Juni 14 @ 10:30 – 13:00
Am 15. Juni 2026 findet in Deutschland zum zweiten Mal der sogenannte Veteranentag statt. Eingeführt wurde dieser Gedenk- und Aktionstag mit dem erklärten Ziel, die Bundeswehr und ehemalige Soldat*innen stärker in der Gesellschaft zu verankern und ihnen mehr öffentliche Sichtbarkeit und Anerkennung zu verschaffen. Städte, Kommunen, Reservistenverbände und andere Organisationen sind dazu aufgerufen, Veranstaltungen, Empfänge und „Begegnungsformate“ für Veteran*innen zu organisieren.

Was auf den ersten Blick wie reine Wertschätzung ehemaliger Soldat*innen erscheinen mag, passiert allerdings nicht im luftleeren Raum. Der Veteran*innentag findet in einer Zeit statt, in der Deutschland massiv aufrüstet, von „Kriegstüchtigkeit“ gesprochen wird und Bundeskanzler Friedrich Merz offen die „konventionell stärkste Armee Europas“ fordert. Gleichzeitig wird die Wehrpflicht vorbereitet, die Bundeswehr drängt verstärkt an Schulen und Hochschulen und militärisches Denken soll wieder selbstverständlicher Teil des gesellschaftlichen Alltags werden.
Genau in diesem politischen Klima wird nun versucht, Veteran*innenkultur auch in Deutschland stärker zu etablieren. Dabei geht es aus unserer Sicht eben nicht nur um die individuelle Anerkennung ehemaliger Soldat*innen, sondern auch darum, Militär und Militarisierung gesellschaftlich aufzuwerten, das öffentliche Bild der Bundeswehr zu verbessern und langfristig gesellschaftlichen Rückhalt für Aufrüstung und Kriegspolitik zu schaffen.
Deutlich wird das auch in Baden-Württemberg. Hier organisieren nicht nur Reservistenverbände Veranstaltungen, sondern zunehmend auch Kommunen, Museen oder öffentliche Einrichtungen. Der Veteranentag wird mit Konzerten, Frühschoppen, Familienprogrammen, Fahrzeugausstellungen oder Kinderangeboten bewusst niedrigschwellig und volksfestartig inszeniert. In Unlingen werden beispielsweise Panzerfahrzeuge, Fallschirmabsprünge, Bundeswehr-Feldküche und Lasergewehrschießen für Kinder angeboten.
Wir als DFG-VK Baden-Württemberg sehen diese Entwicklung äußerst kritisch. Gerade mit der deutschen Geschichte halten wir es für gefährlich, Militär wieder stärker in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und neue Formen von Heldenkult zu etablieren. Wir brauchen keine gesellschaftliche Gewöhnung an Militär, keine Verherrlichung soldatischer Rollenbilder und keine weitere Militarisierung des öffentlichen Lebens.
Dabei richtet sich unsere Kritik ausdrücklich nicht gegen einzelne Menschen, die traumatisiert, verletzt oder mit schweren Erfahrungen aus Bundeswehreinsätzen zurückkehren. Selbstverständlich müssen diese Menschen Unterstützung und medizinische Versorgung erhalten. Allerdings sehen wir das in allererster Linie als Verantwortung des Staates und der Bundeswehr selbst — nicht als Aufgabe öffentlicher Militärfeste oder gesellschaftlicher Heldeninszenierungen.
Trotzdem muss natürlich auch die Frage erlaubt sein, warum Menschen überhaupt Soldat*in werden wollen — also bereit sind, im Ernstfall andere Menschen zu töten oder selbst für nationale Interessen zu sterben. Gerade deshalb halten wir eine kritische gesellschaftliche Kontrolle des Militärs für notwendig. Die vielen Skandale in der Bundeswehr rund um Rechtsextremismus, Sexismus, rassistische Vorfälle und Gewaltfantasien zeigen immer wieder, dass bewaffnete Institutionen nicht automatisch demokratische Orte sind. Viel zu oft entsteht der Eindruck, dass manche Menschen dort vor allem von Gewalt, Waffen und patriarchaler und militärischer Machtstrukturen angezogen werden.
Unser Ziel ist nicht eine bessere Versorgung zukünftiger Kriegseinsätze, sondern eine Politik, die solche Einsätze gar nicht erst hervorbringt. Denn jeder verhinderte Krieg verhindert auch neue Tote, neues Leid, neue Traumata und neue Verstümmelungen.
Während vielerorts soziale Einrichtungen kaputtgespart werden, Kommunen unter Finanzdruck stehen und gesellschaftliche Konflikte zunehmen, werden gleichzeitig unbeschränkt Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt und Militärpräsenz öffentlich immer mehr normalisiert. Wir brauchen deshalb keinen neuen Heldenkult, sondern mehr soziale Gerechtigkeit, Investitionen in Bildung und eine Politik ziviler Konfliktlösung.

Bündnisaufruf Mannheim: Aufruf gegen den Krieg, Militarisierung und Held*innenverehrung
Auch dieses Jahr findet mitten in Mannheim wieder der Veteranentag statt. Mit diesem Tag will die Bundesregierung Veteran*innen, Verwundete und Gefallene der Bundeswehr öffentlich ehren.
Doch der Kriegsdienst ist keine ehrenvolle Aufgabe. Die Bundeswehr bildet Arbeiter*innen zu Soldat*innen aus. Und in anderen Staaten tun andere Armeen das gleiche. Schon jetzt sollen wir mittels Veteran*innentag dazu erzogen werden, dass es erstrebenswert sei für diesen Staat zu kämpfen, andere zu töten, und am Ende selbst zu sterben. Denn für die Militarisierung der Gesellschaft braucht es nicht nur mehr Waffen, sondern auch moralischen Rückhalt aus der Bevölkerung für den Kriegsdienst. Wir sollen uns an militärische Härte, soldatische Männlichkeit und all das Leid, das der Krieg uns antut gewöhnen.
Aber wir wollen keinen Krieg, und wir wollen nicht darauf vorbereitet werden. Wir wollen nicht die Vormachtstellung Deutschlands während kapitalistischer Krisen mit Waffengewalt erhalten, und dafür auch nicht gegen andere Arbeiter*innen kämpfen müssen. Wir wollen nicht unsere Gesundheit und unser Leben gegen Profite und Macht für Konzerne und den Staat tauschen.
Statt in eine sichere Gesellschaft zu investieren, fließt das Geld der Stadt in die pompösen Feierlichkeiten für eine Armee, die nur Unsicherheit bringen wird. Aber wir sagen: Schluss mit Krieg und Militarisierung. Wir wollen Investitionen in unsere Zukunft, die wirklich Sicherheit bringen!
Deshalb gehen wir am 14.06. ab 10:30 vor dem Zeughaus (C 5) auf die Straße und werden mit einer Kundgebung und einer kurzen Demonstration auf diesen militaristischen Wahnsinn aufmerksam machen! Kommt mit uns, gemeinsam gegen Krieg, Militarisierung und Held*innenverehrung!





