Auch in diesem Jahr protestierten Friedensgruppen aus Heidenheim, dem Ries und Ellwangen gegen die sogenannten „Königsbronner Gespräche“ in der Hammerschmiede Königsbronn. Mit etwa 50 Demonstrierenden war der Protest deutlich sichtbarer als im vergangenen Jahr. Auch Mitglieder der DFG-VK und der Friedensgruppe Heidenheim beteiligten sich an der Kundgebung.

Die Veranstaltung gilt seit Jahren als Plattform für eine zunehmend militarisierte Sicherheitspolitik. Veranstaltet wird sie unter anderem vom CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter, der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Bildungswerk des Deutschen Bundeswehrverbandes sowie der Gesellschaft für Sicherheitspolitik.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Gespräche stand die Frage, wie Deutschland und Europa „resilient“ und „wehrhaft“ gemacht werden könnten. Der Militärhistoriker Sönke Neitzel forderte dabei offen eine stärkere militärische Ausrichtung Deutschlands, die Einführung der Wehrpflicht sowie den Ausbau der Bundeswehr zur „größten Armee Europas“. Zugleich beklagte er, politische Strategien würden zu langsam umgesetzt.

Für uns zeigt sich darin eine gefährliche Entwicklung: Statt über Wege zur Deeskalation, Diplomatie und internationalen Verständigung zu sprechen, wird militärische Aufrüstung zunehmend als alternativlos dargestellt. Krieg wird dabei mehr und mehr als normaler Bestandteil von Politik behandelt.
Besonders kritisch sehen wir die Rolle von Roderich Kiesewetter, der seit Jahren offensiv für „Kriegstüchtigkeit“ und eine weitere Militarisierung der Gesellschaft wirbt. Wenn militärische Stärke und Durchhaltefähigkeit zum politischen Leitbild werden, geraten die historischen Erfahrungen Deutschlands mit Aufrüstung, Nationalismus und Krieg zunehmend in den Hintergrund.

Gerade deshalb war es wichtig, in Königsbronn sichtbar Widerspruch zu leisten. Friedenspolitik bedeutet für uns nicht Naivität, sondern die Überzeugung, dass Sicherheit langfristig nicht durch immer mehr Waffen und militärische Eskalation entsteht, sondern durch Diplomatie, Abrüstung, internationale Zusammenarbeit und soziale Sicherheit.
Wichtig ist uns außerdem eine Klarstellung zur Berichterstattung über die Demonstration: Jutta Dorsch, Sprecherin der Friedensgruppe Heidenheim, sieht ihre Aussagen teilweise missverständlich wiedergegeben. Zwar sei das Gefühl von Hilflosigkeit angesichts weltweiter Kriege und Aufrüstung vielen Menschen vertraut. Entscheidend sei für sie an diesem Tag aber vor allem die Erfahrung gewesen, gemeinsam mit vielen anderen Menschen für Frieden einzustehen. Die im Vergleich zum Vorjahr deutlich größere Beteiligung habe Mut gemacht und gezeigt, dass der Wunsch nach Frieden und Diplomatie weiterhin viele Menschen bewegt.
