu schaffen.

KDV-Infotour Baden-Württemberg

Dafür werden wir vom 8. bis 19. Juni mit unserem KDV-Mobil, einem Infostand und viel Informationsmaterial gut sichtbar quer durch Baden-Württemberg unterwegs sein – begleitet von unserem großen aufblasbaren „zerbrochenen Gewehr“. Gemeinsam mit DFG-VK-Regionalgruppen und weiteren Unterstützer*innen werden wir in Innenstädten, an Schulen und auf dem Ract! Festival junge Menschen über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung informieren, Öffentlichkeit für das Thema schaffen und einen kritischen Blick auf die zunehmende Militarisierung und ihre gesellschaftlichen Folgen schärfen.

Tagsüber wird es in den Städten Aktionen und Infostände an Orten geben, an denen besonders junge Menschen erreicht werden sollen – etwa in Innenstädten oder in der Nähe von Schulen. Ziel ist es, über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung sowie entsprechende Beratungsangebote vor Ort zu informieren. Abends wird das Thema dann durch unterschiedliche Veranstaltungsformate wie Workshops, Gesprächsrunden, Informationsveranstaltungen oder auch ein Fest gegen den Wehrdienst weiter vertieft.

KDV-Infotour Baden-Württemberg

Das Herzstück der Tour wird unser Stand sowie ein Workshop auf dem Ract! Festival am 12. und 13. Juni in Tübingen sein. Das Ract! Festival ist das größte politische Umsonst-und-Draußen-Festival Deutschlands und bringt jedes Jahr tausende junge Menschen, politische Initiativen und kulturelle Projekte zusammen. Umso mehr freut es uns, dass uns die Veranstalter*innen des Festivals dieses Jahr aufgrund der aktuellen Debatten um Kriegsdienstverweigerung, Aufrüstung und neue Wehrpflicht eingeladen haben, das Thema vor Ort sichtbar zu machen.

Unser Workshop findet am Freitag, den 12. Juni, um 15:30 Uhr statt. Dort wollen wir über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung, Beratungsangebote sowie den gesellschaftlichen Umgang mit Militarisierung und Wehrpflicht diskutieren und informieren.

KDV-Infotour Baden-Württemberg

Tourkarte

Auf dieser Karte seht ihr die Stationen und Termine der KDV-Infotour

Interaktive Tourkarte Baden-Württemberg

Tourübersicht

Datum Ort Was ist geplant?
08.06. Aalen Infostand im Stadtgarten am Vormittag ab 09:15 Uhr und über den Mittag. Ab 14:45 Infostand auf dem Marktplatz. Am Abend um 18:30 Uhr eine Informationsveranstaltung in der Gmünder Str. 9. Roland Hamm (DFG-VK) und Jürgen Menzel (Act for Transformation) informieren über Kriegsdienstverweigerung, Beratungsangebote vor Ort und die Gefahren des Militarismus.
09.06. Schwäbisch Hall Infoveranstaltung auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz von 11 bis 18 Uhr mit Beratungsthemen und einem „Glücksrad“ zu Frieden/KDV. Herzstück ist ein einstündiges Interview von 12 bis 13 Uhr beim regionalen Radio StHörfunk Schwäbisch Hall mit Marianne Haufe und Gunter Reber.
10.06. Heilbronn Aktion zur KDV-Beratung. Gemeinsam mit dem Heilbronner Friedensrat informiert Andreas Gnekow (DFG-VK) über Kriegsdienstverweigerung und mögliche Beratungsangebote in Heilbronn und Umgebung.
11.06. Ludwigsburg Infostand zur DFG-VK und Wehrdienstverweigerung (KDV). Bei den Innenstadt-Gymnasien in der Seestraße (zw. Karl – u. Alleenstraße) Von 10:30- 15:00 durch die Regionalgruppe Ludwigsburg
12.–13.06. Tübingen
Ract! Festival
Herzstück der Tour: Infostand und Workshop am Freitag um 15:30 Uhr auf dem Ract! Festival. Es geht um KDV, Beratungsangebote, Gewissensbegründung, Verwaltungsverfahren und Möglichkeiten zivilen Ungehorsams.
14.06. Mannheim Infostand zur Kriegsdienstverweigerung und Aktion gegen den Veteranentag um 10:30 Uhr am Toulonplatzder Regionalgruppe Mannheim. Informationen zu KDV, Beratungsmöglichkeiten in Mannheim/Ludwigshafen/Weinheim und den Folgen gesellschaftlicher Militarisierung.
17.06. Offenburg Ca 12.00 Uhr Infostand in der verkehrsberuhigten Zone Innenstadt Offenburg vor einem Gymnasium (Langestraße). Ggf. anschließend nochmals vor einem anderen Gymnasium mit Nähe zur Gewerbeschule. Ist aber abhängig, wie der Zeitplan eingehalten werden kann. 16.00 Uhr Infoveranstaltung mit Festcharakter und Kulturbeiträgen, Reden, etc. im Bürgerpark Offenburg kleine Bühne. .
18.06. Freiburg 08:30 – 10:15 Eschholzpark, 79106 Freiburg, Eingangsbereich Edith Stein Gewerbe -Gewerbeschule. 10:15 – 11:30 Gehweg vor Walter Rathenau Gewerbeschule , Friedrichstr. 51, 12:00 – 14:00 Ecke Repartstrasse Werthmannstraße ( zwischen Unibibliothek und Mensa) 14:15 – 17.00 Platz der Alten Synagoge. Dort ist ab 16:00 Aktions-/Präsentationstag von Initiativen
19.06. Lörrach Wir werden am Vormittag vor den Schulen stehen. Ob wir beim Schulzentrum in der Baumeisterstrasse stehen ober bei den Berufs- und Weiterbildungsschulen in der Winterbugstrasse ist noch offen und am Nachmittag auf dem Marktplatz (noch nicht bestätigt von der Stadt)

Warum diese Tour?

Die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft macht uns große Sorgen. Forderungen nach „Kriegstüchtigkeit“, immer höheren Rüstungsausgaben und der „größten konventionellen Armee Europas“ hätten wir angesichts der deutschen Geschichte lange für kaum vorstellbar gehalten. Umso erschreckender ist es für uns, wie selbstverständlich und oft unreflektiert heute wieder militaristische und bellizistische Positionen vertreten werden – von der Ampelregierung ebenso wie von CDU und SPD. Wir wollen Menschen vor Krieg schützen, so gut wir können. Mit Informationen zur Kriegsdienstverweigerung an der Waffe und konkreten Beratungsangeboten möchten wir all jene unterstützen, die weder töten noch sterben wollen. Gleichzeitig wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Aufrüstung, Militarisierung und eine Politik der militärischen Logik eine Gefahr für Demokratie und gesellschaftlichen Frieden darstellen. In Zeiten globaler Machtkonflikte und erstarkender rechter Kräfte nahezu ausschließlich auf militärische Stärke, Aufrüstung und Abschreckung zu setzen, halten wir für historisch verantwortungslos und gefährlich. Mit unserer KDV-Infotour wollen wir Menschen Mut machen, sich Krieg, Wehrpflicht und Militarisierung zu verweigern – und ihnen helfen, nicht schon wieder für Deutschland sterben zu müssen.

DFG-VK Baden-Württemberg Care for Future
verweigern.info

7 Mai, 2026

Offenburg: FREITAGSRUNDE – „Von nie wieder Krieg zu Kriegstüchtig“

Mai 8 @ 19:00 – 21:00

Wie war der Stand 1945 und wie konnte es sich zu der Forderung der Kriegstüchtigkeit 2026 entwickelt. In einem kurzen Input werden hierzu Informationen gegeben, um eine Diskussion, aber auch Ausblicke, was zu tun sein könnte, zu ermöglichen.

Im Bunten Haus / Moltkestraße 10

DFG-VK Mittelbaden

mittelbaden@dfg-vk.de

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8 April, 2026

Rekordbeteiligung beim Internationalen Ostermarsch – Marche pour la Paix Kehl – Strasbourg

Mit rund 370 TeilnehmerInnen hat der Ostermarsch Kehl – Strasbourg am Karsamstag die Zahl der beiden Vorjahre deutlich übertroffen. Nicht weniger als 17 Gruppen aus Deutschland und Frankreich hatten aufgerufen, für den Frieden und gegen Kriegstauglichkeit zu demonstrieren. Unter ihnen waren die Gewerkschaften Verdi, IG BAU sowie die  französische CGT Grand-Est, außerdem natürlich Friedensgruppen wie Friedenswege – Chemins de Paix, Wehrhaft ohne Waffen am Oberrhein, Pax Christi, die VVN-BdA sowie die federführende DFG-VK Mittelbaden. Aus dem politischen Spektrum war die SDAJ Offenburg dabei. Die Vertreterin dieser Gruppe wies in ihrem Redebeitrag auf den Einfluss des kapitalistischen Systems hin, wenn es darum geht, Kriegsursachen zu benennen. Einen ganz anderen Schwerpunkt setzte Stefan Haacke von der Union der Mennonitischen Gemeinden in Frankreich. Er leitete die unbedingte Ablehnung von Gewalt durch seine Glaubensgemein- schaft aus der Geschichte dieser Bewegung ab. Angèle Kiefer von der Straßburger Gruppe des in ganz Frankreich aktiven Mouvement de la Paix zeigte sich erfreut, dass der grenzüberschreitende Ostermarsch als starkes Zeichen der internationalen Verbundenheit und als Appell an die Regierenden in Berlin und Paris gesehen werden könne. Ganz ähnlich Wolfgang Maelger, langjähriger Gemeinderat in der Stadt Kehl, in seiner Ansprache: Er erinnerte an die – aus heutiger Sicht – schnelle Entwicklung von der Zeit erbitterter  Feindschaft zwischen Deutschen und Franzosen hin zu einer tief verankerten Freundschaft und Zusammenarbeit auf den unterschiedlichsten Ebenen. Dies sei nur möglich gewesen, weil auf beiden Seiten kluge Politiker dafür die Weichen gestellt haben; und dies in einer Zeit, als die Wunden des zweiten Weltkriegs noch längst nicht vernarbt waren. Ein ganz aktuelles Thema griff Peter-Michael Kuhn von Pax Christi in seinem Beitrag auf: Die Einführung der Todesstrafe für palästinensische Straftäter in Israel bzw. den besetzten Gebieten. Die richtige Antwort darauf sei ein Appell an die Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene für die Aussetzung des Assoziierungsabkommens EU – Israel einzusetzen.

Nicht nur Worte und Reden gab es beim Ostermarsch, sondern auch Musik und Lieder. Falk Döhler umrahmte an den verschiedenen Stationen die Reden mit Gesang und Gitarre, darunter auch das Mitsinglied von 1964 „Unser Marsch ist eine gute Sache“. Ganz am Schluss kam dann noch militärischer Besuch aus Liverpool in Gestalt von Sergeant Pepper von der Lonely Hearts Club Band an der Posaune. Give peace a chance.

Ernst Rattinger, DFG-VK

Fotos: Pahlow/Rattinger-Doerr/ Wellhöfer

24 Februar, 2026

Kehl/Straßbourg: Ostermarsch

April 4 @ 14:00 – 17:00

Save the date

Auftaktkundgebung: 14 Uhr, in Kehl, dann Demo in Straßbourg

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20 Januar, 2026

Offenburg: FREITAGSRUNDE „Pflichtdienst, Wehrdienst …“ (Raumänderung!!!)

März 13 @ 19:00 – 21:00

Weiter geht es am 13. März mit der Freitagsrunde zum Themenkreis „Pflichtdienst, Wehrdienst …“

Dieses Mal doch nicht im bunten Haus sondern ausnahmsweise in der Pizzeria „Da Rosa“, Weingartenstraße 45, Nähe Kulturforum Offenburg, wie immer ab 19 Uhr. Weitere Informationen auf unserer Website  mittelbaden.dfg-vk.de

DFG-VK Mittelbaden

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4 Dezember, 2025

Neuer Webauftritt der DFG-VK Regionalgruppe Mittelbaden

Die Regionalgruppe Mittelbaden hat jetzt eine eigene Website – ganz frisch online und direkt aus Offenburg:

http://mittelbaden.dfg-vk.de/

Dort findet ihr künftig aktuelle Termine, Kontaktmöglichkeiten, Einblicke in die neuesten Entwicklungen der regionalen Friedensarbeit und natürlich auch Beiträge der Gruppe selbst.

Wer eigene Termine, kurze Berichte oder friedenspolitische Beiträge aus der Region beisteuern möchte, kann sie einfach an die Gruppe schicken:

mittelbaden@dfg-vk.de

Wenn’s passt und gefällt, werden die Beiträge dort gerne veröffentlicht. 🙂

Und falls eure Regionalgruppe ebenfalls friedenspolitische Inhalte hat, und diese auf einer Website veröffentlichen will, die es aber noch nicht gibt? Dann wendet euch gern an Jonas (ba-wue@dfg-vk.de), unseren Geschäftsführer. Er unterstützt euch gerne auf dem Weg dorthin – ganz unkompliziert.

Außerdem und ausschließlich für Kriegsdienstverweigerungs-Anfragen hat die Gruppe folgende email eingerichtet: kdv-mittelbaden@dfg-vk.de

4 Dezember, 2025

Offenburg: die FREITAGSRUNDE

Dezember 12, 2025 @ 19:00 – 21:30

Das Thema ist diesmal „Wehrdienst, Kriegsdienst, Zwangsdienst weltweit“, passend zum heutigen Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung. Wenn unser Dachverband War Resisters International (WRI) es rechtzeitig schafft, die Liste der weltweit inhaftierten Kriegsdienstverweigerer zu veröffentlichen, dann möchten wir gerne wie in den Vorjahren an viele der Inhaftierten Weihnachtskarten verschicken. Schreibmaterial bringen wir mit, um das Porto kümmern wir uns. Diesen Abend wollen wir etwas adventlich gestalten; wer also Lebkuchen oder ein Adventsgetränk mitbringen möchte, nur zu!

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30 Oktober, 2025

Russen, die den Krieg verweigern

„Wir lassen uns nicht zum Töten zwingen“ war das Thema eines Vortrags zweier Kriegsgegner aus Russland im Gemeindesaal der Evangelischen Stadtkirche Offenburg, zu dem die Deutsche Friedensgesellschaft – Gruppe Mittelbaden zusammen mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau eingeladen hatte. In den meisten westlichen Ländern ist es möglich, den Militärdienst zu verweigern. Wie ist es aber in Russland, einem Land, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt? Kämpft dort eine Berufsarmee, für die sich die Frage der Verweigerung nicht stellt? Ganz gewiss nicht, meint Sascha Belik, lange Zeit Geschäftsführer der Bewegung für Kriegsdienstverweigerung in Russland. Er ist Jurist, floh zunächst nach Estland und lebt seit einem Jahr in Polen. Auf zahlreichen Statistiken über die Zahl der Ersatzdienstleistenden in Russland – ansteigend seit dem Krieg von etwa 1.500 in 2023 auf 2.700 Personen im 1. Quartal 2025 – wird klar, dass es durchaus Militärverweigerer in Russland gibt; interessant auch die Zahl der Deserteure, Fahnenflüchtigen oder Befehlsverweigerer: 25.000 seit Kriegsbeginn, aktuell etwa 1.000 pro Monat.

Was bedeuten diese Zahlen? Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung vor der Einberufung ist in Russland seit Jahren gesetzlich verankert, aber es wird darüber nicht aufgeklärt. Wer zum ersten Mal mit den Militärbehörden zu tun hat, dem werden falsche Informationen gegeben – entweder, dass es gar nicht möglich sei, dem Militärdienst zu entgehen oder dass Anträge auf Zivildienst gar keine Chancen hätten usw. Die Bewegung für Kriegsdienstverweigerung in Russland klärt die jungen Männer über ihre Rechte auf – über die Webseite, über einen Telegram-Kanal und telefonisch. Allein über den Telegram-Kanal gebe es 500 Anfragen pro Monat.

2.700 Zivildienstleistende, fast doppelt so viele wie 2023, klingt viel, so Belik. Aber jährlich werden 300.000 Männer zum Wehrdienst einberufen. Auf der anderen Seite bedeutet die sinkende Anerkennungsquote, dass 14.000 Menschen einen Antrag auf Zivildienst gestellt haben, von denen aber nur 20 % durchgekommen sind.

Wehrdienstentziehung wird in Russland mit Geldstrafen bestraft und nur zu einem winzigen Teil mit einer Gefängnisstrafe. Wer verurteilt wird, ist ein Jahr vom Wehrdienst befreit – ein Jahr Zeit, um zu überlegen, welche weiteren Schritte zur Vermeidung des Militärdienstes es gibt. Es gibt auch – nur inoffiziell – die Variante des Freikaufes: je nach Region können 6.000 oder 10.000 Euro dafür ausreichen. Am dramatischsten ist zweifelsohne die Fahnenflucht. Denn im Gegensatz zu anderen Ländern ist es in Russland nicht möglich, als Soldat den Kriegsdienst zu verweigern.

Viele Männer, seien es Wehrdienstentzieher oder Deserteure, versuchen das Land zu verlassen – über Armenien, Georgien, die Türkei. Manche kommen dann in EU-Staaten und die müssen sich dann zu ihnen verhalten.

Damit begann der Part des zweiten Referenten, Artem Klyga, auch er Jurist und bekannter Berater aus Moskau. Als ihm selbst die Einberufung drohte, floh er nach Usbekistan und kam schließlich nach Deutschland. Hier hat er einen subsidiären Schutzstatus erhalten, aber nicht politisches Asyl.

Die EU-Staaten haben zu Beginn des Krieges vollmundig erklärt, dass sie jene Russen, die sich weigern, am Angriffskrieg ihres Landes gegen die Ukraine mitzuwirken, natürlich unterstützen werden. Die Realität sieht nach der Erfahrung Klygas anders aus. Während er Frankreich lobt, Deutschland in der Zeit der Ampel-Regierung mit Einschränkungen, berichtet er von Finnland oder Litauen, die russische Männer wieder abschieben, weil sie als Gefährder der nationalen Sicherheit gesehen werden. In den Ländern mit einer direkten Grenze zu Russland sitze die Angst vor Russen so tief, dass sie auch vor jenen, die sich mit ihrem Handeln gegen den Krieg stellen, nicht Halt macht.

Ein Lichtblick ist für Artem Klyga, dass die wahren Informationen über die Gefährdung der Deserteure in Russland in den Berichten des Europarats inzwischen auftauchen. Das wiederum ist wichtig, um in Gerichtsverfahren in Deutschland auf solche offiziellen Dokumente hinweisen zu können. Denn das für Asylfragen zuständige Bundesamt für Migration und Flucht (BAMF) argumentiere immer wieder mit der falschen Propaganda aus Russland, dass Wehrpflichtige nicht in Gefahr stünden, an die Front geschickt zu werden. Erfreulicherweise haben Gerichte in Berlin und Wiesbaden inzwischen einigen Wehrdienstentziehern einen subsidiären Schutzstatus gewährt.

Und wie können wir Klygas und Sascha Beliks Arbeit unterstützen? Belik verweist auf die Webseite stoparmy.org/en und die Möglichkeiten, für die Arbeit zu spenden. Denn die Bewegung ist in Russland offiziell nicht registriert, aber als „ausländischer Agent“ klassifiziert.

Am Ende einer lebhaften Diskussion mit dem Publikum rufen die Referenten dazu auf, die Informationen darüber zu verbreiten und den Bundestagsabgeordneten mitzuteilen, damit diese sich an die früheren Versprechen zur Unterstützung von russischen Kriegs- gegnern wieder erinnern.

Stephan Brües/Ernst Rattinger

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