Am 25. September findet der nächste bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht statt – auch in zahlreichen Städten Baden-Württembergs. Schüler*innen organisieren sich selbst und wenden sich gegen Wehrpflicht, verpflichtende Erfassung und Musterung sowie gegen eine zunehmende Militarisierung ihrer Lebenswelt.
Der politische Hintergrund ist konkret: Seit Anfang 2026 bekommen 18-Jährige einen Fragebogen der Bundeswehr. Männer müssen ihn beantworten, für Frauen ist die Antwort freiwillig. Ab dem 1. Juli 2027 sollen Männer des Jahrgangs 2008 verpflichtend gemustert werden. Der eigentliche Wehrdienst ist derzeit freiwillig. Sollte die Bundesregierung ihre Personalziele nicht erreichen oder sich die sicherheitspolitische Lage verändern, kann der Bundestag allerdings eine sogenannte „Bedarfswehrpflicht“ gesetzlich beschließen.
Die Schüler*innen gehen mit ihrer Kritik deutlich weiter. In ihrer Resolution wenden sie sich gegen Wehrpflicht und andere Zwangsdienste, gegen Bundeswehrwerbung und militärische Präsenz an Schulen und gegen eine Politik, die ihrer Ansicht nach immer größere Summen für Aufrüstung bereitstellt, während bei Bildung und Sozialem Geld fehlt. Vor allem aber sagen sie etwas sehr Einfaches: Sie wollen nicht darauf vorbereitet werden, auf andere junge Menschen zu schießen, zu töten oder selbst in einem Krieg zu sterben.
Wir als DFG-VK Baden-Württemberg unterstützen die streikenden Schüler*innen und ihre Forderungen. Viele unserer Aktiven helfen bereits vor Ort, mobilisieren, vernetzen und bieten Unterstützung an. Denn hier wehren sich diejenigen selbst, die von einer Wehrpflicht unmittelbar betroffen wären: junge Menschen, die im Ernstfall für Deutschland kämpfen, töten und sterben müssten. Dass sie sich zusammenschließen und widersprechen, verdient unsere volle Solidarität.
Und vielleicht sollten wir uns dabei noch eine andere Frage stellen: Warum sind es gerade die jungen Menschen selbst, von denen der sichtbarste organisierte Widerstand kommt?
Wo sind die Psychotherapeut*innen – ganz egal ob verhaltenstherapeutisch oder analytisch unterwegs? Wo sind Sozialarbeiter*innen, Lehrer*innen, andere Pädagog*innen, Professor*innen, Sozialwissenschaftler*innen und Friedensforscher*innen? Wo sind Ärztinnen? Wo ist das Partyvolk, das doch ebenfalls lieber tanzen als marschieren dürfte? Wo sind all diejenigen, die beruflich oder privat mit jungen Menschen, mit Gewalt, gesellschaftlichem Zusammenhalt, Gesundheit und Zukunft zu tun haben? Wo nur? Und warum sind sie so leise?
Sind wirklich nur noch diejenigen laut, die nach mehr Waffen, mehr Militär und mehr Härte rufen?
Die Schüler*innen jedenfalls sind da. Sie organisieren sich selbst, formulieren ihre Interessen und widersprechen der Vorstellung, ihre Zukunft müsse zwangsläufig eine militärische sein. Genau deshalb sollten wir sie nicht alleine lassen.
Also: Mobilisiert für den 25. September, unterstützt die Streiks vor Ort, bietet Hilfe an und geht mit auf die Straße.

Nach aktuellem Stand finden Aktionen in Baden-Württemberg in Backnang/Waiblingen, Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Offenburg, Ravensburg, Reutlingen, Stuttgart, Tübingen und Ulm statt. Aus Ludwigshafen und Weinheim fahren Aktive nach Mannheim. Die jeweils aktuellen Orte und Uhrzeiten findet ihr auch auf der Veranstaltungseite unserer Website.