Slogans des Tages:
„Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft“
„Uns kriegt ihr nicht“
„Bevor ihr uns mustert, mustert euch selber“
Am 5. Dezember haben bundesweit Schulstreiks gegen die drohende Wiedereinführung der Wehrpflicht stattgefunden. In über 100 Städten gingen mehr als 55.000 junge Menschen auf die Straße – die meisten von ihnen Schülerinnen und Schüler. Anlass war das Wehrdienstmodernisierungsgesetz, das viele als Einfallstor für eine neue Wehrpflicht bewerten.
Auch in Baden-Württemberg gab es zahlreiche Schulstreiks, Demonstrationen und Kundgebungen. Im Folgenden dokumentieren wir die Aktionen, von denen wir als DFG-VK Baden-Württemberg Kenntnis haben. Vermutlich gab es weitere – falls eine Aktion hier fehlt, bitten wir um Entschuldigung und freuen uns über Hinweise.
Schulstreiks, Demonstrationen und Kundgebungen in Baden-Württemberg
Stuttgart
In Stuttgart demonstrierten fast 1.000 Schüler*innen gegen die drohende Wiedereinführung der Wehrpflicht. Auch aus umliegenden Städten wie Backnang oder Heilbronn wurde mobilisiert. Auf dem Kronprinzenplatz stellten Redner*innen die zentrale Frage:
„Haben wir nicht ein Recht darauf, in Frieden zu leben?“

Beteiligt waren u.a. SDAJ, Internationale Jugend, Young Struggle, SOLID sowie viele Schulen. Die DFG-VK begleitete die Demo solidarisch und gab praktische Hinweise zum Widerstand gegen den neuen Wehrdienst – von politischer Organisierung über zivilen Ungehorsam bis zur Kriegsdienstverweigerung.
Freiburg
Am Platz der Alten Synagoge kamen rund 1.000 Schüler*innen zusammen. Viele äußerten Angst davor, töten oder sterben zu müssen, und kritisierten, nicht in politische Entscheidungen einbezogen zu werden. Mehrere Redebeiträge benannten den Widerspruch zwischen dem schulischen Grundsatz „Gewalt ist keine Lösung“ und dem aktuellen politischen Handeln.

Auch in Freiburg war die DFG-VK solidarisch auf der Straße und verwies auf die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerungsberatung.
Karlsruhe
In Karlsruhe versammelten sich rund 700 Menschen, überwiegend Schüler*innen. Aufgerufen hatte das Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Der Ort war bewusst gewählt: vor dem Bundesverfassungsgericht.
Schilder wie „Bevor ihr uns mustert, mustert euch selber“ richteten sich direkt an die Regierenden. Für die DFG-VK Karlsruhe sprach Stefan Lau und versicherte den Jugendlichen volle Solidarität – politisch gegen Wehrpflicht und praktisch bei der Verweigerung.

Tübingen
In Tübingen kamen rund 700 junge Menschen zu Kundgebung und Demonstration zusammen. Protestiert wurde gegen die drohende Wehrpflicht und die Aufrüstungsdynamik, die als „Dynamik des Todes“ beschrieben wurde.

Kreative und deutliche Schilder forderten Politiker*innen auf, selbst Verantwortung zu übernehmen, statt junge Menschen in den Militärdienst zu zwingen. Die Botschaft:
„Wir sterben nicht in euren Kriegen – wir wollen eine echte Zukunftsperspektive.“
Heidelberg
In Heidelberg versammelten sich über 600 Menschen, die meisten Schüler*innen, am Friedrich-Ebert-Platz. Parolen wie „Unser Leben kriegt ihr nicht“ machten die Ablehnung der Wehrpflicht deutlich.

Auf der Demo Richtung Universitätsplatz kritisierten Redner*innen, dass politische Entscheidungen über junge Menschen hinweg getroffen werden. Auch hier steht die DFG-VK-Regionalgruppe den Jugendlichen mit Beratung und Unterstützung zur Seite.
Konstanz
In Konstanz streikten rund 250 Schüler*innen auf dem Münsterplatz. Sie lehnten das Wehrdienstmodernisierungsgesetz klar ab und machten deutlich, dass sie nicht gegen andere Menschen kämpfen wollen – „nicht für Deutschland und auch sonst nicht“.
Die DFG-VK unterstützt die Proteste solidarisch und praktisch. In Konstanz wird zudem eine Beratungsstelle zur Kriegsdienstverweigerung aufgebaut.
Ulm
In Ulm beteiligten sich etwa 120 junge Menschen an einer Demonstration durch die Innenstadt mit Abschlusskundgebung vor dem Rathaus. Viele befürchteten, dass der neue Wehrdienst nur der erste Schritt zur Wiedereinführung der Wehrpflicht sei.

Besonders betont wurde das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung und der Aufruf, dieses Recht aktiv zu verteidigen.
Reutlingen
In Reutlingen protestierten rund 100 junge Menschen auf dem Marktplatz. Banner der DGB-Jugend sowie klare Aussagen gegen Wehrpflicht, Pflichtdienste, Aufrüstung und Militarisierung prägten die lebendige Kundgebung.

Heilbronn
In Heilbronn fand am Nachmittag am Bollwerksturm eine Kundgebung mit rund 70 Teilnehmenden statt. Die Schülerin Sama, die mit ihrer Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen ist, berichtete von ihrer Sorge über die zunehmende Bedeutung von Krieg und Militarisierung in Deutschland.
Mitorganisator Benedikt Bihr kritisierte, dass Gelder für Aufrüstung fehlten, während in Bildung und Infrastruktur gespart werde.
Kirchheim/Teck
In Kirchheim/Teck organisierten Jugendliche gemeinsam mit den Jusos und der DFG-VK Neckar-Fils eine Mahnwache gegen Wehrpflicht – direkt gegenüber dem Weihnachtsmarkt, der „Frieden auf Erden“ verkündet.

BEPart – Kinder- und Jugendbeteiligung kritisierte politische Entscheidungen ohne echte Beteiligung junger Menschen. Für die DFG-VK betonte Hans Dörr: Deutschland müsse nicht kriegstüchtig, sondern friedensfähig werden.
Ludwigsburg
Auf dem Akademiehof protestierten zahlreiche junge Menschen gegen neuen Wehrdienst und Militarisierung. Ihre Botschaft: „Wir sind kein Kanonenfutter.“ Kritisiert wurden Aufrüstung und politische Prioritäten, während an Schulen Geld fehle.

Offenburg
In Offenburg war ein Schulstreik geplant, doch wegen angedrohter Repressionen blieb es bei zwei Kundgebungen. Die Kritik am Wehrdienstmodernisierungsgesetz blieb deutlich. Die DFG-VK Mittelbaden unterstützt junge Menschen bei der Kriegsdienstverweigerung und im politischen Widerstand gegen Militarisierung.

Schopfheim & Weil am Rhein
In Schopfheim und Weil am Rhein protestierten Schüler*innen aus der Region gegen die drohende Wehrpflicht. Besonders häufig genannt wurde die Ungerechtigkeit, nicht wählen zu dürfen, aber bereits für den Militärdienst eingeplant zu sein.

Danke – und unsere Solidarität
Wir bedanken uns bei allen Schülerinnen und Schülern, die am 5. Dezember gestreikt, organisiert, mobilisiert und öffentlich Position bezogen haben. In Zeiten zunehmender Militarisierung ist euer Engagement wichtig – und ermutigend.
Als DFG-VK Baden-Württemberg stehen wir solidarisch an eurer Seite:
• Politisch unterstützen wir Streiks, Demonstrationen, Aufrufe und Aktionen gegen Wehrpflicht und Militärzwang – auch Formen zivilen Ungehorsams gegen Musterung und Datenerfassung.
• Praktisch unterstützen wir mit unserer Kriegsdienstverweigerungs-Beratung. Lasst euch beraten, bevor ihr etwas abschickt – oder lasst euren Text prüfen.
📩 Kontakt zur KDV-Beratung:
ba-wue@dfg-vk.de
Der nächste Streiktermin steht bereits fest: 5. März. Auch dann werden wir wieder solidarisch unterstützen.
So long: the old can learn from the young.
