PAXX - Peace Action Trainings

Am verlängerten Wochenende Ende Oktober trafen sich in Mannheim 70 Aktive der Deutschen Friedensgesellschaft und der Friedensbewegung aus ganz Deutschland zur viertägigen Aktionskonferenz "Paxx - Peace Action Trainings". Im Mittelpunkt stand die praktische Vermittlung von Handwerkszeug und der Austausch über moderne Protestformen. Die Initiative dazu ergriff der Landesverband der DFG-VK.
Die Abschlussaktion auf dem Mannheimer Friedensplatz stand unter dem Motto "Statt Kriege verwalten - Gewaltfreie Leben gestalten". Hauptredner war DFG-VK Bundessprecher Jürgen Grässlin aus Freiburg (Redebeitrag):
Kurzbericht Bund für soziale Verteidigung incl. Fotos und Videoshttp://www.soziale-verteidigung.de/news/meldungen/gewaltfrei-leben-gestalten
Kurzbericht Mannheimer Friedensplenum incl. Fotos und Videos

Presseberichte
Rhein-Neckar-Web, 2.11.
Rhein-Neckar-Zeitung, 2.11.
Schwäbische Zeitung 30.10.

Interview Radio Dreyeckland 28.10.

Mannheimer Morgen 26.10.

Junge Welt 1.10.

25 Jahre Menschenkette

Vor 25 Jahren fanden die größten Friedensdemonstrationen statt, die es jemals in der Bundesrepublik Deutschland gab. Allein am 22. Oktober 1983 gingen in Bonn, Hamburg, Berlin und Süddeutschland weit über eine Million Menschen auf die Straße, um gegen die geplante Stationierung von Atomraketen zu demonstrieren.

Die beeindruckendste und phantasievollste Aktion an diesem Tag war die Bildung einer Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm (ARD damals : „Historisches Ereignis“). Unter strahlend blauem Herbsthimmel, Hände, die ineinander greifen, Blumen, Lieder, ein 108 km langes Friedensfest, eine Menschenkette, lebendig und kreativ, in Schleifen und Knäueln, bunt und vielfältig, schlängelt sich durch dichtbebaute Straßen, über Marktplätze, fängt an, Wellen zu schlagen, umwirbelt Autos und Busse, mäandert über die vierspurige Landstraße und schwappt schließlich über bis auf die angrenzenden Stoppelfelder, ein schwingendes Band als lebendiges Symbol. Das sind die Bilder, an die wir uns erinnern.

Dass die lückenlose Bildung der Kette mit den ca. 400.000 Menschen dann schließlich doch gelang, lag sicherlich auch mit daran, dass die vielen Aktiven der DFG-VK bei ihrer Arbeit im süddeutschen Aktionsbüro und bei der Moderation der Aktionskonferenzen von Anfang an auf eine verlässliche und professionelle Organisation und Planung dieser schwierigen Aktion bedacht waren.

Viele andere Aktive ließen sich nach und nach vom Optimismus der DFG-VK-ler anstecken, die sich für ihre Arbeit den Leitsatz gewählt hatten : „Was gilt die Wette ? – Wir schaffen die Kette !“

Viele der zentralen Aktionen der großen Friedensbewegung der 1980-er Jahre sowie die von kirchlichen Organisationen initiierten zahlreichen lokalen Friedenswochen standen unter dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“, das schon 1978 kreiert wurde.

Anlässlich des 25. Jahrestages der Menschenkette führte der Landesverband der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) vom 17.-19. Oktober ein vierteiliges Programm durch, das unter dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ stand.
Beim Eröffnungsvortrag vor etwa 35 Gästen in der Volkshochschule Ulm erinnerte Andreas Zumach, der seit über 25 Jahren Mitglied der DFG-VK ist, an diese für viele Menschen prägende Zeit, die er selbst aktiv im Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung mit erlebte. Zumach war dankbar dafür, dass das Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ für die Veranstaltungen gewählt wurde. Die vielen Aktionen der Friedensbewegung in den 80er Jahren gegen die Atomwaffen hätten mit dazu beigetragen, dass der Kalte Krieg beendet worden wäre und viele Tausend Atomraketen abgerüstet wurden. Nach 1990 seien aber in so vielen Fällen Militär eingesetzt worden (Irak, Jugoslawien, Afghanistan, etc.), die auf diese Weise bestehende Konflikte noch verschärft und den Frieden in immer weitere Ferne geraten ließen bzw. noch immer lassen. Die Forderung nach „Frieden schaffen ohne Waffen“ wäre daher heute von noch viel größerer Bedeutung als vor 30 Jahren. Am Beispiel Afghanistans machte Zumach deutlich, noch viel stärker die wahren Interessen öffentlich zu brandmarken und stellte sich für viele Veranstaltungen im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 zusammen mit Abgeordneten und Kandidaten zur Verfügung.

Am nächsten Tag stiegen über 30 Personen auf ihr Rad, um mit einer  Fahrradtour über 97,5 km von Ulm nach Stuttgart auf der Wegstrecke der Menschenkette an die Ereignisse von damals zu erinnern. OB Gönner (Ulm) unterstrich in seinem Grußwort an die Radler: „Diese Erinnerung soll uns vor Augen halten: Je mehr Menschen einen gemeinsamen, friedlichen und gewaltlosen Weg gehen, um ihre Meinung zu zeigen, desto erfolgreicher kann eine Bewegung sein.“ Ein Appell, der nicht ungehört bleiben wird. Mit Zwischenstops in Geislingen (unterstützt vom dortigen Friedensforum), Göppingen (mit einem Empfang durch Bürgermeister Lämmle, der selbst damals in der Kette stand) und Esslingen erreichten vier im Vorfeld und am Montag darauf mit gut 10 Zeitungsberichten mehrere Zehntausend Menschen. Der 23-jährige Tobias Bollinger wies in seiner Rede in Göppingen darauf hin: „Wir – und damit meine ich jetzt meine Generation – haben ein Recht darauf, eine Welt frei von Atomwaffen zu erben. Wir wollen nicht mit diesen zigtausend Atomwaffen und einem bis dahin womöglich völlig nutzlosen Vertragsregime leben müssen.

Wir wollen in einer Welt leben, die auf gegenseitigem Vertrauen und nicht auf Abschreckung basiert. In der man aus der Geschichte lernt, und nicht die gleichen Fehler immer wieder begeht. Wir haben genug andere Probleme die uns hinterlassen werden. Bitte nicht auch noch tausende von Atomwaffen. Das ist nun wirklich das letzte was wir gebrauchen können. Lasst uns also hier und heute – wie vor 25 Jahren - gemeinsam ein Signal setzten für eine friedliche und gerechte Welt ohne Atomwaffen!!!“

Am selben Abend nahmen knapp 40 Personen die Gelegenheit wahr, sich im Stuttgarter Theaterhaus unterhalten zu lassen. Der Kabarettist und AnStifter Peter Grohmann macht mit Elan deutlich, wie wichtig es sei, sich tagtäglich für Frieden, Recht und Gerechtigkeit einzusetzen, der Tübinger Erzähler Hansjörg Ostermayer legte nach über 25 Jahren Abstand wieder einen Sketch der damaligen DFG-VK Theatergruppe Panzerknacker vor und brachte in “1000 Kraniche” eindrücklich die Geschichte von Sadako vor, die 1954 an den Folgen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima starb, der Stuttgarter Sänger Roman Wreden und seine zwei Begleiter überzeugten mit ruhigen, bisweilen melancholischen Liedern, die zum Träumen anregten. Frank Winkler und Konni Schmidt stellten zudem mit einer kleinen Diaschau das Projekt "Bike for Peace and new energies" vor, bei dem 2007 mehrere Dutzend Radler von Paris nach Moskau radelten.

Zum Abschluss wurde in einer Matinee in Kooperation mit den AnStiftern und der Initiative Deserteurdenkmal für Stuttgart im Stuttgarter Kino Atelier am Bollwerk der Film "Camilo - der lange Weg zum Ungehorsam" von Regisseur Peter Lilienthal gezeigt. Auf sehr eindringliche Weise gelang Lilienthal, der in den 70er Jahren zu den bekanntesten deutschen Regisseuren gehörte, das Porträt des US-amerikanischen Irak-Kriegs-Deserteurs Camilo Meija sowie die Geschichten weiterer Soldaten, die als Latinos bei der US-Army anheuerten. Lillienthal bekannte sich im Anschluss an die Matinee vor fast 50 Gästen dazu, dass er niemals eine Waffe angerührt habe und versteht sich als Freund der Friedensbewegung. Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr, machte auf die Notwendigkeit aufmerksam, das Gewissen als Soldat bei Befehlen auf ihre Rechtmäßigkeit im Sinne des Völkerrechts und des Grundgesetzes zu prüfen.

Südwestpresse Ulm 18.10.
Neue Württembergische Zeitung 20.10.
Esslinger Zeitung 20.10.
Südwestpresse Ulm 20.10.
Geislinger Zeitung 20.10.
Tagesspiegel 19.10.

Rhein-Raum 22.10.
Tagesschau 22.10.
SWR Fernsehen 22.10.
Stuttgarter Zeitung 21.10.

fileadmin/user_upload/Radstrecke_18.10.08.xlsDownload Text "Frieden schaffen ohne Waffen"
Download Text "Menschenkette"
Download Rede Tobias Bollinger Göppingen

Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen • 2007 • Impressum