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DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg

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Aktivitäten der Mitglieder

15 Juli, 2026

KDV-INFOTOUR BADEN-WÜRTTEMBERG 2026

Mit dem KDV-Mobil durch Baden-Württemberg

Vom 8. bis 19. Juni unterwegs für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nach GG Art 4.3

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Dennoch wissen viele Menschen nur wenig über ihre Möglichkeiten, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Gleichzeitig erlebt Deutschland eine neue Welle der Militarisierung. Die Bundeswehr wirbt verstärkt um Nachwuchs, Schulen werden zunehmend Ziel militärischer Einflussnahme und mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden junge Menschen wieder systematisch für einen möglichen Wehrdienst erfasst.

Deshalb machten wir uns auf den Weg.

Vom 8. bis 19. Juni 2026 tourte die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg gemeinsam mit der Stiftung Care for Future durch Baden-Württemberg. Mit unserem KDV-Mobil, einem großen aufblasbaren zerbrochenen Gewehr, Informationsständen, Beratungsangeboten, Vorträgen und kreativen Aktionen informierten wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und unterstützten Menschen dabei, ihre Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Von Aalen bis Lörrach führten wir Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Großeltern, Reservistinnen und Reservisten, Soldatinnen und Soldaten, Lehrkräften, Friedensbewegten und vielen interessierten Passantinnen und Passanten.

Dieses Tourtagebuch dokumentiert unsere Reise.

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Die Tour auf einen Blick

Was?

Eine landesweite Informations- und Beratungstour zum Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Wer?

Veranstaltet von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Baden-Württemberg (DFG-VK Baden-Württemberg) gemeinsam mit der Stiftung Care for Future.

Unterstützt von zahlreichen regionalen Friedensgruppen, Initiativen, Kriegsdienstverweigerungsberater*innen und ehrenamtlichen Helfer*innen.

Wann?

08. bis 19. Juni 2026

Wo?

  • Aalen
  • Schwäbisch Hall
  • Heilbronn
  • Ludwigsburg
  • Tübingen (Ract!-Festival)
  • Mannheim
  • Offenburg
  • Freiburg
  • Lörrach

Warum?

Weil die Zeiten es verlangen.

Während weltweit Kriege eskalieren und Regierungen unbegrenzt Milliarden für Aufrüstung bereitstellen, geraten zivile Konfliktlösungen und Friedenspolitik zunehmend unter Druck. Gleichzeitig werden junge Menschen wieder auf einen möglichen Wehrdienst vorbereitet.

Viele wissen nicht, dass sie das Recht (GG Art. 4.3) haben, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Die Kriegsdienstverweigerungstor-Tour sollte informieren, beraten und Mut machen. Niemand soll aus Unwissenheit in den Dienst an der Waffe geraten.

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Die Veranstalter

DFG-VK Baden-Württemberg

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen ist die älteste Friedensorganisation Deutschlands. Seit über 130 Jahren setzt sie sich gegen Krieg, Militarismus und Gewalt ein. Der Landesverband Baden-Württemberg hat viel Expertise in der Kriegsdienstverweigerungsberatung und war maßgeblich für die Orga der KDV-Tour verantwortlich.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist seit jeher die Unterstützung von Menschen, die den Kriegsdienst verweigern möchten. Die DFG-VK berät Wehrpflichtige, Reservist*innen sowie aktive Soldatinnen und Soldaten und setzt sich politisch für die Abschaffung jeder Form von Kriegsdienstzwang ein.

Stiftung Care for Future

Die Stiftung Care for Future engagiert sich für Friedensbildung, gesellschaftliche Verantwortung und eine Kultur der Gewaltfreiheit. Sie unterstützte die KDV-Tour und half dabei, das Thema Kriegsdienstverweigerung landesweit sichtbar zu machen.

KDV Tour BaWü  – Tagebuch: 08.06.-19.06.2026

8. Juni – Aalen

Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026

Mit Aalen begann am 8. Juni die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von der Ostalb, unweit der bayerischen Grenze, machte sich die Tour auf den Weg quer durch Baden-Württemberg. In den kommenden zwei Wochen sollten Stationen in Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen, Mannheim, Offenburg, Freiburg und schließlich Lörrach folgen. Ziel der Tour war es, insbesondere junge Menschen über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren, Menschen zu beraten und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.

Der Auftakt in Aalen fand in Kooperation mit der DFG-VK Ostalb (keine eingetragene Regionalgruppe, aber was nicht ist, kann ja noch werden ☺) und der Genossenschaft act for transformation statt. Ein besonderer Dank gilt dabei Jürgen Menzel und den Genossen von act for transformation, die die Tour vor Ort unterstützten und für die geplante abendliche Informationsveranstaltung ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. Ebenso bedanken wir uns bei unserem Mitglied aus Aalen, Roland Hamm, der den Tourauftakt mit vorbereitet und begleitet hat. Gemeinsam halfen sie auch unserem Tourfahrer Franz Grundschöttel beim Aufbau des ersten Infostandes der KDV-Tour Baden-Württemberg.

Franz war während der gesamten Tour weit mehr als nur Fahrer. Mit seiner langjährigen Erfahrung bei Infoständen, Aktionen und Veranstaltungen sorgte er dafür, dass Pavillon, Materialien, KDV-Mobil, Gewehr und Sarg stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Wer schon einmal eine zweiwöchige Tour mit täglich wechselnden Stationen organisiert hat, weiß, wie viel Arbeit hinter einer funktionierenden Infrastruktur steckt. Franz meisterte diese Aufgabe mit großer Routine, viel Gelassenheit und meist auch mit einem passenden Spruch zur Situation, egal wie heiß es war.

Dank der guten Pressearbeit von Roland Hamm wurde unsere Station bereits im Vorfeld in der Aalener Zeitung angekündigt. Aus den Presseartikeln ging klar hervor, worum es an diesem Tag gehen sollte: Information über das neue Wehrdienstmodell, Beratung zur Kriegsdienstverweigerung und Aufklärung über die gesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Militarisierung. Dabei richtete sich das Angebot ausdrücklich nicht nur an Jugendliche, sondern ebenso an Soldatinnen, Reservistinnen und alle Menschen, die sich mit den aktuellen politischen Entwicklungen auseinandersetzen wollten.

Der erste Infostand des Tages wurde im Stadtgarten aufgebaut, unmittelbar in der Nähe des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der Uhlandrealschule. Dort nutzten wir die große Pause und die Mittagszeit, um mit Schüler*innen ins Gespräch zu kommen. Schon am ersten Tourtag zeigte sich, dass das Thema viele junge Menschen beschäftigt. Viele hatten bereits von den Debatten über Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit gehört, wussten jedoch wenig über die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die konkreten Rechte, die ihnen zustehen.

Für Aufmerksamkeit sorgte dabei nicht nur unser Informationsmaterial. Wie bei allen Stationen der Tour waren auch das KDV-Mobil, unser Tourbus, das große aufblasbare zerbrochene Gewehr und der symbolische Bundeswehr-Sarg mit dabei. Gemeinsam bildeten sie einen auffälligen Blickfang und sorgten dafür, dass zahlreiche Menschen auf die Aktion aufmerksam wurden und das Gespräch suchten. Auf den Fotos des Tages ist Franz vor dem Stand zu sehen – ein Bild, das rückblickend beinahe symbolisch für die gesamte Tour steht. Denn ohne seinen täglichen Einsatz wäre vieles deutlich komplizierter geworden.

Besonders interessant war bereits am ersten Tag die Vielfalt der Gesprächspartner*innen. Natürlich informierten sich in der Nähe der Schulen viele Jugendliche über die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und Bundeswehr. Gleichzeitig kamen aber auch Eltern vorbei, die sich Sorgen machten, welche Auswirkungen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht auf ihre Kinder haben könnte. Auffällig war zudem das große Interesse älterer Menschen. Viele Großeltern erinnerten sich noch an eigene Erfahrungen mit Wehrpflicht, Militärdienst oder Krieg und begegneten den aktuellen Aufrüstungsdebatten mit einer deutlich kritischeren Haltung als manche jüngere Generation.

Nach dem Vormittag im Stadtgarten wurde die Aktion auf dem Aalener Marktplatz fortgesetzt. Dort ergaben sich weitere Gespräche mit Passant*innen unterschiedlichsten Alters. Während vor den Schulen vor allem Jugendliche angesprochen wurden, stand auf dem Marktplatz die breite Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Auch hier zeigte sich, dass die Diskussion über Wehrpflicht, Aufrüstung und Krieg längst nicht nur politische Fachkreise beschäftigt, sondern viele Menschen ganz unmittelbar bewegt.

Leider war das Interesse an der geplanten Informationsveranstaltung am Abend in den Räumen von act for transformation so gering, dass wir sie ausfallen ließen. Wir führen dies auf das hervorragende Sommerwetter und die bereits sehr informativen Aktionen im Laufe des Tages zurück. Offenbar hatten viele Aalener*innen die Gelegenheit genutzt, sich bereits an unseren Infoständen zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen.

Schon die erste Station der Tour machte deutlich, dass der Bedarf an Information und Beratung groß ist. Die Debatten um Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und Aufrüstung sind längst keine abstrakten politischen Diskussionen mehr. Viele Menschen beschäftigen sich ganz konkret mit der Frage, was diese Entwicklungen für sie selbst, ihre Kinder oder ihre Enkelkinder bedeuten könnten.

Aalen war damit ein gelungener Auftakt der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026. Von hier aus führte der Weg weiter durch das ganze Land – mit dem Ziel, insbesondere junge Menschen über ihre Rechte zu informieren, für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu werben und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Und Franz? Der verstaute am Ende des Tages wieder Pavillon, Flyer, Gewehr und Sarg im KDV-Mobil, bevor es am nächsten Morgen weiter zur nächsten Station ging.

9. Juni – Schwäbisch Hall

Glücksrad, Gewehr und viele gute Gespräche

Nach dem gelungenen Auftakt in Aalen führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am nächsten Tag weiter nach Schwäbisch Hall.

Pünktlich, bestens vorbereitet wie immer und mit einem Schmunzeln auf den Lippen traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil am vereinbarten Ort ein. Gemeinsam mit Marianne Haufe und Gunther Reber von der DFG-VK wurde der Stand aufgebaut und für einen weiteren Tag voller Gespräche über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung, Frieden und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft vorbereitet.

Ein wichtiger Bestandteil der Tour war dabei auch der Hinweis auf das Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Die Tour sollte nicht nur informieren, sondern auch deutlich machen, dass Menschen mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein sind. In ganz Baden-Württemberg stehen erfahrene Beraterinnen zur Verfügung, die bei Fragen zur Wehrpflicht, zu Verweigerungsverfahren oder zu den Rechten von Reservistinnen und Soldatinnen unterstützen können. Mit Marianne Haufe und Gunther Reber waren an diesem Tag gleich zwei dieser Berater*innen vor Ort.

Auch in Schwäbisch Hall war der Tourtermin von einer engagierten lokalen Vorbereitung begleitet worden. Die Pressearbeit im Vorfeld sorgte nicht nur dafür, dass zahlreiche Menschen von der Aktion erfuhren, sondern führte auch zu einem Live-Interview beim lokalen Radiosender StHörfunk. Den entstandenen Radiobeitrag dokumentieren wir auf dieser Seite ebenfalls, da er einen guten Eindruck von den Zielen und Inhalten der Tour vermittelt.

Mit Marianne Haufe und Gunther Reber engagierten sich zwei Aktive der Friedensbewegung an dieser Station der Tour. Beide setzen sich seit vielen Jahren für Demokratie und Frieden ein und begleiteten die Aktion vor Ort.

Ihren Bericht über den Tag in Schwäbisch Hall möchten wir bewusst in ihren eigenen Worten dokumentieren:

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Friedenstour der Deutschen Friedensgesellschaft macht Halt in Schwäbisch Hall

Frieden beginnt mit Begegnung – Rückblick auf den Friedenstag am 09.06.2026 in Schwäbisch Hall

Manche Veranstaltungen lassen sich in Zahlen beschreiben. Andere in Begegnungen.

Unser Friedenstag am 09. Juni 2026 auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz in Schwäbisch Hall gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.

Als wir am Vormittag unseren Infostand aufbauten, war zunächst noch wenig Betrieb. Der Platz wirkte ruhig und wir wussten nicht, welche Menschen uns an diesem Tag begegnen würden. Doch schon bald wurde deutlich, dass das Thema Frieden viele Menschen bewegt – oft mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein besonderer Höhepunkt war das Live-Interview im Radio StHörfunk. Während des Gesprächs wurde uns selbst noch einmal bewusst, mit welcher Begeisterung und Überzeugung wir diesen Weg gehen. Frieden ist für uns kein abstraktes politisches Konzept, sondern eine Haltung, die im Alltag beginnt und durch Begegnungen lebendig wird.

Im Laufe des Tages füllte sich der Platz zunehmend. Besonders am Nachmittag kamen viele Menschen gezielt auf uns zu. Darunter waren mehrere Mütter, die sich für ihre bereits erwachsenen Kinder interessierten oder Fragen im Hinblick auf ihre heranwachsenden Kinder hatten. Ein Satz blieb dabei besonders in Erinnerung:

„Gegen den Krieg kann man sich nie früh genug entscheiden.“

Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch viele Gespräche.

Auch ehemalige Reservisten suchten den Austausch. Einige erklärten, dass sie im Ernstfall wieder dienen würden. Andere berichteten, dass sie heute verweigern würden. Die Gespräche verliefen respektvoll, offen und ehrlich. Gerade diese unterschiedlichen Sichtweisen machten deutlich, wie wichtig Räume für Dialog und persönliche Reflexion sind.

Eine Begegnung hat uns dabei besonders berührt.

Ein Mann aus Eritrea blieb längere Zeit an unserem Stand. Er erzählte, dass er 13 Jahre seines Lebens im Krieg verbringen musste, bevor er nach Deutschland flüchtete. Seit rund 40 Jahren lebt er nun hier. Während er von seinen Erlebnissen sprach, kamen ihm die Tränen. Auch uns bewegten seine Worte tief. Als unser Gespräch zu Ende war, fielen wir uns in die Arme. In diesem Moment wurde spürbar, dass Frieden weit mehr ist als ein politisches Ziel. Frieden ist Menschlichkeit. Frieden ist Begegnung. Frieden ist Mitgefühl.

Eine große Unterstützung war für uns ein 19-jähriger Kriegsdienstverweigerer, der sich spontan einbrachte und uns beim Ansprechen junger Menschen unterstützte. Sein Engagement zeigte, dass sich auch junge Menschen sehr bewusst mit Fragen von Verantwortung, Gewissen und Frieden auseinandersetzen.

Bemerkenswert war, dass wir selbst während des gesamten Tages immer wieder in die Reflexion gingen. Nahezu jedes Gespräch stellte neue Fragen, eröffnete neue Perspektiven und zeigte uns, wie unterschiedlich Menschen auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen blicken. Wir waren nicht nur Gesprächspartner – wir waren auch Lernende.

Besonders stolz sind wir auf den Zusammenhalt unseres Teams. Viele von uns kannten sich vor dieser Aktion kaum. Dennoch entstand innerhalb kürzester Zeit ein Miteinander, das von Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und einem gemeinsamen Ziel geprägt war. Gemeinsam haben wir diesen Tag getragen und gestaltet.

Ein unerwarteter Publikumsmagnet wurde unser Glücksrad. Was zunächst als interaktive Ergänzung gedacht war, entwickelte sich schnell zum zentralen Anziehungspunkt. Die verschiedenen Fragen und Szenarien rund um Wehrpflicht, Einberufung und persönliche Entscheidungen führten zu zahlreichen Gesprächen und lockten viele Menschen an unseren Stand.

Auch kreative Ideen entstanden im Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern. So entwickelte sich die Überlegung, künftig Friedensbotschaften mit aufsteigenden Luftballons sichtbar in die Welt zu tragen. Die Ballons sollen dabei symbolisch für die Verbreitung von Frieden, Hoffnung und Menschlichkeit stehen und die Sichtbarkeit des Friedensgedankens weit über den eigentlichen Veranstaltungsort hinaus erhöhen.

Gleichzeitig zeigte der Tag auch eine andere Realität.

Viele Menschen sehen den Ernst der aktuellen Entwicklungen noch nicht oder möchten sich mit den Themen Krieg, Wehrpflicht und persönlicher Verantwortung gar nicht beschäftigen. Andere folgen dem Gedanken, man müsse im Zweifel „etwas für sein Land tun“, ohne die dahinterliegenden Fragen näher zu hinterfragen.

Gerade deshalb halten wir solche Veranstaltungen für wichtig.

Denn Frieden beginnt nicht erst in politischen Verhandlungen. Frieden beginnt dort, wo Menschen bereit sind zuzuhören, Fragen zu stellen und ihre eigenen Überzeugungen zu reflektieren.

Der Friedenstag in Schwäbisch Hall hat uns gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich genau das wünschen: Begegnung, Dialog und Menschlichkeit.

Wir gehen deshalb mit großer Dankbarkeit, neuen Impulsen und viel Hoffnung aus diesem Tag heraus.

Denn jede Begegnung, jedes Gespräch und jede ehrliche Frage sind ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer friedlicheren Gesellschaft.

Und vielleicht beginnt Frieden tatsächlich genau dort: von Mensch zu Mensch.

Fazit

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Themen Frieden, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung Menschen unterschiedlicher Generationen bewegen. Besonders wertvoll waren die zahlreichen persönlichen Gespräche und die Offenheit vieler Besucherinnen und Besucher.

Das interaktive Format mit Glücksrad, offener Gesprächskultur und Radiointerview erwies sich als geeigneter Ansatz, um Menschen niedrigschwellig anzusprechen und zum Nachdenken anzuregen.

Für zukünftige Aktionen sehen wir großes Potenzial in dialogorientierten Formaten, die Begegnung ermöglichen und Menschen dazu ermutigen, sich mit Fragen von Frieden, Verantwortung und Gewissensentscheidungen auseinanderzusetzen.

Der Friedenstag hat gezeigt: Wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, entstehen Verständnis, neue Perspektiven und Hoffnung. Genau darin sehen wir einen wichtigen Beitrag der Friedensarbeit in unserer Zeit.

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Der Bericht von Marianne und Gunther zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Begegnungen während der KDV-Tour waren. Die Gespräche reichten von jungen Menschen, die sich erstmals mit dem Thema Wehrpflicht beschäftigten, über Eltern und Großeltern bis hin zu Menschen mit eigenen Flucht- und Kriegserfahrungen.

Besonders die Begegnung mit dem aus Eritrea geflüchteten Mann, die Unterstützung durch den jungen Kriegsdienstverweigerer und die vielen Gespräche mit Eltern und Müttern machten deutlich, wie eng die Themen Frieden, Krieg und persönliche Verantwortung mit den Lebensgeschichten konkreter Menschen verbunden sind.

Für Franz bedeutete das am Ende des Tages erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einem schönen und erfolgreichen Tag in Schwäbisch Hall ging die Reise weiter.

Die nächste Station wartete bereits: Heilbronn.

10. Juni – Heilbronn

Mitten in der Innenstadt für Frieden und Kriegsdienstverweigerung

Foto: Andreas Stiegele

Nach den Stationen in Aalen und Schwäbisch Hall führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 10. Juni nach Heilbronn.

Wie immer pünktlich und bestens vorbereitet steuerte Franz Grundschöttel das KDV-Mobil auf den Kilianskirchhof im Herzen der Heilbronner Innenstadt. Dort warteten bereits die örtlichen Unterstützer*innen des Heilbronner Friedensrat sowie unser Kriegsdienstverweigerungsberater Andreas Gnekow auf die Tour.

Foto: Andreas Stiegele

Gemeinsam wurde der Stand aufgebaut. Wie schon an den vorherigen Stationen gehörten das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg sowie umfangreiche Informationsmaterialien zur Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zum Erscheinungsbild der Aktion.

Der Heilbronner Friedensrat setzt sich mit vielen Veranstaltungen, Infoständen und anderen Formaten kontinuierlich für Abrüstung, zivile Konfliktbearbeitung und Frieden ein. Vielen Dank für eure Mitarbeit und Unterstützung. Ohne euch hätten wir keine Station der KDV-Tour in Heilbronn durchführen können.

Der Kilianskirchhof erwies sich dabei als idealer Ort für die Aktion. Direkt vor der Kilianskirche entstand für einige Stunden ein kleiner Ort des Friedens mitten im geschäftigen Alltag der Innenstadt. Das KDV-Mobil, die Friedensfahnen, die Pavillons, das aufblasbare zerbrochene Gewehr und die Informationsstände waren schon von weitem sichtbar und luden Passant*innen dazu ein, stehenzubleiben und ins Gespräch zu kommen.

Wer über den Platz ging, konnte kaum übersehen, dass hier etwas anderes stattfand als die übliche Werbung um Aufmerksamkeit. Statt Rekrutierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit standen Fragen nach Frieden, Gewissen und persönlicher Verantwortung im Mittelpunkt. Natürlich informierten wir auch über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, über das landesweite Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK sowie über die verschiedenen Möglichkeiten, sich Krieg, Militarisierung und Wehrpflicht entgegenzustellen. Das große zerbrochene Gewehr wurde dabei zum sichtbaren Symbol einer Haltung, die sich gegen Krieg und Militarisierung richtet und der Kriegsmaschinerie Sand ins Getriebe streuen will.

Foto: Andreas Stiegele

Besonders erfreulich war, dass sich auch zahlreiche junge Menschen am Stand informierten. Viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zur Wehrpflicht und zur Kriegsdienstverweigerung zu stellen oder sich über ihre Rechte und Handlungsmöglichkeiten zu informieren. Die bereitliegenden Materialien zur Kriegsdienstverweigerung stießen auf reges Interesse.

Die Atmosphäre auf dem Kilianskirchhof war dabei offen und einladend. Zwischen Kirche, Fußgängerzone und Einkaufsbetrieb entstand für einige Stunden ein Raum für Nachfragen, Diskussionen und neue Perspektiven. Fast wirkte der Platz zeitweise wie ein kleines pazifistisches Dorf mitten in einer Gesellschaft, die zunehmend von Aufrüstung, Militärwerbung und Forderungen nach Kriegstüchtigkeit geprägt wird.

Nach mehreren Stunden auf dem Kilianskirchhof endete auch die Heilbronner Station der KDV-Tour. Für Franz bedeutete das erneut: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und das KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten.

Die nächste Station wartete bereits: Ludwigsburg.

11. Juni – Ludwigsburg

Werbung für die Verweigerung

Nach der Station in Heilbronn führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 11. Juni nach Ludwigsburg. Ziel war das Goethe-Gymnasium, wo die Tour insbesondere junge Menschen über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und ihre Rechte informieren wollte.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich und mit einer Menge Tatendrang am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK-Regionalgruppe Ludwigsburg wurde der Stand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, der symbolische Bundeswehr-Sarg und die Friedensfahnen nicht mehr zu übersehen.

An unserem Stand gab es Gummibärchen mit DFG-VK-Link, Aufkleber – darunter Klassiker wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ –, Handzettel mit Bezug zur Gamer-Szene und sogar Friedenstauben aus dem 3D-Drucker als Schmuckaccessoire, die ein Gruppenaktiver spontan vorbeigebracht hatte. Die Mischung aus Informationsangeboten und kreativen Mitmach-Elementen erwies sich als idealer Gesprächseinstieg.

Mehrere Stunden lang verteilten wir aktuelle Faltblätter mit Informationen zu Bundeswehrfragebogen, Musterung und Kriegsdienstverweigerung. Besonders gezielt sprachen wir ältere männliche Schüler an, da sie von einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht unmittelbar betroffen wären. Natürlich gaben wir die Materialien auch an viele andere Interessierte weiter. Schließlich werden die Diskussionen über Wehrpflicht, Militär und Kriegsdienstverweigerung nicht nur in Klassenzimmern geführt, sondern auch in Familien, Freundeskreisen und Vereinen. Die Informationen sollten möglichst viele Menschen erreichen und das Bewusstsein dafür stärken, dass eine weitere Militarisierung unserer Gesellschaft keine zwangsläufige Entwicklung ist.

Gleichzeitig informierten wir über das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen der DFG-VK. Auch unsere Regionalgruppe Ludwigsburg verfügt über ein Netzwerk an Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und steht Menschen zur Seite, die Fragen zu Wehrpflicht, Musterung oder Verweigerungsverfahren haben. Die Tour sollte auch deutlich machen: Niemand muss sich mit diesen Fragen allein auseinandersetzen.

Vor allem während der Schulpausen war am Stand richtig etwas los. Scharen von Schülerinnen und Schülern kamen vorbei, informierten sich, stellten Fragen und nahmen Material mit. Die DFG-VK-Gummibärchen fanden reißenden Absatz. Besonders beliebt waren die Aufkleber mit der Labubu-Figur und dem Slogan „Nein zum Kriegsdienst“.

Die Fotos des Tages zeigen eindrucksvoll, worum es bei der KDV-Tour ging: Nicht irgendwo im Verborgenen über Kriegsdienstverweigerung zu sprechen, sondern direkt dort präsent zu sein, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Zwischen Unterricht, Pausengesprächen und dem Weg nach Hause entstand ein Ort, an dem über Krieg, Frieden, Gewissen und persönliche Verantwortung diskutiert werden konnte.

Besonders erfreulich war die große Offenheit vieler Schüler*innen. In den Gesprächen und Diskussionen erlebten wir viel Zustimmung und immer wieder die Bereitschaft, sich auf unsere konsequent pazifistische Position einzulassen. Auch dort, wo nicht alle unserer Meinung waren, wurden die Gespräche respektvoll und interessiert geführt.

Dass die Aktion Aufmerksamkeit erregte, zeigte sich auch in der lokalen Berichterstattung. Unter der Überschrift „Bundeswehr: Werbung für Verweigerung“ berichtete die Ludwigsburger Kreiszeitung über die Aktion vor dem Goethe-Gymnasium. Der Titel brachte den Charakter der Tour treffend auf den Punkt: Während vielerorts für den Dienst an der Waffe geworben wird, informierten wir über das Recht, diesen Dienst zu verweigern.

Die Station in Ludwigsburg machte deutlich, wie groß der Informationsbedarf bei jungen Menschen ist. Viele von ihnen hören derzeit immer häufiger von Wehrpflicht, Kriegstüchtigkeit und militärischer Aufrüstung. Umso wichtiger ist es, dass sie auch erfahren, welche Rechte sie haben und dass Kriegsdienstverweigerung weiterhin ein Grundrecht ist.

Nach einem erfolgreichen Tag vor dem Goethe-Gymnasium hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer einsammeln, das zerbrochene Gewehr sichern, den Bundeswehr-Sarg verladen und alles im KDV-Mobil verstauen. Danach ging es ins Hotel, um noch etwas Kraft zu tanken. Denn die nächste Station versprach etwas ganz Besonderes zu werden: Das Ract!-Festival in Tübingen – einer der Höhepunkte der gesamten KDV-Tour Baden-Württemberg 2026.

12.–13. Juni – Tübingen

Das Herzstück der KDV-Tour: Das Ract!-Festival

Ein Höhepunkt und gleichzeitig das Herzstück unserer Kriegsdienstverweigerungstour durch Baden-Württemberg war das Ract!-Festival 2026 in Tübingen. Das Festival bezeichnet sich selbst als das größte politische Umsonst-und-Draußen-Festival Deutschlands und findet jedes Jahr in der wunderschönen Kastanienallee statt. Schon das diesjährige Motto „Nach oben treten“ machte deutlich, dass hier gesellschaftliche Verhältnisse kritisch hinterfragt werden sollen – ein Anspruch, den wir als Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen ausdrücklich teilen.

Wir freuten uns sehr über die Einladung der Festivalleitung, unsere Arbeit gegen Wehrpflicht und Militarisierung auf dem Festival vorzustellen und mit jungen Menschen über Kriegsdienstverweigerung ins Gespräch zu kommen. Gerade junge Menschen stehen aktuell wieder verstärkt im Fokus militärischer Planungen. Mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz werden sie systematisch erfasst, gleichzeitig nimmt die Präsenz der Bundeswehr in Schulen, auf Ausbildungsmessen und im öffentlichen Raum zu. Umso wichtiger war es für uns, dort präsent zu sein, wo junge Menschen zusammenkommen, diskutieren und politische Erfahrungen sammeln.

Bereits am Freitag begann unser Festivalwochenende. Gegen 14 Uhr trafen sich Franz und Jonas am Tübinger Bahnhof. Gemeinsam ging es zum Festivalgelände, wo der Stand aufgebaut wurde. Kurz darauf stieß auch Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) dazu und unterstützte uns beim Aufbau und bei den Vorbereitungen.

Der erste Programmpunkt ließ nicht lange auf sich warten. Bereits um 15.30 Uhr, nur eine halbe Stunde nach Festivalbeginn, startete unser Workshop zur Kriegsdienstverweigerung und zum Antimilitarismus. Trotz des zuvor ausgesprochen schlechten Wetters – zeitweise hatte es in Strömen geregnet – fanden rund zwölf Teilnehmende den Weg zur Veranstaltung. Besonders gefreut hat uns, dass darunter zwei Oberstufenkurse des Fachs Gemeinschaftskunde von unterschiedlichen Schulen waren. Die Fragen und Diskussionen zeigten deutlich, dass die Themen Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsdienstverweigerung viele junge Menschen beschäftigen.

Nach dem Workshop blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Für Jonas ging es direkt weiter zu einem Radiointerview bei der Wüsten Welle, dem freien Radio aus Tübingen. Dort stellte er die Ziele der KDV-Tour, die aktuelle Debatte um Wehrpflicht und die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung vor. Währenddessen lief am Stand die Beratung weiter.

Workshops auf dem RACT!: Wir gleich als erstes

In den folgenden Stunden entwickelte sich unser Stand zu einem lebendigen Ort der Begegnung. Immer wieder kamen junge Menschen vorbei, die wissen wollten, welche Rechte sie haben, falls die Wehrpflicht zurückkehrt. Andere fragten nach den Möglichkeiten einer Verweigerung als Reservistin oder Soldatin. Viele Gespräche drehten sich um die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft, die Aufrüstungspolitik der Bundesregierung und die Frage, welche Alternativen es zu militärischem Denken gibt.

Besonders auffällig war dabei, dass sich das Interesse nicht auf die unmittelbar Betroffenen beschränkte. Junge Eltern informierten sich für ihre Kinder, Großeltern nahmen Flyer und Broschüren mit, um sie an ihre Enkelkinder weiterzugeben. Immer wieder begegneten wir Menschen, die sich große Sorgen über die aktuelle politische Entwicklung machten und nach Orientierung suchten.

Kurz vor dem Andrang, von dem wir keine Fotos haben 🙂

Das Thema Krieg und Militarisierung war auf dem Festival allgegenwärtig. In zahlreichen Gesprächen wurde deutlich, dass viele Menschen die derzeitige politische Entwicklung mit Sorge betrachten. Die Milliardenprogramme für Aufrüstung, die Debatten über Kriegstüchtigkeit und Wehrpflicht sowie die zunehmende militärische Präsenz im Alltag beschäftigen viele Besucher*innen.

Natürlich waren die Reaktionen auf uns nicht ausschließlich positiv. Bei einem Festival mit mehreren tausend Menschen trifft man auf die unterschiedlichsten politischen Auffassungen. Die Spannbreite reichte von großer Dankbarkeit für unser Beratungsangebot über ein kritisches Hinterfragen unserer Vorstellungen ziviler Verteidigung und gewaltfreier Konfliktbearbeitung bis hin zu offenen Anfeindungen für unsere pazifistische Haltung.

Besonders in Erinnerung geblieben sind Gespräche mit jungen queeren Menschen, die ratlos und besorgt waren angesichts einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht und wissen wollten, welche Handlungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Gleichzeitig gab es auch Besucher*innen, die unsere Positionen entschieden ablehnten. Ein Anhänger der AfD warf uns vor, die „Retter Deutschlands“ zu diffamieren, und verteidigte die aktuelle Aufrüstungspolitik. Solche Begegnungen zeigen, wie kontrovers die gesellschaftliche Debatte inzwischen geführt wird.

Für uns bleibt dabei entscheidend, auf die historischen Erfahrungen hinzuweisen. Europa hat bereits erlebt, wohin Nationalismus, Militarisierung und Aufrüstung führen können. Gerade in einer Zeit, in der autoritäre und rechtsextreme Kräfte wieder an Einfluss gewinnen, halten wir es für gefährlich, militärische Stärke erneut zum zentralen politischen Leitbild zu erklären. Friedenspolitik bedeutet für uns internationale Zusammenarbeit, Diplomatie und zivile Konfliktbearbeitung – nicht immer größere Armeen und immer neue Rüstungsprogramme.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte unser Aktionsmaterial. Das große aufblasbare zerbrochene Gewehr entwickelte sich zu einem regelrechten Publikumsmagneten. Gemeinsam mit dem symbolischen Bundeswehr-Sarg, auf dem die Botschaft stand, dass dort eine Bundeswehrkarriere enden kann, zog unser Stand zahlreiche Menschen an. Viele machten Fotos, diskutierten über die Symbole oder kamen gerade deshalb erstmals mit uns ins Gespräch.

Die beiden Objekte erfüllten genau den Zweck, für den sie gedacht sind: Aufmerksamkeit erzeugen und Gespräche ermöglichen. Immer wieder standen Menschen vor dem Gewehr oder dem Sarg, machten Bilder und diskutierten miteinander. Für die Zukunft überlegen wir sogar, das Gewehr noch stärker als Fotopunkt für soziale Medien zu nutzen, um die Reichweite unserer Friedensarbeit weiter zu erhöhen.

Auch unsere Sticker erfreuten sich großer Beliebtheit. Zahlreiche Besucher*innen deckten sich damit ein und räumten unsere Bestände beinahe leer. Vielleicht taucht der eine oder andere davon künftig wieder an Laternen, Stromkästen oder anderen Orten im Tübinger Stadtbild auf.

Der Samstag begann für uns etwas entspannter. Während auf dem Festivalgelände bereits das Programm lief und prominente Gäste wie Volker Wissing und Saskia Esken (abgesagt) über Demokratie diskutierten (sollten), entschieden wir uns nach dem langen Vortag lieber für einen ruhigeren und ehrlicheren Start. Wir nutzten die Gelegenheit, auszuschlafen und die schöne Universitätsstadt Tübingen zu erkunden.

Am Nachmittag kehrten wir auf das Festivalgelände zurück. Bei guter Musik, sommerlichem Wetter und entspannter Atmosphäre bauten wir unseren Stand erneut auf. Schnell entstanden wieder zahlreiche Gespräche. Dabei merkten wir auch, dass das Publikum am Samstagnachmittag etwas weniger jung, etwas weniger links und insgesamt weniger antimilitaristisch geprägt war als am Vortag. Die Gespräche wurden dadurch diskursiver und kontroverser. Gerade daraus entstanden jedoch viele interessante Diskussionen über Wehrpflicht, Aufrüstung und Friedenspolitik. Manche Besucher*innen waren bereits am Freitag bei uns gewesen und kamen nun erneut vorbei. Andere entdeckten unseren Stand erstmals und nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren oder Material mitzunehmen.

Bis etwa 22 Uhr waren wir auf dem Festival präsent. Danach begann der Abbau. Während rund um uns herum noch gefeiert wurde, verschwanden Gewehr, Sarg, Pavillon und Infomaterial nach und nach wieder im KDV-Mobil. Am nächsten Morgen sollte die Tour bereits weitergehen – zur nächsten Station nach Mannheim.

Ein besonderer Dank gilt der Informationsstelle Militarisierung (IMI), die uns während des gesamten Festivals unterstützt hat. Zwischen der IMI und der DFG-VK Baden-Württemberg bestehen seit vielen Jahren enge Verbindungen. Viele Aktive engagieren sich in beiden Organisationen und arbeiten gemeinsam daran, Militarisierung kritisch zu analysieren und friedenspolitische Alternativen sichtbar zu machen.

Besonders bedanken möchten wir uns bei Reza und Pablo. Mit ihrem Fachwissen, ihrer Schlagfertigkeit, ihrer Geduld und ihrer großen Empathie haben sie unseren Stand bereichert und unzählige Gespräche mit Besucher*innen geführt. Ihre Unterstützung war für uns fachlich wie menschlich von großem Wert.

Es war uns eine große Freude, mit euch gemeinsam für Frieden, Aufklärung und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung einzutreten.

Das Ract!-Festival war für uns weit mehr als nur eine weitere Station der Tour. Nirgendwo sonst erreichten wir innerhalb von zwei Tagen so viele junge Menschen. Die zahlreichen Gespräche, die große Nachfrage nach Informationen und die vielen positiven Rückmeldungen machten deutlich, wie wichtig es ist, die Themen Kriegsdienstverweigerung und Antimilitarismus gerade dort sichtbar zu machen, wo junge Menschen zusammenkommen.

Wenn wir auf die Tour zurückblicken, dann war Tübingen nicht nur eine Station. Es war das Herzstück der Reise. Hier wurde besonders deutlich, dass viele Menschen keine Lust auf Töten und Sterben für Deutschland haben, sich Gedanken über eine friedliche Zukunft machen und nach Antworten auf die Krisen unserer Zeit suchen.

Genau für diese Menschen sind wir unterwegs. Genau für diese Menschen ist es wichtig, Kriegsdienstverweigerungsberatung anzubieten. Und genau deshalb braucht es auch in Zukunft eine starke antifaschistische Friedensbewegung.

14. Juni – Mannheim

Kriegsdienstverweigerung trifft Veteranentag

Nach zwei intensiven Tagen auf dem Ract!-Festival in Tübingen führte die KDV-Tour am 14. Juni nach Mannheim. Dort traf sie auf eine Situation, die aktueller kaum hätte sein können. In Mannheim wurde der Veteranentag begangen – ein bundesweiter Aktionstag, mit dem Soldat*innen stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt und militärischer Dienst gesellschaftlich aufgewertet werden soll.

Für die DFG-VK Baden-Württemberg war schnell klar, dass wir an diesem Tag nicht einfach nur informieren, sondern auch Position beziehen würden.

Die Proteste wurden von einem breiten Bündnis getragen. Gemeinsam mit der Regionalgruppe Mannheim der DFG-VK, der Interventionistischen Linken, der Partei Die Linke, der Initiative Soziale Kämpfe Mannheim (ISK), dem Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung Mannheim (OTKM), den Schulstreiks gegen Wehrpflicht sowie weiteren Aktiven beteiligten wir uns an den Aktionen gegen den Veteranentag.

Denn aus unserer Sicht ist dieser Veteranentag weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldat*innen. Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken soll. Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit wachsender Aufrüstung, der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, einer zunehmenden Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum und neuer Debatten über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Genau gegen diese Entwicklung richtete sich unser Protest.

Die Bilder des Tages waren eindrucksvoll. Transparente mit Aufschriften wie „Verweigern“, „Desertieren“ und „Sabotieren“ machten deutlich, dass viele Menschen die aktuelle Entwicklung kritisch sehen. Die Proteste waren entschlossen, kreativ und sichtbar. Sie machten deutlich, dass die Militarisierung der Gesellschaft keineswegs widerspruchslos hingenommen wird.

In zahlreichen Redebeiträgen wurde kritisiert, dass militärischer Dienst zunehmend öffentlich gewürdigt und aufgewertet wird, während gleichzeitig soziale Bereiche unter Finanzierungsdruck geraten. Teilnehmer*innen stellten die Frage, warum Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden, während in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und anderen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Mitten in diesem Umfeld war auch die KDV-Tour präsent. Das KDV-Mobil und unsere Informationsmaterialien boten die Möglichkeit, aus grundsätzlicher Kritik konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Die Beratung zur Kriegsdienstverweigerung stand an diesem Tag nicht im Mittelpunkt der Aktion, war aber ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots. Denn wer die zunehmende Militarisierung kritisch betrachtet, stellt sich häufig auch die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, sich militärischen Zwängen persönlich zu entziehen.

Deshalb informierten wir am Rande der Proteste über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Rechte von Reservistinnen und Soldatinnen. Wir machten deutlich, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht mit dem Eintritt in die Bundeswehr endet und dass niemand gegen sein Gewissen zum Militärdienst gezwungen werden sollte.

Auf der Kundgebung sprach auch Jonas Fehrenbach, Geschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg. In seiner Rede kritisierte er die aktuelle Aufrüstungspolitik, die gesellschaftliche Aufwertung des Militärs und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben.

Rede von Jonas Fehrenbach auf der Kundgebung gegen den Veteranentag

Die folgende Rede wurde am 14. Juni 2026 auf der Kundgebung gegen den Veteranentag in Mannheim gehalten:

Hallo,

mein Name ist Jonas Fehrenbach. Ich bin der Geschäftsführer des Landesverbandes Baden-Württemberg der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen in Baden-Württemberg.

Heute möchte ich aber auch als Vater von zwei kleinen Kindern zu euch sprechen.

Denn diese Aufrüstung, dieser Wahn von der größten Armee Europas und die immer stärkere Verknüpfung von zivilem und militärischem Leben sind aus meiner Sicht brandgefährlich.

Brandbeschleuniger für unsere Gesellschaft. Brandgefährlich für unsere Demokratie und brandgefährlich für die Zukunft unserer Kinder.

Und genau deshalb stehe ich heute hier und protestiere gegen den Veteranentag.

Denn dieser Veteranentag ist weit mehr als nur eine Veranstaltung zur Ehrung von Soldatinnen und Soldaten.

Er ist Teil einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die das Militärische wieder stärker in die Mitte unserer Gesellschaft rücken soll.

Der Veteranentag reiht sich ein in eine Zeit von ungebremster Aufrüstung, von der Forderung nach Kriegstüchtigkeit, von immer mehr Bundeswehr an Schulen, von Feriencamps der Bundeswehr für Kinder und Jugendliche, von der Militarisierung des Gesundheitswesens und von Debatten über die Wiedereinführung eines verpflichtenden Wehrdienstes.

All diese Entwicklungen verfolgen dasselbe Ziel: militärisches Denken und Handeln wieder als etwas Normales, Selbstverständliches und Positives in unserer Gesellschaft zu verankern.

Aber wir brauchen kein neues deutsches Heldentum.

Wir brauchen keinen Veteranentag.

Uns Pazifistinnen und Pazifisten wird oft vorgeworfen, wir seien naiv oder blind für die wirklichen Gefahren unserer Zeit.

Doch wenn bei uns angesichts dieser militaristischen Entwicklungen die Alarmglocken läuten, dann, wie ich finde, nur aus guten Gründen.

Denn wir sind nicht irgendein Land hier.

Deutschland hat vor nicht einmal 100 Jahren den Zweiten Weltkrieg entfesselt und mit dem Holocaust das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte zu verantworten.

Diese Verbrechen fielen nicht vom Himmel. Ihnen gingen Aufrüstung, Militarisierung, Feindbilder und die Verherrlichung von Gehorsam voraus.

Ohne einen in der Gesellschaft breit verankerten Militarismus wäre der Weg in den Krieg und der Holocaust nicht möglich gewesen.

Und genau deshalb halten wir die aktuelle Militarisierungs- und Aufrüstungsstrategie für geschichtsvergessen und gefährlich.

Die Lehre aus der deutschen Geschichte sollte deshalb nicht sein, wieder mehr Militär zu wollen.

Die Lehre muss sein, alles dafür zu tun, Konflikte friedlich zu lösen.

Und wir werden immer mehr.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen die ungebremste, von der Schuldenbremse ausgenommene Militarisierung unserer Gesellschaft nicht mittragen wollen.

Wir erleben, dass immer mehr Menschen erkennen, dass Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit und militärische Stärke keine Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit sind.

Denn Panzer schaffen keine Kitaplätze, Raketen bekämpfen keine Armut und die Androhung von Gewalt schafft weder soziale Gerechtigkeit noch dauerhaften Frieden.

Wir stellen uns gegen die Wehrpflicht. Oder, wie wir sie lieber nennen: gegen den Kriegsdienstzwang.

Der Kriegsdienstzwang muss aus dem Grundgesetz gestrichen werden.

Denn niemand sollte gezwungen werden können, für Deutschland zu töten oder zu sterben.

Und solange er nicht aus dem Grundgesetz gestrichen ist, helfen wir Menschen dabei, den Kriegsdienst an der Waffe zu verweigern.

Dafür hat die DFG-VK bundesweit und auch hier in Baden-Württemberg ein Netzwerk von Kriegsdienstverweigerungsberaterinnen und -beratern aufgebaut.

Informieren könnt ihr euch auf verweigern.info.

Wir helfen allen, die nicht für Deutschland töten und sterben wollen.

Und wir helfen auch Reservistinnen und Reservisten, die nicht für militärische Übungen und Kriegsvorbereitungen einberufen werden wollen.

Gerade sind wir mit unserer Kriegsdienstverweigerungstour zwei Wochen lang durch Baden-Württemberg unterwegs.

Von Aalen bis Lörrach informieren wir über das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und darüber, wie man es wahrnehmen kann.

Und das ist erst der Anfang.

Wir werden uns weiter gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft wehren.

Wir wehren uns gegen den Veteranentag.

Wir wehren uns gegen neues deutsches Heldentum.

Auch für meine Kinder.

Für alle Kinder.

Denn sie haben es verdient, in einer friedlichen Gesellschaft aufzuwachsen.

Vielen Dank.

Die Redebeiträge der Kundgebung machten deutlich, was viele Menschen an diesem Tag bewegte. Spürbar war die Sorge vor einer Gesellschaft, in der militärisches Denken und militärische Lösungen wieder zunehmend als selbstverständlich gelten. Kritisiert wurde auch die politische Prioritätensetzung, die immer größere Summen für Aufrüstung und militärische Strukturen bereitstellt, während gleichzeitig in sozialen Bereichen, im Bildungswesen, im Gesundheitssektor und bei der öffentlichen Daseinsvorsorge vielerorts Geld fehlt.

Es wurde davor gewarnt, dass diese Entwicklung nicht nur die Militarisierung der Gesellschaft vorantreibt, sondern auch soziale Ungleichheiten verschärft. Wenn Milliarden für Panzer, Raketen und militärische Infrastruktur verfügbar sind, während Kommunen Schwimmbäder schließen, Schulen sanieren müssen oder soziale Einrichtungen um ihre Finanzierung kämpfen, dann droht dies die gesellschaftliche Spaltung weiter zu vertiefen.

Mehrfach wurde dabei auch eine grundsätzliche Kritik an den wirtschaftlichen Interessen hinter Aufrüstung und Krieg formuliert. In den Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass von militärischen Konflikten und steigenden Rüstungsausgaben vor allem große Rüstungskonzerne und ihre Eigentümerinnen profitieren, während die Kosten von der Allgemeinheit getragen werden. Während wenige an Aufrüstung, Waffenexporten und militärischer Produktion verdienen, sind es im Ernstfall Soldatinnen und die Zivilbevölkerung, die Verwundung, Vertreibung, Leid und Tod erleiden.

Aus Sicht der Teilnehmer*innen besteht genau darin eine zusätzliche Gefahr der aktuellen Aufrüstungspolitik: Sie bindet nicht nur enorme finanzielle Ressourcen, sondern verschiebt auch politische Prioritäten. Statt soziale Probleme zu lösen, werden militärische Antworten immer stärker in den Mittelpunkt gestellt. Die Proteste gegen den Veteranentag richteten sich deshalb nicht allein gegen die Aufwertung des Militärischen, sondern auch gegen die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Folgen dieser Entwicklung.

Gerade deshalb war Mannheim eine wichtige Station der KDV-Tour. Nirgendwo sonst traf die politische Auseinandersetzung um Militarisierung, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit so unmittelbar auf das konkrete Angebot der Kriegsdienstverweigerungsberatung.

Gemeinsam mit unseren Bündnispartner*innen konnten wir zeigen, dass es auch in Zeiten wachsender Militarisierung Widerspruch gibt. Dass viele Menschen weiterhin für Diplomatie, zivile Konfliktbearbeitung und Abrüstung eintreten. Und dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Bestandteil einer demokratischen und friedensorientierten Gesellschaft bleibt.

Die Mannheimer Station machte deutlich: Die Debatte über Militarisierung wird nicht nur in Parlamenten geführt. Sie wird auch auf Straßen und Plätzen geführt – von Menschen, die sich eine friedlichere Zukunft wünschen und bereit sind, dafür öffentlich einzutreten.

Unterbrechung der KDV-Tour: Hessentag in Fulda

Nach den intensiven Stationen in Aalen, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen und Mannheim legte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 15. und 16. Juni 2026 eine kurze Pause ein. Zumindest auf den ersten Blick.

Tatsächlich bedeuteten die beiden Tage keineswegs Stillstand. Franz Grundschöttel machte sich stattdessen mit dem DFG-VK-Bus auf den Weg nach Fulda zum Hessentag. Die DFG-VK Hessen sowie die örtlichen Aktiven aus Fulda hatten schon länger um Unterstützung gebeten. Grund dafür war der umfangreiche Auftritt der Bundeswehr auf dem Hessentag. Wo das Militär mit großem Aufwand um Akzeptanz, Nachwuchs und gesellschaftliche Anerkennung wirbt, dürfen friedenspolitische und antimilitaristische Positionen nicht fehlen.

Deshalb wurde die KDV-Tour durch Baden-Württemberg für zwei Tage unterbrochen. Auch wenn die Aktionen in Fulda nicht Teil der baden-württembergischen Tour waren, gehörten sie doch zum gleichen Anliegen: Menschen über Militarisierung, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung zu informieren und der allgegenwärtigen Bundeswehrwerbung eine kritische Perspektive entgegenzusetzen.

Für Franz bedeutete das einmal mehr: keine Pause, sondern zusätzliche Kilometer und weitere Tage friedenspolitischer Öffentlichkeitsarbeit. Nach dem Einsatz auf dem Hessentag unterstützte er einen Tag später noch einen Infostand in Aalen, bevor das KDV-Mobil wieder Kurs auf die nächste Station der Tour durch Ba-Wü nahm.

Wie bereits angekündigt, ging es am 17. Juni mit der KDV-Tour Baden-Württemberg weiter. Die nächste Station wartete bereits: Offenburg.

17. Juni – Offenburg

Infostand und Sommerfest gegen Wehrpflicht

Nach zwei Tagen Unterbrechung kehrte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 17. Juni wieder nach Baden-Württemberg zurück. Die nächste Station war Offenburg, wo die Tour gleich zwei sehr unterschiedliche Orte miteinander verband: die Offenburger Innenstadt und den Bürgerpark.

Wie gewohnt traf Franz Grundschöttel mit dem KDV-Mobil pünktlich am Aktionsort ein. Gemeinsam mit Aktiven der DFG-VK Mittelbaden wurde zunächst in der Langestraße vor dem Gymnasium „Unserer Lieben Frau“ der Infostand aufgebaut. Schon bald waren das KDV-Mobil, das aufblasbare zerbrochene Gewehr, die Friedensfahnen und das große Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ nicht mehr zu übersehen.

Wie an den anderen Stationen der Tour informierten wir über Wehrpflicht, Musterung, Kriegsdienstverweigerung und die Möglichkeiten, sich Krieg und Militarisierung entgegenzustellen. Auch in Offenburg stellten wir das Netzwerk der Kriegsdienstverweigerungsberater*innen der DFG-VK vor und machten deutlich: Niemand muss sich mit Fragen zu Wehrpflicht oder Kriegsdienstverweigerung allein auseinandersetzen.

Der Standort vor dem Gymnasium sorgte dafür, dass viele Jugendliche direkt mit dem Infostand in Kontakt kamen. Einige nahmen Informationsmaterial mit, andere blieben für Gespräche stehen. Besonders das neue Banner „Nein zum Kriegsdienst!“ zog Aufmerksamkeit auf sich und brachte die Botschaft der Aktion auf den Punkt. Das große zerbrochene Gewehr setzte dazu einen weithin sichtbaren Kontrapunkt zu den zunehmenden Forderungen nach Aufrüstung, Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit.

Schon in der Vorbereitung war es beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die jungen Menschen von „Nein zur Wehrpflicht“ und der SDAJ Offenburg das Sommerfest gegen Wehrpflicht auf die Beine stellten. Dabei fiel die Organisation ausgerechnet in eine Woche, in der vielerorts Aktionen gegen den Veteranentag stattfanden und die Schulstreiks gegen Wehrpflicht zu weiteren Protesten mobilisierten. Umso bemerkenswerter war es, dass dennoch ein so vielfältiges Programm auf die Beine gestellt wurde.

Am Nachmittag verlagerte sich die Aktion in den Bürgerpark. Dort fand ab 17 Uhr das Sommerfest gegen Wehrpflicht statt, das gemeinsam von der DFG-VK Mittelbaden, der SDAJ Offenburg und der Initiative „Nein zur Wehrpflicht“ organisiert wurde. Die Veranstaltung verband politische Information mit Kultur, Begegnung und gemeinsamer Organisierung.

Melind (Eine Hälfte des Freiburger Duos „Rotgeld“)

Gerade darin lag die besondere Stärke der Offenburger Station. Friedensarbeit besteht nicht nur aus Informationsständen, Flugblättern und politischen Forderungen. Sie lebt auch von Begegnung, Kreativität, Kultur und dem gemeinsamen Nachdenken darüber, wie eine friedlichere Gesellschaft aussehen kann. Das Sommerfest gegen Wehrpflicht machte dies möglich und sichtbar.

Inan Euro (Rap gegen Krieg)

Die gemeinsame Botschaft des Tages war klar: Die Militarisierung Deutschlands nimmt zu – auch in den Köpfen. Dem wollten die beteiligten Gruppen etwas entgegensetzen. Mit Information, Diskussion, Kultur und solidarischem Miteinander wurde deutlich gemacht, dass Wehrpflicht und Militarisierung nicht alternativlos sind.

Unser besonderer Dank gilt den jungen Aktiven von „Nein zur Wehrpflicht“, der SDAJ Offenburg sowie der DFG-VK Mittelbaden für die Organisation und Durchführung des Sommerfestes. Wir hoffen, als DFG-VK Baden-Württemberg unseren Teil dazu beigetragen zu haben, dass dieser Tag stattfinden konnte und zu einem sichtbaren Zeichen gegen Wehrpflicht und Militarisierung wurde.

Als sich der Abend langsam dem Ende zuneigte, hieß es für Franz schließlich wieder: Pavillon abbauen, Flyer verstauen, das zerbrochene Gewehr sichern und alles im KDV-Mobil für die nächste Etappe vorbereiten. Nach einer kurzen Nacht wartete bereits die nächste Station der Tour.

Die nächste Station führte weiter Richtung Süden: Freiburg.

18. Juni – Freiburg

Drei Stationen bei 40 Grad

Nach der Station in Offenburg führte die KDV-Tour Baden-Württemberg am 18. Juni nach Freiburg. Gemeinsam mit dem Freiburger Friedensforum und der DFG-VK Regionalgruppe Freiburg waren gleich drei Aktionsorte geplant. Ziel war es, sowohl Berufsschüler*innen als auch Studierende über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und die Beratungsangebote der DFG-VK zu informieren.

Die Freiburger Station sollte sich dabei als eine der anstrengendsten Etappen, aber auch als eine der sichtbarsten und öffentlich wirksamsten der gesamten Tour erweisen. Bei Temperaturen um die 40 Grad war nicht nur politische Überzeugung gefragt, sondern auch Ausdauer.

Den Bericht unserer Freiburger Freund*innen dokumentieren wir im Folgenden weitgehend in ihren eigenen Worten:

3 Stationen KDV-Info

Los ging es um 8.30 Uhr im Eschholzpark, wo sich ein großes Berufsschulzentrum befindet. Zuvor hatten wir Rendezvous mit Franz und seinem DFG-VK-Friedens-Transporter, um ihn in den Park zu lotsen, wo ihn bereits mehrere Aktivist*innen aus den lokalen Friedensgruppen erwarteten.

Routiniert wies Franz alle ein, um bei sengender Hitze einen Pavillon aufzubauen und alsbald das aufblasbare, symbolisch zerbrochene riesige Gewehr aufzustellen. Es setzte uns und einige Schülerinnen und Zuschauerinnen in Erstaunen, wie binnen kürzester Zeit das eingebaute elektrische Gebläse, gespeist von einem mobilen 40-kg-Akku, das Gewehr auf etwa drei Meter Höhe und fünf Meter Breite unübersehbar entfaltete.

Als weiterer Blickfang wurde aus dem Transporter ein grauer Sarg mit Flagge, Gewehr und Helm sowie der Aufschrift „Hier kann Deine Karriere bei der Bundeswehr enden“ am Weg zur Schule platziert.

Etliche Schüler*innen passierten den Weg sichtlich überrascht und waren oftmals hin- und hergerissen zwischen Neugier und vorsichtiger Distanz zu diesem Friedens-„Überfall“.

Einige von uns verteilten Flyer zur Kriegsdienstverweigerung, während andere das Gespräch mit den Schüler*innen suchten.

Kaum hatten sich unsere Abläufe und Tätigkeiten eingespielt, bauten wir auch schon ruckzuck alles wieder ab, um in der Pause vor einer anderen Berufsschule mit unserem aufgeblasenen Gewehr unübersehbar präsent zu sein.

Wir führten etliche Gespräche, bis wir dann zum schwierigsten und anstrengendsten Teil unserer Infotour aufbrachen.

Unter Polizeibegleitung zogen wir das Gewehr auf seiner angebrachten Transportplattform nebst 40 kg schwerem mobilem Akku etwa 1.000 Meter durch die Innenstadt zur dritten und letzten Station zwischen Mensa und Universitätsbibliothek und erregten damit viel Aufmerksamkeit.

An dieser stark frequentierten Stelle nahmen nicht nur Menschen in vorbeifahrenden Straßenbahnen die Werbung für Kriegsdienstverweigerung wahr, sondern auch unzählige Studierende auf dem Weg zur Mensa und zur Universitätsbibliothek.

Auch die Lokalzeitung war mit Fotograf und Reporterin vor Ort.

Doch leider erschien anschließend kein Bericht. Vielleicht, weil die Aktion – wie so oft bei unseren Aktivitäten – nicht in die politische Linie der Zeitung passte.

Nach insgesamt rund sechs Stunden Engagement und Einsatz bei knapp 40 Grad beendeten wir unsere Aktion und dankten dem Fahrer Franz, der anschließend nach Lörrach aufbrach, um dort am nächsten Tag weiterzumachen.

Der Freiburger Bericht zeigt eindrucksvoll, welcher organisatorische und körperliche Aufwand hinter einem solchen Tourstopp steckt. Drei Stationen müssen erst einmal angemeldet, aufgebaut und bespielt werden. Hinzu kommen unzählige Gespräche, der mehrfache Auf- und Abbau, der Transport des Materials quer durch die Stadt und die Herausforderung, bei Temperaturen um die 40 Grad einen kühlen Kopf zu bewahren.

Hier zeigte sich einmal mehr, welch große Unterstützung Franz mit seiner Erfahrung, Gelassenheit und Professionalität für die jeweiligen örtlichen Gruppen war. Auch in Freiburg war er weit mehr als nur Fahrer des KDV-Mobils. Er sorgte dafür, dass Material, Logistik und Ablauf funktionierten und die Aktiven sich auf ihre Gespräche und die politische Arbeit konzentrieren konnten.

Am Ende dieses langen und heißen Tages hieß es für Franz erneut: alles verstauen, das KDV-Mobil vorbereiten und weiterfahren. Die Tour führte nun zur letzten Station der KDV-Tour Baden-Württemberg 2026: nach Lörrach.

19. Juni – Lörrach

Ein heißer Tourabschluss an der Schweizer Grenze

Mit der Station in Lörrach erreichte die KDV-Infotour am 19. Juni ihren Abschluss. Nach fast zwei Wochen unterwegs durch Baden-Württemberg endete die Reise dort, wo das Bundesland an die Schweiz grenzt. Begonnen hatte die Tour in Aalen nahe der bayerischen Grenze, nun führte sie bis an den südwestlichen Rand Baden-Württembergs. Kaum eine andere Station machte so deutlich, wie flächendeckend die Tour angelegt war.

Gemeinsam mit dem Kriegsdienstverweigerungsberater Franz Habig informierte die DFG-VK auf dem Bahnhofsvorplatz über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und Friedenspolitik. Wie an vielen anderen Orten war auch in Lörrach das große aufblasbare zerbrochene Gewehr aufgebaut. Gemeinsam mit dem symbolischen Sarg zog es die Aufmerksamkeit vieler Passantinnen und Passanten auf sich und bot einen niedrigschwelligen Einstieg in Gespräche über Krieg, Frieden und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Ergänzt wurde das Angebot durch einen Gewissensparcours, der Besucherinnen und Besucher dazu einlud, sich mit Fragen von Gewissen, Verantwortung und persönlicher Entscheidung auseinanderzusetzen. Außerdem bestand die Möglichkeit, an einem Preisausschreiben teilzunehmen, das zusätzliche Menschen an den Stand lockte und zahlreiche Gespräche ermöglichte.

Der Aktionstag fiel allerdings in eine außergewöhnliche Hitzewelle. Die Temperaturen näherten sich der 40-Grad-Marke und machten die politische Arbeit auf öffentlichen Plätzen zu einer besonderen Herausforderung. Viele Menschen suchten möglichst schnell Schatten oder klimatisierte Räume auf. Entsprechend war es schwieriger als an anderen Stationen, Passantinnen und Passanten für längere Gespräche zu gewinnen.

Dennoch ergaben sich wichtige Begegnungen. Besonders Jugendliche fühlten sich von den auffälligen Aktionsmaterialien angesprochen und kamen mit den Aktiven ins Gespräch. Dabei ging es um die drohende Rückkehr der Wehrpflicht, die Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung und die Frage, wie sich junge Menschen für Frieden engagieren können. Auch andere Passantinnen und Passanten blieben stehen, informierten sich und diskutierten über aktuelle politische Entwicklungen.

Ursprünglich war geplant, den Infostand am Nachmittag vom Bahnhof in den Hebelpark zu verlegen. Dort sollte der Aktionstag mit weiteren Gesprächen und einem Auftritt des Musikers Ben Meech fortgesetzt werden. Aufgrund der extremen Hitze wurde jedoch entschieden, das Programm zu verkürzen. Der Infostand wurde bereits gegen 14 Uhr abgebaut und auf die Verlegung in den Hebelpark verzichtet. Nach den vielen Stationen der vergangenen Wochen konnte Tourfahrer Franz Grundschöttel damit die Heimreise zu seiner Familie antreten. Franz Habig und Frieder setzten ihre Friedensarbeit vor Ort dennoch fort und führten weitere Gespräche in Lörrach.

Ein besonderer Erfolg des Tages zeigte sich an anderer Stelle. Die Gespräche in Lörrach machten deutlich, dass es vor Ort Interesse an einer stärkeren friedenspolitischen Vernetzung gibt. Mehrere Menschen signalisierten Interesse daran, sich künftig in einer örtlichen Friedensgruppe zu engagieren. Franz Habig wird diese Kontakte weiterführen. Damit besteht die realistische Hoffnung, dass in Lörrach wieder eine aktive Regionalgruppe der DFG-VK entsteht.

Auch über die Tour hinaus sind bereits weitere Aktivitäten geplant. So soll am 6. August eine Friedensmahnwache zum Hiroshima-Gedenktag stattfinden. Außerdem ist eine Veranstaltung mit dem Religionspädagogen und DFG-VK-Mitglied Theo Ziegler in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung vorgesehen. Neben musikalischen Beiträgen wird dabei auch die aktuelle Friedenspolitik Thema sein.

Mit Lörrach endete eine intensive und erfolgreiche Reise durch Baden-Württemberg. Die Tour führte von der Ostalb bis an die Schweizer Grenze, von Schulhöfen über Marktplätze bis zu Festivals und Demonstrationen. Überall zeigte sich: Das Interesse an Informationen über Kriegsdienstverweigerung ist groß. Viele Menschen wollen wissen, welche Rechte sie haben und wie sie sich einer zunehmenden Militarisierung entgegenstellen können.

Die KDV-Infotour 2026 ist vorbei. Die Beratungsarbeit geht weiter. Die vielen Gespräche, die positive Resonanz, die neuen Kontakte und die große mediale Aufmerksamkeit haben gezeigt, dass eine solche Tour dringend gebraucht wird.

Die Rückmeldungen entlang der Strecke machen Mut. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis dieser Reise deshalb nicht nur, wie viele Menschen wir erreicht haben, sondern auch, wie viele Menschen sich eine Fortsetzung wünschen.

Die Resonanz auf die KDV-Tour Baden-Württemberg 2026 ruft geradezu nach einer KDV-Tour Baden-Württemberg 2027. Was noch zu sagen wäre: Danke! Danke an alle, die diese wichtige Tour durch Baden-Württemberg möglich gemacht und ermöglicht haben. 

Unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter gegen den Kriegsdienstzwang

Eine solche Tour entsteht nicht im Landesbüro. Sie lebt von den Menschen vor Ort.

  • In Aalen unterstützten uns Roland Hamm von der DFG-VK Ostalb (noch zu gründen :-)) und Jürgen Menzel von act4transformation.
  • In Schwäbisch Hall trugen insbesondere Marianne Haufe und Gunther Reber die Aktion mit großem Engagement.
  • In Heilbronn unterstützten uns Andreas Stiegele, Brigitte Klein vom Friedensrat Heilbronn.
  • In Ludwigsburg organisierte die Regionalgruppe Ludwigsburg einen hervorragend vorbereiteten Aktionstag.
  • Auf dem Ract!-Festival in Tübingen halfen uns Reza und Pablo von der Informationsstelle Militarisierung (IMI).
  • In Mannheim unterstützte uns die Regionalgruppe Mannheim mit Otto Reger an der Spitze.
  • In Offenburg arbeiteten wir mit der Regionalgruppe Mittelbaden sowie der SDAJ Offenburg zusammen.
  • In Freiburg beteiligten sich die Regionalgruppe Freiburg und weitere Aktive des Friedensforums Freiburg.
  • In Lörrach organisierte Franz Habig als Kriegsdienstverweigerungsberater die örtliche Aktion.

Allen gemeinsam war das Ziel, Menschen über ihr Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu informieren und ihnen praktische Unterstützung anzubieten. Dieses Eintreten für eine friedlichere Welt kann (in Zeiten wie diesen) gar nicht genug gewürdigt werden. 

22 Mai, 2026

KDV-Tour durch Ba-Wü

🕊️ ✌️ 🌈

KDV-Infotour durch Baden-Württemberg
vom 8. bis 19. Juni 2026

Mit dem KDV-Mobil unterwegs durch „the Länd“ für Beratung und Information, Gewaltfreiheit und Frieden.

Gemeinsam mit der Stiftung Care for Future organisiert die DFG-VK Baden-Württemberg eine landesweite Infotour zur Kriegsdienstverweigerung durch Baden-Württemberg. Ziel der Tour ist es, insbesondere jungen Menschen die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung näherzubringen, über Verfahren und Beratungsangebote zu informieren und Raum für einen kritischen Blick auf Militarisierung und deren Auswirkungen auf eine demokratische Gesellschaft zu schaffen.

KDV-Infotour Baden-Württemberg

Dafür werden wir vom 8. bis 19. Juni mit unserem KDV-Mobil, einem Infostand und viel Informationsmaterial gut sichtbar quer durch Baden-Württemberg unterwegs sein – begleitet von unserem großen aufblasbaren „zerbrochenen Gewehr“. Gemeinsam mit DFG-VK-Regionalgruppen und weiteren Unterstützer*innen werden wir in Innenstädten, an Schulen und auf dem Ract! Festival junge Menschen über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung informieren, Öffentlichkeit für das Thema schaffen und einen kritischen Blick auf die zunehmende Militarisierung und ihre gesellschaftlichen Folgen schärfen.

Tagsüber wird es in den Städten Aktionen und Infostände an Orten geben, an denen besonders junge Menschen erreicht werden sollen – etwa in Innenstädten oder in der Nähe von Schulen. Ziel ist es, über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung sowie entsprechende Beratungsangebote vor Ort zu informieren. Abends wird das Thema dann durch unterschiedliche Veranstaltungsformate wie Workshops, Gesprächsrunden, Informationsveranstaltungen oder auch ein Fest gegen den Wehrdienst weiter vertieft.

KDV-Infotour Baden-Württemberg

Das Herzstück der Tour wird unser Stand sowie ein Workshop auf dem Ract! Festival am 12. und 13. Juni in Tübingen sein. Das Ract! Festival ist das größte politische Umsonst-und-Draußen-Festival Deutschlands und bringt jedes Jahr tausende junge Menschen, politische Initiativen und kulturelle Projekte zusammen. Umso mehr freut es uns, dass uns die Veranstalter*innen des Festivals dieses Jahr aufgrund der aktuellen Debatten um Kriegsdienstverweigerung, Aufrüstung und neue Wehrpflicht eingeladen haben, das Thema vor Ort sichtbar zu machen.

Unser Workshop findet am Freitag, den 12. Juni, um 15:30 Uhr statt. Dort wollen wir über die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung, Beratungsangebote sowie den gesellschaftlichen Umgang mit Militarisierung und Wehrpflicht diskutieren und informieren.

KDV-Infotour Baden-Württemberg

Tourkarte

Auf dieser Karte seht ihr die Stationen und Termine der KDV-Infotour

Interaktive Tourkarte Baden-Württemberg

Tourübersicht

Datum Ort Was ist geplant?
08.06. Aalen Infostand im Stadtgarten am Vormittag ab 09:15 Uhr und über den Mittag. Ab 14:45 Infostand auf dem Marktplatz. Am Abend um 18:30 Uhr eine Informationsveranstaltung in der Gmünder Str. 9. Roland Hamm (DFG-VK) und Jürgen Menzel (Act for Transformation) informieren über Kriegsdienstverweigerung, Beratungsangebote vor Ort und die Gefahren des Militarismus.
09.06. Schwäbisch Hall Infoveranstaltung auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz von 11 bis 18 Uhr mit Beratungsthemen und einem „Glücksrad“ zu Frieden/KDV. Herzstück ist ein einstündiges Interview von 12 bis 13 Uhr beim regionalen Radio StHörfunk Schwäbisch Hall mit Marianne Haufe und Gunter Reber.
10.06. Heilbronn Infostand am Platz neben der Nikolaikirche von 12:00 bis 14:00 Uhr. Gemeinsam mit dem Heilbronner Friedensrat informiert Andreas Gnekow (DFG-VK) über Kriegsdienstverweigerung und mögliche Beratungsangebote in Heilbronn und Umgebung.
11.06. Ludwigsburg Infostand zur DFG-VK und Wehrdienstverweigerung (KDV). Bei den Innenstadt-Gymnasien in der Seestraße (zw. Karl – u. Alleenstraße) Von 10:30- 15:00 durch die Regionalgruppe Ludwigsburg
12.–13.06. Tübingen
Ract! Festival
Herzstück der Tour: Infostand und Workshop am Freitag um 15:30 Uhr auf dem Ract! Festival. Es geht um KDV, Beratungsangebote, Gewissensbegründung, Verwaltungsverfahren und Möglichkeiten zivilen Ungehorsams.
14.06. Mannheim Infostand zur Kriegsdienstverweigerung und Aktion gegen den Veteranentag um 10:30 Uhr am Toulonplatzder Regionalgruppe Mannheim. Informationen zu KDV, Beratungsmöglichkeiten in Mannheim/Ludwigshafen/Weinheim und den Folgen gesellschaftlicher Militarisierung.
17.06. Offenburg Ca 12.00 Uhr Infostand in der verkehrsberuhigten Zone Innenstadt Offenburg vor einem Gymnasium (Langestraße). Ggf. anschließend nochmals vor einem anderen Gymnasium mit Nähe zur Gewerbeschule. Ist aber abhängig, wie der Zeitplan eingehalten werden kann. 16.00 Uhr Infoveranstaltung mit Festcharakter und Kulturbeiträgen, Reden, etc. im Bürgerpark Offenburg kleine Bühne. .
18.06. Freiburg Infotour durch Freiburg: 09:00 Eschholzpark,ca. 10:30 Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in der Friedrichsstraße, danach dann Ecke Rempartstrasse Werthmannstraße ( zwischen Unibibliothek und Mensa)
19.06. Lörrach von 9.00 Uhr bis 14.30 Uhr werden wir auf dem Bahnhoftplatz stehen. von 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr werden wir im Hebelpark stehen. An beiden Orten werden wir das große aufblasbare zerbrochene Gewehr aufrichten, es gibt einen begehbaren Gewissensparcours, ein Preisausschreiben und durchgehend Informationen und Beratung zur Kriegsdienstverweigerung Um 17.30 Uhr gibt es Friedenssongs mit Ben Meech

Warum diese Tour?

Die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft macht uns große Sorgen. Forderungen nach „Kriegstüchtigkeit“, immer höheren Rüstungsausgaben und der „größten konventionellen Armee Europas“ hätten wir angesichts der deutschen Geschichte lange für kaum vorstellbar gehalten. Umso erschreckender ist es für uns, wie selbstverständlich und oft unreflektiert heute wieder militaristische und bellizistische Positionen vertreten werden – von der Ampelregierung ebenso wie von CDU und SPD. Wir wollen Menschen vor Krieg schützen, so gut wir können. Mit Informationen zur Kriegsdienstverweigerung an der Waffe und konkreten Beratungsangeboten möchten wir all jene unterstützen, die weder töten noch sterben wollen. Gleichzeitig wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Aufrüstung, Militarisierung und eine Politik der militärischen Logik eine Gefahr für Demokratie und gesellschaftlichen Frieden darstellen. In Zeiten globaler Machtkonflikte und erstarkender rechter Kräfte nahezu ausschließlich auf militärische Stärke, Aufrüstung und Abschreckung zu setzen, halten wir für historisch verantwortungslos und gefährlich. Mit unserer KDV-Infotour wollen wir Menschen Mut machen, sich Krieg, Wehrpflicht und Militarisierung zu verweigern – und ihnen helfen, nicht schon wieder für Deutschland sterben zu müssen.

DFG-VK Baden-Württemberg Care for Future
verweigern.info

8 Mai, 2026

Protest gegen grassierende Militarisierung bei den 13. Königsbronner Gesprächen

Auch in diesem Jahr protestierten Friedensgruppen aus Heidenheim, dem Ries und Ellwangen gegen die sogenannten „Königsbronner Gespräche“ in der Hammerschmiede Königsbronn. Mit etwa 50 Demonstrierenden war der Protest deutlich sichtbarer als im vergangenen Jahr. Auch Mitglieder der DFG-VK und der Friedensgruppe Heidenheim beteiligten sich an der Kundgebung.

Die Veranstaltung gilt seit Jahren als Plattform für eine zunehmend militarisierte Sicherheitspolitik. Veranstaltet wird sie unter anderem vom CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter, der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Bildungswerk des Deutschen Bundeswehrverbandes sowie der Gesellschaft für Sicherheitspolitik.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Gespräche stand die Frage, wie Deutschland und Europa „resilient“ und „wehrhaft“ gemacht werden könnten. Der Militärhistoriker Sönke Neitzel forderte dabei offen eine stärkere militärische Ausrichtung Deutschlands, die Einführung der Wehrpflicht sowie den Ausbau der Bundeswehr zur „größten Armee Europas“. Zugleich beklagte er, politische Strategien würden zu langsam umgesetzt.

Für uns zeigt sich darin eine gefährliche Entwicklung: Statt über Wege zur Deeskalation, Diplomatie und internationalen Verständigung zu sprechen, wird militärische Aufrüstung zunehmend als alternativlos dargestellt. Krieg wird dabei mehr und mehr als normaler Bestandteil von Politik behandelt.

Besonders kritisch sehen wir die Rolle von Roderich Kiesewetter, der seit Jahren offensiv für „Kriegstüchtigkeit“ und eine weitere Militarisierung der Gesellschaft wirbt. Wenn militärische Stärke und Durchhaltefähigkeit zum politischen Leitbild werden, geraten die historischen Erfahrungen Deutschlands mit Aufrüstung, Nationalismus und Krieg zunehmend in den Hintergrund.

Gerade deshalb war es wichtig, in Königsbronn sichtbar Widerspruch zu leisten. Friedenspolitik bedeutet für uns nicht Naivität, sondern die Überzeugung, dass Sicherheit langfristig nicht durch immer mehr Waffen und militärische Eskalation entsteht, sondern durch Diplomatie, Abrüstung, internationale Zusammenarbeit und soziale Sicherheit.

Wichtig ist uns außerdem eine Klarstellung zur Berichterstattung über die Demonstration: Jutta Dorsch, Sprecherin der Friedensgruppe Heidenheim, sieht ihre Aussagen teilweise missverständlich wiedergegeben. Zwar sei das Gefühl von Hilflosigkeit angesichts weltweiter Kriege und Aufrüstung vielen Menschen vertraut. Entscheidend sei für sie an diesem Tag aber vor allem die Erfahrung gewesen, gemeinsam mit vielen anderen Menschen für Frieden einzustehen. Die im Vergleich zum Vorjahr deutlich größere Beteiligung habe Mut gemacht und gezeigt, dass der Wunsch nach Frieden und Diplomatie weiterhin viele Menschen bewegt.

23 April, 2026

„Best Practice“- Beispiel DFG-VK Gruppe Ludwigsburg

Was macht unsere Gruppe aus: Unsere Gruppe hat 45 Mitglieder. Viele davon sind „altgediente“, die die Arbeit vermutlich seit vielen Jahren unterstützen, aber nicht oder nur sporadisch zu den Treffen kommen und sich auch nicht an der Vorbereitung von Aktionen und Veranstaltungen beteiligen (manche kommen zu den Veranstaltungen). Das ist in Ordnung so. Die Gruppe besteht aus 32 Männern und 13 Frauen. Interessant ist, dass von den Frauen 9 aktiv sind und von den Männern 20! D.h. die Frauen, die v.a. die letzten Jahre dazu gekommen sind, haben ein großes Interesse, aktiv zu sein. Mitglieder ab Jahrgang 1984 haben wir 7 (davon 4 sehr aktiv).

Unser Vorstandsteam besteht aus 5 Personen, 3 Männer und 2 Frauen, ich bin sozusagen die Vorstandsvorsitzende, organisiere die Treffen (Raumreservierung, Moderation, Catering) und verschicke Mails an die Gruppe.

Es stellte sich bei der Klausur der DFG-VK Ba-Wü, zu der ich eingeladen war, um von unserer Gruppe zu berichten, die Frage, weshalb wir als DFG-VK insgesamt nicht mehr jüngere (aktive) Mitglieder haben und nicht mehr Frauen. Es ging v.a. auch um die Mitarbeit in Gremien und Übernahme von „Posten“.

Bzgl. der „wenigen“ Frauen ist sicherlich die Historie der DFG-VK als für die Wehrdienstverweigerung zuständige Organisation ein Grund (3 meiner 4 Brüder haben verweigert, der 4. musste nicht zur Bundeswehr, die 3 Brüder waren auch Mitglied der DFG-VK). Das ist m.E. nicht besorgniserregend. Es gibt auch Vereine und Organisationen, in denen sich mehr Frauen als Männer befinden.

Ein weiterer Punkt ist, dass ein Verband mit Gremien, Beschlüssen etc, vielen jungen Menschen nicht zusagt und ich meine auch vielen Frauen nicht (einschließlich mir). Ich habe mich schon Anfang der 80-er Jahre in der Friedensbewegung engagiert (Organisation und Durchführung der Blockade Großengstingen, Unterstützung der angeklagten DemonstantInnen, meine eigene Verteidigung incl.).

Wir waren damals basisdemokratisch unterwegs, machten Trainings in gewaltfreiem Widerstand und gewaltfreier Kommunikation. Alle Entscheidungen (auch während der Blockade) wurden im Konsensverfahren gefällt (mit Vetorecht). Das lag mir sehr.

In der DFG-VK-Gruppe Ludwigsburg hatten wir folgendes Glück: Wir bekamen Zuwachs von einer gegen den Gazakrieg sehr engagierten relativ jungen Frau (sie ist berufstätig und hat kleine Kinder, gehört also einer Gruppe von Menschen an, die sich normalerweise nicht über die Maßen engagieren kann). Sie war auch schnell bereit, in die Vorstandsgruppe, die wir damals gründeten zu gehen.

Da es schwierig war, in unserer Gruppe einen Konsens über den Umgang mit der Kritik an der israelischen Regierung in Bezug auf den Gazakrieg herzustellen, wurde beschlossen, dass wir das Thema „auslagern“. Wir gründeten eine NahostAG, in der DFG-VK Mitglieder mit Nichtmitgliedern zusammenarbeiten. Diese AG gehört zur DFG-VK Gruppe Ludwigsburg, agiert aber sehr autonom (lediglich größere finanzielle Anfragen werden in der großen Gruppe beschlossen und es wird regelmäßig berichtet). In der NahostAG sind viele junge Menschen und sie kooperiert mit anderen Jugendorganisationen wie der SDAJ. Wir DFG-lerInnen betreiben innerhalb dieser AG keine aktive Anwerbung von Mitgliedern, trotzdem gab es schon einen Eintritt und es könnte sein, dass noch mehr folgen.

Wir sind als Gruppe insgesamt sehr aktiv und die NahostAG organisiert in einer Geschwindigkeit Aktionen und Veranstaltungen, wie es in einem hierarchisch organisierten Verband nicht möglich ist. Das liegt auch daran, dass es in der Gruppe eine große Betroffenheit gibt. Das Organisieren von Aktionen und Veranstaltungen findet überwiegend bei persönlichen Treffen statt (es gibt auch einen regelmäßigen „Stammtisch“) und über SIGNAL.

Durch die vielen Aktionen und Veranstaltungen, die wir machen, sind wir im Landkreis Ludwigsburg und v.a. in der Stadt Ludwigsburg inzwischen sehr bekannt und werden auch als KooperationspartnerInnen angefragt.  Und das, obwohl die Regionalpresse über diese Aktionen und Veranstaltungen nur äußerst sporadisch berichtet. Bzgl. Gaza v.a. wenn kritische jüdische Referenten („Combatants for peace“, Tomer Dotan-Dreyfus) eingeladen wurden.

Ein Fazit für mich ist, dass wir mit Jugendverbänden, – gruppen kommunizieren und kooperieren sollten, ohne zu verlangen, dass sie sich in einem Verband engagieren und sogar Funktionen übernehmen müssen. Was sinnvoll wäre, ist eine gezielte Werbung von Menschen im mittleren Alter. Diese sind i.d.R. noch fit und nicht mehr so stark durch berufliche Karriereambitionen und familiäre Verpflichtungen gebunden. Natürlich sollten auch gezielt Frauen angesprochen werden. Aber v.a. müssen die Veranstaltungen, Aktionen und die Treffen ansprechend gestaltet werden. Bei unseren Mitgliedertreffen und Veranstaltungen gibt es immer ein Catering. Die letzten „Meetings“, die alle 2 Monate stattfinden, haben wir so geplant, dass es auch einen Austausch in Grüppchen oder Arbeitsgruppen zu Themen, die vom Vorstandsteam (auf Anregung von Mitgliedern) eingebracht werden gibt. Entscheidungen über finanzielle Unterstützung oder manch „trockenes“ Thema kann auch im Vorstandsteam getroffen/besprochen werden.

Das was wir machen löst das demografische Problem nicht (Überalterung der DFG-VK und fehlende NachfolgerInnen für FunktionsträgerInnen). Es ist aber evtl. eine Anregung, wie man junge Menschen „integrieren“ kann bzw. wie man sich in Bündnisse, die von jungen Menschen gegründet werden (z.B. das Bündnis gegen die Wehrpflicht in Ludwigsburg) „integrieren lassen“ kann. Durch unsere Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen wir auch, dass wir etwas für die jüngere Generation machen (in diesem Kontext empfehle ich das Buch von Stefan Schulz „Die Altenrepublik“, in dem es neben dem Thema Einsamkeit um Generationengerechtigkeit geht).

Text von Martha Albinger von der DFG-VK Ludwigsburg. Vielen Dank dafür und an die gesamte Regionalgruppe eine großen Dank für eure tolle Arbeit an einer friedlicheren Zukunft. Ihr wollt mehr von der Friedensarbeit der Gruppe Ludwigsburg wissen, dann stellt der Landesgeschäftsführer gerne den Kontakt her 🙂

Eure Gruppe hat auch ein „Best Practice“ oder ihr habt konkrete Ideen oder Aktionen für mehr Frieden, dann schreibt uns gerne (Ba-wue@dfg-vk.de) und wir veröffentlichen die Texte dann auf der Homepage und im Newsletter. Lasst uns für neues offenbleiben, voneinander lernen und gemeinsam neue und mehr Schritte Richtung Frieden gehen. Jede*r ist willkommen mitzumachen und sich einzubringen und uns alle somit ein Stück weiter. Zusammen sind wir stärker.

8 Dezember, 2025

Weihnachtliche Friedensaktion in Ludwigsburg

Die DFG-VK-Gruppe Ludwigsburg hat gestern (6.12.) weihnachtliches Friedensgebäck vor dem Marstall-Center in Ludwigsburg verteilt.

Im Einsatz für mehr Frieden

…unsere Regionalgruppe Ludwigsburg

Mit den Worten „Darf ich Ihnen einen kleinen Friedensgruß überreichen“ verschenkten die Aktiven der Gruppe selbstgebackene Friedenstauben und Panzer.

Friedliche Denkanstöße

Auf den angehängten Zetteln gab es kleine Denkanstöße zu Frieden und Kriegsdienstverweigerung und einen Link zur DFG-VK-Webseite. Eine erfolgreiche Aktion: Schon nach einer Stunde waren alle Gebäcktütchen verteilt.

20 November, 2025

Kanonen statt Butter – Wer bezahlt die Aufrüstung?

Eine Pressemitteilung der Gruppe Mittelbaden der Deutschen Friedensgesellschaft DFG-VK vom 19. Nov. 2025

Zu diesem Thema sprach der emeritierte Professor für Theologie und Sozialethik der Universität Marburg Dr. Franz Segbers auf Einladung der Deutschen Friedensgesellschaft Mittelbaden im Gemeindesaal der Auferstehungskirche Offenburg. Einleitend setzte sich der Referent kritisch auseinander mit dem Sondervermögen – besser: Sonderschulden – für den Bereich Militär und Rüstung. Für die militärische Aufrüstung ohne Grenzen sei jetzt fast unbegrenzt Geld da, so der Referent. Gleichzeitig sei die Bundesregierung dabei, harte Kürzungen im sozialen Bereich vorzubereiten, was eine scharfe Verteilungsdebatte auslösen werde. Der Druck auf Migranten und Arbeitslose, der jetzt schon aufgebaut werde, sei nur der Vorlauf zu einem Test, wieviel an Sozialabbau die Gesellschaft zu akzeptieren bereit ist. Auf der anderen Seite stehen, so Segbers, die wenigen Vermögenden, die derzeit als Aktionäre der Rüstungswirtschaft von gigantischen Kursgewinnen profitieren und in Zukunft als Kreditgeber des Bundes über Jahre und Jahrzehnte dazu noch Zinsen und Zinseszinsen kassieren werden. Beispielhaft nannte der Referent die vier reichsten Familien Deutschlands, deren Vermögen schon jetzt weit größer sei als das Vermögen der ärmeren Hälfte der Menschen in Deutschland. Seine Thesen verdeutlichte der Referent mit einer ganzen Reihe von Tabellen, die zeigten, dass bereits seit 2017 ein ständig wachsender Anteil des Bundeshaushalts für Militär und Rüstung ausgegeben wird. Nach der derzeitigen Finanzplanung werde bereits in vier Jahren der Militärhaushalt mehr als 150 Mrd. Euro betragen und die Zinsbelastung des Bundes bei rund 67 Mrd. Euro liegen – nach 4 Mrd. Euro im Jahre 2021. Es gehe aber, so Franz Segbers, nicht alleine um Geld, Sonderschulden und Zinsen, sondern um nicht weniger als den Zusammenhalt der Gesellschaften in den Staaten Europas. Eine Studie der Schwedischen Reichsbank habe gezeigt, dass über alle Regionen EU-Europas hinweg eine Kürzung der Sozialausgaben um nur 1% einen durchschnittlichen Stimmenzuwachs für extreme Parteien von 3% nach sich gezogen hat – und dies innerhalb von acht Jahren. Dies sollte all jenen zu denken geben, die nach wie vor der Meinung sind, dass mit Verweis auf die gegenwärtige Weltlage die Sozialausgaben bedenkenlos vermindert werden können. Eine lebhafte Diskussion schloss sich an den Vortrag an.

Foto von Andreas Pahlow: Prof. Segbers bei seinem Vortrag

4 Oktober, 2025

Nie wieder kriegstüchtig! Eindrücke und Stimmen von der großen Friedensdemo am 03.10.2025 in Stuttgart!

Am 03.10.25. in Stuttgart: 15.000 Menschen auf der Straße – für Frieden, gegen Militarisierung.

Wir haben sie gefragt: Warum demonstrierst du? Wofür stehst du ein? Wogegen wehrst du dich?
Die Antworten sind so vielfältig wie berührend – freut euch drauf!

Das war erst der Anfang.
Der organisierte Widerstand gegen Kriegspolitik wächst.
Und wir bleiben dran.


#Frieden #Demo #Stuttgart #NieWiederKrieg #StopMilitarisierung



23 September, 2025

Kommt in den DFG-VK-Block!

Liebe Mitglieder, liebe Sympathisant*innen,

am 3. Oktober findet in Stuttgart die überregionale Friedensdemonstration statt. Wir wollen als DFG-VK sichtbar und stark gemeinsam auftreten – in einem kraftvollen, bunten und lautstarken DFG-VK-Block mitten in der Demo.

Wir sammeln uns um 12:30 Uhr am DFG-VK-Infostand auf dem Schlossplatz. Dort bekommt ihr Fahnen (15 €) und passende Stecken (2 €). Außerdem gibt es blaue Ballons mit weißer Friedenstaube, die mit Helium gefüllt werden. Da auch unser Bulli vor Ort ist, haben wir zusätzlich 30 Schilder zum Verbot von Mittelstreckenwaffen in Deutschland dabei. Bitte bringt auch selbst Fahnen, Banner oder Schilder mit euren wichtigsten Forderungen mit – und wenn ihr habt: zieht gerne eure DFG-VK-Pullis, T-Shirts oder Jacken an. So wird unser Auftritt nicht nur politisch klar, sondern auch optisch beeindruckend.

Wir stellen uns hinter dem Frontbanner „friedensfähig statt kriegstüchtig“ auf. Gemeinsam wollen wir unsere Botschaft in die Öffentlichkeit tragen:

  • Nein zu 5 % des BIP für Aufrüstung – dieses Geld fehlt in Gesundheit, Bildung und ökologischer Transformation.
  • Nein zur Militarisierung unserer Infrastruktur und Gesellschaft.
  • Nein zur Wehrpflicht und einer der größten Armeen Europas.
  • Ja zu einer Politik, die aus der Geschichte gelernt hat: Frieden schaffen ohne Waffen.

Für uns als Landesverband Baden-Württemberg, die wir die Demonstration als Erstunterstützer mittragen, wäre es schön, wenn wir stark auftreten – mit klaren Botschaften, mit Freude und mit Entschlossenheit.

👉 Also: Kommt in den DFG-VK-Block, lasst uns gemeinsam zeigen, dass es eine friedliche, zivile Alternative zur Kriegspolitik gibt.

Fröhlich, friedlich, freundlich, aber bestimmt – so machen wir deutlich: Friedensfähig statt kriegstüchtig!

Der Landesvorstand freut sich auf euch.

23 September, 2025

Neujahrsempfang der DFG-VK Baden-Württemberg in Karlsruhe — Politischer Jahresauftakt in bewegten Zeiten

Der Landesverband der DFG-VK Baden-Württemberg trifft sich traditionell zweimal im Jahr: im Januar zum Neujahrsempfang und im Sommer zur Landesmitgliederversammlung. Der Neujahrsempfang wird seit mehreren Jahren von der Karlsruher Regionalgruppe ausgerichtet – so auch in diesem Jahr. Ein großer Dank geht an die Karlsruher Aktiven der DFG-VK, die erneut einen verlässlichen und vertrauensvollen Rahmen für Austausch, Diskussion und Begegnung geschaffen haben. Rund 50 Teilnehmende kamen zusammen. Die Stimmung war gut, offen und der politischen Situation angemessen von großer Dynamik geprägt.

Im Zentrum des Vormittags stand das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Wehrdienstmodernisierungsgesetz und der Umgang damit. In seiner Einführung blickte der Landesvorsitzende und KDV-Experte Klaus Pfisterer zunächst auf die Arbeit des Landesvorstands seit der letzten Mitgliederversammlung zurück, ging dann aber sehr klar auf die neuen Herausforderungen ein, die sich aus dem neuen Wehrdienst für einen pazifistischen Verband ergeben.

Landesvorsitzender und KDV-Experte Klaus Pfisterer

Besonders die Kriegsdienstverweigerung gewinnt wieder massiv an Bedeutung – sowohl als konkrete Beratungsarbeit als auch als politische Dimension der Friedensarbeit. Die Zahl der Anfragen steigt, die Beratung wird komplexer, und der kontinuierliche Ausbau des Berater*innen-Netzwerks bleibt eine zentrale Aufgabe des Landesverbands. Zugleich ist die Kriegsdienstverweigerung ein wichtiger Hebel, um Militarismus grundsätzlich zu kritisieren und ihm praktisch etwas entgegenzusetzen.

Neben der Beratung selbst wurde auch die politische Informationsarbeit diskutiert. Angedacht ist unter anderem eine KDV- und Wehrpflicht-Infotour mit dem DFG-VK-Bulli durch Baden-Württemberg. Regionalgruppen und Mitglieder, die einen Halt in ihrer Stadt oder Region organisieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich direkt bei Jonas Fehrenbach in der Landesgeschäftsstelle zu melden.

In der anschließenden Diskussion ging es sehr konkret um den Umgang mit den neuen Fragebögen zur Wehrerfassung. Deutlich wurde, dass es hier Orientierung braucht – etwa zur Frage, wann Handlungsspielräume bestehen und ab wann mit Sanktionen zu rechnen ist, wenn der Fragebogen nicht ausgefüllt wird. Auch weitergehende Formen der Verweigerung und des zivilen Ungehorsams wurden angesprochen, etwa die Möglichkeit, den Fragebogen bewusst gar nicht auszufüllen und Menschen dabei solidarisch zu unterstützen. Der Austausch zeigte, wie wichtig es ist, diese Fragen gemeinsam zu klären, um als Friedensbewegung handlungsfähig und sprachfähig zu bleiben.

Ein weiterer zentraler Schwerpunkt des Vormittags war die zunehmende Militarisierung von Schulen. Einigkeit bestand darin, dass Anfragen von Schulen grundsätzlich angenommen werden sollten – mit dem Ziel, eigenständige friedenspolitische Veranstaltungen durchzuführen. Wird hingegen ausschließlich eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit Jugendoffizieren der Bundeswehr angeboten, sollte sorgfältig abgewogen werden, ob und unter welchen Bedingungen eine Teilnahme sinnvoll ist. Dabei spielen sowohl die eigene Positionierung als auch die rhetorischen Fähigkeiten der Beteiligten eine wichtige Rolle.

Aus dieser Debatte heraus entstand etwas sehr Ermutigendes: Mehrere Mitglieder, darunter Pädagoginnen und ehemalige Pädagogen, erklärten ihre Bereitschaft, gemeinsam Konzepte für Schulbesuche zu entwickeln. Der neu gegründete Arbeitskreis „Ab in die Schule“ wird sich in den kommenden Monaten mit Seminarformaten, pädagogischen Zugängen und strategischen Fragen befassen. Verstärkt wird diese Arbeit durch ein neues Mitglied, einen ehemaligen Jugendoffizier der Bundeswehr, der seine Erfahrungen künftig aus friedenspolitischer Perspektive in Schulen einbringen möchte.

Einen weiteren wichtigen Impuls setzte Andreas Pahlow aus der Regionalgruppe Mittelbaden. Ziel seiner Initiative ist es, gemeinsam mit anderen Aktiven ein Schulungsformat zu entwickeln, das durch Baden-Württemberg tourt und Friedensaktivist*innen gezielt in der Ansprache junger Menschen zu Themen wie Wehrpflicht, Militär und Aufrüstung schult. Wer Lust hat, an dieser Konzeption mitzuwirken, kann über die Regionalgruppe Mittelbaden Kontakt zu Andreas Pahlow aufnehmen.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause bei Pizza – vielen Dank an die Organisator*innen für das Angebot an veganen, vegetarischen und fleischhaltigen Speisen – ging es am Nachmittag in drei Arbeitsgruppen weiter.

Die größte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Kriegsdienstverweigerungsberatung. Viele bereits aktive Berater*innen waren anwesend. Unter der Leitung von Klaus Pfisterer stand hier der fachliche Austausch im Vordergrund. Neue Zuständigkeiten, offene Rechtsfragen, Kann-Bestimmungen und erste Erfahrungen mit der Anwendung des neuen Gesetzes wurden gemeinsam diskutiert. Zugleich bot die Arbeitsgruppe Raum, um Erfahrungen aus der Beratungspraxis auszutauschen und voneinander zu lernen.

In der Arbeitsgruppe Bündnisarbeit ging es um Vernetzung, Abgrenzung und politische Perspektiven – insbesondere um die Zukunft des Friedensnetzes Baden-Württemberg und die Frage, wie landesweite Zusammenarbeit jenseits großer Einzelveranstaltungen gestaltet werden kann.

Eine dritte Arbeitsgruppe befasste sich mit dem Zusammenhang von Militärausgaben und sozialen Kürzungen. Anhand konkreter Beispiele – von gestrichenen Angeboten in der Kinderbetreuung bis hin zur Schließung von Blindenklassen an Schulen – wurde deutlich, wie sehr die aktuelle Aufrüstungspolitik den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.

Zum Abschluss des Neujahrstreffens kamen alle Teilnehmenden noch einmal zusammen, hörten kurze Berichte aus den Arbeitsgruppen und tauschten sich bei Kaffee und Kuchen aus. Der Landesvorstand bedankt sich für einen intensiven und produktiven Tag, der mit dem offiziellen Abschluss durch Klaus Pfisterer endete. Das Treffen machte Mut – weil es gezeigt hat, dass Analyse, Haltung und konkrete Handlungsansätze zusammengehören und dass wir Wissen und Kraft haben, uns der fortschreitenden Militarisierung entgegenzustellen.

5 Juni, 2025

Herzlich Willkommen im Landesverband BaWü, Friedensgruppe Heidenheim/Ortsgruppe DFG-VK

Die Friedensgruppe  Heidenheim hat sich am 27.5.2025 der Deutschen Friedensgesellschaft/ Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen angeschlossen und eine Ortsgruppe  im Landkreis Heidenheim gegründet.

Dabei bleibt die Friedensgruppe Heidenheim, 1981 gegründet, politisch, religiös und finanziell unabhängig. Sie beschließt,  sich umzubenennen in Friedensgruppe Heidenheim/Ortsgruppe DFG-VK und die bisherige Friedensarbeit  in Übereinstimmung mit der Satzung der DFG-VK www.dfg-vk.de fortzuführen. Die Friedensgruppe Heidenheim/DFG-VK bleibt offen für alle Interessierten und lädt Mitglieder und Nicht-Mitglieder zur Mitarbeit ein.

Nachdem Hans Bernhard als langjähriger Sprecher der Gruppe dieses Amt mit Zustimmung der Gruppenmitglieder an Jutta Dorsch zum 1.1.2025 übergeben hatte, wurde sie zur Vorsitzenden der Gruppe gewählt. Als Kassenwart hat sich Hans Fischer zur Verfügung gestellt und wurde gewählt.

Begleitet wurde die Sitzung vom Vorsitzenden des Landesverbandes des DFG-VK Baden-Württemberg, Klaus Pfisterer.

Wir wollen als Friedensgruppe weiterhin regelmäßig zu bestimmten Anlässen in Heidenheim präsent bleiben:

Zum Friedenstag um den 8. Mai, zum Flaggentag: Majors for peace am 8. Juli, zum Hiroshimatag am 6. August , den Abendgedanken im Brenzpark, sowie zu aktuellen Anlässen.

Wir schließen uns der Erklärung der DFG-VK an:

Jeder Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit, wir sind entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und an der Beseitigung der Kriegsursachen mitzuarbeiten und setzen uns ein:

·      Für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung

·      Wir protestieren gegen Krieg und deutsche Kriegsbeteiligung

·      Wir propagieren Abrüstung mit dem Ziel der Entmilitarisierung

·      Wir protestieren gegen Rekrutierungsmaßnahmen der Bundeswehr an Schulen

·      Wir arbeiten international mit dem Ziel zusammen, Alternativen zur militärischen Gewalt und Gewalt fördernden Strukturen zu entwickeln

o   Gem. Sicherheit neu denken ; www.sicherheitneudenken.de

o   Schrittweiser Umbau der Bundeswehr zur zivilen Schutzinstitution

o   Finanzielle Stärkung der UNO und OSZE

o   Investitionen in Klimaschutz, Welternährung und UN-Flüchtlingshilfe

Die Friedensgruppe trifft sich regelmäßig am 4. Dienstag im Monat um 19:00 Uhr im  Bürgerhaus, Hintere Gasse 60.

Das nächste Treffen findet am 24.6. statt.

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