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DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg

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Friedensbildung

27 Juli, 2026

Landesmitgliederversammlung 2026: Gemeinsam für Frieden in bewegten Zeiten

Mit rund 50 Teilnehmenden war die Landesmitgliederversammlung der DFG-VK Baden-Württemberg am 18. Juli im Clara-Zetkin-Haus in Stuttgart so gut besucht wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Dass sich so viele Mitglieder an einem sonnigen Sommer-Samstag Zeit nahmen, zeigt: Krieg, Aufrüstung und die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft beschäftigen unsere Mitglieder sehr. Als pazifistischer und antimilitaristischer Verband wollen wir diesen Entwicklungen nicht tatenlos zusehen. Wir setzen uns gegen die drohende Rückkehr der Wehrpflicht ein, beraten Menschen, die aus Gewissensgründen keinen Kriegsdienst leisten wollen, und entwickeln gemeinsam Ideen, wie Frieden, Diplomatie und zivile Konfliktbearbeitung wieder stärker in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten rücken können.

Als Landesverband Baden-Württemberg der DFG-VK möchten wir diese Themen nicht nur landespolitisch begleiten, sondern insbesondere die Friedensarbeit vor Ort stärken. Neben den vereinsinternen Beratungen standen deshalb vor allem die politischen Entwicklungen in Baden-Württemberg und die Frage im Mittelpunkt, wie wir als Teil der Friedensbewegung auf die zunehmende Militarisierung reagieren und ihr konkrete friedliche Alternativen entgegensetzen können.

Baden-Württemberg auf dem Weg zum „olivgrünen Musterländle“

Den inhaltlichen Auftakt gestaltete unser Mitglied Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) mit seinem Vortrag „Olivgrünes Musterländle“.

Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er auf, wie Baden-Württemberg Schritt für Schritt zu einem militärischen Vorzeigeland umgebaut wird. Seine Analyse spannte den Bogen von den ungehemmten Milliardenprogrammen für Aufrüstung über den Ausbau der Bundeswehr und ihrer Reserve, den Operationsplan Deutschland und die stärkere militärische Nutzung öffentlicher Infrastruktur bis hin zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die zunehmend auf Sicherheits- und Verteidigungsforschung ausgerichtet werden sollen.

Besonders eindrücklich analysierte er die Regierungserklärung des damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Darin warb dieser ausdrücklich dafür, dass sich auch die baden-württembergische Maschinenbauindustrie stärker im militärischen Bereich engagiert. Unternehmen, die bislang ausschließlich zivil produzierten, wurde die Unterstützung der Landesregierung zugesichert, wenn sie künftig Rüstungsgüter herstellen oder ihre Produktion entsprechend umstellen wollen. Nach Einschätzung Jürgen Wagners wird auch Ministerpräsident Cem Özdemir diesen Kurs fortsetzen.

Deutlich wurde dabei: Militarisierung betrifft längst nicht mehr nur Kasernen und Streitkräfte. Sie verändert Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und öffentliche Infrastruktur gleichermaßen.

Die Präsentation von Jürgen Wagner hier zum Download bereit. 

Die anschließende Diskussion zeigte, wie viele Fragen diese Entwicklungen aufwerfen. Diskutiert wurden unter anderem die Auswirkungen der Aufrüstung auf den Sozialstaat, die zunehmende Einbindung ziviler Einrichtungen und der Rotlichtorganisationen und des Gesundheitswesens in militärische Planungen, der Abbau von Zivilklauseln an Hochschulen, die wachsende Präsenz der Bundeswehr an Schulen sowie die Rolle der Friedensbewegung in einer zunehmend militarisierten Gesellschaft. Immer wieder wurde auch die Finanzierungsfrage gestellt: Wer soll die ungehemmten Milliardenprogramme für militärische Aufrüstung langfristig bezahlen? Bereits heute steigen die Zinsausgaben des Bundes deutlich an. Wenn ab Mitte der 2030er Jahre zusätzlich die Tilgung dieser Schulden beginnt, drohen erhebliche Belastungen künftiger Haushalte – mit möglichen Folgen für Bildung, Soziales, Kultur und viele andere öffentliche Aufgaben.

Gemeinsam sichtbar werden

Nach dem Mittagessen trafen sich die Teilnehmenden im wunderschönen Garten des Clara-Zetkin-Hauses zu einem gemeinsamen Fototermin. Dabei entstand das neue Gruppenfoto des Landesverbandes, das die große Beteiligung und den starken Zusammenhalt unserer Friedensbewegung sichtbar macht.

Fairer Prozess für die ULM 5

Außerdem nahm der Landesvorstand mit Klaus Pfisterer, Thomas Schild-Dona und Stefan Philipp ein Solidaritätsvideo für die Ulm Five auf. Darin fordert die DFG-VK Baden-Württemberg einen fairen rechtsstaatlichen Prozess für die fünf Angeklagten und wendet sich gegen die Kriminalisierung antimilitaristischen Protests.

Friedensarbeit lebt vom Mitmachen

Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in drei Arbeitsgruppen weiter.

In der Arbeitsgruppe Kriegsdienstverweigerung wurden die nächsten Schritte beim Ausbau unseres Beratungsnetzwerkes geplant. Neben der Beratung Ungedienter rückt künftig verstärkt auch die Beratung von Reservistinnen und Reservisten in den Mittelpunkt. Sollte das angekündigte Reservestärkungsgesetz beschlossen werden, wird der Beratungsbedarf in diesem Bereich deutlich zunehmen. Wie bereits bei der Beratung Ungedienter möchte die DFG-VK auch hier frühzeitig gut aufgestellt sein und Betroffenen kompetente Unterstützung anbieten.

Die Arbeitsgruppe Schule knüpfte an ihre Arbeit seit dem Neujahrsempfang des Landesverbandes in Karlsruhe an. In den vergangenen Monaten wurden Materialien entwickelt, Erfahrungen gesammelt und Konzepte für Schulveranstaltungen weiterentwickelt. Die Landesmitgliederversammlung bot nun die Gelegenheit, neue Interessierte einzubinden und gemeinsam die nächsten Schritte zu planen.

Besonders positiv wurde über einen Projekttag am Andreae-Gymnasium in Herrenberg berichtet. Dort hatte die Schule das Thema Wehrpflicht und Sicherheitspolitik bewusst aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Neben einem Jugendoffizier der Bundeswehr – dessen Beteiligung aus unserer Sicht für eine ausgewogene Veranstaltung nicht zwingend erforderlich gewesen wäre – kamen auch Vertreter des Bundes für Soziale Verteidigung, der DFG-VK sowie Radio Wüste Welle zu Wort. Gerade diese Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven wurde als vorbildlich bewertet und soll auch zukünftige Schulveranstaltungen inspirieren.

Unter dem Titel „Landesverband – wie weiter?“ beschäftigte sich die dritte Arbeitsgruppe mit einer zentralen Zukunftsfrage: Wie können wir unsere Friedensarbeit so weiterentwickeln, dass der Landesverband auch in vielen Jahren lebendig, handlungsfähig und wirksam bleibt? Viele Mitglieder engagieren sich seit Jahrzehnten mit großem Einsatz für Frieden und Abrüstung. Gemeinsam wurde darüber beraten, wie wir neue Menschen für diese Arbeit gewinnen, Erfahrungen weitergeben und neue Ideen entwickeln können. Dazu gehört auch, moderne Formen der Öffentlichkeitsarbeit auszuprobieren, ohne dabei unsere bewährten Kommunikationswege oder langjährige Mitglieder aus dem Blick zu verlieren. Zukunftsfähigkeit bedeutet für uns nicht, Bewährtes aufzugeben, sondern Bestehendes sinnvoll weiterzuentwickeln.

Viele Projekte für die kommenden Monate

Am Nachmittag wurden außerdem die Delegierten des Landesverbandes für den Bundeskongress der DFG-VK gewählt, der vom 23. bis 25. Oktober 2026 in Stuttgart stattfinden wird. Dass der Bundeskongress in diesem Jahr in Baden-Württemberg ausgerichtet wird, ist vor allem dem großen Engagement vieler Aktiver aus unserem Landesverband zu verdanken – insbesondere der Regionalgruppe Stuttgart sowie den Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe. Für diesen großartigen Einsatz bedanken wir uns herzlich.

Das Programm kann sich sehen lassen: Am Freitag beginnt der Bundeskongress mit einem gemeinsamen Treffen am Deserteursdenkmal in Stuttgart. Am Abend folgt die Verleihung des Ludwig-Baumann-Preises des Carl-von-Ossietzky-Solidaritätsfonds der DFG-VK. Am Samstag stehen die Antragsberatungen sowie der Vortrag von Margot Käßmann im Mittelpunkt, bevor der Sonntag Raum für Arbeitsgruppen, Vernetzung und gemeinsame Perspektiven bietet. Weitere Informationen finden sich unter https://buko2026.dfg-vk.de.

Erfreulich war außerdem, dass sich bereits während der Landesmitgliederversammlung weitere Mitglieder bereit erklärten, organisatorische Aufgaben rund um den Bundeskongress zu übernehmen. Auch dafür bedanken wir uns herzlich.

Außerdem informierte der Landesvorstand über den Protest gegen das Bundeswehr-Ferienlager in Kellmünz. Nein zur Frühmilitarisierung – insbesondere von Sechs- bis Zwölfjährigen. Kinder brauchen Räume zum Spielen, Lernen und Entdecken – nicht die Gewöhnung an militärische Strukturen. Deshalb ruft die DFG-VK Baden-Württemberg dazu auf, den friedlichen Protest am 11. August zu unterstützen.

Abgerundet wurde der Tag durch die Ankündigung eines Workshops zu WordPress, Instagram und Canva, den Geschäftsführer Jonas Fehrenbach im Herbst in Karlsruhe anbieten wird. Ziel ist es, noch mehr Mitglieder dabei zu unterstützen, selbst Öffentlichkeitsarbeit zu machen und unsere Themen sichtbar in die gesellschaftliche Debatte einzubringen.

Mit Rückenwind in die zweite Jahreshälfte

Die Landesmitgliederversammlung hat deutlich gemacht: Friedensarbeit ist notwendiger denn je. Seit der ausgerufenen Zeitenwende erleben wir eine politische Entwicklung, in der militärische Aufrüstung und Abschreckung vielfach als alternativlos dargestellt werden. Gleichzeitig fließen ungehemmte Milliardenbeträge in militärische Projekte, während an anderer Stelle gespart wird.

Doch inzwischen wächst der Widerspruch. Immer mehr Menschen fragen, welche gesellschaftlichen Folgen diese Politik hat und warum für Rüstung scheinbar unbegrenzt Geld zur Verfügung steht, während im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich Kürzungen diskutiert werden. Diese Fragen werden längst nicht mehr nur innerhalb der Friedensbewegung gestellt.

Dass sich an einem sonnigen Sommer-Samstag rund 50 Menschen Zeit genommen haben, gemeinsam über Frieden, Abrüstung und zivile Alternativen nachzudenken, macht Mut. Die Herausforderungen werden größer – aber auch die Bereitschaft, ihnen gemeinsam etwas entgegenzusetzen. Darauf wollen wir aufbauen. Mit vielen neuen Ideen, einer starken Gemeinschaft und dem Engagement unserer Mitglieder gehen wir motiviert in die zweite Jahreshälfte – für eine Gesellschaft, die Konflikte nicht durch Gewalt, Aufrüstung und Abschreckung, sondern durch Dialog, Diplomatie und internationale Zusammenarbeit löst.

24 Juli, 2026

Freiburg: von Freiburg darf nicht länger Krieg ausgehen (Vorbereitungstreffen)

Juli 28 @ 19:00 – 19:30

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde im Raum Freiburg,

gerne laden wir euch zu unserem Informations- und Aktionstreffen gemäß
dem Motto ein: VON FREIBURG DARF NICHT LÄNGER KRIEG AUSGEHEN!

Denn Freiburg ist Sitz von LITEF, einem hundertprozentigen Tochterunternehmen des US-Rüstungsriesen Northrop Grumman. Weit mehr als 50 Prozent der LITEF-Produkte sind militärisch: Navigationsgeräte, Sensoren und inertiale Messeinheiten für Raketen, Torpedos, Panzer, Kriegsschiffe, U-Boote, Kampfflugzeuge, Militärhelikopter und Drohnen. Zentrale Waffenbestandteile werden an Staaten in aller Welt exportiert,
wo sie in zahlreichen Kriegen zum Einsatz kommen. Die Folgen sind todbringend: Abertausende Menschen werden verletzt und getötet, riesige Naturflächen werden vernichtet, die Klimakatastrophe wird beschleunigt.

Wir wollen nicht länger hinnehmen, dass von unserer Stadt aus weltweit Kriege durch LITEF unterstützt werden. Unsere Vision als FRIEDENSSTADT FREIBURG! ist die Produktion für das Leben, statt Waffen für den Tod. Gerne würden wir gemeinsam mit euch eine umfassende Strategie entwickeln, wie wir möglichst erfolgreich darauf hinwirken können, dass LITEF die zivile Transformation einleitet. Ziel ist die Entwicklung
und Fertigung ökologisch und sozial nachhaltiger Produkte!

Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, werden wir am Weltfriedenstag, dem 21. September, aktiv: mit einer Aktion vor LITEF und mit einer Informations- und Aktionsveranstaltung am Abend im Kommunalen Kino.

ZUR VORBEREITUNG UNSERER AKTIVITÄTEN TREFFEN WIR UNS AM DIENSTAG, DEN 28. JULI 2026 UM 19:00 UHR, IM HAUS DES ENGAGEMENTS, REHLINGSTR. 9, IM VERANSTALTUNGSRAUM.

Nur gemeinsam sind wir stark! Wir freuen uns auf euer Kommen!!!

Friedensstadt Freiburg

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Haus des Engagements

Rehlingstraße 9
Freiburg, Germany
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16 Juli, 2026

Ulli-Thiel-Friedenspreis 2026: Wenn Kinder uns zeigen, wie Frieden geht

Es gibt Termine im Jahr, auf die wir uns als DFG-VK Baden-Württemberg ganz besonders freuen. Die Verleihung des Ulli-Thiel-Friedenspreises gehört ohne Zweifel dazu. Denn kaum eine Veranstaltung macht so viel Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft wie dieser Wettbewerb, bei dem Kinder und Jugendliche ihre Gedanken, Ideen und Visionen für Frieden und gewaltfreies Zusammenleben einbringen.

Unter dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ wurden am 26. Juni 2026 im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart bereits zum siebten Mal Schülerinnen und Schüler für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Das Motto geht auf den Friedensaktivisten und Namensgeber des Preises Ulli Thiel zurück und hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.

Schon Stunden vor Beginn herrschte geschäftiges Treiben. Das Team der den Preis ausrichtenden Organisationen war früh vor Ort, um gemeinsam die letzten Vorbereitungen zu treffen. Technik wurde aufgebaut, die Ausstellung der eingereichten Arbeiten im Lichthof gestaltet und die Preisverleihung vorbereitet.

Selbst ein kurzfristiger Stromausfall in der Stuttgarter Innenstadt konnte die gute Stimmung nicht trüben. Besonders beeindruckt hat uns dabei die Ruhe und Professionalität des Teams vom Haus der Katholischen Kirche. Trotz großer Hitze blieb alles entspannt und lösungsorientiert. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Für das ausgezeichnete Catering, das die Gäste während des Nachmittags versorgte, gilt unser Dank ebenso den beteiligten Caterer*innen.

Nach und nach trafen die ersten Schulklassen ein. Einige probten noch ihre musikalischen Beiträge, andere bauten Präsentationen auf oder bereiteten die Vorstellung ihrer Arbeiten vor. Im Lichthof entstanden viele Gespräche zwischen Schülerinnen, Lehrkräften, Eltern, Gästen und den Vertreterinnen der veranstaltenden Organisationen. Diese Begegnungen sind ein wichtiger Teil des Ulli-Thiel-Friedenspreises. Bewusst möchten wir dabei nicht nur auszeichnen, sondern mit den jungen Menschen ins Gespräch kommen, ihre Gedanken kennenlernen und erfahren, wie sie auf die Welt blicken. Bei Getränken und kleinen Snacks konnten die ausgezeichneten Werke betrachtet werden, bevor die eigentliche Preisverleihung begann.

Und dann kam der Moment, auf den alle gewartet hatten.

Wer dabei war, wird die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen nicht so schnell vergessen. Wenn Grundschülerinnen und Grundschüler ihre Friedensideen vorstellen und darüber sprechen, was sie selbst für ein gutes und friedliches Leben brauchen, wenn selbstgeschriebene Lieder gesungen oder Kunstwerke erklärt werden, dann wird deutlich, wie viel Kreativität, Mitgefühl und Nachdenklichkeit in der jungen Generation steckt. Oft sind es gerade die einfachen Gedanken und Botschaften, die besonders berühren und auf die wir Erwachsenen selbst nicht gekommen wären. Vielleicht sollten wir tatsächlich häufiger den Kindern zuhören, wenn wir über Frieden sprechen.

Genauso bewegend waren die Beiträge älterer Schülerinnen und Schüler. In Poetry-Slams, Liedern, Wortbeiträgen und Kunstprojekten formulierten sie ihre Kritik an Ausgrenzung, Ungerechtigkeit, Krieg und den politischen Verhältnissen unserer Zeit. Dabei verbanden sie Fragen von Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Klimaschutz miteinander. Es ist beeindruckend und oft auch augenöffnend zu erleben, mit welcher Klarheit junge Menschen gesellschaftliche Missstände benennen und zugleich den Mut haben, Hoffnung und Veränderung einzufordern.

Insgesamt wurden in diesem Jahr mehr als 60 Arbeiten von 28 Schulen eingereicht. Die Jury zeichnete 14 Beiträge aus und vergab zusätzlich zehn Anerkennungspreise. Den mit 500 Euro dotierten ersten Preis erhielt Kyra Brand vom Nellenburg-Gymnasium Stockach für ihre berührende Geschichtensammlung „Geschichten eines Kindes“. Darin schildert sie die Schrecken des Krieges aus der Perspektive von Kindern und macht eindrucksvoll deutlich, dass junge Menschen oft die größten Leidtragenden bewaffneter Konflikte sind.

Die weiteren ausgezeichneten Arbeiten zeigten, wie vielfältig Kinder und Jugendliche sich dem Thema Frieden nähern. Friedensspiele, Kunstwerke, Lieder, Gedichte, Geschichten und Gemeinschaftsprojekte machten deutlich, dass Frieden weit mehr ist als die Abwesenheit von Krieg. Frieden entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, zuhören, respektvoll miteinander umgehen und sich für andere einsetzen.

Für alle teilnehmenden Schulen, Klassen und Gruppen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, die Themen Krieg, Frieden und Gewaltfreiheit weiter zu vertiefen. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen bieten wir an, Schulen zu besuchen und mit Schülerinnen und Schülern über Friedenspolitik, Kriegsdienstverweigerung, Konfliktlösung und gewaltfreie Alternativen zu Krieg zu sprechen. Interessierte Schulen können sich hierfür gerne an den Landesverband der DFG-VK Baden-Württemberg wenden.

Im Rahmen der Preisverleihung hielt auch Bischof Dr. Klaus Krämer eine Laudatio und würdigte das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Besonders in Erinnerung bleiben werden uns die Worte von Sonnhild Thiel, der Ehefrau des verstorbenen Namensgebers des Preises. Sie gab den jungen Menschen einen Satz mit auf den Weg, der gerade in den heutigen Zeiten aktueller kaum sein könnte:

„Folgt nie einem Befehl, informiert euch, denkt selbst nach und entscheidet freiwillig nach eurem Gewissen und nach den Prinzipien der Menschenrechte.“

Der Preis trägt den Namen von Ulli Thiel (1943–2014). Er war Sonderpädagoge, Friedensaktivist, langjähriger Geschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg, in der GEW engagiert und den Kirchen eng verbunden. Als Mitinitiator der Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm im Jahr 1983 prägte er die Friedensbewegung in Baden-Württemberg nachhaltig. Von ihm stammt der Satz „Frieden schaffen ohne Waffen“, der zum Motto des Wettbewerbs wurde. Dass heute kirchliche Organisationen, Friedensgruppen und Bildungsverbände gemeinsam diesen Preis vergeben, spiegelt auch das wider, wofür Ulli Thiel selbst stand: die Zusammenarbeit unterschiedlicher Menschen und Organisationen für eine friedliche und gerechte Gesellschaft.

Für uns als DFG-VK Baden-Württemberg war dieser Nachmittag vor allem eines: eine Erinnerung daran, warum sich Friedensarbeit lohnt. Während vielerorts über Aufrüstung, Abschreckung und Kriegstüchtigkeit diskutiert wird, zeigen Kinder und Jugendliche, dass es auch andere Perspektiven gibt – Perspektiven, die von Mitgefühl, Kreativität, Menschlichkeit und dem Wunsch nach einer friedlicheren Welt geprägt sind.

Deshalb möchten wir allen danken, die den Ulli-Thiel-Friedenspreis möglich machen: den beteiligten Organisationen, den vielen Ehrenamtlichen, den Jurymitgliedern, den Lehrkräften, die das Thema Frieden in ihre Schulen tragen, und natürlich den Eltern, die ihre Kinder dabei unterstützen.

Vor allem aber danken wir den Schülerinnen und Schülern selbst. Sie sind das Herz dieses Wettbewerbs. Ihre Arbeiten zeigen, dass Friedensbildung wirkt und dass die Idee „Frieden schaffen ohne Waffen“ auch mehr als vierzig Jahre nach ihrer Formulierung nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Für uns ist dieses Motto weit mehr als ein Slogan. Denn nur ohne Waffen und nur durch Gewaltfreiheit kann der eskalative Spiralcharakter von Gewalt und Krieg durchbrochen werden.

Wer die ausgezeichneten Arbeiten selbst entdecken möchte, findet sie auf der Homepage des Ulli-Thiel-Friedenspreises. Ein Besuch lohnt sich. Die Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie junge Menschen heute über Frieden, Gerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung nachdenken.

Dokumentation der Friedenspreise

Wir hoffen, dass sich im kommenden Wettbewerbsjahr noch mehr junge Menschen beteiligen und ihre Ideen für eine friedliche Zukunft einreichen. Denn eine demokratische und friedliche Gesellschaft entsteht nicht von selbst – sie wächst dort, wo Menschen lernen, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Und genau das konnten wir an diesem wunderbaren Nachmittag in Stuttgart erleben.

Besonders bedanken möchten wir uns zum Schluss bei Ruth Scheel, die den Ulli-Thiel-Friedenspreis für die DFG-VK Baden-Württemberg betreut. Wir glauben, sagen zu dürfen, dass sie weit darüber hinaus auch diejenige ist, die mit großem Engagement, viel Herz und einem bemerkenswerten Organisationstalent dafür sorgt, dass dieser Preis Jahr für Jahr so liebevoll gestaltet wird, weiterwächst und immer mehr junge Menschen erreicht.

Alle Fotos von Peter Axmann ©

13 Juli, 2026

Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr – Neuer Flyer der Kampagne

Die Bundesrepublik Deutschland verstärkt die Rekrutierung von Minderjährigen zum Militär in den letzten Jahren immer mehr. Unsägliche Marketingvideos, die Kids Bock auf Krieg und kriegerische Handlungen machen sollen, flimmern über die kindeswohlgefährdenden Socialmedia- und Youtubekanäle der Bundeswehr. Das Ziel ist offensichtlich: Das Soldat*in-Sein als etwas „tolles“, „ehrenhaftes“, „verantwortungsvolles“ und „cooles“ darzustellen.

Auf Messen wie der Gamescom sollen Jugendliche „begeistert“ werden, in „coolen“ Ferienlagern „überzeugt“ von der Sinnhaftigkeit des Soldatentums, und bei Karriere- und Berufsinformationsveranstaltungen wird der Beruf Soldat*in normalisiert und die jungen Menschen dann „festgemacht“ fürs Töten und Sterben.

Das lässt sich die Bundeswehr auch einiges an Marketingbudget kosten. Dies führt dann dazu , das Jugendliche emotional von der Bundeswehr und ihren kriegerischen Getue überwältigt werden und unterbewusst positive „Images“ von ihr entwickeln. Mit der Folge, das sie sich als Angestellte der Kriegsmaschinerie wiederfinden, mit der Option andere töten zu müssen oder selbst getötet zu werden.

Die UN und der Europarat finden nichts Verantwortungsvolles an der Anwerbung von Minderjährigen durch das Militär und kritisieren Deutschland und andere Staaten mit solchen Rekrutierungsstrategien für ihre „kindeswohlgefährdenden“ Machenschaften. Doch Pistorius, Merz, Kiesewetter und Co kennen auf dem gefährlichen Weg zur größten konventionellen Armee Europas offensichtlich keinen Kinder- und Jugendschutz.

Unterstützt die Kampagne unter 18 nie dabei Kinder und Jugendliche vor der Bundeswehr zu schützen und Werbung fürs Töten und Sterben bei Jugendlichen und Kindern zu verbieten. Denn selbst Kinderferienlager für 6-12 jährige mit der Beteiligung der Bundeswehr scheinen den Verantwortlichen in Deutschland nötig zu sein, um „Kriegstüchtigkeit“ herzustellen.

Hier der aktualisierte Flyer, der auch über hier die Friedenskooperative bestellt werden kann.

7 Juli, 2026

§ Recht kurz §: Totalverweigerung

Von Stefan Philipp (Bearbeitungsstand: 03.07.2026)

PDF zum Download

Juristische Folgen einer Totalverweigerung der Wehrpflicht

In der KDV-Beratung taucht gelegentlich der Begriff „Totalverweigerung“ (TV) auf; auch die Bezeichnungen „Totale Kriegsdienstverweigerung“ (TKDV), „radikale Kriegsdienstverweigerung“ oder „Wehrpflichtverweigerung“ werden benutzt. Häufig ist dabei nicht ganz klar, was damit konkret gemeint ist und welche Folgen eine solche Verweigerung hat. Deshalb werden hier inhaltliche Zusammenhänge und juristische Folgen dargestellt.

Ausgangspunkt für die Totalverweigerung ist die Anmaßung des Staates, die männlichen Deutschen ggf. zu Soldaten zu machen und zum Kriegsdienst zu zwingen. Gegen einen solchen Kriegsdienstzwang, in der Sprache des Grundgesetzes als „Wehrpflicht“ bezeichnet, richtet sich die Kriegsdienstverweigerung (KDV). Je nach dem Selbstverständnis des KDVers reicht es ihm aus, wenn nur er nicht Soldat werden und direkten, bewaffneten Kriegsdienst leisten muss (bzw. dafür ausgebildet wird), und bereit ist, für den verweigerten Dienst einen Ersatz zu leisten. Er akzeptiert damit – ob gewollt oder nicht – das System des Kriegsdienstzwangs, u.U. sogar die Existenz von Militär. Oder aber: Er lehnt den Kriegsdienstzwang grundsätzlich ab und verweigert (insofern „total“) alle sich aus der Wehrpflicht ergebenden Folgen.

Das Wehrpflichtsystem ist so begründet: Nach dem Grundgesetz (GG) können alle deutschen Männer ab 18 Jahren zum Dienst in der Bundeswehr verpflichtet werden (Art. 12a GG). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts fordert die Verfassung die militärische Landesverteidigung (Art. 87a Abs. 1 GG); diese kann entweder durch die Wehrpflicht oder durch eine Freiwilligen-/Berufsarmee sichergestellt werden (Urteil v. 13.04.1978, Az: 2 BvF 1,2,4,5/77). Um für die Ende 1955 gegründete Bundeswehr genug Soldaten [!] rekrutieren zu können, wurde Mitte 1956 die Wehrpflicht mit dem Wehrpflichtgesetz (WPflG) gesetzlich eingeführt.

Inhalt und Dauer der Wehrpflicht sind durch § 3 WPflG festgelegt. Danach wird die Wehrpflicht durch den Dienst bei der Bundeswehr erfüllt, bei anerkannten KDVern nach Art. 4 Abs. 3 GG durch den Zivildienst. Sie beginnt mit 18 Jahren und endet im Frieden mit 45, im Krieg mit 60 Jahren; die Dienstdauer ist im Frieden begrenzt und gesetzlich bestimmt (derzeit keine Einberufungen), im Krieg unbefristet (limitiert nur durch die Altersgrenze 60, Verletzung und damit evtl. Untauglichkeit oder Tod). Außerdem gehören zur Wehrpflicht die Erfassung und die Musterung (§ 3 Abs. 1 WPflG). Wer sich grundsätzlich gegen die Wehrpflicht wehren und diesem staatlichen Kriegsdienstzwang nicht nachkommen will, der stellt eher keinen KDV-Antrag nach Art. 4 Abs. 3 GG; auch weil das KDV-Recht auf Gewissensgründe und bewaffneten Dienst beschränkt, eine Ersatzleistung erzwungen wird und KDVer in die sog. Gesamtverteidigung eingeplant sind. TV/TKDV kann dann Folgendes bedeuten:

Erfassungsverweigerung: Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) erhält nach § 15 WPflG in einem automatisierten Verfahren von den Meldeämtern zahlreiche Daten der Wehrpflichtigen und fordert seit dem 01.01.2026 diese nach § 15a WPflG zur Abgabe einer „Erklärung zur Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Wehrdienstleistung“ auf (Bereitschaftserklärung, „Fragebogen“). Der Datenübermittlung kann man rechtlich nicht widersprechen und sie faktisch nicht verhindern und sie damit nicht verweigern. Die Nichtabgabe der Bereitschaftserklärung ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld geahndet werden (geplant: 250 Euro. Siehe alles Weitere in „Recht kurz: Bußgeldverfahren“).

Musterungsverweigerung: (Ungediente) Wehrpflichtige müssen vor einer Heranziehung zum Wehrdienst gemustert werden (§ 16 Abs. 1 WPflG), um die Tauglichkeit und Eignung festzustellen. Die Wehrverwaltung baut die Kapazitäten für massenhafte Musterungen gerade erst auf und plant diese ab der Jahresmitte 2027. Wer die Musterung verweigert, kann dazu polizeilich vorgeführt werden (§ 44 Abs. 2 WPflG). Wenn eine solche scheitert, keinen Erfolg verspricht oder sich der Wehrpflichtige nicht untersuchen lässt, kann nach Aktenlage entschieden werden (§ 17 Abs. 10 WPflG). Die Stellung eines KDV-Antrags nach Art. 4 Abs. 3 GG entbindet nicht von der Musterung, im Gegenteil: Nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 des Kriegsdienstverweigerungsgesetzes (KDVG) wird der KDV-Antrag bei Verweigerung der Musterung abgelehnt.

Verweigerung des Wehr- oder Zivildienstes: Wer tauglich und verfügbar (es liegen keine keine Ausschluss-, Befreiungs- oder Zurückstellungsgründe vor) ist, kann zum Bundeswehr- oder (im Falle der Anerkennung als KDVer) Zivildienst einberufen werden. Wer den Dienst grundsätzlich verweigert, also der Einberufung nicht folgt oder die Dienststelle mit der Absicht verlässt, dauerhaft keinen Dienst zu leisten, wird strafrechtlich verfolgt. Auf Fahnenflucht (§ 16 Wehrstrafgesetz; WStG) und Dienstflucht (§ 53 Zivildienstgesetz; ZDG) stehen bis zu 

5 Jahre Freiheitsstrafe (Gefängnis). Soldaten können daneben disziplinarisch verfolgt und mit bis zu 63 Tagen Disziplinararrest (bundeswehrinterne Inhaftierung) belegt werden. Da derzeit keine Zwangseinberufungen erfolgen (§ 2 Abs. 3 WPflG = teilweise noch ausgesetzte Wehrpflicht), kann (und muss) kein Dienst verweigert werden. Bei einer später dann ggf. möglichen Totalverweigerung sollte man sich anwaltlich beraten lassen.

7 Juli, 2026

§ Recht kurz §: Bußgeldverfahren

Von Stefan Philipp (Bearbeitungsstand: 03.07.2026)

PDF zum Download

Ablauf des Bußgeldverfahrens bei Erfassungsverweigerung

Wer der Aufforderung durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) zur Abgabe einer „Erklärung zur Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Wehrdienstleistung“ („Fragebogen“) nach § 15a des Wehrpflichtgesetzes (WPflG) nicht nachzukommen will, sollte Rechtsfolgen und Verfahren kennen.

Nach § 45 Abs. 1 Nr. WPflG ist die „nicht richtig[e] oder nicht vollständig[e]“ Abgabe einer Bereitschaftserklärung eine Ordnungswidrigkeit; diese „kann mit einer Geldbuße geahndet werden“ (45 Abs. 2 WPflG). Aktuell liegend noch keine Bußgeldbescheide vor, geplant ist nach Informationen aus dem Bundesministerium der Verteidigung ein Betrag von 250 Euro.

Im Gegensatz zu Straftaten (z.B. Körperverletzung, Raub, Totschlag), die von der Staatsanwaltschaft ermittelt und mit einem Strafbefehl geahndet oder angeklagt, vor Gericht verhandelt und u.U. mit Gefängnis bestraft werden und im Führungszeugnis auftauchen, sind Ordnungswidrigkeiten (z.B. Falschparken, Ruhestörung, Handy am Steuer) leichtere Rechtsverstöße, die von Verwaltungsbehörden mit Verwarnungs- oder Bußgeld sanktioniert und nicht ins Führungszeugnis aufgenommen werden.

Geregelt ist das im Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG). Bußgeldbehörde ist für die Fälle der Erfassungsverweigerung gemäß § 45 Abs. 3 WPflG das BAPersBw mit Sitz in Köln. Ein Bußgeldbescheid muss zugestellt werden (per Zustellungsurkunde = „gelber Brief“ oder per Übergabeeinschreiben bzw. Einschreiben mit Rückschein – siehe Verwaltungszustellungsgesetz). Der Bescheid muss eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten (§ 50 Abs. 2 i.V.m. § 66 Abs. 2 OWiG), also eine Erklärung darüber, wie man sich rechtlich gegen den Bescheid wehren kann. Das Rechtsmittel gegen einen Bußgeldbescheid ist der Einspruch, der innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe schriftlich (und nicht per E-Mail!) einzulegen ist (§ 67 Abs. 1 OWiG), am besten per Einschreiben mit Rückschein. Über den Einspruch entscheidet ein Einzelrichter beim Amtsgericht (AG) Köln (§ 68 Abs. 1 OWiG) bzw. ein Jugendrichter beim AG Köln (§ 68 Abs. 2 OWiG) in öffentlicher Verhandlung, wenn der Betroffene unter 21 Jahre alt und damit rechtlich sog. Heranwachsender (§ 1 Abs. 2 Jugendgerichtsgesetz) ist. Da die Aufforderung zur Abgabe der Bereitschaftserklärung planmäßig an alle 18 Jahre alt gewordenen Männer geht, dürften absehbar alle Verhandlungen über Einsprüche gegen Bußgeldbescheide vor dem Jugendgericht (JG) in Köln verhandelt und entschieden werden. Das AG Köln mit seiner JG-Abteilung ist eines der größten deutschen Amtsgerichte; dort werden von ca. 170 Richter*innen jährlich über 50.000 Straf-, Ordnungswidrigkeiten- und Zivilverfahren erledigt. Anders als im Strafverfahren, bei dem ein Verschlechterungsverbot gilt (für den Fall, dass nach einer erstinstanzlichen Verurteilung ausschließlich der Verurteilte Berufung einlegt), ist im Einspruchsverfahren das Gericht nicht an die Höhe des Bußgeldbescheids gebunden – das Gericht könnte also auch ein höheres Bußgeld verhängen. Nach § 17 Abs. 1 OWiG beträgt eine Geldbuße zwischen fünf und 1.000 Euro. Gegen ein Urteil des AG/JG gibt es das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde. Eine solche ist nach § 79 Abs. 1 Nr. 1 OWiG allerdings nur zulässig, wenn das Gericht zu einem höheren Bußgeld als 250 Euro verurteilt hat.

Nach Rechtskraft der Entscheidung ist diese vollstreckbar (§ 89 OWiG), das Bußgeld muss also bezahlt werden und fließt in die Bundeskasse (§ 90 Abs. 2 OWiG), Vollstreckungsbehörde ist das BAPersBw (§ 92 OWiG). Wer nicht bezahlt, kann einmalig bis zu sechs Wochen in Erzwingungshaft genommen werden (§ 96 OWiG).

Bei der Erfassungsverweigerung ist mit diesen Kosten zu rechnen: Zum Bußgeld hinzu kommen eine Verwaltungsgebühr (28,50 Euro) und ggf. die Gerichtsgebühren (50 Euro), außerdem evtl. eigene Reise- und Übernachtungskosten, das persönliche Erscheinen in der Verhandlung ist normalerweise angeordnet (§ 73 OWiG). Falls man sich anwaltlich vertreten lässt, können leicht weitere Kosten von 1.000 bis 2.000 Euro hinzukommen.

Die Aussichten, sich gegen ein Bußgeld erfolgreich juristisch zu wehren, sind gering. Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG), mit dem das WPflG um den § 15a ergänzt wurde, ist formal korrekt zustande gekommen und (wohl) nicht verfassungswidrig. Um die Rechtswidrigkeit (als Grundlage der Bußgeldahndung) der Nichtabgabe einer Bereitschaftserklärung auszuschließen, kämen allenfalls Notwehr (§ 15 OWiG) oder rechtfertigender Notstand (§ 16 OWiG) in Betracht, das dadurch geschützte Rechtsgut wäre die vom Grundgesetz (GG) als unverletzlich garantierte und geschützte Gewissensfreiheit (Art. 4 Abs. 1 GG). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) wird die Reichweite der Gewissensfreiheit im Bereich der Wehrpflicht allerdings durch Art. 4 Abs. 3 GG abschließend geregelt (Beschluss d. BVerfG v. 20.12.1960, Az. 1 BvL 21/60 = BVerfGE 12,45). Die Erfassung erfolgt aber im Rahmen der Wehrpflicht (besser: Kriegsdienstzwang), die sich also solche legal nicht verweigern lässt, sondern lediglich auf Antrag der Dienst als Soldat bei der Bundeswehr.

19 Juni, 2026

SÜDWESTKONTAKTE & ZIVILCOURAGE 02 I 2026

Die neuen SÜDWESTKONTAKTE und die ZIVILCOURAGE sind auf dem Weg in die Briefkästen. Wer schon mal oder sowieso lieber digital mag: Et voila!

19 Juni, 2026

Streiken statt schießen

Anna und Jakob von Schulstreik gegen Wehrpflicht in Frankfurt erklären, wie es nach drei bundesweiten Aktionstagen weitergeht

Interview: Hêlîn Dirik

Der nächste Streiktag gegen Wehrpflicht ist in Planung – aber dabei allein bleibt es nicht. Foto: Schulstreik gegen Wehrpflicht FFM

Im Dezember wurde ein neues Wehrdienstgesetz beschlossen, das seit dem 1. Januar 18-jährige Männer verpflichtet, Fragebögen der Bundeswehr auszufüllen. Verpflichtende Musterungen sollen ab Juli 2027 beginnen. Die Schulstreik-gegen-Wehrpflicht-Bewegung organisiert sich dagegen und hat diesen Monat ein drittes Mal bundesweit gestreikt. Anna und Jakob, die den Schulstreik in Frankfurt am Main mitorganisieren, sprechen im Interview darüber, was als Nächstes ansteht und wie es mit den Schulstreiks weitergeht.

Ihr habt am 8. Mai euren dritten Streik seit Dezember durchgeführt. Wie lief es diesmal, und was war anders im Vergleich zu den Streiks davor?

Jakob: Wir haben mit dem Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus einen geschichtsträchtigen Tag zum Streiken gewählt und wollten damit bewusst ein Zeichen setzen gegen Krieg, Militarisierung und Faschismus. Hier in Frankfurt am Main waren diesmal um die 600 Schüler*innen auf den Straßen, also schon etwas weniger als beim letzten Mal, aber die Energie war trotzdem stark. Wenn man sich Umfragen von Schüler*innen für Schüler*innen ansieht, merkt man, dass das Thema immer noch viele beschäftigt und es eine riesige Ablehnung der Wehrpflicht gibt. Viele haben weiterhin Angst, eingezogen zu werden und für Deutschland kämpfen und sterben zu müssen.

Anna: Die letzte Demo im März hier war sehr davon geprägt, dass alle möglichen organisierten Gruppen da waren und Präsenz gezeigt haben. Diesmal war es schon mehr eine Schüler*innen-Demo, und es waren deutlich mehr jüngere Schüler*innen dabei. Das liegt auch daran, dass wir in den letzten Wochen Schulgruppen aufgebaut haben, von ihnen waren einige da und sehr sichtbar.

Was sind diese Schulgruppen?

Jakob: Wir haben an verschiedenen Schulen welche gegründet, mit dem Ziel, dass wir Schüler*innen anfangen, uns mehr selbst zu organisieren und für uns selbst zu arbeiten. Die Schüler*innen einer Schule tun sich dann zusammen, bemalen zusammen Plakate, machen Umfragen zur Wehrpflicht, flyern und treten in Kontakt mit anderen Schüler*innen, um zu mobilisieren und zu diskutieren. Sie reisen dann meist auch gemeinsam zu den Demos an – das gibt ein schönes Bild, wenn dann Plakate zu sehen sind mit »Schule xy gegen die Wehrpflicht«.

Anna und Jakob

Jakob, 16, ist seit Beginn bei den Schulstreiks aktiv und hat eine Schulgruppe gegen Wehrpflicht aufgebaut. Anna, 25, ist in einer Jugendorganisation aktiv und unterstützt den Aufbau der Schulstreikbewegung.

Woran lag es eurer Meinung nach, dass es diesmal weniger Beteiligung gab?

Anna: Zum einen an Abitur-Prüfungen, aber es gab auch viele Versuche der medialen Einschüchterung und staatlicher Repression. Das sorgt für Frustration und hält Schüler*innen von vielen Aktionen ab. Es gibt einige Schulleitungen, die unseren Streiks gegenüber positiver eingestellt sind und sogar sagen, dass sie keine Fehlstunden eintragen. Aber eben auch Schulen, bei denen die Schultore verschlossen wurden, um die Schüler*innen vom Streiken abzuhalten. Ein Schüler, der den Streik an seiner Schule groß gemacht hat, hat sogar eine Klassenkonferenz bekommen, weil er geflyert hat. Lehrer*innen haben ihm auch vorgeworfen, dass er Schüler*innen zum Schwänzen animieren würde. Viele von ihnen scheinen zu vergessen, dass im Hessischen Schulgesetz auch steht, dass Lehrer*innen und Schulen einen Auftrag für Friedensbildung haben.

Wir hoffen, dass eine starke internationale Bewegung gegen Krieg entsteht.

Jakob: Es gab einen Artikel der Hessenschau, der behauptete, unsere Schulstreiks seien von der SDAJ gesteuert. Ich weiß, dass auch das einige davon abgehalten hat zu kommen. Medial wird versucht, uns als Schulstreikende schlecht dastehen zu lassen und Angst zu schüren. Auch der Verfassungsschutz hat noch am Tag vor den Streiks vor uns gewarnt. In Teilen stimmt es ja auch, dass auch Schüler*innen, die bei der SDAJ organisiert sind, Teil des Streikbündnisses sind. Aber das ist nur ein kleiner Teil und liegt eben daran, dass es schon immer ein linkes und auch kommunistisches Interesse war, Krieg zu verhindern. Es steuert uns aber niemand, wir sind eine basisdemokratische Bewegung. Am Ende stehen wir als Schüler*innen gemeinsam gegen Wehrpflicht und Krieg und werden uns weder vom Verfassungsschutz noch von medialer Diffamierung spalten lassen.

Ihr habt drei Streiktage und zwei bundesweite Streikkonferenzen hinter euch. Wie sieht euer Fahrplan für die nächste Zeit aus? Bleibt ihr dabei, alle paar Monate zu streiken, oder habt ihr noch anderes vor?

Jakob: Die Streiks werden wir auf alle Fälle fortsetzen, das ist für uns das effektivste Mittel. Sie sind ein starkes Zeichen und zeigen, wie ernst wir es meinen. Wir gehen nicht zur Schule, lernen nicht, lassen die Klassenräume leer und stellen uns so gegen die Pläne der Regierung. Bis zum nächsten Streik im Herbst wollen wir unsere Organisierung stärken und ausbauen.

Anna: Wir werden uns jetzt auch vermehrt dagegen organisieren, dass Bundeswehroffiziere an Schulen kommen. Aber auch Aktionen zum Veteranentag nächsten Monat, weitere Streikkonferenzen und die Teilnahme an den Friedensdemos am 3. Oktober sind geplant. Wir wollen außerdem Bündnisse stärken und die Bewegung so breit aufziehen, dass alle, die gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht sind, mitmachen können. Aber auch inhaltliche Auseinandersetzungen vertiefen, deshalb findet der nächste Streik auch erst im Herbst statt. So haben wir mehr Zeit für Austausch.

Um welche Themen geht es dabei?

Anna: In Offenbach zum Beispiel haben wir kürzlich eine Veranstaltung über Militarisierung in Deutschland gemacht, in deren Anschluss wir auch das Streikkomitee dort gegründet haben. Wir haben uns da auch Werbevideos der Bundeswehr zusammen angesehen und analysiert, wie gerade Jugendliche dadurch angesprochen werden und was das alles mit uns macht. Bei den Streikkonferenzen haben wir außerdem auch mehr über die Rolle von Frauen in der Bewegung gesprochen, wie Militarisierung Frauen trifft und was es bedeutet, dass eine ganze Generation von Männern in ein Regime von Gehorsam reinerzogen wird. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht würde nicht nur junge Männer ab Jahrgang 2008 betreffen, sondern die Gesellschaft insgesamt, also auch Frauen. Diese Perspektive wollen wir auf den kommenden Demonstrationen und in den lokalen Strukturen weiter vertiefen und diskutieren.

Gibt es ein übergeordnetes Ziel der Bewegung? Und was ist eure persönliche Hoffnung, wie sie sich entwickelt?

Jakob: Meine Hoffnung ist, dass eine starke deutschlandweite, aber auch internationale Bewegung gegen Krieg und Militarisierung entsteht. Der Kampf gegen die Wehrpflicht ist da ein guter Anfang, und die Bündnisse, die wir dabei aufgebaut haben, müssen wir beibehalten und weiterführen. Und ich hoffe, dass die Jugend aktiv wird und bleibt, dass wir als Jugendliche mehr Einfluss auf die Zukunft dieser Welt haben.

Anna: Krieg zu verhindern, würde ich sagen, ist das große Ziel. Und dass vielleicht in ganz Europa eine Schulstreikbewegung entsteht und wir als Jugendliche zeigen, dass wir nicht gegeneinander kämpfen werden. Wir sind auch im Kontakt mit Genoss*innen in anderen Ländern, einige von ihnen haben auch an unserer Streikkonferenz teilgenommen, das gibt uns Hoffnung. Die Bundeswehr versucht mit Versprechen nach Kameradschaft zu locken, in einer Situation, in der viele Jugendliche nach Sinn suchen, die Hoffnung verlieren und vereinsamen. An der Front zu kämpfen, um angeblich die Demokratie oder die Freiheit zu verteidigen, ist aber nicht in unserem Sinn. Als Jugendliche können wir uns gegen die Ohnmacht wehren und selbst einen Sinn schaffen, indem wir gemeinsam nicht nur Krieg verhindern, sondern auch Werte wie Frieden verteidigen und eine Alternative zu Militarisierung und Krieg schaffen.

Hêlîn Dirik

ist Redakteurin bei ak.

Aus AK Zeitung für linke Debatte und Kritik, Nr. 726, 19.05.2026

15 Juni, 2026

Freiburg: Was tun für den Frieden? Filmgespräch und Podiumsdiskussion

Juni 18 @ 19:00 – 22:00

19:00 Uhr: tun wir.tun wir. was dazu. Der Freiburger Friedensfilm über Pazifisten, Widerständige und Visionäre in der 900-jährigen Geschichte.

FILM-DOKU von A12*: 12 Autoren aus 9 Vereinen mit Filmemacher Stefan Ganter, 2022, 88 min

danach

20:30 Uhr  Podium: Was tun für den Frieden?

*Prof. Dr. Melanie Hussak, Leitung Friedensinstitut Freiburg an Evangelischer Hochschule

*Dr. Ludwig Brüggemann, IPPNW Regionalgruppe

*Dr. Barbara Henze, Co-Autorin des Films

*Jürgen Grässlin, Autor, RIB eV, Friedensstadt Freiburg *NN Friedensforum Freiburg *Franziska Schopf, Fachbereich Friedensbildung und pax christi, Freiburg, angefr..

*NN Jugendvereinigung, angefr.

*Moderation: Dr. Georg Löser, Vorsitz ECOtrinova e.V.

evangelische Hochschule Freiburg

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10 Juni, 2026

Freiburg: Vor 85 Jahren: der deutsche Überfall auf die Sowjetunion in der Erinnerung der Russen und der Deutschen

Juni 22 @ 19:00 – 21:00

Am 22.Juni jährt sich zum  85. Mal der Tag des deutschen Überfalls und Vernichtung-Feldzuges auf die Sowjetunion, die Operation Barbarossa.Dabei wurden unzählige Dörfer und Städte verwüstet, große Teile des Landes zerstört. Die Sowjetunion beklagte mehr als 27 Millionen tote Sowjetbürger.

Von einer deutschen Erinnerungskultur oder historische Verantwortung und Verpflichtung gegenüber dem Nachfolge-Staat Russland – analog zur deutschen Staatsräson gegenüber Israel trotz dessen Kriege und Besatzungspolitik- ist nichts zu spüren.

Im Gegenteil, in Deutschland können Gedenkfeiern an sowjetischen Ehrenmale in Berlin, an denen tausende sowjetische Soldaten begraben sind, nur unter rigiden Polizeikontrollen und beschämenden Auflagen und Einschränkungen stattfinden. Die Begründung dafür ist, dass der Nachfolgestaat Russland seit 2022 Krieg gegen die Ukraine führt und russische Propaganda unterbunden werden soll. Gespräche oder diplomatischen Initiativen mit Russland zur Beendigung dieses Konflikts und Stellvertreter-Krieges finden von deutscher Seite nicht statt, stattdessen aber eine massive militärische Unterstützung der Ukraine. Zudem wird Russland unterstellt, dass es 2029 einen Angriff auf NATO-Staaten plane, obwohl bereits heute die europäischen NATO-Armeen Russland haushoch überlegen sind, was konventionelle Waffen anbelangt. Deutschland rechtfertigt damit seine gigantische Aufrüstung „was immer es koste“, während die Axt im Sozialbereich angelegt wird, weil der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar“ (Kanzler Merz) sei.

Frieden in Europa ist nur mit Russland und nicht gegen Russland möglich!

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