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Bundeswehr raus aus den Schulen

23 April, 2026

DFG-VK kritisiert zunehmende Bundeswehr-Präsenz an Schulen: Politische Bildung darf nicht militarisiert werden

Stuttgart, 23. April 2026 – Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) zeigt sich alarmiert über die Berichte, wonach die Bundeswehr in diesem Jahr bereits mehr als 2.000 Schulbesuche durchgeführt hat. Diese Entwicklung steht für eine zunehmende Normalisierung militärischer Einflussnahme im Bildungsbereich und ist aus friedenspolitischer Sicht höchst problematisch.

Schulen sind Orte des Lernens, der kritischen Reflexion und der demokratischen Bildung. Sie dürfen nicht zu Räumen werden, in denen militärische Logiken als selbstverständlicher Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit vermittelt werden. Bildung gehört in die Hände pädagogischer Fachkräfte – Bundeswehroffiziere sind keine Lehrer*innen. Wenn Jugendoffiziere und andere Vertreter*innen der Bundeswehr verstärkt in Klassenzimmern präsent sind, geschieht dies nicht in einem neutralen politischen Vakuum. Es transportiert Perspektiven, Interessen und sicherheitspolitische Deutungen, die häufig einseitig bleiben.

Die DFG-VK warnt seit Jahren vor einer schleichenden Militarisierung des Bildungswesens. Gerade in einer Zeit, in der über Wehrpflicht, Aufrüstung und „Kriegstüchtigkeit“ diskutiert wird, ist die massive Ausweitung von Bundeswehrbesuchen an Schulen ein politisches Signal. Junge Menschen werden so frühzeitig mit militärischem Denken konfrontiert, während zivile Konfliktbearbeitung, Friedenslogik und antimilitaristische Perspektiven strukturell unterrepräsentiert bleiben.

„Wenn die Bundeswehr tausendfach Klassenzimmer erreicht, während Friedensorganisationen nur wenig und ohne vergleichbare institutionelle Unterstützung Zugang erhalten, dann ist das kein Ausdruck ausgewogener politischer Bildung, sondern ein Ungleichgewicht mit Folgen“, erklärt Yannick Kiesel, politischer Geschäftsführer der DFG-VK.

Die DFG-VK erinnert daran, dass der Beutelsbacher Konsens Überwältigung, Indoktrination und einseitige Einflussnahme in der politischen Bildung ausschließt. Diese Maßstäbe müssen auch für sicherheitspolitische Themen gelten. Gerade weil junge Menschen mit Kriegsängsten, globalen Krisen und gesellschaftlichen Verunsicherungen konfrontiert sind, brauchen sie Räume für kontroverse Debatten, nicht militärische Normalisierung.

Besonders kritisch sieht die DFG-VK, dass Bundeswehrbesuche häufig von einer Institution durchgeführt werden, die zugleich einen klaren Rekrutierungsauftrag verfolgt. Auch wenn Jugendoffiziere formell keine Karriereberater sind, lässt sich diese strukturelle Nähe nicht ausblenden. Wo Bundeswehr an Schulen als selbstverständlicher Akteur auftritt, wird Akzeptanz für das Militär geschaffen.

Die DFG-VK fordert deshalb:

  • keine weitere Ausweitung und die Beendigung von Bundeswehrbesuchen an Schulen
  • keine Kooperationsabkommen zwischen Bildungsministerien und Bundeswehr
  • gleichberechtigten Zugang für Friedensorganisationen und zivile Konfliktbearbeitung in Schulen
  • Stärkung von Friedensbildung als verbindlichem Bestandteil schulischer Bildung

Statt Jugend auf Krieg vorzubereiten, braucht es Bildung für Frieden. Schulen sollten Orte sein, an denen über Gewaltprävention, internationale Verständigung, Kriegsdienstverweigerung und zivile Alternativen gesprochen wird.

Die ehrenamtlichen Mitglieder der DFG-VK steht für Gespräche, Workshops und friedenspolitische Bildungsangebote an Schulen bereit.

Pressekontakt:
Yannick Kiesel (DFG-VK): kiesel@dfg-vk.de; +491578/3452092

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart, 23. April 2026

12 Februar, 2026

Neujahrsempfang der DFG-VK Baden-Württemberg in KarlsruhePolitischer Jahresauftakt in bewegten Zeiten

Der Landesverband der DFG-VK Baden-Württemberg trifft sich traditionell zweimal im Jahr: im Januar zum Neujahrsempfang und im Sommer zur Landesmitgliederversammlung. Der Neujahrsempfang wird seit mehreren Jahren von der Karlsruher Regionalgruppe ausgerichtet – so auch in diesem Jahr. Ein großer Dank geht an die Karlsruher Aktiven der DFG-VK, die erneut einen verlässlichen und vertrauensvollen Rahmen für Austausch, Diskussion und Begegnung geschaffen haben. Rund 50 Teilnehmende kamen zusammen. Die Stimmung war gut, offen und der politischen Situation angemessen von großer Dynamik geprägt.

Im Zentrum des Vormittags stand das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Wehrdienstmodernisierungsgesetz und der Umgang damit. In seiner Einführung blickte der Landesvorsitzende und KDV-Experte Klaus Pfisterer zunächst auf die Arbeit des Landesvorstands seit der letzten Mitgliederversammlung zurück, ging dann aber sehr klar auf die neuen Herausforderungen ein, die sich aus dem neuen Wehrdienst für einen pazifistischen Verband ergeben.

Landesvorsitzender und KDV-Experte Klaus Pfisterer

Besonders die Kriegsdienstverweigerung gewinnt wieder massiv an Bedeutung – sowohl als konkrete Beratungsarbeit als auch als politische Dimension der Friedensarbeit. Die Zahl der Anfragen steigt, die Beratung wird komplexer, und der kontinuierliche Ausbau des Berater*innen-Netzwerks bleibt eine zentrale Aufgabe des Landesverbands. Zugleich ist die Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Hebel, um Militarismus grundsätzlich zu kritisieren und ihm praktisch etwas entgegenzusetzen.

Neben der Beratung selbst wurde auch die politische Informationsarbeit diskutiert. Angedacht ist unter anderem eine KDV- und Wehrpflicht-Infotour mit dem DFG-VK-Bulli durch Baden-Württemberg. Regionalgruppen und Mitglieder, die einen Halt in ihrer Stadt oder Region organisieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich direkt bei Jonas Fehrenbach in der Landesgeschäftsstelle zu melden.

In der anschließenden Diskussion ging es sehr konkret um den Umgang mit den neuen Fragebögen zur Wehrerfassung. Deutlich wurde, dass es hier Orientierung braucht – etwa zur Frage, wann Handlungsspielräume bestehen und ab wann mit Sanktionen zu rechnen ist, wenn der Fragebogen nicht ausgefüllt wird. Auch weitergehende Formen der Verweigerung und des zivilen Ungehorsams wurden angesprochen, etwa die Möglichkeit, den Fragebogen bewusst gar nicht auszufüllen und Menschen dabei solidarisch zu unterstützen. Der Austausch zeigte, wie wichtig es ist, diese Fragen gemeinsam zu klären, um als Friedensbewegung handlungsfähig und sprachfähig zu bleiben.

Ein weiterer zentraler Schwerpunkt des Vormittags war die zunehmende Militarisierung von Schulen. Einigkeit bestand darin, dass Anfragen von Schulen grundsätzlich angenommen werden sollten – mit dem Ziel, eigenständige friedenspolitische Veranstaltungen durchzuführen. Wird hingegen ausschließlich eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit Jugendoffizieren der Bundeswehr angeboten, sollte sorgfältig abgewogen werden, ob und unter welchen Bedingungen eine Teilnahme sinnvoll ist. Dabei spielen sowohl die eigene Positionierung als auch die rhetorischen Fähigkeiten der Beteiligten eine wichtige Rolle.

Aus dieser Debatte heraus entstand etwas sehr Ermutigendes: Mehrere Mitglieder, darunter Pädagoginnen und ehemalige Pädagogen, erklärten ihre Bereitschaft, gemeinsam Konzepte für Schulbesuche zu entwickeln. Der neu gegründete Arbeitskreis „Ab in die Schule“ wird sich in den kommenden Monaten mit Seminarformaten, pädagogischen Zugängen und strategischen Fragen befassen. Verstärkt wird diese Arbeit durch ein neues Mitglied, einen ehemaligen Jugendoffizier der Bundeswehr, der seine Erfahrungen künftig aus friedenspolitischer Perspektive in Schulen einbringen möchte.

Einen weiteren wichtigen Impuls setzte Andreas Pahlow aus der Regionalgruppe Mittelbaden. Ziel seiner Initiative ist es, gemeinsam mit anderen Aktiven ein Schulungsformat zu entwickeln, das durch Baden-Württemberg tourt und Friedensaktivist*innen gezielt in der Ansprache junger Menschen zu Themen wie Wehrpflicht, Militär und Aufrüstung schult. Wer Lust hat, an dieser Konzeption mitzuwirken, kann über die Regionalgruppe Mittelbaden Kontakt zu Andreas Pahlow aufnehmen.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause bei Pizza – vielen Dank an die Organisator*innen für das Angebot an veganen, vegetarischen und fleischhaltigen Speisen – ging es am Nachmittag in drei Arbeitsgruppen weiter.

Die größte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Kriegsdienstverweigerungsberatung. Viele bereits aktive Berater*innen waren anwesend. Unter der Leitung von Klaus Pfisterer stand hier der fachliche Austausch im Vordergrund. Neue Zuständigkeiten, offene Rechtsfragen, Kann-Bestimmungen und erste Erfahrungen mit der Anwendung des neuen Gesetzes wurden gemeinsam diskutiert. Zugleich bot die Arbeitsgruppe Raum, um Erfahrungen aus der Beratungspraxis auszutauschen und voneinander zu lernen.

In der Arbeitsgruppe Bündnisarbeit ging es um Vernetzung, Abgrenzung und politische Perspektiven – insbesondere um die Zukunft des Friedensnetzes Baden-Württemberg und die Frage, wie landesweite Zusammenarbeit jenseits großer Einzelveranstaltungen gestaltet werden kann.

Eine dritte Arbeitsgruppe befasste sich mit dem Zusammenhang von Militärausgaben und sozialen Kürzungen. Anhand konkreter Beispiele – von gestrichenen Angeboten in der Kinderbetreuung bis hin zur Schließung von Blindenklassen an Schulen – wurde deutlich, wie sehr die aktuelle Aufrüstungspolitik den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.

Zum Abschluss des Neujahrstreffens kamen alle Teilnehmenden noch einmal zusammen, hörten kurze Berichte aus den Arbeitsgruppen und tauschten sich bei Kaffee und Kuchen aus. Der Landesvorstand bedankt sich für einen intensiven und produktiven Tag, der mit dem offiziellen Abschluss durch Klaus Pfisterer endete. Das Treffen machte Mut – weil es gezeigt hat, dass Analyse, Haltung und konkrete Handlungsansätze zusammengehören und dass wir Wissen und Kraft haben, uns der fortschreitenden Militarisierung entgegenzustellen.

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