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friedensbewegte Presseschau

16 Juli, 2026

Friedensbewegte Presseschau – Juli 2026

Jeden Tag erreichen uns von aufmerksamen und kritischen Friedensaktivist*innen Hinweise auf Berichte und Beiträge aus der Presse, die – teilweise und erfreulicherweise – eine wohltuende Gegenstimme zur allgegenwärtigen Kriegsrhetorik darstellen. Während viele Beiträge in den bekannten Medien mit einem Fokus auf Aufrüstung, Eskalation und Feindbilder daherkommen, zeigen diese Artikel: Es gibt sie noch – die Stimmen für Abrüstung, Dialog und Verständigung. Unsere heutige Presseschau gibt einen Überblick über solche Perspektiven, die Frieden nicht nur fordern, sondern auch konkret denken.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle euch, den Leserinnen dieses Newsletters – denn viele von euch sind nicht nur aufmerksame Beobachterinnen, sondern auch selbst aktive Organisatorinnen von Protesten, Mahnwachen und Friedensaktionen. Einige der hier vorgestellten Artikel verdanken ihre Aufmerksamkeit nicht zuletzt eurem Engagement – dafür ein großes und herzliches Dankeschön!

Damit auch in Zukunft vielfältige und friedensorientierte Stimmen Gehör finden, freuen wir uns weiterhin über eure Hinweise auf lesenswerte Artikel, Interviews oder Medienbeiträge. Hinweise bitte an bar-vue@dfg-vk.de – wir nehmen sie gerne in die nächste Ausgabe unserer Presseschau auf.

Sind ukrainische Kriegsdienstverweigerer noch schutzwürdig? (nd)

Der Beitrag untersucht, ob ukrainische Männer, die sich dem Kriegsdienst entziehen, in Deutschland weiterhin internationalen Schutz erhalten können. Dabei zeigt sich ein wachsender politischer und juristischer Druck, Verweigerung nicht mehr als Gewissensentscheidung, sondern vor allem als Flucht vor einer staatsbürgerlichen Pflicht zu behandeln. Aus friedenspolitischer Sicht muss jedoch gelten: Das Recht, nicht töten und nicht getötet werden zu wollen, darf weder von der Nationalität noch von der jeweiligen Kriegspartei abhängig gemacht werden.

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1200036.ukraine-krieg-sind-ukrainische-wehrdienstverweigerer-noch-schutzwuerdig.html

Erstmals sollen vollständig autonome Drohnen Menschen getötet haben (New Scientist)

Nach einem Bericht von New Scientist sollen ukrainische Streitkräfte bereits 2024 Drohnen eingesetzt haben, die ohne aktive Funkverbindung und ohne menschliche Entscheidung im unmittelbaren Angriff selbstständig Ziele erkannten und russische Soldaten töteten. Die Angaben stammen aus der ukrainischen Drohnenindustrie und sind nicht unabhängig vollständig überprüft; dennoch markieren sie möglicherweise einen historischen und erschreckenden Wendepunkt der Kriegsführung. Maschinen die Entscheidung über menschliches Leben zu überlassen, verwischt Verantwortung und senkt die Schwelle zur Gewalt – deshalb braucht es dringend ein verbindliches internationales Verbot autonomer Tötungssysteme.

Fully autonomous drones have killed human soldiers for the first time

Rolf Mützenich: „Kriegstüchtigkeit sehe ich im Widerspruch zum Grundgesetz“ (Jacobin)

Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich kritisiert die einseitige Fixierung der deutschen Politik auf militärische Stärke und warnt vor dem Leitbild der sogenannten Kriegstüchtigkeit. Er fordert, Diplomatie, Rüstungskontrolle und internationale Zusammenarbeit wieder als eigenständige politische Instrumente ernst zu nehmen, statt Gespräche als Schwäche abzuwerten. Dass solche Positionen selbst innerhalb der Sozialdemokratie zunehmend an den Rand gedrängt werden, zeigt, wie weit sich der politische Diskurs bereits in Richtung Aufrüstung verschoben hat.

https://jacobin.de/artikel/rolf-muetzenich-diplomatie-spd-aufruestung

Die Linke darf der Kriegslogik nicht nachgeben (Jacobin)

Cem Ince und Lea Reisner wenden sich im Programmprozess der Linkspartei gegen eine Anpassung an den militärpolitischen Konsens der anderen Bundestagsparteien. Sie argumentieren, dass immer neue Waffenlieferungen und Rüstungsausgaben keinen verlässlichen Weg zum Frieden eröffnen und die Linke deshalb an Abrüstung, Diplomatie und ziviler Konfliktlösung festhalten müsse. Eine glaubwürdige Friedenspartei wird gerade dann gebraucht, wenn Aufrüstung als scheinbar alternativlose Staatsräson dargestellt wird.

https://jacobin.de/artikel/linkspartei-programmprozess-krieg-frieden-cem-ince-lea-reisner

Kriegsdienstverweigerung bleibt ein Grundrecht (Bundeszentrale für politische Bildung)

Die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert die historischen, rechtlichen und praktischen Grundlagen der Kriegsdienstverweigerung in Deutschland. Auch nach der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht blieb sie ein durch Artikel 4 des Grundgesetzes geschütztes Recht; mit der aktuellen Wehrdienstdebatte steigt zugleich die Zahl der Anträge wieder an. Der Beitrag erinnert daran, dass eine Gewissensentscheidung gegen das Töten kein gesellschaftliches Versagen, sondern ein grundlegender Bestandteil einer demokratischen Friedenskultur ist.

https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/578995/kriegsdienstverweigerung

EU verweigert ukrainischen Kriegsdienstverweigerern künftig Schutz (Connection e. V.)

Connection e. V. warnt vor einer europäischen Rechtsprechung, nach der ukrainische Kriegsdienstverweigerer künftig kaum noch mit Flüchtlingsschutz rechnen können. Damit droht Menschen die Abschiebung, obwohl ihnen in der Ukraine Einberufung, Strafverfolgung und ein Einsatz in einem verlustreichen Krieg bevorstehen können. Wer das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung ernst nimmt, muss Schutz unabhängig davon gewähren, ob die Betroffenen aus Russland, Belarus oder der Ukraine kommen.

https://de.connection-ev.org/article-4755

Gericht: Fahrer muss Tram mit Bundeswehrwerbung steuern (LTO)

Das Arbeitsgericht München entschied, dass ein Kriegsdienstverweigerer eine Straßenbahn mit großflächiger Bundeswehrwerbung fahren muss, obwohl er dies aus Gewissensgründen ablehnte. Nach Auffassung des Gerichts überwiegt das Weisungsrecht des Arbeitgebers, weil eine andere Einteilung organisatorischen Aufwand verursachen würde. Das Urteil wirft die grundsätzliche Frage auf, wie ernst die Gewissensfreiheit genommen wird, wenn Beschäftigte gegen ihren Willen an der öffentlichen Normalisierung und Bewerbung des Militärs mitwirken sollen.

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/arbg-muenchen-4ca1539525-direktionsrecht-gewissensfreiheit-trambahn-werbung-bundeswehr

Sozialstaat oder Rüstungsstaat? Die Prioritätenfrage (Dissens Podcast)

Im Gespräch mit dem Dissens Podcast analysiert der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Ingar Solty die aktuellen Aufrüstungspläne der Bundesregierung und deren Folgen für den Sozialstaat. Er argumentiert, dass die enormen Ausgaben für Militär und Verteidigung nicht losgelöst von politischen Prioritätensetzungen betrachtet werden können, sondern langfristig Verteilungskonflikte verschärfen und Druck auf soziale Sicherungssysteme erzeugen. Der Podcast bietet eine fundierte und ausführliche Einordnung der aktuellen Debatten und regt dazu an, die Frage zu stellen, welche Investitionen tatsächlich zu Sicherheit beitragen – mehr Waffen oder eine starke soziale Infrastruktur.

https://podcast.dissenspodcast.de/339-krieg

12 Mai, 2025

Kleine friedensbewegte „Presseschau“  – Mai 2025

Jeden Tag erreichen uns von aufmerksamen und kritischen Friedensaktivist*innen Hinweise auf Berichte und Beiträge aus der Presse, die – teilweise und erfreulicherweise – eine wohltuende Gegenstimme zur allgegenwärtigen Kriegsrhetorik darstellen. Während viele Beiträge in den bekannten Medien mit einem Fokus auf Aufrüstung, Eskalation und Feindbilder daherkommen, zeigen diese Artikel: Es gibt sie noch – die Stimmen für Abrüstung, Dialog und Verständigung. Unsere heutige Presseschau gibt einen Überblick über solche Perspektiven, die Frieden nicht nur fordern, sondern auch konkret denken.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle euch, den Leserinnen dieses Newsletters – denn viele von euch sind nicht nur aufmerksame Beobachterinnen, sondern auch selbst aktive Organisatorinnen der Ostermärsche gewesen. Ihr habt durch euer Engagement, eure Redebeiträge und eure Präsenz nicht nur ein starkes Zeichen für den Frieden gesetzt, sondern auch dafür gesorgt, dass diese Perspektiven überhaupt in der Presse sichtbar wurden. Einige der Artikel, die wir hier vorstellen, wären ohne eure Initiative gar nicht entstanden – dafür ein großes und herzliches Dankeschön!

Damit auch in Zukunft vielfältige und friedensorientierte Stimmen Gehör finden, freuen wir uns weiterhin über eure Hinweise auf lesenswerte Artikel, Interviews oder Medienbeiträge. Schickt uns eure Empfehlungen einfach an ba-wue@dfg-vk.de – wir nehmen sie gerne in die nächste Ausgabe unserer Presseschau auf. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, euer Engagement und eure Beiträge zum friedenspolitischen Diskurs!

1. Friedensbewegung & Ostermärsche 2025

Ostermarsch 2025: Tiefe Gräben, wenig Alternativen

Der Berliner Ostermarsch wird als zu russlandfreundlich kritisiert; innerlinke Konflikte erschweren die Einigkeit. Michael Schulze von Glaßer ruft zu einer offenen Friedenshaltung auf, die alle Aggressionen verurteilt. Die Spaltung der Bewegung wird thematisiert.

Link: https://taz.de/Ostermarsch-2025/!6079296/

IMI bei den Ostermärschen 2025

Die Informationsstelle Militarisierung berichtet über ihre Teilnahme an Ostermärschen, insbesondere mit friedenspolitischen und antimilitaristischen Reden. Es geht um soziale Gerechtigkeit, Abrüstung und Kritik an Aufrüstungspolitik. Die Bewegung fordert eine stärkere zivile Perspektive.

Link: https://www.imi-online.de/2025/04/15/imi-bei-den-ostermaerschen/

Ostermarsch Mannheim 2025

In Mannheim wurden beim Ostermarsch alte Lieder und aktuelle Forderungen kombiniert. Die Veranstaltung war gut besucht und hatte eine klare Botschaft gegen Krieg und Waffenlieferungen. Die Redebeiträge richteten sich gegen zunehmende Militarisierung.

Link: https://www.rnz.de/region/metropolregion-mannheim_artikel,-Mannheim-Alte-Lieder-und-Forderungen-waren-beim-Ostermarsch-wieder-aktuell-_arid,1555716.html

Ostermarsch Ellwangen

Mehrere Berichte dokumentieren die Demonstration für Frieden in Ellwangen. Es wurde friedlich demonstriert mit klaren Aussagen gegen Aufrüstung und Krieg. Die Bewegung wird regional unterstützt.

Links:

  • https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/ostermarsch-ellwangen-friedensbewegung-100.html
  • https://www.schwaebische.de/regional/ostalb/ellwangen/friedlich-gemeinsam-demonstrieren-gegen-krieg-und-wettruesten-3499463
  • https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ostermaersche-in-bw-2025-100.html

2. Friedenspolitik & Pazifismus

ZDF Aspekte – Krieg, Frieden, Trump, Putin

Eine Fernsehsendung, die sich mit Friedenspolitik in Zeiten globaler Spannungen beschäftigt. Diskutiert werden autoritäre Regime, neue geopolitische Machtverhältnisse und die Zukunft der Friedensbewegung.

Link: https://www.zdf.de/play/reportagen/aspekte-106/krieg-frieden-trump-putin-100?staffel=2025

FriedensJournal Archiv

Eine Sammlung von Artikeln über Friedenspolitik, Antimilitarismus und internationale Konflikte. Enthält politische Analysen, Debatten und Plädoyers für Abrüstung.

Link: https://frieden-und-zukunft.de/fj-archiv/

Wenn Politik zu Krieg wird – Pressenza

Dieser Beitrag kritisiert die militärische Rhetorik der Politik und ruft zu friedenspolitischen Alternativen auf. Es geht um die Militarisierung gesellschaftlicher Debatten.

Link: https://www.pressenza.com/de/2025/04/wenn-politik-zu-krieg-wird/?sfnsn=scwspmo

Kommentar auf seniora.org

Ein polemischer Kommentar, der Friedrich Merz mit autoritären Politikstilen vergleicht. Die Kritik richtet sich gegen Aufrüstungsforderungen und gegen eine gefährliche nationale Rhetorik.

Link: https://seniora.org/politik-wirtschaft/deutschland/kommentar-frieden-schiessen-merz-ist-der-gefaehrlichste-deutsche-fuehrer-seit-adolf-hitler

3. Kriegsdienstverweigerung & Wehrpflicht

Verfassungsblog: Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung

Eine juristische Einordnung zur deutschen Wehrpflicht, dem Recht auf Kriegsdienstverweigerung und den gesellschaftlichen Spannungen dazu.

Link: https://verfassungsblog.de/wehrpflicht-wehrdienst-kriegsdienstverweigerung/

Connection e.V. – Beilage zum Freitag

Diese Beilage thematisiert die Lage von Verweigerern in Russland, Belarus und der Ukraine. Sie ruft zur Solidarität mit jenen auf, die sich gegen den Krieg stellen.

Link: https://de.connection-ev.org/pdfs/2025-04-24_BeilageFreitag.pdf

4. Internationale Friedensstimmen & Erinnerungskultur

Terumi Tanaka – Interview

Der Überlebende von Nagasaki spricht sich klar gegen Atomwaffen aus. Er betont die Notwendigkeit, historische Verantwortung zu übernehmen und für atomare Abrüstung einzutreten.

Link: https://www.faces-of-democracy.org/terumi-tanaka/

LEO Ensel (Teil 1 & 2) – NachDenkSeiten

Zweiteiliger Beitrag über die Notwendigkeit von Friedenspolitik gegenüber Russland. Leo Ensel analysiert Missverständnisse im Ost-West-Verhältnis und fordert einen Perspektivwechsel.

Links:

  • Teil 1
  • Teil 2

Fritz Bauer Forum – Video-Dokumentation

Ein Beitrag über das Forum, das sich für Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit einsetzt, unter anderem mit friedenspolitischem Fokus.

Link: https://youtu.be/u7XtbL90oEY?si=1b-sDh0e9VHjv95d

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