• Skip to main content

DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg

  • Über uns
    • Unser Selbstverständnis
    • Kontakte
    • Grundordnung des DFG-VK Landesbandes Baden-Württemberg
    • Landesvorstand +
    • Geschäftsführer
    • Referent*innen
  • verweigern.info
  • Infos / Aktivitäten
    • Informationen
      • Politische und historische Dimension von KDV
      • Pressemitteilungen
      • SÜDWEST-KONTAKTE
      • Informationen
      • § Recht kurz $
        • § Recht kurz §: Totalverweigerung
        • § Recht kurz §: Bußgeldverfahren
        • § Recht kurz §: schriftliche (statt digitale) Abgabe der Bereitschaftserklärung
    • Kampagnen
      • Friedensfähig statt erstschlagsfähig
      • Atomwaffenfrei jetzt
      • Unter 18 nie!
      • Aktion Aufschrei -Stoppt den Waffenhandel
      • Sicherheit neu denken
      • Weitere Kampagnen
    • Ulli-Thiel-Friedenspreis
    • Servicestelle Friedensbildung Ba-Wü
    • Pax an
  • Veranstaltungen
  • Suche

Allgemein

31 Juli, 2026

Gesucht: Project Officer (all genders) – Servicestelle Friedensbildung / Service Center Peace Education

Die Mission

Stellenüberblick:
Umfang: Teilzeit (75%, 29,25 h / Woche)
Start ab: 01.09.2026
Ort: Tübingen
Dein Department & Manager: Peace Education, Head of Unit

Gehaltstufe: TVÖD Bund, Entgeltgruppe E10

Deine Aufgaben:

  • Du koordinierst das Netzwerk von freien Mitarbeitenden der Servicestelle Friedensbildung
  • Du unterstützt das Projektteam bei Konzeption und Aktualisierung unserer Workshopformate
  • Du unterstützt die freien Mitarbeitenden bei der Durchführung von Workshops und Veranstaltungen mit Schulklassen
  • Du bist zuständig für eine maßgeschneiderte und verlässliche Organisation sowie inhaltliche Vorbereitung von Workshops und Veranstaltungen
  • Du unterstützt das Projektteam bei der Erstellung von Lernmedien und anderen Publikationsformaten
  • Du sorgst für pünktliche, zielführende und zielgruppenorientierte Kommunikation und Zusammenarbeit mit Projektpartnern und Teilnehmenden
  • Du unterstützt bei Monitoring und Evaluation der Workshopformate

Dein Profil

  • Du hast einen Master Abschluss einer relevanten Studienausrichtung (u.a. Friedenspädagogik, Friedens- und Konfliktforschung, Soziologie, Politikwissenschaften, Internationale Beziehungen u.ä.)
  • Erste Berufserfahrung in ähnlichen Rollen ist von Vorteil
  • Du hast erste Vorkenntnisse in Projekttätigkeiten im Schulkontext, in der Jugendarbeit oder der politischen Bildungsarbeit
  • Du arbeitest strukturiert, eigenständig und lösungsorientiert und bringst dich aktiv in unser Team in Tübingen und der Servicestelle Friedensbildung ein
  • Ausgezeichnete Sprachkenntnisse in Deutsch und sehr gutes Englisch sind Voraussetzung
  • Ausgezeichnete Anwenderkenntnisse im MS Office Paket sowie souveräner Umgang mit browserbasierten Tools oder Medien sind für Dich selbstverständlich
  • Du bringst Bereitschaft zu Dienstreisen in ganz Baden-Württemberg mit

Unser Angebot

  • Ein Team mit sehr erfahrenen und engagierten Kolleg:innen
  • Transparente Vergütungsbedingungen (TVöD Bund)
  • Hochrelevante, sinnstiftende und anspruchsvolle Aufgaben
  • Vertrauensbasierte, flexible Arbeitszeiten
  • Flexibilität hinsichtlich Büro- und mobilen Arbeitslösungen


Interessiert?

Bitte reiche Deinen Lebenslauf und Dein Anschreiben sowie Deine Zeugnisse, Zertifikate und Referenzen (Schreiben oder Kontaktdaten) bis zum 17.08.2026 (bis Geschäftsschluss) über unser Online-Bewerbungssystem ein.

Wir begrüßen Vielfalt und freuen uns über Bewerbungen von Menschen unabhängig von ihrer ethnischen, sozialen und nationalen Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer Religion, ihrem Alter, einer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung und ihrem Familienstand.


Über uns

Die Berghof Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die Menschen in Konflikten bei ihren Bemühungen um nachhaltigen Frieden durch Konflikttransformation und Friedenskonsolidierung unterstützt. Die Organisation mit Hauptsitz in Berlin wird von einem internationalen  Team geführt und arbeitet mit lokalen Partnern auf der ganzen Welt.

Zum Onlinebewerbungssystem

27 Juli, 2026

Landesmitgliederversammlung 2026: Gemeinsam für Frieden in bewegten Zeiten

Mit rund 50 Teilnehmenden war die Landesmitgliederversammlung der DFG-VK Baden-Württemberg am 18. Juli im Clara-Zetkin-Haus in Stuttgart so gut besucht wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Dass sich so viele Mitglieder an einem sonnigen Sommer-Samstag Zeit nahmen, zeigt: Krieg, Aufrüstung und die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft beschäftigen unsere Mitglieder sehr. Als pazifistischer und antimilitaristischer Verband wollen wir diesen Entwicklungen nicht tatenlos zusehen. Wir setzen uns gegen die drohende Rückkehr der Wehrpflicht ein, beraten Menschen, die aus Gewissensgründen keinen Kriegsdienst leisten wollen, und entwickeln gemeinsam Ideen, wie Frieden, Diplomatie und zivile Konfliktbearbeitung wieder stärker in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten rücken können.

Als Landesverband Baden-Württemberg der DFG-VK möchten wir diese Themen nicht nur landespolitisch begleiten, sondern insbesondere die Friedensarbeit vor Ort stärken. Neben den vereinsinternen Beratungen standen deshalb vor allem die politischen Entwicklungen in Baden-Württemberg und die Frage im Mittelpunkt, wie wir als Teil der Friedensbewegung auf die zunehmende Militarisierung reagieren und ihr konkrete friedliche Alternativen entgegensetzen können.

Baden-Württemberg auf dem Weg zum „olivgrünen Musterländle“

Den inhaltlichen Auftakt gestaltete unser Mitglied Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) mit seinem Vortrag „Olivgrünes Musterländle“.

Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er auf, wie Baden-Württemberg Schritt für Schritt zu einem militärischen Vorzeigeland umgebaut wird. Seine Analyse spannte den Bogen von den ungehemmten Milliardenprogrammen für Aufrüstung über den Ausbau der Bundeswehr und ihrer Reserve, den Operationsplan Deutschland und die stärkere militärische Nutzung öffentlicher Infrastruktur bis hin zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die zunehmend auf Sicherheits- und Verteidigungsforschung ausgerichtet werden sollen.

Besonders eindrücklich analysierte er die Regierungserklärung des damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Darin warb dieser ausdrücklich dafür, dass sich auch die baden-württembergische Maschinenbauindustrie stärker im militärischen Bereich engagiert. Unternehmen, die bislang ausschließlich zivil produzierten, wurde die Unterstützung der Landesregierung zugesichert, wenn sie künftig Rüstungsgüter herstellen oder ihre Produktion entsprechend umstellen wollen. Nach Einschätzung Jürgen Wagners wird auch Ministerpräsident Cem Özdemir diesen Kurs fortsetzen.

Deutlich wurde dabei: Militarisierung betrifft längst nicht mehr nur Kasernen und Streitkräfte. Sie verändert Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und öffentliche Infrastruktur gleichermaßen.

Die Präsentation von Jürgen Wagner hier zum Download bereit. 

Die anschließende Diskussion zeigte, wie viele Fragen diese Entwicklungen aufwerfen. Diskutiert wurden unter anderem die Auswirkungen der Aufrüstung auf den Sozialstaat, die zunehmende Einbindung ziviler Einrichtungen und der Rotlichtorganisationen und des Gesundheitswesens in militärische Planungen, der Abbau von Zivilklauseln an Hochschulen, die wachsende Präsenz der Bundeswehr an Schulen sowie die Rolle der Friedensbewegung in einer zunehmend militarisierten Gesellschaft. Immer wieder wurde auch die Finanzierungsfrage gestellt: Wer soll die ungehemmten Milliardenprogramme für militärische Aufrüstung langfristig bezahlen? Bereits heute steigen die Zinsausgaben des Bundes deutlich an. Wenn ab Mitte der 2030er Jahre zusätzlich die Tilgung dieser Schulden beginnt, drohen erhebliche Belastungen künftiger Haushalte – mit möglichen Folgen für Bildung, Soziales, Kultur und viele andere öffentliche Aufgaben.

Gemeinsam sichtbar werden

Nach dem Mittagessen trafen sich die Teilnehmenden im wunderschönen Garten des Clara-Zetkin-Hauses zu einem gemeinsamen Fototermin. Dabei entstand das neue Gruppenfoto des Landesverbandes, das die große Beteiligung und den starken Zusammenhalt unserer Friedensbewegung sichtbar macht.

Fairer Prozess für die ULM 5

Außerdem nahm der Landesvorstand mit Klaus Pfisterer, Thomas Schild-Dona und Stefan Philipp ein Solidaritätsvideo für die Ulm Five auf. Darin fordert die DFG-VK Baden-Württemberg einen fairen rechtsstaatlichen Prozess für die fünf Angeklagten und wendet sich gegen die Kriminalisierung antimilitaristischen Protests.

Friedensarbeit lebt vom Mitmachen

Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in drei Arbeitsgruppen weiter.

In der Arbeitsgruppe Kriegsdienstverweigerung wurden die nächsten Schritte beim Ausbau unseres Beratungsnetzwerkes geplant. Neben der Beratung Ungedienter rückt künftig verstärkt auch die Beratung von Reservistinnen und Reservisten in den Mittelpunkt. Sollte das angekündigte Reservestärkungsgesetz beschlossen werden, wird der Beratungsbedarf in diesem Bereich deutlich zunehmen. Wie bereits bei der Beratung Ungedienter möchte die DFG-VK auch hier frühzeitig gut aufgestellt sein und Betroffenen kompetente Unterstützung anbieten.

Die Arbeitsgruppe Schule knüpfte an ihre Arbeit seit dem Neujahrsempfang des Landesverbandes in Karlsruhe an. In den vergangenen Monaten wurden Materialien entwickelt, Erfahrungen gesammelt und Konzepte für Schulveranstaltungen weiterentwickelt. Die Landesmitgliederversammlung bot nun die Gelegenheit, neue Interessierte einzubinden und gemeinsam die nächsten Schritte zu planen.

Besonders positiv wurde über einen Projekttag am Andreae-Gymnasium in Herrenberg berichtet. Dort hatte die Schule das Thema Wehrpflicht und Sicherheitspolitik bewusst aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Neben einem Jugendoffizier der Bundeswehr – dessen Beteiligung aus unserer Sicht für eine ausgewogene Veranstaltung nicht zwingend erforderlich gewesen wäre – kamen auch Vertreter des Bundes für Soziale Verteidigung, der DFG-VK sowie Radio Wüste Welle zu Wort. Gerade diese Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven wurde als vorbildlich bewertet und soll auch zukünftige Schulveranstaltungen inspirieren.

Unter dem Titel „Landesverband – wie weiter?“ beschäftigte sich die dritte Arbeitsgruppe mit einer zentralen Zukunftsfrage: Wie können wir unsere Friedensarbeit so weiterentwickeln, dass der Landesverband auch in vielen Jahren lebendig, handlungsfähig und wirksam bleibt? Viele Mitglieder engagieren sich seit Jahrzehnten mit großem Einsatz für Frieden und Abrüstung. Gemeinsam wurde darüber beraten, wie wir neue Menschen für diese Arbeit gewinnen, Erfahrungen weitergeben und neue Ideen entwickeln können. Dazu gehört auch, moderne Formen der Öffentlichkeitsarbeit auszuprobieren, ohne dabei unsere bewährten Kommunikationswege oder langjährige Mitglieder aus dem Blick zu verlieren. Zukunftsfähigkeit bedeutet für uns nicht, Bewährtes aufzugeben, sondern Bestehendes sinnvoll weiterzuentwickeln.

Viele Projekte für die kommenden Monate

Am Nachmittag wurden außerdem die Delegierten des Landesverbandes für den Bundeskongress der DFG-VK gewählt, der vom 23. bis 25. Oktober 2026 in Stuttgart stattfinden wird. Dass der Bundeskongress in diesem Jahr in Baden-Württemberg ausgerichtet wird, ist vor allem dem großen Engagement vieler Aktiver aus unserem Landesverband zu verdanken – insbesondere der Regionalgruppe Stuttgart sowie den Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe. Für diesen großartigen Einsatz bedanken wir uns herzlich.

Das Programm kann sich sehen lassen: Am Freitag beginnt der Bundeskongress mit einem gemeinsamen Treffen am Deserteursdenkmal in Stuttgart. Am Abend folgt die Verleihung des Ludwig-Baumann-Preises des Carl-von-Ossietzky-Solidaritätsfonds der DFG-VK. Am Samstag stehen die Antragsberatungen sowie der Vortrag von Margot Käßmann im Mittelpunkt, bevor der Sonntag Raum für Arbeitsgruppen, Vernetzung und gemeinsame Perspektiven bietet. Weitere Informationen finden sich unter https://buko2026.dfg-vk.de.

Erfreulich war außerdem, dass sich bereits während der Landesmitgliederversammlung weitere Mitglieder bereit erklärten, organisatorische Aufgaben rund um den Bundeskongress zu übernehmen. Auch dafür bedanken wir uns herzlich.

Außerdem informierte der Landesvorstand über den Protest gegen das Bundeswehr-Ferienlager in Kellmünz. Nein zur Frühmilitarisierung – insbesondere von Sechs- bis Zwölfjährigen. Kinder brauchen Räume zum Spielen, Lernen und Entdecken – nicht die Gewöhnung an militärische Strukturen. Deshalb ruft die DFG-VK Baden-Württemberg dazu auf, den friedlichen Protest am 11. August zu unterstützen.

Abgerundet wurde der Tag durch die Ankündigung eines Workshops zu WordPress, Instagram und Canva, den Geschäftsführer Jonas Fehrenbach im Herbst in Karlsruhe anbieten wird. Ziel ist es, noch mehr Mitglieder dabei zu unterstützen, selbst Öffentlichkeitsarbeit zu machen und unsere Themen sichtbar in die gesellschaftliche Debatte einzubringen.

Mit Rückenwind in die zweite Jahreshälfte

Die Landesmitgliederversammlung hat deutlich gemacht: Friedensarbeit ist notwendiger denn je. Seit der ausgerufenen Zeitenwende erleben wir eine politische Entwicklung, in der militärische Aufrüstung und Abschreckung vielfach als alternativlos dargestellt werden. Gleichzeitig fließen ungehemmte Milliardenbeträge in militärische Projekte, während an anderer Stelle gespart wird.

Doch inzwischen wächst der Widerspruch. Immer mehr Menschen fragen, welche gesellschaftlichen Folgen diese Politik hat und warum für Rüstung scheinbar unbegrenzt Geld zur Verfügung steht, während im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich Kürzungen diskutiert werden. Diese Fragen werden längst nicht mehr nur innerhalb der Friedensbewegung gestellt.

Dass sich an einem sonnigen Sommer-Samstag rund 50 Menschen Zeit genommen haben, gemeinsam über Frieden, Abrüstung und zivile Alternativen nachzudenken, macht Mut. Die Herausforderungen werden größer – aber auch die Bereitschaft, ihnen gemeinsam etwas entgegenzusetzen. Darauf wollen wir aufbauen. Mit vielen neuen Ideen, einer starken Gemeinschaft und dem Engagement unserer Mitglieder gehen wir motiviert in die zweite Jahreshälfte – für eine Gesellschaft, die Konflikte nicht durch Gewalt, Aufrüstung und Abschreckung, sondern durch Dialog, Diplomatie und internationale Zusammenarbeit löst.

17 Juli, 2026

§ Recht kurz §: schriftliche (statt digitale) Abgabe der Bereitschaftserklärung

Von Stefan Philipp (Bearbeitungsstand: 16.07.2026)

Download PDF

Am 1. Januar 2026 ist das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) in Kraft getreten, mit dem neben anderen wehrrechtlichen Regelungen auch das Wehrpflichtgesetz (WPflG) geändert wurde. Mit der Änderung von § 2 Abs. 3 WPflG wurde die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht teilweise wieder eingesetzt. Nach § 3 Abs. 1 WPflG umfasst sie für Männer die Pflicht (für andere freiwillig), „sich zu melden, vorzustellen, nach Maßgabe dieses Gesetzes Auskünfte zu erteilen und Unterlagen vorzulegen, sich auf die geistige und körperliche Tauglichkeit […] untersuchen zu lassen […].“ Erfassung und Musterung als Teil der Wehrpflicht gelten damit nun nicht mehr nur im Krieg (Art. 80a und 115a Grundgesetz [GG]), sondern für alle ab 2008 geborenen jungen Männer (flächendeckende Musterungen wegen der erst aufzubauenden Kapazitäten ab dem 01.07.2027).

Teil der Erfassung (§ 15 WPflG) ist – nach Aufforderung durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) – die Pflicht, „eine Erklärung zur Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Wehrdienstleistung abzugeben“ (§ 15a WPflG). Weiter heißt es dazu im Gesetz: „Die Bereitschaftserklärung ist mittels eines zur Verfügung gestellten Online-Fragebogens oder schriftlich abzugeben.“ (§ 15a Abs. 2 WPflG) Die Online-Abgabe funktioniert so, dass das Aufforderungsschreiben einen QR-Code enthält, dessen Benutzung zu einem personalisierten Online-Fragebogen führt. Die Nicht-Abgabe der Bereitschaftserklärung ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 1.000 Euro geahndet werden kann (§ 45 Abs. 1 Nr. 1 WPflG).

Nach der Vorstellung von Bundesregierung und Bundeswehr ist die Online-Beantwortung des Fragebogens der Normalfall. In der Begründung zu ihrem Gesetzentwurf des WDModG hatte die Bundesregierung ausgeführt: „Der Fragebogen ist grundsätzlich digital auszufüllen und in elektronischer Form abzugeben. Dadurch wird sowohl dem verstärkten Einsatz digitaler Instrumente in der Verwaltung als auch der auf digitale Kommunikation ausgerichteten Lebenswirklichkeit junger Menschen Rechnung getragen. In Ausnahmefällen kann die Erklärung auch schriftlich abgegeben werden; dies umfasst auch die Möglichkeit der Niederschrift, wenn es der Wehrersatzbehörde zuzumuten ist.“ (Bundestagsdrucksache 21/1853, Seite 69) Die Bundeswehr weist auf ihrer Website ausschließlich auf den Online-Fragebogen hin und erwähnt die Möglichkeit der schriftlichen Abgabe nicht (bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/neuer-wehrdienst/fragebogen).

Nach dem Gesetzeswortlaut stehen die beiden Alternativen „online“ und „schriftlich“ gleichberechtigt ne- beneinander. Wenn der Gesetzgeber ein Regel-Ausnahme-Verhältnis gewollt hätte, dann hätte er das entsprechend im Gesetz formulieren können, aber auch müssen.

Wer – zu Recht – glaubt, dass es richtig ist, Sand ins Getriebe der Kriegstüchtigkeitsmaschine zu streuen, der kann völlig legal auf diese Weise ein Sandkörnchen beisteuern: Die erste Aufforderung zur Abgabe einer Bereitschaftserklärung kommt als normale Briefpost, das BAPersBw könnte den Zugang also im Zweifelsfall nicht nachweisen. Wer nicht innerhalb der Monatsfrist reagiert, erhält eine erneute Aufforderung förmlich zugestellt (Zustellungsurkunde oder Einschreiben und damit rechtssicher) mit Fristsetzung. Falls dabei wieder nur auf einen QR-Code verwiesen wird und nicht der Fragebogen beiliegt, sollte man innerhalb der genannten Frist (wichtig: Zugang dort) dem BAPersBw z.B. so schreiben (per Einschreiben mit Rückschein): „Ich will die geforderte Bereitschaftserklärung schriftlich abgeben und erwarte die Zusendung des Fragebogens.“

Falls man bereit ist, den Fragebogen zu beantworten, dann ist wichtig: Zur Vermeidung eines eventuellen Bußgeldes müssen die Antworten korrekt, jedenfalls plausibel sein. „Null Interesse“: Unter der Überschrift „Bewertung Interesse am Dienst als Soldatin oder Soldat“ wird weiter hinten im Bogen gefragt „Haben Sie grundsätzlich Interesse, auf freiwilliger Basis Soldatin oder Soldat zu werden?“ Auf einer Skala von 0 bis 10 muss man sein Interesse eintragen, „0“ bedeutet „kein Interesse“; der Fragebogen ist damit fertig, wird nicht weiter ausgefüllt, sondern so abgeschickt. Wichtig: „0“ ist nicht gleichbedeutend mit der Stellung eines Antrags auf Kriegsdienstverweigerung (KDV) nach Art. 4 Abs. 3 GG. Ein solcher muss entsprechend § 2 KDV-Gesetz separat gestellt werden. Der Fragebogen mit amtlichen Erläuterungen ist zur Orientierung verfügbar als PDF unter: bundeswehr.de/resource/blob/6054406/3b369d8f38026ea2404454a768c95ffd/fragebogen-data.pdf

Wer will, kann versuchen, die Kosten für den Schriftverkehr mit dem BAPersBw als „notwendige Auslagen“ gemäß § 15a Abs. 6 WPflG erstattet zu erhalten.

Dass ein einziges kleines Sandkorn nicht „die Welt bewegt“, dürfte klar sein – und auch, dass der Staat für seine Kriegsmaschine immer ausreichend „Schmiermittel“ (Finanzen/„Sondervermögen“, Personal, Rechtsvorschriften, Propaganda) zur Verfügung stellt. Aber viele kleine Sandkörner ergeben zusammen einen Sandberg. Die Kriegsmaschinerie enthält zahlreiche Getriebeteile, die Wehrpflicht ist nur ein Zahnrad. Deshalb: Viele Sandkörner an vielen Stellen machen die Maschine störanfälliger und verlangsamen sie – bis zum Stillstand.

15 Juli, 2026

KDV-INFOTOUR BADEN-WÜRTTEMBERG 2026

Mit dem KDV-Mobil durch Baden-Württemberg

Vom 8. bis 19. Juni unterwegs für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nach GG Art 4.3

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Dennoch wissen viele Menschen nur wenig über ihre Möglichkeiten, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Gleichzeitig erlebt Deutschland eine neue Welle der Militarisierung. Die Bundeswehr wirbt verstärkt um Nachwuchs, Schulen werden zunehmend Ziel militärischer Einflussnahme und mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden junge Menschen wieder systematisch für einen möglichen Wehrdienst erfasst.

Deshalb machten wir uns auf den Weg.

Vom 8. bis 19. Juni 2026 tourte die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg gemeinsam mit der Stiftung Care for Future durch Baden-Württemberg. Mit unserem KDV-Mobil, einem großen aufblasbaren zerbrochenen Gewehr, Informationsständen, Beratungsangeboten, Vorträgen und kreativen Aktionen informierten wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und unterstützten Menschen dabei, ihre Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Von Aalen bis Lörrach führten wir Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Großeltern, Reservistinnen und Reservisten, Soldatinnen und Soldaten, Lehrkräften, Friedensbewegten und vielen interessierten Passantinnen und Passanten.

Dieses Tourtagebuch dokumentiert unsere Reise.

⸻

Die Tour auf einen Blick

Was?

Eine landesweite Informations- und Beratungstour zum Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Wer?

Veranstaltet von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg (DFG-VK Baden-Württemberg) gemeinsam mit der Stiftung Care for Future.

Unterstützt von zahlreichen regionalen Friedensgruppen, Initiativen, Kriegsdienstverweigerungsberater*innen und ehrenamtlichen Helfer*innen.

Wann?

08. bis 19. Juni 2026

Wo?

  • Aalen
  • Schwäbisch Hall
  • Heilbronn
  • Ludwigsburg
  • Tübingen (Ract!-Festival)
  • Mannheim
  • Offenburg
  • Freiburg
  • Lörrach

Warum?

Weil die Zeiten es verlangen.

Während weltweit Kriege eskalieren und Regierungen unbegrenzt Milliarden für Aufrüstung bereitstellen, geraten zivile Konfliktlösungen und Friedenspolitik zunehmend unter Druck. Gleichzeitig werden junge Menschen wieder auf einen möglichen Wehrdienst vorbereitet.

Viele wissen nicht, dass sie das Recht (GG Art. 4.3) haben, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Die Kriegsdienstverweigerungstor-Tour sollte informieren, beraten und Mut machen. Niemand soll aus Unwissenheit in den Dienst an der Waffe geraten.

⸻

Die Veranstalter

DFG-VK Baden-Württemberg

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen ist die älteste Friedensorganisation Deutschlands. Seit über 130 Jahren setzt sie sich gegen Krieg, Militarismus und Gewalt ein. Der Landesverband Baden-Württemberg hat viel Expertise in der Kriegsdienstverweigerungsberatung und war maßgeblich für die Orga der KDV-Tour verantwortlich.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist seit jeher die Unterstützung von Menschen, die den Kriegsdienst verweigern möchten. Die DFG-VK berät Wehrpflichtige, Reservist*innen sowie aktive Soldatinnen und Soldaten und setzt sich politisch für die Abschaffung jeder Form von Kriegsdienstzwang ein.

Stiftung Care for Future

Die Stiftung Care for Future engagiert sich für Friedensbildung, gesellschaftliche Verantwortung und eine Kultur der Gewaltfreiheit. Sie unterstützte die KDV-Tour und half dabei, das Thema Kriegsdienstverweigerung landesweit sichtbar zu machen.

KDV Tour BaWü  – Tagebuch: 08.06.-19.06.2026

8. Juni – Aalen

Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026

Mit Aalen begann am 8. Juni die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von der Ostalb, unweit der bayerischen Grenze, machte sich die Tour auf den Weg quer durch Baden-Württemberg. In den kommenden zwei Wochen sollten Stationen in Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen, Mannheim, Offenburg, Freiburg und schließlich Lörrach folgen. Ziel der Tour war es, insbesondere junge Menschen über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren, Menschen zu beraten und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.

Der Auftakt in Aalen fand in Kooperation mit der DFG-VK Ostalb (keine eingetragene Regionalgruppe, aber was nicht ist, kann ja noch werden ☺) und der Genossenschaft act for transformation statt. Ein besonderer Dank gilt dabei Jürgen Menzel und den Genossen von act for transformation, die die Tour vor Ort unterstützten und für die geplante abendliche Informationsveranstaltung ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. Ebenso bedanken wir uns bei unserem Mitglied aus Aalen, Roland Hamm, der den Tourauftakt mit vorbereitet und begleitet hat. Gemeinsam halfen sie auch unserem Tourfahrer Franz Grundschöttel beim Aufbau des ersten Infostandes der KDV-Tour Baden-Württemberg.

Franz war während der gesamten Tour weit mehr als nur Fahrer. Mit seiner langjährigen Erfahrung bei Infoständen, Aktionen und Veranstaltungen sorgte er dafür, dass Pavillon, Materialien, KDV-Mobil, Gewehr und Sarg stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Wer schon einmal eine zweiwöchige Tour mit täglich wechselnden Stationen organisiert hat, weiß, wie viel Arbeit hinter einer funktionierenden Infrastruktur steckt. Franz meisterte diese Aufgabe mit großer Routine, viel Gelassenheit und meist auch mit einem passenden Spruch zur Situation, egal wie heiß es war.

Dank der guten Pressearbeit von Roland Hamm wurde unsere Station bereits im Vorfeld in der Aalener Zeitung angekündigt. Aus den Presseartikeln ging klar hervor, worum es an diesem Tag gehen sollte: Information über das neue Wehrdienstmodell, Beratung zur Kriegsdienstverweigerung und Aufklärung über die gesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Militarisierung. Dabei richtete sich das Angebot ausdrücklich nicht nur an Jugendliche, sondern ebenso an Soldatinnen, Reservistinnen und alle Menschen, die sich mit den aktuellen politischen Entwicklungen auseinandersetzen wollten.

Der erste Infostand des Tages wurde im Stadtgarten aufgebaut, unmittelbar in der Nähe des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der Uhlandrealschule. Dort nutzten wir die große Pause und die Mittagszeit, um mit Schüler*innen ins Gespräch zu kommen. Schon am ersten Tourtag zeigte sich, dass das Thema viele junge Menschen beschäftigt. Viele hatten bereits von den Debatten über Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit gehört, wussten jedoch wenig über die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die konkreten Rechte, die ihnen zustehen.

Für Aufmerksamkeit sorgte dabei nicht nur unser Informationsmaterial. Wie bei allen Stationen der Tour waren auch das KDV-Mobil, unser Tourbus, das große aufblasbare zerbrochene Gewehr und der symbolische Bundeswehr-Sarg mit dabei. Gemeinsam bildeten sie einen auffälligen Blickfang und sorgten dafür, dass zahlreiche Menschen auf die Aktion aufmerksam wurden und das Gespräch suchten. Auf den Fotos des Tages ist Franz vor dem Stand zu sehen – ein Bild, das rückblickend beinahe symbolisch für die gesamte Tour steht. Denn ohne seinen täglichen Einsatz wäre vieles deutlich komplizierter geworden.

Besonders interessant war bereits am ersten Tag die Vielfalt der Gesprächspartner*innen. Natürlich informierten sich in der Nähe der Schulen viele Jugendliche über die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und Bundeswehr. Gleichzeitig kamen aber auch Eltern vorbei, die sich Sorgen machten, welche Auswirkungen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht auf ihre Kinder haben könnte. Auffällig war zudem das große Interesse älterer Menschen. Viele Großeltern erinnerten sich noch an eigene Erfahrungen mit Wehrpflicht, Militärdienst oder Krieg und begegneten den aktuellen Aufrüstungsdebatten mit einer deutlich kritischeren Haltung als manche jüngere Generation.

Nach dem Vormittag im Stadtgarten wurde die Aktion auf dem Aalener Marktplatz fortgesetzt. Dort ergaben sich weitere Gespräche mit Passant*innen unterschiedlichsten Alters. Während vor den Schulen vor allem Jugendliche angesprochen wurden, stand auf dem Marktplatz die breite Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Auch hier zeigte sich, dass die Diskussion über Wehrpflicht, Aufrüstung und Krieg längst nicht nur politische Fachkreise beschäftigt, sondern viele Menschen ganz unmittelbar bewegt.

Leider war das Interesse an der geplanten Informationsveranstaltung am Abend in den Räumen von act for transformation so gering, dass wir sie ausfallen ließen. Wir führen dies auf das hervorragende Sommerwetter und die bereits sehr informativen Aktionen im Laufe des Tages zurück. Offenbar hatten viele Aalener*innen die Gelegenheit genutzt, sich bereits an unseren Infoständen zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen.

Schon die erste Station der Tour machte deutlich, dass der Bedarf an Information und Beratung groß ist. Die Debatten um Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und Aufrüstung sind längst keine abstrakten politischen Diskussionen mehr. Viele Menschen beschäftigen sich ganz konkret mit der Frage, was diese Entwicklungen für sie selbst, ihre Kinder oder ihre Enkelkinder bedeuten könnten.

Aalen war damit ein gelungener Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von hier aus führte der Weg weiter durch das ganze Land – mit dem Ziel, insbesondere junge Menschen über ihre Rechte zu informieren, für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu werben und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Und Franz? Der verstaute am Ende des Tages wieder Pavillon, Flyer, Gewehr und Sarg im KDV-Mobil, bevor es am nächsten Morgen weiter zur nächsten Station ging.

9. Juni – Schwäbisch Hall

Glücksrad, Gewehr und viele gute Gespräche

Nach dem gelungenen Auftakt in Aalen führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am nächsten Tag weiter nach Schwäbisch Hall.

Pünktlich, bestens vorbereitet wie immer und mit einem Schmunzeln auf den Lippen traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil am vereinbarten Ort ein. Gemeinsam mit Marianne Haufe und Gunther Reber von der DFG-VK wurde der Stand aufgebaut und für einen weiteren Tag voller Gespräche über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung, Frieden und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft vorbereitet.

Ein wichtiger Bestandteil der Tour war dabei auch der Hinweis auf das Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Die Tour sollte nicht nur informieren, sondern auch deutlich machen, dass Menschen mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein sind. In ganz Baden-Württemberg stehen erfahrene Beraterinnen zur Verfügung, die bei Fragen zur Wehrpflicht, zu Verweigerungsverfahren oder zu den Rechten von Reservistinnen und Soldatinnen unterstützen können. Mit Marianne Haufe und Gunther Reber waren an diesem Tag gleich zwei dieser Berater*innen vor Ort.

Auch in Schwäbisch Hall war der Tourtermin von einer engagierten lokalen Vorbereitung begleitet worden. Die Pressearbeit im Vorfeld sorgte nicht nur dafür, dass zahlreiche Menschen von der Aktion erfuhren, sondern führte auch zu einem Live-Interview beim lokalen Radiosender StHörfunk. Den entstandenen Radiobeitrag dokumentieren wir auf dieser Seite ebenfalls, da er einen guten Eindruck von den Zielen und Inhalten der Tour vermittelt.

Mit Marianne Haufe und Gunther Reber engagierten sich zwei Aktive der Friedensbewegung an dieser Station der Tour. Beide setzen sich seit vielen Jahren für Demokratie und Frieden ein und begleiteten die Aktion vor Ort.

Ihren Bericht über den Tag in Schwäbisch Hall möchten wir bewusst in ihren eigenen Worten dokumentieren:

⸻

Friedenstour der Deutschen Friedensgesellschaft macht Halt in Schwäbisch Hall

Frieden beginnt mit Begegnung – Rückblick auf den Friedenstag am 09.06.2026 in Schwäbisch Hall

Manche Veranstaltungen lassen sich in Zahlen beschreiben. Andere in Begegnungen.

Unser Friedenstag am 09. Juni 2026 auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz in Schwäbisch Hall gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.

Als wir am Vormittag unseren Infostand aufbauten, war zunächst noch wenig Betrieb. Der Platz wirkte ruhig und wir wussten nicht, welche Menschen uns an diesem Tag begegnen würden. Doch schon bald wurde deutlich, dass das Thema Frieden viele Menschen bewegt – oft mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein besonderer Höhepunkt war das Live-Interview im Radio StHörfunk. Während des Gesprächs wurde uns selbst noch einmal bewusst, mit welcher Begeisterung und Überzeugung wir diesen Weg gehen. Frieden ist für uns kein abstraktes politisches Konzept, sondern eine Haltung, die im Alltag beginnt und durch Begegnungen lebendig wird.

Im Laufe des Tages füllte sich der Platz zunehmend. Besonders am Nachmittag kamen viele Menschen gezielt auf uns zu. Darunter waren mehrere Mütter, die sich für ihre bereits erwachsenen Kinder interessierten oder Fragen im Hinblick auf ihre heranwachsenden Kinder hatten. Ein Satz blieb dabei besonders in Erinnerung:

„Gegen den Krieg kann man sich nie früh genug entscheiden.“

Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch viele Gespräche.

Auch ehemalige Reservisten suchten den Austausch. Einige erklärten, dass sie im Ernstfall wieder dienen würden. Andere berichteten, dass sie heute verweigern würden. Die Gespräche verliefen respektvoll, offen und ehrlich. Gerade diese unterschiedlichen Sichtweisen machten deutlich, wie wichtig Räume für Dialog und persönliche Reflexion sind.

Eine Begegnung hat uns dabei besonders berührt.

Ein Mann aus Eritrea blieb längere Zeit an unserem Stand. Er erzählte, dass er 13 Jahre seines Lebens im Krieg verbringen musste, bevor er nach Deutschland flüchtete. Seit rund 40 Jahren lebt er nun hier. Während er von seinen Erlebnissen sprach, kamen ihm die Tränen. Auch uns bewegten seine Worte tief. Als unser Gespräch zu Ende war, fielen wir uns in die Arme. In diesem Moment wurde spürbar, dass Frieden weit mehr ist als ein politisches Ziel. Frieden ist Menschlichkeit. Frieden ist Begegnung. Frieden ist Mitgefühl.

Eine große Unterstützung war für uns ein 19-jähriger Kriegsdienstverweigerer, der sich spontan einbrachte und uns beim Ansprechen junger Menschen unterstützte. Sein Engagement zeigte, dass sich auch junge Menschen sehr bewusst mit Fragen von Verantwortung, Gewissen und Frieden auseinandersetzen.

Bemerkenswert war, dass wir selbst während des gesamten Tages immer wieder in die Reflexion gingen. Nahezu jedes Gespräch stellte neue Fragen, eröffnete neue Perspektiven und zeigte uns, wie unterschiedlich Menschen auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen blicken. Wir waren nicht nur Gesprächspartner – wir waren auch Lernende.

Besonders stolz sind wir auf den Zusammenhalt unseres Teams. Viele von uns kannten sich vor dieser Aktion kaum. Dennoch entstand innerhalb kürzester Zeit ein Miteinander, das von Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und einem gemeinsamen Ziel geprägt war. Gemeinsam haben wir diesen Tag getragen und gestaltet.

Ein unerwarteter Publikumsmagnet wurde unser Glücksrad. Was zunächst als interaktive Ergänzung gedacht war, entwickelte sich schnell zum zentralen Anziehungspunkt. Die verschiedenen Fragen und Szenarien rund um Wehrpflicht, Einberufung und persönliche Entscheidungen führten zu zahlreichen Gesprächen und lockten viele Menschen an unseren Stand.

Auch kreative Ideen entstanden im Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern. So entwickelte sich die Überlegung, künftig Friedensbotschaften mit aufsteigenden Luftballons sichtbar in die Welt zu tragen. Die Ballons sollen dabei symbolisch für die Verbreitung von Frieden, Hoffnung und Menschlichkeit stehen und die Sichtbarkeit des Friedensgedankens weit über den eigentlichen Veranstaltungsort hinaus erhöhen.

Gleichzeitig zeigte der Tag auch eine andere Realität.

Viele Menschen sehen den Ernst der aktuellen Entwicklungen noch nicht oder möchten sich mit den Themen Krieg, Wehrpflicht und persönlicher Verantwortung gar nicht beschäftigen. Andere folgen dem Gedanken, man müsse im Zweifel „etwas für sein Land tun“, ohne die dahinterliegenden Fragen näher zu hinterfragen.

Gerade deshalb halten wir solche Veranstaltungen für wichtig.

Denn Frieden beginnt nicht erst in politischen Verhandlungen. Frieden beginnt dort, wo Menschen bereit sind zuzuhören, Fragen zu stellen und ihre eigenen Überzeugungen zu reflektieren.

Der Friedenstag in Schwäbisch Hall hat uns gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich genau das wünschen: Begegnung, Dialog und Menschlichkeit.

Wir gehen deshalb mit großer Dankbarkeit, neuen Impulsen und viel Hoffnung aus diesem Tag heraus.

Denn jede Begegnung, jedes Gespräch und jede ehrliche Frage sind ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer friedlicheren Gesellschaft.

Und vielleicht beginnt Frieden tatsächlich genau dort: von Mensch zu Mensch.

Fazit

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Themen Frieden, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung Menschen unterschiedlicher Generationen bewegen. Besonders wertvoll waren die zahlreichen persönlichen Gespräche und die Offenheit vieler Besucherinnen und Besucher.

Das interaktive Format mit Glücksrad, offener Gesprächskultur und Radiointerview erwies sich als geeigneter Ansatz, um Menschen niedrigschwellig anzusprechen und zum Nachdenken anzuregen.

Für zukünftige Aktionen sehen wir großes Potenzial in dialogorientierten Formaten, die Begegnung ermöglichen und Menschen dazu ermutigen, sich mit Fragen von Frieden, Verantwortung und Gewissensentscheidungen auseinanderzusetzen.

Der Friedenstag hat gezeigt: Wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, entstehen Verständnis, neue Perspektiven und Hoffnung. Genau darin sehen wir einen wichtigen Beitrag der Friedensarbeit in unserer Zeit.

⸻

Der Bericht von Marianne und Gunther zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Begegnungen während der KDV-Tour waren. Die Gespräche reichten von jungen Menschen, die sich erstmals mit dem Thema Wehrpflicht beschäftigten, über Eltern und Großeltern bis hin zu Menschen mit eigenen Flucht- und Kriegserfahrungen.

Besonders die Begegnung mit dem aus Eritrea geflüchteten Mann, die Unterstützung durch den jungen Kriegsdienstverweigerer und die vielen Gespräche mit Eltern und Müttern machten deutlich, wie eng die Themen Frieden, Krieg und persönliche Verantwortung mit den Lebensgeschichten konkreter Menschen verbunden sind.

Für Franz bedeutete das am Ende des Tages erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einem schönen und erfolgreichen Tag in Schwäbisch Hall ging die Reise weiter.

Die nächste Station wartete bereits: Heilbronn.

10. Juni – Heilbronn

Mitten in der Innenstadt für Frieden und Kriegsdienstverweigerung

Foto: Andreas Stiegele

Nach den Stationen in Aalen und Schwäbisch Hall führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 10. Juni nach Heilbronn.

Wie immer pünktlich und bestens vorbereitet steuerte Franz Grundschöttel das KDV-Mobil auf den Kilianskirchhof im Herzen der Heilbronner Innenstadt. Dort warteten bereits die örtlichen Unterstützer*innen des Heilbronner Friedensrat sowie unser Kriegsdienstverweigerungsberater Andreas Gnekow auf die Tour.

Foto: Andreas Stiegele

Gemeinsam wurde der Stand aufgebaut. Wie schon an den vorherigen Stationen gehörten das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg sowie umfangreiche Informationsmaterialien zur Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zum Erscheinungsbild der Aktion.

Der Heilbronner Friedensrat setzt sich mit vielen Veranstaltungen, Infoständen und anderen Formaten kontinuierlich für Abrüstung, zivile Konfliktbearbeitung und Frieden ein. Vielen Dank für eure Mitarbeit und Unterstützung. Ohne euch hätten wir keine Station der KDV-Tour in Heilbronn durchführen können.

Der Kilianskirchhof erwies sich dabei als idealer Ort für die Aktion. Direkt vor der Kilianskirche entstand für einige Stunden ein kleiner Ort des Friedens mitten im geschäftigen Alltag der Innenstadt. Das KDV-Mobil, die Friedensfahnen, die Pavillons, das aufblasbare zerbrochene Gewehr und die Informationsstände waren schon von weitem sichtbar und luden Passant*innen dazu ein, stehenzubleiben und ins Gespräch zu kommen.

Wer über den Platz ging, konnte kaum übersehen, dass hier etwas anderes stattfand als die übliche Werbung um Aufmerksamkeit. Statt Rekrutierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit standen Fragen nach Frieden, Gewissen und persönlicher Verantwortung im Mittelpunkt. Natürlich informierten wir auch über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, über das landesweite Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK sowie über die verschiedenen Möglichkeiten, sich Krieg, Militarisierung und Wehrpflicht entgegenzustellen. Das große zerbrochene Gewehr wurde dabei zum sichtbaren Symbol einer Haltung, die sich gegen Krieg und Militarisierung richtet und der Kriegsmaschinerie Sand ins Getriebe streuen will.

Foto: Andreas Stiegele

Besonders erfreulich war, dass sich auch zahlreiche junge Menschen am Stand informierten. Viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zur Wehrpflicht und zur Kriegsdienstverweigerung zu stellen oder sich über ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten zu informieren. Die bereitliegenden Materialien zur Kriegsdienstverweigerung stießen auf reges Interesse.

Die Atmosphäre auf dem Kilianskirchhof war dabei offen und einladend. Zwischen Kirche, Fußgängerzone und Einkaufsbetrieb entstand für einige Stunden ein Raum für Nachfragen, Diskussionen und neue Perspektiven. Fast wirkte der Platz zeitweise wie ein kleines pazifistisches Dorf mitten in einer Gesellschaft, die zunehmend von Aufrüstung, Militärwerbung und Forderungen nach Kriegstüchtigkeit geprägt wird.

Nach mehreren Stunden auf dem Kilianskirchhof endete auch die Heilbronner Station der KDV-Tour. Für Franz bedeutete das erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten.

Die nächste Station wartete bereits: Ludwigsburg.

11. Juni – Ludwigsburg

Werbung für die Verweigerung

Nach der Station in Heilbronn führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 11. Juni nach Ludwigsburg. Ziel war das Goethe-Gymnasium, wo die Tour insbesondere junge Menschen über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und ihre Rechte informieren wollte.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich und mit einer Menge Tatendrang am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK-Regionalgruppe Ludwigsburg wurde der Stand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg und die Friedensfahnen nicht mehr zu übersehen.

An unserem Stand gab es Gummibärchen mit DFG-VK-Link, Aufkleber – darunter Klassiker wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ –, Handzettel mit Bezug zur Gamer-Szene und sogar Friedenstauben aus dem 3D-Drucker als Schmuckaccessoire, die ein Gruppenaktiver spontan vorbeigebracht hatte. Die Mischung aus Informationsangeboten und kreativen Mitmach-Elementen erwies sich als idealer Gesprächseinstieg.

Mehrere Stunden lang verteilten wir aktuelle Faltblätter mit Informationen zu Bundeswehrfragebogen, Musterung und Kriegsdienstverweigerung. Besonders gezielt sprachen wir ältere männliche Schüler an, da sie von einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht unmittelbar betroffen wären. Natürlich gaben wir die Materialien auch an viele andere Interessierte weiter. Schließlich werden die Diskussionen über Wehrpflicht, Militär und Kriegsdienstverweigerung nicht nur in Klassenzimmern geführt, sondern auch in Familien, Freundeskreisen und Vereinen. Die Informationen sollten möglichst viele Menschen erreichen und das Bewusstsein dafür stärken, dass eine weitere Militarisierung unserer Gesellschaft keine zwangsläufige Entwicklung ist.

Gleichzeitig informierten wir über das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Auch unsere Regionalgruppe Ludwigsburg verfügt über ein Netzwerk an Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und steht Menschen zur Seite, die Fragen zu Wehrpflicht, Musterung oder Verweigerungsverfahren haben. Die Tour sollte auch deutlich machen: Niemand muss sich mit diesen Fragen allein auseinandersetzen.

Vor allem während der Schulpausen war am Stand richtig etwas los. Scharen von Schülerinnen und Schülern kamen vorbei, informierten sich, stellten Fragen und nahmen Material mit. Die DFG-VK-Gummibärchen fanden reißenden Absatz. Besonders beliebt waren die Aufkleber mit der Labubu-Figur und dem Slogan „Nein zum Kriegsdienst“.

Die Fotos des Tages zeigen eindrucksvoll, worum es bei der KDV-Tour ging: Nicht irgendwo im Verborgenen über Kriegsdienstverweigerung zu sprechen, sondern direkt dort präsent zu sein, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Zwischen Unterricht, Pausengesprächen und dem Weg nach Hause entstand ein Ort, an dem über Krieg, Frieden, Gewissen und persönliche Verantwortung diskutiert werden konnte.

Besonders erfreulich war die große Offenheit vieler Schüler*innen. In den Gesprächen und Diskussionen erlebten wir viel Zustimmung und immer wieder die Bereitschaft, sich auf unsere konsequent pazifistische Position einzulassen. Auch dort, wo nicht alle unserer Meinung waren, wurden die Gespräche respektvoll und interessiert geführt.

Dass die Aktion Aufmerksamkeit erregte, zeigte sich auch in der lokalen Berichterstattung. Unter der Überschrift „Bundeswehr: Werbung für Verweigerung“ berichtete die Ludwigsburger Kreiszeitung über die Aktion vor dem Goethe-Gymnasium. Der Titel brachte den Charakter der Tour treffend auf den Punkt: Während vielerorts für den Dienst an der Waffe geworben wird, informierten wir über das Recht, diesen Dienst zu verweigern.

Die Station in Ludwigsburg machte deutlich, wie groß der Informationsbedarf bei jungen Menschen ist. Viele von ihnen hören derzeit immer häufiger von Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und militärischer Aufrüstung. Umso wichtiger ist es, dass sie auch erfahren, welche Rechte sie haben und dass Kriegsdienstverweigerung weiterhin ein Grundrecht ist.

Nach einem erfolgreichen Tag vor dem Goethe-Gymnasium hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer einsammeln, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und alles im KDV-Mobil verstauen. Danach ging es ins Hotel, um noch etwas Kraft zu tanken. Denn die nächste Station versprach etwas ganz Besonderes zu werden: Das Ract!-Festival in Tübingen – einer der Höhepunkte der gesamten KDV-Tour Baden-Württemberg 2026.

12.–13. Juni – Tübingen

Das Herzstück der KDV-Tour: Das Ract!-Festival

Ein Höhepunkt und gleichzeitig das Herzstück unserer Kriegsdienstverweigerungstour durch Baden-Württemberg war das Ract!-Festival 2026 in Tübingen. Das Festival bezeichnet sich selbst als das größte politische Umsonst-und-Draußen-Festival Deutschlands und findet jedes Jahr in der wunderschönen Kastanienallee statt. Schon das diesjährige Motto „Nach oben treten“ machte deutlich, dass hier gesellschaftliche Verhältnisse kritisch hinterfragt werden sollen – ein Anspruch, den wir als Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen ausdrücklich teilen.

Wir freuten uns sehr über die Einladung der Festivalleitung, unsere Arbeit gegen Wehrpflicht und Militarisierung auf dem Festival vorzustellen und mit jungen Menschen über Kriegsdienstverweigerung ins Gespräch zu kommen. Gerade junge Menschen stehen aktuell wieder verstärkt im Fokus militärischer Planungen. Mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden sie systematisch erfasst, gleichzeitig nimmt die Präsenz der Bundeswehr in Schulen, auf Ausbildungsmessen und im öffentlichen Raum zu. Umso wichtiger war es für uns, dort präsent zu sein, wo junge Menschen zusammenkommen, diskutieren und politische Erfahrungen sammeln.

Bereits am Freitag begann unser Festivalwochenende. Gegen 14 Uhr trafen sich Franz und Jonas am Tübinger Bahnhof. Gemeinsam ging es zum Festivalgelände, wo der Stand aufgebaut wurde. Kurz darauf stieß auch Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) dazu und unterstützte uns beim Aufbau und bei den Vorbereitungen.

Der erste Programmpunkt ließ nicht lange auf sich warten. Bereits um 15.30 Uhr, nur eine halbe Stunde nach Festivalbeginn, startete unser Workshop zur Kriegsdienstverweigerung und zum Antimilitarismus. Trotz des zuvor ausgesprochen schlechten Wetters – zeitweise hatte es in Strömen geregnet – fanden rund zwölf Teilnehmende den Weg zur Veranstaltung. Besonders gefreut hat uns, dass darunter zwei Oberstufenkurse des Fachs Gemeinschaftskunde von unterschiedlichen Schulen waren. Die Fragen und Diskussionen zeigten deutlich, dass die Themen Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsdienstverweigerung viele junge Menschen beschäftigen.

Nach dem Workshop blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Für Jonas ging es direkt weiter zu einem Radiointerview bei der Wüsten Welle, dem freien Radio aus Tübingen. Dort stellte er die Ziele der KDV-Tour, die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung vor. Währenddessen lief am Stand die Beratung weiter.

Workshops auf dem RACT!: Wir gleich als erstes

In den folgenden Stunden entwickelte sich unser Stand zu einem lebendigen Ort der Begegnung. Immer wieder kamen junge Menschen vorbei, die wissen wollten, welche Rechte sie haben, falls die Wehrpflicht zurückkehrt. Andere fragten nach den Möglichkeiten einer Verweigerung als Reservistin oder Soldatin. Viele Gespräche drehten sich um die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft, die Aufrüstungspolitik der Bundesregierung und die Frage, welche Alternativen es zu militärischem Denken gibt.

Besonders auffällig war dabei, dass sich das Interesse nicht auf die unmittelbar Betroffenen beschränkte. Junge Eltern informierten sich für ihre Kinder, Großeltern nahmen Flyer und Broschüren mit, um sie an ihre Enkelkinder weiterzugeben. Immer wieder begegneten wir Menschen, die sich große Sorgen über die aktuelle politische Entwicklung machten und nach Orientierung suchten.

Kurz vor dem Andrang, von dem wir keine Fotos haben 🙂

Das Thema Krieg und Militarisierung war auf dem Festival allgegenwärtig. In zahlreichen Gesprächen wurde deutlich, dass viele Menschen die derzeitige politische Entwicklung mit Sorge betrachten. Die Milliardenprogramme für Aufrüstung, die Debatten über Kriegstüchtigkeit und Wehrpflicht sowie die zunehmende militärische Präsenz im Alltag beschäftigen viele Besucher*innen.

Natürlich waren die Reaktionen auf uns nicht ausschließlich positiv. Bei einem Festival mit mehreren tausend Menschen trifft man auf die unterschiedlichsten politischen Auffassungen. Die Spannbreite reichte von großer Dankbarkeit für unser Beratungsangebot über ein kritisches Hinterfragen unserer Vorstellungen ziviler Verteidigung und gewaltfreier Konfliktbearbeitung bis hin zu offenen Anfeindungen für unsere pazifistische Haltung.

Besonders in Erinnerung geblieben sind Gespräche mit jungen queeren Menschen, die ratlos und besorgt waren angesichts einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht und wissen wollten, welche Handlungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Gleichzeitig gab es auch Besucher*innen, die unsere Positionen entschieden ablehnten. Ein Anhänger der AfD warf uns vor, die „Retter Deutschlands“ zu diffamieren, und verteidigte die aktuelle Aufrüstungspolitik. Solche Begegnungen zeigen, wie kontrovers die gesellschaftliche Debatte inzwischen geführt wird.

Für uns bleibt dabei entscheidend, auf die historischen Erfahrungen hinzuweisen. Europa hat bereits erlebt, wohin Nationalismus, Militarisierung und Aufrüstung führen können. Gerade in einer Zeit, in der autoritäre und rechtsextreme Kräfte wieder an Einfluss gewinnen, halten wir es für gefährlich, militärische Stärke erneut zum zentralen politischen Leitbild zu erklären. Friedenspolitik bedeutet für uns internationale Zusammenarbeit, Diplomatie und zivile Konfliktbearbeitung – nicht immer größere Armeen und immer neue Rüstungsprogramme.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte unser Aktionsmaterial. Das große aufblasbare zerbrochene Gewehr entwickelte sich zu einem regelrechten Publikumsmagneten. Gemeinsam mit dem symbolischen Bundeswehr-Sarg, auf dem die Botschaft stand, dass dort eine Bundeswehrkarriere enden kann, zog unser Stand zahlreiche Menschen an. Viele machten Fotos, diskutierten über die Symbole oder kamen gerade deshalb erstmals mit uns ins Gespräch.

Die beiden Objekte erfüllten genau den Zweck, für den sie gedacht sind: Aufmerksamkeit erzeugen und Gespräche ermöglichen. Immer wieder standen Menschen vor dem Gewehr oder dem Sarg, machten Bilder und diskutierten miteinander. Für die Zukunft überlegen wir sogar, das Gewehr noch stärker als Fotopunkt für soziale Medien zu nutzen, um die Reichweite unserer Friedensarbeit weiter zu erhöhen.

Auch unsere Sticker erfreuten sich großer Beliebtheit. Zahlreiche Besucher*innen deckten sich damit ein und räumten unsere Bestände beinahe leer. Vielleicht taucht der eine oder andere davon künftig wieder an Laternen, Stromkästen oder anderen Orten im Tübinger Stadtbild auf.

Der Samstag begann für uns etwas entspannter. Während auf dem Festivalgelände bereits das Programm lief und prominente Gäste wie Volker Wissing und Saskia Esken (abgesagt) über Demokratie diskutierten (sollten), entschieden wir uns nach dem langen Vortag lieber für einen ruhigeren und ehrlicheren Start. Wir nutzten die Gelegenheit, auszuschlafen und die schöne Universitätsstadt Tübingen zu erkunden.

Am Nachmittag kehrten wir auf das Festivalgelände zurück. Bei guter Musik, sommerlichem Wetter und entspannter Atmosphäre bauten wir unseren Stand erneut auf. Schnell entstanden wieder zahlreiche Gespräche. Dabei merkten wir auch, dass das Publikum am Samstagnachmittag etwas weniger jung, etwas weniger links und insgesamt weniger antimilitaristisch geprägt war als am Vortag. Die Gespräche wurden dadurch diskursiver und kontroverser. Gerade daraus entstanden jedoch viele interessante Diskussionen über Wehrpflicht, Aufrüstung und Friedenspolitik. Manche Besucher*innen waren bereits am Freitag bei uns gewesen und kamen nun erneut vorbei. Andere entdeckten unseren Stand erstmals und nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren oder Material mitzunehmen.

Bis etwa 22 Uhr waren wir auf dem Festival präsent. Danach begann der Abbau. Während rund um uns herum noch gefeiert wurde, verschwanden Gewehr, Sarg, Pavillon und Infomaterial nach und nach wieder im KDV-Mobil. Am nächsten Morgen sollte die Tour bereits weitergehen – zur nächsten Station nach Mannheim.

Ein besonderer Dank gilt der Informationsstelle Militarisierung (IMI), die uns während des gesamten Festivals unterstützt hat. Zwischen der IMI und der DFG-VK Baden-Württemberg bestehen seit vielen Jahren enge Verbindungen. Viele Aktive engagieren sich in beiden Organisationen und arbeiten gemeinsam daran, Militarisierung kritisch zu analysieren und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Besonders bedanken möchten wir uns bei Reza und Pablo. Mit ihrem Fachwissen, ihrer Schlagfertigkeit, ihrer Geduld und ihrer großen Empathie haben sie unseren Stand bereichert und unzählige Gespräche mit Besucher*innen geführt. Ihre Unterstützung war für uns fachlich wie menschlich von großem Wert.

Es war uns eine große Freude, mit euch gemeinsam für Frieden, Aufklärung und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung einzutreten.

Das Ract!-Festival war für uns weit mehr als nur eine weitere Station der Tour. Nirgendwo sonst erreichten wir innerhalb von zwei Tagen so viele junge Menschen. Die zahlreichen Gespräche, die große Nachfrage nach Informationen und die vielen positiven Rückmeldungen machten deutlich, wie wichtig es ist, die Themen Kriegsdienstverweigerung und Antimilitarismus gerade dort sichtbar zu machen, wo junge Menschen zusammenkommen.

Wenn wir auf die Tour zurückblicken, dann war Tübingen nicht nur eine Station. Es war das Herzstück der Reise. Hier wurde besonders deutlich, dass viele Menschen keine Lust auf Töten und Sterben für Deutschland haben, sich Gedanken über eine friedliche Zukunft machen und nach Antworten auf die Krisen unserer Zeit suchen.

Genau für diese Menschen sind wir unterwegs. Genau für diese Menschen ist es wichtig, Kriegsdienstverweigerungsberatung anzubieten. Und genau deshalb braucht es auch in Zukunft eine starke antifaschistische Friedensbewegung.

14. Juni – Mannheim

Kriegsdienstverweigerung trifft Veteranentag

Nach zwei intensiven Tagen auf dem Ract!-Festival in Tübingen führte die KDV-Tour am 14. Juni nach Mannheim. Dort traf sie auf eine Situation, die aktueller kaum hätte sein können. In Mannheim wurde der Veteranentag begangen – ein bundesweiter Aktionstag, mit dem Soldat*innen stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt und militärischer Dienst gesellschaftlich aufgewertet werden soll.

Für die DFG-VK Baden-Württemberg war schnell klar, dass wir an diesem Tag nicht einfach nur informieren, sondern auch Position beziehen würden.

Die Proteste wurden von einem breiten Bündnis getragen. Gemeinsam mit der Regionalgruppe Mannheim der DFG-VK, der Interventionistischen Linken, der Partei Die Linke, der Initiative Soziale Kämpfe Mannheim (ISK), dem Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung Mannheim (OTKM), den Schulstreiks gegen Wehrpflicht sowie weiteren Aktiven beteiligten wir uns an den Aktionen gegen den Veteranentag.

Denn aus unserer Sicht ist dieser Veteranentag weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldat*innen. Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken soll. Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit wachsender Aufrüstung, der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, einer zunehmenden Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum und neuer Debatten über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Genau gegen diese Entwicklung richtete sich unser Protest.

Die Bilder des Tages waren eindrucksvoll. Transparente mit Aufschriften wie „Verweigern“, „Desertieren“ und „Sabotieren“ machten deutlich, dass viele Menschen die aktuelle Entwicklung kritisch sehen. Die Proteste waren entschlossen, kreativ und sichtbar. Sie machten deutlich, dass die Militarisierung der Gesellschaft keineswegs widerspruchslos hingenommen wird.

In zahlreichen Redebeiträgen wurde kritisiert, dass militärischer Dienst zunehmend öffentlich gewürdigt und aufgewertet wird, während gleichzeitig soziale Bereiche unter Finanzierungsdruck geraten. Teilnehmer*innen stellten die Frage, warum Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden, während in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und anderen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Mitten in diesem Umfeld war auch die KDV-Tour präsent. Das KDV-Mobil und unsere Informationsmaterialien boten die Möglichkeit, aus grundsätzlicher Kritik konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Die Beratung zur Kriegsdienstverweigerung stand an diesem Tag nicht im Mittelpunkt der Aktion, war aber ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots. Denn wer die zunehmende Militarisierung kritisch betrachtet, stellt sich häufig auch die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, sich militärischen Zwängen persönlich zu entziehen.

Deshalb informierten wir am Rande der Proteste über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Rechte von Reservistinnen und Soldatinnen. Wir machten deutlich, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht mit dem Eintritt in die Bundeswehr endet und dass niemand gegen sein Gewissen zum Militärdienst gezwungen werden sollte.

Auf der Kundgebung sprach auch Jonas Fehrenbach, Geschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg. In seiner Rede kritisierte er die aktuelle Aufrüstungspolitik, die gesellschaftliche Aufwertung des Militärs und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben.

Rede von Jonas Fehrenbach auf der Kundgebung gegen den Veteranentag

Die folgende Rede wurde am 14. Juni 2026 auf der Kundgebung gegen den Veteranentag in Mannheim gehalten:

Hallo,

mein Name ist Jonas Fehrenbach. Ich bin der Geschäftsführer des Landesverbandes Baden-Württemberg der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen in Baden-Württemberg.

Heute möchte ich aber auch als Vater von zwei kleinen Kindern zu euch sprechen.

Denn diese Aufrüstung, dieser Wahn von der größten Armee Europas und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben sind aus meiner Sicht brandgefährlich.

Brandbeschleuniger für unsere Gesellschaft. Brandgefährlich für unsere Demokratie und brandgefährlich für die Zukunft unserer Kinder.

Und genau deshalb stehe ich heute hier und protestiere gegen den Veteranentag.

Denn dieser Veteranentag ist weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldatinnen und Soldaten.

Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte unserer Gesellschaft rücken soll.

Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit von ungebremster Aufrüstung, von der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, von immer mehr Bundeswehr an Schulen, von Feriencamps der Bundeswehr für Kinder und Jugendliche, von der Militarisierung des Gesundheitswesens und von Debatten über die Wiedereinführung eines verpflichtenden Wehrdienstes.

All diese Entwicklungen verfolgen dasselbe Ziel: militärisches Denken und Handeln wieder als etwas Normales, Selbstverständliches und Positives in unserer Gesellschaft zu verankern.

Aber wir brauchen kein neues deutsches Heldentum.

Wir brauchen keinen Veteranentag.

Uns Pazifistinnen und Pazifisten wird oft vorgeworfen, wir seien naiv oder blind für die wirklichen Gefahren unserer Zeit.

Doch wenn bei uns angesichts dieser militaristischen Entwicklungen die Alarmglocken läuten, dann, wie ich finde, nur aus guten Gründen.

Denn wir sind nicht irgendein Land hier.

Deutschland hat vor nicht einmal 100 Jahren den Zweiten Weltkrieg entfesselt und mit dem Holocaust das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte zu verantworten.

Diese Verbrechen fielen nicht vom Himmel. Ihnen gingen Aufrüstung, Militarisierung, Feindbilder und die Verherrlichung von Gehorsam voraus.

Ohne einen in der Gesellschaft breit verankerten Militarismus wäre der Weg in den Krieg und der Holocaust nicht möglich gewesen.

Und genau deshalb halten wir die aktuelle Militarisierungs- und Aufrüstungsstrategie für geschichtsvergessen und gefährlich.

Die Lehre aus der deutschen Geschichte sollte deshalb nicht sein, wieder mehr Militär zu wollen.

Die Lehre muss sein, alles dafür zu tun, Konflikte friedlich zu lösen.

Und wir werden immer mehr.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen die ungebremste, von der Schuldenbremse ausgenommene Militarisierung unserer Gesellschaft nicht mittragen wollen.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen erkennen, dass Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit und militärische Stärke keine Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit sind.

Denn Panzer schaffen keine Kitaplätze, Raketen bekämpfen keine Armut und die Androhung von Gewalt schafft weder soziale Gerechtigkeit noch dauerhaften Frieden.

Wir stellen uns gegen die Wehrpflicht. Oder, wie wir sie lieber nennen: gegen den Kriegsdienstzwang.

Der Kriegsdienstzwang muss aus dem Grundgesetz gestrichen werden.

Denn niemand sollte gezwungen werden können, für Deutschland zu töten oder zu sterben.

Und solange er nicht aus dem Grundgesetz gestrichen ist, helfen wir Menschen dabei, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Dafür hat die DFG-VK bundesweit und auch hier in Baden-Württemberg ein Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und -beratern aufgebaut.

Informieren könnt ihr euch auf verweigern.info.

Wir helfen allen, die nicht für Deutschland töten und sterben wollen.

Und wir helfen auch Reservistinnen und Reservisten, die nicht für militärische Übungen und Kriegsvorbereitungen einberufen werden wollen.

Gerade sind wir mit unserer Kriegsdienstverweigerungstour zwei Wochen lang durch Baden-Württemberg unterwegs.

Von Aalen bis Lörrach informieren wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und darüber, wie man es wahrnehmen kann.

Und das ist erst der Anfang.

Wir werden uns weiter gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft wehren.

Wir wehren uns gegen den Veteranentag.

Wir wehren uns gegen neues deutsches Heldentum.

Auch für meine Kinder.

Für alle Kinder.

Denn sie haben es verdient, in einer friedlichen Gesellschaft aufzuwachsen.

Vielen Dank.

Die Redebeiträge der Kundgebung machten deutlich, was viele Menschen an diesem Tag bewegte. Spürbar war die Sorge vor einer Gesellschaft, in der militärisches Denken und militärische Lösungen wieder zunehmend als selbstverständlich gelten. Kritisiert wurde auch die politische Prioritätensetzung, die immer größere Summen für Aufrüstung und militärische Strukturen bereitstellt, während gleichzeitig in sozialen Bereichen, im Bildungswesen, im Gesundheitssektor und bei der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Es wurde davor gewarnt, dass diese Entwicklung nicht nur die Militarisierung der Gesellschaft vorantreibt, sondern auch soziale Ungleichheiten verschärft. Wenn Milliarden für Panzer, Raketen und militärische Infrastruktur verfügbar sind, während Kommunen Schwimmbäder schließen, Schulen sanieren müssen oder soziale Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, dann droht dies die gesellschaftliche Spaltung weiter zu vertiefen.

Mehrfach wurde dabei auch eine grundsätzliche Kritik an den wirtschaftlichen Interessen hinter Aufrüstung und Krieg formuliert. In den Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass von militärischen Konflikten und steigenden Rüstungsausgaben vor allem große Rüstungskonzerne und ihre Eigentümerinnen profitieren, während die Kosten von der Allgemeinheit getragen werden. Während wenige an Aufrüstung, Waffenexporten und militärischer Produktion verdienen, sind es im Ernstfall Soldatinnen und die Zivilbevölkerung, die Verwundung, Vertreibung, Leid und Tod erleiden.

Aus Sicht der Teilnehmer*innen besteht genau darin eine zusätzliche Gefahr der aktuellen Aufrüstungspolitik: Sie bindet nicht nur enorme finanzielle Ressourcen, sondern verschiebt auch politische Prioritäten. Statt soziale Probleme zu lösen, werden militärische Antworten immer stärker in den Mittelpunkt gestellt. Die Proteste gegen den Veteranentag richteten sich deshalb nicht allein gegen die Aufwertung des Militärischen, sondern auch gegen die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Folgen dieser Entwicklung.

Gerade deshalb war Mannheim eine wichtige Station der KDV-Tour. Nirgendwo sonst traf die politische Auseinandersetzung um Militarisierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit so unmittelbar auf das konkrete Angebot der Kriegsdienstverweigerungsberatung.

Gemeinsam mit unseren Bündnispartner*innen konnten wir zeigen, dass es auch in Zeiten wachsender Militarisierung Widerspruch gibt. Dass viele Menschen weiterhin für Diplomatie, zivile Konfliktbearbeitung und Abrüstung eintreten. Und dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Bestandteil einer demokratischen und friedensorientierten Gesellschaft bleibt.

Die Mannheimer Station machte deutlich: Die Debatte über Militarisierung wird nicht nur in Parlamenten geführt. Sie wird auch auf Straßen und Plätzen geführt – von Menschen, die sich eine friedlichere Zukunft wünschen und bereit sind, dafür öffentlich einzutreten.

Unterbrechung der KDV-Tour: Hessentag in Fulda

Nach den intensiven Stationen in Aalen, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen und Mannheim legte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 15. und 16. Juni 2026 eine kurze Pause ein. Zumindest auf den ersten Blick.

Tatsächlich bedeuteten die beiden Tage keineswegs Stillstand. Franz Grundschöttel machte sich stattdessen mit dem DFG-VK-Bus auf den Weg nach Fulda zum Hessentag. Die DFG-VK Hessen sowie die örtlichen Aktiven aus Fulda hatten schon länger um Unterstützung gebeten. Grund dafür war der umfangreiche Auftritt der Bundeswehr auf dem Hessentag. Wo das Militär mit großem Aufwand um Akzeptanz, Nachwuchs und gesellschaftliche Anerkennung wirbt, dürfen friedenspolitische und antimilitaristische Positionen nicht fehlen.

Deshalb wurde die KDV-Tour durch Baden-Württemberg für zwei Tage unterbrochen. Auch wenn die Aktionen in Fulda nicht Teil der baden-württembergischen Tour waren, gehörten sie doch zum gleichen Anliegen: Menschen über Militarisierung, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zu informieren und der allgegenwärtigen Bundeswehrwerbung eine kritische Perspektive entgegenzusetzen.

Für Franz bedeutete das einmal mehr: keine Pause, sondern zusätzliche Kilometer und weitere Tage friedenspolitischer Öffentlichkeitsarbeit. Nach dem Einsatz auf dem Hessentag unterstützte er einen Tag später noch einen Infostand in Aalen, bevor das KDV-Mobil wieder Kurs auf die nächste Station der Tour durch Ba-Wü nahm.

Wie bereits angekündigt, ging es am 17. Juni mit der KDV-Tour Baden-Württemberg weiter. Die nächste Station wartete bereits: Offenburg.

17. Juni – Offenburg

Infostand und Sommerfest gegen Wehrpflicht

Nach zwei Tagen Unterbrechung kehrte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 17. Juni wieder nach Baden-Württemberg zurück. Die nächste Station war Offenburg, wo die Tour gleich zwei sehr unterschiedliche Orte miteinander verband: die Offenburger Innenstadt und den Bürgerpark.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK Mittelbaden wurde zunächst in der Langestraße vor dem Gymnasium „Unserer Lieben Frau“ der Infostand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, die Friedensfahnen und das große Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ nicht mehr zu übersehen.

Wie an den anderen Stationen der Tour informierten wir über Wehrpflicht, Musterung, Kriegsdienstverweigerung und die Möglichkeiten, sich Krieg und Militarisierung entgegenzustellen. Auch in Offenburg stellten wir das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK vor und machten deutlich: Niemand muss sich mit Fragen zu Wehrpflicht oder Kriegsdienstverweigerung allein auseinandersetzen.

Der Standort vor dem Gymnasium sorgte dafür, dass viele Jugendliche direkt mit dem Infostand in Kontakt kamen. Einige nahmen Informationsmaterial mit, andere blieben für Gespräche stehen. Besonders das neue Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ zog Aufmerksamkeit auf sich und brachte die Botschaft der Aktion auf den Punkt. Das große zerbrochene Gewehr setzte dazu einen weithin sichtbaren Kontrapunkt zu den zunehmenden Forderungen nach Aufrüstung, Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit.

Schon in der Vorbereitung war es beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die jungen Menschen von „Nein zur Wehrpflicht“ und der SDAJ Offenburg das Sommerfest gegen Wehrpflicht auf die Beine stellten. Dabei fiel die Organisation ausgerechnet in eine Woche, in der vielerorts Aktionen gegen den Veteranentag stattfanden und die Schulstreiks gegen Wehrpflicht zu weiteren Protesten mobilisierten. Umso bemerkenswerter war es, dass dennoch ein so vielfältiges Programm auf die Beine gestellt wurde.

Am Nachmittag verlagerte sich die Aktion in den Bürgerpark. Dort fand ab 17 Uhr das Sommerfest gegen Wehrpflicht statt, das gemeinsam von der DFG-VK Mittelbaden, der SDAJ Offenburg und der Initiative „Nein zur Wehrpflicht“ organisiert wurde. Die Veranstaltung verband politische Information mit Kultur, Begegnung und gemeinsamer Organisierung.

Melind (Eine Hälfte des Freiburger Duos „Rotgeld“)

Gerade darin lag die besondere Stärke der Offenburger Station. Friedensarbeit besteht nicht nur aus Informationsständen, Flugblättern und politischen Forderungen. Sie lebt auch von Begegnung, Kreativität, Kultur und dem gemeinsamen Nachdenken darüber, wie eine friedlichere Gesellschaft aussehen kann. Das Sommerfest gegen Wehrpflicht machte dies möglich und sichtbar.

Inan Euro (Rap gegen Krieg)

Die gemeinsame Botschaft des Tages war klar: Die Militarisierung Deutschlands nimmt zu – auch in den Köpfen. Dem wollten die beteiligten Gruppen etwas entgegensetzen. Mit Information, Diskussion, Kultur und solidarischem Miteinander wurde deutlich gemacht, dass Wehrpflicht und Militarisierung nicht alternativlos sind.

Unser besonderer Dank gilt den jungen Aktiven von „Nein zur Wehrpflicht“, der SDAJ Offenburg sowie der DFG-VK Mittelbaden für die Organisation und Durchführung des Sommerfestes. Wir hoffen, als DFG-VK Baden-Württemberg unseren Teil dazu beigetragen zu haben, dass dieser Tag stattfinden konnte und zu einem sichtbaren Zeichen gegen Wehrpflicht und Militarisierung wurde.

Als sich der Abend langsam dem Ende zuneigte, hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern und alles im KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einer kurzen Nacht wartete bereits die nächste Station der Tour.

Die nächste Station führte weiter Richtung Süden: Freiburg.

18. Juni – Freiburg

Drei Stationen bei 40 Grad

Nach der Station in Offenburg führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 18. Juni nach Freiburg. Gemeinsam mit dem Freiburger Friedensforum und der DFG-VK Regionalgruppe Freiburg waren gleich drei Aktionsorte geplant. Ziel war es, sowohl Berufsschüler*innen als auch Studierende über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Beratungsangebote der DFG-VK zu informieren.

Die Freiburger Station sollte sich dabei als eine der anstrengendsten Etappen, aber auch als eine der sichtbarsten und öffentlich wirksamsten der gesamten Tour erweisen. Bei Temperaturen um die 40 Grad war nicht nur politische Überzeugung gefragt, sondern auch Ausdauer.

Den Bericht unserer Freiburger Freund*innen dokumentieren wir im Folgenden weitgehend in ihren eigenen Worten:

3 Stationen KDV-Info

Los ging es um 8.30 Uhr im Eschholzpark, wo sich ein großes Berufsschulzentrum befindet. Zuvor hatten wir Rendezvous mit Franz und seinem DFG-VK-Friedens-Transporter, um ihn in den Park zu lotsen, wo ihn bereits mehrere Aktivist*innen aus den lokalen Friedensgruppen erwarteten.

Routiniert wies Franz alle ein, um bei sengender Hitze einen Pavillon aufzubauen und alsbald das aufblasbare, symbolisch zerbrochene riesige Gewehr aufzustellen. Es setzte uns und einige Schülerinnen und Zuschauerinnen in Erstaunen, wie binnen kürzester Zeit das eingebaute elektrische Gebläse, gespeist von einem mobilen 40-kg-Akku, das Gewehr auf etwa drei Meter Höhe und fünf Meter Breite unübersehbar entfaltete.

Als weiterer Blickfang wurde aus dem Transporter ein grauer Sarg mit Flagge, Gewehr und Helm sowie der Aufschrift „Hier kann Deine Karriere bei der Bundeswehr enden“ am Weg zur Schule platziert.

Etliche Schüler*innen passierten den Weg sichtlich überrascht und waren oftmals hin- und hergerissen zwischen Neugier und vorsichtiger Distanz zu diesem Friedens-„Überfall“.

Einige von uns verteilten Flyer zur Kriegsdienstverweigerung, während andere das Gespräch mit den Schüler*innen suchten.

Kaum hatten sich unsere Abläufe und Tätigkeiten eingespielt, bauten wir auch schon ruckzuck alles wieder ab, um in der Pause vor einer anderen Berufsschule mit unserem aufgeblasenen Gewehr unübersehbar präsent zu sein.

Wir führten etliche Gespräche, bis wir dann zum schwierigsten und anstrengendsten Teil unserer Infotour aufbrachen.

Unter Polizeibegleitung zogen wir das Gewehr auf seiner angebrachten Transportplattform nebst 40 kg schwerem mobilem Akku etwa 1.000 Meter durch die Innenstadt zur dritten und letzten Station zwischen Mensa und Universitätsbibliothek und erregten damit viel Aufmerksamkeit.

An dieser stark frequentierten Stelle nahmen nicht nur Menschen in vorbeifahrenden Straßenbahnen die Werbung für Kriegsdienstverweigerung wahr, sondern auch unzählige Studierende auf dem Weg zur Mensa und zur Universitätsbibliothek.

Auch die Lokalzeitung war mit Fotograf und Reporterin vor Ort.

Doch leider erschien anschließend kein Bericht. Vielleicht, weil die Aktion – wie so oft bei unseren Aktivitäten – nicht in die politische Linie der Zeitung passte.

Nach insgesamt rund sechs Stunden Engagement und Einsatz bei knapp 40 Grad beendeten wir unsere Aktion und dankten dem Fahrer Franz, der anschließend nach Lörrach aufbrach, um dort am nächsten Tag weiterzumachen.

Der Freiburger Bericht zeigt eindrucksvoll, welcher organisatorische und körperliche Aufwand hinter einem solchen Tourstopp steckt. Drei Stationen müssen erst einmal angemeldet, aufgebaut und bespielt werden. Hinzu kommen unzählige Gespräche, der mehrfache Auf- und Abbau, der Transport des Materials quer durch die Stadt und die Herausforderung, bei Temperaturen um die 40 Grad einen kühlen Kopf zu bewahren.

Hier zeigte sich einmal mehr, welch große Unterstützung Franz mit seiner Erfahrung, Gelassenheit und Professionalität für die jeweiligen örtlichen Gruppen war. Auch in Freiburg war er weit mehr als nur Fahrer des KDV-Mobils. Er sorgte dafür, dass Material, Logistik und Ablauf funktionierten und die Aktiven sich auf ihre Gespräche und die politische Arbeit konzentrieren konnten.

Am Ende dieses langen und heißen Tages hieß es für Franz erneut: alles verstauen, das KDV-Mobil vorbereiten und weiterfahren. Die Tour führte nun zur letzten Station der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026: nach Lörrach.

19. Juni – Lörrach

Ein heißer Tourabschluss an der Schweizer Grenze

Mit der Station in Lörrach erreichte die KDV-Infotour am 19. Juni ihren Abschluss. Nach fast zwei Wochen unterwegs durch Baden-Württemberg endete die Reise dort, wo das Bundesland an die Schweiz grenzt. Begonnen hatte die Tour in Aalen nahe der bayerischen Grenze, nun führte sie bis an den südwestlichen Rand Baden-Württembergs. Kaum eine andere Station machte so deutlich, wie flächendeckend die Tour angelegt war.

Gemeinsam mit dem Kriegsdienstverweigerungsberater Franz Habig informierte die DFG-VK auf dem Bahnhofsvorplatz über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und Friedenspolitik. Wie an vielen anderen Orten war auch in Lörrach das große aufblasbare zerbrochene Gewehr aufgebaut. Gemeinsam mit dem symbolischen Sarg zog es die Aufmerksamkeit vieler Passantinnen und Passanten auf sich und bot einen niedrigschwelligen Einstieg in Gespräche über Krieg, Frieden und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Ergänzt wurde das Angebot durch einen Gewissensparcours, der Besucherinnen und Besucher dazu einlud, sich mit Fragen von Gewissen, Verantwortung und persönlicher Entscheidung auseinanderzusetzen. Außerdem bestand die Möglichkeit, an einem Preisausschreiben teilzunehmen, das zusätzliche Menschen an den Stand lockte und zahlreiche Gespräche ermöglichte.

Der Aktionstag fiel allerdings in eine außergewöhnliche Hitzewelle. Die Temperaturen näherten sich der 40-Grad-Marke und machten die politische Arbeit auf öffentlichen Plätzen zu einer besonderen Herausforderung. Viele Menschen suchten möglichst schnell Schatten oder klimatisierte Räume auf. Entsprechend war es schwieriger als an anderen Stationen, Passantinnen und Passanten für längere Gespräche zu gewinnen.

Dennoch ergaben sich wichtige Begegnungen. Besonders Jugendliche fühlten sich von den auffälligen Aktionsmaterialien angesprochen und kamen mit den Aktiven ins Gespräch. Dabei ging es um die drohende Rückkehr der Wehrpflicht, die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die Frage, wie sich junge Menschen für Frieden engagieren können. Auch andere Passantinnen und Passanten blieben stehen, informierten sich und diskutierten über aktuelle politische Entwicklungen.

Ursprünglich war geplant, den Infostand am Nachmittag vom Bahnhof in den Hebelpark zu verlegen. Dort sollte der Aktionstag mit weiteren Gesprächen und einem Auftritt des Musikers Ben Meech fortgesetzt werden. Aufgrund der extremen Hitze wurde jedoch entschieden, das Programm zu verkürzen. Der Infostand wurde bereits gegen 14 Uhr abgebaut und auf die Verlegung in den Hebelpark verzichtet. Nach den vielen Stationen der vergangenen Wochen konnte Tourfahrer Franz Grundschöttel damit die Heimreise zu seiner Familie antreten. Franz Habig und Frieder setzten ihre Friedensarbeit vor Ort dennoch fort und führten weitere Gespräche in Lörrach.

Ein besonderer Erfolg des Tages zeigte sich an anderer Stelle. Die Gespräche in Lörrach machten deutlich, dass es vor Ort Interesse an einer stärkeren friedenspolitischen Vernetzung gibt. Mehrere Menschen signalisierten Interesse daran, sich künftig in einer örtlichen Friedensgruppe zu engagieren. Franz Habig wird diese Kontakte weiterführen. Damit besteht die realistische Hoffnung, dass in Lörrach wieder eine aktive Regionalgruppe der DFG-VK entsteht.

Auch über die Tour hinaus sind bereits weitere Aktivitäten geplant. So soll am 6. August eine Friedensmahnwache zum Hiroshima-Gedenktag stattfinden. Außerdem ist eine Veranstaltung mit dem Religionspädagogen und DFG-VK-Mitglied Theo Ziegler in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung vorgesehen. Neben musikalischen Beiträgen wird dabei auch die aktuelle Friedenspolitik Thema sein.

Mit Lörrach endete eine intensive und erfolgreiche Reise durch Baden-Württemberg. Die Tour führte von der Ostalb bis an die Schweizer Grenze, von Schulhöfen über Marktplätze bis zu Festivals und Demonstrationen. Überall zeigte sich: Das Interesse an Informationen über Kriegsdienstverweigerung ist groß. Viele Menschen wollen wissen, welche Rechte sie haben und wie sie sich einer zunehmenden Militarisierung entgegenstellen können.

Die KDV-Infotour 2026 ist vorbei. Die Beratungsarbeit geht weiter. Die vielen Gespräche, die positive Resonanz, die neuen Kontakte und die große mediale Aufmerksamkeit haben gezeigt, dass eine solche Tour dringend gebraucht wird.

Die Rückmeldungen entlang der Strecke machen Mut. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis dieser Reise deshalb nicht nur, wie viele Menschen wir erreicht haben, sondern auch, wie viele Menschen sich eine Fortsetzung wünschen.

Die Resonanz auf die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026 ruft geradezu nach einer KDV-Tour Baden-Württemberg 2027. Was noch zu sagen wäre: Danke! Danke an alle, die diese wichtige Tour durch Baden-Württemberg möglich gemacht und ermöglicht haben. 

Unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter gegen den Kriegsdienstzwang

Eine solche Tour entsteht nicht im Landesbüro. Sie lebt von den Menschen vor Ort.

  • In Aalen unterstützten uns Roland Hamm von der DFG-VK Ostalb (noch zu gründen :-)) und Jürgen Menzel von act4transformation.
  • In Schwäbisch Hall trugen insbesondere Marianne Haufe und Gunther Reber die Aktion mit großem Engagement.
  • In Heilbronn unterstützten uns Andreas Stiegele, Brigitte Klein vom Friedensrat Heilbronn.
  • In Ludwigsburg organisierte die Regionalgruppe Ludwigsburg einen hervorragend vorbereiteten Aktionstag.
  • Auf dem Ract!-Festival in Tübingen halfen uns Reza und Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI).
  • In Mannheim unterstützte uns die Regionalgruppe Mannheim mit Otto Reger an der Spitze.
  • In Offenburg arbeiteten wir mit der Regionalgruppe Mittelbaden sowie der SDAJ Offenburg zusammen.
  • In Freiburg beteiligten sich die Regionalgruppe Freiburg und weitere Aktive des Friedensforums Freiburg.
  • In Lörrach organisierte Franz Habig als Kriegsdienstverweigerungsberater die örtliche Aktion.

Allen gemeinsam war das Ziel, Menschen über ihr Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren und ihnen praktische Unterstützung anzubieten. Dieses Eintreten für eine friedlichere Welt kann (in Zeiten wie diesen) gar nicht genug gewürdigt werden. 

7 Juli, 2026

§ Recht kurz §: Totalverweigerung

Von Stefan Philipp (Bearbeitungsstand: 03.07.2026)

PDF zum Download

Juristische Folgen einer Totalverweigerung der Wehrpflicht

In der KDV-Beratung taucht gelegentlich der Begriff „Totalverweigerung“ (TV) auf; auch die Bezeichnungen „Totale Kriegsdienstverweigerung“ (TKDV), „radikale Kriegsdienstverweigerung“ oder „Wehrpflichtverweigerung“ werden benutzt. Häufig ist dabei nicht ganz klar, was damit konkret gemeint ist und welche Folgen eine solche Verweigerung hat. Deshalb werden hier inhaltliche Zusammenhänge und juristische Folgen dargestellt.

Ausgangspunkt für die Totalverweigerung ist die Anmaßung des Staates, die männlichen Deutschen ggf. zu Soldaten zu machen und zum Kriegsdienst zu zwingen. Gegen einen solchen Kriegsdienstzwang, in der Sprache des Grundgesetzes als „Wehrpflicht“ bezeichnet, richtet sich die Kriegsdienstverweigerung (KDV). Je nach dem Selbstverständnis des KDVers reicht es ihm aus, wenn nur er nicht Soldat werden und direkten, bewaffneten Kriegsdienst leisten muss (bzw. dafür ausgebildet wird), und bereit ist, für den verweigerten Dienst einen Ersatz zu leisten. Er akzeptiert damit – ob gewollt oder nicht – das System des Kriegsdienstzwangs, u.U. sogar die Existenz von Militär. Oder aber: Er lehnt den Kriegsdienstzwang grundsätzlich ab und verweigert (insofern „total“) alle sich aus der Wehrpflicht ergebenden Folgen.

Das Wehrpflichtsystem ist so begründet: Nach dem Grundgesetz (GG) können alle deutschen Männer ab 18 Jahren zum Dienst in der Bundeswehr verpflichtet werden (Art. 12a GG). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts fordert die Verfassung die militärische Landesverteidigung (Art. 87a Abs. 1 GG); diese kann entweder durch die Wehrpflicht oder durch eine Freiwilligen-/Berufsarmee sichergestellt werden (Urteil v. 13.04.1978, Az: 2 BvF 1,2,4,5/77). Um für die Ende 1955 gegründete Bundeswehr genug Soldaten [!] rekrutieren zu können, wurde Mitte 1956 die Wehrpflicht mit dem Wehrpflichtgesetz (WPflG) gesetzlich eingeführt.

Inhalt und Dauer der Wehrpflicht sind durch § 3 WPflG festgelegt. Danach wird die Wehrpflicht durch den Dienst bei der Bundeswehr erfüllt, bei anerkannten KDVern nach Art. 4 Abs. 3 GG durch den Zivildienst. Sie beginnt mit 18 Jahren und endet im Frieden mit 45, im Krieg mit 60 Jahren; die Dienstdauer ist im Frieden begrenzt und gesetzlich bestimmt (derzeit keine Einberufungen), im Krieg unbefristet (limitiert nur durch die Altersgrenze 60, Verletzung und damit evtl. Untauglichkeit oder Tod). Außerdem gehören zur Wehrpflicht die Erfassung und die Musterung (§ 3 Abs. 1 WPflG). Wer sich grundsätzlich gegen die Wehrpflicht wehren und diesem staatlichen Kriegsdienstzwang nicht nachkommen will, der stellt eher keinen KDV-Antrag nach Art. 4 Abs. 3 GG; auch weil das KDV-Recht auf Gewissensgründe und bewaffneten Dienst beschränkt, eine Ersatzleistung erzwungen wird und KDVer in die sog. Gesamtverteidigung eingeplant sind. TV/TKDV kann dann Folgendes bedeuten:

Erfassungsverweigerung: Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) erhält nach § 15 WPflG in einem automatisierten Verfahren von den Meldeämtern zahlreiche Daten der Wehrpflichtigen und fordert seit dem 01.01.2026 diese nach § 15a WPflG zur Abgabe einer „Erklärung zur Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Wehrdienstleistung“ auf (Bereitschaftserklärung, „Fragebogen“). Der Datenübermittlung kann man rechtlich nicht widersprechen und sie faktisch nicht verhindern und sie damit nicht verweigern. Die Nichtabgabe der Bereitschaftserklärung ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld geahndet werden (geplant: 250 Euro. Siehe alles Weitere in „Recht kurz: Bußgeldverfahren“).

Musterungsverweigerung: (Ungediente) Wehrpflichtige müssen vor einer Heranziehung zum Wehrdienst gemustert werden (§ 16 Abs. 1 WPflG), um die Tauglichkeit und Eignung festzustellen. Die Wehrverwaltung baut die Kapazitäten für massenhafte Musterungen gerade erst auf und plant diese ab der Jahresmitte 2027. Wer die Musterung verweigert, kann dazu polizeilich vorgeführt werden (§ 44 Abs. 2 WPflG). Wenn eine solche scheitert, keinen Erfolg verspricht oder sich der Wehrpflichtige nicht untersuchen lässt, kann nach Aktenlage entschieden werden (§ 17 Abs. 10 WPflG). Die Stellung eines KDV-Antrags nach Art. 4 Abs. 3 GG entbindet nicht von der Musterung, im Gegenteil: Nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 des Kriegsdienstverweigerungsgesetzes (KDVG) wird der KDV-Antrag bei Verweigerung der Musterung abgelehnt.

Verweigerung des Wehr- oder Zivildienstes: Wer tauglich und verfügbar (es liegen keine keine Ausschluss-, Befreiungs- oder Zurückstellungsgründe vor) ist, kann zum Bundeswehr- oder (im Falle der Anerkennung als KDVer) Zivildienst einberufen werden. Wer den Dienst grundsätzlich verweigert, also der Einberufung nicht folgt oder die Dienststelle mit der Absicht verlässt, dauerhaft keinen Dienst zu leisten, wird strafrechtlich verfolgt. Auf Fahnenflucht (§ 16 Wehrstrafgesetz; WStG) und Dienstflucht (§ 53 Zivildienstgesetz; ZDG) stehen bis zu 

5 Jahre Freiheitsstrafe (Gefängnis). Soldaten können daneben disziplinarisch verfolgt und mit bis zu 63 Tagen Disziplinararrest (bundeswehrinterne Inhaftierung) belegt werden. Da derzeit keine Zwangseinberufungen erfolgen (§ 2 Abs. 3 WPflG = teilweise noch ausgesetzte Wehrpflicht), kann (und muss) kein Dienst verweigert werden. Bei einer später dann ggf. möglichen Totalverweigerung sollte man sich anwaltlich beraten lassen.

7 Juli, 2026

§ Recht kurz §: Bußgeldverfahren

Von Stefan Philipp (Bearbeitungsstand: 03.07.2026)

PDF zum Download

Ablauf des Bußgeldverfahrens bei Erfassungsverweigerung

Wer der Aufforderung durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) zur Abgabe einer „Erklärung zur Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Wehrdienstleistung“ („Fragebogen“) nach § 15a des Wehrpflichtgesetzes (WPflG) nicht nachzukommen will, sollte Rechtsfolgen und Verfahren kennen.

Nach § 45 Abs. 1 Nr. WPflG ist die „nicht richtig[e] oder nicht vollständig[e]“ Abgabe einer Bereitschaftserklärung eine Ordnungswidrigkeit; diese „kann mit einer Geldbuße geahndet werden“ (45 Abs. 2 WPflG). Aktuell liegend noch keine Bußgeldbescheide vor, geplant ist nach Informationen aus dem Bundesministerium der Verteidigung ein Betrag von 250 Euro.

Im Gegensatz zu Straftaten (z.B. Körperverletzung, Raub, Totschlag), die von der Staatsanwaltschaft ermittelt und mit einem Strafbefehl geahndet oder angeklagt, vor Gericht verhandelt und u.U. mit Gefängnis bestraft werden und im Führungszeugnis auftauchen, sind Ordnungswidrigkeiten (z.B. Falschparken, Ruhestörung, Handy am Steuer) leichtere Rechtsverstöße, die von Verwaltungsbehörden mit Verwarnungs- oder Bußgeld sanktioniert und nicht ins Führungszeugnis aufgenommen werden.

Geregelt ist das im Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG). Bußgeldbehörde ist für die Fälle der Erfassungsverweigerung gemäß § 45 Abs. 3 WPflG das BAPersBw mit Sitz in Köln. Ein Bußgeldbescheid muss zugestellt werden (per Zustellungsurkunde = „gelber Brief“ oder per Übergabeeinschreiben bzw. Einschreiben mit Rückschein – siehe Verwaltungszustellungsgesetz). Der Bescheid muss eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten (§ 50 Abs. 2 i.V.m. § 66 Abs. 2 OWiG), also eine Erklärung darüber, wie man sich rechtlich gegen den Bescheid wehren kann. Das Rechtsmittel gegen einen Bußgeldbescheid ist der Einspruch, der innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe schriftlich (und nicht per E-Mail!) einzulegen ist (§ 67 Abs. 1 OWiG), am besten per Einschreiben mit Rückschein. Über den Einspruch entscheidet ein Einzelrichter beim Amtsgericht (AG) Köln (§ 68 Abs. 1 OWiG) bzw. ein Jugendrichter beim AG Köln (§ 68 Abs. 2 OWiG) in öffentlicher Verhandlung, wenn der Betroffene unter 21 Jahre alt und damit rechtlich sog. Heranwachsender (§ 1 Abs. 2 Jugendgerichtsgesetz) ist. Da die Aufforderung zur Abgabe der Bereitschaftserklärung planmäßig an alle 18 Jahre alt gewordenen Männer geht, dürften absehbar alle Verhandlungen über Einsprüche gegen Bußgeldbescheide vor dem Jugendgericht (JG) in Köln verhandelt und entschieden werden. Das AG Köln mit seiner JG-Abteilung ist eines der größten deutschen Amtsgerichte; dort werden von ca. 170 Richter*innen jährlich über 50.000 Straf-, Ordnungswidrigkeiten- und Zivilverfahren erledigt. Anders als im Strafverfahren, bei dem ein Verschlechterungsverbot gilt (für den Fall, dass nach einer erstinstanzlichen Verurteilung ausschließlich der Verurteilte Berufung einlegt), ist im Einspruchsverfahren das Gericht nicht an die Höhe des Bußgeldbescheids gebunden – das Gericht könnte also auch ein höheres Bußgeld verhängen. Nach § 17 Abs. 1 OWiG beträgt eine Geldbuße zwischen fünf und 1.000 Euro. Gegen ein Urteil des AG/JG gibt es das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde. Eine solche ist nach § 79 Abs. 1 Nr. 1 OWiG allerdings nur zulässig, wenn das Gericht zu einem höheren Bußgeld als 250 Euro verurteilt hat.

Nach Rechtskraft der Entscheidung ist diese vollstreckbar (§ 89 OWiG), das Bußgeld muss also bezahlt werden und fließt in die Bundeskasse (§ 90 Abs. 2 OWiG), Vollstreckungsbehörde ist das BAPersBw (§ 92 OWiG). Wer nicht bezahlt, kann einmalig bis zu sechs Wochen in Erzwingungshaft genommen werden (§ 96 OWiG).

Bei der Erfassungsverweigerung ist mit diesen Kosten zu rechnen: Zum Bußgeld hinzu kommen eine Verwaltungsgebühr (28,50 Euro) und ggf. die Gerichtsgebühren (50 Euro), außerdem evtl. eigene Reise- und Übernachtungskosten, das persönliche Erscheinen in der Verhandlung ist normalerweise angeordnet (§ 73 OWiG). Falls man sich anwaltlich vertreten lässt, können leicht weitere Kosten von 1.000 bis 2.000 Euro hinzukommen.

Die Aussichten, sich gegen ein Bußgeld erfolgreich juristisch zu wehren, sind gering. Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG), mit dem das WPflG um den § 15a ergänzt wurde, ist formal korrekt zustande gekommen und (wohl) nicht verfassungswidrig. Um die Rechtswidrigkeit (als Grundlage der Bußgeldahndung) der Nichtabgabe einer Bereitschaftserklärung auszuschließen, kämen allenfalls Notwehr (§ 15 OWiG) oder rechtfertigender Notstand (§ 16 OWiG) in Betracht, das dadurch geschützte Rechtsgut wäre die vom Grundgesetz (GG) als unverletzlich garantierte und geschützte Gewissensfreiheit (Art. 4 Abs. 1 GG). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) wird die Reichweite der Gewissensfreiheit im Bereich der Wehrpflicht allerdings durch Art. 4 Abs. 3 GG abschließend geregelt (Beschluss d. BVerfG v. 20.12.1960, Az. 1 BvL 21/60 = BVerfGE 12,45). Die Erfassung erfolgt aber im Rahmen der Wehrpflicht (besser: Kriegsdienstzwang), die sich also solche legal nicht verweigern lässt, sondern lediglich auf Antrag der Dienst als Soldat bei der Bundeswehr.

27 Juni, 2026

PM: KYRA BRAND AUS DEM NELLENBURG GYMNASIUM STOCKACH ERHÄLT DEN ULLI THIEL FRIEDENSPREIS 2026

KYRA BRAND AUS DEM NELLENBURG GYMNASIUM STOCKACH
ERHÄLT DEN ULLI THIEL FRIEDENSPREIS 2026

Der „Ulli-Thiel-Friedenspreis“ für Schüler:innen in Baden-Württemberg wurde zum siebten Mal verliehen und stärkt die Friedensbildung an Schulen. Dies wurde bei der Preisverleihung am 26. Juni 2026 im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart deutlich.

Es gab mehr als 60 Einsendungen von 28 verschiedenen Schulen. Insgesamt wurden dieses Jahr 14 Beiträge ausgezeichnet. Darunter waren vielfältige kreative und literarische Arbeiten, die von hohem Engagement zeugen. Die Jury hatte daher eine schwierige Entscheidung zu treffen. Deshalb entschied sie sich, noch zehn Anerkennungspreise zu verleihen.

Den mit 500 Euro dotierten ersten Preis erhielt Kyra Brand für ihre „Geschichten eines Kindes“.

Kyra Brand besucht die Kursstufe 1 des Nellenburg-Gymnasiums in Stockach. In ihrer Geschichtensammlung setzt sie sich damit auseinander, dass Kinder am schlimmsten von Kriegen betroffen sind. Sie schreibt in ihrer Bewerbung: „Ich wollte nicht einfach nur über den Frieden schreiben, sondern vielmehr auch den Horror und die Schrecken des Krieges aus der Perspektive eines Kindes darstellen. Damit endlich Frieden entstehen kann“. Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen und berühren.

Die weiteren Preise, jeweils mit 150 Euro dotiert, gehen an 13 unterschiedliche Schulen. Mal sind es Einzelpreise, wie für Lennox Ahlskog vom Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen, dessen Bild eine Rakete in einem Käfig zeigt. Seine Aussage dazu: „Wer Frieden will, muss umdenken.“ Friedensspiele, die die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema fördern, wurden von Schüler:innen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Weinheim und der Gewerblichen Schule in Schwäbisch Hall entwickelt.

Die Arbeiten der Steinlachschule Mössingen zeigen, dass Frieden bunt und kreativ ist. Die Klasse zeichnete in Anlehnung an James Rizzi friedvolle Städte. Die Kunst-AG der Lindenrain-Schule Ebhausen stellte Friedenssymbole aus Ytong her und machte sich zu ihrer Bedeutung Gedanken. Lieder gegen den Krieg und für den Frieden wurden von einer Klasse der Erich-Kästner-Realschule Offenburg und der Song-AG des Hohenstaufen-Gymnasium Göppingen eingereicht. Die Frage „Was braucht ein Kind?” versuchten Grundschüler:innen der Grundschule Kreuzäcker und der Sonnenhofschule Schwäbisch Hall in einem kleinen Büchlein darzustellen. Ebenso ausgezeichnet wurden beeindruckende Texte oder Gedichte, eingereicht von der Hilde-Domin-Schule Herrenberg, der Europäischen Schule Karlsruhe, dem Schlossgymnasium Künzelsau und Fanny Rupel aus dem Suso-Gymnasium Konstanz.

Bischof Dr. Klaus Krämer hielt die Laudatio: „Eure Arbeiten sind für mich und viele Menschen ein Zeichen der Hoffnung, da sie zeigen, dass jede und jeder etwas für den Frieden tun kann. Sie geben jedem Menschen den Impuls mit, dass es sich lohnt, die Chance auf Mitgestaltung eines friedlichen Zusammenlebens zu ergreifen. Ihr seid damit auch Vorbilder für andere, auch über eure Schule hinaus.“ Damit wurde die Wertschätzung dieser Arbeiten deutlich.

Sonnhild Thiel, Ehefrau des verstorbenen Namensgebers des Preises, betonte in ihrer Rede: „Folgt nie einem Befehl, informiert euch, denkt selbst nach und entscheidet freiwillig nach eurem Gewissen und nach den Prinzipien der Menschenrechte.“

Die neue Ausschreibung für den Wettbewerb 2026/ 27 startet am Weltfriedenstag, 21. September 2026.

Zum Hintergrund:

Der Preis wird von der Evangelischen Landeskirche in Baden, der DFG-VK Baden-Württemberg, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), „pax an!“ – Werkstatt für Pazifismus, Friedenspädagogik und Völkerverständigung, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und pax christi Freiburg und Rottenburg-Stuttgart ausgelobt.

Ulli Thiel (1943 – 2014) war Sonderschullehrer, Friedensaktivist und Ideengeber der Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm 1983, der bislang

größten Aktion der Friedensbewegung in Deutschland. Von ihm stammt der Spruch „Frieden schaffen ohne Waffen“, der zum Motto des Preises geworden ist.

19 Juni, 2026

Streiken statt schießen

Anna und Jakob von Schulstreik gegen Wehrpflicht in Frankfurt erklären, wie es nach drei bundesweiten Aktionstagen weitergeht

Interview: Hêlîn Dirik

Der nächste Streiktag gegen Wehrpflicht ist in Planung – aber dabei allein bleibt es nicht. Foto: Schulstreik gegen Wehrpflicht FFM

Im Dezember wurde ein neues Wehrdienstgesetz beschlossen, das seit dem 1. Januar 18-jährige Männer verpflichtet, Fragebögen der Bundeswehr auszufüllen. Verpflichtende Musterungen sollen ab Juli 2027 beginnen. Die Schulstreik-gegen-Wehrpflicht-Bewegung organisiert sich dagegen und hat diesen Monat ein drittes Mal bundesweit gestreikt. Anna und Jakob, die den Schulstreik in Frankfurt am Main mitorganisieren, sprechen im Interview darüber, was als Nächstes ansteht und wie es mit den Schulstreiks weitergeht.

Ihr habt am 8. Mai euren dritten Streik seit Dezember durchgeführt. Wie lief es diesmal, und was war anders im Vergleich zu den Streiks davor?

Jakob: Wir haben mit dem Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus einen geschichtsträchtigen Tag zum Streiken gewählt und wollten damit bewusst ein Zeichen setzen gegen Krieg, Militarisierung und Faschismus. Hier in Frankfurt am Main waren diesmal um die 600 Schüler*innen auf den Straßen, also schon etwas weniger als beim letzten Mal, aber die Energie war trotzdem stark. Wenn man sich Umfragen von Schüler*innen für Schüler*innen ansieht, merkt man, dass das Thema immer noch viele beschäftigt und es eine riesige Ablehnung der Wehrpflicht gibt. Viele haben weiterhin Angst, eingezogen zu werden und für Deutschland kämpfen und sterben zu müssen.

Anna: Die letzte Demo im März hier war sehr davon geprägt, dass alle möglichen organisierten Gruppen da waren und Präsenz gezeigt haben. Diesmal war es schon mehr eine Schüler*innen-Demo, und es waren deutlich mehr jüngere Schüler*innen dabei. Das liegt auch daran, dass wir in den letzten Wochen Schulgruppen aufgebaut haben, von ihnen waren einige da und sehr sichtbar.

Was sind diese Schulgruppen?

Jakob: Wir haben an verschiedenen Schulen welche gegründet, mit dem Ziel, dass wir Schüler*innen anfangen, uns mehr selbst zu organisieren und für uns selbst zu arbeiten. Die Schüler*innen einer Schule tun sich dann zusammen, bemalen zusammen Plakate, machen Umfragen zur Wehrpflicht, flyern und treten in Kontakt mit anderen Schüler*innen, um zu mobilisieren und zu diskutieren. Sie reisen dann meist auch gemeinsam zu den Demos an – das gibt ein schönes Bild, wenn dann Plakate zu sehen sind mit »Schule xy gegen die Wehrpflicht«.

Anna und Jakob

Jakob, 16, ist seit Beginn bei den Schulstreiks aktiv und hat eine Schulgruppe gegen Wehrpflicht aufgebaut. Anna, 25, ist in einer Jugendorganisation aktiv und unterstützt den Aufbau der Schulstreikbewegung.

Woran lag es eurer Meinung nach, dass es diesmal weniger Beteiligung gab?

Anna: Zum einen an Abitur-Prüfungen, aber es gab auch viele Versuche der medialen Einschüchterung und staatlicher Repression. Das sorgt für Frustration und hält Schüler*innen von vielen Aktionen ab. Es gibt einige Schulleitungen, die unseren Streiks gegenüber positiver eingestellt sind und sogar sagen, dass sie keine Fehlstunden eintragen. Aber eben auch Schulen, bei denen die Schultore verschlossen wurden, um die Schüler*innen vom Streiken abzuhalten. Ein Schüler, der den Streik an seiner Schule groß gemacht hat, hat sogar eine Klassenkonferenz bekommen, weil er geflyert hat. Lehrer*innen haben ihm auch vorgeworfen, dass er Schüler*innen zum Schwänzen animieren würde. Viele von ihnen scheinen zu vergessen, dass im Hessischen Schulgesetz auch steht, dass Lehrer*innen und Schulen einen Auftrag für Friedensbildung haben.

Wir hoffen, dass eine starke internationale Bewegung gegen Krieg entsteht.

Jakob: Es gab einen Artikel der Hessenschau, der behauptete, unsere Schulstreiks seien von der SDAJ gesteuert. Ich weiß, dass auch das einige davon abgehalten hat zu kommen. Medial wird versucht, uns als Schulstreikende schlecht dastehen zu lassen und Angst zu schüren. Auch der Verfassungsschutz hat noch am Tag vor den Streiks vor uns gewarnt. In Teilen stimmt es ja auch, dass auch Schüler*innen, die bei der SDAJ organisiert sind, Teil des Streikbündnisses sind. Aber das ist nur ein kleiner Teil und liegt eben daran, dass es schon immer ein linkes und auch kommunistisches Interesse war, Krieg zu verhindern. Es steuert uns aber niemand, wir sind eine basisdemokratische Bewegung. Am Ende stehen wir als Schüler*innen gemeinsam gegen Wehrpflicht und Krieg und werden uns weder vom Verfassungsschutz noch von medialer Diffamierung spalten lassen.

Ihr habt drei Streiktage und zwei bundesweite Streikkonferenzen hinter euch. Wie sieht euer Fahrplan für die nächste Zeit aus? Bleibt ihr dabei, alle paar Monate zu streiken, oder habt ihr noch anderes vor?

Jakob: Die Streiks werden wir auf alle Fälle fortsetzen, das ist für uns das effektivste Mittel. Sie sind ein starkes Zeichen und zeigen, wie ernst wir es meinen. Wir gehen nicht zur Schule, lernen nicht, lassen die Klassenräume leer und stellen uns so gegen die Pläne der Regierung. Bis zum nächsten Streik im Herbst wollen wir unsere Organisierung stärken und ausbauen.

Anna: Wir werden uns jetzt auch vermehrt dagegen organisieren, dass Bundeswehroffiziere an Schulen kommen. Aber auch Aktionen zum Veteranentag nächsten Monat, weitere Streikkonferenzen und die Teilnahme an den Friedensdemos am 3. Oktober sind geplant. Wir wollen außerdem Bündnisse stärken und die Bewegung so breit aufziehen, dass alle, die gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht sind, mitmachen können. Aber auch inhaltliche Auseinandersetzungen vertiefen, deshalb findet der nächste Streik auch erst im Herbst statt. So haben wir mehr Zeit für Austausch.

Um welche Themen geht es dabei?

Anna: In Offenbach zum Beispiel haben wir kürzlich eine Veranstaltung über Militarisierung in Deutschland gemacht, in deren Anschluss wir auch das Streikkomitee dort gegründet haben. Wir haben uns da auch Werbevideos der Bundeswehr zusammen angesehen und analysiert, wie gerade Jugendliche dadurch angesprochen werden und was das alles mit uns macht. Bei den Streikkonferenzen haben wir außerdem auch mehr über die Rolle von Frauen in der Bewegung gesprochen, wie Militarisierung Frauen trifft und was es bedeutet, dass eine ganze Generation von Männern in ein Regime von Gehorsam reinerzogen wird. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht würde nicht nur junge Männer ab Jahrgang 2008 betreffen, sondern die Gesellschaft insgesamt, also auch Frauen. Diese Perspektive wollen wir auf den kommenden Demonstrationen und in den lokalen Strukturen weiter vertiefen und diskutieren.

Gibt es ein übergeordnetes Ziel der Bewegung? Und was ist eure persönliche Hoffnung, wie sie sich entwickelt?

Jakob: Meine Hoffnung ist, dass eine starke deutschlandweite, aber auch internationale Bewegung gegen Krieg und Militarisierung entsteht. Der Kampf gegen die Wehrpflicht ist da ein guter Anfang, und die Bündnisse, die wir dabei aufgebaut haben, müssen wir beibehalten und weiterführen. Und ich hoffe, dass die Jugend aktiv wird und bleibt, dass wir als Jugendliche mehr Einfluss auf die Zukunft dieser Welt haben.

Anna: Krieg zu verhindern, würde ich sagen, ist das große Ziel. Und dass vielleicht in ganz Europa eine Schulstreikbewegung entsteht und wir als Jugendliche zeigen, dass wir nicht gegeneinander kämpfen werden. Wir sind auch im Kontakt mit Genoss*innen in anderen Ländern, einige von ihnen haben auch an unserer Streikkonferenz teilgenommen, das gibt uns Hoffnung. Die Bundeswehr versucht mit Versprechen nach Kameradschaft zu locken, in einer Situation, in der viele Jugendliche nach Sinn suchen, die Hoffnung verlieren und vereinsamen. An der Front zu kämpfen, um angeblich die Demokratie oder die Freiheit zu verteidigen, ist aber nicht in unserem Sinn. Als Jugendliche können wir uns gegen die Ohnmacht wehren und selbst einen Sinn schaffen, indem wir gemeinsam nicht nur Krieg verhindern, sondern auch Werte wie Frieden verteidigen und eine Alternative zu Militarisierung und Krieg schaffen.

Hêlîn Dirik

ist Redakteurin bei ak.

Aus AK Zeitung für linke Debatte und Kritik, Nr. 726, 19.05.2026

15 Juni, 2026

Bundesregierung erklärt Zahlen zur Kriegsdienstverweigerung zur Staatsgeheimsache

DFG-VK kritisiert beispiellosen Angriff auf Transparenz bei der Ausübung eines Grundrechts

Stuttgart, 15.6.2026 – Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) kritisiert die Weigerung der Bundesregierung, aktuelle Zahlen zur Kriegsdienstverweigerung offenzulegen (siehe https://dserver.bundestag.de/btd/21/062/2106256.pdf). In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage verweist die Bundesregierung erstmals darauf, dass die Veröffentlichung entsprechender Daten das „Staatswohl“ gefährden könne.

„Das ist ein neuer Tiefpunkt staatlicher Intransparenz“, erklärt Cornelia Mannewitz, Bundessprecherin der DFG-VK. „Wir reden hier nicht über geheime Einsatzpläne, Waffensysteme oder militärische Fähigkeiten. Es geht um Menschen, die von ihrem Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch machen.“

Noch vor wenigen Monaten wurden entsprechende Zahlen regelmäßig veröffentlicht. So teilte die Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen detailliert mit, wie viele Menschen Kriegsdienstverweigerungsanträge gestellt hatten. Für das Jahr 2024 wurden beispielsweise 2.998 Anträge genannt, im Jahr 2025 betrug die gemeldete Anzahl eingereichter Anträge bereits 7.691.

Die DFG-VK hält die nun vorgebrachte Begründung für politisch hochproblematisch. Wenn bereits Informationen über die Inanspruchnahme eines Grundrechts als sicherheitsrelevant eingestuft werden, verschiebt sich die Grenze dessen, was einer demokratischen Kontrolle zugänglich ist.

„Eine Demokratie muss aushalten, dass sichtbar wird, wie viele Menschen keinen Dienst an der Waffe leisten wollen. Wer die Zahl der Kriegsdienstverweigerer geheim hält, schützt nicht die Sicherheit des Landes, sondern verhindert öffentliche Debatten über die gesellschaftliche Akzeptanz von Militarisierung und Wehrdienst.“

Die Entwicklung ist besonders brisant, weil die Zahl der Kriegsdienstverweigerungsanträge zuletzt deutlich angestiegen ist. Nach Angaben wurden im ersten Quartal 2026 bereits 2.656 Anträge gestellt.

Für die DFG-VK steht fest: Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung darf nicht politisch marginalisiert oder statistisch unsichtbar gemacht werden.

„Transparenz gefährdet nicht das Staatswohl. Eine Regierung, die Informationen über die Ausübung von Grundrechten zurückhält, gefährdet das Vertrauen in demokratische Institutionen.“

Die DFG-VK fordert die Bundesregierung auf, die bislang übliche Veröffentlichungspraxis wiederherzustellen und die Entwicklung der Kriegsdienstverweigerungszahlen vollständig offenzulegen.

Pressekontakt:
Yannick Kiesel (DFG-VK): kiesel@dfg-vk.de; +491578/3452092

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart, 15. Juni 2026

11 Juni, 2026

Zumach: Jünger, europäisch und auf keinem Auge blind – Voraussetzungen für ein Wiedererstarken der Friedensbewegung

Andreas Zumach    Wissenschaft & Frieden  Heft  2/2026  (Mai 26)

Jünger, europäisch und auf keinem Auge blind –

Voraussetzungen für ein Wiedererstarken der Friedensbewegung

Zusammenfassung: Deutschland erlebt die größte und gefährlichste Aufrüstung sowie die stärkste innergesellschaftliche Militarisierung seit 1945 mit gigantischen Kosten und Folgen für die Zukunft des Landes. Ähnliches geschieht in den meisten Mitgliedsstaaten der EU. Gegen diese gefährliche Entwicklung müssten viele Menschen demonstrieren und Widerstand leisten. Doch die deutsche Friedensbewegung brachte bei Demonstrationen der letzten Jahre nur wenige zehntausend Menschen die Straße. Was sind die Ursachen für diese Mobilisierungspleiten? Wie kann es der Friedensbewegung gelingen, erneut die Mitte der Gesellschaft zu erreichen? Überlegungen zur Bewegung aus der Mitte der Bewegung heraus.

In vielen friedensbewegten Zusammenhängen wird zu Recht anerkannt, welch große Mobilisierungsleistung die Friedensbewegung vor 40 Jahren erbrachte: Hunderttausende waren auf den Demonstrationen dieser Zeit. Bei der Erinnerung an die Aktionen und Erfolge der Friedensbewegung der 1980er Jahre kann es aber nicht um Nostalgie gehen, sondern um eine systematische Analyse der Bedingungen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Natürlich sind die heutigen globalen, europäischen, innerdeutschen und medialen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Mobilisierung aus der Friedensbewegung anders als vor 40 Jahren – in mancher Hinsicht ist die Ausgangslage komplizierter und schwieriger. Dennoch: vier Bedingungen, die damals erfüllt waren, sind meines Erachtens auch heute notwendige Voraussetzungen für ein Wiedererstarken der Friedensbewegung. Diese sind: Die Universalität der Forderungen und Argumente, eine alle Altersgruppen umspannende Bewegung, die die jüngeren Menschen mobilisieren kann, das Durchbrechen des sicherheitspolitischen Konsens und die Überzeugung, eine gesamteuropäische Bewegung sein zu wollen.

1)Friedensbewegung ist universalistisch oder gar nicht

»Die Waffen nieder!« – Bertha von Suttner verstand diesen 1889 in ihrem gleichnamigen Buch veröffentlichten Appell universalistisch. Sie bezog ihn auf alle Kriege, Kriegsdrohungen und -vorbereitungen, die damals weltweit stattfanden. Auch die Bewegung »Nie wieder Krieg«, die 1920 auf Initiative des »Friedensbundes der Kriegsteilnehmer« (darunter Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky) gegründet wurde, und die in den nachfolgenden Jahren unter diesem Motto Kundgebungen und Demonstrationen mit hunderttausenden Teilnehmer*innen organisierte, war universalistisch ausgerichtet. Dasselbe gilt auch für die Friedensbewegung der 1950er Jahre (»Kampf dem Atomtod«) wie für die Friedensbewegung der 1980er Jahre. Letztere demonstrierte am 10. Oktober 1981 in Bonn trotz aller Heterogenität und aller unterschiedlicher Positionen der vielen beteiligten Gruppen und Organisationen gemeinsam „Gegen die atomare Bedrohung in Ost und West“ sowie gegen „Geist, Logik und Politik der Abschreckung“, wie es im Aufruf und in den Reden des Tages hieß.

Doch genau diese überzeugte Haltung einer umfassenden und alle Parteien gleichermaßen für ihre Gewaltlogik kritisierenden Bewegung ist heute oft eine Minderheitsposition. Leider nicht universalistisch argumentiert beispielsweise die von einem Personenbündnis[i] getragene Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« (im Folgenden: die Initiative), die laut Selbstdarstellung auf ihrer Webseite von Ende 2025 „in den letzten 3 Jahren die Großdemonstrationen der deutschen Friedensbewegung gegen den Krieg in der Ukraine organisiert hat“ (Initiative 2025). Das stimmt allerdings in zweifacher Hinsicht nicht.

– Die bislang größte Demonstration und Kundgebung gegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine mit fast 500.000 Teilnehmer*innen am 27. Februar 2022 in Berlin wurde von anderer Seite veranstaltet.

– Die tatsächlich von der Initiative jeweils am 3. Oktober 2024 und 2025 organisierten Kundgebungen in Berlin und Stuttgart richteten sich keineswegs gegen Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Am Beispiel von 2024 ist dies drastisch sichtbar: Sicherlich 80% des Aufruftextes (Initiative 2024a) zum 3. Oktober 2024 bestand aus zahlreichen, durchaus richtigen und wichtigen Kritikpunkten und Forderungen an die Adresse des »Westens« und der Bundesregierung. Die Ukraine wurde in dem Aufruf allerdings lediglich in den Sätzen „Verhandlungen zur sofortigen Beendigung des Krieges in der Ukraine!“ und „Keine Waffenlieferungen an die Ukraine!“ erwähnt (ebd.). Dass Russland diesen Krieg gegen die Ukraine führt, kommt in dem Aufruf nicht vor. Geschweige denn eine Benennung und Kritik dieses Krieges als völkerrechtswidrig. Oder gar ein Aufruf an die Regierung Putin, diesen Krieg zu beenden. Für die „Beschleunigung der Eskalation dieses Krieges“ wurde ausschließlich „der Westen – einschließlich der Bundesregierung“ verantwortlich gemacht. Interessanterweise wird diese Analyse von einer Initiative angestellt, deren Mitglieder alle völkerrechtswidrigen Kriege und sonstigen Völkerrechtsbrüche der USA, der NATO oder auch des kollektiven »Westens« in der Vergangenheit immer – und völlig zu Recht – scharf kritisiert haben.

In mehreren Verhandlungsrunden mit führenden Organisationen der Friedensbewegung (DFG-VK, IPPNW, Pax Christi, Ohne Rüstung Leben, Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden) weigerte sich – nach Auskunft von Vertreter*innen all dieser Organisationen – die Initiative beharrlich, auch nur irgendeine Formulierung zu Russlands Krieg gegen die Ukraine in den Aufruftext aufzunehmen. Abgelehnt wurde von der Initiative auch die Forderung nach „Schutz und Asyl für KriegsdienstverweigerInnen und DeserteurInnen aus Russland, Belarus und der Ukraine“. Daraufhin lehnten alle an den Verhandlungen beteiligten Organisationen eine Unterzeichnung des Aufrufs ab. Die DFG-VK begründete dies in einer ausführlichen Stellungnahme (DFG-VK 2024). Nach diesem Scheitern einer Verbesserung des Aufrufs lehnten auch mehrere von der Initiative angefragte Personen (darunter ich selbst, Margot Käßmann, Jürgen Grässlin und Günter Verheugen) einen Auftritt als Redner*innen bei der Kundgebung ab.

Die Initiative begründete ihre Haltung nach Auskunft von an den Verhandlungen über den Aufruftext beteiligen Personen damit, den Aufruf im Interesse einer breiten Mobilisierung offen und für alle politischen Richtungen anschlussfähig halten zu wollen – und damit auch bewusst für Putin-Sympathisant*innen, AFD-nahe und andere rechtspopulistische bzw. rechtsextreme Kreise. Daher lehnte die Initiative den Antrag ab, die folgende Formulierung in den Aufruf aufzunehmen: „Für Gruppen und Menschen aus dem nationalistischen, antidemokratischen oder rechtsextremen Spektrum und solchen, die mit ihnen zusammenarbeiten, ist auf der Aktion kein Platz – wir streiten für eine Welt, in der alle Menschen frei, friedlich und in Sicherheit leben können!“ Aber selbst dieses äußerst fragwürdige Kalkül ging nicht auf. An der Demonstration und Kundgebung nahmen maximal 15.000 Menschen teil – die Initiative blies diese Zahl auf  vermeintlich über 40.000 auf (vgl. Initiative 2024b). Der SPD-Politiker Ralf Stegner wurde ausgebuht und niedergeschrien, als er in seiner Kundgebungsrede den „völkerrechtswidrigen Krieg Russlands“ erwähnte (vgl. Beucker 2024).

Für die Kundgebung am 3. Oktober 2025 veröffentlichte die Initiative dann trotz der Kritik aus dem Vorjahr und trotz des misslungenen Mobilisierungserfolgs erneut einen Aufruf, in dem dieser Krieg nicht vorkam (Initiative 2025c). Die daraufhin erneut geführten Verhandlungen mit den oben genannten und weiteren Friedensorganisationen führten zwar zu einem gemeinsamen zusätzlichen Aufruf »Nie wieder kriegstüchtig« (Initiative 2025d) mit viel richtiger und notwendiger Kritik an westlicher Aufrüstung. Doch auch in diesem Aufruf wurde Russlands Krieg nicht konkret benannt. Man habe sich auf die Kompromissfomulierung „Wir lehnen alle Kriege ab“ geeinigt, verkündete DFG-VK-Sprecher Thomas Carl Schwörer nach Abschluss der Verhandlungen unter anderem auf einer Online-Beratung der DFG-VK Baden-Württemberg am 12.8.2025 (siehe DFG-VK Baden-Württemberg 2025).

Doch selbst dieser faule, ja feige Formelkompromiss wurde letztlich nicht eingehalten: Der schließlich veröffentlichte Aufruf benennt sehr konkret im Detail (und in der Sache völlig zutreffend) „die von immer mehr Staaten und Organisationen als Völkermord klassifizierte Kriegsführung (Israels) im Gazastreifen“. Die Bundesregierung wurde aufgerufen, „alles dafür zu tun, damit der Krieg, die Vertreibung der Palästinenser und PalästinenserInnen und der Einsatz von Hunger als Waffe umgehend beendet werden“. Andere Kriege fanden auf diese Weise keine gleichwertige Erwähnung und andere staatliche Gewaltakteure wurden auch nicht als problematisch benannt.

Auch die beiden Aufrufe zum 3. Oktober 2025 brachten – wie schon ein Jahr zuvor – viel weniger Menschen auf die Straße, als angesichts von Hochrüstung und innergesellschaftlicher Militarisierung dringend notwendig wären: maximal 12.000 in Berlin (von den Veranstalter*innen erneut deutlich höher mit 20.000 angegeben, (vgl. Initiative 2025e) und rund 15.000 in Stuttgart. Das anvisierte breite Spektrum von Menschen, die in Kirchen, Gewerkschaften, Berufsverbänden und anderen gesellschaftlichen Institutionen verankert sind, wurde von den Aufrufen eben nicht mobilisiert. Die Medien schenkten den Kundgebungen sowohl im Vorfeld als auch in der Berichterstattung noch weniger Aufmerksamkeit als im Vorjahr. Selbst aus der Politik fühlte sich diesmal niemand auch nur zu einem kritischen Kommentar herausgefordert – so unbedeutend war der Druck, der von »der Straße« ausging.

Das alles war voraussehbar. Denn mit der Einseitigkeit und den Doppelstandards bei der Kritik an Verstößen gegen universell gültige Völkerrechts- und Menschenrechtsnormen in den zitierten Aufrufen, anderen einschlägigen Texten sowie den Kundgebungsreden der letzten vier Jahre haben sich zumindest weite Teile der Friedensbewegung ähnlich verhalten wie sie dies sonst zu Recht bei den westlichen Regierungen, NATO und EU kritisieren. Das hat die Glaubwürdigkeit der Friedensbewegung erheblich beschädigt. Es kann zwar nicht als der einzige, aber so doch als wesentlicher Grund für die Mobilisierungspleiten im Oktober 2024 und 2025 gelten. Stattdessen wurden die Kritiker*innen der beiden Aufrufe der Initiative einer Spaltung der Friedensbewegung bezichtigt und gemeinsam mit den Medien für die geringen Teilnehmendenzahlen verantwortlich gemacht. Die notwendige Konsequenz, künftige Aufrufe und Forderungen universalistischer zu formulieren, wurde leider nicht gezogen.

Ebenso einseitig war auch der Aufruf zum diesjährigen Ostermarsch in Berlin (vgl. FriKo 2026), dem in der 4-Millionen-Stadt lediglich 1.600 Menschen folgten. Proportional zur Bevölkerung weit mehr Menschen konnte die Friedensbewegung in Mainz-Wiesbaden mit ihrem allseitigen, universalistischen Aufruf mobilisieren (vgl. DFG-VK Mainz-Wiesbaden 2026).

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und auch schon die ebenfalls völkerrechtswidrige Annexion der Krim im Jahr 2014 werden in Diskussionen unter (vermeintlich) Friedensbewegten immer wieder relativiert, verharmlost oder gar ausdrücklich gerechtfertigt, zumeist unter Verweis auf die – zu Recht scharf kritisierte – NATO-Osterweiterung. Kritiker*innen dieses Krieges aus der Friedensbewegung werden von diesem Kreis pauschal als »Bellizist*innen« oder gar als »russophob« denunziert. Doch nur wenn die Friedensbewegung diesen völkerrechtswidrigen Krieg der Regierung Putin eindeutig benennt und kritisiert, hätte sie überhaupt eine Chance, dem tatsächlich bellizistischen und teilweise russophoben Mainstream in Politik und Medien, Geheimdienst, Bundeswehr sowie unter sicherheitspolitischen »Expert*innen«, der die öffentliche Wahrnehmung wesentlich bestimmt, etwas entgegenzusetzen.

Nur so ergibt sich eine Aussicht auf Erfolg zumindest in Teilen der Bevölkerung. Nur dann besteht eine Möglichkeit, die völlig unrealistischen und nicht belegten Bedrohungsbehauptungen wahrnehmbar zu entzaubern, die Regierung Putin plane zum einen nach Ende des Krieges gegen die Ukraine militärische Angriffe gegen Polen, die baltischen Staaten, Deutschland und andere NATO-Staaten, und sei zum anderen dazu spätestens Ende dieses Jahrzehnts auch militärisch in der Lage. Denn es sind diese Bedrohungsbehauptungen, mit denen die massive Aufrüstung mit ihren horrenden finanziellen Kosten und die daraus folgenden fatalen Ausgabenkürzungen in allen nichtmilitärischen Bereichen der Politik gerechtfertigt werden und innenpolitisch durchgesetzt werden sollen. Doch eine solche glaubhafte Widerlegung kann nur dann gelingen, wenn sich eine universalistische Perspektive ohne Ausnahme in der Friedensbewegung erneut durchsetzt.

2) Junge Generationen gewinnen

In der Friedensbewegung der 1980er Jahre stellte die Altersgruppe der unter 40-jährigen die Mehrheit. Das galt für die Aktivist*innen, Organisator*innen und Sprecher*innen der Bewegung und ebenso für die Teilnehmenden an Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen, Vortragsveranstaltungen oder Blockadeaktionen an Raketenstandorten. Auch bei Umfragen zu den Zielen der Friedensbewegung gab es in dieser Altersgruppe größere Zustimmungswerte als in den älteren Jahrgängen. Ein Beispiel dafür ist die im August 1982 vom ZDF-Politbarometer in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage, in der sich 75% aller Befragten und in den beiden jüngsten Altersgruppen noch deutlich größere Mehrheiten gegen die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen aussprachen (für die Originaldaten vgl. Berger et al. 1992).

Das verhält sich heute genau umgekehrt. Die seit Ende des Kalten Krieges 1989/1990 und noch mehr die seit Beginn des Jahrtausends Geborenen fehlen in der Friedensbewegung fast völlig. Aus dieser Alterskohorte kommt bei allen Umfragen seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine 2022 auch die höchste Zustimmung zu Waffenlieferungen an Kyjiw sowie zur Aufrüstung der Bundeswehr. Bei Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zu friedenspolitischen Themen wird das Fehlen jüngerer Teilnehmer*innen von den Anwesenden fast immer beklagt, wie ich aus eigener Anschauung bezeugen kann. Manchmal mit Erklärungsversuchen, die jüngeren Generationen seien „unpolitisch“, „weniger engagiert“ oder gar „dümmer“. Das sind allerdings nicht belegte Vorurteile, und auch das starke Engagement jüngerer Menschen vor allem in der Klimaschutzbewegung, aber auch in Initiativen gegen Rassismus und Rechtsextremismus zeigt ein gegenteiliges Bild.

Mit Blick auf friedens- und sicherheitspolitische Themen hat die Altersgruppe der heute unter 20-jährigen und in geringerem Maße auch der bis 40-jährigen allerdings ein Erfahrungs- und Wissensdefizit. Für diese Generationen sind die meisten Kriege, die das Bewusstsein früherer Jahrgänge geprägt sowie ihr friedenspolitisches Engagement motiviert haben (Vietnam, Korea, Golfkriege I und II, Jugoslawien, Irak, zwei Mal Afghanistan 1979ff. und 2001ff.) graue Vorzeit. Dasselbe gilt für die militärische Niederschlagung demokratischer Erhebungen in den Warschauer Vertragsstaaten (Ungarn, Tschescheslowakei, Ungarn, DDR) durch die Sowjetunion sowie für die zahlreichen US-Militärinterventionen und gewaltsam herbeigeführten Regierungsstürze in Mittelamerika (von Guatemala 1954 bis Panama 1989).

Für die seit 2000 Geborenen ist Russlands Krieg gegen die Ukraine der erste Krieg, den sie bewusst »erleben« – auch, weil dieser Krieg in Europa stattfindet. Das prägt das Bewusstsein und die oben zitierten Einstellungen zu Waffenlieferungen, Aufrüstung etc. In der Schule haben sie zu wenig und manchmal sogar überhaupt nichts über die Kriege, Militärinterventionen und sonstigen Gewaltkonflikte zwischen 1945 und dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan 2021 erfahren, wie ich bei zahlreichen Schulbesuchen in den letzten 25 Jahren festgestellt habe. Daher sind auch viele der früheren Bemühungen unbekannt, Gewaltkonflikte durch Diplomatie und Verhandlungen zu beenden, zu deeskalieren oder gar ihren Ausbruch zu verhindern.

Ohne eine zumindest teilweise Überwindung dieses Erfahrungs- und Wissensdefizits wird es nicht gelingen, einen relevanten Teil der heute unter 40-jährigen für die Friedensbewegung zu gewinnen. Dafür wird die militärkritische Politisierung, die seit der zweiten Hälfte 2025 bei Angehörigen der Altersgruppe 18+ begonnen hat, infolge ihrer – zunächst noch halb freiwilligen – Vorbereitung auf den Kriegsdienst allein nicht ausreichen. Selbst dann nicht, wenn es zu einer vollständigen Wiedereinsetzung der Kriegsdienstpflicht kommen sollte.

Es braucht dafür aktive Friedensbildungsangebote und die Begegnung mit Zeitzeug*innen. Für die Generation, die in den 1960er bis 1990er Jahren politisiert und zum Engagement in der Friedensbewegung, in Initiativen zur Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion u. ä. motiviert wurden, waren die Überlebenden der Shoa und des Widerstandes gegen die Nazi-Diktatur ganz entscheidende Zeitzeug*innen. Diese sind heute fast alle verstorben. Daher meine ich, dass eine wichtige Zeitzeug*innenfunktion heute die über 60-jährigen in der Friedensbewegung übernehmen müssen – diesmal bezogen auf die Periode ab Mitte/Ende der 1960er Jahre (Beginn der Ost- und Entspannungspolitik) bis zum 2021 beendeten Afghanistankrieg. Das heißt in erster Linie: überall unter Berufung auf den Beutelsbacher Konsens den Zugang zu den Schulen einzufordern, um der inzwischen erheblich verstärkten Propaganda der Bundeswehr an den Schulen etwas entgegenzusetzen. Die Altersgruppe der 25-40-jährigen lässt sich nach meinen Erfahrungen noch am ehesten über Volkshochschulen, Gewerkschaften und Kirchen erreichen.

3) Den Konsens der etablierten Sicherheitspolitik aufbrechen

Ende der 1950er Jahre waren die großen Kontroversen in der BRD über Wiederbewaffnung, NATO-Beitritt und die Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen entschieden. Danach gab es über 20 Jahre keine relevante Debatte zu sicherheitspolitischen Themen. Der Konsens brach erst auf, als sich 1979 mit Bundeswehrgeneral Gerd Bastian erstmals ein Angehöriger der Bundeswehr öffentlich kritisch zur geplanten Stationierung US-amerikanischer Mittelstreckenraketen in Europa äußerte. In der Folge äußerten sich auch Generäle aus anderen NATO-Staaten öffentlich ähnlich wie Bastian (»Generale für den Frieden«). An den großen Demonstrationen der Friedensbewegungen im Herbst 1981 in Bonn, Amsterdam und Rom beteiligten sich tatsächlich auch Soldaten der Bundeswehr, der niederländischen und italienischen Streitkräfte – in Uniform. Zwei Jahre später sprach der SPD-Parteivorsitzende und ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt auf der Bonner Kundgebung der Friedensbewegung gegen die bevorstehende Stationierung der Pershing II und Cruise Missiles. Der weitere Weg hin zum INF-Abkommen und zur vollständigen Abrüstung dieser Waffengattung wurde so möglich. Auf diese Weise hatte sich der sicherheitspolitische Konsens radikal aufbrechen lassen. Aber es benötigte die dissidente Stimme, der dann in der Friedensbewegung entsprechend Raum gegeben wurde.

 (Anmerkung: die nachfolgende Passage bis „ …zu stationieren.“ ist eine Aktualisierung der gedruckten Fassung in W&F  nach der Entscheidung von Präsident Trump vom April).

Auch aktuell könnte die im Juli 2024 zwischen Bundeskanzler Scholz und US-Präsident Biden vereinbarte und ursprünglich noch für dieses Jahr (2026) geplante Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland das Fenster bieten, um die seit Russlands Überfall auf die Ukraine sichtbar geschlossene Front der Sicherheitspolitiker*innen und Militärs aufzuweichen. Mit diesen neuen Mittelstreckenwaffen sollte die von der Bundeswehrführung behauptete “Fähigkeitslücke”  geschlossen werden, russische Raketenstellungen und andere militärische Ziele bis hinter Moskau präventiv zu zerstören. (vergleiche: https://www.youtube.com/watch?v=pfyH1p9hsOY )  US-Präsident Trump hat diese Pläne im April dieses Jahres zwar zunächst auf Eis gelegt. Zugleich haben aber die Regierungen Deutschlands und Frankreichs die bereits in der Vereinbarung zwischen Scholz und Biden angekündigte Absicht bekräftigt, eigene europäische Mittelstreckenwaffen mit denselben Fähigkeiten und Zweckbestimmungen zu entwickeln sowie in Deutschland und anderen NATO-Staaten zu stationieren.

Wenn es der Friedensbewegung gelingt, die beabsichtigte Erstschlagfunktion dieser Waffen gegen russische Raketenstellungen[1]

 und die dadurch deutlich verschärfte Gefahr russischer Angriffe auf die Stationierungsorte und die Kommandozentrale der neuen US-Raketen in Deutschland nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, sondern auch möglichst vielen Soldat*innen der Bundeswehr bewusst zu machen, könnte ein solcher Konsens ins Wanken geraten. Mit fachlich bewanderten Experten wie Wolfgang Richter, der auf eine Vergangenheit als leitender Militärberater der deutschen Ständigen Vertretungen bei der Abrüstungskonferenz in Genf, den UN-Abrüstungsforen in New York und bei der OSZE in Wien zurückblickt, stehen auch profilierte Sprecher*innen zur Verfügung, die glaubwürdig eine alternative sicherheitspolitische Betrachtung anbieten können.

4 Friedensbewegung wird nur europäisch erfolgreich sein

In den 1980er-Jahren gab es zumindest zwischen Friedensorganisationen im Westen des damals noch geteilten europäischen Kontinents enge Kontakte, regelmäßige Treffen sowie Kooperation und Absprachen über gemeinsame Kampagnen und Demonstrationstermine. Friedensorganisationen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Italien, Griechenland, Spanien, Dänemark, Schweden, Norwegen und der Schweiz vernetzten sich im »International Peace Coordinating Council« (IPCC) sowie im Rahmen der Kampagne »European Nuclear Disarmament« (END). Zudem gab es Kontakte zu Friedensgruppen in der DDR (»Schwerter zu Pflugscharen«). Das gemeinsame Handeln all dieser Friedensorganisationen ermöglichte es dem damaligen sowjetischen Präsidenten Michael Gorbatschow, seine Bereitschaft zu Verhandlungen und Rüstungskontrollabkommen mit den USA gegenüber den Hardlinern in der militärischen Führung und der Kommunistischen Partei (KPDSU) durchzusetzen. Sonst hätte es den INF-Vertrag vom Dezember 1987 nicht gegeben. Ab 1981 gab es auch eine enge Kooperation westeuropäischer Friedensorganisationen mit der ein Jahr zuvor in den USA gegründeten »Nuclear Freeze Campaign«, die auf ein Einfrieren der sowjetischen und US-amerikanischen Atomwaffenarsenale drängte.

Diese Vernetzungsstrukturen und gemeinsamen Aktionen von Friedensorganisationen in Europa existieren schon seit den 1990er Jahren nur noch rudimentär in Form etwa des Europäischen Netzwerkes gegen Rüstungshandel (ENAAT) oder der – über Europa hinausgehenden – Zusammenarbeit von Friedensinitiativen im Rahmen der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Dabei wären sie heute dringender denn je. Erst recht, da – anders als in den 1980er Jahren und massiv verstärkt durch Russlands Krieg gegen die Ukraine –, inzwischen in der EU ein gemeinsamer Prozess der Militarisierung und Aufrüstung stattfindet. Eine Friedensbewegung, die gegenüber dieser EU-weiten Militarisierung nur im jeweiligen nationalen Rahmen agiert, wird in keinem der EU-Staaten erfolgreich sein. Voraussetzung für einen Erfolg ist überdies, dass die Kontakte, Vernetzung und Kooperation nicht auf die alten westeuropäischen Staaten beschränkt bleiben. Die Friedensbewegung muss gerade in den osteuropäischen EU- und NATO-Staaten – insbesondere in Polen und den drei baltischen Staaten – Gesprächspartner*innen und potentielle Verbündete suchen, in denen aus historischen Gründen und wegen der räumlichen Nähe dieser Staaten zu Russland »klassische« Friedensorganisationen bislang kaum oder überhaupt nicht existieren.

Um in der europäischen Öffentlichkeit wieder erfolgreich zu sein, braucht die Friedensbewegung überdies einen gemeinsamen positiven Entwurf für eine »Friedensmacht Europa«. Ein solcher Gegenentwurf müsste glaubhaft eine Alternative aufreißen zu der vorherrschenden Meinung, die schon seit Langem – nicht erst seit Trump – überfällige sicherheitspolitische Emanzipation von den USA sei nur möglich mit einer starken Aufrüstung bis hin zu einer eigenen atomaren Abschreckungskapazität. Ein derartiger Gegenentwurf müsste auch die konkrete Utopie von einem Zusammenleben mit Russland auf dem gemeinsamen Kontinent Europa/Asien ohne gegenseitige Bedrohung aufrechterhalten und ausbuchstabieren.

Eine solche Vision aber kann nur eine Friedensbewegung formulieren und erfolgreich zu etablieren versuchen, die konsequent universalistisch argumentiert, sich aktiv und strategisch verjüngt, sich um Zugänge zum Militär bemüht und Bruchlinien des sicherheitspolitischen Konsens sucht und immer internationalistisch agiert. Es bleibt viel zu tun.

Andreas Zumach ist freier Journalist, Buchautor, Vortragsreferent und Moderator. Er war von 1988 bis 2020 am UNO- Sitz in Genf Korrespondent für »die tageszeitung« (taz) in Berlin sowie für weitere Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten. In den 1980er Jahren war er mitverantwortlich für die Organisation der großen Abrüstungsdemonstrationen und Sprecher des Koordinationsausschusses der Friedensbewegung in Deutschland.

Literatur

Beucker, P. 2024: Die Friedensbewegung ist tot. „Friedensdemonstration“ am 3. Oktober. taz, 4.10.2024.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2024a: Nein zu Krieg und Hochrüstung! Ja zu Frieden und internationaler Solidarität. Aufruf zu einer bundesweiten Friedensdemonstration am 3. Oktober in Berlin. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/aufruf-03-10-2024.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2024b: Erfolgreiche Friedensmanifestation am 3. Oktober 2024 in Berlin. Videos, Bilder und Reden. Homepage , URL: nie-wieder-krieg.org/videos-bilder-reden.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025a: US-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine nicht ablehnen. Stellungnahme / Presseerklärung, 23.11.2025.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025b: Nein zu Krieg und Hochrüstung! Ja zu Frieden und internationaler Solidarität. Aufruf zu einer bundesweiten Friedensdemonstration am 3. Oktober in Berlin. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/nein-zu-krieg-und-hochruestung.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025c: Bundesweite Demonstration am 3. Oktober 2025 in Berlin und in Stuttgart. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/demo-03-10-25.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025d: Bündnisaufruf zur Demonstration am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart. Homepage, URL: nie-wieder-krieg.org/buendnisaufruf-03-10-25.

Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!« 2025e: Newsletter 12/2025 – Berichte vom 3. Oktober – Einladung zum Webinar.

DFG-VK 2024: Stellungnahme zur geplanten Demonstration am 3. Oktober 2024 in Berlin.  28.8.2024.

DFG-VK Baden-Württemberg 2025: DFG-VK Baden-Württemberg unterstützt überregionale Demonstrationen am 3. Oktober in Stuttgart und Berlin. 14.8.2025.

DFG-VK Mainz-Wiesbaden 2026: Den Frieden lernen – nicht den Krieg! Mainz-Wiesbadener Ostermarsch in Wiesbaden. Flyer und Aufruf. URL: dfg-vk-mainz.de.

Friedenskoordination Berlin FriKo 2026: Nicht in unserem Namen. Flyer und Aufruf zum Berliner Ostermarsch 2026. URL: frikoberlin.de.

Bundeswehr 2025: Nachgefragt: Stationierung von US-Raketen. Videointerview mit Brigadegeneral Maik Keller. YouTube, 30.10.2024.

Richter, W. 2026: Die globale Renaissance von Mittelstreckensystemen (2). Regionalkonflikte und die Rückkehr der Geopolitik. In: Bödecker, S. et al. (Hrsg.): Rückkehr der Mittelstreckenwaffen. Warum sie die globale Sicherheit gefährden. Dossier 102, Beilage zu W&F 1/2026, S. 16-22.

Berger, M./Gibowski, W. G./Roth, D./Schulte, W. 1992: Politbarometer 1982 (Kumulierter Datensatz) (ZA2201; Version 1.0.0). GESIS, Köln.

[1]                Eine solche Funktion wird in der US-Doktrin festgehalten und so auch von der Bundeswehr bestätigt. Siehe dazu: Bundeswehr 2024, sowie Richter 2026.

[i]

Nächste Seite »
  • Impressum
  • Datenschutz

Urheberrecht © 2026 · dfg-vk · Anmelden