• Skip to main content

DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg

  • Über uns
    • Unser Selbstverständnis
    • Kontakte
    • Grundordnung des DFG-VK Landesbandes Baden-Württemberg
    • Landesvorstand +
    • Geschäftsführer
    • Referent*innen
  • verweigern.info
  • Infos / Aktivitäten
    • Informationen
      • Politische und historische Dimension von KDV
      • Pressemitteilungen
      • SÜDWEST-KONTAKTE
      • Informationen
      • § Recht kurz $
        • § Recht kurz §: Totalverweigerung
        • § Recht kurz §: Bußgeldverfahren
        • § Recht kurz §: schriftliche (statt digitale) Abgabe der Bereitschaftserklärung
    • Kampagnen
      • Friedensfähig statt erstschlagsfähig
      • Atomwaffenfrei jetzt
      • Unter 18 nie!
      • Aktion Aufschrei -Stoppt den Waffenhandel
      • Sicherheit neu denken
      • Weitere Kampagnen
    • Ulli-Thiel-Friedenspreis
    • Servicestelle Friedensbildung Ba-Wü
    • Pax an
  • Veranstaltungen
  • Suche

Friedensbewegung

11 Juni, 2026

Zumach: Jünger, europäisch und auf keinem Auge blind – Voraussetzungen für ein Wiedererstarken der Friedensbewegung

Andreas Zumach    Wissenschaft & Frieden  Heft  2/2026  (Mai 26)

Jünger, europäisch und auf keinem Auge blind –

Voraussetzungen für ein Wiedererstarken der Friedensbewegung

Zusammenfassung: Deutschland erlebt die größte und gefährlichste Aufrüstung sowie die stärkste innergesellschaftliche Militarisierung seit 1945 mit gigantischen Kosten und Folgen für die Zukunft des Landes. Ähnliches geschieht in den meisten Mitgliedsstaaten der EU. Gegen diese gefährliche Entwicklung müssten viele Menschen demonstrieren und Widerstand leisten. Doch die deutsche Friedensbewegung brachte bei Demonstrationen der letzten Jahre nur wenige zehntausend Menschen die Straße. Was sind die Ursachen für diese Mobilisierungspleiten? Wie kann es der Friedensbewegung gelingen, erneut die Mitte der Gesellschaft zu erreichen? Überlegungen zur Bewegung aus der Mitte der Bewegung heraus.

In vielen friedensbewegten Zusammenhängen wird zu Recht anerkannt, welch große Mobilisierungsleistung die Friedensbewegung vor 40 Jahren erbrachte: Hunderttausende waren auf den Demonstrationen dieser Zeit. Bei der Erinnerung an die Aktionen und Erfolge der Friedensbewegung der 1980er Jahre kann es aber nicht um Nostalgie gehen, sondern um eine systematische Analyse der Bedingungen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Natürlich sind die heutigen globalen, europäischen, innerdeutschen und medialen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Mobilisierung aus der Friedensbewegung anders als vor 40 Jahren – in mancher Hinsicht ist die Ausgangslage komplizierter und schwieriger. Dennoch: vier Bedingungen, die damals erfüllt waren, sind meines Erachtens auch heute notwendige Voraussetzungen für ein Wiedererstarken der Friedensbewegung. Diese sind: Die Universalität der Forderungen und Argumente, eine alle Altersgruppen umspannende Bewegung, die die jüngeren Menschen mobilisieren kann, das Durchbrechen des sicherheitspolitischen Konsens und die Überzeugung, eine gesamteuropäische Bewegung sein zu wollen.

1)Friedensbewegung ist universalistisch oder gar nicht

»Die Waffen nieder!« – Bertha von Suttner verstand diesen 1889 in ihrem gleichnamigen Buch veröffentlichten Appell universalistisch. Sie bezog ihn auf alle Kriege, Kriegsdrohungen und -vorbereitungen, die damals weltweit stattfanden. Auch die Bewegung »Nie wieder Krieg«, die 1920 auf Initiative des »Friedensbundes der Kriegsteilnehmer« (darunter Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky) gegründet wurde, und die in den nachfolgenden Jahren unter diesem Motto Kundgebungen und Demonstrationen mit hunderttausenden Teilnehmer*innen organisierte, war universalistisch ausgerichtet. Dasselbe gilt auch für die Friedensbewegung der 1950er Jahre (»Kampf dem Atomtod«) wie für die Friedensbewegung der 1980er Jahre. Letztere demonstrierte am 10. Oktober 1981 in Bonn trotz aller Heterogenität und aller unterschiedlicher Positionen der vielen beteiligten Gruppen und Organisationen gemeinsam „Gegen die atomare Bedrohung in Ost und West“ sowie gegen „Geist, Logik und Politik der Abschreckung“, wie es im Aufruf und in den Reden des Tages hieß.

Doch genau diese überzeugte Haltung einer umfassenden und alle Parteien gleichermaßen für ihre Gewaltlogik kritisierenden Bewegung ist heute oft eine Minderheitsposition. Leider nicht universalistisch argumentiert beispielsweise die von einem Personenbündnis[i] getragene Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« (im Folgenden: die Initiative), die laut Selbstdarstellung auf ihrer Webseite von Ende 2025 „in den letzten 3 Jahren die Großdemonstrationen der deutschen Friedensbewegung gegen den Krieg in der Ukraine organisiert hat“ (Initiative 2025). Das stimmt allerdings in zweifacher Hinsicht nicht.

– Die bislang größte Demonstration und Kundgebung gegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine mit fast 500.000 Teilnehmer*innen am 27. Februar 2022 in Berlin wurde von anderer Seite veranstaltet.

– Die tatsächlich von der Initiative jeweils am 3. Oktober 2024 und 2025 organisierten Kundgebungen in Berlin und Stuttgart richteten sich keineswegs gegen Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Am Beispiel von 2024 ist dies drastisch sichtbar: Sicherlich 80% des Aufruftextes (Initiative 2024a) zum 3. Oktober 2024 bestand aus zahlreichen, durchaus richtigen und wichtigen Kritikpunkten und Forderungen an die Adresse des »Westens« und der Bundesregierung. Die Ukraine wurde in dem Aufruf allerdings lediglich in den Sätzen „Verhandlungen zur sofortigen Beendigung des Krieges in der Ukraine!“ und „Keine Waffenlieferungen an die Ukraine!“ erwähnt (ebd.). Dass Russland diesen Krieg gegen die Ukraine führt, kommt in dem Aufruf nicht vor. Geschweige denn eine Benennung und Kritik dieses Krieges als völkerrechtswidrig. Oder gar ein Aufruf an die Regierung Putin, diesen Krieg zu beenden. Für die „Beschleunigung der Eskalation dieses Krieges“ wurde ausschließlich „der Westen – einschließlich der Bundesregierung“ verantwortlich gemacht. Interessanterweise wird diese Analyse von einer Initiative angestellt, deren Mitglieder alle völkerrechtswidrigen Kriege und sonstigen Völkerrechtsbrüche der USA, der NATO oder auch des kollektiven »Westens« in der Vergangenheit immer – und völlig zu Recht – scharf kritisiert haben.

In mehreren Verhandlungsrunden mit führenden Organisationen der Friedensbewegung (DFG-VK, IPPNW, Pax Christi, Ohne Rüstung Leben, Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden) weigerte sich – nach Auskunft von Vertreter*innen all dieser Organisationen – die Initiative beharrlich, auch nur irgendeine Formulierung zu Russlands Krieg gegen die Ukraine in den Aufruftext aufzunehmen. Abgelehnt wurde von der Initiative auch die Forderung nach „Schutz und Asyl für KriegsdienstverweigerInnen und DeserteurInnen aus Russland, Belarus und der Ukraine“. Daraufhin lehnten alle an den Verhandlungen beteiligten Organisationen eine Unterzeichnung des Aufrufs ab. Die DFG-VK begründete dies in einer ausführlichen Stellungnahme (DFG-VK 2024). Nach diesem Scheitern einer Verbesserung des Aufrufs lehnten auch mehrere von der Initiative angefragte Personen (darunter ich selbst, Margot Käßmann, Jürgen Grässlin und Günter Verheugen) einen Auftritt als Redner*innen bei der Kundgebung ab.

Die Initiative begründete ihre Haltung nach Auskunft von an den Verhandlungen über den Aufruftext beteiligen Personen damit, den Aufruf im Interesse einer breiten Mobilisierung offen und für alle politischen Richtungen anschlussfähig halten zu wollen – und damit auch bewusst für Putin-Sympathisant*innen, AFD-nahe und andere rechtspopulistische bzw. rechtsextreme Kreise. Daher lehnte die Initiative den Antrag ab, die folgende Formulierung in den Aufruf aufzunehmen: „Für Gruppen und Menschen aus dem nationalistischen, antidemokratischen oder rechtsextremen Spektrum und solchen, die mit ihnen zusammenarbeiten, ist auf der Aktion kein Platz – wir streiten für eine Welt, in der alle Menschen frei, friedlich und in Sicherheit leben können!“ Aber selbst dieses äußerst fragwürdige Kalkül ging nicht auf. An der Demonstration und Kundgebung nahmen maximal 15.000 Menschen teil – die Initiative blies diese Zahl auf  vermeintlich über 40.000 auf (vgl. Initiative 2024b). Der SPD-Politiker Ralf Stegner wurde ausgebuht und niedergeschrien, als er in seiner Kundgebungsrede den „völkerrechtswidrigen Krieg Russlands“ erwähnte (vgl. Beucker 2024).

Für die Kundgebung am 3. Oktober 2025 veröffentlichte die Initiative dann trotz der Kritik aus dem Vorjahr und trotz des misslungenen Mobilisierungserfolgs erneut einen Aufruf, in dem dieser Krieg nicht vorkam (Initiative 2025c). Die daraufhin erneut geführten Verhandlungen mit den oben genannten und weiteren Friedensorganisationen führten zwar zu einem gemeinsamen zusätzlichen Aufruf »Nie wieder kriegstüchtig« (Initiative 2025d) mit viel richtiger und notwendiger Kritik an westlicher Aufrüstung. Doch auch in diesem Aufruf wurde Russlands Krieg nicht konkret benannt. Man habe sich auf die Kompromissfomulierung „Wir lehnen alle Kriege ab“ geeinigt, verkündete DFG-VK-Sprecher Thomas Carl Schwörer nach Abschluss der Verhandlungen unter anderem auf einer Online-Beratung der DFG-VK Baden-Württemberg am 12.8.2025 (siehe DFG-VK Baden-Württemberg 2025).

Doch selbst dieser faule, ja feige Formelkompromiss wurde letztlich nicht eingehalten: Der schließlich veröffentlichte Aufruf benennt sehr konkret im Detail (und in der Sache völlig zutreffend) „die von immer mehr Staaten und Organisationen als Völkermord klassifizierte Kriegsführung (Israels) im Gazastreifen“. Die Bundesregierung wurde aufgerufen, „alles dafür zu tun, damit der Krieg, die Vertreibung der Palästinenser und PalästinenserInnen und der Einsatz von Hunger als Waffe umgehend beendet werden“. Andere Kriege fanden auf diese Weise keine gleichwertige Erwähnung und andere staatliche Gewaltakteure wurden auch nicht als problematisch benannt.

Auch die beiden Aufrufe zum 3. Oktober 2025 brachten – wie schon ein Jahr zuvor – viel weniger Menschen auf die Straße, als angesichts von Hochrüstung und innergesellschaftlicher Militarisierung dringend notwendig wären: maximal 12.000 in Berlin (von den Veranstalter*innen erneut deutlich höher mit 20.000 angegeben, (vgl. Initiative 2025e) und rund 15.000 in Stuttgart. Das anvisierte breite Spektrum von Menschen, die in Kirchen, Gewerkschaften, Berufsverbänden und anderen gesellschaftlichen Institutionen verankert sind, wurde von den Aufrufen eben nicht mobilisiert. Die Medien schenkten den Kundgebungen sowohl im Vorfeld als auch in der Berichterstattung noch weniger Aufmerksamkeit als im Vorjahr. Selbst aus der Politik fühlte sich diesmal niemand auch nur zu einem kritischen Kommentar herausgefordert – so unbedeutend war der Druck, der von »der Straße« ausging.

Das alles war voraussehbar. Denn mit der Einseitigkeit und den Doppelstandards bei der Kritik an Verstößen gegen universell gültige Völkerrechts- und Menschenrechtsnormen in den zitierten Aufrufen, anderen einschlägigen Texten sowie den Kundgebungsreden der letzten vier Jahre haben sich zumindest weite Teile der Friedensbewegung ähnlich verhalten wie sie dies sonst zu Recht bei den westlichen Regierungen, NATO und EU kritisieren. Das hat die Glaubwürdigkeit der Friedensbewegung erheblich beschädigt. Es kann zwar nicht als der einzige, aber so doch als wesentlicher Grund für die Mobilisierungspleiten im Oktober 2024 und 2025 gelten. Stattdessen wurden die Kritiker*innen der beiden Aufrufe der Initiative einer Spaltung der Friedensbewegung bezichtigt und gemeinsam mit den Medien für die geringen Teilnehmendenzahlen verantwortlich gemacht. Die notwendige Konsequenz, künftige Aufrufe und Forderungen universalistischer zu formulieren, wurde leider nicht gezogen.

Ebenso einseitig war auch der Aufruf zum diesjährigen Ostermarsch in Berlin (vgl. FriKo 2026), dem in der 4-Millionen-Stadt lediglich 1.600 Menschen folgten. Proportional zur Bevölkerung weit mehr Menschen konnte die Friedensbewegung in Mainz-Wiesbaden mit ihrem allseitigen, universalistischen Aufruf mobilisieren (vgl. DFG-VK Mainz-Wiesbaden 2026).

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und auch schon die ebenfalls völkerrechtswidrige Annexion der Krim im Jahr 2014 werden in Diskussionen unter (vermeintlich) Friedensbewegten immer wieder relativiert, verharmlost oder gar ausdrücklich gerechtfertigt, zumeist unter Verweis auf die – zu Recht scharf kritisierte – NATO-Osterweiterung. Kritiker*innen dieses Krieges aus der Friedensbewegung werden von diesem Kreis pauschal als »Bellizist*innen« oder gar als »russophob« denunziert. Doch nur wenn die Friedensbewegung diesen völkerrechtswidrigen Krieg der Regierung Putin eindeutig benennt und kritisiert, hätte sie überhaupt eine Chance, dem tatsächlich bellizistischen und teilweise russophoben Mainstream in Politik und Medien, Geheimdienst, Bundeswehr sowie unter sicherheitspolitischen »Expert*innen«, der die öffentliche Wahrnehmung wesentlich bestimmt, etwas entgegenzusetzen.

Nur so ergibt sich eine Aussicht auf Erfolg zumindest in Teilen der Bevölkerung. Nur dann besteht eine Möglichkeit, die völlig unrealistischen und nicht belegten Bedrohungsbehauptungen wahrnehmbar zu entzaubern, die Regierung Putin plane zum einen nach Ende des Krieges gegen die Ukraine militärische Angriffe gegen Polen, die baltischen Staaten, Deutschland und andere NATO-Staaten, und sei zum anderen dazu spätestens Ende dieses Jahrzehnts auch militärisch in der Lage. Denn es sind diese Bedrohungsbehauptungen, mit denen die massive Aufrüstung mit ihren horrenden finanziellen Kosten und die daraus folgenden fatalen Ausgabenkürzungen in allen nichtmilitärischen Bereichen der Politik gerechtfertigt werden und innenpolitisch durchgesetzt werden sollen. Doch eine solche glaubhafte Widerlegung kann nur dann gelingen, wenn sich eine universalistische Perspektive ohne Ausnahme in der Friedensbewegung erneut durchsetzt.

2) Junge Generationen gewinnen

In der Friedensbewegung der 1980er Jahre stellte die Altersgruppe der unter 40-jährigen die Mehrheit. Das galt für die Aktivist*innen, Organisator*innen und Sprecher*innen der Bewegung und ebenso für die Teilnehmenden an Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen, Vortragsveranstaltungen oder Blockadeaktionen an Raketenstandorten. Auch bei Umfragen zu den Zielen der Friedensbewegung gab es in dieser Altersgruppe größere Zustimmungswerte als in den älteren Jahrgängen. Ein Beispiel dafür ist die im August 1982 vom ZDF-Politbarometer in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage, in der sich 75% aller Befragten und in den beiden jüngsten Altersgruppen noch deutlich größere Mehrheiten gegen die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen aussprachen (für die Originaldaten vgl. Berger et al. 1992).

Das verhält sich heute genau umgekehrt. Die seit Ende des Kalten Krieges 1989/1990 und noch mehr die seit Beginn des Jahrtausends Geborenen fehlen in der Friedensbewegung fast völlig. Aus dieser Alterskohorte kommt bei allen Umfragen seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine 2022 auch die höchste Zustimmung zu Waffenlieferungen an Kyjiw sowie zur Aufrüstung der Bundeswehr. Bei Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zu friedenspolitischen Themen wird das Fehlen jüngerer Teilnehmer*innen von den Anwesenden fast immer beklagt, wie ich aus eigener Anschauung bezeugen kann. Manchmal mit Erklärungsversuchen, die jüngeren Generationen seien „unpolitisch“, „weniger engagiert“ oder gar „dümmer“. Das sind allerdings nicht belegte Vorurteile, und auch das starke Engagement jüngerer Menschen vor allem in der Klimaschutzbewegung, aber auch in Initiativen gegen Rassismus und Rechtsextremismus zeigt ein gegenteiliges Bild.

Mit Blick auf friedens- und sicherheitspolitische Themen hat die Altersgruppe der heute unter 20-jährigen und in geringerem Maße auch der bis 40-jährigen allerdings ein Erfahrungs- und Wissensdefizit. Für diese Generationen sind die meisten Kriege, die das Bewusstsein früherer Jahrgänge geprägt sowie ihr friedenspolitisches Engagement motiviert haben (Vietnam, Korea, Golfkriege I und II, Jugoslawien, Irak, zwei Mal Afghanistan 1979ff. und 2001ff.) graue Vorzeit. Dasselbe gilt für die militärische Niederschlagung demokratischer Erhebungen in den Warschauer Vertragsstaaten (Ungarn, Tschescheslowakei, Ungarn, DDR) durch die Sowjetunion sowie für die zahlreichen US-Militärinterventionen und gewaltsam herbeigeführten Regierungsstürze in Mittelamerika (von Guatemala 1954 bis Panama 1989).

Für die seit 2000 Geborenen ist Russlands Krieg gegen die Ukraine der erste Krieg, den sie bewusst »erleben« – auch, weil dieser Krieg in Europa stattfindet. Das prägt das Bewusstsein und die oben zitierten Einstellungen zu Waffenlieferungen, Aufrüstung etc. In der Schule haben sie zu wenig und manchmal sogar überhaupt nichts über die Kriege, Militärinterventionen und sonstigen Gewaltkonflikte zwischen 1945 und dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan 2021 erfahren, wie ich bei zahlreichen Schulbesuchen in den letzten 25 Jahren festgestellt habe. Daher sind auch viele der früheren Bemühungen unbekannt, Gewaltkonflikte durch Diplomatie und Verhandlungen zu beenden, zu deeskalieren oder gar ihren Ausbruch zu verhindern.

Ohne eine zumindest teilweise Überwindung dieses Erfahrungs- und Wissensdefizits wird es nicht gelingen, einen relevanten Teil der heute unter 40-jährigen für die Friedensbewegung zu gewinnen. Dafür wird die militärkritische Politisierung, die seit der zweiten Hälfte 2025 bei Angehörigen der Altersgruppe 18+ begonnen hat, infolge ihrer – zunächst noch halb freiwilligen – Vorbereitung auf den Kriegsdienst allein nicht ausreichen. Selbst dann nicht, wenn es zu einer vollständigen Wiedereinsetzung der Kriegsdienstpflicht kommen sollte.

Es braucht dafür aktive Friedensbildungsangebote und die Begegnung mit Zeitzeug*innen. Für die Generation, die in den 1960er bis 1990er Jahren politisiert und zum Engagement in der Friedensbewegung, in Initiativen zur Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion u. ä. motiviert wurden, waren die Überlebenden der Shoa und des Widerstandes gegen die Nazi-Diktatur ganz entscheidende Zeitzeug*innen. Diese sind heute fast alle verstorben. Daher meine ich, dass eine wichtige Zeitzeug*innenfunktion heute die über 60-jährigen in der Friedensbewegung übernehmen müssen – diesmal bezogen auf die Periode ab Mitte/Ende der 1960er Jahre (Beginn der Ost- und Entspannungspolitik) bis zum 2021 beendeten Afghanistankrieg. Das heißt in erster Linie: überall unter Berufung auf den Beutelsbacher Konsens den Zugang zu den Schulen einzufordern, um der inzwischen erheblich verstärkten Propaganda der Bundeswehr an den Schulen etwas entgegenzusetzen. Die Altersgruppe der 25-40-jährigen lässt sich nach meinen Erfahrungen noch am ehesten über Volkshochschulen, Gewerkschaften und Kirchen erreichen.

3) Den Konsens der etablierten Sicherheitspolitik aufbrechen

Ende der 1950er Jahre waren die großen Kontroversen in der BRD über Wiederbewaffnung, NATO-Beitritt und die Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen entschieden. Danach gab es über 20 Jahre keine relevante Debatte zu sicherheitspolitischen Themen. Der Konsens brach erst auf, als sich 1979 mit Bundeswehrgeneral Gerd Bastian erstmals ein Angehöriger der Bundeswehr öffentlich kritisch zur geplanten Stationierung US-amerikanischer Mittelstreckenraketen in Europa äußerte. In der Folge äußerten sich auch Generäle aus anderen NATO-Staaten öffentlich ähnlich wie Bastian (»Generale für den Frieden«). An den großen Demonstrationen der Friedensbewegungen im Herbst 1981 in Bonn, Amsterdam und Rom beteiligten sich tatsächlich auch Soldaten der Bundeswehr, der niederländischen und italienischen Streitkräfte – in Uniform. Zwei Jahre später sprach der SPD-Parteivorsitzende und ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt auf der Bonner Kundgebung der Friedensbewegung gegen die bevorstehende Stationierung der Pershing II und Cruise Missiles. Der weitere Weg hin zum INF-Abkommen und zur vollständigen Abrüstung dieser Waffengattung wurde so möglich. Auf diese Weise hatte sich der sicherheitspolitische Konsens radikal aufbrechen lassen. Aber es benötigte die dissidente Stimme, der dann in der Friedensbewegung entsprechend Raum gegeben wurde.

 (Anmerkung: die nachfolgende Passage bis „ …zu stationieren.“ ist eine Aktualisierung der gedruckten Fassung in W&F  nach der Entscheidung von Präsident Trump vom April).

Auch aktuell könnte die im Juli 2024 zwischen Bundeskanzler Scholz und US-Präsident Biden vereinbarte und ursprünglich noch für dieses Jahr (2026) geplante Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland das Fenster bieten, um die seit Russlands Überfall auf die Ukraine sichtbar geschlossene Front der Sicherheitspolitiker*innen und Militärs aufzuweichen. Mit diesen neuen Mittelstreckenwaffen sollte die von der Bundeswehrführung behauptete “Fähigkeitslücke”  geschlossen werden, russische Raketenstellungen und andere militärische Ziele bis hinter Moskau präventiv zu zerstören. (vergleiche: https://www.youtube.com/watch?v=pfyH1p9hsOY )  US-Präsident Trump hat diese Pläne im April dieses Jahres zwar zunächst auf Eis gelegt. Zugleich haben aber die Regierungen Deutschlands und Frankreichs die bereits in der Vereinbarung zwischen Scholz und Biden angekündigte Absicht bekräftigt, eigene europäische Mittelstreckenwaffen mit denselben Fähigkeiten und Zweckbestimmungen zu entwickeln sowie in Deutschland und anderen NATO-Staaten zu stationieren.

Wenn es der Friedensbewegung gelingt, die beabsichtigte Erstschlagfunktion dieser Waffen gegen russische Raketenstellungen[1]

 und die dadurch deutlich verschärfte Gefahr russischer Angriffe auf die Stationierungsorte und die Kommandozentrale der neuen US-Raketen in Deutschland nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, sondern auch möglichst vielen Soldat*innen der Bundeswehr bewusst zu machen, könnte ein solcher Konsens ins Wanken geraten. Mit fachlich bewanderten Experten wie Wolfgang Richter, der auf eine Vergangenheit als leitender Militärberater der deutschen Ständigen Vertretungen bei der Abrüstungskonferenz in Genf, den UN-Abrüstungsforen in New York und bei der OSZE in Wien zurückblickt, stehen auch profilierte Sprecher*innen zur Verfügung, die glaubwürdig eine alternative sicherheitspolitische Betrachtung anbieten können.

4 Friedensbewegung wird nur europäisch erfolgreich sein

In den 1980er-Jahren gab es zumindest zwischen Friedensorganisationen im Westen des damals noch geteilten europäischen Kontinents enge Kontakte, regelmäßige Treffen sowie Kooperation und Absprachen über gemeinsame Kampagnen und Demonstrationstermine. Friedensorganisationen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Italien, Griechenland, Spanien, Dänemark, Schweden, Norwegen und der Schweiz vernetzten sich im »International Peace Coordinating Council« (IPCC) sowie im Rahmen der Kampagne »European Nuclear Disarmament« (END). Zudem gab es Kontakte zu Friedensgruppen in der DDR (»Schwerter zu Pflugscharen«). Das gemeinsame Handeln all dieser Friedensorganisationen ermöglichte es dem damaligen sowjetischen Präsidenten Michael Gorbatschow, seine Bereitschaft zu Verhandlungen und Rüstungskontrollabkommen mit den USA gegenüber den Hardlinern in der militärischen Führung und der Kommunistischen Partei (KPDSU) durchzusetzen. Sonst hätte es den INF-Vertrag vom Dezember 1987 nicht gegeben. Ab 1981 gab es auch eine enge Kooperation westeuropäischer Friedensorganisationen mit der ein Jahr zuvor in den USA gegründeten »Nuclear Freeze Campaign«, die auf ein Einfrieren der sowjetischen und US-amerikanischen Atomwaffenarsenale drängte.

Diese Vernetzungsstrukturen und gemeinsamen Aktionen von Friedensorganisationen in Europa existieren schon seit den 1990er Jahren nur noch rudimentär in Form etwa des Europäischen Netzwerkes gegen Rüstungshandel (ENAAT) oder der – über Europa hinausgehenden – Zusammenarbeit von Friedensinitiativen im Rahmen der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Dabei wären sie heute dringender denn je. Erst recht, da – anders als in den 1980er Jahren und massiv verstärkt durch Russlands Krieg gegen die Ukraine –, inzwischen in der EU ein gemeinsamer Prozess der Militarisierung und Aufrüstung stattfindet. Eine Friedensbewegung, die gegenüber dieser EU-weiten Militarisierung nur im jeweiligen nationalen Rahmen agiert, wird in keinem der EU-Staaten erfolgreich sein. Voraussetzung für einen Erfolg ist überdies, dass die Kontakte, Vernetzung und Kooperation nicht auf die alten westeuropäischen Staaten beschränkt bleiben. Die Friedensbewegung muss gerade in den osteuropäischen EU- und NATO-Staaten – insbesondere in Polen und den drei baltischen Staaten – Gesprächspartner*innen und potentielle Verbündete suchen, in denen aus historischen Gründen und wegen der räumlichen Nähe dieser Staaten zu Russland »klassische« Friedensorganisationen bislang kaum oder überhaupt nicht existieren.

Um in der europäischen Öffentlichkeit wieder erfolgreich zu sein, braucht die Friedensbewegung überdies einen gemeinsamen positiven Entwurf für eine »Friedensmacht Europa«. Ein solcher Gegenentwurf müsste glaubhaft eine Alternative aufreißen zu der vorherrschenden Meinung, die schon seit Langem – nicht erst seit Trump – überfällige sicherheitspolitische Emanzipation von den USA sei nur möglich mit einer starken Aufrüstung bis hin zu einer eigenen atomaren Abschreckungskapazität. Ein derartiger Gegenentwurf müsste auch die konkrete Utopie von einem Zusammenleben mit Russland auf dem gemeinsamen Kontinent Europa/Asien ohne gegenseitige Bedrohung aufrechterhalten und ausbuchstabieren.

Eine solche Vision aber kann nur eine Friedensbewegung formulieren und erfolgreich zu etablieren versuchen, die konsequent universalistisch argumentiert, sich aktiv und strategisch verjüngt, sich um Zugänge zum Militär bemüht und Bruchlinien des sicherheitspolitischen Konsens sucht und immer internationalistisch agiert. Es bleibt viel zu tun.

Andreas Zumach ist freier Journalist, Buchautor, Vortragsreferent und Moderator. Er war von 1988 bis 2020 am UNO- Sitz in Genf Korrespondent für »die tageszeitung« (taz) in Berlin sowie für weitere Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten. In den 1980er Jahren war er mitverantwortlich für die Organisation der großen Abrüstungsdemonstrationen und Sprecher des Koordinationsausschusses der Friedensbewegung in Deutschland.

Literatur

Beucker, P. 2024: Die Friedensbewegung ist tot. „Friedensdemonstration“ am 3. Oktober. taz, 4.10.2024.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2024a: Nein zu Krieg und Hochrüstung! Ja zu Frieden und internationaler Solidarität. Aufruf zu einer bundesweiten Friedensdemonstration am 3. Oktober in Berlin. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/aufruf-03-10-2024.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2024b: Erfolgreiche Friedensmanifestation am 3. Oktober 2024 in Berlin. Videos, Bilder und Reden. Homepage , URL: nie-wieder-krieg.org/videos-bilder-reden.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025a: US-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine nicht ablehnen. Stellungnahme / Presseerklärung, 23.11.2025.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025b: Nein zu Krieg und Hochrüstung! Ja zu Frieden und internationaler Solidarität. Aufruf zu einer bundesweiten Friedensdemonstration am 3. Oktober in Berlin. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/nein-zu-krieg-und-hochruestung.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025c: Bundesweite Demonstration am 3. Oktober 2025 in Berlin und in Stuttgart. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/demo-03-10-25.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025d: Bündnisaufruf zur Demonstration am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/buendnisaufruf-03-10-25.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025e: Newsletter 12/2025 – Berichte vom 3. Oktober – Einladung zum Webinar.

DFG-VK 2024: Stellungnahme zur geplanten Demonstration am 3. Oktober 2024 in Berlin.  28.8.2024.

DFG-VK Baden-Württemberg 2025: DFG-VK Baden-Württemberg unterstützt überregionale Demonstrationen am 3. Oktober in Stuttgart und Berlin. 14.8.2025.

DFG-VK Mainz-Wiesbaden 2026: Den Frieden lernen – nicht den Krieg! Mainz-Wiesbadener Ostermarsch in Wiesbaden. Flyer und Aufruf. URL: dfg-vk-mainz.de.

Friedenskoordination Berlin FriKo 2026: Nicht in unserem Namen. Flyer und Aufruf zum Berliner Ostermarsch 2026. URL: frikoberlin.de.

Bundeswehr 2025: Nachgefragt: Stationierung von US-Raketen. Videointerview mit Brigadegeneral Maik Keller. YouTube, 30.10.2024.

Richter, W. 2026: Die globale Renaissance von Mittelstreckensystemen (2). Regionalkonflikte und die Rückkehr der Geopolitik. In: Bödecker, S. et al. (Hrsg.): Rückkehr der Mittelstreckenwaffen. Warum sie die globale Sicherheit gefährden. Dossier 102, Beilage zu W&F 1/2026, S. 16-22.

Berger, M./Gibowski, W. G./Roth, D./Schulte, W. 1992: Politbarometer 1982 (Kumulierter Datensatz) (ZA2201; Version 1.0.0). GESIS, Köln.

[1]                Eine solche Funktion wird in der US-Doktrin festgehalten und so auch von der Bundeswehr bestätigt. Siehe dazu: Bundeswehr 2024, sowie Richter 2026.

[i]

12 Februar, 2026

Neujahrsempfang der DFG-VK Baden-Württemberg in KarlsruhePolitischer Jahresauftakt in bewegten Zeiten

Der Landesverband der DFG-VK Baden-Württemberg trifft sich traditionell zweimal im Jahr: im Januar zum Neujahrsempfang und im Sommer zur Landesmitgliederversammlung. Der Neujahrsempfang wird seit mehreren Jahren von der Karlsruher Regionalgruppe ausgerichtet – so auch in diesem Jahr. Ein großer Dank geht an die Karlsruher Aktiven der DFG-VK, die erneut einen verlässlichen und vertrauensvollen Rahmen für Austausch, Diskussion und Begegnung geschaffen haben. Rund 50 Teilnehmende kamen zusammen. Die Stimmung war gut, offen und der politischen Situation angemessen von großer Dynamik geprägt.

Im Zentrum des Vormittags stand das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Wehrdienstmodernisierungsgesetz und der Umgang damit. In seiner Einführung blickte der Landesvorsitzende und KDV-Experte Klaus Pfisterer zunächst auf die Arbeit des Landesvorstands seit der letzten Mitgliederversammlung zurück, ging dann aber sehr klar auf die neuen Herausforderungen ein, die sich aus dem neuen Wehrdienst für einen pazifistischen Verband ergeben.

Landesvorsitzender und KDV-Experte Klaus Pfisterer

Besonders die Kriegsdienstverweigerung gewinnt wieder massiv an Bedeutung – sowohl als konkrete Beratungsarbeit als auch als politische Dimension der Friedensarbeit. Die Zahl der Anfragen steigt, die Beratung wird komplexer, und der kontinuierliche Ausbau des Berater*innen-Netzwerks bleibt eine zentrale Aufgabe des Landesverbands. Zugleich ist die Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Hebel, um Militarismus grundsätzlich zu kritisieren und ihm praktisch etwas entgegenzusetzen.

Neben der Beratung selbst wurde auch die politische Informationsarbeit diskutiert. Angedacht ist unter anderem eine KDV- und Wehrpflicht-Infotour mit dem DFG-VK-Bulli durch Baden-Württemberg. Regionalgruppen und Mitglieder, die einen Halt in ihrer Stadt oder Region organisieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich direkt bei Jonas Fehrenbach in der Landesgeschäftsstelle zu melden.

In der anschließenden Diskussion ging es sehr konkret um den Umgang mit den neuen Fragebögen zur Wehrerfassung. Deutlich wurde, dass es hier Orientierung braucht – etwa zur Frage, wann Handlungsspielräume bestehen und ab wann mit Sanktionen zu rechnen ist, wenn der Fragebogen nicht ausgefüllt wird. Auch weitergehende Formen der Verweigerung und des zivilen Ungehorsams wurden angesprochen, etwa die Möglichkeit, den Fragebogen bewusst gar nicht auszufüllen und Menschen dabei solidarisch zu unterstützen. Der Austausch zeigte, wie wichtig es ist, diese Fragen gemeinsam zu klären, um als Friedensbewegung handlungsfähig und sprachfähig zu bleiben.

Ein weiterer zentraler Schwerpunkt des Vormittags war die zunehmende Militarisierung von Schulen. Einigkeit bestand darin, dass Anfragen von Schulen grundsätzlich angenommen werden sollten – mit dem Ziel, eigenständige friedenspolitische Veranstaltungen durchzuführen. Wird hingegen ausschließlich eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit Jugendoffizieren der Bundeswehr angeboten, sollte sorgfältig abgewogen werden, ob und unter welchen Bedingungen eine Teilnahme sinnvoll ist. Dabei spielen sowohl die eigene Positionierung als auch die rhetorischen Fähigkeiten der Beteiligten eine wichtige Rolle.

Aus dieser Debatte heraus entstand etwas sehr Ermutigendes: Mehrere Mitglieder, darunter Pädagoginnen und ehemalige Pädagogen, erklärten ihre Bereitschaft, gemeinsam Konzepte für Schulbesuche zu entwickeln. Der neu gegründete Arbeitskreis „Ab in die Schule“ wird sich in den kommenden Monaten mit Seminarformaten, pädagogischen Zugängen und strategischen Fragen befassen. Verstärkt wird diese Arbeit durch ein neues Mitglied, einen ehemaligen Jugendoffizier der Bundeswehr, der seine Erfahrungen künftig aus friedenspolitischer Perspektive in Schulen einbringen möchte.

Einen weiteren wichtigen Impuls setzte Andreas Pahlow aus der Regionalgruppe Mittelbaden. Ziel seiner Initiative ist es, gemeinsam mit anderen Aktiven ein Schulungsformat zu entwickeln, das durch Baden-Württemberg tourt und Friedensaktivist*innen gezielt in der Ansprache junger Menschen zu Themen wie Wehrpflicht, Militär und Aufrüstung schult. Wer Lust hat, an dieser Konzeption mitzuwirken, kann über die Regionalgruppe Mittelbaden Kontakt zu Andreas Pahlow aufnehmen.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause bei Pizza – vielen Dank an die Organisator*innen für das Angebot an veganen, vegetarischen und fleischhaltigen Speisen – ging es am Nachmittag in drei Arbeitsgruppen weiter.

Die größte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Kriegsdienstverweigerungsberatung. Viele bereits aktive Berater*innen waren anwesend. Unter der Leitung von Klaus Pfisterer stand hier der fachliche Austausch im Vordergrund. Neue Zuständigkeiten, offene Rechtsfragen, Kann-Bestimmungen und erste Erfahrungen mit der Anwendung des neuen Gesetzes wurden gemeinsam diskutiert. Zugleich bot die Arbeitsgruppe Raum, um Erfahrungen aus der Beratungspraxis auszutauschen und voneinander zu lernen.

In der Arbeitsgruppe Bündnisarbeit ging es um Vernetzung, Abgrenzung und politische Perspektiven – insbesondere um die Zukunft des Friedensnetzes Baden-Württemberg und die Frage, wie landesweite Zusammenarbeit jenseits großer Einzelveranstaltungen gestaltet werden kann.

Eine dritte Arbeitsgruppe befasste sich mit dem Zusammenhang von Militärausgaben und sozialen Kürzungen. Anhand konkreter Beispiele – von gestrichenen Angeboten in der Kinderbetreuung bis hin zur Schließung von Blindenklassen an Schulen – wurde deutlich, wie sehr die aktuelle Aufrüstungspolitik den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.

Zum Abschluss des Neujahrstreffens kamen alle Teilnehmenden noch einmal zusammen, hörten kurze Berichte aus den Arbeitsgruppen und tauschten sich bei Kaffee und Kuchen aus. Der Landesvorstand bedankt sich für einen intensiven und produktiven Tag, der mit dem offiziellen Abschluss durch Klaus Pfisterer endete. Das Treffen machte Mut – weil es gezeigt hat, dass Analyse, Haltung und konkrete Handlungsansätze zusammengehören und dass wir Wissen und Kraft haben, uns der fortschreitenden Militarisierung entgegenzustellen.

7 Oktober, 2025

Nein zum Kriegsdienstzwang: DFG-VK Mitglied Margot Käßmann auf der Friedensdemo am 03.10.25 in Stuttgart

Hier als Video und drunter auch nochmal als Text: die starke Rede von DFG-VK Mitglied Margot Käßmann am 03.10.2025 in Stuttgart: Nein zum Kriegsdienstzwang – das ist unsere pazifistische Wehrpflicht.

Margot Käßmann: Rede bei der Kundgebung „Nie wieder Krieg! – Stehen wir auf für Frieden!“

am 3. Oktober 2025 auf dem Schlossplatz in Stuttgart

– Es gilt das gesprochene Wort –

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

80 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs bewahrheitet sich, was die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gesagt hat: „Die Geschichte lehrt andauernd, doch sie findet keine Schüler.“ Und so erleben wir seit dreieinhalb Jahren fassungslos eine schleichende Militarisierung unserer Gesellschaft. Bundeskanzler Merz erklärt uns, wir befänden uns nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden. Außenminister Wadephul sagt: „Russland wird immer Deutschlands Feind bleiben.“ Verteidigungsminister Pistorius will, dass wir „kriegstüchtig“ werden und avanciert damit zum beliebtesten Politiker des Landes. Roderich Kiesewetter will nun gar den Spannungsfall ausrufen. So wird Kriegsangst geschürt und Vorkriegsstimmung erzeugt. Dagegen sagen wir als Friedensbewegung in der Tradition Wolfgang Borcherts: Nein! Wir brauchen nicht Abschreckung, sondern Entspannungspolitik. Wir brauchen keine Hochrüstung mit hunderten Milliarden Euro für Waffen und gleichzeitiger Kürzung der Sozialleistungen. Stattdessen brauchen wir Abrüstung, Verhandlungen, Diplomatie. Nicht Kriegstüchtigkeit ist unser Ziel. Friedensfähig müssen wir werden!

Vieles haben wir gehört heute, auf drei Punkte will ich noch eingehen.

1. Wehrpflicht

Ich stehe hier als Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen (DFG-VK). Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht 2011 war ich einige Jahre Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer. Die Regierung plant nun ihre stufenweise Wiedereinführung. Aber der Begriff „Wehrpflicht“ ist verharmlosend. Das Grundgesetz garantiert: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“ Ich spreche deshalb nicht von Wehrpflicht, sondern vom Kriegsdienstzwang. Politik und Militär wollen diesen Zwangskriegsdienst, weil sie auf Masse setzen. In der Militärsprache heißt das „Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit“. Auch da bin ich für Klartext: Der Kriegsdienstzwang schafft Kanonenfutter!

Es sind die Alten, die die Jungen verpflichten wollen, Dienst an der Waffe zu leisten. Und sie jetzt mit Ausbildung, Führerschein, Geld zu locken, wird eben nicht alle gleichermaßen zur Bundeswehr bringen, sondern gerade diejenigen, die aus sozial benachteiligten Familien kommen. Der Präsident des Reservistenverbandes rechnete kürzlich für den Fall eines Krieges mit Russland mit täglich 5.000 toten Soldaten auf der eigenen Seite.Das eindeutige Zeichen gegen diesen Wahnsinn ist: Kriegsdienstverweigerung! Die Beratungsstellen der DFG-VK und der Kirchen helfen bei der Wahrnehmung und Durchsetzung dieses Grund- und Menschenrechts. Wobei ich mich schon immer gefragt habe, warum unser Staat das Gewissen derer prüft, die den Kriegsdienst verweigern, nicht aber das Gewissen derer, die ihn leisten wollen. Nach Artikel 4 Abs. 1 Grundgesetz ist die Freiheit des Gewissens ohnehin zu gewährleisten. Wenn es um Wehrpflicht geht, dann um die Pflicht, sich dagegen zu wehren, Kriegsdienst leisten zu müssen.

Wir treten übrigens auch dafür ein, dass junge Männer aus der Ukraine und Russland, die den Kriegsdienst verweigern, in Deutschland politisches Asyl erhalten. Wenn Menschenrechte, dann für alle!

2. Ich stehe hier auch als evangelische Christin.

Die Kirchen der Welt sind immer in die Irre gegangen, wenn sie Gewalt und Krieg legitimiert haben. 1948 haben sie gemeinsam erklärt: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ Das entspricht der Botschaft, die Jesus überliefert hat. Deshalb ist es für mich Gotteslästerung, wenn Patriarch Kyrill in Moskau jetzt Waffen segnet. Für uns ist jeder Mensch Gottes Ebenbild. Das gilt für Menschen jeden Glaubens. Der brutale Überfall der Hamas auf Kinder, Frauen und Männer in Israel hat mich erschüttert. Und jetzt bin ich wie wir alle schockiert vom Elend, das Israels Armee im Gazastreifen verursacht. Das muss sofort enden! Das darf nicht durch deutsche Waffen unterstützt werden. Aber: Die Regierung Netanyahu ist nicht Israel und Israel ist nicht das Judentum. Judenhass und Antisemitismus sind ein Widerspruch zur Friedensbewegung. Und auch Ausländerhass ist mit der Friedensbewegung unvereinbar.

3. Ich stehe hier auch als Großmutter von sieben Enkelkindern.

Wenn ich an diese Kinder denke, an die Kinder in der Ukraine und in Russland, in Israel und Gaza, im Kongo,im Jemen, dann sind doch Milliardeninvestitionen in Rüstung keine Investition in ihre Zukunft! Sie brauchen keine „Schnupperpraktika“ bei der Bundeswehr, sondern Friedenserziehung. Ihre Zukunft wird nicht gesichert durch Rheinmetall – die Aktie ist seit 2022 um sagenhafte 2000 % gestiegen! Ihre Zukunft wird gesichert, wenn sie nicht in Armut aufwachsen und Zugang zu Bildung haben! Ihre Zukunft wird nicht gesichert durch Atomwaffen. Sie wird gesichert durch einen Bann aller Atomwaffen und durch Konzepte für ein friedliches Zusammenleben auf unserem Planeten, das die Klimakatastrophe verhindert! Ihre Zukunft braucht keine Kriegslogik, sondern Friedenslogik. Zuletzt: Die totgesagte Friedensbewegung ist ziemlich lebendig, das sehen wir heute hier in Stuttgart und auch in Berlin. Wir werden gern diffamiert als Putinversteher, naiv, wohlstandsverwöhnt, Lumpen- oder Sofapazifisten. Aber wir lassen uns nicht beirren. Mehr und mehr Menschen sind bereit, sich öffentlich dagegen zu wehren, dass Deutschland durch Waffenlieferungen immer mehr zur Kriegspartei wird. Wir wollen,dass unser Land sich stark macht in Diplomatie, um der Menschen willen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

7 Oktober, 2025

Kriegsdienstverweigerung wurde zur Normalität

Die Rolle von KDV in der Friedensbewegung der 1980er Jahre

ein Text von Stefan Philipp zur historischen und politische Dimension der Wehrpflicht und der Kriegsdienstverweigerung

Die Pläne eines „neuen Wehrdienstes“, die beabsichtigte Etablierung einer umfassenden Dienstplicht für Männer und Frauen oder auch die diskutierte „Wiederbelebung“ der Wehrpflicht setzen ein altes Thema wieder auf die Tagesordnung: die Kriegsdienstverweigerung (KDV). Es lohnt deshalb der Blick zurück in die 1980er Jahre, in der die Zahl der KDVer stark anstieg und die KDV zum Massenphänomen wurde – und gleichzeitig die Friedensbewegung im massenhaften Protest gegen die Stationierung von US-Atomraketen ihre größte Stärke entwickelte. Wer heute – vielleicht neu – über KDV und KDV-Beratung nachdenkt und dabei Erfahrungen aus dieser Zeit mitberücksichtigen will, der sollte wissen:

• Im Auftrag der westlichen Besatzungsmächte hatte der Parlamentarische Rat 1948/49 das Grundgesetz (GG) erarbeitet. Mit seiner Verabschiedung und Inkraftsetzung war am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland entstanden. In den Grundrechtsteil der Verfassung hatte der Parlamentarische Rat diese (bis heute unveränderte) Garantie im Artikel 4 Absatz 3 formuliert: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“

• Bei den Beratungen hatte der spätere (erste) Bundespräsident Theodor Heuß (der als Reichstagsabgeordneter im März 1933 für das „Ermächtigungsgesetz“ gestimmt hatte, mit dem Hitler an die Macht gelangt war) vor der Aufnahme des KDV-Rechts ins Grundgesetz gewarnt und einen „Massenverschleiß der Gewissen“ befürchtet. Für die SPD-Fraktion hielt ihm (der 1937 vor den Nazis nach England geflohene antifaschistische Widerstandskämpfer) Fritz Eberhard entgegen: „Ich glaube, wir haben hinter uns einen Massenschlaf des Gewissens. In diesem Massenschlaf des Gewissens haben die Deutschen zu Millionen gesagt: Befehl ist Befehl und haben daraufhin getötet.“ Er und seine Fraktion erhofften sich von dem Grundrecht, das dann mit großer Mehrheit beschlossen wurde, „eine große pädagogische Wirkung“.

• Die Beschränkung der KDV auf Gewissensgründe wurde von Anfang v.a. von pazifistischen Organisationen kritisiert. Das „das Nähere regelnde“ Bundesgesetz sah und sieht vor, dass das KDV-Grundrecht nur auf Antrag und Prüfung der Gewissensgründe gewährt wird. Das Antragsverfahren ist bürokratisch ausgestaltet und hat(te) abschreckende Wirkung. Die betroffenen überwiegend gerade volljährig gewordenen jungen Männer waren gezwungen, ihre Entscheidung in mündlichen Prüfungsverfahren zu begründen („Inquisitionsverfahren“). Der Antrag hatte bis zur KDV-Neuregelung 1983 und der Umstellung auf ein in der Regel rein schriftliches Verfahren keine aufschiebende Wirkung mit der Folge, dass zahlreiche (noch) nicht anerkannte KDVer zur Bundeswehr eingezogen wurden und bis zur endgültigen Entscheidung über ihren Antrag als Soldat Dienst leisten mussten. Zahlreiche Verweigerer blie-

ben konsequent bei ihrer Entscheidung und wurden deshalb beim Militär inhaftiert, manche wurden durch die Nicht-Anerkennung ihrer KDV und das erzwungene Soldat-Sein in den Suizid getrieben.

• Durch die Beschränkung der KDV auf Gewissensgründe und die Regelung, das Grundrecht lediglich auf Antrag und durch eine Prüfung zu gewähren, hat(te) es der Staat in der Hand, die Zahl der KDVer zu regeln, nach eigenen politischen Wünschen und nach dem Personalbedarf der Bundeswehr.

• Was im juristischen Sinn eine Gewissensentscheidung ist, hat das Bundesverfassungsgericht in einer Entscheidung vom 20. Dezember 1960 ausgeführt. Danach ist eine solche „jede

ernste sittliche, d.h. an den Kategorien von ,Gut‘ und ,Böse‘ orientierte Entscheidung (…), die der Einzelne in einer bestimmten Lage als für sich bindend und unbedingt verpflichtend innerlich erfährt, so daß er gegen sie nicht ohne ernste Gewissensnot handeln könnte“.

• 1955 wurde die Bundeswehr gegründet, 1956 die Wehrpflicht eingeführt, nach der Männer ab 18 Jahren zum Militärdienst einberufen werden können. Seit 1968 ist dies durch die Einfügung von Art. 12a GG verfassungsrechtlich geregelt. Anerkannte KDVer können zu einem Ersatzdienst verpflichtet werden. Mit dem ab 1973 vom Gesetz als Zivildienst bezeichneten Ersatz leisten KDVer die Wehrpflicht ab und stützen damit das gesamte System der Zwangsrekrutierung für militärische und kriegsvorbereitende Zwecke. Deshalb gab es immer wieder auch Totale KDVer, die alle oder einzelne Auflagen aus der Wehrpflicht verweigerten und deshalb strafrechtlich verfolgt wurden.

• Der Personalumfang der Bundeswehr in den 1980er Jahren: Die Zielvorgabe für die Präsenzstärke der Bundeswehr war bis zur „friedlichen Revolution“ in der DDR und der Auflösung des „Ostblocks“ 1989/90 die Zahl von 495.000 Soldaten. Sie wurde in dem Jahrzehnt von 1980 bis 1989 durchgängig annähernd erreicht, sank jedenfalls nie unter 486.000 Soldaten. (Die Nationale Volksarmee der DDR umfasste im „Wendejahr“ ca. 155.000 Soldaten.)

• Die Geburtsjahrgänge in Westdeutschland ab 1962 (deren Männeranteil bei ca. 50 Prozent lag und der ab 1980 wehrpflichtig wurde) umfassten bis 1967 jeweils über eine Million und sanken bis 1971 auf knapp unter 800.000. (Die Geburtsjahrgänge, die bei einer möglichen Wiedereinsetzung der Wehrpflicht in den kommenden Jahren für eine Einberufung zur Bundeswehr in Frage kommen würden, umfassen im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2017 über 700.000; wenn das Grundgesetz nicht geändert würde und die Wehrpflicht weiterhin nur für Männer gelten würde, wären damit jährlich ca. 350.000 junge Männer betroffen.)

• Über die Jahre hinweg seit der Einführung der Wehrpflicht 1956 stieg der Zahl der KDVer kontinuierlich an. Im Jahr 1958 wurden 2.447 KDV-Anträge gestellt, 1967 waren es 5.963. Das Folgejahr 1968 brachte eine Verdoppelung auf 11.952, bis 1979 stieg die Zahl stetig an auf über 45.000. In den 1980er Jahren wurde die KDV zur Normalität in weiten Teilen der (männlichen) Jugend: Die Anzahl der gestellten KDV-Anträge stieg in den 1980er Jahren von ca. 54.000 (1980) auf ca. 77.000 (1989). (Lediglich im Jahr 1984 sank die Antragszahl wegen der Sondersituation der Neuregelegung des KDV-Anerkennungsverfahrens unter der 1983 gewählten neuen CDU/CSU/FDP-Bundesregierung einmalig unter 50.000.) Auf den Punkt gebracht: Wer gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung war, der verweigerte als Mann auch den Kriegsdienst bei der Bundeswehr – und wer KDVer wurde, der war auch gegen die Stationierung der US-Atomraketen in der BRD. Eine solche Positionierung führte bei vielen zum Engagement in der Friedensbewegung und wirkte meinungsbildend im persönlichen Umfeld.

• Möglich wurde diese Entwicklung v.a. dadurch, dass in den 1980er Jahren – und damit einer Zeit ohne Internet und der schnellen und leichten Verfügbarkeit von Informationen –fast flächendeckend KDV-Beratungsstellen entstanden waren und daneben zahlreiche Ratgeber in Buch- und Broschürenform publiziert wurden. Was heute unter veränderten Rahmenbedingungen bleibt: Kriegsdienstverweigerung ist zuerst eine individuelle Entscheidung, die Inanspruchnahme des KDV-Rechts ist auch eine politische Frage, seine Durchsetzung v.a. eine juristische. Wer KDVer angemessen beraten will der braucht: eine menschenrechtliche Orientierung, ein klares Bewusstsein für die Interessenslage der KDVer, eine empathische Beratungshaltung und dabei eine Klarheit für die eigenen Ziele sowie Sach- und Fachkompetenz.

Weiterführende Literatur:

Michael Schmid: Grundrecht Kriegsdienstverweigerung – Wiederbewaffnung – Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht – Kriegsdienstverweigerung in der Praxis https://www.kriegsdienstverweigerer-geschichten.de/hintergruende/texte/hintergrund-zur-wehrpflicht-in-der-brd/

Stefan Philipp: Zwangsdienst, Strafjustiz und Staat (in: Graswurzelrevolution; Nr. 433; November 2018; https://www.graswurzel.net/gwr/2018/10/zwangsdienst-strafjustiz-und-staat/

Norman Ciezki: Für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Einfluß und Bedeutung der „Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V.“; Münster 1999

Stefan Philipp ist stellvertretender Vorsitzender des DFG-VK-Landesverbands Baden-Württemberg. Er war bis zu ihrer Auflösung nach Aussetzung der Wehrpflicht stellvertretender Vorsitzender der Zentralstelle KDV, der 1957 gegründeten gemeinsamen Einrichtung von zuletzt ca. 30 Organisationen.

Veröffentlicht in: FriedensForum – Zeitschrift der Friedensbewegung, Ausgabe 2/2025, S. 30 f.

23 September, 2025

Kommt in den DFG-VK-Block!

Liebe Mitglieder, liebe Sympathisant*innen,

am 3. Oktober findet in Stuttgart die überregionale Friedensdemonstration statt. Wir wollen als DFG-VK sichtbar und stark gemeinsam auftreten – in einem kraftvollen, bunten und lautstarken DFG-VK-Block mitten in der Demo.

Wir sammeln uns um 12:30 Uhr am DFG-VK-Infostand auf dem Schlossplatz. Dort bekommt ihr Fahnen (15 €) und passende Stecken (2 €). Außerdem gibt es blaue Ballons mit weißer Friedenstaube, die mit Helium gefüllt werden. Da auch unser Bulli vor Ort ist, haben wir zusätzlich 30 Schilder zum Verbot von Mittelstreckenwaffen in Deutschland dabei. Bitte bringt auch selbst Fahnen, Banner oder Schilder mit euren wichtigsten Forderungen mit – und wenn ihr habt: zieht gerne eure DFG-VK-Pullis, T-Shirts oder Jacken an. So wird unser Auftritt nicht nur politisch klar, sondern auch optisch beeindruckend.

Wir stellen uns hinter dem Frontbanner „friedensfähig statt kriegstüchtig“ auf. Gemeinsam wollen wir unsere Botschaft in die Öffentlichkeit tragen:

  • Nein zu 5 % des BIP für Aufrüstung – dieses Geld fehlt in Gesundheit, Bildung und ökologischer Transformation.
  • Nein zur Militarisierung unserer Infrastruktur und Gesellschaft.
  • Nein zur Wehrpflicht und einer der größten Armeen Europas.
  • Ja zu einer Politik, die aus der Geschichte gelernt hat: Frieden schaffen ohne Waffen.

Für uns als Landesverband Baden-Württemberg, die wir die Demonstration als Erstunterstützer mittragen, wäre es schön, wenn wir stark auftreten – mit klaren Botschaften, mit Freude und mit Entschlossenheit.

👉 Also: Kommt in den DFG-VK-Block, lasst uns gemeinsam zeigen, dass es eine friedliche, zivile Alternative zur Kriegspolitik gibt.

Fröhlich, friedlich, freundlich, aber bestimmt – so machen wir deutlich: Friedensfähig statt kriegstüchtig!

Der Landesvorstand freut sich auf euch.

19 September, 2025

Große Friedensdemo am 03.10. in Stuttgart: Aufruf- gemeinsame Anfahrten – DFG-VK-Block

Der Aufruf zur Demonstration am 3. Oktober 2025:

Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden!

Wir sagen Nein zu allen Kriegen und lehnen die gefährliche Hochrüstung ab. Die Umsetzung des Fünf-Prozent-Ziels, würde bedeuten, dass fast jeder zweite Euro aus dem Bundeshaushalt in Militär und kriegsrelevante Infrastruktur fließt. Die Hochrüstung führt zu massiver Verschuldung, drastischem Sozialabbau und der Militarisierung der Gesellschaft. Dies geht insbesondere auf Kosten der Kinder und Jugendlichen, der Alten und Kranken sowie der arbeitenden Menschen. Die Hochrüstung blockiert zudem den Kampf gegen die Klimakatastrophe, Umweltkrisen und weltweite Armut. Die Politik der Konfrontation setzt unsere Sicherheit aufs Spiel, statt sie zu gewährleisten. Waffenexporte und Eskalationspolitik verschärfen Kriege und Krisen und verlängern sie. Nicht die Kriegstüchtigkeit Deutschlands ist unser Ziel, sondern seine Dialogfähigkeit und seine Bereitschaft zur Abrüstung.

Wir fordern von der Bundesregierung:

· Stopp des Hochrüstungskurses. Stattdessen Abrüstung für Soziales, Klima und Entwicklung.
· Keine Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Entschlossenen Einsatz für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen.
· Nein zur Wehrpflicht.
· Stopp der Militarisierung der Gesellschaft. Keine Unterordnung von Gesundheitswesen, Bildung und Wissenschaft unter Kriegstüchtigkeit.
· Asyl für Menschen, die sich dem Krieg verweigern und von Krieg bedroht sind.
· Diplomatisches Engagement für ein schnelles Ende der Kriege in Europa und im Nahen und Mittleren Osten.
· Die Bundesregierung darf sich nicht weiter mitschuldig machen an einer von immer mehr Staaten und Organisationen als Völkermord klassifizierten Kriegsführung im Gazastreifen. Sie muss alles tun, damit der Krieg, die Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser und der Einsatz von Hunger als Waffe umgehend beendet werden.
· Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag.

Unsere Vision bleibt eine Welt ohne Atomwaffen und Krieg. Wir fordern gemäß der UN-Charta, auf die Anwendung und Androhung von Gewalt in den internationalen Beziehungen zu verzichten. Es braucht die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren.

Wir lehnen alle Kriege ab. Wir trauern um alle Opfer von Kriegen und Gewalt und verurteilen alle Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Wir wollen:

· Diplomatische Initiativen. Nur Verhandlungen und Abrüstung schaffen Sicherheit.
· Eine neue Entspannungspolitik für Europa, die die Friedens- und Sicherheitsinteressen aller Beteiligten berücksichtigt.
· Politische Konfliktlösungen, Friedenslogik und eine Kultur des Friedens.

Frieden braucht die Verteidigung der Demokratie und das Engagement jedes Einzelnen. Frieden braucht Bewegung.

Frieden ist die Grundlage für ein gutes Leben künftiger Generationen.
Deswegen demonstrieren wir am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart!
Unterstützt die bundesweite Demonstration mit eigenen Aufrufen und Appellen.
Werbt und mobilisiert für eine große Aktion!

Rassismus, Antisemitismus, Faschismus und alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit lehnen wir ab. Deshalb gibt es keine Zusammenarbeit mit rechtsextremen und demokratiefeindlichen Kräften. Diese können auch nicht Teil unseres Bündnisses sein. Wir bitten auf Parteifahnen zu verzichten. Einverstanden sind wir mit Transparenten und Schildern (auch mit Parteilogo), die Inhalt und Zielen der Demonstration entsprechen.

Vorbereitungskreis: Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden
Dieses Bündnis ist entstanden aus der Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!“ und einem Aktionsbündnis innerhalb der Friedensbewegung, an dem u.a. ICAN, DFG-VK, IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative, Ohne Rüstung Leben und pax christi beteiligt sind. Wir wollen zwei bundesweite große Demonstrationen zeitgleich in Berlin und Stuttgart durchführen, die die verschiedenen Flügel der Friedensbewegung gemeinsam repräsentieren.

Gemeinsame Anfahrten nach Stuttgart:

Augsburg
Darmstadt
Frankfurt
Freiburg
Gießen
Heidelberg
Karlsruhe
Konstanz
Lörrach
München
Mannheim
Nürnberg
Offenburg
Schwäbisch Hall
Reutlingen
St.Ingbert
Villingen
Wetterau
Würzburg
Wiesbaden

Bildet Banden, organisiert gemeinsame Anfahrten, kommt zur Demo und steht auf für eine friedlichere Zukunft. Gerne veröffentlichen wir eure gemeinsame Anreise: mail an ba-wue@dfg-vk.de

DFG-VK Block

Wir wollen einen eigenen Block auf der Demo bilden. So können wir unsere Forderungen am besten in die Öffentlichkeit tragen. NEIN zur Hochrüstung, NEIN zur Militarisierung, NEIN zur Wehrpflicht, NEIN zum Krieg -. Für eine friedlichere Welt mit Chancen und Hoffnung auf eine glückliche Zukunft. Bringt DFG-VK Flaggen, Banner, Schilder. zieht eure Shirts, Pullis Regenjacken an. Der Pazifismus ist gefordert wie selten.

14 August, 2025

DFG-VK Baden-Württemberg unterstützt überregionale Demonstrationen am 3. Oktober in Stuttgart und Berlin

Der Landesverband Baden-Württemberg der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) unterstützt in diesem Jahr ausdrücklich die überregionalen Demonstrationen am 3. Oktober in Stuttgart und Berlin sowie den dazugehörigen Bündnisaufruf.

Diese Entscheidung war das Ergebnis eines transparenten und gemeinschaftlichen Prozesses – und das ist uns wichtig, denn: Im vergangenen Jahr gab es innerhalb der Mitgliedschaft und im Verband unterschiedliche Positionen zum damaligen Aufruf und zur Demonstration.

Vom Dissens zur gemeinsamen Linie

Im Gegensatz zu 2024 haben wir in diesem Jahr von Anfang an auf gemeinschaftliche Vorbereitung gesetzt.
Die verschiedenen Teile der Friedensbewegung haben frühzeitig zusammengearbeitet, um einen Aufruf zu formulieren und eine Demonstration zu organisieren, die breit getragen werden kann.

Auch wir als Landesverband Baden-Württemberg haben unsere Mitglieder aktiv beteiligt – so, wie es auf unserer Mitgliederversammlung im Juni gewünscht wurde.

Beteiligung unserer Mitglieder

Der Beteiligungsprozess sah wie folgt aus:

  • Thomas Schwörer aus dem Bundessprecher*innenkreis, der die DFG-VK im bundesweiten Orga-Kreis vertritt, informierte uns in einer eigens organisierten Zoom-Veranstaltung ausführlich über den Stand der Vorbereitungen.
  • Zu diesem Termin waren alle Mitglieder unseres Landesverbandes eingeladen.
  • Rund 25 Mitglieder nahmen teil und stimmten nach der Präsentation ohne Gegenstimme für die Unterstützung des Aufrufs und der Demonstrationen.

Damit gehört der Landesverband Baden-Württemberg in diesem Jahr zu den Erstunterzeichner*innen des Aufrufs.

Der Aufruf zur Demonstration am 3. Oktober 2025

Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden!

Wir sagen Nein zu allen Kriegen und lehnen die gefährliche Hochrüstung ab. Die Umsetzung des Fünf-Prozent-Ziels, würde bedeuten, dass fast jeder zweite Euro aus dem Bundeshaushalt in Militär und kriegsrelevante Infrastruktur fließt. Die Hochrüstung führt zu massiver Verschuldung, drastischem Sozialabbau und der Militarisierung der Gesellschaft. Dies geht insbesondere auf Kosten der Kinder und Jugendlichen, der Alten und Kranken sowie der arbeitenden Menschen. Die Hochrüstung blockiert zudem den Kampf gegen die Klimakatastrophe, Umweltkrisen und weltweite Armut. Die Politik der Konfrontation setzt unsere Sicherheit aufs Spiel, statt sie zu gewährleisten. Waffenexporte und Eskalationspolitik verschärfen Kriege und Krisen und verlängern sie. Nicht die Kriegstüchtigkeit Deutschlands ist unser Ziel, sondern seine Dialogfähigkeit und seine Bereitschaft zur Abrüstung.

Wir fordern von der Bundesregierung:

· Stopp des Hochrüstungskurses. Stattdessen Abrüstung für Soziales, Klima und Entwicklung.
· Keine Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Entschlossenen Einsatz für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen.
· Nein zur Wehrpflicht.
· Stopp der Militarisierung der Gesellschaft. Keine Unterordnung von Gesundheitswesen, Bildung und Wissenschaft unter Kriegstüchtigkeit.
· Asyl für Menschen, die sich dem Krieg verweigern und von Krieg bedroht sind.
· Diplomatisches Engagement für ein schnelles Ende der Kriege in Europa und im Nahen und Mittleren Osten.
· Die Bundesregierung darf sich nicht weiter mitschuldig machen an einer von immer mehr Staaten und Organisationen als Völkermord klassifizierten Kriegsführung im Gazastreifen. Sie muss alles tun, damit der Krieg, die Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser und der Einsatz von Hunger als Waffe umgehend beendet werden.
· Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag.

Unsere Vision bleibt eine Welt ohne Atomwaffen und Krieg. Wir fordern gemäß der UN-Charta, auf die Anwendung und Androhung von Gewalt in den internationalen Beziehungen zu verzichten. Es braucht die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren.

Wir lehnen alle Kriege ab. Wir trauern um alle Opfer von Kriegen und Gewalt und verurteilen alle Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Wir wollen:

· Diplomatische Initiativen. Nur Verhandlungen und Abrüstung schaffen Sicherheit.
· Eine neue Entspannungspolitik für Europa, die die Friedens- und Sicherheitsinteressen aller Beteiligten berücksichtigt.
· Politische Konfliktlösungen, Friedenslogik und eine Kultur des Friedens.

Frieden braucht die Verteidigung der Demokratie und das Engagement jedes Einzelnen. Frieden braucht Bewegung.

Frieden ist die Grundlage für ein gutes Leben künftiger Generationen.
Deswegen demonstrieren wir am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart!
Unterstützt die bundesweite Demonstration mit eigenen Aufrufen und Appellen.
Werbt und mobilisiert für eine große Aktion!

Rassismus, Antisemitismus, Faschismus und alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit lehnen wir ab. Deshalb gibt es keine Zusammenarbeit mit rechtsextremen und demokratiefeindlichen Kräften. Diese können auch nicht Teil unseres Bündnisses sein. Wir bitten auf Parteifahnen zu verzichten. Einverstanden sind wir mit Transparenten und Schildern (auch mit Parteilogo), die Inhalt und Zielen der Demonstration entsprechen.

Vorbereitungskreis: Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden
Dieses Bündnis ist entstanden aus der Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!“ und einem Aktionsbündnis innerhalb der Friedensbewegung, an dem u.a. ICAN, DFG-VK, IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative, Ohne Rüstung Leben und pax christi beteiligt sind. Wir wollen zwei bundesweite große Demonstrationen zeitgleich in Berlin und Stuttgart durchführen, die die verschiedenen Flügel der Friedensbewegung gemeinsam repräsentieren.

Warum wir dabei sind

Die politischen Entwicklungen machen es notwendig, dass wir am 3. Oktober ein kraftvolles Zeichen setzen:

  • Hochrüstung auf 5 % des Bruttoinlandsprodukts
  • Militarisierung in Schulen, Ferienlagern und durch militärisches Heldengedenken wie den „Veteranentag“
  • neuer Wehrdienst
  • Angriffe auf die freie Wissenschaft durch Abschaffung der Zivilklausel
  • Rüstungsfreundliche Wirtschaftspolitik
  • Die Erosion des Völkerrechts
  • und die massive Eskalation weltweiter Konflikte

Wir sagen dazu klar:

Wir sind gegen alle Kriege. Wir sind gegen Militarisierung. Wir sind friedlich – und wir wollen nicht kriegstüchtig werden.
Wir wollen mit der Hoffnung auf Frieden leben, nicht mit der Angst vor Krieg.

Gemeinsam nach Stuttgart: Jetzt mobilisieren

Liebe Mitglieder in Baden-Württemberg: Tragt den Aufruf in Eure Betriebe, Vereine, Gemeinden und Freundeskreise. Sprecht Eure Netzwerke an, organisiert Mitfahrgelegenheiten und bringt Kolleginnen, Freundinnen und Nachbar*innen mit.

Wir als Landesverband gehen voran: Der DFG-VK-Bus und das aufblasbare, zerbrochene Gewehr sind bestellt und am 3. Oktober in Stuttgart dabei. Vor Ort wollen wir einen großen, schlagkräftigen DFG-VK-Block bilden, der unsere Forderungen unübersehbar und unüberhörbar kommuniziert.
Kommt zahlreich, bringt Schilder und Fahnen mit – für Abrüstung, für Frieden, für eine Zukunft ohne Krieg. Wir sehen uns um 13:00 Uhr auf dem Schlossplatz in Stuttgart.

20 Mai, 2025

Klare Haltung für den Frieden – und gegen Menschenfeindlichkeit: der Stuttgarter Konsens

Als DFG-VK Baden-Württemberg ist es uns ein zentrales Anliegen, nicht nur für den Frieden einzutreten, sondern auch deutlich zu machen, mit wem wir das tun – und mit wem nicht. In letzter Zeit häufen sich Fälle, in denen rechte Gruppen, AfD-nahe Kreise, Verschwörungsideolog*innen und andere mit schlechten Absichten unsere Symbole, unsere Sprache und unsere Forderungen vereinnahmen – in Wahrheit aber nichts mit unserem Pazifismus, unseren Werten und unserer politischen Haltung zu tun haben.

Diese Akteure nutzen den Ruf nach Frieden, um menschenfeindliche, unsoziale und oft hasserfüllte Botschaften zu verbreiten. Sie instrumentalisieren die Friedensbewegung, um ihre eigenen, demokratiefeindlichen Ziele zu verfolgen. Das lehnen wir entschieden ab.

Wir als konsequente Pazifist*innen wissen: Gewalt – ob militärisch, strukturell oder verbal – kann niemals ein Mittel zur Lösung von Konflikten sein. Wer zu Spaltung, Hetze oder Ausgrenzung beiträgt, hat in unserer Bewegung keinen Platz. Auch die Sprache und Rhetorik dieser Gruppen widersprechen allem, wofür wir als gewaltfreie Bewegung stehen.

Im Winter 2023 ist in Stuttgart – nach intensiven und solidarischen Diskussionen verschiedener Gruppen – das Stuttgarter Konsens-Papier entstanden. Es ist eine klare und notwendige Grundlage für unsere weitere Arbeit. Gerade mit Blick auf unsere Landesmitgliederversammlung im Juni, bei der wir über künftige Bündnisse diskutieren werden, ist es uns wichtig, diese gemeinsame Position noch einmal sichtbar zu machen.

Deshalb dokumentieren wir das Stuttgarter Konsens-Papier im Folgenden erneut in voller Länge – als Ausdruck unserer Haltung, unserer Abgrenzung und unserer Einladung an alle, die dieselben friedenspolitischen Werte teilen.

Wenn auch ihr Euch diesen Werten verpflichtet fühlt, könnt ihr das „Stuttgarter Konsens-Papier“
unterzeichnen. Sendet eine Mail an kontakt@stuttgarter-friedenskonsens.org und ihr werdet auf der
Seite https://www.stuttgarter-friedenskonsens.org/ veröffentlicht.

  • Impressum
  • Datenschutz

Urheberrecht © 2026 · dfg-vk · Anmelden