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DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg

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Antimilitarismus

3 Dezember, 2025

05 I 12 I Schulstreiks gegen Wehrpflicht

Am 5. Dezember legen bundesweit Schüler*innen die Stifte hin.

Die Regierung sollte besser hinhören, wenn die Zukunft unseres Landes sich gegen die Wehrpflicht organisiert und dass sie sich nicht zu Kanonenfutter machen lassen wollen.

Der Schulstreik wird ein deutliches Zeichen des Widerstands gegen Zwangsdienst, Militarisierung und die Gefährdung ihrer Zukunft. Er richtet sich gegen eine Politik, die fortwährend Entscheidungen über ihr Leben trifft, ohne sie überhaupt ernst zu nehmen.

Wir, die DFG-VK Baden-Württemberg, stehen an der Seite der streikenden Schüler*innen.

Wir unterstützen ihren Widerstand gegen jede Form von Wehrpflicht und Zwangsdiensten. Und wir stehen bereit, wenn sie Kriegsdienst verweigern wollen: informiert euch auf verweigern.info was zu tun ist, wir helfen dann gerne! 

Unsere Mitglieder rufen wir auf:

Begleitet die Streiks. Unterstützt die Schüler*innen. Gebt ihnen Infos zum Umgang mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz. Sand ins Getriebe der Militärmaschinerie!

UPdate:

  • Ulm I Valckenburg-Schule I 10:30 Uhr (Streik)
  • Offenburg I Re Carre I 17:30 Uhr (solidarische Kundgebung)

23 Oktober, 2025

Bundeswehr lass‘ die jungen Leute in Frieden: Nein zum Werben fürs Töten und Sterben beim Karrieretag in Karlsruhe

Am 22. Oktober fand in Karlsruhe der Karrieretag in der Schwarzwaldhalle statt. Zwischen Firmen, Hochschulen und Jobangeboten – mittendrin: die Bundeswehr. Werbung fürs Sterben, getarnt als Karrierechance.

Das konnten wir nicht unkommentiert lassen. Vor der Halle standen Antimilitaristinnen der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigung der Kriegsdienstgegnerinnen, Menschen vom Friedensbündnis Karlsruhe, vom Offenen Antifaschistischen Treffen, vom Offenen Feministischen Treffen und von der Linksjugend [’solid].

Gemeinsam informierten wir über Militarisierung, über Kriegsdienstverweigerung und über Alternativen zu Aufrüstung und Krieg.

Viele junge Menschen kamen zu uns,nahmen Flyer und Sticker mit und sagten klar: Kein Bock auf Bundeswehr.

Sie wollen Frieden, keine Waffen, keinen Zwang, kein Töten. Drinnen auf der Messe zeigten Aktivist*innen direkt am Stand der Bundeswehr Haltung – und bekamen sofort die Polizei zu spüren. Personalienkontrolle. Rauswurf.

Doch draußen ging’s weiter:

Wir informierten weiter, diskutierten weiter, und machten deutlich:

Die Bundeswehr hat auf Bildungsmessen nichts verloren. Kein Werben fürs Töten und Sterben – sondern Perspektiven für Frieden und Zukunft. ✌️

22 Oktober, 2025

Wer den Kriegsdienst verweigern will, muss vor allem in einer Hinsicht gründlich sein

– Ein lesenswerter Artikel der „Welt“ entstanden mit Hilfe von unserem Vorstand Stefan Philipp

23 September, 2025

Ordner*innen gesucht – wir zählen auf euch!

Unsere große Friedensdemonstration am 3. Oktober in Stuttgart wird nur dann so stark, friedlich und eindrucksvoll, wie wir sie uns wünschen, wenn viele von uns auch Verantwortung übernehmen. Dafür brauchen wir euch – als Ordnerinnen und Helferinnen.

Eure Rolle ist unverzichtbar: Ihr sorgt dafür, dass die Demo sicher abläuft, dass wir geschlossen und sichtbar auftreten und dass mögliche Störungen schnell geklärt werden. Mit eurer Unterstützung können wir zeigen: Die Friedensbewegung ist nicht nur laut und bunt, sondern auch gut organisiert und solidarisch.

Es gibt zwei Möglichkeiten mitzuhelfen:

  • „Normale“ Ordner*innen
    Ihr lauft mit euren Gruppen mit (ohne Fahnen oder Transparente zu tragen), holt euch am Organisationsstand eine Ordnerbinde und die Telefonnummer der Versammlungsleitung ab. Eure Aufgabe: aufmerksam sein, Ruhe ausstrahlen, im Notfall deeskalieren – und gravierende Vorfälle sofort an die Versammlungsleitung melden. Schon auf der gemeinsamen Anreise könnt ihr schauen, wer aus eurer Gruppe gut geeignet ist.
  • „Präsenz“-Ordner*innen
    Ihr seid ausschließlich für die Versammlungsleitung da, helft bei besonderen Aufgaben (z. B. Absicherung der Bühne) oder seid an wichtigen Stellen präsent, um im Bedarfsfall einzugreifen.

👉 Wenn ihr euch vorstellen könnt, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen, meldet euch bitte direkt bei mir:

📧 ba-wue@dfg-vk.de

Schickt mir euren Namen, eure Mailadresse und eure Handynummer. Ich gebe die Daten an die Versammlungsleitung weiter – diese lädt euch dann mit einem Zoom-Link zur digitalen Vorbereitungssitzung am 30. September ein (Uhrzeit folgt).

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Demo am 3. Oktober nicht nur groß, bunt und laut, sondern auch stark, sicher und unübersehbar wird. ✊🕊️

19 September, 2025

Große Friedensdemo am 03.10. in Stuttgart: Aufruf- gemeinsame Anfahrten – DFG-VK-Block

Der Aufruf zur Demonstration am 3. Oktober 2025:

Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden!

Wir sagen Nein zu allen Kriegen und lehnen die gefährliche Hochrüstung ab. Die Umsetzung des Fünf-Prozent-Ziels, würde bedeuten, dass fast jeder zweite Euro aus dem Bundeshaushalt in Militär und kriegsrelevante Infrastruktur fließt. Die Hochrüstung führt zu massiver Verschuldung, drastischem Sozialabbau und der Militarisierung der Gesellschaft. Dies geht insbesondere auf Kosten der Kinder und Jugendlichen, der Alten und Kranken sowie der arbeitenden Menschen. Die Hochrüstung blockiert zudem den Kampf gegen die Klimakatastrophe, Umweltkrisen und weltweite Armut. Die Politik der Konfrontation setzt unsere Sicherheit aufs Spiel, statt sie zu gewährleisten. Waffenexporte und Eskalationspolitik verschärfen Kriege und Krisen und verlängern sie. Nicht die Kriegstüchtigkeit Deutschlands ist unser Ziel, sondern seine Dialogfähigkeit und seine Bereitschaft zur Abrüstung.

Wir fordern von der Bundesregierung:

· Stopp des Hochrüstungskurses. Stattdessen Abrüstung für Soziales, Klima und Entwicklung.
· Keine Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Entschlossenen Einsatz für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen.
· Nein zur Wehrpflicht.
· Stopp der Militarisierung der Gesellschaft. Keine Unterordnung von Gesundheitswesen, Bildung und Wissenschaft unter Kriegstüchtigkeit.
· Asyl für Menschen, die sich dem Krieg verweigern und von Krieg bedroht sind.
· Diplomatisches Engagement für ein schnelles Ende der Kriege in Europa und im Nahen und Mittleren Osten.
· Die Bundesregierung darf sich nicht weiter mitschuldig machen an einer von immer mehr Staaten und Organisationen als Völkermord klassifizierten Kriegsführung im Gazastreifen. Sie muss alles tun, damit der Krieg, die Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser und der Einsatz von Hunger als Waffe umgehend beendet werden.
· Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag.

Unsere Vision bleibt eine Welt ohne Atomwaffen und Krieg. Wir fordern gemäß der UN-Charta, auf die Anwendung und Androhung von Gewalt in den internationalen Beziehungen zu verzichten. Es braucht die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren.

Wir lehnen alle Kriege ab. Wir trauern um alle Opfer von Kriegen und Gewalt und verurteilen alle Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Wir wollen:

· Diplomatische Initiativen. Nur Verhandlungen und Abrüstung schaffen Sicherheit.
· Eine neue Entspannungspolitik für Europa, die die Friedens- und Sicherheitsinteressen aller Beteiligten berücksichtigt.
· Politische Konfliktlösungen, Friedenslogik und eine Kultur des Friedens.

Frieden braucht die Verteidigung der Demokratie und das Engagement jedes Einzelnen. Frieden braucht Bewegung.

Frieden ist die Grundlage für ein gutes Leben künftiger Generationen.
Deswegen demonstrieren wir am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart!
Unterstützt die bundesweite Demonstration mit eigenen Aufrufen und Appellen.
Werbt und mobilisiert für eine große Aktion!

Rassismus, Antisemitismus, Faschismus und alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit lehnen wir ab. Deshalb gibt es keine Zusammenarbeit mit rechtsextremen und demokratiefeindlichen Kräften. Diese können auch nicht Teil unseres Bündnisses sein. Wir bitten auf Parteifahnen zu verzichten. Einverstanden sind wir mit Transparenten und Schildern (auch mit Parteilogo), die Inhalt und Zielen der Demonstration entsprechen.

Vorbereitungskreis: Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden
Dieses Bündnis ist entstanden aus der Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!“ und einem Aktionsbündnis innerhalb der Friedensbewegung, an dem u.a. ICAN, DFG-VK, IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative, Ohne Rüstung Leben und pax christi beteiligt sind. Wir wollen zwei bundesweite große Demonstrationen zeitgleich in Berlin und Stuttgart durchführen, die die verschiedenen Flügel der Friedensbewegung gemeinsam repräsentieren.

Gemeinsame Anfahrten nach Stuttgart:

Augsburg
Darmstadt
Frankfurt
Freiburg
Gießen
Heidelberg
Karlsruhe
Konstanz
Lörrach
München
Mannheim
Nürnberg
Offenburg
Schwäbisch Hall
Reutlingen
St.Ingbert
Villingen
Wetterau
Würzburg
Wiesbaden

Bildet Banden, organisiert gemeinsame Anfahrten, kommt zur Demo und steht auf für eine friedlichere Zukunft. Gerne veröffentlichen wir eure gemeinsame Anreise: mail an ba-wue@dfg-vk.de

DFG-VK Block

Wir wollen einen eigenen Block auf der Demo bilden. So können wir unsere Forderungen am besten in die Öffentlichkeit tragen. NEIN zur Hochrüstung, NEIN zur Militarisierung, NEIN zur Wehrpflicht, NEIN zum Krieg -. Für eine friedlichere Welt mit Chancen und Hoffnung auf eine glückliche Zukunft. Bringt DFG-VK Flaggen, Banner, Schilder. zieht eure Shirts, Pullis Regenjacken an. Der Pazifismus ist gefordert wie selten.

14 August, 2025

Keine Militarisierung unserer Kinder – DFG-VK protestiert gegen Bundeswehr-Ferienlager in Kellmünz

Am 13.08. bis zum 14.08.2025 fand in Kellmünz an der Iller ein Ferienlager für Kinder von 6 bis 12 Jahren statt – organisiert von der Stadt in Kooperation mit der Bundeswehr.

Morgens halb neun in Kellmünz
Wir müssen wieder mahnen

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Baden-Württemberg protestierte gemeinsam mit anderen Friedensorganisationen wie pax christi entschieden dagegen. Denn was hier als harmlose Ferienfreizeit präsentiert wird, ist in Wahrheit Frühmilitarisierung: Kinder werden an militärische Strukturen, Drill, Uniformen und Kriegstechnologie gewöhnt – Werte, die im krassen Widerspruch zu einer gewaltfreien Erziehung stehen.

Warum wir protestieren

Die Kindheit ist eine prägende Lebensphase. Pädagog*innen und Wissenschaft warnen seit Jahren davor, dass der frühe Kontakt mit Militär Gewalt als legitimes Mittel normalisieren kann. Kinder brauchen Vorbilder, die Konflikte friedlich lösen – nicht solche, deren Beruf auch das Töten umfasst.
Es gibt viele bessere Alternativen für Ferienfreizeiten: Kooperationen mit Sportvereinen, Musik- und Kunstschulen, Jugendringen oder Bildungsinitiativen, die soziale Kompetenzen, Teamgeist und Empathie fördern.

Jutta Dorsch von der Friedensgruppe Heidenheim / DFG-VK Ortsgruppe


Dass die Stadt Kellmünz behauptet, ohne die Bundeswehr kein Ferienlager anbieten zu können, ist nicht nur fragwürdig – es ist ein fatales Signal.

Teil einer größeren Entwicklung

Dieses Ferienlager ist kein Einzelfall, sondern spiegelt eine gesellschaftliche Tendenz wider:
Unter dem Schlagwort Zeitenwende werden Aufrüstung, militärische Abschreckung und massive Investitionen in Rüstungsprojekte als alternativlos dargestellt. Milliarden fließen an Unternehmen, die ihr Geld mit Krieg verdienen – und damit ein Interesse an einer kriegerischen Gesellschaft haben. Auch in Schulen nimmt die Anwesenheit von sogenannten Jugendoffizieren zu und wird von immer mehr Politiker*innen sogar gefordert. In Mannheim beispielsweise sollen sich, laut einem Antrag der CDU-Fraktion, Schulen, die bisher kein Militär in ihren Klassenzimmern haben wollten, dafür rechtfertigen und es soll darauf gedrungen werden, deren Einstellung zu ändern und die Anwesenheit der Bundeswehr in allen Schulen zu garantieren. Deutschland 2025.

In ländlichen Gemeinden wie Kellmünz führt das zu einer besonderen Problematik: Kritik an solchen Projekten stößt schnell auf Widerstand aus der Dorfgemeinschaft. So organisierten einige Anwohner*innen angeführt vom Bürgermeister Reserveleutnant Obst sogar eine Gegendemonstration gegen unseren friedlichen Protest. Hohe Tiere der Bundeswehr wurden dorthin mit ihren Staatskarossen chauffiert.

Ablauf unseres Protests

Bereits um 7:30 Uhr trafen die ersten Friedensbewegten aus Baden-Württemberg und Ulm in Kellmünz ein – darunter auch unser Bulli mit dem großen, aufblasbaren, zerbrochenen Gewehr als klares Symbol gegen Militarisierung.
Im Vorfeld hatten wir ausdrücklich darum gebeten, friedlich, freundlich und kreativ zu demonstrieren: mit Seifenblasen, Straßenmalkreide, Fahnen und Liedern. Unser Ziel war es, die Kinder nicht zu verunsichern, sondern unsere Kritik an die Erwachsenen und die Politik zu richten. Das gelang uns auch.

Rede von Rainer Schmidt, der den Protest angemeldet hatte

Um 8:15 Uhr hielt Rainer Schmidt von der DFG-VK Ulm eine Rede. Er erinnerte daran, wie in Schulen, Kitas und Jugendzentren in den letzten Jahrzehnten konsequent an gewaltfreier Kommunikation, Empathie und Konfliktlösung gearbeitet wurde – und wie absurd es ist, diese Werte bei internationalen Konflikten durch das Prinzip „Abschreckung“ und militärische Drohkulissen zu ersetzen und damit all diese emanzipatorischen, demokratischen, friedlichen Konzepte da absurdum zu führen. Das sei schlicht nicht intelligent, und dem ganzen fehle der Segen, sagte der studierte Theologe.
Bis 9:45 Uhr standen wir im Ort, diskutierten mit interessierten Menschen und machten deutlich, dass Gewalt nicht das Fundament einer sicheren Zukunft sein kann. Danach endete unser Protest, und das Ferienlager begann.

Ein Zeichen setzen

Trotz teils ablehnender Stimmung im Ort hat unser Protest große mediale Aufmerksamkeit erhalten – von regionaler bis bundesweiter Presse. Das zeigt: Das Thema bewegt.
Unsere Hoffnung ist, dass dieser öffentliche Druck dazu führt, dass es im nächsten Jahr keine Kooperation zwischen der Stadt Kellmünz und der Bundeswehr mehr gibt. Stattdessen wünschen wir uns Ferienangebote, die von pädagogisch geschulten Fachkräften geleitet werden – frei von militärischen Inhalten. Und wenn nicht, dann wird die DFG-VK ihren Protest gegen (Früh-)Militarisierung fortsetzen, so lange es nötig ist. Ab jetzt auch jedes Jahr in Kellmünz.

Gewaltfreiheit für Kinder – jetzt und in Zukunft.
Die Kindheit darf kein Rekrutierungspool sein. Unsere Kinder sind kein zukünftiges Kanonenfutter.


Hier auch nochmal unsere Pressemitteilung, die auf unseren Protest in Kellmünz verweist und eingeladen hatte darüber zu berichten:

PRESSEMITTEILUNG

Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen (DFG-VK) Landesverband Baden-Württemberg

Kinder brauchen Frieden – kein Ferienlager mit der Bundeswehr!

Friedlicher Protest am 13. August 2025 in Kellmünz

Stuttgart, 6. August 2025 –

Die DFG-VK Baden-Württemberg ruft zum friedlichen Protest gegen ein Ferienlager der Stadt Kellmünz auf, das in Kooperation mit der Bundeswehr stattfindet.

Das Ferienprogramm richtet sich an Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren – eine besonders schützenswerte Altersgruppe.

Wir sagen klar: Keine Früh-Militarisierung! Keine Werbung für Krieg bei Kindern!

Militär hat in Kinderfreizeiten nichts zu suchen

Soldatische Strukturen und militärische Inhalte haben in der Freizeitgestaltung von Kindern nichts verloren. Das Ferienlager vermittelt frühzeitig ein Bild von militärischer Normalität – das halten wir für unverantwortlich.

Auch die GEW Bayern hat das Projekt in einer Pressemitteilung deutlich kritisiert und bezeichnet es aus pädagogischer und erziehungswissenschaftlicher Sicht als hochproblematisch.

Bürgermeister kündigt Gegendemonstration an

Statt sich der inhaltlichen Kritik zu stellen, hat der Bürgermeister von Kellmünz eine Gegendemonstration gegen unseren friedlichen Protest angekündigt. Dies ist aus demokratischer Perspektive ein fragwürdiges Signal.

Friedlicher Protest in Kellmünz

Datum: Mittwoch, 13. August 2025
Uhrzeit: 8:15 bis 9:45 Uhr
Ort: Vor der Grundschule, 89293 Kellmünz
Anreise: Mit dem Zug gut möglich

Die Protestaktion ist bewusst gewaltfrei, bunt und kindgerecht – mit Seifenblasen, Straßenmalkreide, Friedensliedern und Friedensfahnen. Wir setzen ein klares Zeichen gegen die Militarisierung des zivilen Lebens.

Unsere Forderungen:

  • Keine Kooperation mit der Bundeswehr in Kinder- und Jugendprogrammen
  • Keine Werbung für Militäreinsätze bei Minderjährigen
  • Klare Trennung von Bildung, Erziehung und Militär

Kinder brauchen Frieden, nicht Uniformen. Sie haben ein Recht auf eine gewaltfreie und zivile Erziehung – frei von jeder militärischen Einflussnahme.

Pressekontakt und Anmelder unseres Protestes:

Rainer Schmid
Ochsengasse 25
89077 Ulm
Telefon: 0176 3678 5211

E-Mail: rainer.schmid@ELKW.de


Und hier noch erste Presseberichte von unserem Protest:

  • https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/bundeswehr-ferienfreizeit-demonstration-kellmuenz-100.html
  • https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-zwischen-huepfburg-und-tarnnetz-kritik-an-kinderferienprogramm-der-bundeswehr-100.html
  • https://www.ardmediathek.de/video/abendschau-der-sueden/kellmuenz-kinderferienprogramm-mit-der-bundeswehr/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDE3Mjg5QTAvc2VjdGlvbi9mMzliZjlhYy1jZGFjLTQyNDYtODY3MS1jNTAyZmU4YTYyNjE
  • https://www.ardmediathek.de/video/quer-mit-christoph-suess/militaer-im-ferienlager-kellmuenz-und-die-bundeswehr/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDEyNDgyQTAvc2VjdGlvbi9mMGEzNzJiYy1kMDhlLTQ1NmUtYmUyNC1iZTFlOGIyMzAzMzI
    https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/kinderferienprogramm-der-bundeswehr-swr-community-diskutiert-100.html
  • https://www.br.de/nachrichten/bayern/bundeswehr-streit-ueber-ferienaktion-frueh-militarisierung,UpvCOTu
  • https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/abendschau-der-sueden/as-kinderferienprogramm-korr-100.html
  • https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/kinderferienprogramm-der-bundeswehr-swr-community-diskutiert-100.html

28 Mai, 2025

Kein Veteranentag! – Für eine friedensfähige Gesellschaft statt Kriegstüchtigkeit

Am 15. Juni 2025 soll erstmals bundesweit ein offizieller Veteranentag in Deutschland stattfinden – nach dem Vorbild der USA. Dieser Tag soll aktive und ehemalige Soldaten ehren und militärisches Engagement öffentlich würdigen.

Doch wir – die DFG-VK Baden-Württemberg – sagen klar:

Dieser Tag ist kein Fortschritt, sondern ein gefährlicher Rückschritt. Als Pazifist*innen stehen wir für eine Gesellschaft, in der Konflikte ohne Gewalt gelöst werden. Unsere Haltung ist klar: Frieden schaffen ohne Waffen! Friedensfähig statt kriegstüchtig!

Warum wir den Veteranentag ablehnen:

  • Verklärung von Kriegseinsätzen: Der Veteranentag soll Soldat*innen ehren – ungeachtet der politischen, ethischen oder völkerrechtlichen Fragwürdigkeit ihrer Einsätze.
  • Normalisierung von Militarismus: Die öffentliche Präsenz des Militärs wird weiter ausgebaut, während kritische Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt verdrängt wird.
  • Unsichtbarkeit der Opfer: Zivilist*innen, Kriegsversehrte und Traumatisierte bleiben in der offiziellen Darstellung unberücksichtigt.
  • Gefährlicher Rückschritt:
    Deutschland war einst eine zutiefst militarisierte Gesellschaft. Erst die beispiellosen Verbrechen der NS-Zeit führten zu einer bewussten Abkehr von Militarismus. Ein offizieller Veteranentag ist für uns ein Schritt zurück in diese dunklen Zeiten – hin zu einer Gesellschaft, in der Krieg wieder als normal und notwendig gilt. Dagegen setzen wir unsere Verantwortung für Frieden, Menschenrechte und Völkerrecht.

Gemeinsam gegen die Militarisierung – Bündnisse bilden!

Der Veteranentag ist Teil einer umfassenden Strategie zur Aufrüstung und gesellschaftlichen Militarisierung. Doch wir sind viele, die sich dagegenstellen!

👉 Deshalb unser Aufruf:

Bildet lokale und regionale Bündnisse! Viele Initiativen, Gruppen und Organisationen – von Gewerkschaften über Umweltgruppen bis hin zu Jugendverbänden – teilen unsere Kritik. Zusammen können wir kraftvoll und sichtbar auftreten!

Veranstaltungen & Proteste in Baden-Württemberg

Rund um den 15. Juni 2025 sind in Baden-Württemberg mehrere Veranstaltungen des Reservistenverbands geplant. An diesen Orten sollten wir als Friedensbewegung deutlich Präsenz zeigen – friedlich, kreativ und solidarisch:

📍 Karlsruhe – Unsere landesweite Hauptveranstaltung gegen den Veteranentag! Ein großer, friedenspolitischer Aktionstag im breiten Bündnis wird zeigen: Nicht Militarisierung und Aufrüstung schützen uns – sondern Frieden, Gewaltfreiheit und das Festhalten an Menschen- und Völkerrecht!

📍 Offenburg – Erste Proteste entstehen bereits. Unterstützt die lokalen Initiativen!

📍 Lenzkirch – Veranstaltung des Reservistenverbands angekündigt, bislang kein Protest bekannt– jetzt aktiv werden!

📍 Breisach – Auch hier findet eine Reservistenveranstaltung statt. Präsenz der DFG-VK und anderer Friedensgruppen ist nötig!

📍 Bruchsal – Eine weitere Veranstaltung, gegen die sich Widerstand formieren sollte. Zeigen wir, dass Militarisierung keine Zustimmung findet!

📍 Mannheim – Voraussichtlich wird auch hier eine Veranstaltung stattfinden. Ein lokales Bündnis könnte sich noch kurzfristig bilden – bitte aktiv unterstützen!

Unterstützung für euren Protest

Die DFG-VK Baden-Württemberg steht euch zur Seite, wenn ihr Proteste und Aktionen plant:

✅ Anpassbare Flyer

✅ Plakate gegen den Veteranentag

✅ Aktionsideen und Beratung

✅ Vernetzung mit Gruppen vor Ort

📩 Kontakt: ba-wue@dfg-vk.de

Lasst uns gemeinsam laut werden: Gegen Militarismus – für Frieden, Abrüstung und gewaltfreie Konfliktlösung!

Frieden schaffen ohne Waffen – friedensfähig statt kriegstüchtig.

Zum Karlsruher Flyer gegen den Veteranentag

15 Mai, 2025

Der 15.05. ist der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung

Heute, am Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung, erinnern wir daran: Das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung braucht Schutz, Verteidigung – und politischen Druck.

Was lange als Akt der Solidarität mit mutigen Verweiger*innen in Russland, der Türkei, Israel, der Ukraine oder anderen Ländern der Weltgalt , betrifft uns spätestens seit gestern ganz konkret wieder selbst:

Mit der Ankündigung von Kanzler Merz, Deutschland zur „größten konventionellen Armee Europas“ auszubauen, rückt der Krieg auch für Hunderttausende deutsche Staatsbürger*innen näher.

Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Wir kämpfen dafür – für alle.

——————————

EU & Kriegsdienstverweigerung: Internationales Recht vs. Realität

Internationales Recht:

EU-Charta der Grundrechte, Artikel 10(1):
„Jede Person hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.“

Realität:

„Ich habe mich geweigert, der russischen Armee beizutreten und unschuldige Zivilisten zu töten. Ich hoffte auf Schutz in Europa – aber das war ein Irrtum. Jetzt droht mir die Abschiebung nach Russland und damit der sofortige Fronteinsatz.“
– Kriegsdienstverweigerer aus Russland

Internationales Recht:

EU-Charta der Grundrechte, Artikel 10(2):
„Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung wird anerkannt – gemäß den nationalen Gesetzen zur Ausübung dieses Rechts.“

Realität:

„Ich bin seit ein paar Monaten in Frankreich, aber man will mich nach Kroatien zurückschicken – das erste EU-Land, das ich betreten habe. Von dort droht mir die Abschiebung nach Bosnien und dann Russland. Kroatien gewährt russischen Staatsbürgern selten Asyl – das ist lebensgefährlich.“
– Kriegsdienstverweigerer aus Russland

Internationales Recht:

EU-Asylrecht: Flüchtlingsschutz für Personen mit begründeter Furcht vor Verfolgung aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe.

Realität:

„Viele Verweigerer leben in Armut oder im Exil. Doch selbst dort stoßen sie auf neue Hürden – viele Länder erkennen Kriegsdienstverweigerung nicht als Asylgrund an.“
– Kriegsdienstverweigerer aus der Türkei

Internationales Recht:

EU-Verordnung 2024/1347:

Verfolgung kann auch eine unverhältnismäßige oder diskriminierende Strafverfolgung sein – etwa, wenn jemand aus moralischen, religiösen oder politischen Gründen den Wehrdienst verweigert.

Realität:

„Viele ukrainische Kriegsdienstverweigerer schweigen aus Angst – ohne rechtlichen Schutzstatus in der EU.“
– Kriegsdienstverweigerer aus der Ukraine

9 Mai, 2025

Von der Zeitenwende zum Zeitenende –

Wie Baden-Württembergs Rüstungsindustrie die Militarisierung vorantreibt – und was wir dagegen tun können.

Versprochen: Kontrolle. Geliefert: Aufrüstung.

Als die Ampelkoalition 2021 antrat, versprach sie eine neue, verantwortungsvollere Linie in der Rüstungsexportpolitik: restriktiver, transparenter, menschenrechtsorientierter. Ein Rüstungsexportkontrollgesetz wurde angekündigt – ein Schritt, den viele in der Friedensbewegung begrüßten. Doch wie Jürgen Grässlin in seinem aktuellen Beitrag in der ZivilCourage treffend feststellt, ist von diesen Versprechen nichts geblieben.
    
Statt Kontrolle herrscht heute nahezu schrankenlose Exportpraxis. Statt Zurückhaltung sehen wir einen historischen Boom. Die Zahlen sprechen für sich: 2022 genehmigte die Bundesregierung Rüstungsexporte im Wert von 8,36 Milliarden Euro, 2023 waren es bereits 12,13 Milliarden – ein Anstieg um rund 45 %. Und allein bis zum 17. Dezember 2024 wurden Genehmigungen im Wert von 13,2 Milliarden Euro erteilt – ein erneuter Anstieg von knapp 9 %.
    
Parallel zum Exportgeschäft wächst auch die Binnennachfrage. Deutschland investiert so viel in die Aufrüstung wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg: 88,5 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg um 28 % allein im Jahr 2024, wie SIPRI berichtet.
    
Und die neue Regierung? Sie entfesselt diesen Aufrüstungsprozess vollends. Mit ihrem „what ever it takes“ und der Ausnahme der Schuldenbremse für Aufrüstung macht sie ihre Absichten mehr als deutlich. Ein neues Rüstungsexportkontrollgesetz ist nicht einmal mehr geplant.

Baden-Württemberg: Eine Drehscheibe der Kriegswirtschaft

Diese Dynamik ist nicht abstrakt. Sie ist konkret – und sie wirkt bis in die Produktionshallen und Konzernzentralen in Baden-Württemberg. Unser Bundesland zählt zu den größten Rüstungsstandorten der Republik (nur unsere bayrischen Nachbar*innen rüsten noch mehr): mit Firmen wie Rheinmetall, Diehl Defence, Hensoldt, Heckler & Koch und vielen weiteren Zulieferern und Hightech-Schmieden. Die Zeitenwende, von der so oft die Rede ist, spielt sich direkt vor unserer Haustür ab – und sie hat Konsequenzen: für die Arbeitswelt, für die politische Kultur und für das gesellschaftliche Klima.
    
Allein Heckler & Koch meldete 2024 ein Umsatzplus von fast 14 % und den höchsten Auftragseingang der Unternehmensgeschichte: über 426 Millionen Euro. Diese Entwicklung manifestiert sich nicht nur in steigenden Umsätzen, sondern auch in erheblichen Investitionen der Rüstungsunternehmen in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten. So plant beispielsweise Diehl Defence Investitionen von 200 bis 250 Millionen Euro in den Standort Überlingen, um ab 2027 mehr als 500 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Darüber hinaus beobachten wir eine besorgniserregende Tendenz zur Konversion ziviler Produktionsstätten in militärische Fertigung.
    
Diese wirtschaftliche Dynamik zeigt: Das Geschäft mit Krieg und Tod boomt. Die Aufrüstung ist zu einem neuen Wachstumsmotor geworden. Und Baden-Württemberg ist einer seiner wichtigsten Kolben. Die Folge? Waffen aus unserer Region landen in Kriegs- und Krisengebieten, befeuern Gewalt, Zerstörung und Tod. Der Profit bleibt hier, die Folgen werden exportiert. Noch.

(Weitere Informationen zu den Machenschaften der Aktienunternehmen des Todes in dieser aktuellen PM von ORL, Aktion Aufschrei und den kritischen Aktionären)

Normalisierung des Ausnahmezustands – Veränderung von Grundwerten

Gleichzeitig beobachten wir eine erschreckende Normalisierung dieser Entwicklung. Selbst Gewerkschaften, die historisch mit der Friedensbewegung verbunden waren, befinden sich in ihrer eigenen „Zeitenwende“. Während sie sich früher deutlich gegen Krieg und Aufrüstung positionierten, steht heute der Erhalt von Arbeitsplätzen und die Einbindung der Beschäftigten in die militärische Produktionskette stärker im Fokus. Diese Haltung und die gesamte beschriebene Entwicklung trägt zur gesellschaftlichen Akzeptanz einer Politik bei, die Profite mit Krieg zur unhinterfragten wirtschaftlichen Normalität macht, leistet einer Militarisierung der Arbeitswelt Vorschub und strahlt somit deutlich in die breite Gesellschaft.
    
Zur weiteren Normalisierung trägt auch bei, dass Rüstungsunternehmen inzwischen zu einem lukrativen Anlageziel für viele Anlegerinnen und Anleger geworden sind. Aktienkurse von Firmen wie Rheinmetall, Hensoldt oder Heckler & Koch haben sich teilweise vervielfacht – und immer weniger Menschen stellen sich die Frage, ob sie damit am Krieg mitverdienen. Moralische oder ethische Überlegungen scheinen im Schatten der ökonomischen Rendite zunehmend bedeutungslos zu werden. Die Beteiligung am Geschäft mit dem Tod wird zur Selbstverständlichkeit. Und wer da nicht mit profitieren will, ist doch selbst schuld.

Verdrängte Geschichte – gefährliche Gegenwart

Eine Gesellschaft, die sich daran gewöhnt, mit und vom Krieg zu leben, verliert den Frieden aus dem Blick. Und sie verliert auch den Kompass, der sie daran erinnern sollte, was vor 80 Jahren geschah – als von deutschem Boden aus ein faschistischer und hochgerüsteter Staat die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte beging. Wer heute von „Kriegstüchtigkeit“ spricht, ohne diese Geschichte mitzudenken – und das bei den Umfragewerten der als sicher rechtsextrem eingestuften AfD – trägt Verantwortung für die Verrohung unserer Gesellschaft und spielt fahrlässig mit demokratischen Werten und Grundsätzen des Grundgesetz.
    
Die Profiteure des Militarismus sitzen eben nicht an den Fronten – dort wird geschossen, getötet und gestorben. Sie sitzen in Aufsichtsräten, in Ministerien – und oft nur wenige Kilometer von unseren eigenen Haustüren entfernt.

Unsere Antwort auf die Aufrüstung vor Ort

Wir vom Landesverband wollen mit euch informiert, aktiv und entschlossen gegen diese Entwicklung arbeiten. Deshalb wird ein Schwerpunkt auf der kommenden Landesmitgliederversammlung Ende Juni sein, gemeinsam darüber zu beraten, wie wir in Baden-Württemberg konzertierte Kampagnen und Aktionen entwickeln können. Ziel ist es, eine Landesarbeitsgemeinschaft Aufrüstung zu gründen, die systematisch recherchiert, aufklärt, protestiert – und Alternativen aufzeigt. Wir hoffen auf eine engagierte und wirksame Gruppe.
    
Denn, wie wir wissen, reicht es nicht, gegen Krieg zu sein. Wir müssen dort ansetzen, wo er beginnt: bei denen, die ihn möglich und profitabel machen und der Gesellschaft zeigen, dass deren Ziel nicht der Frieden ist. Deren Ziele sind eigene Vorteile und möglichst große Profite. What ever it takes, wie sie selbst sagen.

8 Mai, 2025

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung: Ein Menschenrecht – aber nicht für alle?

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung hat eine lange und bewegte Geschichte. Bereits im 16. Jahrhundert verweigerten die täuferischen Mennoniten in Mitteleuropa den Kriegsdienst aus religiösen Gründen. Auch die Quäker, die sich ab etwa 1650 in England organisierten, bekannten sich früh zu radikalem Pazifismus. Ihre Haltung gegen jede Form von Gewalt und Krieg brachte sie in direkte Konfrontation mit staatlichen Autoritäten – oft mit der Folge von Bestrafung, Verfolgung, Gefängnis oder Exil. Diese frühen Verweiger*innen standen am Anfang einer Bewegung, die ein grundlegendes Recht einforderte: das Recht, Nein zum Krieg zu sagen – aus Überzeugung, aus Glauben, aus Gewissen.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Art. 18) und der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (ebenfalls Art. 18) garantieren diese Grundfreiheiten. Das UN-Menschenrechtskomitee hat bereits 1987 anerkannt, dass daraus auch das Recht auf Kriegsdienstverweigerung folgt. Dennoch ist dieses Recht bis heute nicht explizit in der Charta der Vereinten Nationen kodifiziert – ein Umstand, der weltweit willkürliche Auslegung und massive Menschenrechtsverletzungen ermöglicht.

Denn was ist ein Menschenrecht wert, das man in vielen Staaten vor Gericht erkämpfen muss? Wer aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe verweigert, riskiert in vielen Ländern Verfolgung, Haft oder Ausbürgerung. Auch in Deutschland, wo das Grundgesetz in Artikel 4 Absatz 3 das Recht auf Kriegsdienstverweigerung schützt, wird die Vollverweigerung – also die Ablehnung jeglicher Pflichtdienste, auch ziviler Ersatzdienste – nicht anerkannt. Ein echtes Menschenrecht lässt sich aber nicht in „zumutbare Formen“ pressen.

Wir fordern daher uneingeschränkt: Das Recht, keinen Dienst – weder mit noch ohne Waffe – zu leisten, muss vollständig gewährt werden.

Dieses Menschenrecht endet auch nicht an nationalen Grenzen. Menschen, die in ihren Herkunftsländern nicht verweigern dürfen, brauchen Schutz. In Deutschland jedoch werden nach wie vor Asylanträge von Kriegsdienstverweigerern aus Ländern wie Russland und der Ukraine abgelehnt – oft mit zynischen Begründungen.

Ein Beispiel: Ein ukrainischer Verweigerer, dessen Asylantrag laut Connection e.V. abgewiesen wurde, hatte sich geweigert, an einem Krieg teilzunehmen, den er nicht mittragen konnte. Die Möglichkeit eines zivilen Ersatzdienstes existiert in der Ukraine faktisch nicht, doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ignorierte diese Realität. Auch russischen Verweigerern wird regelmäßig unterstellt, sie könnten intern „versetzt“ werden – eine gefährliche Illusion angesichts eines autoritären Systems mit brutaler Militärpraxis.


Deshalb sagen wir zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung unmissverständlich: Wer sich weigert zu töten, muss Asyl bekommen.

Ein Blick nach Israel zeigt, wie tief verankert der Widerstand gegen dieses Menschenrecht auch in demokratischen Staaten sein kann. In Israel besteht eine allgemeine Wehrpflicht für Männer und Frauen. Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ist theoretisch möglich – in der Praxis aber hochgradig restriktiv.


Die Entscheidung trifft ein militärisches Gremium, dessen Ablehnungsquote hoch ist. Wer verweigert, wird häufig öffentlich diffamiert, unter Druck gesetzt oder mehrfach inhaftiert. Besonders junge Frauen, die sich dem Militärdienst verweigern – wie in jüngster Zeit Mitglieder der „Mesarvot“-Bewegung –, berichten laut Connection e.V. von Repression, öffentlicher Ausgrenzung und militärischer Haft. Der zivile Ersatzdienst steht nur religiös begründeten Verweigerungen offen, nicht aber politischen oder pazifistischen. Das ist eine klare Verletzung internationaler Standards.

Ein Menschenrecht, das der Staat erst „genehmigen“ muss, ist kein Menschenrecht.

Wer sich heute weltweit für die Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung einsetzt, kämpft nicht für Privilegien, sondern für Gewissensfreiheit – gegen Gewalt, gegen Militarismus, gegen Zwang. Und wer dieses Menschenrecht ernst nimmt, muss auch seine praktische Umsetzung fordern: bedingungslos, international, solidarisch.

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