Was macht unsere Gruppe aus: Unsere Gruppe hat 45 Mitglieder. Viele davon sind „altgediente“, die die Arbeit vermutlich seit vielen Jahren unterstützen, aber nicht oder nur sporadisch zu den Treffen kommen und sich auch nicht an der Vorbereitung von Aktionen und Veranstaltungen beteiligen (manche kommen zu den Veranstaltungen). Das ist in Ordnung so. Die Gruppe besteht aus 32 Männern und 13 Frauen. Interessant ist, dass von den Frauen 9 aktiv sind und von den Männern 20! D.h. die Frauen, die v.a. die letzten Jahre dazu gekommen sind, haben ein großes Interesse, aktiv zu sein. Mitglieder ab Jahrgang 1984 haben wir 7 (davon 4 sehr aktiv).
Unser Vorstandsteam besteht aus 5 Personen, 3 Männer und 2 Frauen, ich bin sozusagen die Vorstandsvorsitzende, organisiere die Treffen (Raumreservierung, Moderation, Catering) und verschicke Mails an die Gruppe.
Es stellte sich bei der Klausur der DFG-VK Ba-Wü, zu der ich eingeladen war, um von unserer Gruppe zu berichten, die Frage, weshalb wir als DFG-VK insgesamt nicht mehr jüngere (aktive) Mitglieder haben und nicht mehr Frauen. Es ging v.a. auch um die Mitarbeit in Gremien und Übernahme von „Posten“.
Bzgl. der „wenigen“ Frauen ist sicherlich die Historie der DFG-VK als für die Wehrdienstverweigerung zuständige Organisation ein Grund (3 meiner 4 Brüder haben verweigert, der 4. musste nicht zur Bundeswehr, die 3 Brüder waren auch Mitglied der DFG-VK). Das ist m.E. nicht besorgniserregend. Es gibt auch Vereine und Organisationen, in denen sich mehr Frauen als Männer befinden.
Ein weiterer Punkt ist, dass ein Verband mit Gremien, Beschlüssen etc, vielen jungen Menschen nicht zusagt und ich meine auch vielen Frauen nicht (einschließlich mir). Ich habe mich schon Anfang der 80-er Jahre in der Friedensbewegung engagiert (Organisation und Durchführung der Blockade Großengstingen, Unterstützung der angeklagten DemonstantInnen, meine eigene Verteidigung incl.).
Wir waren damals basisdemokratisch unterwegs, machten Trainings in gewaltfreiem Widerstand und gewaltfreier Kommunikation. Alle Entscheidungen (auch während der Blockade) wurden im Konsensverfahren gefällt (mit Vetorecht). Das lag mir sehr.
In der DFG-VK-Gruppe Ludwigsburg hatten wir folgendes Glück: Wir bekamen Zuwachs von einer gegen den Gazakrieg sehr engagierten relativ jungen Frau (sie ist berufstätig und hat kleine Kinder, gehört also einer Gruppe von Menschen an, die sich normalerweise nicht über die Maßen engagieren kann). Sie war auch schnell bereit, in die Vorstandsgruppe, die wir damals gründeten zu gehen.

Da es schwierig war, in unserer Gruppe einen Konsens über den Umgang mit der Kritik an der israelischen Regierung in Bezug auf den Gazakrieg herzustellen, wurde beschlossen, dass wir das Thema „auslagern“. Wir gründeten eine NahostAG, in der DFG-VK Mitglieder mit Nichtmitgliedern zusammenarbeiten. Diese AG gehört zur DFG-VK Gruppe Ludwigsburg, agiert aber sehr autonom (lediglich größere finanzielle Anfragen werden in der großen Gruppe beschlossen und es wird regelmäßig berichtet). In der NahostAG sind viele junge Menschen und sie kooperiert mit anderen Jugendorganisationen wie der SDAJ. Wir DFG-lerInnen betreiben innerhalb dieser AG keine aktive Anwerbung von Mitgliedern, trotzdem gab es schon einen Eintritt und es könnte sein, dass noch mehr folgen.
Wir sind als Gruppe insgesamt sehr aktiv und die NahostAG organisiert in einer Geschwindigkeit Aktionen und Veranstaltungen, wie es in einem hierarchisch organisierten Verband nicht möglich ist. Das liegt auch daran, dass es in der Gruppe eine große Betroffenheit gibt. Das Organisieren von Aktionen und Veranstaltungen findet überwiegend bei persönlichen Treffen statt (es gibt auch einen regelmäßigen „Stammtisch“) und über SIGNAL.
Durch die vielen Aktionen und Veranstaltungen, die wir machen, sind wir im Landkreis Ludwigsburg und v.a. in der Stadt Ludwigsburg inzwischen sehr bekannt und werden auch als KooperationspartnerInnen angefragt. Und das, obwohl die Regionalpresse über diese Aktionen und Veranstaltungen nur äußerst sporadisch berichtet. Bzgl. Gaza v.a. wenn kritische jüdische Referenten („Combatants for peace“, Tomer Dotan-Dreyfus) eingeladen wurden.
Ein Fazit für mich ist, dass wir mit Jugendverbänden, – gruppen kommunizieren und kooperieren sollten, ohne zu verlangen, dass sie sich in einem Verband engagieren und sogar Funktionen übernehmen müssen. Was sinnvoll wäre, ist eine gezielte Werbung von Menschen im mittleren Alter. Diese sind i.d.R. noch fit und nicht mehr so stark durch berufliche Karriereambitionen und familiäre Verpflichtungen gebunden. Natürlich sollten auch gezielt Frauen angesprochen werden. Aber v.a. müssen die Veranstaltungen, Aktionen und die Treffen ansprechend gestaltet werden. Bei unseren Mitgliedertreffen und Veranstaltungen gibt es immer ein Catering. Die letzten „Meetings“, die alle 2 Monate stattfinden, haben wir so geplant, dass es auch einen Austausch in Grüppchen oder Arbeitsgruppen zu Themen, die vom Vorstandsteam (auf Anregung von Mitgliedern) eingebracht werden gibt. Entscheidungen über finanzielle Unterstützung oder manch „trockenes“ Thema kann auch im Vorstandsteam getroffen/besprochen werden.
Das was wir machen löst das demografische Problem nicht (Überalterung der DFG-VK und fehlende NachfolgerInnen für FunktionsträgerInnen). Es ist aber evtl. eine Anregung, wie man junge Menschen „integrieren“ kann bzw. wie man sich in Bündnisse, die von jungen Menschen gegründet werden (z.B. das Bündnis gegen die Wehrpflicht in Ludwigsburg) „integrieren lassen“ kann. Durch unsere Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen wir auch, dass wir etwas für die jüngere Generation machen (in diesem Kontext empfehle ich das Buch von Stefan Schulz „Die Altenrepublik“, in dem es neben dem Thema Einsamkeit um Generationengerechtigkeit geht).
Text von Martha Albinger von der DFG-VK Ludwigsburg. Vielen Dank dafür und an die gesamte Regionalgruppe eine großen Dank für eure tolle Arbeit an einer friedlicheren Zukunft. Ihr wollt mehr von der Friedensarbeit der Gruppe Ludwigsburg wissen, dann stellt der Landesgeschäftsführer gerne den Kontakt her 🙂
Eure Gruppe hat auch ein „Best Practice“ oder ihr habt konkrete Ideen oder Aktionen für mehr Frieden, dann schreibt uns gerne (Ba-wue@dfg-vk.de) und wir veröffentlichen die Texte dann auf der Homepage und im Newsletter. Lasst uns für neues offenbleiben, voneinander lernen und gemeinsam neue und mehr Schritte Richtung Frieden gehen. Jede*r ist willkommen mitzumachen und sich einzubringen und uns alle somit ein Stück weiter. Zusammen sind wir stärker.