Apsilon, „Weg hier raus“, Album „Glanz Null“
Am 2. Oktober wird das Brandenburger Tor in Berlin zur Bühne einer vielleicht späten, aber umso nötigeren Verbindung: Friedensorganisationen, die Bewegung der Schulstreiks gegen Wehrpflicht, Jugendverbände, zivilgesellschaftliche Organisationen und Künstler*innen kommen bei der Konzertkundgebung „UNZWINGBAR – Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!“ zusammen. Das ist keine ungewöhnliche Verbindung, sondern eine ziemlich pragmatische von Menschen, die sehen, wohin eine zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft führen kann – und immer mehr dafür tun wollen, dass es nicht so weit kommt. Von 16 bis 20 Uhr gibt es Musik und politische Beiträge, unter anderem von K.I.Z, Disarstar, Apsilon und Dritte Wahl.
Darin liegt für uns großes gesellschaftliches Potenzial für eine Veränderung hin zu friedlicheren Zeiten: Junge Menschen, die selbst von Musterung und möglichem Kriegsdienst betroffen sind, treffen auf Menschen mit jahrzehntelanger friedenspolitischer Erfahrung und auf Künstlerinnen, die Wut, Angst, Hoffnung und gesellschaftliche Widersprüche anders ausdrücken können als jedes Positionspapier. Redebeiträge kommen unter anderem aus der Schulstreikbewegung, von Kriegsdienstverweigerinnen, Gewerkschafter*innen und aus der Zivilgesellschaft. Es wird Zeit, lauter zu werden für diejenigen, die Konflikte nicht mit Härte lösen wollen.
Und das Bündnis ist breit. Neben Friedensorganisationen und der Bewegung gegen Wehrpflicht unterstützen auch Organisationen aus Gewerkschafts-, Umwelt- und Menschenrechtsarbeit die Konzertkundgebung. Mit dabei beziehungsweise als Unterstützer*innen angekündigt sind unter anderem Sea-Watch und Greenpeace. Friedensbewegung, Jugendbewegung, Gewerkschaften, Seenotrettung, Umweltbewegung und Kultur finden hier zusammen.
Der gemeinsame Aufruf richtet sich gegen die Reaktivierung der Wehrpflicht, gegen die Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr und gegen militärische Präsenz in Schulen, Universitäten und Forschung. Gefordert werden außerdem die umfassende Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht und Asylgrund sowie mehr Geld für Bildung, Gesundheit und Soziales statt für Aufrüstung und Krieg. Den vollständigen Aufruf findet ihr hier: UNZWINGBAR – Aufruf lesen
Wir als DFG-VK sprechen dabei bewusst von Kriegsdienstzwang. Denn wir empfinden keine Pflicht, in einem Krieg oder für eine Kriegspartei dienen zu müssen. Die dahinterliegende Frage ist grundsätzlich: Darf ein Staat Menschen dazu verpflichten, sich militärisch ausbilden zu lassen und im Ernstfall Gewalt gegen andere Menschen auszuüben? Unsere Antwort darauf ist ein klares Nein.
Es muss allen klar werden: Krieg ist keine abstrakte strategische Übung. Krieg bedeutet Leid, Verletzte und Tote, Vertreibung, Angst und Traumatisierung. Menschen, die dauerhaft Krieg und extreme Gewalt erleben, können davon schwere psychische Folgen davontragen. Und Krieg bringt Menschen in Situationen, in denen Gewalt zum Mittel wird, um Ziele durchzusetzen. Menschen lernen, Gewalt anzuwenden, sie auszuhalten und sie als Mittel zur Lösung von Konflikten zu akzeptieren. Sie können dadurch selbst zu Täter*innen von Handlungen werden, die sie sich in ihrem zivilen Leben vielleicht niemals hätten vorstellen können. Krieg kann Menschen körperlich und seelisch verletzen und ihre moralischen Grenzen erschüttern. Auch davor wollen wir Menschen schützen.
Umso besorgter und mit vehementem Unverständnis beobachten wir, wie selbstverständlich inzwischen wieder über militärische Größe als politischen Zielwert gesprochen wird. Sei es das Fünf-Prozent-Ziel der NATO am Bruttoinlandsprodukt oder seien es Sätze über die „stärkste konventionelle Armee Europas“. Man könnte meinen – und dieser Eindruck verfestigt sich –, sie wissen nicht, was sie tun. Es ist Aufgabe von uns als Gesellschaft, jetzt dagegen laut zu sein.
UNZWINGBAR kann ein Anfang davon sein, dass wir wieder lauter werden als diejenigen, die auf die grausamen Konflikte unserer Zeit mit Härte und teilweise sogar Menschenfeindlichkeit reagieren wollen. Auf derselben Bühne stehen junge Menschen, die von Kriegsdienstzwang unmittelbar betroffen wären, Kriegsdienstverweigerinnen, Gewerkschafterinnen, Friedensbewegte, Aktivistinnen und Künstlerinnen. Musik, politische Erfahrung und konkreter Widerstand gegen Wehrpflicht kommen zusammen.
Wer sich vorher musikalisch einstimmen möchte, findet hier die Spotify-Playlist zu UNZWINGBAR:Playlist anhören
Wir würden uns freuen, wenn am 2. Oktober sehr viele Menschen am Brandenburger Tor zusammenkommen, um auf die Gefahren einer immer stärker auf Krieg und militärische Stärke ausgerichteten Politik hinzuweisen, dagegen zu demonstrieren und ihr eine friedliche Perspektive entgegenzusetzen: eine Vorstellung von Zukunft, in der junge Menschen nicht darauf vorbereitet werden, zu töten und zu sterben, sondern darauf, ihr Leben in Freiheit und Frieden selbst zu gestalten.
UNZWINGBAR – Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht! 2. Oktober 2026, 16 bis 20 Uhr, Brandenburger Tor in Berlin.
Beenden möchten wir unsere Mobilisierung für diese wundervolle Konzertkundgebung mit einem Gedankenanstoß von K.I.Z aus dem Lied „Frieden“:
„Für die Bösen sind wir die Bösen.“
Ein Satz, der daran erinnert, dass so vieles auf dieser Welt von der Perspektive abhängt.
UNZWINGBAR hat ganz klar eine friedliche Zukunftsperspektive: eine Welt, in der sich die Menschen nicht zu Feinden machen lassen.