Einleitung
Jeden Tag erreichen uns von aufmerksamen und kritischen Friedensaktivist*innen Hinweise auf Berichte und Beiträge aus der Presse, die – teilweise und erfreulicherweise – eine wohltuende Gegenstimme zur allgegenwärtigen Kriegsrhetorik darstellen. Während viele Beiträge in den bekannten Medien mit einem Fokus auf Aufrüstung, Eskalation und Feindbilder daherkommen, zeigen diese Artikel: Es gibt sie noch – die Stimmen für Abrüstung, Dialog und Verständigung. Unsere heutige Presseschau gibt einen Überblick über solche Perspektiven, die Frieden nicht nur fordern, sondern auch konkret denken.
Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle euch, den Leserinnen dieses Newsletters – denn viele von euch sind nicht nur aufmerksame Beobachterinnen, sondern auch selbst aktive Organisatorinnen von Protesten, Mahnwachen und Friedensaktionen. Einige der hier vorgestellten Artikel verdanken ihre Aufmerksamkeit nicht zuletzt eurem Engagement – dafür ein großes und herzliches Dankeschön!
Damit auch in Zukunft vielfältige und friedensorientierte Stimmen Gehör finden, freuen wir uns weiterhin über eure Hinweise auf lesenswerte Artikel, Interviews oder Medienbeiträge. Hinweise bitte an bar-vue@dfg-vk.de – wir nehmen sie gerne in die nächste Ausgabe unserer Presseschau auf.
💣 Aufrüstung & Militarisierung
Deutschland exportiert offenbar so viele Kriegsgüter wie noch nie
Die Graswurzelrevolution dokumentiert, dass deutsche Waffenexporte 2025 neue Rekordhöhen erreichen. Anhand kritischer Stimmen – u. a. von DFG-VK-Aktiven – wird gezeigt, wie diese Politik Kriege verlängert statt beendet. Der Artikel ist ein Weckruf gegen die Normalisierung von Kriegsprofiten.
Hartmut Rosa über Militarisierung und Resonanzverlust
Der Soziologe beschreibt, wie Militarisierung nicht nur internationale Konflikte verschärft, sondern auch das gesellschaftliche Klima nach innen verhärtet. Militaristische Logik zerstört Resonanzräume, die für Demokratie und Dialog notwendig sind. Damit liefert Rosa eine starke theoretische Begründung für die Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Widerstands. (Leider hinter Bezahlschranke, bei starkem Interesse bei Jonas nachfragen)
Der neue Wehrdienst ist da
Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) kritisiert die Einführung eines neuen Wehrdienstes als Schritt zurück in alte Denkmuster. Gerade junge Menschen werden durch Kriegsrhetorik unter Druck gesetzt, statt echte Perspektiven für Frieden und Teilhabe zu erhalten. Das Papier ruft zu entschlossenem Widerstand gegen diesen Rückschritt auf.
Kriegsdienstverweigerung im Aufwind
Mehrere MDR-Beiträge und ein Tagesschau-Bericht zeigen, wie die Nachfrage nach KDV-Beratung deutlich steigt. Viele Jugendliche fühlen sich vom neuen Wehrdienstgesetz bedroht, doch der zivile Widerstand wächst. Das ist ein ermutigendes Zeichen für eine Gesellschaft, die Alternativen zur Militarisierung sucht.
Minderjährige in der Bundeswehr
Die junge Welt berichtet, dass viele Jugendliche überhaupt nicht wissen, dass die Bundeswehr Minderjährige rekrutiert. Die Armee setzt weiterhin auf eine fragwürdige Nachwuchswerbung, statt auf Transparenz und Aufklärung. Friedensorganisationen fordern seit Jahren ein klares Ende dieser Praxis.
🔥 Kriege in Ukraine & Westasien
Ukraine: Kampfjets und Kriegslogik
Die Südwest Presse meldet, dass Deutschland weitere Kampfjets zur Sicherung des polnischen Luftraums schickt. Solche Schritte befeuern eine Eskalationsspirale, die Sicherheit nur vortäuscht, aber nicht schafft. Stattdessen wären dringend Initiativen für Waffenstillstand und Diplomatie nötig.
Selenskyj: Südkorea als Modell?
Der Standard berichtet, dass der ukrainische Präsident Südkorea als Vorbild für die Zeit nach dem Krieg nennt. Doch eine militarisierte Dauer-Konfrontation kann kein Modell für Frieden sein. Nur eine echte Verhandlungslösung kann dauerhaft Sicherheit schaffen.
Gazakrieg: Vorwürfe des Völkermords
Eine UN-Kommission wirft Israel vor, im Gazastreifen Völkermord zu begehen. Berichte über Hunger, Massenvertreibung und gezielte Angriffe auf Zivilist*innen zeichnen ein erschütterndes Bild. Diese Entwicklung zeigt erneut: militärische Gewalt bringt keinen Frieden, sondern zerstört das Fundament von Zusammenleben.
🔗 n-tv
🔗 UN News
Bodentruppen in Gaza
ZDF und Tagesanzeiger berichten, dass die israelische Armee trotz Geiselgefahr mit Panzern in Gaza-Stadt vorrückt. Humanitäre Organisationen warnen vor einer Katastrophe ungekannten Ausmaßes. Es wird deutlich: militärische Logik lässt sich nicht mit Menschenrechten vereinbaren.
„Hunger ist keine Panne“
Das IPG-Journal beleuchtet, dass Hunger im Gazastreifen nicht Zufall, sondern gezielte Kriegsstrategie ist. Zivilbevölkerung wird damit systematisch unter Druck gesetzt – ein klarer Bruch des Völkerrechts. Der Text ruft eindringlich zu internationalem Handeln auf.
Für einen gerechten Frieden in Gaza
Die IPPNW fordert ein sofortiges Ende der Angriffe und die Anerkennung gleicher Rechte für alle Menschen in der Region. Frieden kann nicht durch Unterdrückung entstehen, sondern nur durch Dialog, Empathie und Gerechtigkeit. Ein starkes Statement aus der internationalen Friedensbewegung.
👥 Zivilgesellschaft & Widerstand
Antikriegstag: Reden und Erklärungen
Die IMI veröffentlicht Redebeiträge und eine Erklärung des Kölner Friedensforums. Im Zentrum steht die Ablehnung der deutschen Aufrüstung und der Schulterschluss mit sozialen Bewegungen wie „Rheinmetall entwaffnen“. Die Texte machen Mut zu breiter Vernetzung und gemeinsamer Aktion.
Reservist*innen verweigern
Immer mehr israelische Reservist*innen weigern sich, am Gazakrieg teilzunehmen. MSN berichtet, wie Dienstverweigerung in Israel wächst und den Mythos des „geschlossenen nationalen Konsenses“ erschüttert. Ein wichtiges Beispiel für individuellen Mut gegen Kriegslogik.
Dialog statt Waffen: Sumaya Farhat-Naser und Sally Azar
Das Berliner Missionswerk dokumentiert ein Gespräch mit zwei palästinensischen Christinnen, die für Verständigung und friedliche Koexistenz eintreten. Inmitten von Gewalt und Hass bleibt ihre Botschaft der Hoffnung bestehen. Solche Stimmen zeigen, wie Frieden konkret gelebt werden kann.
📚 Analysen & Hintergrund
Le Monde diplomatique: Analyse zum Gazakrieg
Die Monde Diplomatique beleuchtet die geopolitischen Dimensionen des Krieges in Gaza. Dabei wird deutlich, wie internationale Interessen den Konflikt anheizen. Umso dringlicher ist ein klarer friedenspolitischer Gegenentwurf.
IMI: Ausdruck Nr. 122
Editorial (Lühmann)
Das Editorial warnt vor der zunehmenden Gewöhnung an Krieg und Militarismus im politischen Alltag. Während Milliarden für Aufrüstung selbstverständlich werden, geraten Friedens- und Sozialpolitik ins Hintertreffen. Es ruft dazu auf, diese Normalisierung aktiv zu durchbrechen und Friedensarbeit sichtbarer zu machen.
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Gehring: Außen- und Militärpolitik
Gehring analysiert die Kontinuität deutscher Außenpolitik, die zunehmend aggressiv-militärisch ausgerichtet ist. Der Beitrag zeigt, wie die Rhetorik der „Zeitenwende“ genutzt wird, um alte Konzepte von Machtpolitik wiederzubeleben. Friedensbewegungen werden ermutigt, diese Entwicklung kritisch zu kontern.
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Bröse: Kriegswirtschaft und soziale Kosten
Bröse beleuchtet, wie Rüstungsausgaben soziale Ungleichheit verschärfen. Während die Kriegswirtschaft boomt, fehlen Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit. Der Text macht deutlich, dass Aufrüstung nicht nur international eskaliert, sondern auch die Gesellschaft im Inneren spaltet.
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Penteker: Rüstungsexporte
Penteker dokumentiert die Rekordzahlen deutscher Rüstungsexporte und deren verheerende Folgen. Deutsche Waffen tauchen in Konfliktregionen auf und verlängern Kriege, statt sie zu beenden. Der Beitrag fordert ein sofortiges Exportverbot – gerade angesichts der deutschen Mitverantwortung.
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Sahin: Innenpolitische Militarisierung
Sahin beschreibt, wie militärische Denkweisen in Alltag und Politik einsickern. Ob Wehrpflichtdebatten, Militärwerbung oder Polizeiaufrüstung – überall zeigt sich eine Verschiebung hin zu autoritären Mustern. Der Artikel ruft zum zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen diesen schleichenden Prozess auf.
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Flock: Militarismus im Alltag
Flock analysiert, wie Militarismus kulturell und symbolisch verankert wird – etwa durch Sprache, Medienbilder und Rituale. Diese „banalen“ Ausdrucksformen bereiten den Boden für eine gesellschaftliche Akzeptanz von Krieg. Friedensbewegungen müssen daher auch die kulturellen Ebenen im Blick behalten.
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Flock/Kaya: Antirassistische Perspektiven
Die Autor*innen verknüpfen Militarismus mit Rassismus und Kolonialismus. Sie zeigen, wie Kriegslogik rassistische Strukturen verstärkt und migrantische Communities besonders belastet. Der Beitrag fordert eine stärkere Verbindung zwischen Friedens- und Antirassismusarbeit.
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Friedrich: Internationaler Widerstand
Friedrich stellt Beispiele aus internationalen Bewegungen vor, die Militarisierung nicht hinnehmen. Ob in Israel, den USA oder Lateinamerika – überall gibt es mutige Akte des Widerstands. Diese Perspektive macht Mut, auch hierzulande neue Allianzen zu knüpfen.
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