Der Landesverband der DFG-VK Baden-Württemberg trifft sich traditionell zweimal im Jahr: im Januar zum Neujahrsempfang und im Sommer zur Landesmitgliederversammlung. Der Neujahrsempfang wird seit mehreren Jahren von der Karlsruher Regionalgruppe ausgerichtet – so auch in diesem Jahr. Ein großer Dank geht an die Karlsruher Aktiven der DFG-VK, die erneut einen verlässlichen und vertrauensvollen Rahmen für Austausch, Diskussion und Begegnung geschaffen haben. Rund 50 Teilnehmende kamen zusammen. Die Stimmung war gut, offen und der politischen Situation angemessen von großer Dynamik geprägt.
Im Zentrum des Vormittags stand das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Wehrdienstmodernisierungsgesetz und der Umgang damit. In seiner Einführung blickte der Landesvorsitzende und KDV-Experte Klaus Pfisterer zunächst auf die Arbeit des Landesvorstands seit der letzten Mitgliederversammlung zurück, ging dann aber sehr klar auf die neuen Herausforderungen ein, die sich aus dem neuen Wehrdienst für einen pazifistischen Verband ergeben.

Besonders die Kriegsdienstverweigerung gewinnt wieder massiv an Bedeutung – sowohl als konkrete Beratungsarbeit als auch als politische Dimension der Friedensarbeit. Die Zahl der Anfragen steigt, die Beratung wird komplexer, und der kontinuierliche Ausbau des Berater*innen-Netzwerks bleibt eine zentrale Aufgabe des Landesverbands. Zugleich ist die Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Hebel, um Militarismus grundsätzlich zu kritisieren und ihm praktisch etwas entgegenzusetzen.
Neben der Beratung selbst wurde auch die politische Informationsarbeit diskutiert. Angedacht ist unter anderem eine KDV- und Wehrpflicht-Infotour mit dem DFG-VK-Bulli durch Baden-Württemberg. Regionalgruppen und Mitglieder, die einen Halt in ihrer Stadt oder Region organisieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich direkt bei Jonas Fehrenbach in der Landesgeschäftsstelle zu melden.

In der anschließenden Diskussion ging es sehr konkret um den Umgang mit den neuen Fragebögen zur Wehrerfassung. Deutlich wurde, dass es hier Orientierung braucht – etwa zur Frage, wann Handlungsspielräume bestehen und ab wann mit Sanktionen zu rechnen ist, wenn der Fragebogen nicht ausgefüllt wird. Auch weitergehende Formen der Verweigerung und des zivilen Ungehorsams wurden angesprochen, etwa die Möglichkeit, den Fragebogen bewusst gar nicht auszufüllen und Menschen dabei solidarisch zu unterstützen. Der Austausch zeigte, wie wichtig es ist, diese Fragen gemeinsam zu klären, um als Friedensbewegung handlungsfähig und sprachfähig zu bleiben.
Ein weiterer zentraler Schwerpunkt des Vormittags war die zunehmende Militarisierung von Schulen. Einigkeit bestand darin, dass Anfragen von Schulen grundsätzlich angenommen werden sollten – mit dem Ziel, eigenständige friedenspolitische Veranstaltungen durchzuführen. Wird hingegen ausschließlich eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit Jugendoffizieren der Bundeswehr angeboten, sollte sorgfältig abgewogen werden, ob und unter welchen Bedingungen eine Teilnahme sinnvoll ist. Dabei spielen sowohl die eigene Positionierung als auch die rhetorischen Fähigkeiten der Beteiligten eine wichtige Rolle.

Aus dieser Debatte heraus entstand etwas sehr Ermutigendes: Mehrere Mitglieder, darunter Pädagoginnen und ehemalige Pädagogen, erklärten ihre Bereitschaft, gemeinsam Konzepte für Schulbesuche zu entwickeln. Der neu gegründete Arbeitskreis „Ab in die Schule“ wird sich in den kommenden Monaten mit Seminarformaten, pädagogischen Zugängen und strategischen Fragen befassen. Verstärkt wird diese Arbeit durch ein neues Mitglied, einen ehemaligen Jugendoffizier der Bundeswehr, der seine Erfahrungen künftig aus friedenspolitischer Perspektive in Schulen einbringen möchte.
Einen weiteren wichtigen Impuls setzte Andreas Pahlow aus der Regionalgruppe Mittelbaden. Ziel seiner Initiative ist es, gemeinsam mit anderen Aktiven ein Schulungsformat zu entwickeln, das durch Baden-Württemberg tourt und Friedensaktivist*innen gezielt in der Ansprache junger Menschen zu Themen wie Wehrpflicht, Militär und Aufrüstung schult. Wer Lust hat, an dieser Konzeption mitzuwirken, kann über die Regionalgruppe Mittelbaden Kontakt zu Andreas Pahlow aufnehmen.
Nach einer gemeinsamen Mittagspause bei Pizza – vielen Dank an die Organisator*innen für das Angebot an veganen, vegetarischen und fleischhaltigen Speisen – ging es am Nachmittag in drei Arbeitsgruppen weiter.
Die größte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Kriegsdienstverweigerungsberatung. Viele bereits aktive Berater*innen waren anwesend. Unter der Leitung von Klaus Pfisterer stand hier der fachliche Austausch im Vordergrund. Neue Zuständigkeiten, offene Rechtsfragen, Kann-Bestimmungen und erste Erfahrungen mit der Anwendung des neuen Gesetzes wurden gemeinsam diskutiert. Zugleich bot die Arbeitsgruppe Raum, um Erfahrungen aus der Beratungspraxis auszutauschen und voneinander zu lernen.
In der Arbeitsgruppe Bündnisarbeit ging es um Vernetzung, Abgrenzung und politische Perspektiven – insbesondere um die Zukunft des Friedensnetzes Baden-Württemberg und die Frage, wie landesweite Zusammenarbeit jenseits großer Einzelveranstaltungen gestaltet werden kann.
Eine dritte Arbeitsgruppe befasste sich mit dem Zusammenhang von Militärausgaben und sozialen Kürzungen. Anhand konkreter Beispiele – von gestrichenen Angeboten in der Kinderbetreuung bis hin zur Schließung von Blindenklassen an Schulen – wurde deutlich, wie sehr die aktuelle Aufrüstungspolitik den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.
Zum Abschluss des Neujahrstreffens kamen alle Teilnehmenden noch einmal zusammen, hörten kurze Berichte aus den Arbeitsgruppen und tauschten sich bei Kaffee und Kuchen aus. Der Landesvorstand bedankt sich für einen intensiven und produktiven Tag, der mit dem offiziellen Abschluss durch Klaus Pfisterer endete. Das Treffen machte Mut – weil es gezeigt hat, dass Analyse, Haltung und konkrete Handlungsansätze zusammengehören und dass wir Wissen und Kraft haben, uns der fortschreitenden Militarisierung entgegenzustellen.
